Befunderhebungsfehler: schnelle Hilfe & Entschädigung für Patienten
Befunderhebungsfehler: schnelle Hilfe & Entschädigung für Patienten
Jasmin Leßmöllmann
Beitrag von Jasmin Leßmöllmann
Redakteurin für Rechtsthemen
Aktualisiert am

... Behandlungsfehler Befunderhebungsfehler

Kommt es bei Patienten aufgrund eines Befunderhebungsfehlers nachweislich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, besteht ggf. ein Anspruch auf Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz. In der Regel müssen Patienten den Zusammenhang zwischen der fehlerhaften Befunderhebung und ihren Gesundheitsschäden beweisen.

Inhalt
  1. Schnell-Check: Was jetzt wichtig ist
  2. 1. Was ist ein Befunderhebungsfehler?
  3. 2. Wann können Schmerzensgeld oder Schadensersatz möglich sein?
  4. 3. Beweislast bei Befunderhebungsfehler: Wer muss was nachweisen?
  5. 4. Was sollten Patienten jetzt sichern?
  6. 5. Wie kann ich eine Entschädigung für Befunderhebungsfehler durchsetzen?
  7. 6. Wann ist eine individuelle Prüfung Ihres Falles sinnvoll?
  8. 7. Kosten und Risiken realistisch einschätzen
  9. 8. Häufige Irrtümer aufgeklärt
Ersteinschätzung erhalten

Befunderhebungsfehler: schnelle Hilfe & Entschädigung für Patienten

Befunderhebungsfehler: schnelle Hilfe & Entschädigung für Patienten

Kommt es bei Patienten aufgrund eines Befunderhebungsfehlers nachweislich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, besteht ggf. ein Anspruch auf Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz. In der Regel müssen Patienten den Zusammenhang zwischen der fehlerhaften Befunderhebung und ihren Gesundheitsschäden beweisen.

Schnell-Check: Was jetzt wichtig ist

So ordnen Sie Ihren Fall schnell ein

Ein Befunderhebungsfehler liegt vor, wenn ein Arzt, eine Ärztin oder medizinisches Personal einen medizinisch gebotenen Befund nicht erhebt oder nicht sichert.

Gilt, wenn …

  • trotz auffälliger Beschwerden, Laborwerte, Symptome oder Verläufe keine naheliegende weitere Untersuchung veranlasst wurde,
  • eine Kontrolle, Bildgebung, Laboruntersuchung, Abklärung oder Befundsicherung medizinisch geboten gewesen wäre,
  • sich Ihr Gesundheitszustand danach verschlechtert hat oder zusätzliche Behandlungen notwendig wurden.

Sonderfall: Wenn ein vorhandener Befund erhoben, aber falsch bewertet wurde, geht es eher um einen Diagnosefehler. Wenn die Untersuchung oder Kontrolle selbst unterblieben ist, spricht mehr für einen Befunderhebungsfehler.

Wichtigste Frist: Ansprüche verjähren regelmäßig nach 3 Jahren. Die Frist beginnt grundsätzlich mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und Sie von den entscheidenden Umständen sowie der Person des möglichen Anspruchsgegners Kenntnis hatten oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätten haben müssen. Bei Schadensersatzansprüchen wegen Verletzung von Leben, Körper, Gesundheit oder Freiheit gilt zusätzlich eine kenntnisunabhängige Höchstfrist von 30 Jahren.

Diese Informationen und Unterlagen helfen sofort weiter:

  • vollständige Patientenakte, Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, OP-Berichte, Entlassungsberichte,
  • Überweisungen, Medikationspläne, Aufklärungsbögen und Dokumentation von Kontrollterminen,
  • eigenes Gedächtnisprotokoll mit Datum, Beschwerden, Gesprächen und Behandlungsverlauf,
  • Nachweise zu Folgeschäden, Verdienstausfall, Pflege, Fahrtkosten, Zuzahlungen oder Haushaltshilfe,
  • Schriftverkehr mit Arzt, Krankenhaus, Krankenkasse, Medizinischem Dienst oder Versicherung.

