Nacherbschaft – Erklärung, Erbschaftssteuer & Anspruch auf Pflichtteil

Nacherbschaft – Erklärung, Erbschaftssteuer & Anspruch auf Pflichtteil

 von Johanna Metzger (jur. Redaktion)
Nacherbschaft – Erklärung, Erbschaftssteuer & Anspruch auf Pflichtteil
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Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Was ist eine Nacherbschaft?
  2. Abgrenzungen & Unterschiede …
  3. Rechte & Pflichten bei Nacherbschaft
  4. Nacherbschaft auf den Überrest
  5. Anordnung einer Nacherbschaft
  6. Auswirkungen einer Nacherbschaft auf …
  7. Ausschlagung einer Nacherbschaft
  8. Verjährungsfrist der Nacherbschaft
  9. Alternativen zur Nacherbschaft
  10. Zusammenfassung: Vor- & Nachteile einer Nacherbschaft
  11. Tipp: kostenfreie Ersteinschätzung im Erbrecht

In diesem Beitrag erfahren Sie u. a., was eine Nacherbschaft ist, welche Rechte und Pflichten damit verbunden sind und welche Vor- und Nachteile sie hat.

 

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1. Was ist eine Nacherbschaft?

Bei einer Nacherbschaft erbt eine Person nach einer anderen. Das bedeutet, ein Erblasser legt in seinem Testament oder Erbvertrag fest, dass verschiedene Personen – beispielsweise Ehefrau und Kinder – zeitlich versetzt erben. Stirbt der sogenannte Vorerbe oder wird eine festgelegte Bedingung – z. B. die Volljährigkeit des Nacherben – erfüllt, geht die Erbschaft auf den Nacherben über und die Nacherbschaft tritt ein.

 

2. Abgrenzungen & Unterschiede …

Einer Nacherbschaft geht immer eine Vorerbschaft voraus. Trotz ihres unmittelbaren Zusammenhangs müssen beide voneinander abgegrenzt werden. Außerdem wird der Begriff der Nacherbschaft häufig mit dem der Schlusserbschaft verwechselt.

Worin die Unterschiede im Einzelnen bestehen und in welchem Verhältnis der Ersatzerbe zum Nacherben steht, lesen Sie in den folgenden Abschnitten.

 

2.1 … zur Vorerbschaft

Vor- und Nacherbschaft unterscheiden sich vor allem im Zeitpunkt der Erbschaft.

Ein Vorerbe erhält die Verfügungsgewalt über den Nachlass unmittelbar nach Eintritt des Erbfalls. Eine Nacherbschaft hingegen wird erst mit dem Tod des Vorerben oder nach Ablauf einer vom Erblasser festgelegten Frist auf den Nacherben übertragen. Vor- und Nacherbe erben also nacheinander.

Für beide gelten dabei zum Teil dieselben Rechte und Pflichten – z. B. bezüglich

  • Nachlassverbindlichkeiten und
  • Erbschaftssteuer.

Ein Unterschied ist allerdings, dass der Vorerbe den

  • Nachlass ordnungsgemäß verwalten und sicher verwahren muss sowie
  • ohne Zustimmung des Nacherben nichts daraus veräußern darf.

Ein Nacherbe unterliegt solchen Beschränkungen nicht. Er kann den Nachlass zudem auch schon während einer Vorerbschaft steuern, indem er z. B. Veräußerungen aus dem Nachlass verhindert.

Eine detaillierte Zusammenfassung hierzu finden Sie in Kapitel 3 – Rechte & Pflichten bei Nacherbschaft.

 

2.2 … zur Schlusserbschaft

Eine Schlusserbschaft wird meist in einem

angeordnet. Dabei setzen sich Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein. Erst nach dem Tod des Letztversterbenden erbt eine dritte Person – der Schlusserbe. Diesem steht dann das Vermögen beider Ehepartner zu.

Im Gegensatz zum Nacherben hat ein Schlusserbe vor Eintritt des zweiten Erbfalls keinerlei Einfluss auf das Erbe.

