Wie hoch ist der Pflichtteil?

 

 

Auf eine Enterbung folgt zwangsläufig die Frage: „Wie hoch ist der Pflichtteil?“. Denn als enger Verwandter können Sie unter Umständen trotzdem eine Mindestbeteiligung am Erbe fordern. Dieser Artikel beantwortet Ihnen die Fragen, wie hoch der Pflichtteil in den unterschiedlichen Familienkonstellationen ist und wie sich dieser berechnen lässt. 

Wie hoch ist der Pflichtteil?

 

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In diesem Beitrag erfahren Sie, wie man den Pflichtteil berechnet und welche Faktoren für die Berechnung des Pflichtteils wichtig sind.

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Inhaltsverzeichnis

1. Wer erhält den Pflichtteil?
  1.1 Pflichtteilsberechtigung
  1.2 Anspruchsberechtigung
  1.3 Verjährung des Pflichtteils
2. Wie hoch ist der Pflichtteil?
  2.1 Pflichtteilsquote
  2.2 Nachlasswert
    2.2.1 Berechnung des Nachlasswertes
    2.2.2 Was wird abgezogen und was nicht?
    2.2.3 Grundstücke & Immobilien
  2.3 Pflichtteilsrechner
  2.4 Berechnungsbeispiele bei Kindern
    2.4.1 Wie hoch ist der Pflichtteil bei einem Kind?
    2.4.2 Wie hoch ist der Pflichtteil bei zwei Kindern?
    2.4.3 Wie hoch ist der Pflichtteil bei drei Kindern?
  2.5 Berechnungsbeispiele bei noch lebenden Ehepartnern
    2.5.1 Wie hoch ist der Pflichtteil bei Zugewinngemeinschaft?
    2.5.2 Wie hoch ist der Pflichtteil bei Gütergemeinschaft?
    2.5.3 Wie hoch ist der Pflichtteil bei Gütertrennung?
3. Pflichtteilsergänzungsanspruch bei Schenkungen zu Lebzeiten
4. Einforderung & Einklagung des Pflichtteils
5. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

 

1. Wer erhält den Pflichtteil?

Der Pflichtteil ist eine gesetzlich geregelte Mindestbeteiligung am Nachlass eines Erblassers. Dieser steht sowohl enterbten als auch nicht ausreichend bedachten Verwandten zu. Sofern das zugesprochene Erbe geringer ausfällt als der gesetzliche Pflichtteil, können pflichtteilsberechtigte Verwandte den Pflichtteil einfordern.

Neben der Enterbung bzw. dem zu geringen Erbteil gibt es noch weitere Voraussetzungen, um den Pflichtteil einfordern zu können. Welche das im Detail sind, lesen Sie im Folgenden.

 

1.1 Pflichtteilsberechtigung

Um einen Anspruch auf den Pflichtteil zu haben, müssen Sie zunächst zum Kreise der Pflichtteilsberechtigten gehören. Darunter zählen:

  • alle Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel und Urenkel) – ehelich, außerehelich, mit Legitimierung und adoptiert,
  • der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner des Erblassers nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz,
  • die Eltern des Erblassers.

Nicht beim Pflichtteil berücksichtigt werden Geschwister, Großeltern, Onkel, Tanten, Nichten und Neffen – kurz gesagt: alle entfernteren Verwandten des Erblassers.

Jedoch haben nicht alle Pflichtteilsberechtigten einen gültigen Anspruch auf den Pflichtteil. Dieser ergibt sich unter anderem durch eine Art „Rangfolge“ der Pflichtteilsberechtigen. Näheres dazu finden Sie im nächsten Abschnitt.

 

1.2 Anspruchsberechtigung

  • Kinder sind grundsätzlich anspruchsberechtigt. Egal, ob sie ehelich, außerehelich, mit Legitimierung oder adoptiert sind.
  • Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner haben neben den Kindern ebenfalls immer einen Anspruch auf den Pflichtteil.
  • Enkel und Urenkel haben nur einen eingeschränkten Anspruch. Dieser gilt, sofern die Kinder des Erblassers (also die Eltern des Enkels) bereits verstorben sind.
  • Eltern haben ebenfalls lediglich einen eingeschränkten Anspruch. Sie sind nur dann pflichtteilsberechtigt, wenn der Verstorbene keine Kinder und keinen Ehe- oder Lebenspartner mehr hat.

