Die möglichen Folgen einer Patentverletzung
Die möglichen Folgen einer Patentverletzung
Julia Pillokat
Beitrag von Julia Pillokat
Redakteurin für Rechtsthemen
Aktualisiert am

... Patentverletzung Patentverletzung

Wenn die eigene Erfindung zu sehr an das patentierte Produkt eines Konkurrenten erinnert, liegt ggf. eine Patentverletzung vor. Auch bei der Wahl der der Geräte zur Entwicklung einer neuen Erfindung kann Vorsicht geboten sein. Ist dieses Objekt im Patentregister zu finden, so darf es ohne Erlaubnis des Patentinhabers nicht ohne weiteres benutzt werden. Die damit einhergehenden Konsequenzen können verheerend sein und reichen von einer Abmahnung bis hin zu horrenden Schadensersatzzahlungen. Der nachfolgende Artikel informiert Sie darüber, wann eine Patentverletzung vorliegt, welche ernsthaften Folgen diese haben kann und welche Ansprüche sie nach sich ziehen kann.

Inhalt
  1. Schnell-Check: Was jetzt wichtig ist
  2. 1. Wann liegt eine Patentverletzung vor?
  3. 2. Welche Folgen drohen bei einer Patentverletzung?
  4. 3. Was tun bei Abmahnung oder Verletzungsverdacht?
  5. 4. Warum anwaltliche Unterstützung bei Patentverletzung oft sinnvoll ist
  6. Beispiel-Fälle zur Orientierung
  7. 5. Was kostet eine Patentverletzung?
  8. 6. Häufige Irrtümer aufgeklärt
Ersteinschätzung erhalten

Die möglichen Folgen einer Patentverletzung

Die möglichen Folgen einer Patentverletzung

Wenn die eigene Erfindung zu sehr an das patentierte Produkt eines Konkurrenten erinnert, liegt ggf. eine Patentverletzung vor. Auch bei der Wahl der der Geräte zur Entwicklung einer neuen Erfindung kann Vorsicht geboten sein. Ist dieses Objekt im Patentregister zu finden, so darf es ohne Erlaubnis des Patentinhabers nicht ohne weiteres benutzt werden. Die damit einhergehenden Konsequenzen können verheerend sein und reichen von einer Abmahnung bis hin zu horrenden Schadensersatzzahlungen. Der nachfolgende Artikel informiert Sie darüber, wann eine Patentverletzung vorliegt, welche ernsthaften Folgen diese haben kann und welche Ansprüche sie nach sich ziehen kann.

Schnell-Check: Was jetzt wichtig ist

So ordnen Sie Ihren Fall schnell ein

Patentverletzung bedeutet, dass eine patentgeschützte Erfindung ohne Zustimmung des Patentinhabers benutzt wird – etwa durch Herstellung, Angebot, Vertrieb, Import oder Nutzung eines geschützten Produkts oder Verfahrens.

Gilt, wenn …

  • Sie (oder Ihr Unternehmen) ein erteiltes Patent ohne Zustimmung in einer verbotenen Weise benutzen (z. B. herstellen, anbieten, in Verkehr bringen, einführen, gebrauchen).
  • Sie nicht nur das Endprodukt, sondern auch ein geschütztes Verfahren verwenden (z. B. in der Produktion).
  • Sie Mittel bereitstellen, die sich auf ein wesentliches Element der Erfindung beziehen und die Benutzung durch Dritte ermöglichen (Stichwort: mittelbare Patentverletzung).

Sonderfall – wann allgemeine Infos nicht mehr reichen:

  • Sie haben „nur“ eine Patentanmeldung / Offenlegungsschrift gefunden: Das ist ein Warnsignal, aber noch keine automatische „Verbotslage“. Hier kommt es darauf an, welchen rechtlichen Status das Schutzrecht hat und was später tatsächlich erteilt wurde.
  • Sie haben eine Abmahnung oder eine gerichtliche Zustellung erhalten: Dann zählt vor allem, was im Schreiben konkret verlangt wird – insbesondere die gesetzte Frist.
  • Der Fall betrifft mehrere Länder, ein EU-/EP-Patent oder Lieferketten (Import/Plattform/Distributor): Dann muss die Prüfung regelmäßig länderspezifisch und technisch sauber erfolgen.

