Nießbrauch – Wissenswertes für Nieß­braucher & Eigentümer

Sophie Suske

Juristische Redaktion

Stand:

1635 Leser finden diesen
Beitrag hilfreich

9 Minuten Lesezeit

Sophie Suske (jur. Redaktion)  |   Stand:

Nießbrauch – Wissenswertes für Nieß­braucher & Eigentümer

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Was ist ein Nießbrauch?
  2. Was sind die Rechte & Pflichten von Eigentümern & Nießbrauchern?
  3. Wie lege ich einen Nießbrauch fest?
  4. Zeitliche Begrenzung, Aufhebung & Übertragung
  5. Was bedeutet ein Nießbrauch im Grundbuch?
  6. Wie berechnet sich der Wert eines Nießbrauchs?
  7. Wer trägt die Kosten?
  8. Wie wird ein Nießbrauch steuerlich behandelt?
  9. Sie möchten ein Nießbrauchrecht durchsetzen?
Focus Money - Höchste Weiterempfehlung - Online-Rechtsberatung

Sie suchen
einen Anwalt?

So funktioniert advocado

Keine aufwendige Anwaltssuche oder langes Warten auf Kanzleitermine. Sie schildern Ihr Anliegen einfach online und der passende advocado Anwalt meldet sich innerhalb von zwei Stunden bei Ihnen (Mo.-Fr. 9-18 Uhr).

Im kostenfreien Erstgespräch bespricht der Anwalt Ihr Anliegen mit Ihnen und erläutert Handlungsoptionen und Erfolgsaussichten.

Sie können jederzeit und überall auf Ihren Online-Mandantenbereich zugreifen. Hier verwalten Sie mit wenigen Mausklicks alle Dokumente, kommunizieren per Nachricht oder Videochat mit Ihrem Anwalt und sehen den Status Ihres Falls.

  1. Kostenfreies Erstgespräch mit einem Anwalt
  2. Unverbindliches Festpreis-Angebot
  3. Online-Rechtsberatung über advocado
Anliegen schildern

Zusammenfassung

Ein Nießbrauch gibt dem Nutznießer das Recht, fremdes Eigentum zu nutzen und damit erzielte Erträge zu behalten. Das Nießbrauchrecht findet vor allem Anwendung, wenn Eltern ihr Haus zu Lebzeiten an die Kinder übertragen. Das Eigentum wird weitergegeben, das Nutzungsrecht bleibt bestehen.

 

Auf einen Blick

  • Beim Nießbrauch darf der Nießbrauchberechtigte fremdes Eigentum nutzen und über Einkünfte und Gewinne wie Mieteinnahmen verfügen.
  • Am häufigsten findet das Nutzungsrecht bei Immobilien Anwendung – es lässt sich aber auch für Gegenstände und Vermögen anordnen.
  • Zusammen mit der vorweggenommenen Erbfolge können Eltern zu Lebzeiten das Haus an die Kinder überschreiben und sich selbst einen lebenslangen Nießbrauch einräumen.
  • Ein Nießbrauchrecht lässt sich nicht vererben und nicht verkaufen – es endet mit dem Tod des Nießbrauchberechtigten.
  • Für die Bestellung ist ein notariell beurkundeter Vertrag erforderlich, der individuell ausgestaltet sein sollte.
  • Ein Anwalt setzt einen für beide Parteien vorteilhaften Nießbrauchvertrag auf und berät Sie über damit verbundene Vorteile und Risiken.

 

Infografik zur Definition des Nießbrauchrechts.

 

1. Was ist ein Nießbrauch?

Ein Nießbrauch ist laut § 1030 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ein Nutzungsrecht für fremdes Eigentum. Der Nießbraucher – die Person, die das Nießbrauchrecht erhält – darf das fremde Gut nutzen und wirtschaftliche Gewinne damit erzielen.