 

2.3 … zum Ersatzerben

Verstirbt ein Erbe bereits vor Eintritt des Erbfalls oder nimmt er die Erbschaft aus anderen Gründen nicht an, kann eine Ersatzerbschaft ungewollte Konsequenzen verhindern. Sinnvoll ist eine Abwägung dieser Möglichkeit vor allem bei

  • Einsetzung eines Alleinerben oder
  • bei einer Vor- und Nacherbschaft.

Wird ein Erbe nicht angenommen oder verstirbt ein vorgesehener Erbe, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Somit würden nahe Angehörige erben, die vielleicht gar nicht bedacht werden sollten.

Damit dies verhindert wird, kann ein Ersatzerbe eingesetzt werden – dieser ist dann unmittelbarer Erbe des Erblassers und tritt anstelle des Ausschlagenden oder Verstorbenen.

Darin unterscheidet sich auch die Ersatz- von der Nacherbschaft. Ein Nacherbe erbt erst, nachdem der Nachlass zunächst einem Vorerben zugefallen ist. Wurde sowohl für den Vor- als auch den Nacherben ein Ersatzerbe benannt, würde dieser nur erben, wenn Vor- oder Nacherbe verstorben sind oder aus anderen Gründen die Erbschaft nicht antreten.

 

3. Rechte & Pflichten bei Nacherbschaft

Rechte und Pflichten einer Nacherbschaft richten sich danach, ob ein Vorerbe beschränkt oder befreit ist. Beide Begrifflichkeiten erklären wir Ihnen jetzt.

 

Beschränkter Vorerbe

Im Regelfall geht der Nacherbschaft eine beschränkte Vorerbschaft voraus – wenn im Testament oder Erbvertrag nichts anderes bestimmt wurde. Ohne Einverständnis des Nacherben darf der Vorerbe somit keine Nachlassgegenstände verkaufen, verschenken oder für eigene Zwecke verwenden.

Beschränkte Vorerben dürfen jedoch – auch ohne Zustimmung des Nacherben – vom Nachlass profitieren und z. B. Einnahmen aus Mieten oder Zinsen behalten.

 

Befreiter Vorerbe

Will ein Erblasser den Vorerben nicht derart einschränken, kann er diesen befreien. Ein befreiter Vorerbe kann ohne die Zustimmung eines Nacherben über den Nachlass bestimmen – z. B. Gegenstände veräußern oder mit dem Nachlassvermögen spekulieren.

Eine maßgebliche Schmälerung des Nachlasses – z. B. durch willkürliche Schenkungen – ist jedoch unzulässig.

 

Nacherbe

Obwohl ein Nachlass erst mit Wegfall des Vorerben auf den Nacherben übergeht, hat dieser schon vorher Einfluss auf den Nachlass – z. B. kann er dem Vorerben seine Zustimmung zur Veräußerung von Grundstücken und Immobilien verweigern. Zudem kann er

  • die ordnungsgemäße Verwaltung des Nachlasses verlangen,
  • Rechenschaft über den Nachlass einfordern,
  • Schadensersatz und Sicherheitsleistungen – bei Verletzung seiner Rechte – geltend machen und
  • auf die Erstellung eines Nachlassverzeichnisses bestehen.

Ein Nacherbe hat bis zum Eintritt des Nacherbfalls keine Verfügungsgewalt über das Erbe, trotzdem kommen im Regelfall bereits während der Vorerbschaft Pflichten auf ihn zu. Müssen z. B. Gegenstände aufgrund von Nachlassverbindlichkeiten veräußert werden, muss der Nacherbe zustimmen.

Nach Eintritt des Nacherbfalls muss ein Nacherbe allein für Nachlassverbindlichkeiten haften – der Vorerbe ist dann von dieser Pflicht befreit.

Eine Nacherbschaft kann natürlich auch ausgeschlagen werden. Nähere Informationen dazu finden Sie in Kapitel 7 – Ausschlagung einer Nacherbschaft.

