Du hast an einen Freund Geld verliehen und nicht zurückbekommen? Du hast 3 Jahre Zeit, das Geld von ihm zurückzufordern. Das geht mit Zahlungserinnerungen, Mahnungen, dem gerichtlichen Mahnverfahren sowie einer Zahlungsklage. Wenn du alleine nichts erreichst, kann ein Anwalt, Gerichtsvollzieher, Inkasso oder Factoring dir helfen, dein Geld zurückzubekommen.
Schnell-Check: Was jetzt wichtig ist
Ein privates Darlehen liegt vor, wenn du jemandem Geld mit der Vereinbarung gibst, dass es später zurückgezahlt werden soll (§ 488 BGB).
Gilt, wenn …
- du Geld als Darlehen gegeben hast (nicht als Geschenk) und eine Rückzahlung vereinbart oder erwartet wurde,
- Höhe und Empfänger plausibel belegbar sind (z. B. Überweisung, Chatverlauf, Zeuge),
- dein Anspruch fällig ist – also die Rückzahlung bereits verlangt werden kann (bei festem Termin meist ab dem Termin, sonst oft erst nach Kündigung).
Sonderfall: Wenn der andere bestreitet, dass es ein Darlehen war (oder behauptet, es sei ein Geschenk gewesen), wenn du keine belastbaren Belege hast oder wenn unklar ist, wann überhaupt zurückgezahlt werden sollte, reicht ein allgemeiner Ratgeber oft nicht aus – dann ist eine individuelle rechtliche Einordnung sinnvoll.
Wichtigste Frist: Rückzahlungsansprüche verjähren regelmäßig in 3 Jahren – der Lauf beginnt grundsätzlich mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch fällig geworden ist und du von Anspruch und Schuldner Kenntnis hattest (oder ohne grobe Fahrlässigkeit hättest haben müssen) (§§ 195, 199 BGB). Wenn kein Rückzahlungstermin vereinbart ist, wird die Rückzahlung bei einem Darlehen häufig erst nach Kündigung fällig; die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt dann 3 Monate (§ 488 Abs. 3 BGB).
Diese Informationen helfen fast immer:
- Namen/Anschrift des Schuldners, Datum der Geldhingabe, Betrag, vereinbarte Rückzahlung (Termin/Raten)
- Kontoauszüge/Überweisungsbelege oder Quittungen
- Nachrichten (WhatsApp, E-Mail), Notizen, Zeugen
- ggf. schriftliche Schuldenaufstellung oder Schuldanerkenntnis
Häufigster Fehler: Zu lange nur mündlich „nachzuhaken“, ohne Fälligkeit/Frist und die Forderung sauber schriftlich festzuhalten.
Wenn du dir bei Fälligkeit, Verjährung oder Belegen unsicher bist, kannst du über advocado eine kostenlose Ersteinschätzung bei einem Partneranwalt aus dem Bereich Inkassorecht/Forderungseinzug anfragen – unverbindlich und ohne Erfolgsversprechen.
So ordnen Sie Ihren Fall schnell ein
- Fester Rückzahlungstermin vereinbart: Anspruch ist in der Regel ab dem Termin fällig. Nächster Schritt: schriftlich Frist setzen, dann ggf. mahnen.
- Kein Termin vereinbart: Prüfe, ob du das Darlehen kündigen musst (häufig) – dann wird die Rückzahlung erst nach Ablauf der Kündigungsfrist fällig.
- Gute Belege vorhanden (Überweisung + Nachrichten): Außergerichtliches Vorgehen und ggf. Mahnverfahren sind oft praktikabel.
- Kaum/keine Belege: Bevor du eskalierst: Beweislage klären (z. B. Zeugen, Chatverläufe, Schuldenaufstellung). Sonst wird es schnell zum Streitfall.
Fakt vs. Einzelfall: Was ist sicher – und wo kommt es wirklich darauf an?
Sicher ist:
- Auch ohne schriftlichen Vertrag kann ein Darlehen wirksam vereinbart sein.
