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Insolvenz in Eigenverwalt­ung: So sanieren Sie Ihren Betrieb in Eigenregie

Maximilian Bahr

Juristische Redaktion

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Maximilian Bahr (jur. Redaktion)  |   Stand:

Insolvenz in Eigenverwalt­ung: So sanieren Sie Ihren Betrieb in Eigenregie

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Was ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung?
  2. Wie beantragen Unternehmen die Eigenverwaltung?
  3. Welche Folgen hat die Insolvenz in Eigenverwaltung?
  4. Wie lässt sich die Insolvenz in Eigenverwaltung absichern?
  5. Wie läuft das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ab?
  6. Welche Alternativen gibt es?
  7. FAQ: Das Wichtigste im Überblick
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Zusammenfassung

Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung behalten Geschäftsführer im Insolvenzverfahren die Kontrolle über ihr Unternehmen. Mit einem Insolvenzplan übernehmen sie die Sanierung des Betriebes bis zur Schuldenfreiheit selbstständig. Wer Pflichten, Risiken und Sanierungskonzept vorab prüfen lässt, sichert das Fortbestehen des Unternehmens.

 

Auf einen Blick

  • Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung behält die Geschäftsführung die Kontrolle über das Unternehmen.
  • Ziel ist es, den Betrieb unter Aufsicht eines Sachverwalters eigenständig zu sanieren und Schulden abzubauen.
  • Voraussetzung für die Eigenverwaltung ist ein gesonderter Antrag bei Gericht.
  • Notwendig ist ein detaillierter Insolvenzplan mit Sanierungskonzept.
  • Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens ist das Unternehmen schuldenfrei.
  • Während der Corona-Krise können betroffene Betriebe die Insolvenz möglicherweise mit staatlicher Hilfe verhindern.
  • Ein Anwalt sichert den Antrag und die Eigenverwaltung ab.

 

Infografiken zu den Vorteilen einer Insolvenz in Eigenverwaltung.

 

1. Was ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung?

Ist ein Unternehmen zahlungsunfähig, hat es Insolvenz anzumelden. Nicht immer müssen Unternehmer mit einer Regelinsolvenz die Kontrolle über die Firma an einen vom Gericht bestimmten Insolvenzverwalter abgeben.

Mit einer Insolvenz in Eigenverwaltung behalten Unternehmer selbst die Kontrolle. Möglich ist das mit einem detaillierten Insolvenzplan. Bestehen erfolgversprechende Optionen zur Sanierung, können Unternehmer die dafür notwendigen Schritte selber in die Wege leiten.

Ein reguläres Regelinsolvenzverfahren gibt es dann nicht. Ein Sachverwalter soll die Eigenverwaltung lediglich überwachen.

 

Die Vorteile der Insolvenz in Eigenverwaltung:

  • Die Geschäftsführung behält die Kontrolle über das Unternehmen.
  • Die Geschäftsleitung kann das Unternehmen weiterhin nach außen vertreten.
  • Die Sanierung läuft im Hintergrund und wird von Kunden oder Lieferanten nicht wahrgenommen.
  • Im Idealfall ist der Betrieb am Ende des Verfahrens schuldenfrei.
  • Ein fachkundiger Sachwalter steht dem Betrieb bei der Sanierung zur Seite.
  • Die Kosten des Regelinsolvenzverfahren entfallen.
  • Der Sachwalter erhält bei Eigenverwaltung nur 60 % der Vergütung eines Insolvenzverwalters.

Eine eigenverwaltete Insolvenz zu beantragen, ist für Laien komplex. Nur mit einem realistischen, erfolgversprechenden Sanierungskonzept lassen sich die Gläubiger überzeugen. Passieren bei der Beantragung Fehler, wird die Eigenverwaltung abgelehnt.

 

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie?

Bund und Länder haben infolge der Corona-Pandemie die Insolvenzantragspflicht für Unternehmer gelockert.

Der Insolvenzantrag ist unter folgenden Bedingungen aktuell nicht notwendig:

  • Der Betrieb war am 31.12.2019 noch nicht zahlungsunfähig.
  • Die Insolvenz ist eine Folge der Corona-Pandemie.
  • Es bestehen Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit.

Die neuen Regelungen gelten rückwirkend seit 01. März bis 30. September 2020.

Um Insolvenzen zu verhindern, hat der Staat Unternehmen sowie Freiberufler & Selbstständige während der Corona-Pandemie zinsgünstige Kredite in unbegrenzter Höhe zugesagt und den Zugang zu staatlichen Beihilfen wie etwa KfW-Unternehmenskredite erleichtert.