Häufigster Fehler: Betroffene unterschreiben vorschnell eine Abfindungs- oder Vergleichserklärung, bevor Spätfolgen, Beweisfragen und Verjährung geprüft wurden.

Fakt vs. Einzelfall: Was ist sicher – und wo kommt es wirklich darauf an?

Sicher ist:

  • Patientinnen und Patienten haben Anspruch auf Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard.
  • Wird eine medizinisch notwendige Untersuchung oder Kontrolle unterlassen, kann ein Befunderhebungsfehler vorliegen.
  • Patienten können Einsicht in ihre vollständige Behandlungsakte verlangen; die erste Abschrift ist nach § 630g BGB unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Kommt darauf an:

  • ob die Befunderhebung nach dem damaligen medizinischen Standard geboten war,
  • ob der unterlassene Befund wahrscheinlich behandlungsrelevant gewesen wäre,
  • ob der eingetretene Schaden durch rechtzeitige Befunderhebung vermeidbar gewesen wäre,
  • ob die Patientenakte vollständig und nachvollziehbar ist,
  • ob Beweiserleichterungen oder eine Beweislastumkehr greifen können.

Allgemeine Informationen reichen nicht aus, wenn die Verjährung bald abläuft, mehrere Behandler beteiligt waren, die Dokumentation Lücken enthält, schwere Dauerschäden im Raum stehen oder bereits ein Vergleichsangebot vorliegt.

Über advocado können Sie eine anwaltliche Ersteinschätzung durch einen passenden Partner-Anwalt für Arzthaftungsrecht anfragen. Dabei kann geprüft werden, ob Unterlagen, Fristen und Beweisfragen eine weitere Anspruchsverfolgung sinnvoll erscheinen lassen.

1. Was ist ein Befunderhebungsfehler?

Ein Befunderhebungsfehler betrifft die Frage, ob eine medizinisch notwendige Untersuchung überhaupt durchgeführt wurde.

Typische Befunde sind zum Beispiel:

  • Laborwerte,
  • Röntgen-, MRT-, CT- oder Ultraschallbilder,
  • neurologische Untersuchungen,
  • Gewebeproben,
  • Kontrolluntersuchungen nach Operationen,
  • Verlaufskontrollen bei auffälligen Beschwerden,
  • Befundsicherung in Notaufnahme, Praxis oder Krankenhaus.

Wichtig ist die Abgrenzung zum Diagnosefehler:

Ein Diagnosefehler liegt eher vor, wenn ein vorhandener Befund falsch gedeutet wird. Ein Befunderhebungsfehler liegt eher vor, wenn der notwendige Befund gar nicht erst erhoben oder gesichert wurde.

Beispiel: Wird ein MRT gemacht, aber falsch ausgewertet, spricht das eher für einen Diagnosefehler. Wird trotz eindeutiger Warnzeichen kein MRT veranlasst, kann ein Befunderhebungsfehler vorliegen.

2. Wann können Schmerzensgeld oder Schadensersatz möglich sein?

Schmerzensgeld oder Schadensersatz kommen nicht schon deshalb in Betracht, weil eine Behandlung nicht den gewünschten Erfolg hatte. Erforderlich ist eine rechtlich relevante Pflichtverletzung.

Typische Voraussetzungen sind:

  • Es gab eine medizinisch gebotene Befunderhebung.
  • Diese Befunderhebung wurde unterlassen, verspätet oder unzureichend durchgeführt.
  • Es ist ein Gesundheitsschaden entstanden.
  • Der Fehler steht mit diesem Schaden in einem Zusammenhang.
  • Der Anspruch ist nicht verjährt.

Schmerzensgeld betrifft immaterielle Schäden: Schmerzen, körperliche Beeinträchtigungen, dauerhafte Einschränkungen, psychische Belastungen oder erhebliche Eingriffe in die Lebensführung.

