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Das Berliner Testament – alles Wichtige für Erblasser & Erben auf einen Blick

 

Das Berliner Testament – alles Wichtige für Erblasser & Erben auf einen Blick

 

 

90 % der verheirateten Paare haben ihren Nachlass mithilfe eines Berliner Testaments geregelt. Hierbei setzen sie sich gegenseitig als Alleinerben ein, damit der Verbliebene seinen Lebensstandard halten kann. Doch mit dem Berliner Testament sind nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile verbunden, die in diesem Beitrag gegenübergestellt werden. Außerdem erfahren Sie alles über Form, Formulierung, Kosten und Änderungen am Berliner Testament.

Das Berliner Testament – alles Wichtige für Erblasser & Erben auf einen Blick

 

Lesezeit: ca. 6 Min.

 

Dieser Beitrag informiert Sie unter anderem darüber, wie ein Berliner Testament verfasst wird, welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt, welche Formulierungen nicht fehlen sollten und wie man ein Berliner Testament ändern kann.

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsproblem oder Ihre Fragen zum Berliner Testament kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht besprechen.

Einfach den Fall kurz schildern, absenden und noch am selben Tag eine kostenlose telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist das Berliner Testament?
2. Berliner Testament - wer erbt wie viel?
3. Die Vorteile des Berliner Testaments
4. Die Nachteile des Berliner Testaments
5. Wie ist ein Berliner Testament zu gestalten?
6. Welche Kosten sind mit einem berliner Testament verbunden?
7. Das Berliner Testament & der Pflichtteil - die Pflichtteilsstrafklausel
8. Das Berliner Testament ändern
  8.1 Die Freistellungsklausel im Berliner Testament
  8.2 Die Wiederverheiratungsklausel im Berliner Testament
9. Das Berliner Testament & Scheidung
10. Das Berliner Testament anfechten
11. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

 

1. Was ist das Berliner Testament?

Das Berliner Testament wird auch Ehegattentestament oder gemeinschaftliches Testament genannt. In ihm werden die Ehepartner als gegenseitige Alleinerben eingesetzt. Stirbt einer der beiden, geht der Nachlass auf den anderen über – er ist somit der sogenannte Vorerbe. Die Kinder sind zu diesem Zeitpunkt zunächst von der Erbfolge ausgeschlossen. Erst wenn auch der zweite Ehegatte verstirbt, erben die Verwandten – sie sind somit die Schluss- bzw. Nacherben.

 

2. Berliner Testament – wer erbt wie viel?

Das Berliner Testament setzt den überlebenden Ehepartner als Alleinerben ein. Alle anderen Erbberechtigten und auch die Pflichtteilsberechtigten gehen zunächst leer aus. Wer im zweiten Erbfall wie viel erbt, kann individuell bestimmt werden und ist somit von den Formulierungen im Testament abhängig. Dabei sollten aber etwaige Pflichtteilsansprüche berücksichtigt werden.

 

3. Die Vorteile des Berliner Testaments

Das Berliner Testament ist deshalb so beliebt unter Eheleuten, weil der Partner nach dem Tod seines Gatten bzw. seiner Gattin den gleichen Lebensstandard fortführen kann. Da der gesamte Besitz auf ihn übergeht und auch keine Pflichtteilsansprüche geltend gemacht werden dürfen (dazu unten mehr), besteht keine Gefahr, dass er das gemeinsame Haus oder wertvolle Erinnerungsstücke verkaufen muss, um die Miterben auszubezahlen.

 

4. Die Nachteile des Berliner Testaments

Hinsichtlich der Erbschaftssteuer ist das Berliner Testament hingegen nicht die optimale Lösung. Dadurch, dass die Verwandten nach dem ersten Todesfall nichts erben, können sie ihre Steuerfreibeträge nicht ausnutzen. Somit fallen im zweiten Todesfall durch den hohen Wert des Erbes mehr Steuern für die Erben an. Hinzu kommt, dass zunächst der Alleinerbe den Nachlass des Partners versteuern muss und die Schlusserben später das gesamte Erbe erneut. Somit fallen die Steuern für einen Teil der Erbmasse (des Erstverstorbenen) doppelt an. Tipps zur Steuereinsparung erhalten Sie im Beitrag: „So können Sie die Erbschaftssteuer umgehen“.

Zudem gibt es in vielen Ländern nicht die Möglichkeit eines gemeinschaftlichen Testaments, weswegen ein Berliner Testament unwirksam ist, wenn ein ausländisches Erbrecht angewandt wird.

 

5. Wie ist ein Berliner Testament zu gestalten?

Das Berliner Testament kann nur zwischen verheirateten Personen bzw. Personen in eingetragenen Lebenspartnerschaften aufgesetzt werden. Für unverheiratete Paare bietet sich daher oftmals ein Erbvertrag mit ähnlichem Inhalt an.

