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Betriebsbedingte Kündigung: Voraussetzungen beachten & Abfindung erhalten

Franz Gerstenberger

Juristische Redaktion

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8 Minuten Lesezeit

Franz Gerstenberger (jur. Redaktion)  |   Stand:

Betriebsbedingte Kündigung: Voraussetzungen beachten & Abfindung erhalten

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Bedingungen für eine Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung
  2. Welche Abfindungshöhe ist möglich?
  3. So erhalten Sie eine Abfindung
  4. Sperrfrist bei Arbeitslosengeld, Steuern & Elternzeit
  5. Das kann ein Anwalt für Sie tun
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Zusammenfassung

Eine Kündigung kann Arbeitnehmer vor eine ungewisse Zukunft stellen. Eine angemessene Abfindung ist eine respektvolle Geste und dämmt finanzielle Auswirkungen ein. Das wissen die meisten Arbeitgeber – und zahlen bei betriebsbedingten Kündigungen bereitwillig eine Abfindung. Auch, um kostspielige und riskante Kündigungsschutzklagen zu vermeiden. Das kommt Arbeitnehmern bei den Verhandlungen über eine Abfindung entgegen.

 

Alles auf einen Blick

  • 73 % aller Kündigungen sind betriebsbedingt – betriebliche Entscheidungen liegen stets im Ermessen des Arbeitgebers.
  • Arbeitnehmer haben meist einen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung.
  • Der Anspruch gilt auch während der Corona-Krise.
  • In der Regel beträgt eine Abfindung 50 % des Brutto-Monatsverdienstes pro Beschäftigungsjahr.
  • Hat Ihr Arbeitgeber Fehler bei der Kündigung gemacht, können Sie eine Abfindung oder Ihre Wiedereinstellung mit einer Kündigungsschutzklage durchsetzen.
  • In einigen Fällen ist es sinnvoll, einen Anwalt zu beauftragen, um eine Abfindung durchzusetzen.

 

Infografik: So erhalten Sie nach betriebsbedingter Kündigung eine Abfindung.

 

1. Bedingungen für eine Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung

Um bei einer betriebsbedingten Kündigung eine Abfindung zu erhalten, muss zunächst eine formale Voraussetzung erfüllt sein: Das Kündigungsschutzgesetz muss anwendbar sein.

Folgende Voraussetzungen müssen gegeben sein:

  1. Das Arbeitsverhältnis in einem Betrieb oder Unternehmen hat ohne Unterbrechung länger als 6 Monate bestanden. Die Frist beginnt mit der Arbeitsaufnahme – das genaue Datum findet sich im Arbeitsvertrag.
  2. Der Arbeitgeber beschäftigt mehr als 10 Mitarbeiter in Vollzeit, ist also kein Kleinbetrieb. Für Arbeitsverhältnisse vor 2004 gelten 5 Arbeitnehmer als Grenze. Mitarbeiter mit einer Arbeitszeit von bis zu 20 Wochenstunden werden bei der Berechnung der Mitarbeiterzahl mit 0,5 gezählt, Mitarbeiter mit bis zu 30 Stunden mit 0,75 und Vollzeitkräfte mit 1.

 

Abfindung auch bei Corona?

Die Voraussetzungen einer Abfindung gelten auch während der Corona-Krise. Erhalten Sie während dieser Zeit eine betriebsbedingte Kündigung, können Sie auf eine Abfindung bestehen.

 

Ist das Kündigungsschutzgesetz anwendbar, haben Sie unter drei Bedingungen einen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung:

  1. Ihre Kündigung ist schriftlich erfolgt.
  2. Aus dem Text der Kündigung geht deutlich hervor, dass aus dringend betrieblich erforderlichen Gründen gekündigt wurde (nach § 1 Abs. 2 KSchG).
  3. Im Kündigungsschreiben steht, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine Abfindung anbietet, wenn dieser auf eine Kündigungsschutzklage verzichtet. Das bedeutet konkret: Der Arbeitnehmer muss die Frist zur Kündigungsschutzklage verstreichen lassen – diese beträgt 3 Wochen.