Weitergehend entfällt Ihr Anspruch auf den Pflichtteil, wenn

  • Sie das Erbe rechtskräftig ausgeschlagen haben – dies gilt allerdings nicht, wenn Sie lediglich ein Vermächtnis ausgeschlagen haben;
  • ein Erb- oder Pflichtteilsverzicht vereinbart wurde;
  • Ihre Eltern (als Kinder des Erblassers) das Erbe ausgeschlagen haben;
  • es einen vorzeitigen Erbausgleich gab;
  • Sie zwar berechtigt sind, es aber einen Pflichtteilsentzug gab – beispielsweise, weil Sie sich schuldhaft gegenüber dem Erblasser verhalten haben.

Als letzte Voraussetzung darf der Pflichtteil noch nicht verjährt sein. Nähere Informationen zur Verjährung des Pflichtteils finden Sie im nächsten Abschnitt.

 

1.3 Verjährung des Pflichtteils

Der Pflichtteilsanspruch hat nur eine begrenzte Gültigkeit – er unterliegt der regelmäßigen Verjährungspflicht von drei Jahren (§ 195, 199 BGB). Der Fristbeginn ist dabei das Ende des Jahres, in dem der Erblasser verstorben ist. Sofern Sie jedoch erst später vom Erbfall erfahren, gilt die Drei-Jahres-Frist ab Ende des Jahres, in dem Sie vom Erbfall Kenntnis genommen haben. Spätestens 30 Jahre nach dem Tod des Erblassers können Sie keinerlei erbrechtlichen Ansprüche mehr geltend machen.

Ob Ihr Anspruch bereits verjährt oder noch gültig ist, finden Sie ganz einfach mit unserem Verjährungsrechner heraus:

Pflichtteilrechner - Verjährung
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Warum ist diese Angabe wichtig?

Neben der regulären Verjährungsfrist ist auch eine maximale Frist von 30 Jahren ab Todeszeitpunkt des Erblassers zu berücksichtigen.

 

Um den korrekten Anteil einzufordern, stellt sich den Berechtigten dabei als nächstes die Frage: Wie hoch ist der Pflichtteil dabei konkret? Wie Sie die Höhe Ihres Pflichtteils berechnen, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

 

2. Wie hoch ist der Pflichtteil?

Die konkrete Höhe des Pflichtteils ist grundsätzlich von zwei Faktoren abhängig:

  • der Pflichtteilsquote und
  • dem Nachlasswert.

Was das genau ist und wie sie zusammenhängen, erfahren Sie im Folgenden.

 

2.1 Pflichtteilsquote

Grundsätzlich berechnet sich die Pflichtteilsquote aus der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Der gesetzliche Erbteil ist dabei der Anteil am Nachlass, den ein Familienangehöriger nach der gesetzlichen Erbfolge bekommt. Diese ist abhängig von der individuellen Familienkonstellation und dem Güterstand des Erblassers – sofern er verheiratet oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft war.

Dabei regelt die gesetzliche Erbfolge, welchen Familienangehörigen wie viel vom Nachlass zusteht. Sie unterteilt alle potentiellen Erben in unterschiedlichen „Ordnungen“, wodurch ihre Rangfolge in Bezug auf das Erbe festgelegt wird.

 

Ordnungen in der gesetzlichen Erbfolge

Sie benötigen eine fachkundige Beratung? Hier bieten wir Ihnen die Möglichkeit einer kostenfreien Ersteinschätzung durch unseren Anwalt für Erbrecht.

 

Wer in welcher Familienkonstellation einen gültigen Anspruch hat und wie hoch die Pflichtteilsquote ist, können Sie weiter unten mit unserem Pflichtteilsrechner herausfinden.

Was alles zum Wert des Nachlasses zählt und was bei der Berechnung beachtet werden muss, erfahren Sie im Folgenden.

 

2.2 Nachlasswert

Erfahren Pflichtteilsberechtigte z. B. bei der Testamentseröffnung von ihrer Enterbung und fordern ihren Anteil am Erbe, muss zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht und der Nachlasswert ermittelt werden. Für die Bewertung der Nachlassgegenstände ist dabei der Todeszeitpunkt von Bedeutung. Besonders relevant ist dies bei Aktien oder Grundstücken, die an Wert gewinnen oder verlieren können.

