Anwaltskosten Arbeitsrecht

 

 

Beauftragen Sie im Zuge einer Rechtsstreitigkeit einen Anwalt, der Sie bei allen weiteren Belangen und vor Gericht vertritt, so werden gemäß der öffentlich einsehbaren Gebührenordnung für Anwälte (§ 34 RVG) für diesen regelmäßig Anwaltskosten anfallen, die Sie zu begleichen haben. Auch wenn viele Einzelheiten bezüglich der Höhe des Honorars weitgehend rechtlich geregelt sind, gibt es doch einige Ausnahmen zu berücksichtigen. Wie es sich beispielsweise mit der Gebührenerstattung in arbeitsrechtlichen Verfahren verhält, erfahren Sie in dem nachfolgenden Beitrag.

Anwaltskosten Arbeitsrecht
Müssen Sie für die Anwaltskosten auch bei Prozessgewinn aufkommen?

Lesezeit: ca. 3 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie unter anderem, wie sich die Anwaltskosten zusammensetzen, ob Sie auch bei einem Prozesssieg die Anwaltskosten zu tragen haben und wie Sie Anwaltsgebühren einsparen können. 

Dazu haben Sie die Möglichkeit, Ihren Fall kostenlos mit unserem Anwalt für Arbeitsrecht zu besprechen.

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Inhaltsverzeichnis:

Wie berechnen sich die Anwaltsgebühren?
Welche Gebühren kann ein Anwalt von Ihnen verlangen?
Wer muss die Anwaltskosten tragen?
Anwaltskosten Arbeitsrecht - die Ausnahme
Anwaltskosten Arbeitsrecht - Kostengrößen bestmöglich umgehen
Anwaltskosten Arbeitsrecht - selbstständige Prozessführung
Anwaltskosten Arbeitsrecht - Gewerkschaft oder Arbeitgeberverband
Anwaltskosten Arbeitsrecht - Rechtsschutzversicherung
Anwaltskosten Arbeitsrecht - Prozesskostenhilfe

 

Wie berechnen sich die Anwaltsgebühren?

Das Honorar eines Anwalts ist weitestgehend gesetzlich festgelegt und im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) zu finden. Sofern es sich um keine Erstberatung handelt, bemisst sich dieses nach dem Gegenstandswert einer zivil-, verwaltungs- oder arbeitsrechtlichen Angelegenheit. In Gerichtsverfahren wird der Gegenstandswert auch als Streitwert bezeichnet. Handelt es sich bei dem Verfahrensgegenstand um einen genau definierten Geldwert, so ist die Ermittlung des Streitwertes regelmäßig unproblematisch. Schwieriger gestaltet es sich bei der Wertermittlung eines Gegenstandes. Für häufiger auftretende Streitigkeiten sieht die Rechtsprechung eindeutige Regelungen vor. Danach beträgt beispielsweise der Streitwert um die Berechtigung einer Abmahnung ein Monatsgehalt und der Streitwert um die Wirksamkeit einer Kündigung sogar 3 Monatsgehälter.

 

Welche Gebühren kann ein Anwalt von Ihnen verlangen?

Die Gebühren bemessen sich neben dem Streitwert am Umfang der durch den juristischen Beistand erbrachten Leistungen und Tätigkeiten. So wird z. B. für die Klageerhebung eine Verfahrensgebühr in Höhe des 1,3-fachen einer Gebühr fällig. Für die Wahrnehmung eines Gerichtstermins wird das 1,2-fache veranschlagt. Wird folglich ein Rechtsstreit durch ein Urteilsspruch gerichtlich beendet, so kann der Anwalt das 2,5-fache an Gebühren abrechnen. Darüber hinaus erhöht sich der Wert der Anwaltskosten um eine Auslagenpauschale in Höhe von 20,00 Euro für Kopien, Post- oder Telefonkosten, zzgl. 19 % MwSt.

Beachten Sie, dass Ihr Anwalt mit einem höheren Streitwert auch mehr Verantwortung und damit ein höheres Haftungsrisiko obliegt. Demzufolge wird mit hohem Gegenstandswert auch die von Ihnen zu begleichende Anwaltsgebühr höher ausfallen.

Praxisbeispiel: Bei Klage auf Zahlung eines rückständigen Arbeitslohns von 2.000,00 Euro wird ein einfacher Gebührenwert (1,0) von 150,00 Euro fällig. Bei Verfahrensbeendigung durch Urteilsspruch kann Ihr Rechtsbeistand also sowohl eine Verfahrensgebühr in Höhe des 1,3-fachen der einfachen Gebühr (150,00 Euro) verlangen und das 1,2-fache der einfachen Gebühr aufgrund der Terminwahrnehmung vor Gericht. Unter Berücksichtigung der Pauschalaufwendungen in Höhe von 20,00 Euro ergibt sich ein Honorar in Höhe von:

1,3 Verfahrensgebühr: 195,00 Euro (1,3 x 150 00 Euro)

1,2 Termingebühr: 180,00: Euro (1,2 x 150,00 Euro)

Post-, Telekommunikation: 20,00 Euro

Zwischensumme: 395,00 Euro

19 % MwSt.: 75,05 Euro

Anwaltshonorar gesamt: 470,05 Euro

 

Wer muss die Anwaltskosten tragen?

