Ärztepfusch – so erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz

Ärztepfusch – so erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz

 von Rebecca Gohla (jur. Redaktion)
Ärztepfusch – so erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz
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  1. Wann liegt Ärztepfusch vor?
  2. Wann kann ich bei Ärztepfusch Schmerzensgeld & Schadensersatz erhalten?
  3. Wie hoch fällt die Entschädigung für einen Ärztepfusch aus?
  4. So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz bei Ärztepfusch
  5. Mögliche Kosten & Kostenübernahme
  6. Tipp: juristische Unterstützung zur Durchsetzung Ihrer Ansprüche nach Ärztepfusch

In diesem Beitrag erfahren Sie u. a. in welchen Fällen ein Ärztepfusch vorliegt, welche Voraussetzungen für einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz erfüllt sein müssen und wie Sie diese Ansprüche durchsetzen können.

 

RECHTSBERATUNG-TIPP

► Sofern Sie nach Ärztepfusch Schmerzensgeld oder Schadensersatz mit anwaltlicher Unterstützung durchsetzen wollen, kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches und kostenfreies Erstgespräch mit unserem Anwalt für Medizinrecht.

► Im Rahmen dieses Erstgesprächs prüfen wir, ob in Ihrem individuellen Fall ein Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz besteht, wie hoch dieses ausfallen kann und welche juristischen Optionen Sie haben, Ihren Anspruch durchzusetzen. Alle damit verbundenen Chancen und Risiken sowie anfallende Kosten stellen wir Ihnen zudem transparent dar. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihres Anspruchs beauftragen.

Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

1. Wann liegt Ärztepfusch vor?

Verstoßen Ärzte gegen medizinische Standards oder ärztliche Sorgfaltspflichten und kommt es infolge dessen zu Beeinträchtigungen oder einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines Patienten, liegt Ärztepfusch vor. Ein Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz besteht dann, wenn zweifelsfrei nachgewiesen werden kann, dass der Ärztepfusch ursächlich für die medizinischen Folgen war. Bei gewöhnlichen Komplikationen besteht hingegen kein Anspruch auf eine Entschädigung.

 

WICHTIGER HINWEIS:

Haben Sie einen rechtmäßigen Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz nach Ärztepfusch und setzen diesen erfolgreich durch, übernimmt die Gegenseite sämtliche anfallende Anwalts- und Gerichtskosten.

 

Ärztepfusch kann in den verschiedensten Behandlungsschritten vorkommen und u. a. folgende Ursachen haben:

  • Diagnosefehler: unerkanntes Krankheitsbild aufgrund unzureichender Befunderhebung vor und während der Behandlung,
  • Indikationsfehler: Nach korrekter Diagnose wird der Patient falsch behandelt,
  • Verstoß gegen die Überweisungspflicht: keine Überweisung an einen Spezialisten, welche im Zweifelsfall unbedingt notwendig ist,
  • Verstoß gegen die Aufklärungspflicht: unterlassene Aufklärung des Patienten über seine Mitbestimmungsrechte, mögliche Risiken und Therapiemöglichkeiten,
  • Therapiefehler: Fehler im Rahmen medizinischer Therapiemaßnahmen,
  • Fehler bei der Verwendung technischer Hilfsmittel: unzureichende Sorgfalt beim Einsatz medizinischer Geräte,
  • Nachsorgefehler: Unterlassung der Kontrolle des Heilungsprozesses,
  • mangelnde Hygiene: Verstoß gegen Hygienevorschriften,
  • Verstoß gegen die Dokumentationspflicht: Die Behandlungsmaßnahmen werden nicht ausreichend dokumentiert.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu Behandlungsfehlern, die medizinischem Personal passieren können, wie und unter welchen Voraussetzungen Patienten dagegen vorgehen können und welche Entschädigung ihnen unter Umständen zusteht, erfahren Sie in unserem Beitrag zum Behandlungsfehler.

 

2. Wann kann ich bei Ärztepfusch Schmerzensgeld & Schadensersatz erhalten?

Welche Voraussetzungen, Beweispflichten und Verjährungsfristen für eine Entschädigung in Form von Schmerzensgeld oder Schadensersatz bei Ärztepfusch zu beachten sind, erklären wir Ihnen jetzt.