- Für Verzugsfolgen braucht es in der Regel eine fällige Forderung und eine Mahnung/Fristsetzung (§ 286 BGB).
- Verzugszinsen sind nicht pauschal 5 %, sondern regelmäßig 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 1 BGB).
Kommt auf den Einzelfall an:
- Ob es wirklich ein Darlehen war oder (behauptet wird, es sei) ein Geschenk.
- Wann der Anspruch fällig wurde (gerade ohne Rückzahlungstermin).
- Ob sich die Forderung im Streitfall beweisen lässt.
- Ob Mahnverfahren sinnvoll ist (z. B. bei zu erwartendem Widerspruch).
1. Geld verliehen & nicht zurückbekommen? 4 Schritte
Brauchen Freunde dringend Geld, ist man schnell bereit, zu helfen. Unter Freunden wird häufig ohne Vertrag Geld verliehen. Damit besteht aber das Risiko, dass man sein Geld nicht zurückbekommt.
Um bei Freunden oder innerhalb der Familie eine offene Forderung einzutreiben, können dir folgende 4 Schritte helfen:
I. Nimm Kontakt zu deinem Schuldner auf
Damit du ausschließen kannst, dass dein Schuldner dir das Geld nur versehentlich nicht zurückzahlt, hast du 2 Optionen:
- Kontaktieren: Ruf deinen Verwandten oder Freund an und frag, was der Grund für den Zahlungsverzug ist. Hat er z. B. die Überweisung vergessen, kannst du ihm Zahlungsaufschub gewähren, die Zahlungsfrist verlängern oder eine Ratenzahlung anbieten.
- Zahlungserinnerung schicken: Ein Erinnerungsschreiben signalisiert Verständnis – vor allem, wenn du auf Gebühren oder neue Fristen verzichtest. Formalia sind nicht zu beachten. Wichtig sind aber das aktuelle Datum, der Geldbetrag und der Darlehensvertrag.
II. Wenn du ohne Vertrag Geld verliehen hast: Weise deine Forderung nach
Auch ein mündlicher Vertrag ist rechtlich bindend – ohne Beweis ist das verliehene Geld allerdings kaum zu belegen. Denn ohne Nachrichten, Zeugenaussagen, Transfer- oder Einzahlungsnachweise kann es zum Streit über die Rückzahlung kommen.
Du hast 4 Möglichkeiten, um deine Forderung auch ohne Vertrag nachzuweisen:
- Prüfe, ob du mit Zeugenaussagen, Fotos, Nachrichtenverläufen, Transfer- & Auszahlungsbelegen beweisen kannst, dass dein Schuldner trotz Aufforderung dein Geld nicht zurückzahlt.
- Liste sämtliche Außenstände schriftlich auf. Unterzeichnet dein Freund die Auflistung, hast du einen Nachweis – und kannst dein Geld leichter zurückfordern.
- Schick eine Zahlungsaufforderung, die deutlich über dem Darlehensbetrag liegt. Antwortet dein Freund oder Verwandter, dass die eigentliche Forderung darunter läge, hast du einen Nachweis des Darlehens.
- Lass dir ein Schuldanerkenntnis unterschreiben: Mit der Unterschrift auf einem Schuldanerkenntnis (Schuldschein) bestätigt dein Freund, dass er dir einen Darlehensbetrag schuldet.
III. Setz deinen Schuldner in Verzug
Wenn Zahlungserinnerungen, persönliche Kontaktaufnahme und deine Zahlungsaufforderung ohne Erfolg bleiben, kannst du deinen Schuldner mahnen.
Mit einer Mahnung – am besten per Einschreiben mit Rückschein oder Einwurf-Einschreiben – setzt du deinen Freund in Verzug. Ab diesem Zeitpunkt darfst du 5 % Verzugszinsen zusätzlich zum geliehenen Geld einfordern und gerichtliche Schritte einleiten, um dein Geld zurückzubekommen.
