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Schmerzensgeld-Rechner funktionieren unter Umständen nicht. So errechnen Sie Ihren Anspruch richtig

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Schmerzensgeld prüfen

Zusammenfassung

Ob Auffahrunfall, Hundebiss oder Ärztepfusch – kommt es durch Fremdverschulden zu physischen oder psychischen Schäden, haben Betroffene ggf. einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Doch wie beziffert man z. B. einen Beinbruch? Online Schmerzensgeld-Rechner funktionieren unter Umständen nicht. Denn: Die Schmerzensgeldhöhe lässt sich nur individuell bestimmen. Eine erste Orientierung bieten Tabellen, die sicherste Einschätzung kann ein Anwalt liefern.

 

Auf einen Blick

  • Schmerzensgeld lässt sich nicht verlässlich online berechnen.
  • Die Bestimmung eines angemessenen Schmerzensgeldes erfolgt stets individuell, da viele Faktoren in die Berechnung mit einfließen.
  • Eine erste Orientierungshilfe bieten Schmerzensgeldtabellen.

 

► Sie möchten Ihre Entschädigung mit einem Schmerzensgeld-Rechner berechnen? advocado findet für Sie den passenden Anwalt für Schmerzensgeldrecht aus einem Netzwerk mit über 500 Partner-Anwälten. Dieser kontaktiert Sie innerhalb von 2 Stunden für eine kostenlose Ersteinschätzung zu Ihren Handlungsoptionen und Erfolgsaussichten.

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Warum Schmerzensgeld-Rechner Ihren Anspruch gefährden

Schnell, unkompliziert, risikofrei – im Internet werben zahlreiche Anbieter mit Schmerzensgeld-Rechnern, welche innerhalb von Sekunden eine Anspruchshöhe ermitteln sollen. Doch kein Programm kann durch mathematische Formeln einen finanziellen Ausgleich für Verletzungen berechnen, der von individuellen Faktoren abhängig ist.

 

Ein Schadensfall ist stets individuell und unter Beachtung aller Faktoren zu betrachten. So ist bei der Bestimmung von Schmerzensgeld einerseits die Seite des Geschädigten zu berücksichtigen:

  • Verletzungen: Ausmaß, Intensität der Schmerzen
  • Therapie: ambulante oder stationäre Behandlung, Operationen, Dauer
  • Persönliche Lebensumstände: Alter, Folgen für Lebensführung und -qualität
  • Erwerbsfähigkeit: Dauer der Krankschreibung, Grad der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit
  • Folgeschäden: bleibende Entstellungen, Narben, Einschränkungen
  • Schuldfrage: prozentuale Teilschuld

 

Zum anderen ist auch der Schädiger zu berücksichtigen:

  • Schuldfrage: Fahrlässigkeit oder Vorsatz, Gefährdungshaftung
  • Einsicht: Verhalten während der Schadensregulierung, ggf. Verzögerung des Gerichtsprozesses
  • Wirtschaftliche Verhältnisse: Einkommen, Vermögen

 

In 5 Schritten Schmerzensgeld bestimmen

Sie können ein angemessenes Schmerzensgeld mithilfe einer sogenannten Schmerzensgeldtabelle bestimmen.

Anstelle eines Schmerzensgeld-Rechners können Sie wie folgt vorgehen:

 

1. Schmerzensgeldanspruch prüfen

Vor der Bestimmung von Schmerzensgeld ist zu prüfen, ob überhaupt ein Anspruch auf Schmerzensgeld besteht. Dafür müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Es besteht eine erhebliche und langfristige Verletzung von Körper, Geist oder der persönlichen Rechte.
  • Der immaterielle Schaden wurde durch fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Schädigers verursacht.
  • Die gesetzliche Verjährungsfrist von 3 Jahre ist nicht überschritten.

 

Zusätzliche Ansprüche nicht vergessen!
Es können auch weitere Ansprüche durch ein Schadensereignis entstehen. So besitzen z. B. Betroffene eines Auffahrunfalls einen Anspruch auf Schadensersatz für beschädigtes Eigentum, Haushaltführungsschäden und Lohnausfall.