Ein Nießbrauchrecht lässt sich z. B. für folgende Dinge anordnen:

  • Grundstücke und Immobilien
  • Beweglichen Sachen wie Autos
  • Verbrauchbare Sachen wie Brennstoffe
  • Rechte oder Anteile (z. B. an einem Unternehmen)
  • Vermögen und Wertpapiere

Der Eigentümer kann die Nutzung der Sache an ein Entgelt knüpfen oder unentgeltlich überlassen. Auch eine teilentgeltliche Nutzung ist möglich – z. B. wenn der Nießbraucher dem Eigentümer die Hälfte der Mieteinnahmen abgibt.

 

Wann ist ein Nießbrauchrecht sinnvoll?

Am häufigsten findet das Nutzungsrecht als Vorbehaltsnießbrauch bzw. Nießbrauchsvorbehalt bei Immobilien Anwendung. Wollen Eltern ihr Eigenheim zu Lebzeiten durch die vorweggenommene Erbfolge an ihre Kinder übertragen oder das Grundstück vererben, können sie sich selbst einen Nießbrauch einräumen.

Das hat folgende Vorteile:

  • Die zukünftigen Erben – z. B. die Kinder – werden zu Eigentümern der Immobilie.
  • Die Eltern werden zu Nießbrauchern der eigenen Immobilie. Sie können entweder weiterhin in dieser leben oder Einnahmen durch Vermietung erzielen.
  • Schenken die Eltern den Kindern das Haus, lässt sich durch einen Nießbrauch die anfallende Schenkungssteuer senken.

 

Was ist der Unterschied zwischen Nießbrauch und Wohnrecht?

Nicht zu verwechseln ist das Nießbrauchrecht an einer Immobilie mit dem Wohnrecht auf Lebenszeit. Dadurch darf eine Person zwar die Immobilie nutzen, um darin zu wohnen – sie darf jedoch keine Gewinne aus Vermietung oder Verpachtung erzielen.

Wer hingegen einen Nießbrauch hat, darf vermieten und die Mieteinnahmen der Immobilie behalten.

 

Das Nießbrauchrecht auf eine Immobilie ist im Grundbuch eingetragen und damit bindend. Selbst wenn er Nießbraucher aus der Wohnung auszieht, darf er weiterhin Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung erwirtschaften.

 

2. Was sind die Rechte & Pflichten von Eigentümern & Nießbrauchern?

Ein Nießbrauchrecht geht für Eigentümer und Nießbrauchberechtigte mit Rechten und Pflichten einher.

 

Welche Rechte und Pflichten haben Nießbraucher?

Der Nießbraucher darf Gewinne wie Mieteinnahmen erzielen.

Daneben muss er

  • den genutzten Gegenstand versichern (z. B. gegen einen Gebäudebrand).
  • den Nießbrauch erhalten und darf ihn weder verkaufen noch seinerseits mit einem Nießbrauchrecht belasten.
  • Ausbesserungen und Renovierungen übernehmen, die zur gewöhnlichen Unterhaltung gehören.

 

Wechselt der Besitzer des Nießbrauchsgegenstandes, bleibt das Nutzungsrecht bestehen. Verkauft der Eigentümer z. B. sein mit einem Nießbrauch belastetes Haus, darf der Nießbraucher unter dem neuen Besitzer weiterhin darin wohnen.

 

Welche Rechte und Pflichten haben Eigentümer?

Der Eigentümer behält das Verfügungsrecht: Er kann den Nießbrauchsgegenstand jederzeit und ohne Einwilligung des Nießbrauchers verkaufen.

Weiterhin kann er das Nutzungsrecht beschränken, indem er z. B. bestimmte Räume eines Hauses ausschließt oder den Nießbrauch zeitlich begrenzt – diese Regelungen sind allerdings vorab in einem Nießbrauchvertrag festzuhalten.

