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Mobbing am Arbeitsplatz durch Kollegen, Vorgesetzten & Chef – was tun?

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In diesem Beitrag erfahren Sie u. a., wann Mobbing am Arbeitsplatz vorliegt, was Sie firmenintern dagegen tun können und welche Rechtsmittel Ihnen zur Verfügung stehen.

 

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsproblem oder Ihre Fragen zum Mobbing am Arbeitsplatz mit einem Anwalt für Arbeitsrecht besprechen.

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1. Was ist Mobbing am Arbeitsplatz & was nicht?

Ist eine Person Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz, wird sie regelmäßig von Kollegen, Vorgesetzten oder sogar dem Chef schikaniert. Dabei wird oft auf Mittel wie beispielsweise

  • bewusster Gruppenausschluss,
  • Verbreitung von Gerüchten,
  • ständige Herabwürdigung der Arbeitsleistung,
  • sexuelle oder rassistische Anspielungen oder
  • Beschimpfungen

zurückgegriffen. Folgeerscheinungen wie Antriebslosigkeit, Leistungseinbußen, abnehmendem Selbstwertgefühl, Burn-out oder Depressionen können häufig sein.

Wie sich das Mobbing am Arbeitsplatz in verschiedenen Konstellationen darstellen kann und ob dies strafbar ist, lesen Sie im Folgenden.

 

Mobbing am Arbeitsplatz durch Kollegen

Mobbing am Arbeitsplatz tritt häufig im Kreise der Kollegen auf. Die Gründe dafür können verschiedener Natur sein – z. B.

  • besteht keinerlei Sympathie,
  • es gab in der Vergangenheit Streit unter den Kollegen oder
  • diese stehen in hartem Wettbewerb miteinander.

Wird ein Mitarbeiter anfangs nur von einem Kollegen gemobbt, schließen sich andere oft an – das Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz hat dann plötzlich nicht mehr nur eine Person, sondern mitunter eine ganze Gruppe gegen sich. Mobbing kann damit schnell eine Eigendynamik entwickeln und die Schwere der Angriffe nimmt immer weiter zu.

 

Mobbing am Arbeitsplatz durch Vorgesetzten & Chef

Bei Mobbing am Arbeitsplatz können sich nicht nur gleichgestellte Kollegen beteiligen, sondern auch der Vorgesetzte oder sogar der Chef. Diese verfügen aufgrund ihrer höhergestellten Position über gewisse Druckmittel – z. B. ist der Arbeitnehmer finanziell auf den Arbeitsplatz angewiesen und könnte deshalb vor einer Gegenwehr zurückschrecken.

Aus ähnlichen Gründen könnten wohlgesonnene Kollegen oft Angst davor haben, Partei für Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz zu ergreifen. In der Folge kann es diesem an Schutz und Rückhalt vor den Attacken des Vorgesetzten oder Chefs fehlen.

 

Ist Mobbing am Arbeitsplatz strafbar?

Wird ein Arbeitnehmer Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz, stellt sich die Frage, inwieweit er dagegen vorgehen und Strafanzeige gegen die Täter stellen kann. Tatsächlich ist nicht jede Mobbinghandlung gleichzeitig auch eine Straftat – es kommt immer darauf an, ob sie einen der im Strafgesetzbuch festgeschriebenen Straftatbestände erfüllt.

 

Strafbar

Ist Mobbing am Arbeitsplatz gekennzeichnet durch

  • üble Nachrede,
  • körperliche Gewalt,
  • Sachbeschädigung,
  • Diebstahl,
  • Freiheitsberaubung,
  • sexuelle Nötigung oder
  • Beleidigungen,

gelten Straftatbestände als erfüllt und die Vorfälle können zur Anzeige gebracht werden. Den Tätern steht dann eine Strafverfolgung bevor.

Weitere Einzelheiten zu den rechtlichen Möglichkeiten finden Sie in Kapitel 3 – Letzter Ausweg: Ihre gesetzlichen Rechte bei Mobbing am Arbeitsplatz.

 

Nicht strafbar

Keinen Straftatbestand erfüllen würde zum Beispiel die systematische Ausgrenzung des Opfers aus einer Gruppe. Liegt kein Fall vor, der die Voraussetzungen einer Strafverfolgung erfüllt, kann sich der gemobbte Arbeitnehmer auf andere Art und Weise wehren. Was er tun kann, erfahren Sie im folgenden Kapitel.