Wichtigste Frist: Wenn eine Abmahnung eine Frist setzt, beginnt diese mit Zugang des Schreibens. Wer die Frist verstreichen lässt, riskiert gerichtliche Schritte (z. B. einstweilige Verfügung) – unabhängig davon, ob die Vorwürfe am Ende stimmen.

Diese Informationen sollten Sie bereithalten:

  • Patentnummer bzw. Dokumente (Patent/Offenlegungsschrift), idealerweise mit Patentansprüchen
  • Abmahnung, Anlagen, Entwurf einer Unterlassungserklärung, ggf. Kostennote
  • Technische Unterlagen zum „angegriffenen“ Produkt/Verfahren (Zeichnungen, Spezifikationen, Stücklisten, Software-/Prozessbeschreibung)
  • Angaben zur Nutzung: seit wann, wo, in welchen Stückzahlen, Vertriebskanäle (auch Import/Export), Umsatz
  • Kommunikation mit Lieferanten/Kunden (wenn relevant)

Häufigster Fehler: Aus Angst vorschnell unterschreiben (Unterlassungserklärung) oder aus Ärger gar nicht reagieren (Frist verstreichen lassen).

Fakt vs. Einzelfall: Was ist sicher – und wo kommt es wirklich darauf an?

Sicher ist:

  • Patentinhaber können bei einer Verletzung typischerweise Unterlassung verlangen; daneben kommen Auskunft, Schadensersatz und weitere Ansprüche in Betracht.
  • Ob eine Patentverletzung vorliegt, entscheidet sich nicht am Bauchgefühl, sondern am Vergleich der Patentansprüche mit dem konkreten Produkt/Verfahren.
  • Nicht jede Nutzung ist erfasst: Das Gesetz kennt Ausnahmen und Grenzen.

Es kommt darauf an bei:

  • dem Schutzbereich (Wortlaut und Auslegung der Patentansprüche, technische Funktionen)
  • dem Status des Schutzrechts (erteilt, abgelaufen, angegriffen, Lizenzlage)
  • Ausnahmen (z. B. Versuchszwecke, private nichtgewerbliche Handlungen) und Sonderkonstellationen (Erschöpfung, Vorbenutzung)
  • der Frage, ob ein Anspruch (z. B. Unterlassung) im konkreten Fall verhältnismäßig ist
  • der Beweisbarkeit (Testkauf, Dokumentation, Produktionsabläufe, Lieferkette)

1. Wann liegt eine Patentverletzung vor?

Patentanmeldung, Offenlegung, Erteilung: Warum der Status entscheidend ist

Ein Patent entfaltet seine volle Schutzwirkung (Schutz- und Verbotsrecht) erst, wenn es erteilt und veröffentlicht ist. Vorher kann – nach Veröffentlichung einer Anmeldung – unter bestimmten Voraussetzungen ein Entschädigungsanspruch in Betracht kommen, aber typischerweise noch kein „klassischer“ Unterlassungsanspruch wie bei einem erteilten Patent.

Unmittelbare Patentverletzung: typische Benutzungshandlungen

Von einer unmittelbaren Patentverletzung spricht man vereinfacht, wenn jemand ohne Zustimmung des Patentinhabers Handlungen vornimmt, die das Patent gerade verbieten soll – etwa:

  • ein patentgeschütztes Erzeugnis herstellen, anbieten, verkaufen, gebrauchen, importieren oder zu diesen Zwecken besitzen,
  • ein patentgeschütztes Verfahren anwenden oder das unmittelbar hergestellte Erzeugnis nutzen/vertreiben.

Entscheidend ist nicht, ob etwas „ähnlich“ aussieht, sondern ob die technischen Merkmale (oder deren funktionales Äquivalent) den Patentanspruch erfüllen.

Mittelbare Patentverletzung: wenn „nur ein Bauteil“ geliefert wird

Auch wer nicht das Endprodukt vertreibt, kann in die Haftung geraten – etwa wenn ein Unternehmen Mittel liefert oder anbietet,

  • die sich auf ein wesentliches Element der Erfindung beziehen und
  • erkennbar dafür bestimmt sind, dass ein Dritter damit die Erfindung benutzt.