Schadensersatz betrifft materielle Schäden: Verdienstausfall, Behandlungskosten, Pflegekosten, Haushaltshilfe, Fahrtkosten, Zuzahlungen oder notwendige Umbaumaßnahmen.

Wichtig: Ein Mitverschulden des Patienten kann die Bewertung verändern. Das kann relevant werden, wenn ärztliche Hinweise bewusst ignoriert, Kontrolltermine ohne nachvollziehbaren Grund nicht wahrgenommen oder Medikamente entgegen ärztlicher Anweisung abgesetzt wurden. Ein Mitverschulden führt aber nicht automatisch dazu, dass jeder Anspruch entfällt.

3. Beweislast bei Befunderhebungsfehler: Wer muss was nachweisen?

Grundsätzlich müssen Patientinnen und Patienten beweisen:

  • dass ein Behandlungsfehler vorliegt,
  • dass ein Gesundheitsschaden entstanden ist,
  • dass der Fehler für den Schaden ursächlich war.

Gerade bei Befunderhebungsfehlern ist das schwierig, weil der entscheidende Befund gerade fehlt. Deshalb ist die Patientenakte besonders wichtig.

Nach § 630h BGB können je nach Fall Beweiserleichterungen greifen. Das betrifft unter anderem:

  • fehlende oder unvollständige Dokumentation,
  • voll beherrschbare Risiken,
  • fehlende Befähigung einer behandelnden Person,
  • grobe Behandlungsfehler,
  • bestimmte Befunderhebungs- oder Befundsicherungsfehler.

Bei Befunderhebungsfehlern kann eine Beweislastumkehr insbesondere dann in Betracht kommen, wenn der unterlassene Befund mit hinreichender Wahrscheinlichkeit einen reaktionspflichtigen Befund ergeben hätte und eine Nichtreaktion darauf grob fehlerhaft gewesen wäre.

Das bedeutet praktisch:

  • Nicht jede unterlassene Untersuchung dreht automatisch die Beweislast.
  • Entscheidend ist, wie wichtig die Untersuchung medizinisch war.
  • Auch der hypothetische Befund spielt eine Rolle: Was hätte man wahrscheinlich gefunden?
  • Zusätzlich ist zu prüfen, ob eine Nichtreaktion auf diesen Befund grob fehlerhaft gewesen wäre.
Anführungszeichen

Grundsätzlich trägt der Patient die volle Beweislast. Das bedeutet, er muss nachweisen, dass ein Kunstfehler des Arztes die Ursache seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist.

Matthias Klein
Anwalt für Arzthaftungsrecht
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4. Was sollten Patienten jetzt sichern?

Vor einer Forderung an Arzt, Krankenhaus oder Versicherung steht die Beweissicherung. Ohne Unterlagen lässt sich ein Befunderhebungsfehler meist kaum belastbar prüfen.

Schritt 1: Patientenakte anfordern

Fordern Sie die vollständige Behandlungsakte an. Dazu gehören insbesondere:

  • Arztbriefe,
  • Befunde,
  • Laborwerte,
  • OP-Berichte,
  • Pflegeberichte,
  • Aufklärungsunterlagen,
  • Medikationspläne,
  • Überweisungen,
  • Verlaufseinträge,
  • interne Dokumentation zu Kontrollen und Beschwerden.

Ärzte und Krankenhäuser müssen die Behandlungsakte grundsätzlich für 10 Jahre nach Abschluss der Behandlung aufbewahren, soweit keine anderen Fristen gelten.

Schritt 2: Gedächtnisprotokoll schreiben

Notieren Sie möglichst zeitnah:

  • wann welche Beschwerden auftraten,
  • was Sie dem Arzt oder Krankenhaus mitgeteilt haben,
  • welche Untersuchungen durchgeführt wurden,
  • welche Untersuchungen aus Ihrer Sicht unterblieben sind,
  • welche Reaktionen oder Hinweise Sie erhalten haben,
  • wie sich der Gesundheitszustand weiterentwickelt hat.