 

2.1 Allgemeine Voraussetzungen

Um nach Ärztepfusch Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz zu haben, muss zunächst ein Fehler des Arztes oder Krankenhauses festgestellt worden sein. Darüber hinaus muss der Ärztepfusch zu einer objektiven Beeinträchtigung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten geführt haben. Außerdem darf der Ärztepfusch noch nicht verjährt sein.

 

HINWEIS:

Die entstandene Beeinträchtigung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten muss durch Ärztepfusch oder einen Fehler des medizinischen Personals entstanden sein. Sollte sich die Gesundheit beispielsweise aufgrund der Missachtung ärztlicher Anweisungen verschlechtern, kann der Arzt nicht verantwortlich gemacht werden. Demnach besteht kein Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zum Anspruch auf Entschädigung nach Ärztepfusch, zu allen relevanten rechtlichen Regelungen und wichtige Hinweise zur Durchsetzung finden Sie in unseren umfassenden Beiträgen zu Schmerzensgeld und Schadensersatz.

 

2.2 Beweislast

Damit von Ärztepfusch betroffene Patienten eine Entschädigung in Form von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz erhalten können, muss nachgewiesen werden können, dass

  • der Arzt einen Fehler gemacht hat und
  • dieser Fehler zu einer Beeinträchtigung oder Verschlechterung der Gesundheit des Patienten geführt hat – diesem also ein Schaden entstanden ist.

Aufgrund der Komplexität ärztlicher Haupt- und Nebenpflichten sowie medizinischer Standards ist ein Sachverständigen-Gutachten zu empfehlen. In diesem werden der medizinische Wissens- und Ausbildungsstand sowie die üblichen Behandlungsmethoden mit den Behandlungsunterlagen und dem Gesundheitszustand des Patienten abgeglichen – und Ärztepfusch zweifelsfrei nachgewiesen.

Sofern diese Beweisführung durch eine mangelhafte oder nicht vorhandene medizinische Dokumentation erschwert wird, kann es zu einer Beweislastumkehr kommen. In Ausnahmefällen müssen so der Arzt oder das Krankenhaus beweisen, dass kein Ärztepfusch vorliegt. Eine solche Beweislastumkehr kann übrigens auch bei einem groben, objektiv medizinisch unverständlichen Kunstfehler eintreten. Von einem solchen kann ausgegangen werden, wenn

  • eine unqualifizierte Person aufgrund vermeidbarer Fehlorganisation die Behandlung vornahm,
  • vom behandelnden Arzt nicht auf eindeutige Symptome reagiert wurde oder
  • bekannte Standardmethoden keine Anwendung fanden.

 

Ärztepfusch Schmerzensgeld und Schadensersatz – Beweislast

 

Zweifelsfreie Beweisführung & Dokumentation:

Um einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz nach einem Ärztepfusch durchsetzen zu können, ist eine umfangreiche Dokumentation und Beweisführung unerlässlich. Ein erfahrener und spezialisierter Anwalt kann in diesem Zusammenhang sicherstellen, dass der Ärztepfusch sowie dessen Folgen und die Schuldfrage zweifelsfrei nachgewiesen werden. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu Kunstfehlern, den Voraussetzungen für Schmerzensgeld und Schadensersatz und den juristischen Optionen zu dessen Durchsetzung finden Sie in unserem Beitrag zum Kunstfehler.

 

2.3 Achtung: Verjährungsfristen beachten

Die Verjährungsfrist für medizinrechtliche Ansprüche bei Ärztepfusch beträgt 3 Jahre – innerhalb dieser muss ein Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz geltend gemacht werden. Diese Frist beginnt dabei mit dem Ende des Jahres, in welchem der Geschädigte über den Ärztepfusch Kenntnis erlangt hat.

Beispiel: Patient A wird im Juli 2018 von Arzt B falsch behandelt. Durch diesen Fehler ist A ein gesundheitlicher Schaden entstanden. Die Verjährungsfrist beginnt somit am 31.12.2018 und endet dementsprechend am 31.12.2021.

Liegen Ärztefehler und die Kenntnisnahme von z. B. dessen gesundheitlichen Folgen nicht im selben Jahr, so setzt die Verjährungsfrist erst am Ende des Jahres ein, in dem Kenntnis erlangt wurde. Sobald zwischen den Parteien – also Patient und Arzt, Krankenhaus oder deren Haftpflichtversicherung – übrigens Verhandlungen über eine Entschädigung laufen, wird die Verjährung gehemmt. Diese Hemmung wirkt bis drei Monate nach Verhandlungsende nach. Unabhängig von diesen Einschränkungen verjähren alle Ansprüche bezüglich Ärztepfuschs nach 30 Jahren.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur abweichenden Verjährungsfrist bei Schadensersatz und welche Sonderregelungen beachtet werden sollten, finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Verjährung Schadensersatz.

