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Testament schreiben: Vererben leicht gemacht

 

Testament schreiben: Vererben leicht gemacht

 

 

Um Streitigkeiten unter den Erben zu vermeiden, ist es ratsam, seinen letzten Willen in einem Testament festzuhalten. Dieses regelt, wem welcher Teil des Nachlasses vererbt wird. Das Bürgerliche Gesetzbuch hält konkrete Regelungen in § 1922 ff. fest, die die Erbfolge präzisieren. Auch das Testament selbst muss zahlreiche Anforderungen erfüllen. In diesem Artikel erfahren Sie deshalb, wann Sie ein Testament unbedingt brauchen und wie Sie ein Testament schreiben.

Testament schreiben: Vererben leicht gemacht

 

Lesezeit: ca. 8 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie zum Thema Testament und Testament schreiben wissen müssen. Von der Erklärung der rechtlichen Grundlagen und der gesetzlichen Erbfolge, über die Erben verschiedener Ordnungen und den Pflichtteil bis hin zu den Testamentsarten, möglichen Alternativen und dem Widerruf. Am Ende haben Sie einen umfassenden Überblick gewonnen.

 Zudem haben Sie die Möglichkeit, Ihre Rechtsfragen oder ein Rechtsproblem zum Thema Testament kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht zu besprechen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Was ist ein Testament?
2. Was wird im Testament geregelt?
3. Die gesetzliche Erbfolge
4. Erben verschiedener Ordnungen
5. Testament verfassen: Ja oder Nein?
6. Was ist ein Pflichtteil im Testament?
  6 a) Wann sind Pflichtteilsansprüche zu zahlen?
  6 b) Stundung des Pflichtteilsanspruches
7. Gültigkeit eines Testaments
8. Vor der Verfassung: Informationen über das Erbe erteilen
9. Testamentsarten
  9 a) Eigenhändiges Testament schreiben
  9 b) Öffentliches Testament schreiben
  9 c) Gemeinschaftliches Testament schreiben
10. Widerruf eines Testaments
11. Alternativen zum Testament
12. Einen Testamentsvollstrecker ernennen
13. Überprüfung des Testaments
14. Zusammenfassung: die wichtigsten Fragen zum Testament
15. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung zum Testament verfassen

 

1. Was ist ein Testament?

§ 1922 BGB besagt: „Mit dem Tode einer Person (Erbfall) geht deren Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere Personen (Erben) über.“ Das deutsche Gesetz legt eine vorgeschriebene Erbfolge fest, deren Regelung nur umgangen werden kann, indem Sie ein Testament verfassen. Entspricht die gesetzliche Erbfolge z. B. nicht den Wünschen oder Verhältnissen des Vererbenden, sollte man sich über eine individuelle Vermögensnachfolge Gedanken machen. Vererbende haben selber in der Hand, wem das Vermögen nach ihrem Tod vermacht wird.

 

2. Was wird im Testament geregelt?

Das Testament kann neben den abweichenden Wünschen der gesetzlichen Erbfolge auch viele weitere Dinge regeln. Bevor Sie ein Testament schreiben, sollten Sie sich über diese Punkte Gedanken machen:

 

  • Neben einem oder mehreren gewünschten Erben können auch die Kirche, Vereine und wohltätige Organisationen als Erben bestimmt werden,
  • eine teil- oder vollständige Enterbung ist möglich,
  • Bestimmung von Ersatzerben – wenn z. B. eine zum Erbe bestimmte Person vor dem Erblasser des Testaments stirbt,
  • Bestimmung von Vor- und Nacherben, die dann zeitlich nacheinander das Vermögen erben,
  • Bestimmung der Aufteilung des Nachlasses bei mehreren Erben,
  • Ausschluss der Teilung des Nachlasses für eine bestimmte Zeit, wenn beispielsweise ein Familienbetrieb erhalten werden soll,
  • Anordnung von Vermächtnissen – also z. B. gesondert Personen bestimmen, die einen bestimmten Gegenstand oder Geldbetrag erben sollen,
  • ein sog. Testamentsvollstrecker, der die aufgelisteten Anordnungen im Testament ausführt, kann ernannt werden.

 

3. Die gesetzliche Erbfolge

Wenn Sie kein Testament verfassen, erben nach dem deutschen Erbrecht lediglich Verwandte wie Eltern, Großeltern, Kinder, Enkel oder noch entfernte gemeinsame Vorfahren. In der Erbfolge nicht eingeschlossen sind Verschwägerte – also z. B. Schwiegermutter, Stiefvater oder die angeheiratete Tante, mit denen keine gemeinsamen Vorfahren bestehen.