 

4. Nacherbschaft auf den Überrest

Nacherbschaft auf den Überrest bedeutet, dass der Nacherbe lediglich das erhält, was vom Erbe noch übrig ist. Ein Vorerbe kann mit diesem Zusatz – wenn dies vom Erblasser ausdrücklich im Testament vermerkt ist – einen Nachlass und alle darin befindlichen Gegenstände

  • verwenden und auch
  • verbrauchen.

Dies darf jedoch keinen arglistigen Hintergrund haben – der Vorerbe darf dem Nacherben also nicht bewusst schaden wollen. Eine Nacherbschaft auf den Überrest ist zwar gesetzlich nicht vorgesehen, nach herrschender Lehre und Rechtsprechung jedoch zulässig.

 

5. Anordnung einer Nacherbschaft

Wenn eine Nacherbschaft im Testament angeordnet werden soll, müssen dabei bestimmte Inhalte und Formvorschriften beachtet werden. Welche das sind und wie die Anordnung einer Nacherbschaft formuliert sein könnte, erfahren Sie in diesem Kapitel.

 

5.1 Wichtige Inhalte & Formvorschriften

Welche Formvorschriften bei Einsetzung einer Nacherbschaft eingehalten werden müssen, ist abhängig von der Wahl der letztwilligen Verfügung. Dabei kann sich ein Erblasser zwischen

  • einem Testament und
  • einem Erbvertrag

entscheiden. Bei der Erstellung sollten dann die jeweils geltenden Formvorschriften eingehalten und folgende Inhaltspunkte unbedingt berücksichtigt werden:

  • Wer ist Vor- und Nacherbe?
  • Darf der Vorerbe befreit oder beschränkt handeln?
  • Zu welchem Zeitpunkt tritt die Nacherbschaft ein?
  • Was passiert, wenn der Nacherbe vor dem Vorerben verstirbt?
  • Soll es eine Testamentsvollstreckung geben – z. B. um sicherzustellen, dass dem letzten Wille des Erblassers auch entsprochen wird? Wenn ja: Wer soll als Testamentsvollstrecker eingesetzt werden?
  • Sollen Ersatzerben bestimmt werden?

LINK-TIPP: Weitere Informationen zum Verfassen des letztes Willens lesen Sie in unseren Beiträgen Testament schreiben und Erbvertrag.

 

5.2 Muster zur Anordnung einer Nacherbschaft

Im Folgenden stellen wir Ihnen ein Muster für die Anordnung einer Nacherbschaft zur Verfügung. Bitte beachten Sie, dass dieses nur Beispielcharakter hat – wie die Anordnung einer Nacherbschaft in Ihrem Fall aussehen müsste, ist abhängig von individuellen Gegebenheiten und Familienkonstellationen.

 

Mein letzter Wille

Hiermit setze ich, Max Mustermann, meine Ehefrau, Anna Mustermann, geb. Müller, als befreite Vorerbin ein. Als Nacherben bestimme ich meine Kinder Lisa und Tom. Die Nacherbschaft tritt mit dem Tod der Vorerbin, Anna Mustermann, ein.

Sollte einer der Nacherben bereits vor der Vorerbin verstorben sein, geht der jeweilige Anteil auf dessen Abkömmlinge über.

Als Testamentsvollstrecker setze ich ebenfalls meine Ehefrau, Anna Mustermann, ein. Sollte sie dazu nicht in der Lage sein, bitte ich das Nachlassgericht, einen Testamentsvollstrecker zu ernennen.

Musterstadt, den …

Unterschrift

 

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6. Auswirkungen einer Nacherbschaft auf …

Wie sich eine Nacherbschaft auf

  • den gesetzlichen Pflichtteil,
  • die Erbschaftssteuer und
  • mögliche Grundbucheintragungen

auswirkt, erklären wir Ihnen in den folgenden Abschnitten.

 

6.1 … den Pflichtteil

Im Falle einer Nacherbschaft kann ein Nacherbe abwägen, ob er das Erbe annehmen möchte oder es ausschlägt und stattdessen seinen Pflichtteil am Erbe einfordert.