Daneben muss der Eigentümer

  • außergewöhnliche Unterhaltungskosten wie die Modernisierung von Heizung oder Elektroanlagen tragen.
  • für Anlieger- und Erschließungsbeiträge aufkommen, die die Gemeinde für den Anschluss ans öffentliche Versorgungsnetz (z. B. für Strom, Wasser, Gas und Kanalisation) sowie den Bau von Straßen und Wegen erhebt.

 

3. Wie lege ich einen Nießbrauch fest?

Möchten Sie als Eigentümer ein Nutzungsrecht für einen Dritten oder für sich selbst anordnen, ist dies in einem Nießbrauchvertrag festzuhalten. Diesen können Sie individuell ausgestalten. Damit es zwischen Eigentümer und Nießbraucher nicht zu Streitigkeiten kommt, sollten Sie jedoch folgende Punkte berücksichtigen:

 

Welche vertraglichen Regelungen sind sinnvoll?

Diese vertraglichen Regelungen sind in jedem Fall sinnvoll und gehören in den Nießbrauchvertrag:

  • Daten des Nießbrauchers und des Eigentümers
  • Gegenstand, Rechtseinräumungen und Berechtigungen: Wofür gilt das Nutzungsrecht: Immobilie, Boot oder Vermögen? Verlangen Sie ein Entgelt für die Nutzung oder möchten Sie eine unentgeltliche Nutzung anordnen?
  • Dauer der Rechtseinräumung: Gilt der Nießbrauch lebenslang oder ist er zeitlich begrenzt?
  • Verteilung der Lasten: Welche Pflichten haben die beiden Parteien z. B. bei der Modernisierung und Instandhaltung des Nießbrauchsgegenstandes?

 

Welche Formalitäten sind zu beachten?

Die Gestaltung eines Nießbrauchvertrags hängt davon ab, wofür der Nießbrauch gelten soll.

  • Unbewegliche Sachen (§ 873 BGB): Möchten Sie für ein Grundstück oder eine Immobilie einen Nießbrauch bestellen, ist eine schriftliche und notariell beurkundete Einigung zwischen Ihnen und dem Nießbraucher erforderlich. Bei Immobilien ist diese anschließend dem Grundbuchamt vorzulegen.
  • Bewegliche Sachen (§ 1032 BGB): Für Fahrzeuge, Elektrogeräte oder Möbel ist eine formlose Einigung zwischen Ihnen und dem Nießbraucher ausreichend. Anschließend können Sie die Sache dem Nießbraucher übergeben.
  • Inhaber- und Orderpapier (§ 1081 BGB): Für Wertpapiere wie Aktien und Investmentanteile müssen Sie dem Nießbraucher im Regelfall einen Mitbesitz an den Papieren einräumen.
  • Vermögen (§ 1085 BGB): Möchten Sie ein Vermögen mit einem Nießbrauch belasten, wird dieser für jeden zum Vermögen gehörenden Gegenstand einzeln bestellt. Bei Konten wird z. B. eine Vollmacht ausgestellt, bei Unternehmen der Gesellschaftsvertrag angepasst.

 

Wie gehe ich vor?

Die Bestellung eines Nießbrauchrechts am Beispiel einer Immobilie läuft wie folgt ab:

  • Per Nießbrauchvertrag übertragen Sie z. B. Ihren Kindern die Immobilie und behalten sich selbst ein Nutzungsrecht darin vor.
  • Anschließend lassen Sie den Vertrag notariell beurkunden und informieren das Grundbuchamt über das angeordnete Nutzungsrecht.
  • Das Grundbuchamt trägt den Eigentumswechsel und den Nießbrauch in das Grundbuch ein.
  • Den Antrag dafür sowie die sogenannte Auflassung – d. h. die Einigung über den Eigentumswechsel – müssen Sie vor einem Notar erklären.
  • Nach Unterzeichnung der Verträge ist das Nießbrauchrecht angeordnet.
  • Mit der Eintragung ins Grundbuchamt entfaltet es auch gegenüber Dritten seine Wirkung.

