1. Was ist eine Patentrecherche?
Wer seine Idee patentieren lassen möchte, muss seine Erfindung möglichst gut von anderen, bereits vorhandenen Patenten abgrenzen. Dies können Sie mit einer sorgfältigen Patentrecherche sicherstellen.
Durch eine strukturierte und systematische Suche in vorhandenen Patentdatenbanken können Sie sich einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik, bereits angemeldete Patente und die tatsächliche Neuheit Ihrer Erfindung verschaffen.
Warum ist eine Patentrecherche wichtig?
Um erfolgreich ein Patent anzumelden, muss die Erfindung neu sein und den sogenannten Stand der Technik überwinden. Mit der Patentrecherche können Sie ausschließen, dass es bereits ein Patent auf Ihre Erfindung gibt – denn dann wäre es nicht mehr neu und damit auch nicht schutzfähig.
Eine gründliche Recherche hat daher folgende Vorteile:
- Sie erhalten einen Überblick zu ähnlichen Patenten von Mitbewerbern
- Sie können die Kosten für die Anmeldung Ihres Patents senken, weil Sie das Risiko für eine Ablehnung des Patents minimieren.
- Sie vermeiden, ältere Schutzrechte zu verletzen, die einen Unterlassungsanspruch und Schadensersatzforderungen bedeuten können.
2. Wie funktioniert eine Patentrecherche? | 5 Schritte
Der Ablauf einer Patentrecherche ist abhängig von der Erfindung und deren Entwicklungsstand. Typisch sind diese 5 Schritte:
Schritt 1: Suchziel festlegen
Klären Sie vorab, was Sie wirklich brauchen:
- Neuheit/Abgrenzung (vor Anmeldung, vor Investitionen, zur Weiterentwicklung)
- Wettbewerbs-/Technologieblick (Landscape, Monitoring)
- FTO-Hinweise (erste Indizien – eine belastbare FTO ist meist deutlich aufwendiger)
Schritt 2: Suchbegriffe aufbauen (nicht nur „ein Wort“)
- Kernbegriffe, Synonyme, Funktionsumschreibungen
- englische Begriffe mitdenken (viele Datenbanken funktionieren damit am zuverlässigsten)
- optional: Bauteile/Materialien/Anwendungsfelder ergänzen
Schritt 3: Mit Klassifikationen arbeiten (IPC/CPC)
Patentdokumente sind technischen Klassen zugeordnet. Wer die passende Klasse findet, kann sprachunabhängiger und oft treffsicherer recherchieren – besonders bei „Patent-typischer“ Sprache.
Schritt 4: Treffer bewerten: erst grob, dann tief
- Grobcheck: Abstract, Zeichnungen, zentrale Begriffe
- Tiefencheck: Ansprüche (Claims) und Beschreibung – dort steckt die eigentliche Abgrenzung
Schritt 5: Rechtsstand prüfen (wo verfügbar)
Ob ein Schutzrecht noch in Kraft ist, hängt u. a. von Verfahren und Gebühren ab. Für Entscheidungen (Launch/Investition) ist der Rechtsstand ein wichtiger Kontextfaktor.
Wann sollte man eine Patentrecherche durchführen?
Es kann sinnvoll sein, die Recherche spätestens vor der Anmeldung durchzuführen. In der Regel wird sie aber nicht nur einmal, sondern mehrmals durchgeführt:
- Vor der Fertigstellung Ihrer Erfindung: Eine Patentrecherche in der Vorbereitungs- und Planungsphase Ihrer Erfindung kann sicherstellen, dass es Ihre Erfindung nicht schon gibt. Diese Rechercheform ist auch als „Neuheits-“ oder „Stand-der-Technik“-Recherche bekannt.
- Unmittelbar vor der Anmeldung: Nach der Entwicklungsphase und unmittelbar vor der geplanten Patentierung können Sie eine erneute Patentrecherche durchführen. So können Sie ausschließen, dass in der Zwischenzeit schon jemand anderes Ihr Patent angemeldet hat.
- Bei Nachbesserungen: Eine Patentrecherche nach Anmeldung des Patents wird meist durchgeführt, wenn nachträgliche Verbesserungen an der Erfindung geplant sind.
Wie kann ich mein Patent prüfen?
