Grenzbebauung - wie nah Zaun, Hecke und Co. am Nachbargrundstück sein dürfen

Grenzbebauung - wie nah Zaun, Hecke und Co. am Nachbargrundstück sein dürfen

 von Kerstin Brouwer (jur. Redaktion)
Grenzbebauung - wie nah Zaun, Hecke und Co. am Nachbargrundstück sein dürfen
  • Lesezeit: ca. 4 Min.

In diesem Artikel erfahren Sie u. a., ab wann es sich um eine Grenzbebauung handelt, was Sie an Ihrer Grenze bauen dürfen und was nicht.

Inhaltsverzeichnis

1. Ab wann ist es Grenzbebauung?
2. Ausnahmen Grenzbebauung: Was ist erlaubt?
3. Die Grenzbebauung in konkreten Fällen
 3.1 Gartenhaus, Schuppen oder Garagen
 3.2 Fenster
 3.3 Hecke oder Zaun
4. Für die Grenzbebauung Baulast aufnehmen
5. Einverständnis der Nachbarn bei Grenzbebauung

 

1. Ab wann ist es Grenzbebauung?

Grundsätzlich dürfen Sie auf Ihrem Grundstück ja machen, was Sie möchten. Warum ist das bei den letzten Metern vor Ihrer Grundstücksgrenze anders? Das liegt zum einen an Brandschutzmaßnahmen und Gründen der Belüftung und Belichtung. Zum anderen spielt auch die Privatsphäre Ihres Nachbarn eine große Rolle.

Ab wann es sich um Grenzbebauung handelt, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Die Abstandfläche wird immer individuell von einem Vermessungsingenieur berechnet und richtet sich nach der Wandhöhe des geplanten Gebäudes. Diese wird mit der Dachhöhe verrechnet – bei einer Dachneigung von weniger als 70 % nur ein Drittel, bei mehr als 70 % die gesamte Länge. Das Ergebnis wird mit einem Faktor zwischen 0,25 und 1 multipliziert (bundeslandabhängig). Unabhängig vom Ergebnis muss aber stets ein Mindestabstand von drei Metern eingehalten werden.

 

2. Ausnahmen Grenzbebauung: Was ist erlaubt?

Wenn Ihr Nachbar ebenfalls an seiner Grenze gebaut hat, dürfen Sie in gleichem Maße an der Grenze arbeiten. Ist die Grenze mit einem Haus bebaut, muss sich auf Ihrer Seite allerdings eine sogenannte Brand(schutz)wand befinden, damit Sie Wand an Wand bauen dürfen. Ohne diese darf das Gebäude nicht so nah an Ihr Grundstück angrenzen und muss gegebenenfalls zurückgebaut werden. Wurde mit dem Nachbarn eine Baulast vereinbart, können Sie profilgleich an die Brandwand anbauen.

 

3. Die Grenzbebauung in konkreten Fällen

Grenzbebauung Gartenhaus, Schuppen oder Garagen

Ohne Genehmigung dürfen Sie ein Gartenhaus oder Schuppen an der Grundstücksgrenze bauen, wenn die Wandhöhe maximal drei Meter und die Seitenlänge nicht mehr als neun Meter beträgt. Garagen dürfen zudem nur bis zu 40 m² groß sein.

 

Grenzbebauung mit Fenstern

Für das Einbauen von Fenstern gilt – ebenso wie bei der Errichtung eines Balkons oder Erkers – das sogenannte Fensterrecht. Weil das Grundstück eines Nachbarn durch diese Anbauten im Grenzbereich möglicherweise einsehbar wird und so die Privatsphäre verletzt werden könnte, hat der betroffene Nachbar ein Fensterabwehrrecht. Für diese Fälle gibt es in den Bundesländern Nachbarrechtsgesetze (NRG), die Sie im Streitfall zu Rate ziehen sollten.