 

3. Wie hoch fällt die Entschädigung für einen Ärztepfusch aus?

Ein Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz bei Ärztepfusch ist laut § 823 BGB gegeben, wenn dessen Ursache und Folgen eindeutig nachgewiesen werden können. Welche Faktoren darüber hinaus Einfluss auf die Höhe der Entschädigung haben und wie sich Schmerzensgeld und Schadensersatz bei Ärztepfusch konkret bestimmen lassen, erklären wir Ihnen jetzt.

 

3.1 Schmerzensgeld

Werden immaterielle Schäden wie Verletzungen, Langzeitschäden oder psychische Belastungen durch Ärztepfusch bedingt, kann Schmerzensgeld geltend gemacht werden. Die Höhe des Schmerzensgeldes hängt dabei immer von den erlittenen Schäden und den aus diesen resultierenden Folgen für den Betroffenen ab. Eine pauschale Aussage darüber, wie viel Schmerzensgeld einem Geschädigten nach Ärztepfusch zusteht, lässt sich also nicht treffen.

Um bei Ärztepfusch den Anspruch auf Schmerzensgeld konkret zu bestimmen, sind u. a. folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Schwere der physischen & psychischen Folgen für den betroffenen Patienten,
  • Behandlungsdauer & ggf. Dauer des Krankenhausaufenthalts,
  • Folgen des Ärztepfuschs für Alltag und Beruf,
  • chronische Beschwerden,
  • Folgeschäden & bleibende Entstellung des Körpers.

 

ACHTUNG:

Fordern Sie nach Ärztepfusch ein zu hohes Schmerzensgeld, kann Ihnen das u. a. vor Gericht als versuchte Bereicherung ausgelegt werden. Im schlimmsten Fall hätten Sie dann keinen Anspruch auf Schmerzensgeld mehr.

 

Bei der Bestimmung eines konkreten Schmerzensgeldes wird auf sogenannte Schmerzensgeldtabellen zurückgegriffen, in denen verschiedene Gerichtsurteile zu Schmerzensgeldern zusammengestellt sind. Diese Tabellen sind allerdings nicht bindend – vielmehr wird Schmerzensgeld immer am konkreten Einzelfall bestimmt.

Im Folgenden haben wir Ihnen relevante Beispiele für Schmerzensgelder nach Ärztepfusch zusammengestellt:

 

Verletzung

Schmerzens­geld

Urteil

Dünndarmverletzung bei ambulanter Bauchspiegel­ung aufgrund ärztlichen Behandlungsfehlers

2.500 Euro

LG Osna­brück, 2005

Zahnprothetische Versorgung trotz unzureichender Aufklärung der Patientin, Beschwerden bei der Nahrungsaufnahme, überempfindliche Zähne

6.000 Euro

OLG Hamm, 2016

Arzt übersieht Zerrung des Handgelenks sowie Bänderriss

10.000 Euro

OLG Karls­ruhe, 2007

Verletzung der Speiseröhre aufgrund ärztlichen Behandlungsfehlers

20.000 Euro

OLG Hamm, 2015

Amputation eines Beines aufgrund einer Medikamentenunverträg­lichkeit

35.000 Euro

OLG Celle, 2001

Um durch eine zu hohe Schmerzensgeldforderung Ihren Anspruch nicht zu gefährden, sollte ein erfahrener und spezialisierter Anwalt Ihren individuellen Einzelfall prüfen, um ein angemessenes Schmerzensgeld zu bestimmen und durchzusetzen. Haben Sie übrigens einen rechtmäßigen Anspruch auf Schmerzensgeld nach Ärztepfusch und setzen diesen erfolgreich durch, übernimmt die Gegenseite sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten. Hier Fall schildern & Anspruch prüfen lassen.