IV. Leite gerichtliche Schritte ein
Du kannst auch ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten bzw. einen Mahnbescheid beantragen, wenn du privat verliehenes Geld zurückfordern möchtest. Den dafür notwendigen Mahnantrag kannst du ohne Begründung stellen. Das Mahngericht prüft nur, ob dieser die formalen Anforderungen erfüllt.
Da das Antragsformular sehr umfangreich ist, kann die Unterstützung eines Anwalts helfen. Ein Anwalt kann formale Fehler und die Ablehnung des Mahnantrags ausschließen.
Akzeptiert das Mahngericht deinen Mahnantrag und widerspricht dein Freund nicht, bekommst du einen Vollstreckungsbescheid. Mit diesem Titel darf der Anwalt zwangsvollstreckende Maßnahmen ergreifen und das verliehene Geld zurückholen.
2. Privat Geld einfordern: So hilft ein Anwalt
Die Erfahrung und Expertise eines Anwalts in Anspruch zu nehmen, kann für dich sinnvoll sein. Denn im Gegensatz zum Inkassobüro, Factoring oder Gerichtsvollzieher handelt dein Rechtsanwalt ausschließlich in deinem Interesse – und kann seine Kosten bei deinem Freund geltend machen.
Ein Anwalt für Inkassorecht & Forderungseinzug kann
- deinen Zahlungsanspruch rechtssicher nachweisen.
- alle gesetzlichen Vorgaben & Fristen erfüllen.
- mit einem anwaltlichen Schreiben den Druck auf den Schuldner erhöhen und verhindern, dass dieser deine berechtigte Forderung abstreitet oder aussitzt.
- deinen Schuldner mahnen oder ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten, um ihn zur Zahlung zu verpflichten.
- deinen Anspruch auf Rückzahlung des verliehenen Geldes vor dem Mahngericht durchsetzen
- der Gegenseite seine Kosten als Verzugsschaden in Rechnung stellen.
3. Privat Geld einfordern: geht auch Inkasso oder Factoring?
Ja, das geht auch als Privatperson. Wenn du einen gerichtlichen Titel wie einen Vollstreckungsbescheid hast, kannst du dein verliehenes Geld auch eintreiben lassen:
- Inkasso: Wenn du deine Forderung an ein Inkassobüro abgibst, bekommst du womöglich nur ca. 30 % deines Geldes zurück. Das liegt daran, dass ein Inkassobüro hohe Gebühren erhebt.
- Factoring: Wenn du deine Forderung an einen Factor verkaufst, übernimmt dieser das Risiko eines Zahlungsausfalls. So erhältst du innerhalb von 2 Tagen ca. 80 bis 90 % deines Geldes abzüglich Factoring-Gebühren zurück.
Was genau Inkasso oder Factoring kostet, ist immer von verschiedenen Faktoren abhängig – z. B. von der Summe des verliehenen und nicht zurückgezahlten Geldes und der Zahlungsfähigkeit deines Freundes. Dabei gilt: Je jöher das Risiko eines Zahlungsausfalls für den Factor. desto höher sind die Kosten.
4. Privat Geld verleihen ohne Ärger: So geht’s
Um dich vor langwierigen Streitigkeiten, Verjährung der Forderung oder Verlust des Darlehens zu schützen, kannst du einen kurzen Darlehensvertrag aufsetzen, bevor du privat Geld verleihst.
Zahlt z. B. ein Freund oder Bekannter dein verliehenes Geld nicht fristgerecht zurück, kannst du mit einem schriftlichen Darlehensvertrag deinen Zahlungsanspruch eindeutig nachweisen. Diesen Anspruch kannst du dann gerichtlich durchsetzen und zwangsvollstrecken lassen.