Der gesetzliche Anspruch ist letztendlich vom guten Willen des Arbeitgebers abhängig: Erfüllt Ihr Arbeitgeber eine der Bedingungen nicht, besteht für Sie auch kein Anspruch auf eine Abfindung.

 

So können Sie auch ohne gesetzlichen Anspruch eine Abfindung nach betriebsbedingter Kündigung erhalten:

  • Tarifvertragliche Bestimmungen

In sogenannten Rationalisierungstarifverträgen ist bestimmt, dass Ihr Arbeitgeber bei betriebsbedingter Kündigung eine Abfindung zahlen muss.

Ob Sie einen solchen Tarifvertrag haben, können Sie entweder beim Betriebsrat erfragen oder im Arbeitsvertrag nachlesen.

  • Kündigungsschutzklage

Sie haben immer das Recht, Ihre Abfindung mit einer Kündigungsschutzklage einzuklagen, wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber keine anbietet oder keine tarifvertraglichen Bestimmungen bestehen.

Dann prüft ein Gericht, ob Ihre Kündigung gerechtfertigt und korrekt war. Sollte sich die Kündigung als fehlerhaft herausstellen, verpflichtet das Gericht den Arbeitgeber zur Zahlung einer Abfindung.

 

2. Welche Abfindungshöhe ist möglich?

Der gesetzliche Anspruch auf eine Abfindung im Zuge einer betriebsbedingten Kündigung sieht eine gesetzlich geregelte Abfindungshöhe vor: Ihnen steht eine sogenannte Regelabfindung in Höhe von 50 % des Brutto-Monatsverdienstes pro Jahr zu. Die Abfindung ist allerdings auf 12 Monatsverdienste gedeckelt. Eine erste Orientierung bietet Ihnen stets ein Abfindungsrechner.

Neben der Regelabfindung gibt es weitere gesetzliche Bestimmungen zur Höhe der Abfindung:

  • Sie sind 50 Jahre oder älter und haben mindestens 15 Jahre im Betrieb gearbeitet: Abfindung in Höhe von 15 Monatsverdiensten.
  • Sie sind 55 Jahre oder älter und haben mindestens 20 Jahre im Betrieb gearbeitet: Abfindung in Höhe von 18 Monatsverdiensten.

Ein Monatsverdienst setzt sich aus dem Gehalt und möglichen Sachbezügen zusammen. Zu den Sachbezügen zählen auch Dienstwagen oder Firmenwohnungen, deren Nutzungswert der Abfindungshöhe 1:1 anzurechnen ist.

 

Betriebsbedingte Kündigung: Abfindung

Sie möchten nach der betriebsbedingten Kündigung eine angemessene Abfindung erhalten? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch mit einem unserer spezialisierten Anwälte. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

3. So erhalten Sie eine Abfindung

Neben den gesetzlichen Bestimmungen haben Sie weitere Optionen, um sich Ihre Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung zu sichern: Sie können verhandeln oder klagen.

 

Infografik: Unter diesen Voraussetzungen erhalten Sie nach betriebsbedingter Kündigung eine Abfindung.

 

Mit Verhandlungsgeschick zur höheren Abfindung?

Was die meisten Arbeitnehmer nicht wissen: Eine Abfindung ist immer, wenn nicht vertraglich geregelt, Verhandlungssache. Sie können durch eine geschickte Verhandlung theoretisch also eine höhere Abfindung erhalten, als Ihnen gesetzlich zusteht. Erfahrungsgemäß funktioniert das am besten mit einem Anwalt: Durch Erfahrung und Verhandlungsgeschick kann er die Abfindung häufig um das 1,5 bis 2-fache steigern.

Außerdem ist eine Abfindung eine Entschädigungszahlung – sie sollte der Dauer der Beschäftigung und der Qualität der erbrachten Leistung angemessen sein sowie soziale und persönliche Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Durch geschickte Verhandlungen können Sie sich oft mehr sichern, als Ihnen Ihr Arbeitgeber ursprünglich angeboten hat. Der Arbeitgeber hat grundsätzlich ein betriebswirtschaftliches Interesse daran, dass die Abfindung so gering wie möglich ausfällt.