 

Grenzbebauung durch Hecke oder Zaun

Die Gestaltung der Grundstücksgrenzen wird in den jeweiligen Städtebebauungsplänen geregelt. In München darf ein Zaun in der Regel beispielsweise 1,50 m hoch sein, in Berlin nur 1,25 m. Hecken sollen bei einer Höhe von bis zu 100 cm maximal 25 cm nah an die Grenze gepflanzt werden, Pflanzen zwischen 101 und 150 cm maximal 50 cm nah und Pflanzen über 1.500 cm müssen mindestens 600 cm von der Grenze entfernt platziert werden. Darüber hinaus wird der Eigentümer verpflichtet, diese zu pflegen und auch für Schäden (z. B. durch Sturm abfallende Äste) aufzukommen.

 

Grenzbebauung: Rechtsgrundlagen, Gesetz

 

4. Für die Grenzbebauung Baulast aufnehmen

Wenn Sie bei der Bebauung die vorgeschriebene Abstandsfläche nicht einhalten können, diese aber auf dem Nachbargrundstück zur Verfügung gestellt werden kann, ist es möglich, dass das Nachbargrundstück eine Abstandsbaulast aufnimmt. Diese ist eine rechtlich-öffentliche Verpflichtung gegenüber der Baubehörde, bei zukünftigen Bauvorhaben den jetzt nicht eingehaltenen Abstand zum Nachbarn später wiederherzustellen. Nachzulesen ist das beispielsweise in der Niedersächsischen Bauordnung § 6 (NBauO).

Eine sogenannte Anbaubaulast kommt zustande, wenn Sie beispielsweise eine Garage an die Grundstücksgrenze bauen möchten. Dazu kann eine Belastung des Nachbargrundstücks nötig werden, die Ihren Nachbarn verpflichtet, sein zukünftiges Projekt wie z. B. ein Gartenhaus oder eine Garage gegen die von Ihnen errichtete Garage zu bauen (vgl. § 5 NBauO).

Unter Umständen kann eine solche Baulast auch eine erhebliche Wertminderung mit sich bringen, wenn sie zum Beispiel die Bebaubarkeit des Geländes einschränkt. Andersherum kann man ein Grenzbebauungsrecht auch im Grundbuch eintragen lassen und so zukünftigen Eigentümern umfassende Rechte sichern.

 

5. Einverständnis des Nachbarn bei Grenzbebauung

Da sich eine Grenzbebauung auf die Privatsphäre des Nachbarn auswirkt, ist von ihm ein Einverständnis zur Grenzbebauung notwendig. Zwar können Sie im Bauantrag eine Befreiung von der Einhaltung der Abstandsflächen beantragen, aber der betroffene Nachbar wird dennoch vom Bauamt informiert. Im Genehmigungsverfahren wird die Meinung des Nachbarn hinzugezogen und er kann Widerspruch gegen die Baugenehmigung einlegen. Unterlässt er das oder äußert sich innerhalb von vier Wochen gar nicht, stellt Ihnen die Baubehörde die Genehmigung auch ohne Zustimmung aus.

Den Nachbarn vor vollendete Tatsachen stellen, können Sie hingegen nicht. Sobald Sie im Bauantrag eine Befreiung von der Einhaltung der Abstandflächen ankreuzen, wird Ihr Nachbar benachrichtigt. Das ist im Nachbarschaftsrecht festgelegt. Stimmt er der Grenzbebauung nicht zu, wird keine Baugenehmigung erteilt. Wer dennoch baut, macht sich strafbar. Das alles gilt nicht, wenn der Nachbar – wie schon beschrieben – ebenfalls schon an der Grenze gebaut hat.

Die Zusage des Einverständnisses Ihres Nachbarn sollten Sie sich unbedingt schriftlich geben lassen – Freundschaft hin oder her. Der Vordruck einer Einverständniserklärung aus dem Internet kann dabei nicht auf die individuellen Begebenheiten eingehen, weswegen ein kurzes formloses Schreiben besser geeignet ist.

 

 

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Kerstin Brouwer
Ein Artikel von Kerstin Brouwer aus der juristischen Redaktion bei advocado

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Kerstin Brouwer stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen. Dabei legt Kerstin großen Wert auf eine verständliche Sprache, damit auch Nicht-Juristen im deutschen Paragraphendschungel den Durchblick behalten und ihre rechtlichen Angelegenheiten schnell, einfach und sorgenfrei erledigen können.

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