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Ein Erbe ausschlagen – 5 Gründe die Erbschaft abzulehnen

 

Ein Erbe ausschlagen – 5 Gründe die Erbschaft abzulehnen

 

 

Wann sollten Sie das Erbe ausschlagen? Welche Fristen und Vorschriften müssen eingehalten werden? Kann man sich trotzdem einen Teil des Vermögens zu eigen machen? Denkt man an eine Erbschaft, ziehen meist traumhafte Bilder vor dem inneren Auge vorbei. Ein neues Haus in allerbester Lage, ein volles Konto, Schmuck und Autos. Doch wer erbt, sollte sich bewusstmachen, dass er nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden erbt.

Ein Erbe ausschlagen – 5 Gründe die Erbschaft abzulehnen

 

 

Lesezeit: ca. 3 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie unter anderem, wann ein Erbe sinnvollerweise ausgeschlagen werden sollte, welche Form bei der Ausschlagung gewahrt werden sollte und ob auch ein bereits angenommenes Erbe noch ausgeschlagen werden kann.

Dazu haben Sie die Möglichkeit, die Ausschlagung der Erbschaft kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht zu besprechen.

Einfach das Rechtsproblem kurz schildern, absenden und noch am selben Tag eine kostenlose telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung über die Ausschlagung.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Wann ist es sinnvoll ein Erbe auszuschlagen?
2. Welche finanziellen Posten sollten einbezogen werden?
3. Welche Teile der Erbschaft sind besonders Risiko behaftet?
4. Was ist, wenn ich selbst verschuldet bin?
5. Welche Form muss ich einhalten um das Erbe auszuschlagen?
6. Wie viel Zeit habe ich um das Erbe auszuschlagen?
7. Erbe bereits angenommen, kann ich es noch ausschlagen?
8. Was passiert mit dem Pflichtteil?
9. PRAXISTIPP: kostenlose Ersteinschätzung vom Rechtsanwalt

 

1. Erbe ausschlagen: wann ist es sinnvoll? 5 Gründe

Nach dem traurigen Todesfall eines Angehörigen folgt meist schnell der bürokratische Aufwand. Häufig ist der nächste Schritt die Verwaltung des Erbes.

Doch nicht immer ist es von Vorteil, das Erbe anzunehmen. Denn wenn Sie die positiven Vermögenswerte übernehmen, treten Sie gleichzeitig mit Ihrem Privatvermögen für Kredite, Hypotheken, Schulden und Verbindlichkeiten aller Art ein. Das kann schnell zu finanziellen Schwierigkeiten führen, die Sie nicht selbst verschuldet haben.

Es gibt einige Gegebenheiten, bei denen es Sinn macht, darüber nachzudenken, ob Sie ein Erbe ausschlagen sollten:

  • der Nachlass ist überschuldet,
  • Immobilien sind sanierungsbedürftig,
  • der Erbe ist verschuldet oder in Privatinsolvenz,
  • das Erbe soll weitergeleitet werden,
  • persönliche Gründe.

2. Welche finanziellen Posten sollten einbezogen werden?

Stellen Sie nach Prüfung der Vermögenswerte des Verstorbenen fest, dass die Summe der Schulden höher ist als der Wert des positiven Vermögens, liegt es nahe, dass Sie das Erbe ausschlagen.

Beziehen Sie bei der Prüfung einer Ausschlagung unbedingt alle finanziellen Posten mit ein. Das können Immobilien, Aktien, Wertpapiere, Bankguthaben und andere Vermögenswerte sein. Aber auch Kredite, Hypotheken, Mietrückstände, Bestattungskosten und Pflichtteilansprüche sollten Sie bei einer Gegenüberstellung einbeziehen. Unter Umständen kommen auch Kosten für eine Testamentseröffnung und die Nachlassverwaltung auf Sie zu.