Dem Nacherben wird hier ein Wahlrecht eingeräumt. Voraussetzung für dieses Wahlrecht ist natürlich, dass der Nacherbe auch pflichtteilsberechtigt ist – das trifft meist auf Kinder, Ehepartner oder Eltern des Erblassers zu.

Ob ein solcher Schritt vernünftig ist, ist immer abhängig vom Einzelfall.

 

Vorteile

Von Vorteil ist die schnelle Verfügbarkeit von Barmitteln. Zudem muss sich der Nacherbe keine Gedanken über den Umgang des Vorerben mit dem Nachlass machen.

 

Nachteile

Nachteilig hingegen ist, dass dem Nacherben durch den Pflichtteil dann nur ein geringerer Teil des Erbes zukommt. Nach dem Tod des Vorerben hat der Nacherbe keinerlei Anspruch mehr auf den Nachlass – auch von Vermögensmehrung kann der Nacherbe nicht mehr profitieren.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag „Pflichtteil“.

 

6.2 … die Erbschaftssteuer

Im Erbschaftssteuerrecht geht man bei einer Nacherbschaft von zwei Erbfällen aus:

  • die Übertragung des Nachlasses an den Vorerben sowie
  • die Übertragung des Nachlasses an den Nacherben.

Bei Ersterem muss der Vorerbe Erbschaftssteuer entrichten und bei Letzterem der Nacherbe. Dieser ist zivilrechtlich zwar Erbe des ursprünglichen Erblassers, erbschaftssteuerlich muss er jedoch den vom Vorerben stammenden Erwerb versteuern.

Tritt die Nacherbschaft aufgrund des Ablaufs einer vom Erblasser festgelegten Frist ein, kann die vom Vorerben entrichtete Steuer jedoch angerechnet werden.

Weitere Informationen zur Erbschaftssteuer finden Sie in unseren Beiträgen Erbschaftssteuer berechnen und Erbschaftssteuer umgehen.

 

6.3 … Grundbucheintragungen

Bei einer Vor- und Nacherbschaft gehen Vermögen und alle Nachlassgegenstände – auch Grundstücke – zuerst an den Vorerben über. Damit der Vorerbe nicht frei über Grundstücke verfügen kann, wird von Amts wegen ein Nacherbenvermerk im Grundbuch eingetragen.

Das schützt zum einen den Nacherben und zum anderen Dritte, die ein Grundstück deswegen nicht gutgläubig erwerben. Möchte ein Vorerbe ein Grundstück veräußern, bedarf es somit immer der Zustimmung des Nacherben.

Zustimmung benötigt der Vorerbe natürlich nur, wenn der Nacherbe die Nacherbschaft auch annimmt. Ist dies nicht der Fall, ergeben sich sowohl für Vor- als auch Nacherben neue Rechte und Pflichten.

Welche Möglichkeiten sich bei einer Ausschlagung für den Nacherben ergeben, was dabei beachtet werden sollte und was sich für den Vorerben ändert, erfahren Sie im folgenden Kapitel.

 

Ausschlagung einer Nacherbschaft

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7. Ausschlagung einer Nacherbschaft

Möchte ein Nacherbe sein Erbe ausschlagen, kann er

Bei Letzterem fällt – soweit nicht anders vom Erblasser vermerkt – die gesamte Erbschaft an den Vorerben.

Für den Nacherben gilt bei der Erbausschlagung nach § 2142 BGB ein besonderes Ausschlagungsrecht. Er kann die Nacherbschaft bereits mit dem Eintritt des ersten Erbfalls (Vorerbe) ausschlagen – nach der gesetzlichen Norm müsste er normalerweise bis zum Eintritt des Nacherbfalls warten.

Zudem greift auch die gesetzlich vorgeschriebene Ausschlagungsfrist von 6 Wochen hier nicht – nach § 1944 Abs. 12 BGB beginnt diese nämlich erst mit der Kenntnisnahme über den Eintritt des Nacherbfalls. Somit hat der Nacherbe genügend Zeit, über eine Ausschlagung nachzudenken. Entscheidet er sich dafür, ist er von allen Rechten und Pflichten entbunden, die mit der Nacherbschaft einhergehen.