 

  • Ehepartner: Obwohl Eheleute keine gemeinsamen Vorfahren besitzen, hat der Ehepartner in der Erbfolge einen hohen Rangplatz. Sie profitieren von einem eigenen Erbrecht im Grundsatz der Verwandtenerbfolge. Dieses wird aufgehoben, sobald sie sich scheiden lassen. Die Aufhebung gilt unter bestimmten Voraussetzungen auch bei bereits in Scheidung lebenden Ehepartnern.
  • Partnerinnen und Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft: Für diese gelten die gleichen Erbrechte wie für Ehepartner. Ein gesetzliches Erbrecht für andere Lebensgemeinschaften ist jedoch nicht vorgesehen.
  • Paare ohne eingetragene Ehe oder Lebenspartnerschaft: Diese sollten sich beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über ihre Rechte informieren.
  • Ausnahme Adoption: Eine Adoption bewirkt eine Annahme eines Kindes und erzeugt ein umfassendes gesetzliches Verwandtschaftsverhältnis zur annehmenden Familie und deren Verwandtschaft. Adoptivkindern sind leiblichen Kindern gleichgestellt. Lediglich bei der Adoption volljähriger Kinder können andere Regeln und Pflichten bestehen.

 

Die gesetzliche Erbfolge berücksichtigt beim Vererben zunächst den Ehepartner des Erblassers. Sollte es keinen geben, folgen gem. § 1925 I BGB die Eltern des Verstorbenen, dann die Kinder und daraufhin die Kindeskinder. Wenn Sie ein Testament schreiben, können Sie Ihr Recht zum Nachlass in die eigene Hand nehmen und vermeiden unliebsame Überraschungen.

 

4. Erben verschiedener Ordnungen

Das Gesetz teilt Erben in unterschiedliche Ordnungen ein:

 

  • Erben 1. Ordnung: Abkömmlinge des Verstorbenen wie Kinder und Enkel
    • Nichteheliche Kinder: Diese sind gesetzliche Erben ihrer Mütter und Väter sowie der jeweiligen Verwandten.

Gibt es jemanden, der mit dem Erblasser in einem besonders engen Verwandtschaftsverhältnis steht – also Erbe 1. Ordnung ist –, gehen alle anderen entfernteren Verwandten leer aus. Existiert also z. B. ein Sohn des Verstorbenen, erbt dieser den Nachlass und nicht die weiter entfernte Nichte. Auch Enkel und Urenkel können erst etwas erben, wenn ihre eigenen Eltern bereits verstorben sind oder das Erbe nicht annehmen wollen.

 

  • Erben 2. Ordnung: Eltern des Verstorbenen und deren Kinder und Kindeskinder, also Geschwister sowie Nichte und Neffe des Erblassers.

Bei den Erben 2. Ordnung gilt: Diese können nur erben, wenn keine Erben 1. Ordnung vorhanden sind oder diese das Erbe weitergeben wollen.

 

  • Erben 3. Ordnung: Großeltern und deren Kinder und Kindeskinder, also Tante, Onkel, Cousin und Cousine des Erblassers.
  • Erben 4. Ordnung: Urgroßeltern und deren Kinder und Kindeskinder

 

Für alle Ordnungen spielt es eine Rolle, ob bereits noch Erben einer höheren Ebene am Leben sind. Ist dies der Fall, schließt dieser Erbe alle nachfolgenden Ordnungen vom Erhalt eines Nachlasses aus.

 

Besonderheit Ehepartner-/Ehepartnerin: Der überlebende Ehepartner bzw. der überlebende Partner in einer Lebensgemeinschaft wird zu ¼ neben den Verwandten der 2. Ordnung am Erbe beteiligt, neben Großeltern sogar zur Hälfte. Haben die Ehepartner in einem sogenannten gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt, erhöht sich der angegebene Erbteil um jeweils 1/4. Der Güterstand der Zugewinngemeinschaft gilt, wenn kein anderer Güterstand im Ehevertrag angegeben wurde. Die ganze Erbschaft erhalten überlebende Ehepartner, sobald weder Verwandte 1. Ordnung noch Verwandte 2. Ordnung am Leben sind.

Sind bei einem Verstorbenen weder ein Ehepartner oder Verwandte aufzufinden, wird der Staat gesetzlicher Erbe.