Schritt 3: Folgeschäden dokumentieren

Sichern Sie Nachweise zu:

  • weiteren Arztbesuchen,
  • Krankenhausaufenthalten,
  • Therapien,
  • Arbeitsunfähigkeit,
  • Pflegebedarf,
  • Einschränkungen im Alltag,
  • körperlichen oder psychischen Folgen.

Schritt 4: Kosten belegen

Bewahren Sie Rechnungen, Quittungen und Nachweise auf, etwa zu:

  • Fahrtkosten,
  • Medikamenten,
  • Zuzahlungen,
  • Haushaltshilfe,
  • Verdienstausfall,
  • Pflegeleistungen,
  • notwendigen Hilfsmitteln.

Schritt 5: Nichts vorschnell unterschreiben

Unterschreiben Sie keine Abfindungsvereinbarung, keinen umfassenden Vergleich und keine Erklärung zum Anspruchsverzicht, bevor Folgeschäden und rechtliche Folgen geprüft wurden.

Das gilt besonders, wenn Dauerschäden, Spätfolgen, Erwerbsschäden oder Pflegebedarf möglich sind.

5. Wie kann ich eine Entschädigung für Befunderhebungsfehler durchsetzen?

Bei einem Verdacht auf Befunderhebungsfehler gibt es mehrere Wege, eine Entschädigung zu erhalten. Welcher sinnvoll ist, hängt von Beweislage, Frist, Schadenhöhe und Ziel ab.

Krankenkasse und Medizinischer Dienst

Gesetzlich Versicherte sollten früh ihre Krankenkasse kontaktieren. Krankenkassen sollen Versicherte bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen aus Behandlungsfehlern unterstützen. Das Bundesgesundheitsministerium nennt die Krankenkasse als wichtigen Ansprechpartner und weist darauf hin, dass ein Sachverständigengutachten des Medizinischen Dienstes eingeholt werden kann.

Dieser Weg ist besonders sinnvoll, wenn zunächst medizinisch geklärt werden soll, ob ein Fehler plausibel ist.

Gutachterkommission oder Schlichtungsstelle

Eine weitere Möglichkeit ist ein Verfahren bei der Gutachterkommission oder Schlichtungsstelle der zuständigen Ärztekammer.

Diese Verfahren sind für Patientinnen und Patienten regelmäßig kostenfrei und werden meist schriftlich durchgeführt. Die durchschnittliche Verfahrensdauer liegt nach Angaben der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei etwa 15 Monaten; je nach Komplexität kann sie abweichen.

Wichtig in der Praxis:

  • Zuständig ist grundsätzlich die Stelle am Ort der Behandlung.
  • Das Verfahren endet mit einer medizinisch und juristisch begründeten Einschätzung.
  • Der Klageweg bleibt grundsätzlich offen.
  • Die Verjährung muss trotzdem im Blick bleiben.

Außergerichtliche Forderung

Ist der Sachverhalt ausreichend aufgearbeitet, kann eine Forderung an Arzt, Krankenhaus oder Haftpflichtversicherung gestellt werden.

Ein gutes Forderungsschreiben enthält:

  • Schilderung des Behandlungsverlaufs,
  • Begründung des vermuteten Befunderhebungsfehlers,
  • Darstellung der gesundheitlichen Folgen,
  • Bezifferung materieller Schäden,
  • Einordnung des Schmerzensgeldes,
  • Frist zur Stellungnahme oder Regulierung,
  • Belege und medizinische Unterlagen.

Klage vor Gericht

Kommt keine Einigung zustande, können Ansprüche gerichtlich geltend gemacht werden.

Wichtig:

  • Bis 5.000 Euro Streitwert ist grundsätzlich das Amtsgericht zuständig.
  • Bei höheren Streitwerten ist grundsätzlich das Landgericht zuständig.
  • Vor dem Landgericht besteht Anwaltszwang.
  • Medizinische Sachverständigengutachten spielen meist eine zentrale Rolle.

Eine Klage sollte gut vorbereitet sein, weil Arzthaftungsverfahren häufig komplex sind und stark von medizinischen Gutachten abhängen.