Der Nachlasswert berücksichtigt dabei alle Aktiva, Passiva, Schenkungen und Verträge des Erblassers. Im Zuge einer Bestandsaufnahme müssen diese aufgelistet und deren Wert ermittelt werden. Sollten sich die Erben weigern, solch ein Nachlassinventar aufzustellen, kann der Pflichtteilsberechtigte seinen Anspruch darauf gerichtlich durchsetzen. Ebenfalls kann er die Aufstellung des Nachlassverzeichnisses durch einen Notar verlangen, wenn er Zweifel an der Vollständigkeit des Verzeichnisses hat. Außerdem kann er einzelne Gegenstände durch einen Gutachter schätzen lassen und somit alle Bedenken an der Korrektheit der Wertangaben beseitigen. Ist der Umfang des Nachlasses bekannt, kann anschließend der genaue Nachlasswert berechnet werden.

 

2.2.1 Berechnung des Nachlasswertes

Die Berechnung des Nachlasswertes geschieht in zwei Schritten. Zunächst werden alle Vermögensgegenstände aufgelistet und bewertet – der sogenannte Aktivnachlass. Darunter zählen beispielsweise:

  • Immobilien – beispielsweise Haus oder Grundstück, aber auch Miteigentumsanteile,
  • Bankguthaben wie Konten oder Aktien,
  • Unternehmen oder Unternehmensbeteiligungen,
  • Bargeld, persönlicher Besitz und Wertgegenstände.

Vom Aktivnachlass wird anschließend der Passivnachlass abgezogen. Dieser beläuft sich auf alle Verbindlichkeiten und Schulden des Erblassers. Die Differenz aus Aktiv- und Passivnachlass ergibt anschließend den Nettonachlass – die Erbmasse, die der Berechnung des Pflichtteils zugrunde liegt.

 

2.2.2 Was wird abgezogen und was nicht?

Die Passiva, die vom Gesamtvermögen abgezogen werden können, sind:

  • die Erblasserschulden – beispielsweise offene Rechnungen oder Steuerschulden des Erblassers,
  • die Erbfallschulden – beispielsweise die Kosten für die Beerdigung oder das Erstellen eines Nachlassverzeichnisses,
  • der Zugewinn des Ehegatten (siehe 2.5.1 Zugewinngemeinschaft),
  • das „Voraus“ des Ehepartners – persönliche Haushaltsgegenstände wie beispielsweise Möbel oder Hochzeitsgeschenke.

Im Todesfall kommen außerdem einige Kosten auf den Erben zu, die er nicht vom Nachlasswert abziehen kann. Dazu zählen:

  • Vermächtnisse,
  • Belastungen durch Auflagen,
  • der „Dreißigste“ – der Erbe muss Familienangehörigen, die Unterhalt vom Erblasser bezogen haben, den ersten 30 Tagen nach dem Todesfall ebenfalls Unterhalt gewähren,
  • die Erbschaftssteuer von Erb- und Pflichtteilsbegünstigen – dies gilt allerdings nicht für etwaige Steuerschulden des Erblassers.

Hat ein Erblasser zum Zeitpunkt seines Ablebens mehr Schulden als Aktivvermögen, können Erben die Erbschaft ausschlagen. Dies macht besonders dann Sinn, wenn sie sich nicht zusätzlich belasten wollen. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserem Beitrag „Erbschaft ausschlagen“.

 

2.2.3 Grundstücke und Immobilien

Häufig besitzen Erblasser Grundstücke oder Immobilien. Auch diese werden als Vermögensgegenstände bei der Berechnung des Nachlasswertes berücksichtigt. Um den Wert einer Immobilie zu berechnen, sind unterschiedliche Verfahren üblich:

  • das Vergleichswertverfahren – üblich bei Einfamilienhäusern und Wohnungen,
  • das Ertragswertverfahren – beispielsweise bei Gewerbeimmobilien,
  • das Sachwertverfahren – wenn es keine Vergleichswerte oder Ertragsberechnungen gibt,
  • die Berücksichtigung örtlicher Bodenrichtwerte bei unbebauten Grundstücken.