Sie müssen den Nießbrauch einer Immobilie nicht zwangsläufig ins Grundbuch eintragen lassen. Aber: Ohne Grundbucheintrag ist er leichter anfechtbar. Der Nießbraucher hat zwar ein Recht gegenüber dem Vertragspartner, d. h. dem Eigentümer – wird das Haus jedoch verkauft, hat er keine Ansprüche gegen einen späteren Eigentümer.

 

Ist ein Mustervertrag empfehlenswert?

Grundsätzlich ist die Gestaltung eines Nießbrauchvertrags abhängig von den Wünschen und Bedürfnissen des Eigentümers. Wofür ein Nießbrauch angeordnet wird, ob dieser zeitlich begrenzt ist und ob der Nießbraucher ein Entgelt für die Nutzung zahlt, ist stets individuell zu vereinbaren.

Von allgemeingültigen Mustervorlagen ist daher abzuraten – denn diese können durch verallgemeinernde und unpassende Formulierungen zu Streitigkeiten zwischen Eigentümer und Nießbraucher führen. Wer einen Nießbrauch anordnen möchte, sollte den Vertrag von einem Experten aufsetzen bzw. zumindest prüfen lassen.

 

Ein spezialisierter Anwalt erstellt einen für beide Parteien rechtssicheren Nießbrauchvertrag. So finden Ihre individuellen Bedürfnisse Berücksichtigung und ungültige Klauseln oder unbeabsichtigte Bestimmungen lassen sich von Anfang an vermeiden.

Nutzen Sie die Möglichkeit eines unverbindlichen Erstgesprächs, um erste Fragen mit einem spezialisierten Anwalt zu besprechen. Stellen Sie dazu bitte hier Ihre Anfrage.

 

4. Zeitliche Begrenzung, Aufhebung & Übertragung

Ein Nießbrauchrecht lässt sich zeitlich begrenzen. Um es zu ändern oder vorzeitig aufzuheben, müssen sowohl Eigentümer als auch Nießbraucher einverstanden sein.

 

Wie lange gilt ein Nutzungsrecht?

Das Nutzungsrecht gilt in der Regel für einen bestimmten Zeitraum. Haben Eigentümer und Nießbraucher keine zeitliche Begrenzung festgelegt, gilt es lebenslang.

Möchten Eigentümer und Nießbraucher den Nießbrauch zeitlich begrenzen, so müssen sie dies vertraglich festhalten. So lässt sich das Nutzungsrecht z. B. für die Dauer einer Ausbildung oder bis zum Erreichen der Volljährigkeit des zukünftigen Besitzers bestellen.

 

Wann endet ein Nießbrauch?

Grundsätzlich endet der Nießbrauch mit dem Tod des Nießbrauchers. Verstirbt der Eigentümer zuerst, bleibt er bestehen. Gleiches gilt, wenn der Besitzer des Nießbrauchsgegenstandes – z. B. der Immobilie – wechselt.

Daneben kann der Eigentümer vertraglich bestimmte Fälle oder einen Zeitraum festhalten, in denen das Recht erlöschen soll. Vererbbar ist ein Nießbrauch hingegen nicht: Verstirbt der Nießbraucher, endet das Nutzungsrecht.

 

Wie lässt sich ein Nießbrauch vorzeitig aufheben?

Ein Nießbrauch lässt sich auf 2 Wegen aufheben:

  • Einvernehmliche Löschung
  • Nicht einvernehmliche Entziehung

Einen Nießbrauch löschen zu lassen, ist mit beiderseitigem Einverständnis jederzeit möglich – z. B. wenn der Nießbraucher ins Pflegeheim zieht oder der Eigentümer das Objekt verkaufen möchte. Eine einvernehmliche Löschung ist häufig mit der Zahlung einer Abfindung verbunden, wenn Nießbraucher und Eigentümer diese vertraglich vereinbart haben.

