Geld verliehen ohne Beweis? So bekommen Sie trotzdem Ihr Geld
Geld verliehen ohne Beweis? So bekommen Sie trotzdem Ihr Geld
Julia Pillokat
Julia Pillokat
Aktualisiert am

... Zahlungsverzug Geld verliehen ohne Beweis
Inhalt
  1. 1. Geld verliehen ohne Vertrag – was nun?
  2. 2. Geld verliehen ohne Beweis – wie bekomme ich es zurück?
  3. 3. Welchen Anwalt zum Schulden eintreiben?
  4. 4. FAQ: Geld verliehen ohne Beweis
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Geld verliehen ohne Beweis? So bekommen Sie trotzdem Ihr Geld

Geld verliehen ohne Beweis? So bekommen Sie trotzdem Ihr Geld

Wenn Freunde Geldsorgen haben, passiert es schnell, dass man Geld ohne Beweis verleiht. Auch eine mündliche Absprache zählt als Vertrag – und Beweise sind z. B. auch Chatnachrichten und Zeugenaussagen. Selbst wenn man gar keinen Beweis hat, gibt es noch Optionen, das Geld zurückzubekommen. Ein Anwalt weiß, was zu tun ist.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Ohne einen schriftlichen Vertrag als Beweis ist es schwerer, verliehenes Geld zurückzubekommen – aber möglich.
  • Beweise sind auch Absprachen per WhatsApp, SMS, E-Mail oder Bestätigung durch Zeugen.
  • Ohne Beweis gilt das verliehene Geld rechtlich als Schenkung – die kann man nur in Ausnahmefällen zurückfordern.
  • Ein Anwalt kann die Beweise in Ihrem Fall prüfen und einschätzen, wie Sie das Geld zurückbekommen könn.

1. Geld verliehen ohne Vertrag – was nun?

Ein Freund brauchte Ihre Hilfe und Sie haben direkt reagiert und Geld verliehen?

Das Gute: Auch eine mündliche Absprache unter Freunden ist ein Vertrag. Deshalb gibt es auch ohne schriftlichen Darlehensvertrag Optionen, mit denen Sie Ihr Geld zurückbekommen.

Wann kann ich ohne Vertrag mein Geld zurückfordern?

Haben Sie Geld verliehen ohne Beweis wie einen schriftlichen Vertrag, brauchen Sie vor allem eines: Einen anderen schriftlichen Beleg dafür, dass Sie das Geld verliehen haben.

4 Optionen, um Ihren Anspruch auf Rückzahlung zu beweisen, wenn Sie Geld ohne Beweis verliehen haben:

  1. Nachrichten prüfen: Haben Sie z. B. WhatsApp Nachrichten, SMS, E-Mails, Zeugen oder Überweisungsbelege, die beweisen, dass Ihr Freund das Geld zurückzahlen sollte?
  2. Offene Forderung auflisten: Erstellen Sie eine Übersicht aller noch ausstehenden Beträge. Wenn Ihr Freund diese Liste unterschreibt, haben Sie einen Beweis für die offene Forderung.
  3. Überhöhte Forderung stellen: Sie können Ihrem Freund eine Zahlungsaufforderung schicken und darin eine andere, höhere Geldsumme von ihm zurückverlangen. Reagiert er darauf und korrigiert die Summe, haben Sie einen Nachweis für Ihre Forderung.
  4. Schuldanerkenntnis vorlegen: Sie können Ihrem Freund einen Schuldschein vorlegen. Unterschreibt er, bestätigt er, dass er Ihnen Geld schuldet.

Die Herausforderung: Wenn Sie Geld verliehen haben ohne einen solchen Beweis, lässt sich das private Darlehen nur schwer nachweisen. Dann kann Ihr Freund immer sagen: Es war eine Schenkung. Und geschenkt ist geschenkt.

Hinweis
Privates Darlehen vs. Schenkung

Ein privates Darlehen ist ein Vertrag, mit dem man Geld zum vorübergehenden Gebrauch zur Verfügung stellt. Vorübergehend heißt: Das Geld muss nach Ablauf einer vereinbarten Frist zurückgezahlt werden.

Eine Schenkung ist eine freiwillige Zuwendung zu Gunsten der beschenkten Person. Eine Schenkung ist also ein Vertrag, der nur für eine Partei Verpflichtungen bedeutet. Eine Schenkung kann man in der Regel nicht zurückfordern.

Auch wenn das verliehene Geld ohne Beweise eine reine Schenkung ist, hat man immer noch eine Chance, die privaten Schulden ohne Vertrag einzufordern: Wenn Ihr Freund keinen Grund für die Zahlung bzw. Schenkung nachweisen kann, dann ist das verliehene Geld aus juristischer Sicht eine Zahlung ohne Rechtsgrund – ein sogenannter Anspruch aus ungerechtfertigter Bereicherung. Und damit kann man das verliehene Geld gemäß § 812 BGB zurückfordern.

Ausnahmeregelungen bei Schenkungen prüfen

In 3 Fällen kann man auch eine Schenkung zurückfordern: 

  1. Die Schenkung ist an Bedingungen gebunden, die nicht erfüllt wurden (§ 527 BGB)
  2. Grober Undank des Beschenkten durch schwere Beleidigung, körperliche Angriffe etc. (§ 530 BGB)
  3. Der Schenkende ist verarmt und kann ohne das Geld aus der Schenkung seinen Lebensunterhalt nicht zahlen (§ 528 BGB)

 

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2. Geld verliehen ohne Beweis – wie bekomme ich es zurück?

