Alleinerbe – Rechte & Pflichten von Alleinerben

Alleinerbe – Rechte & Pflichten von Alleinerben

 von Senta Banner (jur. Redaktion)
Alleinerbe – Rechte & Pflichten von Alleinerben
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  1. Was ist ein Alleinerbe?
  2. So bestimmen Sie einen Alleinerben (mit Mustertexten)
  3. Rechte & Pflichten eines Alleinerben
  4. Wie man ein Alleinerbe anfechtet
  5. Erbschaftssteuer für Alleinerben
  6. Alleinerbe: Wann benötige ich einen Anwalt?

Auf einen Blick

  • Alleinerben erhalten den gesamten Nachlass des Erblassers.
  • Ein Nachlass setzt sich aus Vermögenswerten und Verbindlichkeiten wie z. B. Schulden zusammen.
  • Pflichtteilsberechtigte, Vermächtnisnehmer und die gesetzliche Erbschaftssteuer können das Alleinerbe beschränken.
  • Alleinerben sind zur Auskunft gegenüber Berechtigten und zur Kostenübernahme der Testamentsvollstreckung verpflichtet.
  • Entstand das Testament unter widerrechtlichen Umständen, können Sie ein Alleinerbe anfechten.

 

1. Was ist ein Alleinerbe?

Alleinerbe ist, wer in einem Testament oder Erbvertrag vom Erblasser ausdrücklich als einziger Erbe benannt wird. Der Alleinerbe erhält somit den gesamten Nachlass des Verstorbenen. Neben Vermögenswerten gehen auch die Verbindlichkeiten – wie Steuerschulden, Mietschulden oder Immobiliendarlehen – auf den Erben über.

Eine Sonderform stellt das befreite Alleinerbe dar, welches häufig im Berliner Testament zu finden ist. Hierbei beerben sich die Ehepartner gegenseitig und der länger lebende Ehepartner übernimmt als sogenannter Vorerbe die uneingeschränkte Nachlassverwaltung. Erst nach seinem Ableben erhalten die verbliebenen Kinder als sogenannte Nacherben das Erbe.

 

2. So bestimmen Sie einen Alleinerben (mit Mustertexten)

Wenn Sie als Erblasser einen Alleinerben einsetzen, sind neben formellen Anforderungen auch alle Gestaltungsmöglichkeiten umfassend zu bedenken. So können Sie im Rahmen der gesetzlichen Rahmenbedingungen frei über Ihr Erbe bestimmen.

 

Benennung im Testament

Um einen Alleinerben einzusetzen, muss dieser im Testament deutlich benannt werden. Folgende Formulierungen können dafür genutzt werden:

Ich setze Herrn Hans Schulz, geboren am 10.10.1960, als meinen Alleinerben ein.

Meine Alleinerbin soll Frau Rosa Müller sein.

Um einen befreiten Erben einzusetzen, eignet sich beispielsweise diese Wendung:

Hiermit setze ich meine Frau, Anna Meier, als meine alleinige und befreite Erbin ein.

 

Warum sind Ersatzerben wichtig?

Schlägt der zunächst bedachte Alleinerbe das Erbe aus oder verstirbt vor Erbantritt, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Somit könnten nahe Angehörige erben, die Sie vielleicht gar nicht mit dem Erbe bedenken wollten.

Deshalb ist die Benennung eines Ersatzerben sinnvoll:

Sollte der von mir eingesetzte Alleinerbe, Hans Müller, vor mir versterben oder das Erbe ausschlagen, bestimme ich Frau Maria Koch als alleinige Ersatzerbin.

 

Alleinerbe beschränken

Grundsätzlich ist ein Alleinerbe frei in der Verwendung des Nachlasses. Diese Freiheit kann der Erblasser jedoch in seinem Sinne beschränken.

  • Individuelle Bedingungen: An eine Alleinerbschaft dürfen Auflagen geknüpft sein, z. B. die Übernahme der Grabpflege, eine Weiterführung des Familienunternehmens oder der Erhalt einer Immobilie.
  • Vermächtnis: Neben dem Alleinerben kann ein Erblasser Vermächtnisnehmer bestimmen, die ausgewählte Gegenstände oder Geldsummen aus dem Nachlass erhalten.
  • Altersgrenze: Ein Testamentsvollstrecker kann einen letzten Willen verwalten und das Erbe beispielsweise zurückhalten, bis der Alleinerbe volljährig ist.
  • Nacherbschaft: Als Erblasser können Sie eine zeitlich versetzte Erbreihenfolge festlegen, indem z. B. nach dem Tod des alleinigen Vorerben die Erbschaft auf die Nacherben übergeht. Vorerben dürfen in ihrer Nachlassverwaltung beschränkt werden.

 

Für die rechtssichere Formulierung beschränkender Bestimmungen eines Alleinerbes ist eine juristische Beratung ratsam. Ein erfahrener Anwalt für Erbrecht kann Ihnen alle Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigen und für Sie ein wirksames Testament aufsetzen. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

Alleinerbe: Pflichtteil unbedingt beachten!