 

Schaubild: Gesetzliche Erbfolge im Überblick

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5. Testament schreiben: ja oder nein?

Ein Testament zu verfassen ist dann sinnvoll, wenn die gesetzliche Erbfolge –aufgrund von individuellen Wünschen des Erblassers – nicht eingehalten werden soll. Besonders empfehlenswert ist ein Testament dann, sobald größere Vermögenswerte wie z. B. die Nachfolge eines gewerblichen Unternehmens vererbt werden. Sobald Sie ein Testament schreiben, entfällt in jedem Fall die gesetzliche Erbfolge.

 

Auch wenn der Lebensabend noch in weiter Ferne liegt, ist es auch für junge Menschen, die heiraten oder in einer eingetragenen Partnerschaft leben, sinnvoll, sich darüber zu informieren, wie sie ein Testament verfassen. Denn plötzliche Unfälle im Leben sind unvermeidbar.

 

Schlussendlich erben nur diejenigen, die im Testament erwähnt werden – mit einer Ausnahme. Pflichtteilsberechtigte des Nachlasses haben auch bei Aufsetzung eines Testaments, in dem Ihr Name nicht erscheint, regelmäßig das Recht auf ihren sogenannten Pflichtteil.

 

6. Was ist ein Pflichtteil im Testament?

Noch nie wurde in Deutschland so viel Vermögen vererbt wie in den letzten Jahren. Mittels eines Testaments bekommen jedoch nicht immer die etwas vom Kuchen ab, die es auch tatsächlich verdient haben. Weil sich viele Bürger und Bürgerinnen in Deutschland ungerecht behandelt fühlen, gibt es den Pflichtteil. Dieser wird den überlebenden Ehepartnern, den Partnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sowie den Kindern und Kindeskindern vom Gesetzgeber zugesprochen. Sind die genannten Abkömmlinge nicht vorhanden, steht den Eltern des Erbfalls ein Pflichtteil zu.

 

Der Entzug des Pflichtteils ist nur unter engen Voraussetzungen möglich. Wenn sich der Pflichtteilsberechtige z. B. etwas in Zusammenhang mit dem Erblasser zu Schulden kommen lassen hat, wird er vom Pflichtteil ausgeschlossen. Der Grund für eine Aufhebung des Pflichtteils muss bereits bestehen, bevor Sie das Testament schreiben. Der Entzug muss im Testament ausdrücklich begründet werden.

 

Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils oder ¼ des Nachlasswertes oder – falls der Ehegatte den Ausgleich des Zugewinns verlangt – 1/8 des Gesamtwertes. Es handelt sich hierbei um einen reinen Geldanspruch. Der Pflichtteil kann folglich beispielsweise kein Grundstück sein. Wenn Sie ein Testament verfassen, kann dieser Abschnitt eine große Hürde darstellen, sodass juristische und notarielle Unterstützung unbedingt zu empfehlen sind.

 

a) Wann sind Pflichtteilsansprüche zu zahlen?

Die Pflichtteilsberechtigen müssen ihre Ansprüche innerhalb von drei Jahren – beginnend mit dem Zeitpunkt, an dem sie vom Eintritt des Erbfalls und der beeinträchtigenden Verfügung erfahren haben –, spätestens jedoch innerhalb von 30 Jahren nach dem Erbfall geltend machen.

 

b) Stundung des Pflichtteilsanspruches

Stundung eines Pflichtteilsanspruches bedeutet, dass dieser von einem anderen Erben nicht sofort ausgezahlt werden muss. Das Gericht entscheidet je nach Fall, wie lange die Stundung geltend gemacht werden kann. Eine Stundung kann verlangt werden, sobald Erben die sofortige Erfüllung ungerecht und hart treffen würde. Viele Ehepaare fürchten z. B. einen Verkauf ihres Eigenheims, damit einem Pflichtteilanspruch des Kindes nachgegangen werden kann. Da in diesem Fall ein Interessenkonflikt besteht, sind die Wünsche der Pflichtteilsberechtigten gleichermaßen zu berücksichtigen.

 

7. Gültigkeit eines Testaments

Wenn Sie ein Testament verfassen, bedeutet dies nicht, dass dies auch geltend gemacht werden kann. Es gibt bestimmte Formerfordernisse, bei deren Nichtbeachtung das Testament als ungültig erklärt werden kann.

 

Formerfordernisse für die Gültigkeit:

  • handschriftliche Aufsetzung,
  • leserliche Schrift,
  • Angabe von Ort und Datum,
  • Unterschrift mit vollem Namen (Vorname und Familienname) am Ende des Testaments,
  • durchnummerierte Seiten, damit nichts verloren geht.

