Erbschaftssteuer berechnen, minimieren & stunden – so geht’s

Erbschaftssteuer berechnen, minimieren & stunden – so geht’s

 von Patricia Bauer (jur. Redaktion)
Erbschaftssteuer berechnen, minimieren & stunden – so geht’s
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  1. Das Wichtigste zur Erbschaftssteuer
  2. Wann & wofür muss Erbschaftssteuer gezahlt werden?
  3. So lässt sich die Erbschaftssteuer berechnen
  4. Sonderfälle & Beispiele zur Berechnung der Erbschaftssteuer
  5. Erbschaftssteuer umgehen
  6. Erbschaftssteuer minimieren
  7. Erbschaftssteuer stunden
  8. Erbschaftssteuer berechnen, umgehen oder minimieren: So hilft Ihnen ein Anwalt.

 

RECHTSBERATUNG-TIPP:

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Schildern Sie hier bitte Ihren Fall.

 

1. Das Wichtigste zur Erbschaftssteuer

Ein Erbe hat unter Umständen Erbschaftssteuer zu bezahlen, wenn er

Die genaue Höhe der Erbschaftssteuer ist stets abhängig vom Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser. Auch die Steuerklasse und der konkrete Wert der Erbschaft sind ausschlaggebend.

 

KOSTENTIPP:

Wurde Erbschaftssteuer geleistet, kann eine entsprechende Ermäßigung der Einkommensteuer beantragt werden. Dadurch wird die Gesamtsteuerlast minimiert.

 

2. Wann & wofür muss Erbschaftssteuer gezahlt werden?

Kommt es zu einem Vermögenserwerb durch Erbe, Pflichtteil, Vermächtnis oder Schenkung auf den Todesfall, muss man dafür die Erbschaftssteuer berechnen und entrichten.

Keine Erbschaftssteuer wird fällig bei

  • persönlichen Nachlassgegenständen (Tagebücher, Kleidung, Möbel oder minderwertiger Schmuck),
  • Hausrat (Ehe- & Lebenspartner, Kinder, Enkel, Eltern & Großeltern bis zu einem Wert von 41.000 €; bei allen anderen Erben bis 12.000 €),
  • Kunstgegenstände und -sammlungen,
  • Nachlass, der kirchlichen, mildtätigen oder gemeinnützigen Zwecken dient,
  • Nachlass, der an politische Parteien geht.  

Gemäß § 9 II Erbschaftssteuer- und Schenkungsgesetz (ErbStG) ist Erbschaftssteuer an das zuständige Finanzamt zu überweisen, sobald der Vermögenserwerb vollzogen wurde. In Ausnahmefällen können Erben die Steuerschuld aber stunden (aufschieben). Näheres dazu lesen Sie in Kapitel 7 – Erbschaftssteuer stunden.

 

3. So lässt sich die Erbschaftssteuer berechnen

 

Steuerklasse & Freibeträge

Erbschaftssteuerklasse und Freibeträge sind abhängig vom Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser. Der jeweilige Freibetrag ist vom zu versteuernden Vermögen abzuziehen.

 

Erbschaftssteuerklasse

Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser

Freibeträge

I

Ehe- & eingetragene Lebenspartner

500.000 €

I

Kinder (leibliche, Adoptiv- & Stiefkinder)

400.000 €

I

Enkelkinder

200.000 €

I

Eltern & Großeltern (bei Erwerb durch Erbschaft)

100.000 €

II

Eltern & Großeltern (bei Erwerb durch Schenkung), Geschwister, Neffen & Nichten, Stiefeltern, Schwiegerkinder und -eltern sowie geschiedene Ehepartner

20.000 €

III

Alle übrigen Personen

20.000 €

Hinweis: Die hier genannten Steuerklassen beziehen sich auf die Erbschaftssteuer. Davon zu unterscheiden sind z. B. die Steuerklassen der Einkommensteuer.

 

Sonderregelung bei Betriebsnachfolge:

Wurde ein Unternehmen weitergegeben, fällt der Betriebsnachfolger immer in Steuerklasse I – unabhängig von seinem Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser. Der Gesetzgeber begünstigt so das Vererben, Vermachen und Verschenken von Firmen – damit sollen vor allem Arbeitsplätze erhalten werden.