Die Löschung ist notariell zu beurkunden und an das Grundbuchamt weiterzuleiten, wenn es sich um eine Immobilie handelt. Das Grundbuchamt entfernt den Eintrag im Grundbuch und hebt das Nießbrauchrecht auf.

 

Durch die vorzeitige Beendigung des Nutzungsrechtes geht die belastete Sache an den Eigentümer zurück. Alle Rechte des Nießbrauchers am Objekt sind ab diesem Zeitpunkt aufgehoben.

 

Um einen Nießbrauch ohne Zustimmung des Nießbrauchers zu entziehen, muss der Vertrag eine Rückauflassungsvormerkung beinhalten. Diese legt fest, dass der Eigentümer den Nießbrauch unter bestimmten Bedingungen zurückziehen kann.

Denkbar ist dieser Fall, wenn er z. B. finanziell auf die Wohnung angewiesen ist und ansonsten von Sozialleistungen leben müsste.

 

Lässt sich ein Nießbrauch übertragen?

Der Nießbrauchberechtigte kann seine Rechte zur Nutzung des Gegenstandes und Erwirtschaftung von Erträgen weder an Dritte verkaufen noch vererben.

Der Eigentümer selbst kann hingegen ein Nutzungsrecht für eine dritte Person anordnen – z. B. in seinem Testament oder Erbvertrag. Möchte er z. B. seinen Kindern das Haus vererben, kann er zugleich einen lebenslangen Nießbrauch für seinen Ehepartner bestellen.

 

Nießbrauch – Wissenswertes für Nießbraucher & Eigentümer

Sie haben Fragen zum Nießbrauch? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch mit einem spezialisierten Anwalt. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

5. Was bedeutet ein Nießbrauch im Grundbuch?

Ist eine Immobilie mit einem Nießbrauch im Grundbuch belastet, darf sie der Eigentümer zwar verkaufen – der Nießbrauch erlischt jedoch mit dem Verkauf des Hauses nicht. Der Nießbraucher behält durch den Grundbucheintrag seine Nießbrauchbasis: Er darf weiterhin in der Wohnung oder dem Haus wohnen.

Für einen Hausverkauf hat ein Nießbrauch im Grundbuch daher sowohl Konsequenzen für potenzielle Käufer als auch für den bisherigen Eigentümer:

  • Eine belastete Immobilie ist häufig nicht attraktiv für potenzielle Käufer – denn deren Rechte sind durch das bestehende Nutzungsrecht beschränkt. Sie haben kein Recht, dieses aufzuheben.
  • Um die Immobilie zu verkaufen, muss der bisherige Eigentümer oftmals den Verkaufspreis reduzieren – indem er den Wert des Nießbrauchs abzieht.

 

6. Wie berechnet sich der Wert eines Nieß­brauchs?

Der Wert des Nießbrauchs hängt von den möglichen Mieteinnahmen der Immobilie sowie dem Alter und dem Geschlecht des Nießbrauchers ab. Die voraussichtliche Lebenserwartung des Nießbrauchberechtigten beeinflusst, wie lange die Immobilie mit dem Nutzungsrecht belastet ist – denn dieses erlischt erst mit dessen Tod.

Der Kapitalwert des Nießbrauchrechts kann z. B. von der Erbschaftssteuer bzw. Schenkungssteuer abgezogen werden.

Um den Wert des Nießbrauchs zu berechnen, sind 3 Schritte erforderlich:

 

I. Jahreswert berechnen

Der Jahreswert beschreibt den Wert, den die Nutzung des Nießbrauchs innerhalb eines Jahres hat. Bei einer Immobilie berechnet sich dieser anhand der Jahresmiete. Es spielt keine Rolle, ob es sich um die tatsächliche Miete handelt oder um einen fiktiven Wert. Letzterer sollte sich an üblichen Mietpreisen für ähnliche Objekte orientieren.

  • Der Jahreswert für ein Haus mit einer realen oder möglichen Miete von 1.500 € beträgt demnach 12 x 1.500 € = 18.000 €.

