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Pflichtteil für Geschwister – wann haben Bruder und Schwester einen Anspruch?

Anja Ciechowski

Juristische Redaktion

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Verfasst von Anja Ciechowski |  Stand:

Pflichtteil für Geschwister – wann haben Bruder und Schwester einen Anspruch?

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Was ist der Pflichtteil?
  2. Wer hat einen Anspruch auf den Pflichtteil?
  3. Haben Geschwister einen Anspruch auf den Pflichtteil?
  4. Wer erbt laut gesetzlicher Erbfolge?
  5. Können Geschwister dennoch erben?
  6. Wie hoch fällt das Erbe für Geschwister aus?
  7. Gibt es Sonderregelungen für Halbgeschwister?
  8. Rat vom Anwalt für Erbrecht
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Zusammenfassung

Geschwister können per gesetzlicher Erbfolge erben, wenn der Erblasser keine Verwandten 1. Ordnung hat. Wurden Geschwister jedoch per Testament oder Erbvertrag enterbt, haben sie keinen Anspruch auf einen Pflichtteil – sie gehen leer aus.

 

Auf einen Blick

  • Der Pflichtteil ist eine Mindestbeteiligung am Erbe eines nahen Verwandten.
  • Darauf haben alle Abkömmlinge des Erblassers, sein Ehe- oder eingetragener Lebenspartner sowie seine Eltern einen Anspruch.
  • Per gesetzlicher Erbfolge sind Geschwister als Erben 2. Ordnung erbberechtigt.
  • Sie erben aber nur, wenn der Erblasser keine Verwandten 1. Ordnung hat und ein Elternteil bereits verstorben ist.
  • Bruder oder Schwester des Erblassers haben kein Recht auf einen Pflichtteil.
  • Wenn sie enterbt wurden, gehen sie leer aus.

 

1. Was ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil ist eine finanzielle Mindestbeteiligung am Nachlass eines Erblassers, der pflichtteilsberechtigten Verwandten zusteht.

D. h. wurden enge Verwandte erbvertraglich oder testamentarisch enterbt, haben sie unter Umständen einen Anspruch auf einen Teil des Erbes. Um einen Pflichtteilsanspruch geltend machen zu können, müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein.

 

2. Wer hat einen Anspruch auf den Pflichtteil?

Gemäß § 2303 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) sind folgende Parteien pflichtteilsberechtigt:

  • alle Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel und Urenkel) – ehelich, außerehelich, mit Legitimierung und adoptiert,
  • der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner des Erblassers,
  • die Eltern des Erblassers.

Demzufolge schränkt der Pflichtteil die Testierfreiheit des Erblassers ein. Er kann nämlich nicht ohne Weiteres nahe Verwandte komplett vom Erbe ausschließen.

Ein Anspruch auf den Pflichtteil ergibt sich erst, wenn ein Erbfall eintritt. Eine Auszahlung zu Lebzeiten ist also nicht möglich. Jedoch gibt es andere Alternativen, um den Pflichtteil zu Lebzeiten des künftigen Erblassers zu erhalten.

 

3. Haben Geschwister einen Anspruch auf den Pflichtteil?

Nein. Da Geschwister nicht zu den direkten Abkömmlingen des Erblassers zählen, haben sie trotz des nahen Verwandtschaftsgrades keinen Pflichtteilsanspruch am Nachlass des Bruders oder der Schwester.

Sind Geschwister also per Testament explizit enterbt worden, gehen sie leer aus. Neben Geschwistern sind auch entfernte Verwandte oder Freunde des Verstorbenen nicht pflichtteilsberechtigt.

 

4. Wer erbt laut gesetzlicher Erbfolge?

Ist kein Testament oder Erbvertrag vorhanden, greift die gesetzliche Erbfolge. Laut dieser erben ausschließlich Personen, die mit dem Erblasser verwandt sind. Dabei gilt: Je enger das Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen, desto eher erfolgt eine Beteiligung der jeweiligen Person am Erbe. In erster Linie werden daher die Kinder sowie der Ehe- oder eingetragene Lebenspartner des Erblassers berücksichtigt.