 

Mit folgenden Tipps sichern Sie sich einen entscheidenden Vorteil für erfolgreiche Verhandlungen:

  • Verkaufen Sie sich nicht unter Wert: Ein selbstbewusstes Auftreten ist der Schlüssel zum Verhandlungserfolg.
  • Argumentieren Sie sachlich und auf Augenhöhe.
  • Prüfen Sie Ihre Jobaussichten und lassen Sie Ihren Arbeitgeber wissen, dass Sie Handlungsoptionen haben.
  • Machen Sie Ihr Alter, Ihren Familienstand sowie Unterhaltspflichten zum Thema: Ihr Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, diese Gesichtspunkte zu berücksichtigen.
  • Schlafen Sie eine Nacht über ein Angebot: Akzeptieren Sie ein Angebot nie ohne einige Tage Bedenkzeit und Zeit zum Nachrechnen.
  • Sichern Sie sich anwaltliche Unterstützung: Ein Anwalt kann Ihre Abfindungsverhandlungen übernehmen und den Druck auf Ihren Arbeitgeber erhöhen. Für viele Arbeitgeber ist es ein wirkungsvolles Signal, wenn Arbeitnehmer ihre Interessen durch einen Arbeitsrechtler vertreten lassen.

 

Lohnt sich eine Klage?

Verweigert Ihnen Ihr Arbeitgeber eine Abfindung trotz beanstandungsfreier Arbeit, einer langen Unternehmenszugehörigkeit oder einer unrechtmäßigen Kündigung, kann es sich für Sie lohnen, die Abfindung einzuklagen.

Erfolg werden Sie nur haben, wenn Sie Ihrem Arbeitgeber Fehler im Kündigungsprozess nachweisen können oder sein Risiko bei einer Gerichtsverhandlung unkalkulierbar ist.

Denn: Arbeitgeber haben kein Interesse daran, in eine Kündigungsschutzklage verwickelt zu werden. Sie fürchten einen langen und kostspieligen Prozess, Imageverluste, die Zahlung einer schmerzhaft höheren Abfindung oder die Weiterbeschäftigung des betroffenen Arbeitnehmers.

 

Die Erfolgsaussichten einer Klage sind sehr gut, wenn Sie Ihrem Arbeitgeber Fehler bei der Kündigung nachweisen können. Dazu müssen Sie eine der folgenden Fragen verneinen können:

  • Hat Ihr Arbeitgeber die Sozialauswahl eingehalten?
  • Hat er die Kündigungsfristen beachtet?
  • Ist Ihnen die Kündigung korrekt zugestellt worden?
  • Gibt es für Sie tatsächlich keine Weiterbeschäftigungsmöglichkeit und hat Ihr Arbeitgeber versucht, Sie zu versetzen?
  • Hat Ihr Arbeitgeber bei Ihrer betriebsbedingten Kündigung ein individuelles Schreiben aufgesetzt, das alle formalen Anforderungen erfüllt?
  • Arbeiten Sie in einem Kleinbetrieb?

 

Bei der Beantwortung dieser Fragen kann Sie ein Anwalt für Arbeitsrecht unterstützen. Er kann eine unrechtmäßige betriebsbedingte Kündigung rechtssicher nachweisen und Ihren Anspruch auf eine Abfindung gerichtlich durchsetzen.

In einem unverbindlichen Erstgespräch prüft der Anwalt Ihre Kündigung und informiert Sie über Ihre Handlungsoptionen sowie damit verbundene Erfolgsaussichten bzw. Risiken.

Anschließend erhalten Sie ein Festpreis-Angebot. Bis dahin besteht für Sie kein Kostenrisiko. Schildern Sie bitte Ihr Anliegen.

 

4. Sperrfrist bei Arbeitslosengeld, Steuern & Elternzeit

Konnten Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber auf eine Abfindung einigen bzw. wurde Ihnen diese gerichtlich zugesprochen, müssen Sie folgende Regelungen beachten.

 

Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung & Arbeitslosengeld

Eine Abfindung wird in der Regel nicht auf ein mögliches Arbeitslosengeld angerechnet.