 

Erbschaftssteuer berechnen – Infografik – dieser Freibetrag steht Ihnen bei Ihrer Steuerklasse zu

 

Erbschaftssteuersatz

Haben Sie das zu versteuernde Vermögen ermittelt, lässt sich die Erbschaftssteuer berechnen. Dafür können Sie auf folgende Tabelle zurückgreifen:

 

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs bis einschließlich

Steuersatz nach Steuerklasse I

Steuersatz nach Steuerklasse II

Steuersatz nach Steuerklasse III

75.000 €

7 %

15 %

30 %

300.000 €

11 %

20 %

30 %

600.000 €

15 %

25 %

30 %

6.000.000 €

19 %

30 %

30 %

13.000.000 €

23 %

35 %

50 %

26.000.000 €

27 %

40 %

50 %

über 26.000.000 €

30 %

43 %

50 %

 

4. Sonderfälle & Beispiele zur Berechnung der Erbschaftssteuer

Sonderregelungen bestehen bei Immobilien, Unternehmensanteilen und Erbengemeinschaften. Durch diese können Sie Steuern sparen und den Vermögenswert des Erbes maximieren.

 

4.1 Erbschaftssteuer berechnen für Immobilien

Zählen Immobilien zum erworbenen Vermögen, gelten bezüglich der Versteuerung möglicherweise folgende Sonderregelungen:

Selbst bewohnte Immobilien

Wenn Ehe- oder eingetragene Lebenspartner ein von ihnen selbst bewohntes Gebäude erben, ist dieses zu 100 % von der Erbschaftssteuer befreit – wenn der Erblasser ebenfalls darin wohnte oder es aufgrund von Pflegebedürftigkeit nicht konnte.

Auch Kinder, die eine solche Immobilie erben, müssen keine Erbschaftssteuer zahlen, sofern die Wohnfläche nicht mehr als 200 m² beträgt.

 

Vermietete Immobilien

Werden bereits an Dritte vermietete Immobilien geerbt, müssen nur 90 % von deren Gesamtwert veranschlagt werden, wenn der Erbe die Erbschaftssteuer berechnen will.

Beispiel: Ein vermietetes Wohnhaus hat einen Gesamtwert von 200.000 €. Hiervon sind nur 180.000 € erbschaftssteuerpflichtig.

 

Immobilien mit Wohnrechten oder Nießbrauch

Bei der Berechnung der Erbschaftssteuer gelten ebenfalls Sonderregelungen, wenn belastete Immobilien mit einem Wohnrecht auf Lebenszeit oder einem Nießbrauchrecht zum Nachlass zählen.

In der Regel wurde die Immobilie in diesen Fällen bereits vor dem Erbfall an die Erben übertragen und diese haben bereits Schenkungssteuer geleistet. Daher werden Wohnrechts- und Nießbrauchswert dem Wert der Immobilie angerechnet – die Gesamtsteuerlast sinkt und eine volle Doppelbesteuerung wird ausgeschlossen.

 

Schützenswerte Denkmäler

Gehört ein schützenswertes Denkmal zum Erbe, ist eine vollständige Steuerbefreiung möglich. Dafür muss die Immobilie seit mindestens 20 Jahren im Familienbesitz sein. Außerdem muss der Erbe sich bereit erklären, die gesetzlichen Denkmalschutzauflagen zu erfüllen.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu möglichen Steuereinsparungen bei der Vererbung von Immobilien finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Grundstücke & Immobilien vererben.

 

4.2 Erbschaftssteuer berechnen für GmbH-Anteile  

Damit eine GmbH durch die Erbschaftssteuer nicht in wirtschaftliche Schieflage gerät und Arbeitsplätze erhalten werden können, greift bei der Vererbung von GmbH-Anteilen der sogenannte Verschonungsabschlag.