 

3. Achtung Kostenfalle! Immobilien in der Erbschaft

Wenn Immobilien Bestandteil des Erbes sind, sollte dort ausgiebig geprüft werden, ob diese nicht möglicherweise sanierungsbedürftig sind und welche Summe in diesem Fall auf Sie zukommt. Häufig fallen gerade bei älteren Immobilien Renovierungsarbeiten wie zum Beispiel die Erneuerung der Heizanlage oder des Daches an. Prüfen Sie bei Immobilien also von vorneherein, ob Sie die kommende finanzielle Belastung stemmen können.

Eigentümer einer Immobilie zu werden, klingt verlockend und häufig spielt auch der ideelle Wert eine große Rolle, wenn es ums Elternhaus geht. Bewahren Sie sich selbst vor zu hohen finanziellen Hürden, indem Sie vorher kalkulieren, ob Sie Ihr Erbe annehmen oder Ihr Erbe ausschlagen.

Weitere Beiträge zum Thema Immobilien in der Erbschaft:

 

4. Was passiert, wenn der Erbe selbst verschuldet ist?

Sind Sie selbst überschuldet oder sogar in Privatinsolvenz, muss Ihnen bewusst sein, dass Ihnen unter Umständen vom geerbten Vermögen nicht viel übrigbleibt. Im Falle der Verschuldung fällt das Geld sofort den Gläubigern zu. Dies kann eine Chance sein, Ihre Schulden bzw. einen Teil Ihrer Schulden zu tilgen.

Ist das allerdings nicht in Ihrem Interesse, macht es Sinn, wenn Sie Ihr Erbe ausschlagen– denn dann tritt die nächste Person in der Erbfolge das Erbe an. Befinden Sie sich in einem Verbraucherinsolvenzverfahren, steht die Hälfte der Erbschaft dem Insolvenzverwalter zu (§ 295 Abs. 1 Nr. 2 InsO).

Häufig liegen auch persönliche und familiäre Gründe vor, wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihr Erbe auszuschlagen. Es gibt viele Ursachen dafür, mit dem Vermögen einer verstorbenen Person nichts zu tun haben zu wollen und eine Ausschlagung der Erbschaft.

 

Erbe ausschlagen - wann es sinnvoll ist

 

5. In welcher Form kann ich mein Erbe ausschlagen?

Ihr Erbe treten Sie automatisch an! Wollen Sie allerdings Ihr Erbe ausschlagen, müssen Sie proaktiv vorgehen. Nach § 1945 BGB ist die Erklärung, dass Sie Ihr Erbe ausschlagen, formgebunden. Formgebunden bedeutet in diesem Fall nicht, dass ein Schreiben an das zuständige Nachlassgericht ausreichend ist. Dort müssen Sie persönlich erscheinen und sich ausweisen. Ihre Forderung wird schriftlich festgehalten und Ihnen zur beim Nachlassgerichtg Unterzeichnung vorgelegt. Bestenfalls legen Sie die Sterbeurkunde vor Ort gleich mit vor.

Zuständig für diesen Vorgang ist das Amtsgericht des letzten Wohnsitzes des Verstorbenen. Wenn Sie in einer anderen Stadt leben, können Sie sich auch an Ihr zuständiges Amtsgericht wenden und dort bekanntgeben, dass Sie Ihr Erbe ausschlagen wollen. Eine Sonderregelung liegt in Baden-Württemberg vor, zuständig ist dort das staatliche Notariat.

Das Amtsgericht Berlin-Schöneberg ist übrigens zuständig, falls der Verstorbene seinen Wohnsitz im Ausland hatte!

 

6. Ihre Zeit, das Erbe auszuschlagen: 6-Wochen-Frist

Wollen Sie Ihr Erbe ausschlagen oder antreten? Für diese Entscheidung bleiben Ihnen sechs Wochen Zeit (§ 1944 BGB). Sollten Sie binnen dieser Frist nicht aktiv werden, gilt das Erbe als angenommen. Der Todestag gilt als Stichtag zur Bemessung dieser Zeitspanne. Ausnahmen zur Fristverlängerung werden nur gewährt, wenn Sie oder der Verstorbene sich zum Todeszeitpunkt im Ausland befanden.