In der Praxis ist das oft ein Lieferketten-Thema (Komponenten, Kits, Software-Module, Spezialwerkzeuge), bei dem es sehr auf technische Details und die Umstände (Bestimmung, Hinweise, Abnehmerkreis) ankommt.

Ausnahmen und Grenzen: nicht jede Nutzung ist verboten

Das Patentrecht kennt Situationen, in denen die Patentwirkung nicht greift. Beispiele sind etwa:

  • Handlungen im privaten, nichtgewerblichen Bereich,
  • Handlungen zu Versuchszwecken,
  • weitere gesetzliche Privilegierungen (je nach Konstellation).

Ob eine Ausnahme wirklich passt, sollte sauber geprüft werden – vor allem, wenn wirtschaftliche Nutzung, Vertrieb oder Forschung/Entwicklung im Unternehmen betroffen sind.

2. Welche Folgen drohen bei einer Patentverletzung?

Patentstreitigkeiten sind häufig wirtschaftlich und operativ einschneidend – nicht nur wegen möglicher Zahlungen, sondern wegen Auswirkungen auf Produktion, Vertrieb und Lieferketten.

Unterlassungsanspruch: Produktion und Vertrieb stoppen

Der Unterlassungsanspruch zielt darauf, die beanstandete Benutzung künftig zu unterlassen. Das kann praktisch bedeuten:

  • Verkaufsstopp, Lieferstopp, Rücknahme aus Online-Shops/Preislisten,
  • Umstellung von Produktion/Software/Prozessen,
  • Vertragsrisiken gegenüber Kunden und Partnern.

Wichtig: In besonderen Einzelfällen kann ein Unterlassungsanspruch wegen Unverhältnismäßigkeit eingeschränkt sein. Das ist aber keine „Standardkarte“, sondern eine Frage der konkreten Umstände.

Auskunft und Rechnungslegung: Umfang der Patentverletzung und Gewinn preisgeben

Häufig wird verlangt, offenzulegen:

  • Liefermengen, Abnehmer, Bezugsquellen,
  • Umsätze, Gewinne, Herstellkosten,
  • Zeiträume und Vertriebswege.

Das dient oft als Grundlage für die Berechnung von Schadensersatz und kann intern erheblichen Aufwand auslösen.

Schadensersatzanspruch: drei typische Berechnungsansätze

Schadensersatz kann (je nach Voraussetzungen) beispielsweise anknüpfen an:

  • den konkreten Schaden des Patentinhabers (z. B. entgangener Gewinn),
  • die Herausgabe des Verletzergewinns,
  • eine fiktive Lizenzgebühr (was bei erlaubter Nutzung als Lizenz angefallen wäre).

Welche Methode greift, ist stark einzelfallabhängig und hängt auch von Beweisen und Marktumständen ab.

Produkte zurückrufen, aus Vertriebswegen entfernen, vernichten

Je nach Fall können Ansprüche darauf gerichtet sein, patentverletzende Produkte

  • zurückzurufen,
  • aus den Vertriebswegen zu entfernen oder
  • zu vernichten bzw. unbrauchbar zu machen.

Das kann Logistik-, Lager- und Kundenkommunikation erheblich belasten – und ist typischerweise besonders relevant, wenn bereits große Stückzahlen im Markt sind.

Besichtigung/Vorlage: technische Klärung per Blick in das Produkt

In vielen Fällen steht am Anfang die Frage, wie ein Produkt technisch funktioniert. Dafür kommen Ansprüche auf Besichtigung oder Vorlage von Unterlagen in Betracht. Das kann auch Konflikte mit Geschäftsgeheimnissen auslösen, die im Verfahren besonders zu schützen sind.

Kosten und Kostenerstattung bei einer Patentverletzung

Schon außergerichtlich können (je nach Streitwert und Aufwand) erhebliche Kosten entstehen. Kommt es zum Verfahren, treten Gerichts- und ggf. Sachverständigenkosten hinzu.

Mögliche strafrechtliche Folgen

Patentverletzungen können strafbar sein – in der Praxis spielt das Strafrecht aber meist nur in besonderen Konstellationen eine Rolle. Typischerweise braucht es vorsätzliches Handeln; außerdem ist die Strafverfolgung häufig an einen Antrag bzw. ein besonderes öffentliches Interesse geknüpft. Zivilrechtliche und strafrechtliche Ebene sollten klar getrennt betrachtet werden.