Da man einen Vertrag auch mündlich schließen kann, haben Sie immer die Chance, Ihr verliehenes Geld auch ohne Beweis zurückzubekommen.

Private Schulden einfordern ohne Vertrag: So geht´s in 4 Schritten 

  1. Freund kontaktieren: Rufen Sie Ihren Freund an und fragen, warum er Ihnen das Geld nicht zurückzahlt. Ein Gespräch bietet die Chance, eine Einigung zu finden – z. B. durch Ratenzahlung. Setzen Sie mit der Zahlungserinnerung eine neue Frist für die Rückzahlung des verliehenen Geldes.
  2. Anspruch auf das Geld nachweisen: Ohne Vertrag können Sie andere Belege dafür suchen, dass Ihnen das verliehene Geld zusteht. Gibt es wirklich keinen Beweis, kann die Unterstützung eines Anwalts helfen, um andere Optionen zu prüfen, wie Sie das Geld zurückbekommen.
  3. Mahnung schicken: Verweigert Ihr Freund die Zahlung, können Sie eine Mahnung schreiben. Sie können einfach einen Musterbrief nutzen, um das Geld privat einzufordern.
  4. Mahnverfahren einleiten: Haben Sie einen nachweisbaren Anspruch auf die Rückzahlung, können Sie einen Mahnbescheid privat gegen privat beantragen. Damit leiten Sie ein gerichtliches Mahnverfahren ein. Bei Erfolg erhalten Sie einen gerichtlichen Titel, um Ihre offene Forderung eintreiben zu können.

Wenn Sie Geld verliehen haben ganz ohne Beweis, ist es schwierig, die privaten Schulden einzufordern – aber nicht unmöglich. Ein Anwalt für Inkassorecht und Forderungseinzug kennt die Rechtslage und kann prüfen, ob es in Ihrem Fall auch ohne Beweis eine Möglichkeit gibt, das Geld zurückzubekommen.

Der Anwalt kann Sie auch dabei unterstützen, das gerichtliche Mahnverfahren in die Wege zu leiten und Sie vor Gericht vertreten.

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Wie lange kann man private Schulden einfordern?

Sie können private Schulden – ob mit oder ohne Vertrag – innerhalb von 3 Jahren einfordern. Das ist die gesetzliche Verjährungsfrist. Sie beginnt am Ende des Jahres, in dem das privat verliehene Geld zurückgezahlt werden sollte. Wenn die 3 Jahre vergangen sind, haben Sie keine Chance mehr, Ihr Geld einzufordern.

Beispiel Verjährungsfrist:

Sie haben einem Freund im August 2023 8.000 Euro geliehen und mündlich vereinbart, dass Sie das Geld bis Ende April 2024 zurückbekommen. Die Verjährungsfrist beginnt dann am 31.12.2024 und endet am 31.12.2027.

3. Welchen Anwalt zum Schulden eintreiben?

Wenn Sie Geld ohne Beweis verliehen haben und es zurückfordern möchten, kann Ihnen ein Anwalt für Inkassorecht & Forderungseinzug helfen. Der Anwalt kann von der Mahnung über Vertretung vor Gericht im Mahnverfahren bis zur Zwangsvollstreckung alle rechtlichen Schritte gehen, um Ihr Geld einzufordern.

So hilft der Anwalt:

  • Anspruch auf Zahlung rechtssicher nachweisen
  • Anwaltliches Mahnschreiben formulieren
  • Gerichtliches Mahnverfahren einleiten
  • Klage einreichen
  • Zahlungsanspruch vor Gericht beweisen
  • Gerichtlichen Titel zur Zwangsvollstreckung erwirken
  • Vollstreckungsankündigung an Ihren Freund schicken
  • Zwangsvollstreckung einleiten

Plus: Die Anwalts- und Gerichtskosten muss Ihr Freund zahlen, wenn das Gericht Ihren Anspruch auf das verliehene Geld ohne Beweis bestätigt. Sie können dann die Kosten für das Verfahren als Verzugsschaden mit einfordern.

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4. FAQ: Geld verliehen ohne Beweis

Ja, wenn Sie Geld verliehen haben ohne Beweis wie einen schriftlichen Vertrag, gibt es trotzdem Chancen, das Geld zurückzufordern. Sie brauchen nur einen anderen Beweis dafür, dass Sie das Geld vorübergehen verliehen haben – z. B. Chatnachrichten, E-Mails, Zeugenaussagen oder Kontoauszüge.

Eine Anzeige wegen Betrugs oder Unterschlagung kann riskant sein, wenn Sie keinen Beweis für die Anschuldigung haben. Besser ist es, ein gerichtliches Mahnverfahren einzuleiten und das Geld einzufordern.

Um private Schulden einzufordern, können Sie Folgendes tun:

  1. Kontakt zum Schuldner aufnehmen & z. B. Ratenzahlung anbieten
  2. Zahlungserinnerung schicken
  3. Mahnung schicken
  4. Anwalt kontaktieren
  5. Gerichtliche Schritte einleiten
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Julia Pillokat
Über die Autorin
Julia Pillokat

Komplexe Rechtsthemen für Rechtsuchende verständlich aufzubereiten, braucht sprachliches Feingefühl. Als Teil der juristischen Redaktion von advocado gelingt es Julia Pillokat dank Germanistikstudium und ihrer Arbeit als Lektorin, für jedes Anliegen klare Lösungen zu formulieren, die dem Leser weiterhelfen.