Durch die Ernennung eines Alleinerben gehen mögliche Angehörige leer aus. Um sie zu schützen, gibt es den gesetzlich festgelegten Pflichtteil. Doch wer ist pflichtteilsberechtigt? Pflichtteile gibt es für Geschwister, Kinder, Ehepartner oder Eltern, wenn diese enterbt oder mit einem zu geringen Erbteil bedacht wurden. Alleinerben müssen den Pflichtanteil an pflichtteilsberechtigte Personen auszahlen.

Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Seite zum Pflichtteil.

 

3. Rechte & Pflichten eines Alleinerben

Als Alleinerbe genießt man den Vorteil, sich mit keinen weiteren Erben innerhalb einer Erbengemeinschaft abstimmen zu müssen. Doch bei einer alleinigen Nachlassverwaltung müssen Sie damit einhergehende Pflichten unbedingt berücksichtigen!

 

Auskunftspflicht gegenüber Dritten

Alleinerben sind gegenüber Pflichtteilsberechtigten und Gläubigern zur Auskunft über Art und Umfang des Nachlasses verpflichtet. Dies geschieht über ein notarielles Nachlassverzeichnis, welches sämtliche Vermögenswerte und Verbindlichkeiten aus dem Erbe auflistet.

Ein Nachlassgericht bestimmt auf Antrag eine Frist zwischen 1 und 3 Monaten für die Erstellung. Das Nachlassverzeichnis wird im zuständigen Nachlassgericht hinterlegt und u. a. für die Berechnung von Pflichtteilsansprüchen verwendet.

 

Haftung für Verbindlichkeiten & Nachlassverzeichnis

Gemäß § 1967 BGB haften Alleinerben unbeschränkt für alle Verbindlichkeiten aus dem Nachlass. Übersteigen etwaige Schulden die Vermögenswerte im Nachlass, droht die Haftung mit dem Privatvermögen.

Um diese Haftung für einen Alleinerben zu beschränken, kann ein Nachlassgericht auf Antrag einen Nachlassverwalter bestimmen. Dieser verwaltet im Zuge eines Nachlassinsolvenzverfahrens das Erbe und der Alleinerbe haftet nur noch mit seinem aus dem Nachlass geerbten Vermögen.

Uneingeschränkt haftet ein Alleinerbe jedoch stets, wenn er die festgelegte Frist zur Erstellung eines Nachlassverzeichnisses nicht einhält. Hierbei drohen im Zweifelsfall Abmahngebühren und kostenintensive Klageverfahren.

 

Haben Alleinerben einen Anspruch auf den Pflichtteil?

In der Regel können Alleinerben keinen Pflichtteil geltend machen – schließlich erhalten sie das gesamte Erbe. Eine Ausnahme stellt der Umstand dar, dass der Wert des Alleinerbes den Wert eines theoretischen Pflichtteils unterbietet.

 

Beispielfall:

Herr Meier hinterlässt seinen beiden Söhnen einen Nachlass von 200.000 Euro. Ihnen steht gesetzlich jeweils ein Pflichtteilsanspruch i. H. v. 50.000 Euro zu. Herr Meier bestimmte im Testament seinen ältesten Sohn als Alleinerben.

Aber: Seinem anderen Sohn ließ er sein Einfamilienhaus mit einem Wert i. H. v. 180.000 Euro als Vermächtnis zukommen. Dem ältesten Sohn bleiben deshalb nur 20.000 Euro vom Erbe. Sein gesetzlicher Pflichtteil übersteigt somit das eigentliche Alleinerbe.

 

Nicht nur die Beschränkung durch ein Vermächtnis kann einen Pflichtteilsanspruch für einen Alleinerben begründen. Zusätzlich können Alleinerben einen Pflichtteilsergänzungsanspruch nach § 2329 BGB haben.

Dieser tritt in Kraft, wenn der Erblasser zu Lebzeiten Schenkungen tätigt, welche das Erbe schmälern – und somit einen möglichen Pflichtteil. Der Alleinerbe kann den Betrag dann direkt vom Beschenkten fordern.

 

Beerdigungskosten – Übernahmepflicht vorhanden?

Nach dem Tod des Erblassers muss der Alleinerbe die Kosten für die Bestattung übernehmen. Welcher Betrag für die Beerdigung auszugeben ist, wird in Relation zum Lebensstandard des Verstorbenen berechnet. Dadurch wird gewährleistet, dass eine angemessene Bestattung erfolgt und die Kosten nicht willkürlich in die Höhe steigen.

 

Alleinerbe

 

4. Wie man ein Alleinerbe anfechtet

Die Benennung eines Alleinerben führt oftmals dazu, dass sich andere Angehörige ungerecht behandelt fühlen. Sie können ein Testament anfechten, wenn ausreichend fundierte Anfechtungsgründe vorliegen.