Ein mit Schreibmaschine, Computer, oder womöglich ein auf einem Tonband aufgenommenes Testament ist ungültig.

 

Ehepartner und Partner in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft können ein sogenanntes gemeinschaftliches Testament verfassen, das zur Erreichung der Gültigkeit jedoch von beiden eigenhändig unterschrieben werden muss. Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren ist die Erstellung eines Testaments untersagt. Junge Erwachsene im Alter von 16 bis18 Jahren können in Form eines öffentlichen Testaments für den Todesfall vorsorgen. Wenn Sie ein öffentliches Testament schreiben, brauchen Sie zur Errichtung einen Notar, der die Gültigkeit beglaubigt. Wird ein Testament ganz allgemein für ungültig erklärt, kommen nur noch die gesetzlichen Erben für den Erhalt des Nachlasses infrage.

 

8. Vor der Verfassung: Informationen über das Erbe erteilen

Wenn Sie ein Testament verfassen, sollten Sie sichergehen, dass die Erben im Todesfall Zugang zu all Ihren Vermögenswerten und Daten erhalten. Dies schließt zum einen z. B. Bargeld und Wertgegenstände in Schließfächern und zum anderen den digitalen Nachlass mit ein. Dieser bezieht sich auf den Datenbestand im Internet – also beispielsweise Online-Geschäfte oder Online-Banking. Hier sind vor allem Passwörter und Zugangsdaten zugänglich zu machen.

 

Damit Sie Ihren Erben einen Durchblick in Ihren Vermögensgegenständen gewähren, bedarf es einer Erfassung in geeigneter Form. Die Auflistung der Orte der Vermögenswerte sowie die Liste wichtiger Passwörter sollte – wie das Testament selbst – an einem sicheren Ort verwahrt werden.

 

Testamentsarten: Eigenhändig, öffentlich, gemeinschaftlich

 

9. Testamentsarten

Bevor Sie ein Testament verfassen, sollten Sie sich für eine der drei Formen der Testamentserstellung entscheiden:

 

a) Eigenhändiges Testament schreiben

Das eigenhändige Testament setzt vor allem eine handgeschriebene Erstellung des Dokuments voraus. Die Unterschrift am Ende des Testaments mit vollem Namen ist wichtig, damit keine Irrtümer und Verwechslungen bezüglich des Erblassers entstehen. Auch das Datum und der Ort der Aufsetzung sind unbedingt zu vermerken, damit ein neues Testament von einem älteren unterschieden werden kann und so im Fall der Neuaufsetzung eine Aufhebung des älteren möglich ist.

 

Der Ort der Aufbewahrung des Testaments bleibt jedem selbst überlassen. Egal, ob Schreibtischschublade oder in einem extra Depot – alles ist möglich. Jedoch ist für die zukünftige Wahrung auch nach dem Tod empfehlenswert, die Aufsicht einem Amtsgericht gegen eine Gebühr von 75 € zu überlassen. Dies ist in Deutschland in allen Bundesländern außer Baden-Württemberg möglich. In Baden-Württemberg ist ein klassisches Notariat für die Verwahrung zuständig. Das Amtsgericht oder Notariat wird im Todesfall automatisch benachrichtigt und setzt die jeweiligen Erben über den Nachlass in Kenntnis.

 

Erblasser, die ein Testament verfassen, können ihren letzten Willen im Zentralen Testamentsregister auflisten lassen. Mit der Auflistung ist eine Zahlung in Höhe von 15 € an das zuständige Amtsgericht oder Notariat zu richten. Hier kann es vorkommen, dass die Gebühr direkt von der Bundesnotarkammer abgerechnet wird. Für diesen Verwaltungsaufwand fällt zusätzlich ein Betrag von 18 € an. Ihre Erben oder eine Person Ihres Vertrauens sollte sicherheitshalber über den Verwahrungsort Ihres Testaments in Kenntnis gesetzt werden.

 

Muster für ein eigenhändiges Testament:

 

Testament:

Hiermit setze ich meine Gattin Lisa als alleinige Erbin für mein gesamtes Vermögen ein.

Meine Kinder Anna und Tim sollen jeweils den Pflichtteil erhalten.

 

Musterstadt, 01.01.01

Unterschrift Erblasser

 

b) Öffentliches Testament schreiben

Ein öffentliches Testament definiert sich durch

  • mündliche Erklärung des letzten Willens gegenüber einem Notar oder
  • eigene schriftliche Abfassung mit Übergabe an einen Notar.