Durch die Beauftragung eines Rechtsanwalts schließen Sie einen Vertrag mit diesem. Sie als Mandant sind demzufolge dem Anwalt zur Zahlung der vereinbarten Gebühr verpflichtet. Dabei ist der Ausgang der Rechtssache völlig unerheblich. Entscheidet sich ein Prozess zu Ihren Gunsten, haben Sie nicht selten einen gesetzlichen Anspruch auf Erstattung Ihrer Anwaltskosten durch die im Prozess unterlegene Streitpartei.

 

Anwaltskosten Arbeitsrecht – die Ausnahme

Im Arbeitsrecht ist die im Prozess unterlegene Partei nicht dazu verpflichtet, für die Ihnen entstandenen Anwaltskosten aufzukommen. Daher haben Sie trotz Prozessgewinns keinen Anspruch auf die Erstattung der Kosten gemäß § 12a Abs. 1 Satz 1 Arbeitsgerichtsgesetz (ArGG). Ursächlich hierfür ist, dass meist die Arbeitnehmer in einem arbeitsrechtlichen Prozess auf der Klagebank sitzen. Damit diese bei einem Unterliegen nicht zusätzlich die Kosten für den Rechtsbeistand des Arbeitgebers tragen müssen, sieht die Rechtslandschaft von einer derartigen finanziellen Belastung für Arbeitnehmer ab und hat diese Ausnahmeregelung geschaffen.

Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass Arbeitnehmer bei einem siegreichen Prozessausgang ihre Anwaltskosten nicht auf die unterliegende Partei abwälzen können. Demzufolge können Sie bezüglich der im Arbeitsrecht fällig werdenden Anwaltskosten nicht mit Erstattungen rechnen und müssen selbst die volle Höhe des Anwaltshonorars begleichen.

 

Anwaltskosten Arbeitsrecht – Kostengrößen bestmöglich umgehen

Da Sie unabhängig vom Ausgang der Rechtsstreitigkeit die Kosten für Ihren Rechtsbeistand zu tragen haben, stellt sich die Frage, ob sich diese weitestgehend umgehen oder zumindest reduzieren lassen. Diesbezüglich stehen Ihnen die nachfolgenden Optionen zur Verfügung.

 

Anwaltskosten Arbeitsrecht – selbstständige Prozessführung

Zunächst steht Ihnen die Möglichkeit offen, sich vor Gericht selbst zu vertreten und auf juristischen Beistand zu verzichten. Dieses Vorgehen ist in der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht möglich. Berücksichtigen Sie jedoch, dass dieses Vorgehen mitunter wenig vorteilhaft für Sie ist. Fehler als Laie sind vorprogrammiert und können letztendlich dazu führen, dass Sie weitaus mehr Kosten zu tragen haben als lediglich die Anwaltsgebühren. Bei Lohnklagen mit geringen ausstehenden Zahlungen sollten Sie ruhig von dieser Variante Gebrauch machen, da das Risiko weitestgehend gering erscheint. Im Vergleich dazu ist es ratsam, bei Kündigungsschutzklagen oder andere rechtlichen Streitigkeiten, die ein bestehendes Arbeitsverhältnis betreffen, einen Rechtsbeistand zu Rate zu ziehen und sich vertreten zu lassen.

 

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Anwaltskosten Arbeitsrecht – Gewerkschaft oder Arbeitgeberverband

Um die Anwaltskosten im Arbeitsrecht zu umgehen, können Sie sich als Mitglied einer Gewerkschaft oder eines Arbeitgeberverbandes durch diesen kostenlos vertreten lassen. Als Gewerkschaftsmitglied werden Sie hierbei gerichtlich von einem sogenannten gewerkschaftlichen Rechtssekretär vertreten und als Mitglied des Arbeitgeberverbandes durch einen Verbandsjuristen desselbigen.

 

Anwaltskosten Arbeitsrecht - Rechtsschutzversicherung

Sofern Sie eine Rechtsschutzversicherung besitzen, sollten Sie bei arbeitsgerichtlichen Urteilsverfahren von dieser Gebrauch machen. So werden Sie kostenlos vertreten, da die Rechtsschutzversicherung die anfallenden Anwaltskosten erstattet, und stehen nicht vor der finanziellen Mehrbelastung.

 

Anwaltskosten Arbeitsrecht - Prozesskostenhilfe 

Wenn Sie nicht in der Lage sind, das Honorar Ihres Anwalts zu begleichen und auch nicht von der Option der Rechtsschutzversicherung Gebrauch machen können, können Sie noch immer Prozesskostenhilfe beantragen. Damit auch einkommensschwache Personen nicht von der Verfolgung oder Verteidigung ihrer Rechte absehen müssen, übernimmt der Staat entsprechend ihrer persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse die Kosten komplett oder erlässt Ihnen einen Teilbetrag. Hierbei handelt es sich jedoch viel mehr um ein zinsloses und vorläufiges Darlehen, das Sie unter Umständen einige Jahre später zurückzahlen müssen, da die Gerichtskasse bei Besserung Ihrer finanziellen Situation eine Beteiligung an den vom Staat verauslagten Anwaltskosten verlangt.

Verfügen Sie über keine Rechtschutzversicherung oder haben keine Berechtigung zum Erhalt von Prozesskostenhilfe, sollten Sie sich dennoch vorab beraten lassen, um die Anwaltskosten im Arbeitsrecht besser kalkulieren zu können.

Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihren Fall kostenlos mit unserem Anwalt für Arbeitsrecht zu besprechen.

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Bildquellen Copyright (c): mariok, Maryna Pleshkun - 123rf.com





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