  • Formale Fehler: z. B. fehlende Unterschrift oder fehlendes Datum
  • Inhaltsirrtum: z. B. Schreibfehler bei Geldsummen, falsche Annahmen zu gesetzlichen Erbansprüchen
  • Fehlende Rechtswirksamkeit: z. B. Testierunfähigkeit des Erblassers, ein bereits bestehendes verpflichtendes Testament, Testament ist unter Drohung entstanden
  • Erbunwürdigkeit des Alleinerben: z. B. unverzeihliches, strafbares Fehlverhalten
  • Nichtberücksichtigung Pflichtteilsberechtigter: wenn ein Pflichtteilsberechtigter zum Zeitpunkt der Testamentserstellung nicht bekannt war

Wie aussichtsreich eine Testamentsanfechtung ist, muss stets im Einzelfall und unter Beachtung der gegenwärtigen Rechtsprechung geprüft werden.

Wir raten Ihnen deshalb, einen spezialisierten Anwalt für Erbrecht heranzuziehen, welcher Sie zunächst berät und anschließend eine rechtssichere Anfechtungserklärung verfassen kann. Schildern Sie dafür hier Ihr Anliegen.

 

5. Erbschaftssteuer für Alleinerben

Welche Steuern werden für Alleinerben fällig?

Erbschaftssteuer wird auf den gesamten Nachlass fällig, ausgenommen persönliche Gegenstände, Hausrat und etwaige Kunstobjekte. Im Fall eines Alleinerbes werden zudem

  • etwaige Vermächtnisse
  • geltend gemachte Pflichtteilsansprüche sowie
  • die Bestattungskosten des Erblassers

vom zu versteuernden Nachlass abgezogen. Der Restbetrag wird daraufhin je nach Erbschaftssteuerklasse mit einem Satz i. H. v. 7 bis 50 % versteuert.

Seitens des Erblassers kann eine bestimmte Person benannt werden, welche die Erbschaftssteuer beispielsweise für einen Vermächtnisnehmer mittragen muss. Als Alleinerbe bedeutet das eine zusätzliche steuerliche Belastung, die leider unumgänglich ist.

Für ausführliche Informationen zum Thema informieren Sie sich in unserem Beitrag Erbschaftssteuer berechnen.

 

Möglichkeiten zur Steuersenkung

Zunächst sind Freibeträge zu beachten, auf deren Grundlage die Steuerbemessungsgrundlage maßgeblich reduziert werden kann:

 

Verwandtschaftsverhältnisse zum Erblasser

Freibeträge

Ehe- & eingetragene Lebenspartner

500.000 Euro

Kinder (leibliche, Adoptiv- & Stiefkinder)

400.000 Euro

Enkelkinder

200.000 Euro

 

Übersteigt das Alleinerbe diese Freibeträge, können Sie auf unterschiedlichen Wegen die Erbschaftssteuer umgehen oder mindern. So bietet sich beispielsweise eine Nacherbschaft an, mit welcher die Steuerfreibeträge zwischen verschiedenen Familienmitgliedern optimal verteilt werden. Auch Schenkungen zu Lebzeiten sind möglich.

 

6. Alleinerbe: Wann benötige ich einen Anwalt?

Ein Alleinerbe bietet zahlreiche Risiken für den Erblasser sowie den tatsächlichen alleinigen Erben. So kann eine einzige fehlerhafte Formulierung im Testament dieses unwirksam machen. Zudem drohen dem Alleinerben signifikante wirtschaftliche Schäden, sollte er gegen gesetzliche Verpflichtungen verstoßen. Entsprechende juristische Hilfe finden Sie bei einem erfahrenen Anwalt für Erbrecht.

Insbesondere bei folgenden Umständen empfiehlt es sich, einen Anwalt zu kontaktieren:

  • Sie wollen einen Alleinerben (z. B. unter Auflagen) einsetzen.
  • Sie sind Alleinerbe und sind mit der Abwicklung des Nachlasses überfordert.
  • Die Erstellung eines Nachlassverzeichnisses stellt sich als hohe Belastung heraus.
  • Der Nachlass ist überschuldet.
  • Der Nachlass wurde durch Schenkungen zu Lebzeiten beträchtig geschmälert.
  • Pflichtteilsberechtigte oder Vermächtnisnehmer wollen ihren Anspruch geltend machen.
  • Andere mögliche Erben wollen Ihr Alleinerbe anfechten.

 

Lassen Sie sich von einem unserer spezialisierten Anwälte unterstützen. Im Rahmen eines unverbindlichen Erstgesprächs zeigt der Anwalt Ihnen Handlungsoptionen sowie mögliche Kosten transparent auf. Sie erhalten zudem Antworten auf alle damit im Zusammenhang stehenden Fragen.

Im Anschluss bekommen Sie von uns ein Festpreis-Angebot für die anwaltliche Umsetzung Ihres Anliegens. Bis dahin besteht für Sie kein Kostenrisiko. Schildern Sie dafür bitte hier Ihren Fall.

 

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Ein Artikel von Senta Banner aus der juristischen Redaktion bei advocado

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