 

2. Verjährungsfrist ausschließen

Die Verjährungsfrist von drei Jahren beginnt gemäß § 195 BGB mit Ende des Jahres, in dem es zum Schaden kam und der Betroffene Kenntnis darüber erhielt. Wenn mögliche Folgeschäden nicht auszuschließen sind, können Sie bei Gericht ein Feststellungsantrag stellen. Dieser ermöglicht einen Aufschub der dreijährigen Frist.

Beispiel: Im Sommer 2018 erfasst ein Pkw-Fahrer mit dem Außenspiegel einen Radfahrer, welcher daraufhin durch den Sturz starke Schürfwunden und einen Armbruch erleidet. Doch der Pkw-Fahrer begeht Fahrerflucht und wird erst im Januar 2019 als Schädiger polizeilich ermittelt. Somit beginnt die Verjährungsfrist erst am 31.12.2019 – und endet 3 Jahre später am 31.12.2022.

Doch Achtung: Spätestens nach 30 Jahren sind jegliche Schmerzensgeldansprüche verjährt – unabhängig vom Kenntnisstand des Geschädigten oder etwaiger Aufschübe.

 

3. Dokumentation

Betroffene müssen einen Anspruch auf Schmerzensgeld nachweisen. Dafür kann eine Dokumentation erstellt werden. Folgende Dokumente und Nachweise können hierfür u. a. hilfreich  sein:

  • Sammlung aller Rechnungen und Belege, die den immateriellen Schaden dokumentieren – insbesondere ärztliche Gutachten und Verlauf des Heilungsverlaufs
  • Schuldnachweis des Schädigers durch z. B. polizeiliche Ermittlungsakten oder private Aufzeichnungen
  • Aufstellung einer Zeugenliste, welche die Ihre Darstellungen und die Auswirkungen Ihrer Schäden bestätigen
  • Gutachten über verminderte Erwerbsfähigkeit und Folgeschäden
Wurde man körperlich geschädigt, sollte man sich zeitnah in ärztliche Behandlung begeben, um die erlittenen Verletzungen und die erfolgte Behandlung zu dokumentieren. Dies ist der Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Durchsetzung des Anspruchs auf Schmerzensgeld.
Ralph Husung
Ralph Husung
Anwalt für Schmerzensgeld

4. Schmerzensgeldtabelle statt Schmerzensgeld-Rechner nutzen

Schmerzensgeld-Rechner setzen für gleiche Verletzungen ein und dieselbe Entschädigungshöhe an. Tatsächlich sprechen Gerichte jedoch trotz vergleichbarer Verletzung unterschiedliche Schmerzensgeldsummen zu. Dies liegt daran, dass die individuellen Umstände entscheidend sind. Ein Schmerzensgeld-Rechner kann diese nicht abbilden.

Als Alternative zum Schmerzensgeld-Rechner können Sie zur ersten Orientierung auf eine Schmerzensgeldtabelle zurückgreifen. In solchen Tabellen sind alle Schmerzensgelder aufgelistet, die Gerichte für bestimmte Verletzungen zugesprochen haben.

Als Beispiel finden Sie hier eine Schmerzensgeldtabelle zum Schleudertrauma (HWS):

 

Schaden

Schmerzens­geld

Urteil

HWS,

fünf ambulante Behandlungen,

eine Woche erwerbs­unfähig,

keine Folgeschäden

200 Euro

LG Aachen, 2004

leichtes bis mittel­schweres HWS,

vier Tage erwerbsunfähig,

keine Folgeschäden

500 Euro

OLG Koblenz, 2014

HWS, ISG-Blockade, Störung Lendenwirbelsäule, starke Schmerzen,

anhaltende ambulante Therapie,

6 Wochen erwerbsunfähig

2.000 Euro

AG München, 2013

mittelschwere HWS, zahlreiche Brüche,

12 Tage stationäre Behandlung,

2 Monate Reha,

Narbe von 16 cm, Depression, Bewegungsbeeinträch­tigung,

grob fahrlässiges Verhalten des Schädigers, verzögerte Schadensregulierung

35.000 Euro

OLG Saarbrücken, 2015

schwerstes HWS, anhaltendes Wachkoma mit künstlicher Ernährung, dauerhafte Unterbringung im Pflegeheim,