Sobald Sie ein öffentliches Testament schreiben, sind Sie vor Formfehlern geschützt. Da Notare Sie bei dieser Testamentserstellung auf jeden Fall beraten, treten weniger Probleme bei der Formulierung auf als bei anderen Formen. Zudem wird die Verständlichkeit erhöht. Da der Notar zur Beratung verpflichtet ist, informiert er Sie meistens noch über die Erbschaftssteuer. Wenn Sie ein öffentliches Testament verfassen, ist die Verwahrung beim Amtsgericht oder Notariat unumgänglich. Nach dem Tod des Erblassers wird es dann eröffnet.

 

Die Kosten eines öffentlichen Testaments orientieren sich an der Höhe des Vermögens des Erblassers. Verbindlichkeiten werden – bis zur Hälfte des Vermögenswertes – abgezogen. Wird ein Erbvertrag oder ein gemeinschaftliches Testament beurkundet, verdoppeln sich die Gebühren. Wie bei der Aufsicht über das eigenhändige Testament ist auch beim öffentlichen Testament eine Zahlung in Höhe von 75 € zu entrichten. Auch für die Registrierung des Testaments im Zentralen Testamentsregister fallen hier wieder Zahlungen in Höhe von 15 € bzw. 18 € an.

 

Lassen Sie sich trotz hoher Vermögenswerte nicht abschrecken, denn ein Streit unter den Erben aufgrund eines undurchsichtigen Testaments macht am Ende durch z. B. gerichtliche Auseinandersetzungen viel mehr Probleme als die höheren Gebühren bei der Erstellung. Ein öffentliches Testament kann weiterhin auch den Erbschein ersetzen, wenn ein Grundstück auf die Erben überschrieben werden soll. Dies spart ebenfalls Kosten.

 

Muster für ein öffentliches Testament:

 

Von mir dem öffentlichen Notar zu Musterstadt, ist erschienen:

Herr Hans Schulz, geboren am 15. (fünfzehnten) Juli 1950 (neunzehnhundertfünfzig), verwitwet, wohnhaft in Musterstraße 1 in Hamburg, mir, dem Notar, persönlich bekannt und hat erklärt:

Ich habe keine pflichtteilsgeschützten Erben und verfüge demnach wie folgt:

  1. Ich setze Frau Rosa Müller, Musterstraße 15, 10101 Musterstadt, geboren am 20. (zwanzigsten) Januar 1968 (neunzehnhundertachtundsechzig), im Umfang von 100 % (hundert Prozent) des Nachlasses ein.
  1. Alle früheren Testamente sind aufgehoben.
  1. Der instrumentierende Notar wird beauftragt, dieses Testament beim Erbschaftsamt Musterstadt zu hinterlegen und die älteren Testamente zurückzuziehen.

 

Musterstadt, 01.01.01

Unterschrift Erblasser

 

c) Gemeinschaftliches Testament schreiben

Ehepaare und Partner, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, können ein gemeinschaftliches Testament verfassen. Sie begründen damit ihren letzten gemeinsamen Willen. Dies geschieht, indem beispielsweise ein Ehegatte den gemeinsamen Wunsch handschriftlich aufschreibt und ihn mit den Formerfordernissen wie ganzer Name beider Ehepartner sowie Ort und Datum der Verfassung versieht. Die Unterschrift beider darf natürlich auch hier nicht fehlen.

 

Beim gemeinschaftlichen Testament müssen die Beteiligten besonders beachten, dass nach dem Tod eines Ehepartners bzw. Partners der eingetragenen Lebenspartnerschaft eine Bindung an das gemeinschaftliche Testament besteht und ein Widerruf komplizierter ist als bei anderen Formen.

 

Berliner Testament schreiben:

Eine hier häufig verwendetet Form ist das sogenannte Berliner Testament. Dies kann als Unterkategorie des gemeinschaftlichen Testaments gesehen werden. Das Berliner Testament bezieht sich auf den Tatbestand, dass viele Ehegatten nach dem Tod des Erstverstorbenen dem überlebenden Ehepartner den gesamten Nachlass zusprechen – sie also zu Vollerben machen. Erst, wenn auch dieser verstorben ist, werden die Kinder des Ehepaares zu Erben. Unberührt bleibt in diesem Fall das Recht des Pflichtteilsberechtigten.