 

2. Wie beantragen Unternehmen die Eigenverwaltung?

Die Insolvenz ist beim zuständigen Amtsgericht zu beantragen. Das Gericht entscheidet dann, ob eine Regelinsolvenz oder die Insolvenz in Eigenverwaltung durchgeführt wird.

Damit das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung möglich ist, sind laut § 270 der Insolvenzordnung (InsO) 2 Voraussetzungen zu erfüllen:

  1. Ein gesonderter Antrag auf Eigenverwaltung liegt vor.
  2. Die Eigenverwaltung bedeutet keinerlei Nachteile für die Gläubiger.

Damit das Gericht über die Insolvenz entscheiden kann, muss aus dem Antrag hervorgehen, ob das Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet ist, es Aussichten auf eine Sanierung der Firma gibt und genügend Rücklagen zur Zahlung der Verfahrenskosten vorhanden sind.

Dazu sind folgende Informationen und ggf. Unterlagen notwendig:

  • Was ist der Grund für die Insolvenz?
  • In welcher Branche ist das Unternehmen tätig?
  • Wie viele Mitarbeiter sind beschäftigt?
  • Welche Vermögenswerte sind vorhanden?
  • Wie viele offene Forderungen bestehen?
  • Wie viele Gläubiger gibt es?
  • Wer ist an der geplanten Sanierung beteiligt (Geschäftsleitung, Berater)?
  • Mit welchen Maßnahmen soll die Sanierung der Firma gelingen?

Die geplanten Maßnahmen zur Sanierung der Firma sind das wichtigste für die Insolvenz in Eigenverwaltung. Ohne handfesten Insolvenzplan wird das Gericht den Antrag auf Eigenverwaltung ablehnen. Erläutern Sie, welche Schritte geplant sind, um das Unternehmen wieder zahlungsfähig zu machen.

Um Ihr Vorhaben abzusichern, holen Sie sich die schriftliche Einwilligung der wichtigsten Gläubiger in die eigenverwaltete Insolvenz. Damit erhöhen sich die Chancen, dass auch das Gericht dem Antrag zustimmt.

 

3. Welche Folgen hat die Insolvenz in Eigen­verwaltung?

Wer in Eigenverwaltung die Insolvenz durchführen möchte, muss die Aufgaben des Insolvenzverwalter zusätzlich zum Tagesgeschäft übernehmen. Unternehmer sind selber für die Kommunikation mit Gläubigern und die Schuldentilgung verantwortlich. Trotzdem ist für viele operative Angelegenheiten das Einverständnis des Sachverwalters notwendig.

Auch bei Eigenverwaltung steht das Unternehmen während der Insolvenz unter ständiger Beobachtung durch den Sachverwalter. Sieht dieser Gläubigerinteressen in Gefahr, kann das Gericht die Eigenverwaltung beenden und eine reguläre Unternehmensinsolvenz einleiten.

Wie auch bei der Regelinsolvenz haftet der Geschäftsführer einer GmbH bei der Insolvenz in Eigenverwaltung gemäß §§ 60 und 61 InsO wie ein Insolvenzverwalter mit seinem Privatvermögen gegenüber Gläubigern.

Die Eigenverwaltung soll das Unternehmen und die Arbeitsplätze erhalten. Die Arbeitnehmer haben Anspruch auf Gehaltszahlung. Kann der Arbeitgeber den Lohn nicht zahlen, können Beschäftigte als Gläubiger des Unternehmens ihren Zahlungsanspruch beim Sachverwalter geltend machen und Insolvenzausfallgeld bei der Agentur für Arbeit beantragen.

Trotzdem ist die Kündigung von Arbeitnehmern möglich – je nach Gerichtsentscheidung ggf. nur mit Zustimmung des Sachverwalters. Bis zur Eröffnung des Verfahrens gelten die vertraglichen oder gesetzlichen Kündigungsfristen. Während der Insolvenz ist eine Kündigungsfrist von maximal 3 Monaten zu beachten.

 

Insolvenz in Eigenverwaltung: So sanieren Sie Ihren Betrieb in Eigenregie

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4. Wie lässt sich die Insolvenz in Eigenverwaltung absichern?

Für die Insolvenz mit Eigenverwaltung ist ein aussichtsreicher Insolvenzplan das Wichtigste. Wer die zur Sanierung geplanten Maßnahmen vor der Antragstellung detailliert prüft und absichert, sichert die Eigenverwaltung.