Die Jahresmiete darf nicht größer sein als der Verkehrswert (d. h. der Verkaufspreis) der Immobilie geteilt durch 18,6.

  • Das Haus würde bei einem Verkauf 250.000 € einbringen. 250.000 € : 18,6 = 13.440 €.
  • Die Jahresmiete i. H. v. 18.000 € ist in diesem Fall höher als der Verkehrswert geteilt durch 18,6 (13.440 €). Folglich beträgt der Jahreswert 13.440 €.

 

II. Vervielfältiger ermitteln

Im zweiten Schritt ist der sogenannte Vervielfältiger zur Berechnung des Kapitalwerts des Nießbrauchrechts zu ermitteln. Dessen Höhe hängt von der Dauer des Nießbrauchrechts ab: Es ist zu unterscheiden, ob es sich um ein lebenslanges Nutzungsrecht handelt oder ob es zeitlich begrenzt ist.

Bei einem begrenzten Nießbrauch können Sie den Kapitalwert aus Anlage 9a Bewertungsgesetz entnehmen:

 

Laufzeit in Jahren

Kapitalwert

10

7,745

20

12,279

30

14,933

40

16,487

50

17,397

 

Hat der Eigentümer ein lebenslanges Nutzungsrecht eingeräumt, müssen Sie auf die vom Bundesministerium für Finanzen festgelegten Werte zurückgreifen. Diese bemessen sich anhand von Geschlecht, Alter und durchschnittlicher Restlebensdauer des Nießbrauchers.

 

Alter

Kapitalwert Frauen

Kapitalwert Männer

30

17,622

17,321

40

16,890

16,402

50

15,693

14,927

60

13,832

12,779

70

11,083

9,915

80

7,327

6,384

 

III. Kapitalwert des Nießbrauchs berechnen

Um den Kapitalwert zu berechnen, multiplizieren Sie im 3. Schritt den Jahreswert mit dem Vervielfältiger aus der Wertminderungstabelle.

Beispiel:

Der Eigentümer hat einer 50-jährigen Frau einen lebenslangen Nießbrauch an seinem Haus eingeräumt. Vergleichbare Objekte erzielen eine monatliche Miete von 550 €. Die potenzielle Jahresmiete übersteigt den Verkehrswert des Hauses geteilt durch 18,6 nicht.

  • Jahreswert: 550 € x 12 = 6.600 €
  • Kapitalwert einer 50-jährigen Frau: 15,693
  • Nießbrauchswert: 6.600 € x 15,693 = 103.574 €

 

Dies ist ein vereinfachtes Rechenbeispiel – die Berechnung kann abweichen. Um den Wert des Nießbrauchs zu berechnen, ist eine gute Marktkenntnis erforderlich. Ein erfahrener Anwalt hat diese Marktkenntnis und stellt eine korrekte Berechnung sicher. Bereits in einem unverbindlichen Erstgespräch kann er erste Fragen zur Berechnung beantworten. Hier Anliegen schildern & Erstgespräch vereinbaren.

 

7. Wer trägt die Kosten?

Beim Nießbrauch entstehen für Eigentümer und Nießbrauchberechtigten neben Steuern auch Kosten für Bestellung und Löschung sowie Bewirtschaftungskosten.

 

Kosten für Bestellung & Löschung

Wer ein Nießbrauchrecht löschen lassen oder bestellen möchte, muss mit folgenden Kosten für den Notar und das Grundbuchamt rechnen:

  • Beurkundung des Nießbrauchvertrags
  • Löschungsbewilligung
  • Änderung des Grundbucheintrags

Wie hoch die Kosten ausfallen, ist abhängig vom Wert des Nießbrauchsgegenstandes – so entstehen z. B. für ein Haus höhere Kosten als für ein Motorrad.