 

2. Was tun bei Mobbing am Arbeitsplatz?

Sind Sie Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz geworden, können Sie zunächst firmeninterne Maßnahmen zur Lösung des Problems ergreifen. Welche das sein könnten, lesen Sie hier.

 

Mobbing-Tagebuch führen

In jedem Fall können Sie ein Mobbing-Tagebuch führen und sämtliche Angriffe mit Zeit, Ort und Wirkung dokumentieren. Dies kann nützlich sein, wenn Sie die Vorfälle zu einem späteren Zeitpunkt rekapitulieren müssen – etwa im Gespräch mit den Tätern, einem wohlgesonnenen Vorgesetzten oder einem Anwalt. Ein Tagebuch ermöglicht Ihnen dann eine umfassende Reflektion der Mobbing-Attacken.

 

Vertrauensperson hinzuziehen

Des Weiteren können Sie nicht lange zögern und die Problematik mit einer Vertrauensperson besprechen. Das kann z. B. ein wohlgesonnener Kollege aus Ihrer Abteilung oder ein Vorgesetzter sein. Gemeinsam können Sie die Lage erörtern und ggf. nach den Ursachen forschen.

Außerdem kann Ihnen eine geeignete Vertrauensperson

  • bei klärenden Gesprächen mit den Tätern zur Seite stehen,
  • Ihnen Rückendeckung geben und
  • Ihre Position stärken.

 

Betriebs- oder Personalrat bzw. Gewerkschaft informieren

Findet sich keine geeignete Vertrauensperson – etwa weil das Mobbing am Arbeitsplatz von einer größeren Gruppe ausgeht –, können Sie sich auch an den Betriebs- oder Personalrat Ihrer Arbeitsstelle wenden. Dabei handelt es sich um eine abteilungsübergreifende Interessenvertretung sämtlicher Mitarbeiter.

 

Scheuen Sie den Dialog mit dem Betriebs- oder Personalrat nicht – Ihnen steht gemäß § 13 Absatz 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ein Beschwerderecht zu. Eine Beschwerde über Mobbing am Arbeitsplatz erfolgt am besten schriftlich und mit detaillierter Auflistung aller relevanten Vorfälle. Der Betriebs- oder Personalrat steht dann in der Pflicht, sich der Problematik anzunehmen und mit den mobbenden Kollegen sowie dem Arbeitgeber in Dialog zu treten.

 

Existiert in Ihrem Unternehmen keine entsprechende Anlaufstelle, können Sie – je nach Branche und Art Ihrer Beschäftigung – auch Ihre Gewerkschaft informieren. Diese kann Ihnen ebenso zur Seite stehen.

 

Arbeitsleistung zurückbehalten

Hat Ihr Arbeitgeber von den Vorfällen Kenntnis erlangt – z. B. unter Mitwirkung des Personal- oder Betriebsrats –, muss er dem Mobbing am Arbeitsplatz entgegenwirken und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Dafür kann er die Täter z. B. abmahnen und mit weiteren Sanktionen drohen.

Tut Ihr Arbeitgeber nichts oder zu wenig gegen das Mobbing am Arbeitsplatz und kommt es weiterhin zu Übergriffen, können Sie Ihre Arbeitsleistung zurückbehalten. Das heißt, Sie legen die Arbeit nieder, bis der Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen ergriffen hat.

Mit einer Zurückbehaltung von Arbeitsleistung können Sie sich allerdings auf sehr dünnes Eis begeben: Die Nichterbringung der im Arbeitsvertrag geforderten Leistung kann zu Abmahnungen oder sogar zum Jobverlust führen!

Wenn Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wollen, ohne dass schwerwiegende Konsequenzen folgen können, können Sie

  • sämtliche Vorfälle dokumentiert haben,
  • Zeugen für die Übergriffe benennen können und
  • einen Zusammenhang zwischen dem Mobbing am Arbeitsplatz und psychischen oder physischen Folgeschäden beweisen – z. B. durch ärztliche oder psychologische Gutachten.

 

Krankschreibung & außerordentliche Kündigung

Zwei letzte Maßnahmen, mit denen Sie dem Mobbing am Arbeitsplatz entgehen können, sind Krankschreibung und außerordentliche Kündigung.