Amputation einer Hand nach unnötiger Nervendurchtrennung

40.000 Euro

OLG Hamm, 2013

Hirnschädigung, schwere Lähmungen, lediglich Augenbewegung möglich nach unerkanntem massiven Hirnstamminfarkt

50.000 Euro

OLG Hamm, 2013

Bakterielle Infektion des Gesäßes nach ärztlichem Behandlungsfehler

100.000 Euro

OLG Hamm, 2015

Verletzung des Rücken­marks während einer Operation

250.000 Euro

LG Münster, 2018

Schwerstbehinder­tes Baby nach zu spät eingeleitetem Kaiserschnitt

600.000 Euro

OLG Jena, 2009

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen dazu, in welcher Höhe Ihnen ggf. Schmerzensgeld nach Fehlern des medizinischen Personals in Arztpraxen oder Krankenhäusern zusteht, finden Sie in unserem ausführlichen Beitrag zur Schmerzensgeldtabelle. Wie lange ein Anspruch auf Schmerzensgeld bestehen bleibt und wann dieser ggf. ausgeschlossen ist, erfahren Sie in unserem Beitrag zum Schmerzensgeldanspruch. Wie Sie gegen Fehler bei ärztlicher Behandlung vorgehen können, lesen Sie detaillierter in unseren Beiträgen zu den Themen Arzt verklagen, Zahnarzt verklagen und Krankenhaus verklagen.

 

3.2 Schadensersatz

Während Schmerzensgeld immaterielle Schäden ausgleichen soll, kann Schadensersatz bei allen materiellen Schäden gefordert werden, die infolge von Ärztepfusch entstanden sind. Dazu gehören u. a.:

  • Gesundheitsschäden: Kosten für Behandlungen & Medikamente,
  • Mehrbedarfsschäden: Kosten für Pflege, Haushaltshilfe, ggf. behindertengerechter Umbau des Hauses,
  • Erwerbsschäden: fehlendes Einkommen durch geminderte Arbeitskraft,
  • Haushaltsführungsschäden: finanzieller Ausgleich für unbezahlte Hilfe von Angehörigen, wenn der Geschädigte seinen Haushalt nicht mehr allein führen kann.

Die genaue Höhe eines etwaigen Schadensersatzes bei Ärztepfusch wird dabei anhand der infolge des Ärztepfuschs entstandenen finanziellen Aufwendungen und Kosten berechnet.

LINK-TIPP: Welche Voraussetzungen für Schadensersatz bei Ärztepfusch erfüllt sein müssen, wie Schadensersatz konkret berechnet wird und wie man ihn juristisch durchsetzen kann, erfahren Sie in unserem Beitrag zum Schadensersatzanspruch.

 

Ärztepfusch

Sie wollen mit anwaltlicher Unterstützung bei Ärztepfusch Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz einfordern? Kontaktieren Sie uns für ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch mit einem unserer erfahrenen und spezialisierten Anwälte. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

4. So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz bei Ärztepfusch

Um Schmerzensgeld und Schadensersatz nach Ärztepfusch zu erhalten, sollte zunächst eine außergerichtliche Einigung mit der Gegenseite angestrebt werden. Ist diese nicht möglich, kann eine etwaige Entschädigung vor Gericht eingeklagt werden. Was dabei zu beachten ist und welche Partner im Rahmen einer außergerichtlichen Durchsetzung Hilfestellungen geben können, erklären wir Ihnen jetzt.

 

4.1 Außergerichtliche Einigung

Für eine außergerichtliche Einigung ist zunächst eine schriftliche Schadensersatz- bzw. Schmerzensgeldforderung an den Arzt bzw. dessen Versicherung zu richten. Dieses formlose Schreiben sollte u. a. folgende Angaben enthalten:

    Anschrift des Geschädigten & der gegnerischen Versicherung,
    Name des Arztes,
    Anliegen (Antrag auf Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld),
    geforderte Entschädigungszahlung,
    Fristsetzung zur Begleichung dieser Forderung.

Zudem sollte ein solches Schreiben alle relevanten Dokumente zum Vorfall beinhalten. Diese können beispielsweise sein:

    ausführlicher Nachweis des Ärztepfuschs und dessen Folgen,
    Sachverständigen-Gutachten zur Ursache der Schäden,
    ausführliche Begründung der Schmerzensgeld- bzw. Schadensersatzforderung.