Wenn eine Immobilie zum Nachlass gehört, kann der Erbe dadurch jedoch zusätzlich belastet werden. Hat er beispielsweise nicht genügend Geldmittel, um den Pflichtteil auszuzahlen, so muss er eventuell Haus oder Wohnung verkaufen, damit er den Pflichtteilsansprüchen gerecht wird. Ärgerlich ist dies besonders, wenn das geliebte Eigenheim an den verbliebenen Ehepartner vermacht wird und die enterbten Kinder den Pflichtteil einfordern.

Grundsätzlich ist bei der Vererbung oder Verschenkung von Immobilien und Grundstücken einiges zu beachten. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserem Beitrag „Immobilien vererben – Immobilien verschenken“.

Ebenfalls einen Einfluss auf den Nachlasswert haben Schenkungen, die der Erblasser bereits zu Lebzeiten getätigt hat. So kann der Pflichtteilsberechtigte in einigen Fällen einen Pflichtteilsergänzungsanspruch haben. Wann dies der Fall ist, erfahren Sie weiter unten bei „3. Pflichtteilergänzungsanspruch bei Schenkungen zu Lebzeiten“.

 

2.3 Pflichtteilsrechner

Bei der Berechnung des Pflichtteils sind folglich verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Unser Pflichtteilsrechner kann Ihnen dabei helfen, den eigenen Pflichtteilsanspruch oder den von anderen Personen zu berechnen.

Pflichtteilsrechner:

Pflichtteilsrechner – Berechnung des Pflichtteils

 

2.4 Berechnungsbeispiele bei Kindern

Wichtig vorab:

  • Sofern noch Kinder des Erblassers leben, haben die Eltern, Enkel und Urenkel des Erblassers keinen Pflichtteilsanspruch. Deswegen wird in den folgenden Beispielen nicht weiter auf diese Punkte eingegangen.
  • In den Berechnungsbeispielen für Kinder werden aus Vereinfachungsgründen keine Ehe- oder Lebenspartner berücksichtigt. Berechnungsbeispiele dazu folgen anschließend.

Allgemeine Beeinflussungsgrößen der Höhe des Pflichtteilsanspruchs für Kinder sind:

  • der Nachlasswert,
  • der Güterstand der Eltern (folgt im nächsten Abschnitt) und
  • die Anzahl der Kinder des Erblassers.

Im folgenden Teil wird nun die Frage „Wie hoch ist der Pflichtteil für Kinder?“ anhand von Praxisbeispielen beantwortet.

 

2.4.1 Wie hoch ist der Pflichtteil bei einem Kind?

Beispiel: Der Erblasser

  • ist nicht verheiratet oder verpartnert,
  • hat ein Kind und
  • besitzt einen Nachlasswert von 500.000 €.

Sein Kind ist nach der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbe. Demnach steht dem Kind ein Anteil von 100 % zu, woraus sich eine Pflichtteilsquote von 50 % ergibt. Das Kind hat einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von 250.000 €.

 

2.4.2 Wie hoch ist der Pflichtteil bei zwei Kindern?

Beispiel: Der Erblasser

  • ist nicht verheiratet oder verpartnert,
  • hat zwei Kinder und
  • besitzt einen Nachlasswert von 500.000 €.

Die gesetzliche Erbquote verteilt das Vermögen zu gleichen Teilen unter den Kindern. Folglich steht den Kindern jeweils ein Anteil von 50 % zu. Daraus ergibt sich eine Pflichtteilsquote von 25 % und ein Pflichtteilsanspruch in Höhe von 125.000 €.

 

2.4.3 Wie hoch ist der Pflichtteil bei drei Kindern?

Beispiel: Der Erblasser

  • ist nicht verheiratet oder verpartnert,
  • hat drei Kinder und
  • besitzt einen Nachlasswert von 500.000 €.

Die gesetzliche Erbquote der Kinder beläuft sich auf je 1/3 des Nachlasswertes. Daraus ergibt sich eine Pflichtteilsquote von 1/6 und ein Pflichtteilsanspruch von ca. 83.333 €.

 

2.5 Berechnungsbeispiele bei noch lebenden Ehepartnern

Der Pflichtteilsanspruch von Ehe- und Lebenspartner beeinflusst die Pflichtteilsquoten aller anderen Angehörigen maßgeblich, da diese eine Sonderstellung haben. Besondere Auswirkungen hat dabei der gewählte gesetzliche Güterstand. Der Güterstand regelt, wem das während der Partnerschaft eingebrachte und erworbene Vermögen gehört, wer es verwaltet und wer für Schulden haftet.