 

Krankschreibung

Leiden Sie infolge des Mobbings unter physischen oder psychischen Beschwerden, können Sie sich krankschreiben lassen. So können Sie sich den Angriffen für eine gewisse Zeit entziehen und den Kopf freibekommen. Jedoch löst eine Krankschreibung das Problem nicht. Daher können Sie die kurze Auszeit intensiv nutzen, um über Ihr weiteres Vorgehen nachzudenken und ggf. Unterstützung einzuholen.

 

Außerordentliche Kündigung

Wenn die Lage auch nach einer krankheitsbedingten Auszeit aussichtslos erscheint und sämtliche Maßnahmen versagt haben, ist die fristlose Kündigung des Arbeitnehmers eine weitere Option.

Ziehen Sie eine Kündigung in Betracht, können Sie diese schriftlich beim Arbeitgeber einreichen. Darin sollte folgendes enthalten sein:

  • Datum des Vertragsbeginns,
  • explizite Forderung der fristlosen Kündigung und
  • Begründung der fristlosen Kündigung durch detaillierte Beschreibung der Zustände und der Mobbingvorfälle.

Außerdem können Sie eine schriftliche Bestätigung der Kündigung sowie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen.

 

3. Letzter Ausweg: Ihre gesetzlichen Rechte bei Mobbing am Arbeitsplatz

Neben den firmeninternen Maßnahmen stehen Ihnen bei Mobbing am Arbeitsplatz einige gesetzliche Rechte zur Verfügung. Welche das sind und wie Sie davon Gebrauch machen können, lesen Sie hier.

 

Strafanzeige stellen

Nehmen die Mobbinghandlungen ein extremes Ausmaß an und erfüllen Straftatbestände – z. B. Beleidigung, üble Nachrede oder sexuelle Nötigung –, können Sie als Betroffener über eine Strafanzeige nachdenken.

Ob eine Strafanzeige Sinn macht, ist abhängig vom Einzelfall. Vor allem in einem frühen Stadium des Mobbings kann sie der Lösung des Problems zuträglich sein – die Täter werden mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert und im Idealfall zu einem Umdenken bewogen.

Jedoch besteht immer auch die Gefahr, dass mit strafrechtlichen Sanktionen Öl ins Feuer gegossen und der Konflikt zwischen Opfer und Täter weiter verschärft wird. Stellen Sie die Strafanzeige ohne hinreichende Beweise, können außerdem Gegenanzeigen wegen falscher Verdächtigung die Folge sein.

Sie sind unsicher ob Sie bei Mobbing am Arbeitsplatz eine Strafanzeige stellen können? Ein advocado Partner-Anwalt erläutert Ihnen in einer kostenlosen Ersteinschätzung Ihre Handlungsoptionen. Jetzt Ersteinschätzung erhalten.

 

Zivilrechtliche Unterlassungsklage

Eine weitere Möglichkeit ist die zivilrechtliche Unterlassungsklage. Hat diese Erfolg, werden die Täter gerichtlich zur Unterlassung des Mobbings verpflichtet – verstoßen sie gegen diese Pflicht, kann die Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 2.500 € bis 5.000 € fällig werden.

Möchten Sie im Fall von Mobbing am Arbeitsplatz eine zivilrechtliche Unterlassungsklage einlegen, müssen Sie sich an das für Ihren Einzugsbereich zuständige Arbeitsgericht wenden. Dort können Sie entweder eine vorformulierte Klageschrift einreichen oder Ihr Klagebegehren bei einem Gerichtsdiener zu Protokoll geben.

 

Anfallende Kosten werden bei Klageerfolg den Tätern angelastet. Hat die Klage keinen Erfolg, müssen Sie selbst für entstehende Gerichtskosten aufkommen.

 

Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Beitrag zu den Themen „Unterlassungsanspruch & Unterlassungsklage“.

Da die zivilrechtliche Unterlassungsklage – wie die Strafanzeige – die Täter sowohl zum Einlenken bewegen als auch den Konflikt zusätzlich befeuern kann, kann auch sie wohl überlegt werden. Ob die Einleitung gerichtlicher Schritte in Ihrem Fall wirklich sinnvoll ist, können Sie mit einem Anwalt besprechen. Dieser kann Ihnen bei der rechtlichen Beurteilung unterstützen und Sie gegebenenfalls auch vor Gericht unterstützen.