Dafür gelten folgende Regelungen:

  • Weiterführung der GmbH: Der Erbschaftssteuerpflichtige muss bereit sein, die GmbH selbst weiterzuführen. Verpflichtet er sich für die nächsten 5 Jahre, greift der Verschonungsabschlag von 85 % (er muss also nur 15 % des Unternehmenswertes versteuern). Will er die vollen 100 % in Anspruch nehmen, muss er für die nächsten 7 Jahre für die GmbH tätig sein.
  • Mindestlohnsumme einhalten: Beschäftigt die GmbH mehr als fünf Mitarbeiter, muss sie eine bestimmte Mindestlohnsumme erfüllen. Dazu zählen sämtliche Personalausgaben und Sozialbeiträge, Sondervergütungen, Abfindungen und weitere Ausgaben. Die konkrete Mindestlohnsumme ist abhängig vom gewünschten Verschonungsabschlag und dem Unternehmenswert.
  • Obergrenze für Verwaltungsvermögen wahren: Für die Geltendmachung eines Verschonungsabschlags darf die GmbH zu nicht mehr als 90 % aus sogenanntem Verwaltungsvermögen bestehen. Dazu zählen z. B. Immobilien, Aktien und Fahrzeuge.

 

ACHTUNG:

Für einen solchen Verschonungsabschlag darf der Gesamtwert der GmbH nicht mehr als 26 Millionen Euro betragen. Liegt der Gesamtwert über dieser Grenze, sinkt der mögliche Verschonungsabschlag um je 1 % für jede 750.000 Euro, die der Vermögenswert höher ist.

Beispiel: Ist die GmbH z. B. 30 Millionen Euro wert, wurde der Grenzwert um 4 Millionen Euro überschritten – das entspricht mehr als 5 * 750.000 Euro. Deswegen sinkt der mögliche Verschonungsabschlag um 5 % und das Betriebsvermögen kann zu nicht mehr als 80 % bzw. 95 % verschont werden.

 

4.3 Erbschaftssteuer berechnen bei einer Erbengemeinschaft

Hinterlässt der Erblasser eine Erbengemeinschaft – überträgt mit seinem Tod also z. B. eine Immobilie auf mehrere Personen – müssen die Erben zur Erbauseinandersetzung ihre individuelle Erbschaftssteuer berechnen. Wichtig sind hierzu die jeweiligen Anteile der Erben am gesamten Nachlass.

Diese Erbquote bestimmt die Erbschaftssteuerklasse und den geltenden Freibetrag. Wurde dieser Betrag vom Erbanteil abgezogen, kann der Erbe die korrekte Erbschaftssteuer berechnen.

Erbschaftssteuer berechnen

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5. Erbschaftssteuer umgehen

Stellt der Erbe fest, dass die Erbschaftssteuer seine wirtschaftlichen Möglichkeiten übersteigt, kann er diese durch eine Erbausschlagung umgehen. Die Erbausschlagung kommt vor allem bei folgenden Fällen in Betracht:

  • Gemeinschaftliches Testament: Bei einem gemeinschaftlichen Testament muss das gemeinsame Vermögen von Ehepartnern oftmals doppelt versteuert werden – nach dem Tod des ersten und nach dem Tod des zweiten Ehepartners. Außerdem verfällt der Freibetrag der Kinder nach dem ersten Todesfall – diesen können sie erst nutzen, wenn sie tatsächlich Erben geworden sind. In manchen Fällen kann eine Erbausschlagung eine sinnvolle Alternative sein. Das Erbe geht dann direkt an die Kinder. Diese können ihre Freibeträge nutzen, sodass die Doppelbesteuerung entfällt.
  • Ausgeschöpfter Freibetrag: Eine Erbausschlagung kommt auch infrage, wenn ein Erbe seinen Freibetrag bereits ausgeschöpft hat. Dies ist u. a. der Fall, wenn er Schenkungen zu Lebzeiten angenommen hat. Schlägt er sein Erbe aus, fällt das Erbe anderen Erbberechtigten zu. Nutzt dieser seinen Freibetrag, kann man so die Erbschaftssteuer umgehen.

 

Da mit einer Erbausschlagung der Verzicht auf u. a. liebgewonnene Erinnerungsstücke, das eigene Elternhaus oder wertvolle Schmucksammlungen verbunden ist, sollten Sie diesen Schritt genau abwägen. Ein spezialisierter Anwalt klärt Sie über die Risiken und Alternativen auf.

Schildern Sie hier bitte Ihren Fall.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu Ihren Optionen, die Erbschaftssteuer zu umgehen, finden Sie in unserem Beitrag So können Sie die Erbschaftssteuer umgehen.