Achtung: Das Nachlassgericht ist nicht in der Bringschuld. Sie werden also nicht darüber informiert, dass Sie Erbe eines Verstorbenen sind. Es wird davon ausgegangen, dass Sie informiert sind, falls ein Angehöriger verstirbt. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel – informiert werden Sie dann, wenn ein Testament vorliegt oder bereits vor Ihnen jemand das Erbe ausgeschlagen hat und Sie in der Erbfolge anschließen.

 

7. Kann ich ein bereits angenommenes Erbe ausschlagen?

Für den Fall, dass sich nach Annahme der Erbschaft vorher unbekannte, hohe finanzielle Verbindlichkeiten auftun, besteht die Chance, dass Sie auch nachträglich Ihr Erbe ausschlagen können.

Bei Steuerschulden gilt diese Regelung nicht! Da ein Erbe nach der sechswöchigen Frist automatisch als angenommen gilt, haben Sie als Privatperson kaum eine Chance, nachträglich dagegen vorzugehen. Allerdings räumt das Gesetz auch in diesem Fall die Möglichkeit einer Anfechtung ein (§ 1956 BGB). Wenn Sie sich von einem guten Anwalt unterstützen lassen, ist es durchaus möglich, eine solche Anfechtung durchzusetzen.

 

8. Erbe ausschlagen: was passiert dann mit dem Pflichtteil?

Im Erbrecht gilt: ganz oder gar nicht. Wenn Sie Ihr Erbe ausschlagen, steht Ihnen auch kein Pflichtteil mehr zu. Die gesetzliche Erbfolge tritt dann in Kraft und jemand anderes ist erbberechtigt (§ 1953 BGB). In einigen Ausnahmefällen können Erben trotzdem ihren Pflichtteilsanspruch geltend machen.

Allerdings müssen diese dann auch zum pflichtteilsberechtigten Personenkreis gehören. Der Pflichtteil steht dem Ehepartner der verstorbenen Person zu, falls beide in einer Zugewinngemeinschaft gelebt haben. Falls Sie in diesem Fall das Erbe ausschlagen, steht Ihnen trotzdem Ihr Pflichtteil und unter Umständen ein güterrechtlicher Zugewinnausgleich vom Erbe zu. Es gibt einige weitere Ausnahmefälle, in denen Ihnen Ihr Pflichtteil zusteht.

Sollten Sie Ihren Anspruch auf den Pflichtteil geltend machen wollen, obwohl Sie Ihr Erbe ausschlagen, wenden Sie sich idealerweise an einen Anwalt. Dieser ist mit Ausnahmefällen vertraut und wird Sie ausführlich zu Ihrem Anliegen beraten.

 

9. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung vom Rechtsanwalt

Bevor Sie jedoch leichtfertig eine Erbschaft ausschlagen oder sich für eine der oben genannten Optionen entscheiden, sollten Sie von einer Rechtsberatung Gebrauch machen. Gerade bei einer größeren, unübersichtlichen Hinterlassenschaft ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, einen Anwalt zu kontaktieren und sich über die eigenen rechtlichen Möglichkeiten und die optimale Vorgehensweise zur Ausschlagung einer Erbschaft aufklären zu lassen.

Anwaltliche Erstberatungen kosten gem. § 34 I RVG bis zu 190 Euro. Durch unsere Kooperation mit einem Erbrechts-Spezialisten können wir Ihnen eine Ersteinschätzung zu Ihrem Erbfall kostenlos anbieten. 

Hier haben Sie die Möglichkeit, die Ausschlagung einer Erbschaft kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht Uwe Block zu besprechen.

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Bildquellen: ©  Iurii Sokolov,  leeavison - 123rf.com





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