Ratgeber
Erbrecht
Erbe ausschlagen
Erbschaft ausschlagen – die wichtigsten Fragen im Überblick

 

Erbschaft ausschlagen – die wichtigsten Fragen im Überblick

 

 

Der Verlust eines geliebten Menschen geht nicht selten mit einer starken emotionalen Belastung einher – so auch Fragen bezüglich der Erbschaft, besonders wenn die Angehörigen das Erbe ablehnen und ihr Erbrecht ausschlagen müssen.

Erbschaft ausschlagen – die wichtigsten Fragen im Überblick

 

 

Lesezeit: ca. 2 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie u. a. wann es Sinn macht, ein Erbe auszuschlagen, welche Kosten dabei anfallen und welche anderen Möglichkeiten Sie haben, die Erbschaft auszuschlagen.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Wann macht es Sinn, eine Erbschaft auszuschlagen?
2. Was muss beachtet werden, wenn man eine Erbschaft ausschlagen will?
3. Sonderfall minderjährige Erben
4. Fallen Kosten beim Ausschlagen der Erbschaft an?
5. Die Haftungsbeschränkung als andere Option
6. Wann macht eine Nachlassverwaltung Sinn?
7. Wann macht eine Nachlassinsolvenz Sinn?
8. Wann macht eine Dürftigkeitseinrede Sinn?
9. Erbschaft ausschlagen oder Aufgebotsverfahren einleiten?
10. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung durch einen Rechtsanwalt

 

1. Erbschaft ausschlagen: Wann macht es Sinn?

Der Antritt eines Erbes beinhaltet nicht nur die Übernahme sentimentaler und monetärer Vermögenswerte, sondern auch die noch ausstehenden Verbindlichkeiten des Verstorbenen. Es werden also nicht nur Vermögenswerte geerbt, sondern auch die Schulden des Verstorbenen. Ein Erbe kann übrigens immer nur ganz und niemals nur teilweise angenommen werden. So ist gemäß § 1950 BGB die "Annahme oder Ausschlagung eines Teils unwirksam". 

Sind die angehäuften Schulden höher als der Nachlass aus der Erbmasse, so haftet der Erbe mit seinem gesamten Privatvermögen für die Begleichung der Restschuld. Dies wird dann sehr schnell zu einer hohen finanziellen Bürde für den Erben.

In diesem Fall sollten Sie sich als Erbe ins Bewusstsein rufen, dass das Ausschlagen der Erbschaft ein probates Mittel ist, um solch einer Belastung zu entgehen. Sofern sentimentale Werte für Sie dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen, müssen Sie im Grunde nur die Vermögenswerte den Verbindlichkeiten gegenüberstellen.

 

2. Erbschaft ausschlagen – was ist zu beachten?

Binnen sechs Wochen, "nachdem der Tatbestand der Erbschaft in den Erkenntnisbereich des potentiellen Erben gelangt ist", nachdem Sie also von der Erbschaft erfahren haben, müssen Sie sich für oder gegen das Erbe aussprechen (§ 1944 BGB)! Wird die Hinterlassenschaft abgelehnt, so ist dies dem Nachlassgericht persönlich mitzuteilen oder hat unter Zuhilfenahme eines Notars zu erfolgen! Einzig in Baden-Württemberg hat die Ausschlagungserklärung beim staatlichen Notariat zu erfolgen. Erben sollten beachten, dass sie lediglich vom Nachlassgericht kontaktiert werden, sofern ein Testament vorhanden ist oder sich die Erbreihenfolge verändert.

 

3. Sonderfall minderjährige Erben

Prinzipiell sind auch Kinder und Jugendliche von Gesetzes wegen her erbfähig. Minderjährige Erben können den Nachlass jedoch nicht selbstständig ablehnen. Ein Erbe ausschlagen können einzig die gesetzlichen Vertreter mithilfe einer von ihnen unterzeichneten öffentlichen Beglaubigung. Die Ausschlagung bedarf hierbei allerdings der Genehmigung des zuständigen Familiengerichts.