Schädiger grob fahrlässig und alkoholisiert

500.000 Euro

OLG Oldenburg, 2014

 

Die Verwendung von Schmerzensgeldtabellen bzw. Vergleichsfällen könnte allerdings ebenfalls problematisch sein. Dies hat folgende Gründe:

  • Einzigartigkeit der Fälle: Kein Schadensfall gleicht dem anderen, weshalb ein direkter Vergleich grundsätzlich unmöglich ist.
  • Außergerichtliche Einigungen: Die meisten Schmerzensgeldtabellen führen Ergebnisse außergerichtlicher Einigungen nicht auf, welche zumeist zu deutlich höheren Schmerzensgeldern führen.
  • Inflation: Die Urteile sind nicht inflationsbereinigt. Zudem besteht inzwischen eine Tendenz zu höheren Schmerzensgeldsummen – insbesondere bei psychischen Schäden.
  • Darstellungsfehler: Weder Urteile noch Akten bilden alle Kriterien ab, welche ein Richter zur Berechnung von Schmerzensgeld verwendet – wie z.B. das Verhalten des Schädigers im Gerichtsprozess.
  • Fehlende rechtliche Bindung: Richter sind nicht an Vergleichsfälle gebunden. Laut § 287 Zivilprozessordnung (ZPO) sind sie frei in der Beurteilung einer angemessenen Summe.

 

5. Anwalt konsultieren

Auch wenn der Rückgriff auf eine Schmerzensgeldtabelle sicherer ist als die Berechnung mit einem Schmerzensgeld-Rechner, kann die Hinzuziehung eines Anwalts hilfreich sein.

Dieser kann nicht nur die rechtssichere Bestimmung eines angemessenen Schmerzensgelds übernehmen, sondern auch Ihren Anspruch auf Grundlage einer zweifelsfreien Dokumentation bei der Gegenseite oder vor Gericht durchsetzen.

So kann ein Anwalt im Rahmen einer Einforderung von Schmerzensgeld u. a. folgende Aufgaben übernehmen:

  • Absicherung einer lückenlosen Dokumentation
  • Analyse des Anspruchs auf Schmerzensgeld und weiterer Entschädigungsansprüche
  • Recherche und Ermittlung einer angemessenen Schmerzensgeldsumme
  • Außergerichtliche Vertretung gegenüber Schädiger und dessen Versicherung
  • Gerichtliche Vertretung im Schmerzensgeldprozess

 

Das können Sie tun, um Ihren Anspruch zu sichern

Damit Sie durch einen Schmerzensgeld-Rechner oder die Bestimmung eines unangemessenen Schmerzensgeldes Ihren Anspruch nicht verlieren, können Sie Folgendes tun:

  1. Machen Sie sich Notizen zum Schadensereignis und halten Sie alle Zeugen namentlich fest.
  2. Beschreiben Sie Ihre immateriellen Schäden (Verletzungen usw.) und deren Auswirkungen. Auch hier sind Zeugen hilfreich.
  3. Konsultieren Sie einen Arzt Ihres Vertrauens und lassen Sie die Schäden medizinisch begutachten.
  4. Sammeln Sie alle Rechnungen und Belege zu Ihren Schäden (Behandlungskosten, Kosten für Medikamente, Arztberichte usw.).
  5. Lassen Sie sich von einem Anwalt zur Bestimmung eines angemessenen Schmerzensgeldes beraten.

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Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Ratgeberartikel, den unsere juristische Redaktion mit größtmöglicher Sorgfalt verfasst hat. Der Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und unsere Redakteure sind keine Rechtsanwälte. Selbstverständlich ersetzen die Informationen aus diesem Artikel keine Rechtsberatung im Einzelfall. Jeder individuelle Fall muss vorher durch einen Rechtsanwalt geprüft werden, um eine fundierte Handlungsempfehlung erteilen zu können.
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