Zwei Ausnahmen gibt es allerdings:

1. Ruhen des Anspruchs:

Scheidet der Arbeitnehmer vorzeitig – also vor dem Ende der Kündigungsfrist – aus dem Arbeitsverhältnis aus und erhält eine Abfindungszahlung, ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld I bis zum Ablauf der Kündigungsfrist.

 

2. Sperrfrist:

Hat der Arbeitnehmer seine Arbeitslosigkeit ohne wichtigen und nachweisbaren Grund selbst herbeigeführt, kann für die Zahlung des ALG I eine Sperrzeit verhängt werden. Diese Sperrzeit beträgt in der Regel 12 Wochen.

 

Das heißt jedoch nicht, dass jede eigenständige Kündigung eine Sperrfrist bedeutet. Was wichtig und nachweisbar ist, untersucht die Agentur für Arbeit für jeden Einzelfall. Kündigen Arbeitnehmer aufgrund schwerwiegender Pflichtverletzungen des Arbeitgebers wie z. B. Mobbing oder sexuelle Belästigung Am Arbeitsplatz, zieht das selbstverständlich keine Sperre nach sich.

 

Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung & Steuern

Seit 2006 gelten keine Freibeträge mehr für eine Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung – sie ist also nicht steuerfrei. Die Abfindung muss als außerordentliche Einkunft voll versteuert werden.

Sozialversicherungsbeiträge brauchen Sie bei einer Abfindung nach betriebsbedingter Kündigung übrigens nicht nachzahlen. Freiwillig Krankenversicherte müssen bei einer Abfindung allerdings Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung nachzahlen.

 

Betriebsbedingte Kündigung & Elternzeit

Bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Ihres Kindes können Sie in Elternzeit gehen. In dieser Zeit genießen Sie einen besonderen Kündigungsschutz: Der Arbeitgeber darf während dieser Zeit das Arbeitsverhältnis nicht kündigen.

Nach dem Ende der Elternzeit gilt wieder der gesetzliche Kündigungsschutz sowie die gesetzlichen Bestimmungen zur Abfindungszahlung.

Sollten Sie vor Ihrer Elternzeit gekündigt werden und eine Abfindung erhalten, wird diese nicht auf Ihr Elterngeld angerechnet.

 

5. Das kann ein Anwalt für Sie tun

Sie brauchen nicht zwangsläufig einen Anwalt, um bei einer betriebsbedingten Kündigung eine Abfindung zu erreichen. Wenn Ihnen der Arbeitgeber eine großzügige Abfindung anbietet, ist anwaltlicher Beistand nicht vonnöten.

Die Expertise eines Anwalts ist wichtig, wenn ein Arbeitgeber sich gegen eine Abfindung sträubt oder Sie die vorgeschlagene Abfindungssumme überprüfen lassen möchten.

Eine Kündigungsschutzklage ohne Anwalt ist ein hohes Risiko: Die Gegenseite wird sich sicher von einem erfahrenen Arbeitsrechtler vertreten lassen.

 

Ein spezialisierter Anwalt übernimmt im Rahmen der Durchsetzung einer Abfindung nach betriebsbedingter Kündigung u. a. folgende Aufgaben für Sie:

  • Er prüft, ob Ihre Kündigung korrekt und rechtswirksam ist und an welchen Stellen sie möglicherweise angegriffen werden kann.
  • Er übernimmt die oftmals zähen Verhandlungen mit Ihrem Arbeitgeber, um Ihnen die maximale Abfindung zu sichern.
  • Er prüft einen möglichen Aufhebungsvertrag für Sie.
  • Er prüft genau, ob und welchen Anspruch Sie auf eine Abfindung haben.
  • Er erhebt zuverlässig und formal korrekt die Kündigungsklage für Sie.
  • Bei der Gerichtsverhandlung setzt Ihr Anwalt Ihr Recht auf Abfindung oder Wiedereinstellung durch.

Sie möchten nach betriebsbedingter
Kündigung eine Abfindung erhalten?

Unser Anwalt erläutert Ihnen im kostenfreien Erstgespräch das mögliche Vorgehen.

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