 

Unterhaltungskosten

Neben den Kosten für die einmalige Bestellung bzw. Löschung des Nießbrauchs muss der Nießbraucher die gewöhnlichen Unterhaltungskosten tragen, die bei der Nutzung der Immobilie entstehen wie z. B.:

  • Verbrauchskosten für Heizung, Strom oder Wasser
  • Grundsteuer
  • Versicherungen, z. B. gegen Brand

Der Eigentümer muss seinerseits für außerordentliche Lasten aufkommen wie z. B.:

  • Modernisierung der Heizung
  • Erneuerung der Elektroanlage
  • Anlieger- und Erschließungsbeiträge

Diese Aufteilung der Bestellungs- und Bewirtschaftungskosten ist nicht verbindlich. Wer was zahlt beim Nießbrauch, können die Beteiligten vertraglich festlegen.

 

8. Wie wird ein Nießbrauch steuerlich behandelt?

Ein Nießbrauch hat in Bezug auf Einkommen-, Erbschafts- und Schenkungssteuer unterschiedliche Folgen.

 

Einkommensteuer

Als wirtschaftlicher Eigentümer muss der Nießbrauchberechtigte Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung versteuern. Wie hoch die Einkommensteuer ausfällt, hängt von der Form des Nießbrauchs ab:

  • Vorbehaltsnießbrauch
  • Zuwendungsnießbrauch

Wird ein Grundstück oder Haus überschrieben, erhält der ehemalige Eigentümer beim Vorbehaltsnießbrauch ein Nutzungsrecht. Nutzt er die Immobilie zu eigenen Wohnzwecken, entstehen für ihn keine Einnahmen – daher kann er auch keine Werbungskosten geltend machen. Vermietet er die Immobilie, kann er diese Mieteinnahmen wiederum als Werbungskosten absetzen.

Beim Zuwendungsnießbrauch bleibt das Eigentumsverhältnis bestehen, während die Nutzungsrechte an dieser Sache auf eine andere Person übergehen. Steuerlich sind beim Zuwendungsnießbrauch folgende Arten zu unterscheiden:

  • Entgeltlicher Nießbrauch: Zahlt der Nießbraucher für die Nutzung des Objekts, kann er diese Kosten sowie die Unterhaltungskosten steuerlich als Werbungskosten absetzen. Im Gegenzug versteuert der Eigentümer das Entgelt als Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.
  • Unentgeltlichen Nießbrauch: Erhaltungsaufwendungen lassen sich in der Steuererklärung als Werbungskosten absetzen – allerdings fallen diese geringer aus, da der Nießbraucher kein Entgelt für die Nutzung zahlt.
  • Teilentgeltlicher Nießbrauch: Um die steuerliche Belastung zu bestimmen, ist der Nießbrauch in einen entgeltlichen und einen unentgeltlichen Nießbrauch aufzuteilen.

 

Grunderwerbsteuer

Wer eine Immobilie verschenkt und mit einem Nutzungsrecht belastet, muss für die anfallende Grunderwerbsteuer aufkommen, wenn die Schenkung einer Person außerhalb des engsten Familienkreises wie Ehepartnern oder Kindern zukommt.

 

Schenkungssteuer

Neben der Grunderwerbssteuer kann eine Schenkungssteuer anfallen, wenn der Nießbrauch die gesetzlich festgelegten Freibeträge überschreitet. Diese lassen sich alle 10 Jahre aufs Neue ausschöpfen.

 

Verwandtschaft zum Eigentümer

Freibetrag Schenkungs­steuer

Ehegatten und Lebenspartner

500.000 Euro

Kinder

400.000 Euro

Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind

400.000 Euro

Enkel, deren Eltern noch leben

200.000 Euro

Geschwister, Eltern, Großeltern und nicht-verwandte Personen

20.000 Euro

 

Erbschaftssteuer

Mit einem Nießbrauch lässt sich die Erbschaftssteuer reduzieren. Diese fällt für die Erben im Erbfall an, wenn der Nachlasswert die Freibeträge überschreitet. Ordnet der Erblasser ein Nießbrauch in seinem Testament an, ist dessen Wert von der Erbmasse abzuziehen – die Erbschaftssteuer fällt somit geringer aus.