Weitere Informationen zu Ablauf, Folgen, Kosten & Fristen einer Erbausschlagung finden Sie in im Beitrag „Erbteil ausschlagen“.

 

8. Verjährungsfrist der Nacherbschaft

Ohne Anordnung durch den Erblasser

Gemäß § 2109 BGB wird die Einsetzung eines Nacherben nach Ablauf von 30 Jahren unwirksam. Ist diese Frist überschritten, wird der Vorerbe alleiniger Erbe – er kann dann frei und eigenständig über den Nachlass bestimmen und diesen verwalten.

 

Mit Anordnung durch den Erblasser

Diese Frist wird außer Kraft gesetzt, wenn der Erblasser den Eintritt der Nacherbschaft an ein bestimmtes Ereignis – z. B. den Abschluss eines Studiums oder einer Ausbildung – gekoppelt hat. Die 30 Jahre können dann auch überschritten werden. Wurde kein bestimmtes Ereignis festgelegt, ist der Tod des Vorerben maßgeblich.

Beispiel 1: Der Erblasser hat in seinem Testament verfügt, dass die Nacherbschaft mit dem Tod des Vorerben an den Nacherben übergeht. Überlebt der Vorerbe den Erblasser um mehr als 30 Jahre, fällt der Nachlass komplett an den Vorerben. Dieser wird mit Ablauf der Frist zum Vollerben.

Beispiel 2: Der Erblasser hat in seinem Testament verfügt, dass sein Sohn Vorerbe und sein noch nicht geborener Enkel Nacherbe wird. Die Nacherbschaft soll mit dem Abschluss eines Studiums oder einer Ausbildung an seinen Enkel gehen. Der Enkel schließt im Alter von 32 Jahren sein Studium ab. Mit dem Abschluss geht die Erbschaft – auch nach Ablauf der Frist von 30 Jahren – an den Enkel über.

 

9. Alternativen zur Nacherbschaft

Die Einsetzung einer Nacherbschaft ist – gerade in Bezug auf die Erbschaftssteuer – nicht immer von Vorteil. Im Folgenden werden Ihnen daher zwei Alternativen näher erläutert.

 

Nießbrauch

Eine mögliche Alternative bietet der Nießbrauch. Darunter versteht man das Nutzungsrecht von Personen über fremde Sachen, Rechte und Vermögen. Der Nießbraucher ist damit zwar nicht Eigentümer der Güter, er darf sie aber nutzen und wirtschaftliche Vorteile aus ihnen ziehen. In einem solchen Fall gibt es nur eine Generation von Erben – z. B. die Kinder eines Erblassers. Eine andere Person – z. B. die Ehefrau – erhält dann ein sogenanntes Nießbrauchrecht.

Im Erbfall profitiert dann nur der Nießbrauchsberechtigte. Die Erben können erst dann vollumfänglich auf den Nachlass zugreifen, wenn der Nießbrauch durch den Tod des Nießbrauchberechtigten erlischt oder dieser den Nießbrauch freiwillig aufgibt.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen finden Sie in unserem Beitrag zum Nießbrauch.

 

Herausgabevermächtnis

Eine weitere Alternative bietet das Herausgabevermächtnis. Dabei legt der Erblasser einen sogenannten beschwerten Erben – vergleichbar mit einem beschränkten Vorerben – fest, der bestimmte Nachlassgegenstände oder Vermögenswerte an einen Vermächtnisnehmer herausgeben muss.

Besonders das aufschiebend befristete Herausgabevermächtnis ist eine Alternative. Dabei kann ein Vermächtnisnehmer erst nach dem Tod des 1. Erben (beschwerter Erbe) seine Ansprüche auf das Erbe geltend machen. Somit kann man ohne Bestimmung einer direkten Nacherbschaft verfügen, dass bestimmte Personen im Erbfall bestimmte Vermögensgegenstände erhalten.