 

Muster für ein gemeinschaftliches Testament:

 

Testament:

Wir, die Eheleute Hans und Lisa, setzen uns hiermit gegenseitig zu alleinigen Erben unseres gesamten Nachlasses ein.

Erbe des letztverstorbenen soll unser Sohn Tim sein.

 

Musterstadt, 01.01.01

Unterschrift beider Eheleute

 

Überblick Testamentsarten:

 

Testamentsarten

Eigenhändiges Testament

Öffentliches Testament

Gemeinschaftliches Testament

Merkmale

  • Handgeschriebene Erstellung des Testaments mit allen benötigten Formerfordernissen
  • Ort der Aufbewahrung bleibt jedem selbst überlassen
  • Amtliche Verwahrung möglich
  • Mündliche Erklärung oder schriftliche Abfassung des letzten Willens beim Notar
  • Höhere Kosten, dafür ein fehlerfreies notarielles Testament
  • Letzter gemeinsamer Wille eines Ehepaares oder Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft wird festgehalten
  • Gleicht häufig der Form des Berliner Testaments

 

10. Widerruf eines Testaments

Wenn Sie ein Testament schreiben, sollten Sie beachten, dass der Wiederruf zwar möglich, aber nicht immer einfach ist. Der Widerruf eines eigenhändigen Testaments kann problemlos nach erster Aufsetzung geschehen. Dazu muss der Erblasser das Dokument mit einem handschriftlichen „ungültig“ versehen oder die Testamentsurkunde vernichten. Wenn Sie ein neues Testament verfassen, erlischt automatisch die Gültigkeit des älteren.

 

Mit der Forderung der Rückgabe des Testaments aus der öffentlichen Verwahrung kann ein öffentliches Testament widerrufen werden. Jedoch ist hierfür ein persönliches Erscheinen beim Amtsgericht oder dem jeweiligen Notariat erforderlich.

 

Der Widerruf eines gemeinschaftlichen Testaments ist vergleichsweise schwieriger. Um diese Testamentsart einseitig – also von Seiten eines Ehepartners bzw. eines Partners der eingetragenen Lebenspartnerschaft – zurückzunehmen, bedarf es einem triftigen Grund und einer notariellen Beglaubigung. Für weitere Informationen und Formalien ist eine Beratung durch einen Notar zu empfehlen.

 

11. Alternativen zum Testament

Sobald Sie ein Testament verfassen, regeln Sie die Art der Vermögensnachfolge. Dies kann auch durch Alternativen wie dem Erbvertrag oder Erbschein erfolgen. Eine Absicherung persönlicher Wünsche und Verhältnisse mit Vertragscharakter entsteht z. B. durch einen Erbvertrag. Der Erbschein wird eingesetzt, wenn die Berechtigung zum Erbe – ohne Existenz eines Erbvertrags oder Testaments – nachgewiesen werden soll.

 

Erbvertrag schreiben:

Beim Vererben entscheiden sich die Deutschen immer häufiger für einen Erbvertrag anstatt für ein Testament. Der vertragliche Abschluss sowie die damit einhergehende Verbindlichkeit des Niedergeschriebenen machen diese Form der Nachlassregelung beliebt. Wenn z. B. Vorsorge im Alter abgesichert werden oder der Nachfolger eines eigenen Betriebes festgehalten werden soll, genügt ein testamentarisch festgehaltener letzter Wille oft nicht aus.

 

Viele Menschen entscheiden sich heute bewusst – neben einem Testament – für die gesetzliche Bindung eines Erbvertrags. Obwohl durch den Erbvertrag bestimmt wird, wer nach dem Tod über das Vermögen verfügen soll, wird das Recht des Erblassers, weiterhin zu Lebzeiten über Vermögenswerte zu bestimmen, nicht eingeschränkt.

 

Die zentralen Bestandteile des Vertrages werden nach individueller Situation der Beteiligten angepasst. So kann ein Erbvertrag auch mit nicht erblichen Geschäften verknüpft werden wie z. B. mit einem Pflege- oder Ehevertrag. Bei der Aufsetzung eines Erbvertrags müssen beide Vertragspartner sowie ein Notar, der den Vertrag beglaubigt, anwesend sein.

 

Erbschein aufsetzen:

Wenn Sie kein Testament verfassen oder Erbvertrag aufsetzen, ist es schwierig einen Nachweis für das berechtigte Erbe zu erbringen. Um nun zu beweisen, dass der Nachlass jemandem zusteht – auch wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt –, brauchen Sie einen sogenannten Erbschein. In diesem ist geregelt, wem welcher Teil des Nachlasses vererbt wird. Ähnlich wie beim Erbvertrag sollte die Aufsetzung eines Erbscheins gut überlegt sein, denn durch die Beantragung ist die Annahme der Erbschaft offiziell.