Führt das Schreiben zu keiner Einigung über eine Entschädigung, kann ggf. die Schlichtungsstelle des Krankenhauses helfen und auf eine Lösung des Konfliktes hinwirken. Andernfalls kann der Geschädigte über

  • die Unabhängige Patientenberatung Deutschland,
  • den Deutschen Patientenschutzbund,
  • jede gesetzliche Krankenversicherung und
  • die Ärztekammern

einen erneuten Versuch zur außergerichtlichen Schlichtung unternehmen. Aufgrund des hohen Beratungsbedarfs und daraus resultierenden langen Bearbeitungszeiten dauert dieses Verfahren jedoch vergleichsweise lang. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Entschädigung nach Ärztepfusch gerichtlich durch Klageerhebung durchzusetzen.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen dazu, wie Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz außergerichtlich geltend gemacht werden können, welche Voraussetzungen zu beachten sind und mit welchen Kosten gerechnet werden kann, finden Sie in unseren Beiträgen zu den Themen Schmerzensgeld beantragen und Schadensersatz geltend machen.

 

4.2 Verhandlung vor Gericht

Um Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach Ärztepfusch gerichtlich durchzusetzen, ist folgende Schrittfolge einzuhalten:

  • Einreichung der Klage: Die Klage auf Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld nach Ärztepfusch ist beim zuständigen Zivilgericht einzureichen. Bei einem Streitwert unter 5.000 Euro ist das Amtsgericht vor Ort zuständig und bei einem Streitwert über 5.000 Euro das jeweilige Landesgericht – vor diesem besteht Anwaltszwang.

 

INHALTE DER KLAGESCHRIFT:

  • Datum der Klageerhebung,
  • persönliche Daten wie Name, Anschrift und Telefonnummer des Klägers,
  • Bezeichnung des Gerichts und dessen Anschrift,
  • persönliche Daten des Beklagten,
  • konkrete Forderung an die Gegenseite,
  • Begründung der Forderung sowie
  • Unterschrift des Klägers.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu Klageeinreichung, den Inhalten einer Klageschrift und den damit verbundenen Kosten finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Klage einreichen.

  • Zahlung des Gerichtskostenvorschusses: Mit Einreichung der Klage wird die Zahlung eines Gerichtskostenvorschusses fällig. Dieser richtet sich nach dem jeweiligen Streitwert – also dem geforderten Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz. Ausführlichere Informationen zu den möglichen Kosten finden Sie in Kapitel 5 – Mögliche Kosten & Kostenübernahme.
  • Beginn des Klageprozesses: Die Klage wird der Gegenseite zugestellt.
  • Verhandlung über den Schadensersatz bzw. das Schmerzensgeld: Auf Grundlage sämtlicher Beweise, Gutachten und Zeugenaussagen befasst sich das Gericht mit dem Schadensgeschehen, untersucht eine mögliche Teil- oder Mitschuld und ermittelt den exakten Schadensumfang, auf dessen Grundlage letztlich die Höhe von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz berechnet werden kann.
  • Entscheidung durch das Gericht: Nach Anhörung beider Parteien fällt der Richter ein Urteil darüber, ob ein Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz besteht und in welcher Höhe dieser zugesprochen wird.
  • Auszahlung des Schadensersatzes bzw. Schmerzensgeldes: Abschließend wird eine Frist zur Auszahlung der Entschädigung festgelegt. Innerhalb dieser Frist muss die Summe an den Geschädigten ausgezahlt werden.

 

4.3 Sollte ich einen Anwalt hinzuziehen?

Unabhängig davon, ob Sie eine außergerichtliche oder gerichtliche Durchsetzung Ihrer Ansprüche nach Ärztepfusch anstreben, wird die Gegenseite höchstwahrscheinlich nicht ohne Weiteres auf Ihre Forderungen eingehen. So kommt es in diesem Zusammenhang nicht gerade selten vor, dass die Forderung nach Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz als zu hoch zurückgewiesen, die Folgen des Ärztepfuschs infrage gestellt und die Dokumentation von Schäden und deren Ursache angezweifelt werden. Ein erfahrener und spezialisierter Anwalt kann hier Abhilfe schaffen und sicherstellen, dass der Ärztepfusch, dessen Folgen und deren Ursachen zweifelsfrei und rechtsicher dokumentiert werden. Zudem gewährleistet er nicht nur eine korrekte Berechnung einer angemessenen Förderungshöhe, sondern kann mit einer passenden juristischen Strategie für die unkomplizierte außergerichtliche oder gerichtliche Durchsetzung von Schmerzensgeld und oder/Schadensersatz sorgen.