Vorteilhaft an diesem Vorgehen ist, dass keinerlei rechtliche Einschränkungen berücksichtigt werden müssen. Der beschwerte Erbe kann bis zu seinem Tod frei über das Erbe verfügen – der Vermächtnisnehmer hat dadurch jedoch nur noch Anspruch auf das später vorhandene Vermögen. Dieser Anspruch verjährt nach 30 Jahren.

Ein Herausgabevermächtnis kann wie die Nacherbschaft in einem Testament oder Erbvertrag festgelegt werden. Wichtig sind dabei die eindeutige Nennung des Vermächtnisnehmers sowie des vermachten Nachlassgegenstands. Damit das Vermächtnis erfüllt wird, kann der Erblasser auch hier einen Testamentsvollstrecker benennen.

Beispiel: Die Ehefrau des Erblassers wird als Alleinerbin eingesetzt. Der Ehemann verfügt jedoch über das Herausgabevermächtnis, das der Sohn nach dem Tod der Mutter den Nachlass erhält.

 

10. Zusammenfassung: Vor- & Nachteile einer Nacherbschaft

Eine Nacherbschaft sollte genau abwogen werden. Welche Vor- und Nachteile diese Regelung bietet, haben wir in diesem Kapitel für Sie zusammengefasst.

 

Vorteile für den Erblasser

✓    Er kann sowohl Vor- als auch Nacherben wirtschaftlich absichern.

✓    Er stellt sicher, dass das Erbe nicht an Dritte – z. B. an einen neuen Partner des hinterbliebenen Ehepartners – geht.

✓    Er kann den Kreis der Erben erweitern – auch noch nicht gezeugte Personen können benannt werden.

✓    Er kann das Verhalten von Nacherben beeinflussen – z. B. wenn die Nacherbschaft erst an den Enkel gehen soll, wenn dieser seine Ausbildung beendet hat.

 

Vorteile für den Nacherben

✓    Er muss nicht für Nachlassverbindlichkeiten o. ä. aufkommen.

✓    Er muss das Erbe (bis zum Eintritt der Nacherbschaft) nicht verwalten – hat aber Anspruch auf Berichterstattung.

✓    Er hat – bei rechtswidrigem Verhalten seitens des Vorerben – Anspruch auf Schadensersatz.

✓    Er kann ein Veto gegenüber Veräußerungen aus dem Nachlass einlegen.

✓    Er kann mit Eintreten des Nacherbfalls – im Gegensatz zum Vorerben – frei über den Nachlass verfügen.

 

Nachteile

X    Eine Nacherbschaft tritt erst mit Ablauf der Vorerbschaft ein – es kann mitunter also Jahre dauern, bis ein Nacherbe Zugriff auf das Erbe hat.

X    Sie kann schnell zu familiären Belastungen führen – z. B. wenn es Unstimmigkeiten bezüglich Veräußerungen aus dem Nachlass gibt.

X    Sie verjährt nach 30 Jahren – nach dieser Frist geht das komplette Erbe mit allen Rechten und Pflichten auf den Vorerben über.

X    Vor- und Nacherben müssen Erbschaftssteuer zahlen – das Erbe wird also zweimal versteuert.

 

11. Tipp: kostenfreie Ersteinschätzung im Erbrecht

Die Anordnung einer Nacherbschaft sollte man gut abwägen. Wenn Sie eine solche in ihrer letztwilligen Verfügung festlegen möchten oder Sie sich als Nacherbe unsicher hinsichtlich Ihrer Rechte und Pflichten sind, hilft Ihnen einer unserer Anwälte für Erbrecht bei Fragen oder konkreten Problemen gern weiter.

 

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Ein Artikel von Johanna Metzger aus der juristischen Redaktion bei advocado

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Johanna Metzger stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen. Dabei legt Johanna großen Wert auf eine verständliche Sprache, damit auch Nicht-Juristen im deutschen Paragraphendschungel den Durchblick behalten und ihre rechtlichen Angelegenheiten schnell, einfach und sorgenfrei erledigen können.

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