Außerdem kann der Erblasser schon zu Lebzeiten durch die Nutzung von steuerlichen Freibeträgen die Erbschaftssteuern umgehen: Indem er sein Vermögen durch Schenkungen auf die Erben verteilt und sich selbst einen Nießbrauch an den entsprechenden Sachen einräumt, verringert er sein Vermögen. Dadurch reduziert sich wiederum die zu versteuernde Erbmasse.

 

Die Höhe von Schenkungs- und Erbschaftssteuer ist neben den Freibeträgen abhängig von der Steuerklasse und dem geltenden Steuersatz. Nutzen Sie die Freibeträge aus, fallen keine Steuern an. Ein spezialisierter Anwalt berät Sie über die steuerliche Optimierung eines Nießbrauchrechts. Schildern Sie dafür bitte hier Ihre Anfrage.

 

9. Sie möchten ein Nießbrauchrecht durchsetzen?

Ein Nießbrauchrecht bietet einige Vorteile: Wer zu Lebzeiten Vermögen wie eine Immobilie verschenkt, stellt durch einen Nießbrauch die eigene Versorgung sicher. Zugleich unterliegt das Nießbrauchrecht einer komplexen Rechtslage, denn neben steuerlichen Aspekten sind auch erbrechtliche Fragen zu berücksichtigen.

Juristische Unterstützung durch einen erfahrenen Anwalt ist daher in vielen Fällen unabdingbar und vermeidet Fehler wie ungültige Formulierungen im Nießbrauchvertrag und steuerliche Nachteile.

Ein Anwalt für Erbrecht

  • informiert Sie über die vertragliche Gestaltung von Nutzungsrechten am Grundeigentum, Unternehmen und sonstigen Vermögenswerten.
  • berät Sie zu Vorteilen und Risiken eines Nießbrauchs und prüft mögliche Alternativen bei Vermögensübertragungen.
  • stellt eine steuerliche Prüfung und Optimierung sicher und setzt einen rechtssicheren Nießbrauchvertrag auf.
  • vertritt Sie bei Konflikten zwischen Nießbrauchberechtigten und Eigentümer.

 

Sie möchten als Eigentümer einen Nießbrauchvertrag aufsetzen oder haben Fragen zu Ihren Rechten als Nießbraucher? Ein erfahrener Anwalt berät Sie umfassend zu erbrechtlichen und steuerrechtlichen Fragen und steht Ihnen als kompetenter Ansprechpartner zur Seite.

Nutzen Sie die Möglichkeit eines kostenfreien und unverbindlichen Erstgesprächs, um Ihr Anliegen von einem Anwalt einschätzen zu lassen. Mit der Online-Rechtsberatung über advocado meldet sich dieser bereits innerhalb von 2 Stunden nach Ihrer Anfrage bei Ihnen.

Sie möchten ein Nießbrauchrecht
durchsetzen?

Unser Anwalt erläutert Ihnen im kostenfreien Erstgespräch das mögliche Vorgehen.

Ratgeber Mockup

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
1635 Leser finden den Beitrag hilfreich.

Vielen Dank für das Feedback!

Jetzt Newsletter abonnieren

Warum gefällt Ihnen der Beitrag nicht?

Bitte geben Sie uns Feedback.

 
Sophie Suske
Sophie Suske

Beitrag von
Sophie Suske

Als Redakteurin bei advocado strebt Sophie Suske jeden Tag danach, komplexe Rechtsprobleme des Marken- und Versicherungsrechts für jeden Leser verständlich aufzubereiten. Grundlage ihrer lösungsorientierten Arbeit ist ihr Masterstudium der Sprach- und Kommunikationswissenschaft.

Aktuelle Beiträge im advocado-Ratgeber