6. Wann ist eine individuelle Prüfung Ihres Falles sinnvoll?

Eine individuelle Prüfung ist besonders sinnvoll, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Die Verjährung könnte bald ablaufen.
  • Die Patientenakte ist unvollständig oder widersprüchlich.
  • Mehrere Ärztinnen, Ärzte oder Kliniken waren beteiligt.
  • Es geht um schwere Dauerschäden, Geburtsschäden, Pflegebedarf oder Erwerbsunfähigkeit.
  • Die Gegenseite bietet einen Vergleich an.
  • Die Versicherung bestreitet den Zusammenhang zwischen Fehler und Schaden.
  • Es ist unklar, ob eher ein Befunderhebungsfehler, Diagnosefehler oder Aufklärungsfehler vorliegt.
  • Die Krankenkasse oder der Medizinische Dienst hat bereits ein Gutachten erstellt.
  • Ein Schlichtungsverfahren läuft oder soll eingeleitet werden.

Gerade bei mehreren möglichen Fehlerarten ist die genaue Einordnung wichtig. Davon hängt ab, welche Beweisregeln gelten und wie Ansprüche sinnvoll begründet werden können.

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Beispiel-Fälle zur Orientierung

Fall 1: Auffällige Entzündungswerte werden nicht kontrolliert

Ausgangslage: Nach einer Operation hat ein Patient Fieber und zunehmende Schmerzen. Laborwerte sind auffällig. Eine engmaschige Kontrolle oder weitere Diagnostik erfolgt nicht.

Vorgehen: Patientenakte, Laborwerte, Pflegeberichte und Entlassungsunterlagen werden angefordert. Zusätzlich wird geprüft, ob nach medizinischem Standard weitere Diagnostik geboten war.

Ergebnis: Ein Befunderhebungsfehler ist prüfungswürdig, wenn die unterlassene Kontrolle wahrscheinlich einen behandlungsrelevanten Befund ergeben hätte.

Learning: Entscheidend ist nicht nur der auffällige Wert, sondern ob daraus medizinisch weitere Maßnahmen folgen mussten.

Fall 2: Neurologische Beschwerden werden nicht abgeklärt

Ausgangslage: Eine Patientin berichtet nach einem Eingriff über Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen. In der Patientenakte findet sich keine nachvollziehbare neurologische Untersuchung.

Vorgehen: Die vollständige Dokumentation wird angefordert. Spätere neurologische Befunde, Zeugenaussagen und eigene Notizen werden gesichert.

Ergebnis: Eine Dokumentationslücke kann die Beweisführung erleichtern, ersetzt aber nicht automatisch den Nachweis eines Gesundheitsschadens.

Learning: Fehlende Dokumentation kann wichtig sein, muss aber immer mit Schaden und Kausalität zusammengedacht werden.

Fall 3: Vorhandener Befund wird falsch gedeutet

Ausgangslage: Eine Bildgebung wurde durchgeführt, aber ein auffälliger Bereich wurde nicht richtig bewertet.

Vorgehen: Zunächst wird abgegrenzt, ob die Untersuchung selbst unterlassen wurde oder ob ein vorhandener Befund falsch interpretiert wurde.

Ergebnis: Das spricht eher für einen Diagnosefehler als für einen Befunderhebungsfehler. Ansprüche können trotzdem möglich sein, die rechtliche Beweislogik ist aber anders.

Learning: Die richtige Einordnung des Fehlertyps ist wichtig, weil davon Beweislast und Strategie abhängen.

7. Kosten und Risiken realistisch einschätzen

Die Kosten hängen vom Streitwert, dem Umfang der anwaltlichen Tätigkeit, möglichen Gutachten, Gerichtskosten und dem Ausgang des Verfahrens ab.

Typische Kostenpositionen sind:

  • anwaltliche Beratung,
  • außergerichtliche Vertretung,
  • medizinische Privatgutachten,
  • Gerichtskosten,
  • gerichtliche Sachverständigengutachten,
  • erstattungsfähige Kosten der Gegenseite bei ganz oder teilweise verlorener Klage.