In diesem Zusammenhang kann er u. a. folgende Aufgaben übernehmen:

  • Prüfung des Anspruchs auf Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld nach Ärztepfusch,
  • Beweissicherung, Dokumentation und rechtssicherer Nachweis der Ursachen der Schäden,
  • Ermittlung einer angemessenen Schadensersatz- bzw. Schmerzensgeldsumme,
  • Vermittlung der Ernsthaftigkeit der Forderung durch anwaltlich verfassten Schadensersatz- bzw. Schmerzensgeldantrag,
  • form- und fristgerechte Einreichung einer etwaigen Klageschrift,
  • Erarbeitung einer individuellen juristischen Strategie, mit der nach einem Ärztepfusch alle Ansprüche schnell und konsequent durchgesetzt werden können.

 

RECHTSBERATUNG-TIPP:

Schon vor Beauftragung eines erfahrenen und spezialisierten Anwalts prüfen wir im Rahmen eines unverbindlichen und kostenfreien Erstgesprächs, ob Sie nach Ärztepfusch einen Anspruch auf Entschädigung besitzen und wie hoch Ihr Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz ausfallen können. Ihre juristischen Optionen zur Durchsetzung, damit verbundene Chancen und Risiken sowie zu erwartende Kosten stellen wir Ihnen ebenfalls transparent dar. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche beauftragen. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

5. Mögliche Kosten & Kostenübernahme

Soll Schadensersatz und/oder Schmerzensgeld mit anwaltlicher Unterstützung durchgesetzt werden, entstehen hierfür und ggf. für ein gerichtliches Verfahren Anwalts- und Gerichtskosten. Deren Höhe hängt vom jeweiligen Streitwert des Verfahrens ab – dem Wert der geforderten Entschädigung. Welche Kosten abhängig vom Streitwert entstehen können, erfahren Sie nachfolgend.

 

Außergerichtliche Kosten

Kosten, die bei der außergerichtlichen Durchsetzung entstehen können, umfassen beispielsweise Fahrtkosten für Zeugen, Kosten für Sachverständigen-Gutachten und – sofern ein Anwalt hinzugezogen wird – auch Anwaltskosten.

Dabei werden die Kosten für einen Anwalt durch das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt. Demnach kann ein Anwalt für seine Arbeit folgende Gebühren berechnen:

  • 1,3-fache Geschäftsgebühr für die anwaltliche Vertretung,
  • 1,5-fache Einigungsgebühr für den Abschluss eines Vergleichs.

Nachfolgend finden Sie eine exemplarische Zusammenstellung von Anwaltskosten bei verschiedenen Streitwerten:

 

Streitwert bis …

Anwaltskosten

500 Euro

126,00 Euro

2.000 Euro

420,00 Euro

4.000 Euro

705,60 Euro

Hinweis: Anwaltskosten richten sich immer nach dem konkreten Einzelfall und werden individuell berechnet. Die Angaben in der Tabelle sind daher nur als grobe Orientierung zu verstehen.

Alternativ zu einer Abrechnung auf Grundlage des RVG kann allerdings auch eine individuelle Vergütungsvereinbarung zum Festpreis vereinbart werden. Der Anwalt rechnet dann auf Basis der tatsächlich geleisteten Stunden ab.

 

Gerichtliche Kosten

Sollte eine außergerichtliche Einigung nicht möglich sein, kann ein Gerichtsprozess angestrebt werden, um Ihre Ansprüche nach Ärztepfusch durchzusetzen. Dadurch werden Gerichtskosten ausgelöst. Diese setzen sich aus Gebühren für die Tätigkeit des Gerichtes und aus Auslagen des Gerichts zusammen. Zu Letzteren gehören beispielsweise u. a. Kosten für Zeugenbefragungen, Sachverständige, Dolmetscher sowie Kosten für Telekommunikation bzw. Post. Auch diese Kosten sind vom Streitwert abhängig.

Wird ein Anwalt mit der gerichtlichen Durchsetzung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach Ärztepfusch beauftragt, kann dieser auf Grundlage des RVG folgende Gebühren berechnen:

  • 1,3-fache Verfahrensgebühr für die Erhebung der Klage,
  • 1,2-fache Termingebühr für die Wahrnehmung der Güteverhandlung und des Kammertermins,
  • 1,0-fache Einigungsgebühr für den Abschluss eines Vergleichs.