 

4. Fallen Kosten beim Ausschlagen der Erbschaft an?

Ja. Anfallende Gebühren sind beim Nachlassgericht zu begleichen. Vergleichsweise überschaubar fallen diese bei der Ausschlagung eines überschuldeten Erbes mit pauschal 30 Euro aus (KV 21201 Nr. 7 GNotKG). Beinhaltet die Erbschaft finanziell lohnende Vermögensgegenstände, so fallen Kosten nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz an. Dabei wird das Verfahren wird umso teurer, je höher der Nachlasswert ist (§ 103 Abs. 1 GNotKG). Die genauen Kosten kann Ihnen ein Rechtsanwalt bei einer Beratung aufschlüsseln. 

 

Anwalt Erbschaft ausschlagen Rechtsanwalt Rechtsberatung Beratung

 

5. Erbschaft ausschlagen – Haftungsbeschränkung als Option

Die Erbschaft ausschlagen ist nicht die einzige Option, die einem Hinterbliebenen zur Verfügung steht. Zwar ist die teilweise Ausschlagung eines Erbes nicht möglich, sehr wohl aber eine Haftungsbeschränkung. Ist beispielsweise nicht ersichtlich, ob nach Abzug aller Schulden ein Restguthaben aus der Erbmasse verbleibt, kann es gegebenenfalls sinnvoll sein, von einer Haftungsbeschränkung Gebrauch zu machen. Dann werden die noch ausstehenden Verbindlichkeiten des Verstorbenen aus dem Nachlass getilgt, ohne dabei den Erben finanziell in die Pflicht zu nehmen. Um die Haftungsbeschränkung aufzusetzen und um die Konditionen rechtswirksam festzuhalten, ist ein Rechtsanwalt uabdingbar.

Möglichkeiten zur Beschränkung der Haftung auf den Nachlass zur Deckung der Verbindlichkeiten des Erblassers:

  • Nachlassverwaltung,
  • Nachlassinsolvenzverfahren,
  • Dürftigkeitseinrede,
  • Angebotsverfahren.

 

6. Wann macht eine Nachlassverwaltung Sinn?

Ist innerhalb der Ausschlagungsfrist nicht absehbar, ob die Höhe der Verbindlichkeiten die des Vermögens übersteigen, sollten Erbende eine Nachlassverwaltung anstreben. Hierfür setzt das Gericht einen Verwalter ein, der das Erbe zu dem Zwecke ordnet, dass die Nachlassgläubiger zufriedengestellt werden. Zur Begleichung der Schulden wird dann lediglich auf die Erbmasse des Verstorbenen zurückgegriffen. Sollte nach der Tilgung Geld übrig bleiben, so steht dies den Erben zu.

 

7. Wann macht eine Nachlassinsolvenz Sinn?

Kristallisiert sich unverkennbar eine Überschuldung des Nachlasses heraus, so sollte der Erbe unbedingt zur Haftungsbremse „Nachlassinsolvenz“ greifen. Dabei ist ein entsprechender Antrag auf Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens unverzüglich beim Insolvenzgericht zu stellen. Kommt ein Erbe dieser Pflicht nicht nach, so ist er den Gläubigern gemäß § 1980 BGB Schadensersatz schuldig, welcher sich nicht nur auf die Hinterlassenschaft beschränkt! Das Verfahren ist mühselig und mit erheblichen Gerichts- und Anwaltskosten verbunden, bewirkt aber, dass der Erbe für die Schulden nicht haftet. Für eine Beratung zur Nachlassinsolvenz können Sie unten Ihren Fall schildern.

