Verjährung von Schmerzensgeld: So schützen Sie sich vor Verjährung

Verjährung von Schmerzensgeld: So schützen Sie sich vor Verjährung

 von Franz Gerstenberger (jur. Redaktion)
Verjährung von Schmerzensgeld: So schützen Sie sich vor Verjährung

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Das Wichtigste zur Schmerzensgeld-Verjährung
  2. Besonderheiten bei der Verjährung von Schmerzensgeld
  3. Beispiele & Urteile
  4. So verhindern Sie die Verjährung von Schmerzensgeld

Zusammenfassung

Psychische und physische Schäden nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall, einem Hundebiss oder ärztlichem Behandlungsfehler führen in der Regel zu einem Anspruch auf Schmerzensgeld. Schmerzensgeldansprüche können jedoch verjähren: Mit einer Ausnahme geschieht dies nach 3 Jahren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Anspruch vor Verjährung schützen und welche Handlungsoptionen Sie bei verjährten Ansprüchen haben.

 

Auf einen Blick

  • Ein Anspruch auf Schmerzensgeld verjährt grundsätzlich nach 3 Jahren.
  • Kann der Schädiger nicht ermittelt werden oder hat vorsätzlich gehandelt, verjährt Schmerzensgeld erst nach 30 Jahren.
  • Die Verjährung kann z. B. durch eine laufende Gerichtsverhandlung gehemmt werden.
  • Ein Schuldeingeständnis des Schuldners lässt die Verjährung neu beginnen.
  • Eine Verjährung Ihrer Schmerzensgeldansprüche lässt sich auch durch einen Feststellungsantrag verhindern.
  • Ist ein Anspruch verjährt, lässt sich das Schmerzensgeld nicht mehr durchzusetzen.

 

▶ Ziehen Sie einen spezialisierten Anwalt hinzu, um die Verjährung von Schmerzensgeld zu vermeiden und einen Schmerzensgeldanspruch schnell und unkompliziert durchzusetzen.

In 92 % aller Schmerzensgeldfälle lässt sich mit anwaltlicher Hilfe eine außergerichtliche Einigung erzielen – und ein langwieriger und belastender Prozess vermeiden.

▶ In einem kostenfreien Erstgespräch prüft ein Anwalt für Schmerzensgeldrecht, ob Ihr Anspruch bereits verjährt ist oder wie sich die Verjährung verhindern lässt.

Anschließend erhalten Sie ein Festpreis-Angebot zur Durchsetzung Ihres Schmerzensgeldes. Bis dahin besteht für Sie kein Kostenrisiko. Anliegen schildern und Erstgespräch vereinbaren.

 

1. Das Wichtigste zur Schmerzensgeld-Verjährung

Die Verjährung ist ein wichtiges Element des deutschen Rechtssystems: Sie sorgt dafür, dass Rechtsstreitigkeiten innerhalb eines bestimmten Zeitraumes beigelegt werden.

Auch ein Anspruch auf Schmerzensgeld kann verjähren. Die Verjährungsfrist beträgt dabei in der Regel 3 Jahre und setzt zum Ende des Jahres ein, in dem es zum Schadensfall kam und der Geschädigte Kenntnis von Schädiger und Schäden erhalten hat.

Zur Verjährung von Schmerzensgeld kann es immer kommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Schäden auf einer Straftat, einem Autounfall, (vorsätzlicher) Körperverletzung oder einem Arztfehler beruhen.

 

2. Besonderheiten bei der Verjährung von Schmerzensgeld

Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es folgende 3 Sonderfälle bei der Verjährung von Schmerzensgeld:

  • Verlängerung der Verjährungsfrist
  • Hemmung der Verjährung
  • Neubeginn der Schmerzensgeld-Verjährung

 

Verlängerung der Verjährungsfrist

Schmerzensgeldansprüche, die auf der vorsätzlichen Verletzung des Lebens, des Körpers, der Gesundheit, Freiheit oder sexuellen Selbstbestimmung beruhen, verjähren erst nach 30 Jahren.

Zudem verlängert sich die Verjährung von Schmerzensgeld auf 30 Jahre, wenn der Schädiger unbekannt bleibt oder von der Polizei nicht ermittelt werden konnte. Dies gilt für alle Schmerzensgeldansprüche, unabhängig von der potenziellen Schmerzensgeldhöhe.

 

Hemmung der Verjährung

Liegen bestimmte Gründe vor, kann die Verjährung von Schmerzensgeld um 6 Monate gehemmt – also verlängert – werden.

Diese sogenannten Hemmungsgründe sind:

  • Laufende Gerichtsverhandlungen
  • Klagen durch Sie oder Dritte gegen den Schädiger
  • Beantragte Mahnbescheide gegen den Schädiger
  • Leistungsverweigerungsrecht des Schädigers
  • Schmerzensgeldansprüche, die auf höherer Gewalt beruhen
  • Schmerzensgeldansprüche, die sich gegen Familienmitglieder richten
  • Schmerzensgeldansprüche, die auf Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung beruhen

 

Neubeginn der Schmerzensgeld-Verjährung

Die Verjährungsfrist beginnt von neuem, wenn der Schädiger oder dessen Versicherung mit kleineren Abfindungs- oder Abschlagszahlungen die Schuld eingesteht.

Auch die Verurteilung des Schädigers – also der Nachweis seiner Schuld – lässt die Verjährung von Schmerzensgeld neu beginnen.

 

Mit Mahnbescheid Verjährung aufhalten:

Drohen Ihre Schmerzensgeldansprüche zu verjähren und lassen sich diese auch nicht hemmen, können Sie bis zum 30. Dezember gegen Ihren Schädiger beim Mahngericht einen Mahnbescheid beantragen und Ihre Ansprüche auf Schmerzensgeld so vor Verjährung schützen.