Prinzipiell gibt es in Deutschland drei Güterstände:

  • die Zugewinngemeinschaft,
  • die Gütergemeinschaft und
  • die Gütertrennung.

Dabei ist der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft der Regelfall und gilt automatisch, solange es keinen Ehe- bzw. Lebenspartnerschaftsvertrag gibt, in dem etwas anderes festgelegt wurde.

Wie hoch der Pflichtteil bei den verschiedenen Güterständen ist, lesen Sie im Folgenden.

 

2.5.1 Wie hoch ist der Pflichtteil bei Zugewinngemeinschaft?

Die Pflichtteilsquote für Ehe- & Lebenspartner in Zugewinngemeinschaft beläuft sich auf

  • 12,5 %, wenn Kinder vorhanden sind;
  • 25 %, wenn keine Kinder vorhanden sind, dafür aber Eltern, Geschwister, Nichten/Neffen oder Großnichten/-neffen des Erblassers;
  • 25–43,75 %, wenn nur noch Großeltern des Erblassers leben (je nach Anzahl);
  • 50 %, wenn keine der aufgeführten Verwandten mehr leben.

Der Umfang des Nachlasses in einer Zugewinngemeinschaft hängt dabei von dem Zugewinn ab. Dies ist der Betrag, der in einer Ehe erwirtschaftet wurde und beim Ende der Zugewinngemeinschaft unter den Ehegatten aufgeteilt wird. Wie sich dieser genau berechnen lässt, lesen Sie in unserem Artikel Zugewinnausgleich Erbe.

Kommt es zu einer Enterbung, so kann der enterbte Ehepartner neben dem Pflichtteil seinen Zugewinnausgleich verlangen. Da es sich bei diesem um eine Nachlassverbindlichkeit handelt, wird sie vor der Berechnung der Erbmasse abgezogen – die Pflichtteilsquote bezieht sich folglich auf den Nachlass abzüglich des Zugewinns.

Wurde ein Ehe- oder Lebenspartner nicht enterbt, kann es sich für ihn in einigen Fällen lohnen, dennoch den Pflichtteil einzufordern. Wann dies der Fall ist, erfahren Sie in unserem Artikel „Großer Pflichtteil & kleiner Pflichtteil“.

 

2.5.2 Wie hoch ist der Pflichtteil bei Gütergemeinschaft?

Die Pflichtteilsquote für Ehe- & Lebenspartner in Gütergemeinschaft beläuft sich auf

  • 12,5 %, wenn Kinder vorhanden sind;
  • 25 %, wenn keine Kinder vorhanden sind, dafür aber Eltern, Geschwister, Nichten/Neffen oder Großnichten/-neffen des Erblassers;
  • 25–43,75 %, wenn nur noch Großeltern des Erblassers leben (je nach Anzahl);
  • 50 %, wenn keine der aufgeführten Verwandten mehr leben.

Die Pflichtteilsquote bei der Gütergemeinschaft ist folglich genauso hoch wie bei der Zugewinngemeinschaft. Im Gegensatz zur Zugewinngemeinschaft ist das Vermögen der Ehepartner jedoch gemeinschaftliches Vermögen. Kommt es zum Todesfall, wird das Vermögen halbiert: Die eine Hälfte steht dem verbliebenen Ehepartner zu, die andere Hälfte geht in den Nachlass. Wurde ein Ehepartner enterbt, steht ihm neben der eigenen Hälfte am gemeinschaftlichen Vermögen noch der Pflichtteil auf den Nachlass zu.

 

Beispiel: Der Erblasser

  • lebt in einer Gütergemeinschaft,
  • hat zwei Kinder und
  • hat ein gemeinschaftliches Vermögen von 400.000 €

Enterbt der Ehepartner seine Frau, steht ihr zunächst die Hälfte des gemeinschaftlichen Vermögens zu – also 200.000 €. Außerdem hat sie einen Pflichtteilsanspruch auf den Nachlass des Mannes. Ihre Pflichtteilsquote beläuft sich dabei auf 12,5 %, was in diesem Fall einen Pflichtteilsanspruch von 25.000 € ergibt. Sie bekommt also insgesamt 225.000 €.