Für den letzten Willen gelten gesetzliche Formvorschriften. Wie jedes andere Testament muss auch das Berliner Testament handschriftlich und von einem der Erblasser eigenhändig geschrieben werden. Am Ende der letztwilligen Verfügung ist der Ort und das aktuelle Datum zu nennen sowie die Unterschrift beider Parteien nötig. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag „Testament schreiben: Vererben leicht gemacht“.

Bei der Formulierung des Berliner Testaments ist den Erblassern weitestgehend freie Hand gelassen. Bestimmte Inhalte sind aber üblich: Zunächst legen Sie immer fest, dass Ihr Partner Ihr Alleinerbe wird. Das bedeutet, alle anderen bekommen nichts – es sei denn, Sie verfügen zusätzlich Vermächtnisse. Anschließend bestimmen Sie, wer als Schlusserbe wie viel erben soll (zum Beispiel alle drei Kinder zu gleichen Teilen). Ob es Ihre eigenen Kinder, Stiefkinder oder Dritte sind, spielt dabei keine Rolle.

Im Berliner Testament kann zudem ein Nießbrauchsrecht angeordnet werden, das dem überlebenden Elternteil zum Beispiel ein lebenslängliches Wohnrecht im Elternhaus durch Eintragung ins Grundbuch gewährt. Darüber hinaus steht es Ihnen frei, ob Sie im Testament die Bestellung eines Testamentsvollstreckers anordnen bzw. diesen direkt benennen.

Wegen der hohen Bindungswirkung des Berliner Testaments bieten sich einige Befreiungsklauseln an. Dazu gehören die Wiederverheiratungsklausel, die Freistellungsklausel und die Pflichtteilsstrafklausel. Welche Wirkungen diese Klauseln haben, wird weiter unten ausführlich erklärt.

Zur Absicherung vor Fehlern empfiehlt sich der Zusatz „Bei der Unwirksamkeit einer in diesem Testament enthaltenen Anordnung, bleiben alle übrigen Verfügungen dennoch wirksam.“

 

Muster:

 

Wir, _________ _________ [Vor- & Nachname des 1. Ehepartners], geb. am __.__.____ in _________ [Geburtsdatum & Geburtsort], und _________ _________ [Vor- & Nachname des 2. Ehepartners], geb. am __.__.____ in _________ [Geburtsdatum & Geburtsort], setzen uns unabhängig von Pflichtteilsberechtigten gegenseitig als Alleinerben ein.

Als alleinige Schlusserben werden unsere gemeinsamen Kinder eingesetzt. Die Kinder sollen zu gleichen Teilen erben oder unsere Kinder (alle Namen) sollen zu je X Erbanteilen erben.

Freistellungsklausel: Der überlebende Ehepartner ist berechtigt, diese Erbeinsetzung unter unseren ehelichen Kindern und deren Abkömmlingen nach seinem Belieben abzuändern.

Wiederverheiratungsklausel: Im Falle einer erneuten Heirat soll das bereits angefallene Erbe an unsere Kinder herausgegeben werden.

Pflichtteilsstrafklausel: Macht einer der Abkömmlinge im ersten Erbfall seinen gesetzlichen Pflichtteilsanspruch geltend, so soll er auch beim zweiten Erbfall enterbt sein und nur seinen Pflichtteil bekommen.

Ist eine der in diesem Testament enthaltenen Anordnungen unwirksam, so bleiben alle übrigen Verfügungen wirksam.

In Berlin am 01.10.2017, _________________
[Ort, Datum & Unterschrift des 1. Ehepartners]

Dies ist auch mein letzter Wille.

In Berlin am 01.10.2017, _________________
[Ort, Datum & Unterschrift des 2. Ehepartners]

 

Bedenken Sie, dass es sich hierbei nur um ein Muster und keine universell einsetzbare Vorlage handelt. Zudem muss ein Berliner Testament stets handgeschrieben sein.

 

6. Welche Kosten sind mit einem Berliner Testament verbunden?

Im Gegensatz zum Einzeltestament benötigt ein Berliner Testament eine notarielle Beurkundung, um Wirksamkeit zu entfalten. Hierfür fallen die zweifachen Gebühren nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) an. Der Notar berechnet seine Kosten anhand Ihres Vermögens zum Zeitpunkt der Testamentserstellung. Der sogenannte Geschäftswert beziffert die Höhe Ihres Besitzes abzüglich der Hälfte Ihrer Schulden Die Mindestgebühr für die notarielle Beurkundung des Testaments beträgt 120 Euro.

Entscheiden Sie sich für die sichere Variante und lassen Ihr Berliner Testament von einem Anwalt ausarbeiten – damit beispielsweise alle Formvorschriften eingehalten und alle Spezialfälle nach Ihren Wünschen geregelt sind –, berechnet dieser sein Honorar ebenfalls nach dem Geschäftswert. Sämtliche Kosten rund um das Berliner Testament sind also abhängig davon, wie hoch Ihr derzeitiges Vermögen ist.

