Diagnosefehler & Diagnoseirrtum: Wann haftet der Arzt für eine falsche Diagnose?

Diagnosefehler & Diagnoseirrtum: Wann haftet der Arzt für eine falsche Diagnose?

 von Jasmin Leßmöllmann (jur. Redaktion)
Diagnosefehler & Diagnoseirrtum: Wann haftet der Arzt für eine falsche Diagnose?

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Was ist ein Diagnosefehler?
  2. Wann besteht ein Entschädigungsanspruch?
  3. Wie hoch fällt die Entschädigung aus?
  4. Verdacht auf einen Diagnosefehler? 6 Sofortmaßnahmen
  5. So setzen Sie eine Entschädigung durch
  6. Warum ist anwaltlicher Beistand wichtig?
  7. Welche Kosten können entstehen?

Definition

Interpretieren Ärzte Befunde falsch und ergreifen infolgedessen nicht die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen, spricht man von einem Diagnosefehler bzw. Diagnoseirrtum. Erfolgt trotz Fehldiagnose eine fachgerechte (unschädliche) Patientenbehandlung, ist der Fehler vertretbar und eine Arzthaftung unbegründet. Wenn Mediziner jedoch bei der Diagnoseerstellung medizinische Standards oder Sorgfaltspflichten missachten und dem Patienten damit gesundheitlich schaden, besteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld und ggf. Schadensersatz.

 

Auf einen Blick

  • Wenn ein Arzt Befunde fehlinterpretiert und deshalb nicht die notwendigen Behandlungsmaßnahmen ergreift, liegt ein Diagnosefehler vor.
  • Verschlechtert sich durch eine Fehldiagnose der Gesundheitszustand des Patienten nachweislich, besteht ein 3-jähriger Entschädigungsanspruch.
  • Um Schmerzensgeld und Schadensersatz zu erhalten, muss der Patient den Diagnosefehler als Schadensursache nachweisen (= Beweispflicht).
  • Als Beweismittel bieten sich unter anderem Krankenunterlagen, Gutachten, Fotos, Zeugenaussagen und ärztliche Zweitmeinungen an.
  • Ein Entschädigungsanspruch lässt sich außergerichtlich oder im Arzthaftungsprozess durchsetzen. Bei Klageerfolg trägt die gegnerische Partei sämtliche Kosten für Anwälte und Gericht.
  • Da die Gegenseite die Entschädigungsforderung oft unbegründet zurückweist, empfiehlt sich die Beauftragung eines Anwalts: Er übernimmt die komplizierte Beweisführung und setzt die Entschädigung zeitnah durch.

 

1. Was ist ein Diagnosefehler?

Wenn ein Arzt die Befunde eines Patienten falsch interpretiert und deswegen nicht die notwendige Behandlungsmaßnahmen ergreift, liegt ein Diagnoseirrtum vor.

Erfolgt die Behandlung trotzdem entsprechend der allgemeinen medizinischen Standards und hat keine negativen Auswirkungen auf den Patienten, begründet der Diagnoseirrtum keine Arzthaftung und keinen Entschädigungsanspruch.

 

Beispiel-Urteil: OLG Hamm, Mai 2015 – 26 U 2/13

► Ein Gynäkologe setzt seiner Patientin eine Spirale ein, doch 2 Jahre später wird sie schwanger und bringt eine Tochter zur Welt.

► Frau M hat eine seltene Anomalie (doppelte Anlage von Vagina und Uterus), welche der Gynäkologe übersehen hatte. Frau M möchte nun ihren Arzt verklagen.

► Da der Gynäkologe Frau M entsprechend des medizinischen Standards behandelte, verneint das OLG einen Arztfehler.

 

Nicht jede falsche Diagnose stellt somit auch einen Behandlungsfehler dar, der zur Arzthaftung und Zahlung einer Entschädigung führt. Sobald der Arzt bzw. sein medizinisches Personal die allgemein anerkannten medizinischen Standards oder die ärztlichen Sorgfaltspflichten missachten und den Gesundheitszustand des Patienten massiv verschlechtern, handelt es sich um einen Diagnosefehler – betroffenen Patienten steht eine Entschädigung zu.

 

Beispiel-Urteil: OLG Karlsruhe, November 2007 – 7 U 251/06

► Ein Elternpaar macht den Kinderarzt auf das Schielen ihres Babys aufmerksam, doch dieser entscheidet sich, zunächst abzuwarten.

► Die Eltern konsultieren einen Augenarzt, da der Kinderarzt das Schielen nicht behandelt. Der Facharzt überweist das Baby in eine Augenklinik. Er sieht die Ursache des Schielens in einem Retinoblastom (Tumorart). Die Augenklinik bestätigt  seinen Verdacht und entfernt wegen drohender Metastasenbildung beide Augen.

► Das OLG verurteilt den Kinderarzt wegen eines groben Diagnosefehlers zu 90.000 € Schmerzensgeld, einer monatlichen Schmerzensgeld-Rente (260 €), 3.000 € Schadensersatz und verpflichtet ihn, auch für zukünftige Schäden aufzukommen.