Ein auf Insolvenzrecht spezialisierter Anwalt steht Unternehmern vor und während der Insolvenz als kompetenter Ansprechpartner bei allen Fragen zur Seite.

Der Anwalt sichert die Insolvenz wie folgt:

  • Prüfung wirkungsvoller Sanierungsmaßnahmen
  • Erstellung eines realistischen Insolvenzplans
  • Einreichung eines rechtskonformen Insolvenzantrags
  • Bescheinigung der Sanierungsfähigkeit gegenüber Gläubigern
  • Reduzierung der Geschäftsführerhaftung

 

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5. Wie läuft das Insolvenzver­fahren in Eigen­verwaltung ab?

Nach Eingang des Insolvenzantrags prüft das Gericht, ob die Eigenverwaltung möglich ist. Während der Prüfung beschließt das Gericht eine vorläufige Eigenverwaltung durch die Geschäftsführung. Die Geschäftsführung behält die Kontrolle, das Gericht bestimmt aber einen Sachverwalter zur Beratung und Überwachung.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, eröffnet das Gericht das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung:

  1. Berichtstermin: Gläubigerversammlung zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens und zu Sanierungsmaßnahmen, Entscheidung über Stilllegung oder Erhaltung der Firma.
  2. Prüfungstermin: Erstellung einer Insolvenztabelle mit allen offenen Forderungen der Gläubiger und Tilgungsplan.
  3. Abwicklungsphase: Umsetzung der beschlossenen Sanierungsmaßnahmen und Tilgung der Masseverbindlichkeiten und Insolvenzforderungen.
  4. Schlusstermin: Ist das Unternehmen wieder zahlungsfähig und schuldenfrei, berichtet der Sachverwalter vor Gericht über den Insolvenzverlauf. Die Gläubiger bestätigen die Schuldentilgung.

Beurteilt das Gericht die erfolgreiche Eigenverwaltung, folgt nach dem Schlusstermin die Schlussverteilung. Dabei begleicht der Schuldner die Verfahrenskosten (Gerichtskosten und Vergütung des Sachverwalters) und übrige Insolvenzforderungen.

 

6. Welche Alter­nativen gibt es?

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung hat viele Vorteile, birgt aber durch die zusätzlichen Pflichten auch Risiken.

Bei drohender Zahlungsunfähigkeit haben Unternehmer folgende Alternativen:

  • Darlehen: Mit einem Gesellschafterdarlehen erhält das Unternehmen neues Kapital von einem Teilhaber.
  • Schutzschirmverfahren: Damit haben noch nicht insolvente Unternehmen 3 Monate Zeit, um mit einem Sachverwalter einen aussichtsreichen Insolvenzplan zu erarbeiten. Gläubiger dürfen währenddessen keine Vollstreckungsmaßnahmen einleiten.
  • Regelinsolvenz: Ist eine Sanierung nicht möglich, bleibt die reguläre Firmeninsolvenz. Ein Insolvenzverwalter übernimmt dann alle notwendigen Schritte zur Schuldentilgung.

FAQ: Das Wichtigste im Überblick

Insolvenz in Eigenverwaltung bedeutet, dass Unternehmer die Kontrolle über ihr Unternehmen nicht an einen Insolvenzverwalter abgeben. Mit einem Insolvenzplan sanieren sie die Firma selbstständig bis zur Schuldenfreiheit.

Die Eigenverwaltung ist bei Anmeldung der Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht zu beantragen. Notwendig ist ein detailliertes Sanierungskonzept (Insolvenzplan).

Das Eigenverwaltungsverfahren kann Monate bis Jahre dauern, abhängig von der zu tilgenden Schuldensumme, der Gläubigerzahl und Unternehmensgröße.

Die Kosten einer Eigenverwaltung hängen von der Dauer der Insolvenz, der vorhandenen Insolvenzmasse und der Gläubigeranzahl ab. Zu zahlen sind Gerichtskosten und die Vergütung des beauftragten Sachverwalters sowie ggf. Anwaltskosten.

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Als Mitglied der juristischen Redaktion von advocado kämpft Maximilian Bahr täglich dafür, dass jeder Leser zu seinem Recht kommt. In den Bereichen Sozialversicherungs- und Arbeitsrecht gibt er lösungsorientierte Antworten auf komplexe Rechtsfragen.

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