 

Ein Erbschein kann dabei helfen, Unklarheiten im Testament zu beseitigen. Für einige Behördengänge wie z. B. einer Kontoauflösung ist die Existenz eines Erbscheins mittlerweile sogar verpflichtend. Um einen Erbschein zu beantragen, ist der Gang zum zuständigen Amtsgericht (in Baden-Württemberg der Gang zum Notariat) notwendig.

 

Vermächtnis anordnen:

Wenn Erblasser ein Erbvertrag oder Testament verfassen, können sie innerhalb dessen ein sogenanntes Vermächtnis anordnen. Der Vermächtnisnehmer erbt nun nur einen bestimmten Teil aus dem Nachlass – also z. B. einen Gegenstand oder eine Geldsumme –, ohne dass dieser gleichzeitig Rechtsnachfolger wird. Gemäß § 1939 BGB ist der Vermächtnisnehmer kein Erbe, da Erben in der Regel das gesamte Vermögen oder einen Bruchteil des Nachlasses erhalten.

 

Überblick Erbvertrag, Erbschein und Vermächtnis:

 

 

Erbvertrag

Erbschein

Vermächtnis

Wann brauche ich ihn?

Der Erbvertrag wird benötigt, wenn eine vertragliche Nachlassregelung mit Verbindlichkeit der beiden Vertragsteile geschehen soll

Wenn Sie kein Testament schreiben oder Erbvertrag aufsetzen, wird ein Erbschein zum Nachweis des Erbes benötigt. Ein Erbschein kann ebenso mit einem Testament kombiniert werden, um Unklarheiten zu beseitigen

Das Vermächtnis kann einen Baustein innerhalb des Testaments oder Erbvertrags darstellen, wenn jemand nur einen bestimmten Teil aus dem Nachlass erbt, ohne gesetzlicher Erbe zu werden

Beispiele

Empfehlenswert für Regelung von Unternehmensnachfolge oder Pflege im Alter

Empfehlenswert, um nach Tod des Erblassers weiterhin für ihn handeln zu dürfen bei z. B. Kündigungen oder Kontoauflösungen

Empfehlenswert für materielle Gegenstände wie z. B. ein Auto

 

12. Einen Testamentsvollstrecker ernennen

Ein sogenannter Testamentsvollstrecker sorgt nach Ihrem Ableben für die Verwaltung des Nachlasses sowie für die Erfüllung der möglichen Vermächtnisse. Doch nicht in allen Fällen ist die Ernennung eines Testamentsvollstreckers sinnvoll. Wenn

 

  • Sie Ihren letzten Willen absichern wollen,
  • Sie Ihre Erben vor sich selbst schützen wollen (z. B. bei Minderjährigen) oder
  • Sie die Verwaltung und Teilung der Erbschaft vereinfachen wollen (insbesondere bei mehreren Erben),

 

kann die Ernennung hilfreich sein. Einem Testamentsvollstrecker steht gem. § 2221 BGB eine angemessene Vergütung zu – es sei denn, Sie bestimmen in Ihrem Testament explizit, dass die Vollstreckung nicht bezahlt werden soll. Findet eine Vergütung statt, ist diese einkommenssteuerpflichtig. Innerhalb der Vollstreckung unterscheidet man zwischen Abwicklungsvollstreckung und Dauervollstreckung.

 

Oft treten bei der Ernennung eines Testamentsvollstreckers Pflichtverletzungen auf, sodass Rechtsstreitigkeiten – auch vor Gericht – entstehen können. Ein Prozess aus dem Jahr 2009 beschäftigt sich z. B. mit Schadensersatzansprüchen der Erben, die aus Pflichtverletzungen eines Testamentsvollstreckers resultieren (Az. 4 O 91/06). Da dies kein Einzelfall ist, sollten Sie bei der Erstellung Ihres Testaments genau überlegen, für welchen Bereich Sie den Testamentsvollstrecker einsetzen und wen Sie für das Amt benennen wollen.

 

13. Überprüfung des Testaments

Wenn Sie ein Testament verfassen, ist es nach Fertigstellung ratsam, dieses von einem Anwalt überprüfen zu lassen. Dieser achtet besonders darauf, dass Ihr Wunsch eindeutig und widerspruchsfrei zum Ausdruck kommt.