3. Was tun bei Abmahnung oder Verletzungsverdacht?

Wenn Sie eine Abmahnung erhalten haben

  • Frist notieren, aber nicht „auf Autopilot“ handeln.
  • Nichts vorschnell unterschreiben: Eine Unterlassungserklärung kann weitreichend sein (Vertragsstrafe, Reichweite, Anerkenntnisse).
  • Status des Patents prüfen (erteilt? in Kraft? Laufzeit?), ebenso: Welche Ansprüche sind tatsächlich betroffen?
  • Technische Prüfung: Trifft der Patentanspruch wirklich zu – oder fehlen Merkmale?
  • Interne Nutzung sichern (Dokumentation, Versionen, Stücklisten, Lieferkette), damit später nichts verloren geht.
  • Kommunikation steuern (keine unbedachten Aussagen gegenüber Gegenseite oder Kunden).

Wenn Sie als Patentinhaber einen Verstoß vermuten

  • Beweise sauber sichern: Testkauf, technische Analyse, Screenshots, Angebotsunterlagen, Import-/Vertriebswege.
  • Schutzbereich klären: Welche Patentansprüche sind betroffen – und wie wird das Merkmal technisch verwirklicht?
  • Strategie festlegen: von Hinweis/Verwarnung bis Abmahnung oder gerichtlichem Vorgehen – abhängig von Dringlichkeit, Marktimpact und Beweislage.
  • Lieferkette mitdenken: Hersteller, Importeur, Händler, Plattformen, Zulieferer.

4. Warum anwaltliche Unterstützung bei Patentverletzung oft sinnvoll ist

Patentstreitigkeiten sind selten „nur“ Rechtsfragen. Meist geht es zugleich um Technik (Patentansprüche), wirtschaftliche Risiken (Stopp von Vertrieb/Produktion) und enge Fristen (Abmahnung, einstweilige Verfügung). Eine anwaltliche Einschätzung kann helfen, früh die richtige Richtung einzuschlagen – ohne vorschnelle Zugeständnisse und ohne unnötige Eskalation.

Perspektive 1: Sie wurden abgemahnt oder befürchten eine Patentverletzung

Ein Anwalt kann vor allem dabei helfen, typische Fehlentscheidungen zu vermeiden und die Verteidigung strukturiert aufzubauen:

  • Fristen und Risiko sofort einordnen: Was bedeutet die gesetzte Frist konkret, welche Schritte sind bis wann sinnvoll, und wann drohen gerichtliche Eilverfahren?
  • Technisch-rechtliche Prüfung der Patentansprüche: Ob eine Verletzung vorliegt, hängt am Merkmalsvergleich. Ein Anwalt (häufig im Team mit Patentanwälten/Technik) kann prüfen, ob Merkmale tatsächlich erfüllt sind oder ob ein tragfähiges Nichtverletzungsargument besteht.
  • Status und Durchsetzbarkeit des Patents prüfen: Ist das Patent in Kraft? Gibt es Hinweise auf Angriffsmöglichkeiten (Einspruch/Nichtigkeit) oder sonstige Einwände (z. B. Lizenz, Erschöpfung, Vorbenutzung), die die Lage verändern?
  • Unterlassungserklärung richtig handhaben: Eine vorschnell unterschriebene Erklärung kann langfristig teuer werden (Vertragsstrafen, zu weite Reichweite, Anerkenntnisse). Anwaltliche Unterstützung hilft, Reichweite und Risiken zu begrenzen – oder eine Erklärung begründet abzulehnen.
  • Kosten und Vergleichsoptionen realistisch bewerten: In vielen Fällen ist Verhandeln über Anpassung, Umstellung, Abverkauf oder Lizenz wirtschaftlich sinnvoller als „Alles oder Nichts“. Ein Anwalt kann die Verhandlungsposition absichern und Risiken kalkulierbarer machen.
  • Kommunikation steuern: Aussagen gegenüber der Gegenseite oder Kunden können später gegen Sie verwendet werden. Eine saubere Kommunikationslinie schützt vor unnötigen Nachteilen.