 

6. Erbschaftssteuer minimieren

Konnte der Erbe die Erbschaftssteuer berechnen und will diese minimieren, hat er zwei Optionen:

  • Abzug von Nachlassverbindlichkeiten: Der Erbe sollte den Nachlasswert ermitteln und feststellen, ob abzugsfähige Nachlassverbindlichkeiten bestehen. Alle Schulden des Erblassers, Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen, Auflagen und Pflichtteilsforderungen sowie Bestattungskosten werden gemäß § 10 Absatz 5 ErbStG vom ererbten Vermögen abgezogen. Die Erbschaftssteuer fällt somit geringer aus.
  • Antrag auf Steuerermäßigung: Erreicht der Erbe einen Teil seiner jährlichen Einkünfte durch die Erbschaft, fallen sowohl Erbschafts- als auch Einkommensteuer an. Gemäß § 35b ErbStG kann der Erbe bei Doppelbesteuerung ein Antrag auf Steuerermäßigung stellen. Die Einkommensteuer wird dann um den Prozentsatz der Erbschaftssteuer reduziert.

 

Die Erbschaftssteuer lässt sich schon zu Lebzeiten des Erblassers durch eine kluge Verteilung eines Erbes minimieren. Welche Optionen zur Minimierung der Steuerlast es vor und nach dem Erbfall gibt, sagt Ihnen ein erfahrener Anwalt. Schildern Sie hier bitte Ihren Fall.

 

7. Erbschaftssteuer stunden

Nicht selten reicht das eigene und das ererbte Vermögen nicht aus, um die Erbschaftssteuer zu begleichen. Um dann nicht geerbte Vermögenswerte verkaufen zu müssen, kann der Erbe die Erbschaftssteuer stunden (aufschieben).

Eine zinslose Stundung bis zu zehn Jahren ist laut § 28 ErbStG möglich, wenn

  • Betriebsvermögen,
  • land- und forstwirtschaftliches Vermögen oder
  • Wohngrundstücke geerbt wurden.

Voraussetzung für die Stundung im letzten Fall ist, dass der Erbe die Immobilie selbst bewohnt, sie sich in einem EU-Land befindet und er die Erbschaftssteuer nur durch einen Verkauf aufbringen könnte.

 

HINWEIS:

Eine Stundung erfolgt nicht automatisch – der Erbe muss diese beim zuständigen Finanzamt beantragen und ausreichend begründen. Dafür genügt ein formloses Schreiben.

 

8. Erbschaftssteuer berechnen, umgehen oder minimieren: So hilft Ihnen ein Anwalt

Die steuerrechtlichen Regelungen für Erbschaften sind komplex. So sind neben Steuerklassen und Freibeträgen auch zahlreiche Sonderregelungen zu beachten, wenn man die Erbschaftssteuer berechnen will.

Ist diese Hürde genommen, stellt die Höhe der Erbschaftssteuer Erben häufig vor zusätzliche Probleme. Sie können dann vor der Entscheidung stehen, das eigene Elternhaus oder liebgewonnene Erinnerungsstücke zu verkaufen, um die anfallende Steuer zu begleichen. Ein spezialisierter Anwalt unterstützt Sie dabei, Ihr Erbe abzusichern, indem er

  1. den konkreten Nachlasswert & alle Nachlassverbindlichkeiten ermittelt, um Steuern zu minimieren;
  2. Freibeträge voll ausschöpft & alle relevanten Sonderregelungen berücksichtigt, die in Ihrem individuellen Fall greifen;
  3. Optionen zur Umgehung oder Minimierung der Erbschaftssteuer identifiziert & rechtssicher umsetzt.

Lassen Sie sich deswegen von einem unserer erfahrenen Anwälte beraten. In einem kostenfreien Erstgespräch prüft der Anwalt, welche Erbschaftssteuer in Ihrem individuellen Fall anfällt und wie sich diese umgehen oder minimieren lässt. Schildern Sie bitte hier Ihren Fall.

 

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Patricia Bauer
Ein Artikel von Patricia Bauer aus der juristischen Redaktion bei advocado

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Patricia Bauer stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen. Dabei legt Patricia großen Wert auf eine verständliche Sprache, damit auch Nicht-Juristen im deutschen Paragraphendschungel den Durchblick behalten und ihre rechtlichen Angelegenheiten schnell, einfach und sorgenfrei erledigen können.

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