Das erbrechtliche Ordnungssystem des Gesetzgebers sorgt dafür, dass nicht alle Verwandten gleichzeitig die gesetzliche Erbfolge antreten. Es unterteilt gemäß § 1924 ff. BGB in Erben 1., 2. und 3. Ordnung. Erben sind vorrangig die Verwandten der 1. Ordnung.

Zu den Erben 1. Ordnung gehören die direkten Abkömmlinge des Erblassers. Erben 2. Ordnung sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Zur 3. Ordnung gehören die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

  • Erben Ordnung: Kinder, Enkel, Urenkel des Erblassers
  • Erben Ordnung: Eltern, Geschwister
  • Erben Ordnung: Großeltern, Tanten, Onkel

 

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5. Können Geschwister dennoch erben?

Ja. Auch wenn ein Pflichtteil für Geschwister nicht vorgesehen ist, können sie dennoch über die gesetzliche Erbfolge an einen Teil des Erbes des verstorbenen Bruders oder der verstorbenen Schwester gelangen. Demnach sind Geschwister Erben 2. Ordnung und erben per Gesetz aber nur, wenn keine Erben 1. Ordnung existieren und ein Elternteil bereits verstorben sind.

Im deutschen Erbrecht gilt nämlich das Repräsentationsprinzip, wodurch die Eltern des Erblassers ein Vorrecht auf den Nachlass haben. Der Repräsentant eines Stammes schließt alle anderen potentiellen Erben des gleichen Stammes – d. h. die Geschwister des Verstorbenen – von der Erbfolge aus.

Daher erben Geschwister nur, wenn auch ein Elternteil schon verstorben sind.

Prinzipiell haben Geschwister also nur ein Anrecht am Erbe, wenn:

  • keine Erben Ordnung existieren (Ehepartner, Kinder, Enkel, Urenkel des Erblassers) und
  • ein Elternteil bereits verstorben ist.

 

Pflichtteil für Geschwister

 

6. Wie hoch fällt das Erbe für Geschwister aus?

Liegt kein Testament vor, greift die gesetzliche Erbfolge. Sind keine Erben 1. Ordnung vorhanden und auch alle weiteren Voraussetzungen gegeben, können Geschwister Erben werden – unabhängig davon, dass das Gesetzes keinen Pflichtteil für Geschwister vorsieht.

Wie viel jeder einzelne bekommt, richtet sich nach der Anzahl der Geschwister und, ob ein Elternteil noch lebt.

Beispiel:

Ist beispielsweise Ihr Bruder gestorben und hat Ihnen, Ihrer Schwester und Ihrer verwitweten Mutter alles hinterlassen, so teilt sich der Nachlass auf 3 Personen auf. Vorrang dabei hat die Mutter. Sie erhält 50 % vom Erbe.

Die übrigen 50 % teilen sich auf die 2 Geschwister auf. Somit erhält jeder 25 % von der Erbmasse des Erblassers. Sollten beide Eltern verstorben sein, wird das Erbe vollständig und zu gleichen Teilen auf die Geschwister aufgeteilt. Würden beide Elternteile noch leben, würden die Geschwister nichts erhalten.

 

7. Gibt es Sonderregelungen für Halbgeschwister?

Halbgeschwister sind stets nur über ein Elternteil miteinander verwandt. Daher können Sie immer nur über diesen in die Erbfolge gelangen. Sollten Sie beispielsweise den selben Vater wie der Verstorbene haben, so geht dessen Elternanteil von 50 % auf Sie über, sofern auch dieser nicht mehr lebt. Auf den Anspruch der Mutter, mit welcher Sie nicht verwandt sind, haben Sie hingegen keinen Anspruch.

 

8. Rat vom Anwalt für Erbrecht

Wenn Ihr Bruder oder Ihre Schwester verstorben ist und weder ein Testament noch ein Erbvertrag vorliegt, dann greift die gesetzliche Erbfolge. Sie sind sich unsicher, ob Sie in Ihrer individuellen Familienkonstellation einen Anspruch auf das Erbe haben?

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Anja Ciechowski

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Anja Ciechowski stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen.

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