Perspektive 2: Sie sind Patentinhaber und vermuten eine Verletzung

Auch aus Sicht von Patentinhabern ist anwaltliche Unterstützung oft entscheidend, damit Durchsetzung wirksam, verhältnismäßig und beweisfest erfolgt:

  • Schutzbereich und Treffer sauber bestimmen: Welche Ansprüche sind betroffen und wie lässt sich die technische Verwirklichung belegen? Eine zu breite oder unpräzise Behauptung kann strategisch schaden.
  • Beweise gerichtsfest sichern: Testkauf, Dokumentation von Angeboten, technische Analyse und die richtige Beweiskette sind häufig ausschlaggebend – insbesondere, wenn die Gegenseite schnell reagiert oder Inhalte offline nimmt.
  • Passende Durchsetzungsstrategie wählen: Nicht jeder Fall braucht sofort eine Abmahnung oder ein gerichtliches Vorgehen. Manchmal ist eine abgestufte Strategie sinnvoll (Hinweis, Verhandlung, Lizenzangebot, Abmahnung, gerichtliche Schritte).
  • Risiken und Gegenangriffe einkalkulieren: Wer durchsetzt, muss mit Einwänden rechnen (Nichtverletzung, Nichtigkeit/Einspruch, Kartell-/Missbrauchsargumente in Sonderfällen). Anwaltliche Beratung hilft, die Durchsetzung so zu gestalten, dass sie standhält.
  • Kosten-Nutzen und Business-Impact abwägen: Ziel kann nicht nur „Recht bekommen“, sondern auch Marktbereinigung, Lizenzierung oder schnelle Unterbindung sein. Ein Anwalt kann Optionen aufzeigen, die wirtschaftlich sinnvoll sind.
  • Lieferkette richtig adressieren: Oft ist nicht nur der Händler, sondern Hersteller/Importeur oder ein Zulieferer der Schlüssel. Die Wahl des richtigen Anspruchsgegners kann den Unterschied machen.

Was eine anwaltliche Ersteinschätzung typischerweise klärt

  • Liegt nach erster Prüfung plausibel eine Verletzung vor – oder sind zentrale Merkmale nicht erfüllt?
  • Welche sofortigen Schritte sind sinnvoll, um Schaden zu begrenzen oder Beweise zu sichern?
  • Welche Optionen gibt es (Umstellung, Vergleich, Lizenz, gerichtliche Schritte) – und welche Risiken hängen daran?
  • Welche Unterlagen fehlen noch, um den Fall belastbar zu bewerten?

Wenn Sie möchten, können Sie über advocado eine auf Patentrecht spezialisierte Anwältin oder einen Anwalt finden und eine erste Einschätzung einholen – je nachdem, ob Sie Rechte durchsetzen oder sich gegen Vorwürfe verteidigen möchten.

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Beispiel-Fälle zur Orientierung

Fall 1: Abmahnung wegen Ersatzteil im Online-Shop

Ausgangslage: Ein Händler verkauft ein Ersatzteil, das angeblich ein erteiltes Patent verletzt.
Vorgehen: Patentstatus und Anspruchsmerkmale werden technisch mit dem Ersatzteil abgeglichen; die Unterlassungserklärung wird in Reichweite und Vertragsstrafe bewertet.
Ergebnis: Je nach Merkmalstreffer kommen eine angepasste Erklärung, eine Zurückweisung oder ein Vergleich (z. B. Umstellung/Restabverkauf/Lizenz) in Betracht.
Learning: Der Streit dreht sich oft nicht um „ähnlich“, sondern um einzelne anspruchsrelevante Merkmale.

Fall 2: Vorwurf mittelbarer Patentverletzung in der Lieferkette

Ausgangslage: Ein Zulieferer liefert ein Bauteil, das für ein patentgeschütztes System „geeignet und bestimmt“ sein soll.
Vorgehen: Prüfung, ob das Bauteil ein wesentliches Element betrifft, welche Hinweise/Anleitungen existieren und wer die Abnehmer sind; ggf. Produktanpassung und Kommunikationsmaßnahmen.
Ergebnis: Häufig steht die Frage im Zentrum, ob die Lieferung tatsächlich auf patentverletzende Nutzung „ausgerichtet“ ist oder auch patentfreie Verwendungen naheliegen.

