Anwaltskosten Scheidung

 

 

Zwei Menschen, die den Bund des Lebens eingehen, krönen auf diesem Wege ihre Liebe und versprechen sich, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander einzustehen. Umso schwerer wiegt dann die Erkenntnis, dass die Liebe erloschen und die Ehe gescheitert ist. Neben dieser Einsicht gilt es, sich der nächsten Herausforderung zu stellen – einer Scheidung. Gemeinschaftliche Güter werden aufgeteilt und die gemeinsame Zeit zweier Partner als Liebespaar findet symbolisch und juristisch ein jähes Ende.

Ein weiterer unangenehmer Gesichtspunkt, der mit einer Scheidung einhergeht, ist der Kostenaspekt. Eine Scheidung kann schnell eine immense finanzielle Belastung darstellen – nicht zuletzt, da eine Ehe lediglich von einem Gericht rechtsgültig geschieden werden kann. Selbst wenn bereits alle zu regelnden Angelegenheiten in einem notariell beglaubigten Ehevertrag festgehalten sind, kommen auf beide Parteien Kosten zu. Neben den Gerichtskosten sind auch die Anwaltskosten zu berücksichtigen, die es zu begleichen gilt. Handelt es sich um eine nicht einvernehmliche Scheidung, müssen Sie zusätzlich mit weiteren Ausgaben für Gutachter usw. rechnen.

Anwaltskosten Scheidung
Anwaltskosten Scheidung: Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Lesezeit: ca. 2 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie unter anderem, welche Bemessungsgrundlage zur Ermittlung der Kosten herangezogen wird, welche Kosten Sie auf jeden Fall zu tragen haben und wie Sie Anwalts- und Gerichtskosten einer Scheidung steuerlich absetzen können. Am Ende haben Sie die Möglichkeit, Ihren Fall ohne Gebühr einem Rechtsanwalt und Experten für Familienrecht zu schildern. Dieser kann Ihnen in einer individuellen Beratung mitteilen, wie Sie jetzt am besten vorgehen und welche Möglichkeiten Sie in Ihrem persönlichen Fall haben.

 

 

Anwaltskosten Scheidung: die Bemessungsgrundlage

Standartpreise für Anwalts- und Gerichtskosten sucht man vergeblich. Daher lässt sich auch nicht auf einen Pauschbetrag hoffen. Stattdessen bemisst sich die Beitragshöhe am Streitwert bzw. Gegenstandswert einer Scheidung.

Ist der Streitwert, auch Verfahrenswert genannt, ermittelt worden, lassen sich die anfallenden Anwaltskosten auf dieser Grundlage einer entsprechenden Gebührentabelle in Anlage 2 des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes entnehmen. Maßgeblich für Gerichtskosten ist § 34 Gerichtskostengesetz (GKG) und für die Anwaltsgebühren § 13 Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Für die Gesamtsumme der Scheidungskosten gelten ein Mindestverfahrenswert von 2.000 Euro und ein Höchstwert von einer Million Euro.

 

Anwaltskosten Scheidung: der Verfahrenswert

Der Verfahrenswert als in Geld bemessener Wert des Streitgegenstandes ist maßgeblich für die Kosten einer Scheidung. Dabei berücksichtigt der Streitwert folgende Faktoren:

 

  • das Nettoeinkommen der Ehepartner,
  • die Anzahl unterhaltsberechtigter Kinder,
  • das Vermögen der Eheleute und
  • einen Versorgungsausgleich.

 

Die Regel ist, dass als Scheidungsstreitwert das Dreifache des gemeinsamen monatlichen Nettoeinkommens herangezogen wird und als Versorgungsausgleich 10 % vom Scheidungsstreitwert je vorhandener Altersversorgung. Beachten Sie, dass sowohl Kinder- als auch Elterngeld bei der Einkommensermittlung herangezogen werden und Ihr Nettoeinkommen um diese Beiträge erhöhen können. Je unterhaltsberechtigtem Kind kann ein Pauschbetrag von 250 Euro abgezogen werden. Der Streitwert wird letztendlich vom für Sie zuständigen Familiengericht festgelegt.

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Anwaltskosten Scheidung – Praxisbeispiel

Der Ehemann verdient monatlich 2.500 Euro und die Ehefrau 2.100 Euro. Der Gesamtbetrag von 4.600 Euro wird zur Ermittlung des Streitwertes verdreifacht und beträgt demzufolge 13.800 Euro. Wegen des Versorgungsausgleichs werden 10 % für jede Altersversorgung hinzugerechnet. Verfügen beispielsweise beide neben der gesetzlichen Rentenversicherung zusätzlich über je einen Riester-Vertrag, so bestehen 4 Versorgungen, die mit 40 % (je Versorgung 10 %) in der Berechnung des Streitwertes Berücksichtigung finden. Der zu berücksichtigende Wert für den Versorgungsausgleich beträgt demzufolge 5.520 Euro. Insgesamt ergibt sich ein Gesamtwert von 19.320 Euro, sofern keine unterhaltsberechtigten Kinder oder Vermögen der Eheleute existiert.