Folgende Anwalts- und Gerichtskosten können im Rahmen der gerichtlichen Durchsetzung einer Entschädigung nach Ärztepfusch entstehen:

 

Streitwert bis…

Anwalts- und Gerichtskosten

500 Euro

192,50 Euro

2.000 Euro

614,00 Euro

4.000 Euro

1.009,00 Euro

Hinweis: Anwaltskosten richten sich immer nach dem konkreten Einzelfall und werden individuell berechnet. Die Angaben in der Tabelle sind daher nur als grobe Orientierung zu verstehen.

 

Kostenübernahme

Durch folgende Möglichkeiten lassen sich Anwalts- und Gerichtskosten, die im Rahmen der Durchsetzung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach Ärztepfusch entstehen, reduzieren oder sogar vollständig finanzieren:

  • Gegenseite trägt die Kosten: Die Gegenseite hat die gesamten Anwalts- und Gerichtskosten zu zahlen, wenn das Gericht dem Geschädigten einen Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach Ärztepfusch zuspricht.
  • Prozesskostenhilfe: Hat der Geschädigte nicht die finanziellen Mittel, um seinen Anspruch auf Entschädigung gerichtlich durchzusetzen, kann er Prozesskostenhilfe beantragen. Der Antrag hierzu muss mit Vermögensnachweis beim zuständigen Amtsgericht eingereicht werden.
  • Kostenübernahme durch Rechtsschutzversicherung: In der Regel übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Kosten für eine gerichtliche Geltendmachung von Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz nach Ärztepfusch. In welchem Umfang die Kosten konkret übernommen werden, hängt von der genauen Ausgestaltung der Versicherungspolice ab.

 

KOSTENFREIE DECKUNGSANFRAGE:

Sollten Sie sich unsicher sein, ob Ihre Rechtsschutzversicherung die anfallenden Anwalts- und Gerichtskosten bei der Einforderung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach Ärztepfusch übernimmt, stellen wir für Sie gerne eine kostenfreie Deckungsanfrage bei Ihrer Versicherung. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen und geben die relevanten Daten ein.

 

6. Tipp: juristische Unterstützung zur Durchsetzung Ihrer Ansprüche nach Ärztepfusch

Sofern Sie Opfer von Ärztepfusch geworden sind und Ihnen dadurch Schäden entstanden sind, steht Ihnen in der Regel Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz zu. Die Auseinandersetzung mit der Gegenseite erweist sich jedoch oft als langwieriger und belastender Prozess – vor allem dann, wenn die Forderung zurückgewiesen, die Dokumentationen in Zweifel gezogen oder die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt wird. Ein erfahrener und spezialisierter Anwalt kann Sie hier unterstützen und eine zweifelsfreie Dokumentation des Ärztepfuschs und dessen Folgen, die korrekte Berechnung einer angemessenen Entschädigungsforderung und eine zielführende juristische Strategie für die Verhandlungen mit der Gegenseite und vor Gericht zur schnellen und unkomplizierten Durchsetzung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach Ärztepfusch sicherstellen.

► Im Rahmen eines unverbindlichen und kostenfreien Erstgesprächs prüfen wir bereits vor der Beauftragung eines Anwalts, ob Sie Anspruch auf Entschädigung nach Ärztepfusch haben, wie hoch dieser ausfallen kann und welche Erfolgsaussichten mit den verschiedenen juristischen Optionen für die Durchsetzung der Forderung verbunden sind. Zudem werden etwaige Risiken und Kosten transparent dargestellt. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihres Anspruchs beauftragen.

► Für ein kostenfreies und unverbindliches Vorgespräch machen Sie bitte kurz Angaben zum Ärztepfusch und dessen Folgen. Falls bereits medizinische Gutachten oder andere relevante Dokumente vorliegen, können Sie diese direkt in unserem verschlüsselten System hochladen.

Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

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Rebecca Gohla
Ein Artikel von Rebecca Gohla aus der juristischen Redaktion bei advocado

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Rebecca Gohla stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen. Dabei legt Rebecca großen Wert auf eine verständliche Sprache, damit auch Nicht-Juristen im deutschen Paragraphendschungel den Durchblick behalten und ihre rechtlichen Angelegenheiten schnell, einfach und sorgenfrei erledigen können.

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