 

Schadensersatzklage

Sind Ihnen durch das Mobbing am Arbeitsplatz finanzielle Schäden entstanden, haben Sie außerdem einen Anspruch auf Schadensersatz. Ersetzungsfähig wären zum Beispiel Kosten für

  • ärztliche Behandlungen,
  • Erholungskuren oder
  • Reparaturen beschädigter Sachen.

Im Rahmen der Schadensersatzklage müssen Sie eindeutig nachweisen können, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den entstandenen Kosten und dem Mobbing am Arbeitsplatz besteht – z. B. durch Zeugen oder ärztliche Atteste. Hat die Schadensersatzklage Erfolg, werden die Täter gerichtlich zur Begleichung der entstandenen Kosten verpflichtet.

Wollen Sie eine Schadensersatzklage stellen, ist die Vorgehensweise die gleiche wie bei der zivilrechtlichen Unterlassungsklage.

 

Schmerzensgeld fordern

Neben oder anstelle der Schadensersatzklage können Sie Schmerzensgeld von den Tätern fordern. Als Sonderform des Schadensersatzes stellt dieses nicht auf konkrete Kostenschäden ab, sondern auf Schäden immaterieller Natur. So sollen von Mobbing am Arbeitsplatz betroffene Personen für

  • Schmerzen körperlicher oder psychischer Natur,
  • Folgeschäden,
  • chronische Schäden oder
  • Verletzungen von Freiheits- oder Persönlichkeitsrechten

finanziell entschädigt werden.

Wollen Sie infolge von Mobbing am Arbeitsplatz Schmerzensgeld verlangen, müssen Sie sich wie bei einer Schadensersatzklage an das für Sie zuständige Amtsgericht wenden und Klage einreichen.

Wie viel Schmerzensgeld Sie erwarten können, ist gesetzlich nicht festgelegt und kann daher nicht pauschal vorhergesagt werden – die Entscheidung über die genaue Höhe liegt immer im Ermessen des Richters. Diesem stehen im Rahmen seiner Entscheidungsfindung lediglich sogenannte Schmerzensgeldtabellen zur Verfügung – darin sind frühere Entscheidungen als Präzedenzfälle zur Orientierung gesammelt.

In der folgenden Tabelle finden Sie einige Beispiele für Mobbing am Arbeitsplatz und die für diese Fälle bereits ausgeurteilten Schmerzensgelder:

Handlung

Zugesprochenes Schmerzensgeld

Geringschätzung durch Worte & Gesten (z. B. „Stinkefinger“)

100 €

Missachtung sexueller Selbstbestimmung

250 €

Rassistische Äußerungen

360 €

Langwieriges & schweres Mobbing am Arbeitsplatz

53.000 €

 

Wenn Sie wegen Mobbing am Arbeitsplatz Schmerzensgeld einfordern wollen, liegt die Beweislast leider immer bei Ihnen! Das bedeutet, Sie müssen die beklagten Handlungen sowie den dadurch erlittenen Schaden genau nachweisen können – dafür können Sie z. B. auf Ihr Mobbing-Tagebuch, Augenzeugenberichte oder ärztliche Atteste zurückgreifen.

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Beitrag zum Thema „Schmerzensgeld“.

 

4. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Arbeitsrecht

Wenn Sie Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz geworden sind, können Sie sich auf verschiedene Art und Weise wehren – Sie stehen den Tätern nicht wehrlos gegenüber. Oft können Sie Ihre Position stärken, indem Sie auf Hilfe von außen vertrauen. Sofern Sie sich entscheiden, rechtliche Schritte einzuleiten, kann Sie ein Anwalt vorab beraten.

 

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Patricia Bauer
Patricia Bauer
Beitrag von
Patricia Bauer

Patricia Bauer findet als Mitglied der juristischen Redaktion von advocado praktische Lösungen für Ihre Rechtsprobleme. Durch ein Jurastudium kann sie auf umfangreiches Fachwissen aus Erb-, Vertrags- und Markenrecht zurückgreifen und komplexe juristische Sachverhalte leicht verständlich und lösungsorientiert aufbereiten.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Ratgeberartikel, den unsere juristische Redaktion mit größtmöglicher Sorgfalt verfasst hat. Der Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und unsere Redakteure sind keine Rechtsanwälte. Selbstverständlich ersetzen die Informationen aus diesem Artikel keine Rechtsberatung im Einzelfall. Jeder individuelle Fall muss vorher durch einen Rechtsanwalt geprüft werden, um eine fundierte Handlungsempfehlung erteilen zu können.
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