 

8. Erbschaft ausschlagen: Wann macht eine Dürftigkeitseinrede Sinn?

Das Insolvenzgericht wird ein Nachlassinsolvenzverfahren nur eröffnen, wenn ersichtlich ist, dass wenigstens die entstehenden Verfahrenskosten einschließlich der Vergütung des Insolvenzverwalters gedeckt sind. Ist dies nicht der Fall, hat der Erbende laut § 1990 BGB die Möglichkeit, nach dem Mittel der Dürftigkeitseinrede zu greifen. Mithilfe dieses Leistungsverweigerungsrechts können Sie die Begleichung der Nachlassschulden verweigern. Grundvoraussetzung ist und bleibt jedoch, dass das Erbe so gering ausfällt, dass Kosten aus der Nachlassverwaltung oder dem Nachlassinsolvenzverfahren nicht gedeckt werden können. Dabei obliegt dem Erben der Nachweis der Dürftigkeit der Hinterlassenschaft. Beweisen lässt sich die Dürftigkeit beispielsweise durch Vorlage eines entsprechenden Gerichtsbeschlusses, der eine Ablehnung des Antrags auf Nachlassverwaltung oder –insolvenz mangels Erbmasse belegt.

 

9. Erbschaft ausschlagen oder Aufgebotsverfahren einleiten?

Das Aufgebotsverfahren ermöglicht dem Erben festzustellen, ob eine Überschuldung des Nachlasses vorliegt. Dabei sind Erben nach Annahme der Erbschaft berechtigt, das Aufgebotsverfahren beim entsprechenden Nachlassgericht zu beantragen. Nach Bewilligung des schriftlich gestellten Antrags fordert das Gericht die jeweiligen Nachlassgläubiger auf, binnen einer bestimmten Frist ihre Forderungen anzumelden. Ist die Aufgebotsfrist abgelaufen, verkündet der Richter ein Ausschlussurteil, in welchem die ordnungsgemäß angemeldeten Forderungen vorbehalten und die übrigen ausgeschlossen werden. Hat ein Gläubiger diese Frist verpasst, erlöscht sein Anspruch zwar nicht gänzlich, wird aber erst zuletzt berücksichtigt, sofern noch Erbmasse zur Tilgung vorhanden ist. Ist das Erbe aufgebraucht, muss der Hinterbliebene auch in diesem Fall nicht befürchten, mit seinem Privatvermögen zur Rechenschaft gezogen zu werden. Stattdessen kann der Erbende weiteren Gläubigern die „Einrede der Nachlasserschöpfung“ entgegenhalten. So beruft er sich darauf, dass der Nachlass bereits durch die Befriedigung anderer Gläubiger erschöpft ist.

 

10. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung durch einen Rechtsanwalt

Wenn Sie Fragen zum Thema Erbausschlagung haben, wenden Sie sich an unsere Rechtsexperten. Anwaltliche Erstberatungen kosten gem. § 34 I RVG bis zu 190,00 Euro zzgl. MwSt. Durch unsere Kooperation mit einem auf Gesellschaftsrecht spezialisierten Rechtsanwalt können wir Ihnen eine Ersteinschätzung kostenfrei anbieten.

 

Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Frage kostenfrei mit unserem Anwalt für Erbrecht zu besprechen.

Einfach den Sachverhalt kurz beschreiben, absenden und noch am selben Tag eine kostenlose telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

 

Das könnte Sie auch interessieren ...

 

Bildquellen Copyright (c): kzenon, Jean-Paul CHASSENET – 123rf.com





Weitere Beiträge zum Thema Erbe ausschlagen
Pflichtteil Bruder und Schwester – wann steht Geschwistern der Pflichtteil zu?
Alleinerbe – Rechte & Pflichten von Alleinerben im Überblick
Pflichtteil uneheliche Kinder – wann haben uneheliche Kinder Anspruch auf den Pflichtteil?

mehr...

Zurück


 

Sie haben noch offene Fragen?

Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung

0800 400 18 80
Rund um die Uhr erreichbar
Wenn Sie weiterhin auf dieser Seite bleiben, erklären Sie sich mit der Nutzung von Cookies einverstanden.
Weiterlesen …