Im Beispiel ergeben sich also laut Gebührentabelle Anwaltskosten in Höhe von 2.231,25 Euro und Gerichtskosten von 690 Euro. Achtung: Sollten zwei Anwälte beschäftigt werden, so erhöhen sich die Anwaltskosten um das Doppelte auf 4462,50 Euro.

 

Anwaltskosten Scheidung: Mit diesen Posten müssen Sie rechnen!

Wenigstens drei Posten werden immer auf Ihrer Rechnung stehen, die Sie von Ihrem Anwalt präsentiert bekommen. Dazu zählen die Verfahrensgebühr, die sich u. a. auf die Einreichung des Scheidungsantrags bei Gericht bezieht, sowie der Schriftverkehr, den Ihr Rechtsbeistand für das Verfahren tätigt. Außerdem ist eine Termingebühr zu entrichten, welche sich auf die Anwesenheit und Tätigkeit Ihres Anwalts beim Scheidungstermin vor Gericht bezieht. Der dritte Posten beinhaltet die Gerichtskosten, die sich mithilfe des Verfahrenswertes durch die entsprechende Gebührentabelle im GKG ergeben.

 

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Lassen sich die Anwaltskosten bei einer Scheidung umgehen?

Um die Anwaltskosten umgehen zu können, fragen sich Beteiligte häufig, ob eine Scheidung nicht auch ohne juristischen Beistand möglich ist. Da eine Ehe jedoch lediglich vor einem Gericht rechtskräftig beendet werden kann, herrscht eine Anwaltspflicht. Auch wenn sich auf diesem Wege keine Kosten sparen lassen, können sie doch minimiert werden. So ist es bei einer einvernehmlichen Scheidung sinnvoll, lediglich einen Anwalt zu beauftragen. So lassen sich die Anwaltskosten einer Scheidung nicht umgehen, aber erheblich einsparen.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, noch andere gerichtlich zu klärende Angelegenheiten vor Gericht im Verbund geltend zu machen. Die sich so ergebende Bemessungsgrundlage und damit auch die Anwaltskosten bei der Scheidung fallen dadurch geringer aus als bei separater Behandlung der Anliegen vor Gericht.

 

Anwaltskosten Scheidung: Verfahrenskostenhilfe beantragen

Ist eine von der Scheidung betroffene Partei nicht in der Lage, finanziell für die entstandenen Kosten aufzukommen, so kann sie Verfahrenskostenhilfe beantragen.

Bewilligungsgrundlage ist dabei das Einkommen des Antragsstellers. Die Verfahrenskostenhilfe kann dabei als Darlehen oder Zuschuss erfolgen. Sofern Sie unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen sollten, wird Ihnen ein Zuschuss gewährt. Bei dieser Form der staatlichen Unterstützung ist die Scheidung für Sie kostenfrei. Bei der Inanspruchnahme der Verfahrenskostenhilfe als Darlehen zahlen Sie die finanzielle Unterstützung an den Staat zurück. Nach vier Jahren nach Ende des Scheidungsverfahrens darf das Familiengericht die für Sie übernommenen Kosten in Form einer Einmalzahlung oder zinsfreien Raten zurückverlangen.

 

Anwaltskosten Scheidung – steuerlich absetzbar?

Anfallende Kosten für das Scheidungsverfahren und demzufolge auch die Anwaltskosten für eine Scheidung lassen sich steuerlich als außergewöhnliche Belastung absetzen. Hierzu gehören auch Ausgaben zur Klärung und Regelung von Sorgerechtsfragen für gemeinsame Kinder sowie Kosten für die Festsetzung elterlicher Unterhaltspflichten.

Darüber hinaus sind Abgaben, die sich bei Aufteilung des gemeinschaftlichen Haushalts ergeben, steuerlich absetzbar. Befinden Sie sich in einem Scheidungsprozess, sollten Sie daher unbedingt die Rechtsanwaltsgebühren und Gerichtskosten in Ihrer Steuererklärung geltend machen.

 

Bedenken Sie immer, dass Anwaltskosten bei einer Scheidung eine variable Größe sind und je nach Anwalt unterschiedlich hoch ausfallen können. Daher sollten Sie diese vorab vergleichen oder sich ausführlich beraten lassen.

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