Folgende Angaben sind bei einem Darlehensvertrag wichtig:
- Name & Anschrift des Bekannten als Darlehensnehmer bzw. Schuldner
- Ihr Name & Ihre Anschrift als Darlehensgeber bzw. Gläubiger
- Geldbetrag (Darlehen)
- Datum der Übergabe bzw. Überweisung
- Zahlungstermin, Zahlungsfrist & Ratenvereinbarung
- Vereinbarung zu Zinssatz oder Zinsfreiheit
- Originalunterschriften der Vertragsparteien
Beispiel-Fälle zur Orientierung
Fall 1: Überweisung + WhatsApp-Zusage
- Ausgangslage: 800 € überwiesen, Chat: „Ich zahl dir nächsten Monat zurück.“
- Vorgehen: Zahlungserinnerung → Mahnung mit Frist per Einwurf-Einschreiben → Mahnverfahren.
- Ergebnis: Kein Widerspruch, Vollstreckungsbescheid möglich; Vollstreckung hängt von Zahlungsfähigkeit ab.
- Learning: Gute Belege machen Mahnverfahren oft praktikabler.
Fall 2: Bargeld ohne Vertrag, aber mit Zeugen
- Ausgangslage: 1.500 € bar übergeben, ein Freund war dabei; keine schriftliche Absprache.
- Vorgehen: Schriftliche Zusammenfassung per Nachricht mit Bitte um Bestätigung → Mahnung nach Klärung der Fälligkeit.
- Ergebnis: Bei Bestreiten wird es zum Streitfall; Zeuge kann helfen, reicht aber nicht immer allein.
- Learning: Früh Belege sichern – bevor der Konflikt eskaliert.
Fall 3: Kein Rückzahlungstermin vereinbart
- Ausgangslage: 3.000 € geliehen „bis es wieder besser läuft“, ohne Datum.
- Vorgehen: Kündigung des Darlehens mit Blick auf die 3-Monats-Frist → danach Mahnung/Verzug.
- Ergebnis: Erst nach sauberer Kündigung ist der Anspruch meist klar fällig; danach lässt sich der nächste Schritt rechtssicherer wählen.
- Learning: Ohne Termin ist die Fälligkeit oft der entscheidende Kipppunkt.
5. Kosten: Womit du typischerweise rechnen musst
Die Kosten hängen stark davon ab, wie weit du gehst und ob die Gegenseite zahlt oder bestreitet.
Typische Kostenbausteine:
- Außergerichtlich: Portokosten, ggf. Kosten für anwaltliche Schreiben (abhängig vom Streitwert).
- Mahnverfahren: Gerichtskosten für Mahn- und Vollstreckungsbescheid (streitwertabhängig).
- Klageverfahren: Gerichtskosten und – je nach Fall – eigene und gegnerische Anwaltskosten (streitwertabhängig).
- Vollstreckung: Kosten z. B. für Gerichtsvollzieher oder Pfändungsmaßnahmen.
Wichtig: Ob und in welcher Höhe Kosten erstattungsfähig sind, hängt u. a. von Verzug, Ausgang des Verfahrens und der konkreten Konstellation ab.
Transparenz-Hinweis
Dieser Beitrag informiert über die Rechtslage in Deutschland (Stand: 15.05.2026). Er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Quellen
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): §§ 488 (Darlehen, Kündigung), 286 (Verzug), 288 (Verzugszinsen), 195, 199 (Verjährung)
- Zivilprozessordnung (ZPO): §§ 688 ff. (Mahnverfahren)
Letzte Aktualisierung
15.05.2026
- Die 3-Jahres-Frist wird jetzt so erklärt, dass klar ist, ab wann sie typischerweise läuft.
- Es ist jetzt deutlicher, was gilt, wenn kein Rückzahlungstermin vereinbart wurde (oft erst kündigen, dann Frist setzen).
- Du findest jetzt konkrete Beispiele, typische Denkfehler und einen Kosten-Abschnitt, damit du besser einschätzen kannst, wann sich welcher Schritt lohnt.
- Der Text ist insgesamt klarer aufgebaut und an den Stellen vorsichtiger formuliert, an denen es stark auf den Einzelfall ankommt.
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