Mögliche Finanzierung oder Entlastung:

  • Rechtsschutzversicherung,
  • Prozesskostenhilfe bei Bedürftigkeit,
  • Prozesskostenfinanzierung in geeigneten Fällen,
  • Kostenübernahme durch die Gegenseite bei erfolgreicher gerichtlicher Durchsetzung,
  • Kostenregelung im Vergleich.
Kosten
Kostenlose Deckungsanfrage:

Sie sind sich unsicher, ob Ihre Rechtsschutzversicherung die Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt? Ein advocado Partner-Anwalt stellt gerne eine kostenlose Deckungsanfrage bei Ihrer Rechtsschutzversicherung für Sie. Jetzt Ersteinschätzung erhalten.

8. Häufige Irrtümer aufgeklärt

Richtig ist: Ein Befunderhebungsfehler betrifft vor allem unterlassene oder unzureichende Untersuchungen. Wurde ein vorhandener Befund falsch bewertet, geht es eher um einen Diagnosefehler.

Was ist zu prüfen: Wurde der Befund erhoben? Wurde er dokumentiert? Wurde er falsch bewertet oder gar nicht erst gewonnen?

Richtig ist: Grundsätzlich tragen Patienten die Beweislast. In bestimmten Fällen können aber Beweiserleichterungen oder Vermutungen greifen.

Was ist zu prüfen: Gibt es Dokumentationsmängel? War die unterlassene Untersuchung medizinisch geboten? Hätte der Befund wahrscheinlich eine Reaktion erfordert?

Richtig ist: Die regelmäßige Verjährung beträgt 3 Jahre. Die 30 Jahre sind eine kenntnisunabhängige Höchstfrist für bestimmte Schadensersatzansprüche und ersetzen nicht die normale Fristprüfung.

Was ist zu prüfen: Wann entstand der Schaden? Wann bestand Kenntnis vom möglichen Fehler? Gab es Verhandlungen, Schlichtung oder Klage?

Richtig ist: Eine Schlichtung kann sinnvoll sein, ersetzt aber nicht automatisch eine gerichtliche Sicherung von Ansprüchen.

Was ist zu prüfen: Ist die Schlichtungsstelle zuständig? Läuft die Verjährung bald ab? Ist parallel anwaltliche Prüfung sinnvoll?

Richtig ist: Ein Vergleich kann spätere Ansprüche ausschließen. Das ist riskant, wenn Folgeschäden noch nicht absehbar sind.

Was ist zu prüfen: Welche Ansprüche werden abgegolten? Sind Zukunftsschäden umfasst? Ist die Summe angemessen? Gibt es einen Vorbehalt für Spätfolgen?

Transparenz-Hinweis

Dieser Beitrag informiert über die Rechtslage in Deutschland (Stand: 17.06.2026). Er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

Quellen: § 630f BGB zur Dokumentation und Aufbewahrung der Patientenakte, § 630g BGB zur Einsichtnahme in die Behandlungsakte, § 630h BGB zur Beweislast bei Haftung für Behandlungs- und Aufklärungsfehler, § 195 BGB zur regelmäßigen Verjährungsfrist, § 199 BGB zum Beginn der regelmäßigen Verjährung und zu Höchstfristen, § 66 SGB V zur Unterstützung gesetzlich Versicherter bei Behandlungsfehlern.

Letzte Aktualisierung

17.06.2026

  • Der Einstieg erklärt jetzt schneller, wann ein Befunderhebungsfehler überhaupt möglich ist.
  • Die wichtigsten Fristen und Unterlagen stehen direkt am Anfang.
  • Der Unterschied zwischen fehlender Untersuchung und falscher Diagnose ist klarer.
  • Die Beweisfrage ist verständlicher und vorsichtiger formuliert.
  • Die offiziellen Anlaufstellen sind besser eingeordnet.
  • Häufige Irrtümer wurden anstelle eines klassischen FAQ-Blocks ergänzt.
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