Eine erste Stand-der-Technik-Recherche in der Planungsphase Ihrer Erfindung verschafft Ihnen einen Überblick über die aktuelle Branchensituation und stellt sicher, dass Ihre Entwicklung nicht schon patentiert ist.
Diese Patentrecherche können Sie mithilfe einer Datenbank durchführen.
3. Welche Datenbanken gibt es für die Patentrecherche?
Espacenet (EPO)
Espacenet ist eine kostenlose Rechercheoberfläche des Europäischen Patentamts und enthält Daten zu über 150 Millionen Patentdokumenten weltweit.
Für die weltweite Suche müssen Keywords häufig englisch gewählt werden; in bestimmten Datenbanken (z. B. EP/WIPO) sind auch Deutsch/Französisch möglich.
Gut geeignet für: erste Neuheitsrecherche, internationale Orientierung, Zitierketten, schnelle Sichtung.
DPMAregister (Deutschland)
DPMAregister ist das Register für deutsche Schutzrechte/Verfahrensstände (je nach Eintrag und Datenlage besonders hilfreich für Status-Informationen und Dokumentenverwaltung).
Gut geeignet für: deutsche Akten/Verfahrensstände, gezielte Recherche nach Anmeldern/Nummern.
DEPATISnet (DPMA)
DEPATISnet ist eine kostenlose Recherchedatenbank des DPMA mit über 160 Millionen Patentveröffentlichungen und wird ausdrücklich auch für Stand-der-Technik- und FTO-Recherchen genannt.
Gut geeignet für: vertiefte Recherche, systematisches Arbeiten, FTO-Indizien (je nach Vorgehen).
Europäisches Patentregister (EPO)
Das europäische Register ist besonders wertvoll, wenn Sie den Verfahrens-/Rechtsstand europäischer Patente nachvollziehen möchten (Aktenlage, Verfahrensereignisse, Dokumente).
Kommerzielle Tools (Beispiel: Octimine)
Neben öffentlichen Datenbanken gibt es kommerzielle Recherche-Tools, die z. B. semantische Suche, Monitoring oder Analysefunktionen anbieten. Octimine wird als kommerzielle Plattform beschrieben, die sich testen lässt (mit sehr begrenzter kostenloser Version/Trial).
Gut geeignet für: schnellere Vorfilterung, Monitoring/Analysen – abhängig vom konkreten Tool und Budget.
4. Was muss ich bei einer Patentsuche beachten?
Die Herausforderung einer sorgfältigen Patentrecherche liegt insbesondere im Filtern der hohen Anzahl an Ergebnissen.
Um zu beurteilen, ob Sie Ihre Erfindung schützen lassen können, können Sie sich zu Ihren Ergebnissen folgende Fragen stellen:
- Erfahre ich durch Stichworte und Einträge in der Patentliteratur, dass meine Erfindung neu ist und den Stand der Technik überwindet?
- Welche Informationen habe ich über Schutzrechte meiner Wettbewerber erfahren und lassen diese sich womöglich anfechten?
- Habe ich etwas über die Produkte meiner Konkurrenten erfahren und lohnt es sich überhaupt, mit meiner Erfindung in diesen Markt einzusteigen?
- Habe ich Stichwörter verwendet, die im direkten Zusammenhang mit meiner Erfindung stehen, und zusätzlich nach Synonymen und Umschreibungen gesucht?
Für die Auswertung und Interpretation der Ergebnisse sind oft statistische Methoden notwendig, die meist nur kostenpflichtige Datenbanken oder professionelle Unterstützung bereitstellen können.
Wer kann mir helfen?
Wer die Patentsuche nicht selbstständig durchführen möchte oder dabei Unterstützung benötigt, hat mehrere Möglichkeiten:
- Rechercheantrag beim DPMA stellen: Das Patentamt prüft dann kostenpflichtig die Schutzfähigkeit Ihrer angemeldeten Erfindung und erstellt einen ausführlichen Recherchebericht – die Ergebnisse müssen Sie dennoch selbst interpretieren.
- Anwalt mit der Suche beauftragen: Für eine professionelle Recherche können Sie einen Anwalt beauftragen. Ein Anwalt für Patentrecht ein Patentanwalt kann Ihnen z. B. dabei helfen, die Ergebnisse rechtssicher zu interpretieren und festzustellen, ob Ihre Erfindung als Patent schutzfähig ist.