Mahnbescheide, die am 30. Dezember beantragt werden, können am 31. Dezember noch bearbeitet werden. So verfallen Ihre Ansprüche mit dem Eintritt des 1. Januars nicht und sind geschützt.

 

Verjährung von Schmerzensgeld

Sie haben Fragen zur Verjährung von Schmerzensgeld? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch mit einem unserer Anwälte. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

3. Beispiele & Urteile

Wie wichtig es ist, die Schmerzensgeldansprüche vor Verjährung zu schützen, zeigen folgende Beispiel-Urteile.

 

Oberlandesgericht Köln, Urteil vom 25.06.2012

Nach einem Unfall verlor eine Frau ihre Milz und erhielt dafür Schmerzensgeld. Nach 5 Jahren forderte sie jedoch erneut Schmerzensgeld: Sie gab an, dass ihr Immunsystem durch den Verlust ihrer Milz geschwächt worden sei.

Das Gericht lehnte die Forderung ab, mit der Begründung, dass ihre Ansprüche verjährt seien und Spätfolgen des Unfalls bereits vor 5 Jahren absehbar gewesen wären.

Hätte die Klägerin rechtzeitig bzw. innerhalb von 3 Jahren einen Feststellungsantrag (siehe Kapitel 4) beantragt, hätte sie ihre zweite Schmerzensgeldforderung erfolgreich durchsetzen können.

 

Bundesgerichtshof, Urteil vom 28.03.1985

Eine Fußgängerin ist auf einem vereisten Gehweg gestürzt, da dieser nicht ausreichend gestreut wurde. Die Klägerin verlangte aufgrund dieses Versäumnisses Schmerzensgeld von der Stadtverwaltung. Das Oberlandesgericht Düsseldorf gab zunächst der Stadtverwaltung Recht: Diese verwies auf die 3-jährige Verjährung und musste daraufhin kein Schmerzensgeld zahlen.

Die Klägerin ging mithilfe eines Anwalts in Revision. Dieser fand heraus, dass die Verjährungsfrist zweimal durch schwebende Verhandlungen gehemmt wurde. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf auf und gab der Klägerin letztendlich Recht.

 

4. So verhindern Sie die Verjährung von Schmerzensgeld

Ist die Verjährung von Schmerzensgeld eingetreten, lässt sich ein Schmerzensgeldanspruch nicht mehr durchsetzen. Um die Verjährung von Schmerzensgeld zu verhindern, bieten sich folgende Schritte an:

 

Handeln Sie rechtzeitig

Handeln Sie nach einem Schadensfall zügig, damit Schmerzensgeldansprüche nicht verfallen. Ihre Ansprüche sind vor Verjährung geschützt, wenn Sie Schmerzensgeld beantragen oder Schmerzensgeld einklagen:

  • Prüfen Sie die Höhe des Ihnen zustehenden Schmerzensgeldes zunächst mithilfe einer Schmerzensgeldtabelle oder besser: Holen Sie sich die Unterstützung eines Anwalts, der die Höhe rechtssicher für Sie ermitteln kann.
  • Erstellen Sie eine schriftliche Schmerzensgeldforderung an Ihren Schädiger oder dessen Haftpflichtversicherung.
  • Tragen Sie alle relevanten Nachweise und Dokumente wie Krankschreibungen, Gedächtnisprotokolle oder psychologische Gutachten zusammen.

 

Feststellungsantrag

Ein Feststellungsantrag dient zur Feststellung und rechtlichen Absicherung von nicht absehbaren Folgeschäden eines Schadenfalls. Ein Gericht prüft Ihren Schadensfall, stellt alle möglichen Nachwirkungen des Schadenfalles fest und schützt sie so vor Verjährung, indem die Verjährungsfrist um bis zu 30 Jahre verlängert wird.

Ein Feststellungsantrag für die Haftung bei Folgeschäden kann gestellt werden, sofern künftige Schäden möglich sind. In vielen Fällen ergibt es deshalb Sinn, einen Antrag auf Feststellung zu beantragen.

 

Verjährung hemmen

Die Hemmung der Verjährung ist eine weitere Möglichkeit, um Ihre Schmerzensgeldansprüche zu schützen. Durch die Erfüllung von Hemmungsgründen (siehe Kapitel 2) können Sie die Verjährung um 6 Monate verlängern.

 

Holen Sie sich anwaltliche Unterstützung

Um einen Schmerzensgeldanspruch vor Verjährung zu schützen, empfehlen wir Ihnen einen erfahrenen Anwalt für Schmerzensgeldrecht. In 92 % aller Schmerzensgeldfälle lässt sich mit anwaltlicher Hilfe eine außergerichtliche Einigung erzielen und ein langwieriger und belastender Prozess vermeiden.

Darüber hinaus stellt ein spezialisierter Anwalt sicher, dass Ihr Schmerzensgeldanspruch nicht verjährt bzw. alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die Verjährung zu hemmen.

Ihr Anwalt erarbeitet einen rechtssicheren Schmerzensgeldantrag und vertritt Sie in außergerichtlichen oder – falls notwendig – gerichtlichen Verhandlungen gegenüber dem Schädiger bzw. dessen Versicherung. Zu allen wichtigen Schritten wie Feststellungsantrag und Abfindungserklärung berät er Sie umfassend.

 

Sie möchten die Verjährung Ihres
Schmerzensgeld-Anspruchs verhindern?

Unser Anwalt erläutert Ihnen im kostenfreien Erstgespräch das mögliche Vorgehen.

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