 

Insbesondere überprüft er, ob die eingesetzten Erben immer noch in gleicher Weise am Nachlass beteiligt werden und es keine neuen Vermögensgüter gibt, die gesondert ins Testament aufgenommen werden sollten. Er wirft außerdem ein besonderes Auge auf die Unterschrift des Erblassers, denn ohne diese gewinnt das Testament nicht an Gültigkeit.

 

14. Zusammenfassung: die wichtigsten Fragen zum Testament

Was regelt ein Testament?

  • Wenn Sie ein Testament verfassen, erlangen Sie die Verfügung, mit der Sie eigene Regelungen für Ihren Nachlass treffen können. Der letzte Wille kann sowohl in einem eigenhändigen, in einem öffentlichen und einem gemeinschaftlichen Testament festgehalten werden.

 

Wann sollten Sie sich für ein Testament entscheiden?

  • Haben Sie den Wunsch, die Vermögensnachfolge nach Ihren eigenen Vorstellungen und Verhältnissen zu gestalten, kann die gesetzliche Erbfolge mithilfe eines Testaments außer Kraft gesetzt werden. Sie haben es als Erblasser selber in der Hand, wem das Vermögen nach Ihrem Tod vermacht wird. Um späteren Streit und Ärger zu vermeiden, ist das Schreiben eines Testaments ebenfalls sinnvoll.

 

Wer darf ein Testament schreiben?

  • Wer in Deutschland volljährig ist, darf ein Testament verfassen. Junge Erwachsene im Alter von 16 bis 18 Jahren können nur in Form eines öffentlichen Testaments für den Todesfall vorsorgen. Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren ist die Erstellung eines Testaments hingegen untersagt.

 

Welche Forderungen stellt ein Testament?

  • Um ein Testament geltend zu machen, bedarf es besonders bei eigenhändiger und gemeinschaftlicher Art einer leserlichen Schrift. Die Angabe von Ort und Datum sowie die Unterschrift des oder der Erblasser sind ebenso essenziell. Um die Lesbarkeit und Verständlichkeit zu erhöhen, ist die Seitennummerierung Ihres Testaments sinnvoll. Mit einer abschließenden Prüfung durch einen Notar oder Anwalt gehen Sie auf Nummer sicher.

 

Was ist der Pflichtteil in einem Testament?

  • Kinder, Enkel, Eltern und Ehepartner des Erblassers sind pflichtteilsberechtigt. Ein Pflichtteil stellt den Teil des Erbes dar, der den aufgelisteten Personengruppen zusteht, auch wenn sie im Testament nicht erwähnt werden. Bei einem Pflichtteil handelt es sich um einen reinen Geldanspruch.

 

Können Sie ein Testament widerrufen?

  • Erblasser, die ein Testament schreiben, können dies meistens problemlos widerrufen. Das eigenhändige Testament muss mit dem Schriftsatz „ungültig“ versehen oder vernichtet werden. Für die Zerschlagung eines öffentlichen Testaments ist der Gang zum Notariat notwendig. Um ein gemeinschaftliches Testament zu widerrufen, bedarf es einem triftigem Grund und einer notariellen Beglaubigung.

 

Brauchen Sie einen Testamentsvollstrecker?

  • Ein Testamentsvollstrecker ist nicht zwingend notwendig, kann aber bei der Verwaltung des Nachlasses und bei der Erfüllung möglicher Vermächtnisse hilfreich zur Seite stehen. Da bei Ernennung von Testamentsvollstreckern häufig Schwierigkeiten auftreten – durch z. B. Überforderung –, sollten Sie genau überlegen, für welchen Bereich und wen Sie als Testamentsvollstrecker ernennen.

 

15. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung zum Testament

Ein Testament regelt die individuelle Vermögensnachfolge – basierend auf eigenen Wünschen und Verhältnissen des Erblassers. Sie sollten immer dann ein Testament schreiben, sobald die gesetzliche Erbfolge umgangen werden soll. Bei der Aufsetzung und Verwahrung eines Testaments entstehen häufig Schwierigkeiten. Da nicht jedes Testament alle formellen Vorgaben erfüllt, ist es ratsam, sich juristisch von einem Fachanwalt im Erbrecht beraten zu lassen.

 

► Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Rechtsfragen oder ein Rechtsproblem zum Thema Testament kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht zu besprechen.

► Einfach den Fall oder die Frage kurz schildern, absenden und noch am selben Tag eine kostenlose telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

 

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