Fall 3: Import – Ware bleibt beim Zoll hängen

Ausgangslage: Bei der Einfuhr wird ein Produkt beanstandet, weil eine Patentverletzung behauptet wird.
Vorgehen: Klärung, auf welches Schutzrecht sich der Vorwurf stützt; technische Kurzprüfung, ob die Anspruchsmerkmale plausibel erfüllt sind; Abstimmung zum weiteren Vorgehen (Freigabe, Einigung, gerichtliche Klärung).
Ergebnis: Je nach Beweislage ist eine schnelle technische Einordnung entscheidend, um Lieferausfälle zu begrenzen.

5. Was kostet eine Patentverletzung?

Die Kosten lassen sich ohne Fallprüfung selten seriös „pauschal“ beziffern. Typische Kostentreiber sind:

  • Streitwert / wirtschaftliche Bedeutung (z. B. Marktanteil, Stückzahlen, Produktportfolio)
  • technischer Aufwand (Vergleich, Gutachten, Labor-/Reverse-Engineering)
  • Anzahl der Länder, Beteiligte in der Lieferkette, Umfang der Auskunft
  • Eilbedürftigkeit (einstweilige Verfahren) und Verfahrensdauer
  • Lizenz- und Vergleichsverhandlungen

Typische Kostenblöcke können sein:

  • außergerichtliche anwaltliche Tätigkeit (Prüfung, Abmahnung/Erwiderung, Verhandlungen)
  • Gerichts- und Anwaltskosten im Verfahren (abhängig u. a. vom Streitwert)
  • Sachverständigenkosten / technische Untersuchungen
  • operative Kosten (Rückruf, Umstellung, Lager, IT, Kundenkommunikation)

6. Häufige Irrtümer aufgeklärt

Richtig ist: Entscheidend sind Status und Patentansprüche – und ob Ihr Produkt/Verfahren diese Merkmale erfüllt.
Was ist zu prüfen: Erteilung/Bestand/Laufzeit, Anspruchsmerkmale, technische Ausführung, mögliche Ausnahmen.

Richtig ist: Volle Schutzwirkung entsteht typischerweise erst mit erteiltem Patent; davor können allenfalls bestimmte Vorwirkungen eine Rolle spielen.
Was ist zu prüfen: Status (offen/erteilt), Veröffentlichungen, später tatsächlich erteilte Ansprüche.

Richtig ist: Auch abgewandelte Ausführungen können den Anspruch erfüllen – oder als technisch gleichwirkend bewertet werden.
Was ist zu prüfen: Welche Merkmale sind zwingend? Welche Funktion erfüllen sie? Gibt es gleichwirkende Alternativen?

Richtig ist: Der Einzelfall kann Einschränkungen erlauben (z. B. besondere Härte/Verhältnismäßigkeit).
Was ist zu prüfen: Konkrete Härte, Interessen Dritter, Umstellbarkeit, Kompensationsmöglichkeiten, Gesamtumstände.

Richtig ist: Strafrecht ist möglich, aber an zusätzliche Voraussetzungen gebunden und in der Praxis nicht der Regelfall jedes Konflikts.
Was ist zu prüfen: Vorsatz, Umfang, gewerbsmäßiges Handeln, Verfolgungsvoraussetzungen.

Transparenz-Hinweis

Dieser Beitrag informiert über die Rechtslage in Deutschland (Stand: 27.05.2026). Er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

Quellen: Patentgesetz (PatG) – insbesondere §§ 9, 10, 11, 33, 139, 140a, 142.

Letzte Aktualisierung

27.05.2026

  • Gleich am Anfang steht jetzt, woran man einen Fall erkennt und was als Erstes wichtig ist.
  • Es ist klarer, wann ein Patent wirklich „wirkt“ – und warum Registerfund oder Anmeldung allein noch nicht alles sagen.
  • Die möglichen Folgen sind übersichtlich nach Themen sortiert (Stopp von Vertrieb, Auskunft, Geld, Rückruf, Strafrecht).
  • Es gibt typische Beispiele und verbreitete Irrtümer – damit man schneller einschätzen kann, wo man selbst steht.
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