 

2.5.3 Wie hoch ist der Pflichtteil bei Gütertrennung?

Die Pflichtteilsquote für Ehe- & Lebenspartner bei Gütertrennung beläuft sich auf

  • 25 %, wenn ein Kind vorhanden ist;
  • 16,66 %, wenn zwei Kinder vorhanden sind;
  • 5 %, wenn drei oder mehr Kinder vorhanden sind;
  • 25%, wenn keine Kinder vorhanden sind, dafür aber Eltern, Geschwister, Nichten/Neffen oder Großnichten/-neffen des Erblassers;
  • 25–43,75 %, wenn nur noch Großeltern des Erblassers leben (je nach Anzahl);
  • 50%, wenn keine der aufgeführten Verwandten leben.

Im Gegensatz zur Zugewinn- und Gütergemeinschaft ist bei einer Gütertrennung jeder Ehegatte alleiniger Besitzer seines Vermögens – in Bezug auf das Vermögen stehen sich die Ehepartner wie Fremde gegenüber. Kommt es zum Erbfall, findet folglich auch kein Vermögensausgleich statt und das Vermögen des Ehepartners fällt in den Nachlass.

 

Beispiel: Der Erblasser

  • lebt in einer Gütertrennung,
  • hat drei Kinder und
  • hat ein Vermögen von 400.000 €.

Enterbt er seine Frau, besitzt diese immer noch ihr alleiniges Vermögen. Zusätzlich steht ihr die Pflichtteilsquote in Höhe von 16,66 % am Nachlass ihres Mannes zu. Ihr Pflichtteilsanspruch beträgt folglich 66.640 €.

 

3. Pflichtteilsergänzungsanspruch bei Schenkungen zu Lebzeiten

Einige Erblasser wollen den Pflichtteil umgehen, indem sie ihr Vermögen bereits zu Lebzeiten verschenken. Allerdings wirkt dem der Pflichtteilsergänzungsanspruch entgegen – ein Ausgleichsanspruch, der den Wert der Schenkungen berücksichtigt.

Die Berechnung des Pflichtteilsergänzungsanspruchs unterliegt dabei dem Abschmelzungsmodell – je länger die Zuwendung her ist, desto kleiner fällt der einzurechnende Anteil aus. Liegt die Schenkung länger als zehn Jahre nach Tod des Erblassers zurück, wird sie nicht mehr angerechnet.

 

Abschmelzungsmodell Pflichtteilsergänzungsanspruch bei Schenkungen

Sie haben Fragen zum Pflichtteil? Hier bieten wir Ihnen die Möglichkeit einer kostenfreien Ersteinschätzung durch unseren Anwalt für Erbrecht.

 

Nicht berücksichtigt werden sogenannte Anstandsschenkungen – wie beispielsweise Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke.

Ausführlichere Informationen finden Sie in unserem Beitrag zum „Pflichtteilsergänzungsanspruch“.

 

4. Einforderung und Einklagung des Pflichtteils

Wenn Sie wissen, wie hoch Ihr Pflichtteil ist, so können Sie diesen beim Erben einfordern. Dafür ist es oftmals empfehlenswert, zunächst das persönliche Gespräch zu suchen. Weigert sich der Erbe, der mündlichen Aufforderung nachzukommen, sollte der Pflichtteil schriftlich eingefordert werden. Wie Sie Ihren Pflichtteilsanspruch am besten geltend machen, was für Kosten auf Sie zukommen können und welche Vorgehensweise dabei üblich ist, lesen sie in unseren Artikeln Pflichtteil einfordern und Pflichtteilsanspruch geltend machen.

Sollten sich die Erben weigern, Ihnen Auskunft zu geben oder den Pflichtteil auszuzahlen, können Sie den Pflichtteil einklagen. Was sie beim Einklagen des Pflichtteils beachten müssen und wie Sie dabei vorgehen können, erfahren Sie in unserem Artikel „Pflichtteil einklagen“.

 

5. Tipp: kostenlose Einschätzung im Erbrecht

Bei der Berechnung, wie hoch der Pflichtteil und eventuelle Pflichtteilsergänzungsansprüche sind, spielen viele Faktoren eine Rolle. So hängt der Pflichtteil stets von der individuellen Familiensituation und dem Nachlasswert ab. Unser Anwalt für Erbrecht beantwortet Ihnen in einer kostenfreien Ersteinschätzung gerne alle wichtigen Fragen zum Pflichtteil.

 

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