Auszug aus dem GNotKG Anlage 2 – Tabelle B:

Geschäftswert

Einfache Gebühr

Bis 500 Euro

15 Euro

501–1.000 Euro

19 Euro

9.001–10.000 Euro

75 Euro

10.001–13.000 Euro

83 Euro

50.001–65.000 Euro

165 Euro

200.001–230.000 Euro

485 Euro

500.001–550.000 Euro

1.015 Euro

1.000.001–1.050.000 Euro

1.815 Euro

 

7. Das Berliner Testament & der Pflichtteil – die Pflichtteilsstrafklausel

Durch das Berliner Testament werden Kinder nach dem Ableben des ersten Elternteils zunächst enterbt. Daraus resultiert ein gesetzlicher Anspruch auf den Pflichtteil. Dies ist eine finanzielle Mindestbeteiligung am Erbe und schützt nahe Angehörige vor einer vollständigen Enterbung. Damit Angehörige nicht bereits nach dem ersten Erbfall ihren Pflichtteil einfordern und den überlebenden Ehepartner damit in finanzielle Not bringen, beinhalten Berliner Testamente in der Regel eine Pflichtteilsstrafklausel.

Diese besagt, dass die Person, die nach dem ersten Todesfall bereits ihren Pflichtteilsanspruch geltend macht, enterbt wird und ihr somit im zweiten Todesfall auch nur noch der Pflichtteil zusteht. Die Strafklausel kann den Pflichtteilsanspruch nach dem ersten Todesfall dabei nicht verhindern, sondern stellt lediglich eine Hürde für Pflichtteilsberechtigte dar. Im Streitfall kann derjenige also dennoch den Pflichtteil einklagen.

 

8. Das Berliner Testament ändern

Änderungen des Berliner Testaments sind nur möglich, wenn beide Parteien diesen zustimmen. Somit ist das Testament unveränderbar, sobald der Partner verstorben ist. Änderungen können demnach in der Regel nicht von einer einzelnen Person vorgenommen werden – es sei denn, die Erblasser haben entsprechende Klauseln vereinbart.

 

8.1 Die Freistellungsklausel im Berliner Testament

Um ein Berliner Testament nach dem Tod seines Ehepartners doch noch ändern zu können, muss eine Freistellungsklausel vereinbart werden. Bei entsprechender Formulierung kann der Verbliebene nach dem ersten Erbfall weitestgehend von der Bindungswirkung befreit werden und falls nötig eine abweichende Erbfolge nach seinem Ermessen vornehmen. Hierbei kommt es auf die korrekte Formulierung an.

Ungünstig ist, wenn der Verbliebene die Verfügungsgewalt über das gemeinsame Vermögen haben soll. Hier entschied das OLG Bamberg 2015, dass nicht die Bindungswirkung aufgehoben ist, sondern der Überlebende lediglich zu seinen Lebzeiten frei verfügen darf. (Az.: 4 W 105/15). Deswegen ist es besser, wenn der Ehepartner nach dem Tod des anderen berechtigt ist, diese Erbeinsetzung unter den Kindern und deren Abkömmlingen nach seinem Belieben abzuändern.

 

Berliner Testament Scheidung

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8.2 Die Wiederverheiratungsklausel im Berliner Testament

Durch eine Wiederverheiratungsklausel wird verhindert, dass das Erbe des Erstverstorbenen in die neue Familie des überlebenden Partners einfließt. Sie beinhaltet für gewöhnlich, dass das bereits angefallene Erbe bei einer erneuten Heirat ganz oder teilweise an die Schlusserben herausgegeben werden muss. Damit ist der Nachlass des Erstverstorbenen abschließend geregelt und der überlebende Partner kann wieder frei über sein eigenes Erbe verfügen.

 

9. Das Berliner Testament & Scheidung

Gemäß § 2077 BGB wird das Berliner Testament automatisch unwirksam, sobald die Ehe der Testierer geschieden ist. Dies gilt auch dann, wenn zum Todeszeitpunkt alle Voraussetzungen für eine Scheidung vorlagen, diese aber noch nicht vollzogen wurde.

 

10. Das Berliner Testament anfechten

Das Berliner Testament ist beispielsweise wegen Formfehlern, ungenauen Formulierungen oder mangelnder Testierfähigkeit anfechtbar. Wer ein Testament anfechten kann und welche Gründe eine Anfechtung rechtfertigen, erfahren Sie im Beitrag: „Testament anfechten lassen“.

 

11. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Das Berliner Testament ist bei Eheleuten äußerst beliebt, birgt allerdings auch Risiken – zum Beispiel durch die hohe Bindungswirkung. Wer ein Berliner Testament verfassen will, sollte sich über den möglichen und zwingend notwendigen Inhalt umfassend informieren, um Angehörige im Erbfall nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Zwar muss ein Berliner Testament notariell beurkundet werden, dabei wird aber nicht der Inhalt, sondern lediglich die Unterschriften überprüft. Für eine rechtliche und inhaltliche Absicherung ist daher die Hilfe eines Anwalts nötig. Dieser wird Sie in einem kostenfreien Erstgespräch zunächst über Ihre Möglichkeiten hinsichtlich des Berliner Testaments aufklären.

 

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