Grenzbebauung – wie nah Zaun, Hecke und Co. am Nachbargrundstück sein dürfen

Patricia Bauer

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Patricia Bauer (jur. Redaktion)  |   Stand:

Grenzbebauung – wie nah Zaun, Hecke und Co. am Nachbargrundstück sein dürfen

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Ab wann ist es Grenzbebauung?
  2. Ausnahmen Grenzbebauung: Was ist erlaubt?
  3. Die Grenzbebauung in konkreten Fällen
  4. Für die Grenzbebauung Baulast aufnehmen
  5. Einverständnis des Nachbarn bei Grenzbebauung

1. Ab wann ist es Grenzbebauung?

Grundsätzlich dürfen Sie auf Ihrem Grundstück ja machen, was Sie möchten. Warum ist das bei den letzten Metern vor Ihrer Grundstücksgrenze anders? Das liegt zum einen an Brandschutzmaßnahmen und Gründen der Belüftung und Belichtung. Zum anderen spielt auch die Privatsphäre Ihres Nachbarn eine große Rolle.

Ab wann es sich um Grenzbebauung handelt, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Die Abstandfläche wird immer individuell von einem Vermessungsingenieur berechnet und richtet sich nach der Wandhöhe des geplanten Gebäudes. Diese wird mit der Dachhöhe verrechnet – bei einer Dachneigung von weniger als 70 % nur ein Drittel, bei mehr als 70 % die gesamte Länge. Unabhängig vom Ergebnis muss aber stets ein Mindestabstand von 2,5 bis 3 Metern eingehalten werden.

 

2. Ausnahmen Grenzbebauung: Was ist erlaubt?

Grundsätzlich bedarf die Grenzbebauung mit einem Gebäude, einer Mauer oder einem Zaun das Einverständnis des Nachbarn oder die Genehmigung durch die Baubehörde. In fast allen Bundesländern gelten aber Ausnahmen für Grenzgaragen.

Eine weitere Ausnahme: Wenn Ihr Nachbar ebenfalls an seiner Grenze gebaut hat, dürfen Sie in gleichem Maße an der Grenze arbeiten. Ist die Grenze mit einem Haus bebaut, muss sich auf Ihrer Seite allerdings eine sogenannte Brand(schutz)wand befinden, damit Sie Wand an Wand bauen dürfen. Ohne diese darf das Gebäude nicht so nah an Ihr Grundstück angrenzen und muss gegebenenfalls zurückgebaut werden. Wurde mit dem Nachbarn eine Baulast vereinbart, können Sie profilgleich an die Brandwand anbauen.

 

3. Die Grenzbebauung in konkreten Fällen

Grenzbebauung Gartenhaus, Schuppen oder Garagen

Ob Sie für die Errichtung eines Gartenhauses, eines Schuppens oder einer Garage eine Genehmigung brauchen, ist abhängig von Ihrem Bundesland. Wird keine benötigt oder haben Sie bereits eine, gilt: Die Grenzbebauung ist zulässig, wenn die Wand maximal 3 Meter hoch ist und die Seitenlänge maximal 9 Meter beträgt.

Für Garagen gilt zusätzlich, dass sie eine Größe von 40 m² nicht überschreiten dürfen.

 

Grenzbebauung mit Fenstern

Grundsätzlich gilt für das Einbauen von Fenstern – ebenso wie bei der Errichtung eines Balkons oder Erkers – das sogenannte Fensterrecht. Das heißt, dass Bauten an der Grundstücksgrenze Fenster haben dürfen. Dieses Recht hat aber Grenzen: Wird dadurch die Privatsphäre des Nachbarn verletzt – etwas weil sein Grundstück und sein Wohnbereich durch die Fenster einsehbar wird –, hat dieser ein Fensterabwehrrecht. Das heißt, dass er dem Einbau von Fenstern widersprechen kann.

 

Grenzbebauung durch Hecke oder Zaun

Die Gestaltung der Grundstücksgrenzen ist je nach Bundesland und städtischem Bebauungsplan unterschiedlich geregelt. In München darf ein Zaun in der Regel beispielsweise 1,50 m hoch sein, in Berlin nur 1,25 m. Hecken sollen bei einer Höhe von bis zu 100 cm maximal 25 cm nah an die Grenze gepflanzt werden, Pflanzen zwischen 101 und 150 cm maximal 50 cm nah und Pflanzen über 1.500 cm müssen mindestens 600 cm von der Grenze entfernt platziert werden. Darüber hinaus wird der Eigentümer verpflichtet, diese zu pflegen und auch für Schäden (z. B. durch Sturm abfallende Äste) aufzukommen.

 

Grenzbebauung: Rechtsgrundlagen, Gesetz

 

4. Für die Grenzbebauung Baulast aufnehmen

Wenn Sie bei der Bebauung die vorgeschriebene Abstandsfläche nicht einhalten können, diese aber auf dem Nachbargrundstück zur Verfügung gestellt werden kann, darf das Nachbargrundstück eine Abstandsbaulast aufnehmen. Das heißt, dass der Nachbar fehlende Abstandsflächen übernimmt und das Bauvorhaben duldet. Eine Baulast müssen Sie schriftlich gegenüber der Bauaufsichtsbehörde erklären.

Neben der Abstandsbaulast ist eine Anbaubaulast möglich. Diese kommt zustande, wenn Sie beispielsweise eine Garage an die Grundstücksgrenze bauen möchten. Ihr Nachbar kann dann bei eigenen Bauvorhaben dazu verpflichtet sein, an die von Ihnen erbaute Garage anzubauen.

Beide Baulasten können eine erhebliche Wertminderung mit sich bringen, wenn sie z. B. die Bebaubarkeit des Geländes einschränken.

 

5. Einverständnis des Nachbarn bei Grenzbebauung

Da sich eine Grenzbebauung auf die Privatsphäre des Nachbarn auswirkt, ist von ihm ein Einverständnis zur Grenzbebauung notwendig. Zwar können Sie im Bauantrag eine Befreiung von der Einhaltung der Abstandsflächen beantragen, aber der betroffene Nachbar wird dennoch vom Bauamt informiert. Im Genehmigungsverfahren wird die Meinung des Nachbarn hinzugezogen und er kann Widerspruch gegen die Baugenehmigung einlegen. Unterlässt er das oder äußert sich innerhalb von vier Wochen gar nicht, stellt Ihnen die Baubehörde die Genehmigung auch ohne Zustimmung aus.

Den Nachbarn vor vollendete Tatsachen stellen, können Sie hingegen nicht. Sobald Sie im Bauantrag eine Befreiung von der Einhaltung der Abstandflächen ankreuzen, wird Ihr Nachbar benachrichtigt. Das ist im Nachbarschaftsrecht festgelegt. Stimmt er der Grenzbebauung nicht zu, wird keine Baugenehmigung erteilt. Wer dennoch baut, macht sich strafbar. Das alles gilt nicht, wenn der Nachbar – wie schon beschrieben – ebenfalls schon an der Grenze gebaut hat.

Die Zusage des Einverständnisses Ihres Nachbarn sollten Sie sich unbedingt schriftlich geben lassen – Freundschaft hin oder her. Der Vordruck einer Einverständniserklärung aus dem Internet kann dabei nicht auf die individuellen Begebenheiten eingehen, weswegen ein kurzes formloses Schreiben besser geeignet ist.

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