 

Die deutsche Rechtsprechung urteilt beim Diagnosefehler eher zurückhaltend, da es auch für Ärzte zuweilen schwierig ist, anhand der Symptome, Schilderungen und Befunde eine eindeutige Diagnose zu stellen.

Solange die Behandlung trotz falscher Diagnose ohne Komplikationen verläuft, sollte der Patient also genau abwägen, ob er gegen den Arzt vorgehen oder das Krankenhaus verklagen möchte.

 

Vom Diagnosefehler zu unterscheiden, ist der Befunderhebungsfehler: Hat der Arzt die notwendigen Befunde nicht oder nur unzureichend erhoben, spricht man von einem Befunderhebungsfehler.

Dieser führt zur Beweislasterleichterung zugunsten des Patienten. Handelte der Arzt grob fahrlässig, ist auch eine Strafanzeige möglich, damit Betroffene z. B. ein Schmerzensgeld bei Körperverletzung erhalten.

 

Sie vermuten, dass Ihrem Arzt ein Diagnosefehler unterlaufen ist, der sich negativ auf Ihre Gesundheit auswirkt? Kontaktieren Sie uns für ein kostenfreies Erstgespräch mit einem Anwalt für Medizinrecht.

Im Rahmen des Erstgesprächs nimmt der Anwalt Ihr Anliegen auf und erläutert das mögliche weitere Vorgehen, um erfolgreich Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz durchzusetzen. Schildern Sie hier bitte Ihr Anliegen.

 

2. Wann besteht ein Entschädigungs­anspruch?

Ein Diagnosefehler bedeutet für betroffene Patienten drastische Konsequenzen: Neben immateriellen Schäden entstehen zusätzliche Kosten für Hilfsmittel, erhöhten Pflegebedarf, Therapie und Medikamentenzuzahlungen. Zudem drohen finanzielle Einbußen durch Verdienstausfälle.

Um die negativen Konsequenzen einzudämmen, besteht gegenüber dem Behandelnden ein Entschädigungsanspruch:

 

Wann besteht kein Entschädigungs­anspruch?

Missachtet ein Patient die ärztlichen Anweisungen (Bettruhe, verordnete Medikation, Schonkost etc.) und verschlechtert durch sein Handeln den Gesundheitszustand, besteht trotz Diagnosefehler kein Schmerzensgeld- oder Schadensersatzanspruch.

Ärzte und medizinisches Personal sind zwar zur Behandlung verpflichtet, allerdings schulden sie ihren Patienten keinen Behandlungserfolg.

Treten während eines Eingriffs gewöhnliche Komplikationen auf oder bringt eine Behandlung nicht den gewünschten Erfolg, handelt es sich dabei nicht um einen Arztfehler.

 

Voraussetzungen für eine Entschädigung

Um Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld nach einem Diagnosefehler zu erhalten, müssen ausnahmslos die folgenden 3 Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es liegt eine falsche Diagnose vor.
  • Die Fehldiagnose verursacht Gesundheitsschäden.
  • Der Entschädigungsanspruch ist noch nicht verjährt.

 

Diagnosefehler nachweisen

Liegt ein einfacher Diagnosefehler vor, ist der Patient beweispflichtig. Er muss nachweisen, dass die falsche Diagnose den Gesundheitsschaden verursacht hat.

Betroffene können dafür zunächst eine ärztliche Zweitmeinung einholen, um eine medizinische Einschätzung der Situation zu erhalten.

Um eine detaillierte Beweisführung und Dokumentation zu gewährleisten, empfiehlt sich juristischer Beistand: Ein Anwalt für Behandlungsfehler beurteilt die medizinischen Gegebenheiten und schätzt ein, ob die Patientenakte als Nachweis der falschen Diagnose ausreicht oder ob weitere Maßnahmen wie die Beauftragung eines unabhängigen Sachverständigen-Gutachtens notwendig sind.

Ist der Diagnosefehler besonders schwerwiegend, kehrt sich die Beweislast um: Der Arzt, das Krankenhaus bzw. deren Haftpflichtversicherung müssen nachweisen, dass sie mit ihrer Behandlung den Gesundheitsschaden ihres Patienten nicht verschuldet haben.

In folgenden Situationen tritt die Beweislastumkehr ein:

  • Die Krankenunterlagen sind unvollständig oder fehlen komplett.
  • Eine unqualifizierte Person stellt die (falsche) Diagnose.
  • Der Behandelnde übersieht eindeutige Befunde oder Symptome.
  • Der Diagnosefehler ist so schwerwiegend, dass er einem Mediziner schlichtweg nicht unterlaufen darf (= grober Behandlungsfehler).

 

Verjährungsfrist einhalten

Der Schadensersatz- und Schmerzensgeldanspruch nach einem Diagnosefehler verjährt nach 3 Jahren. Die Verjährungsfrist beginnt immer am Ende des Jahres, in welchem der Patient Kenntnis vom Schaden erlangt.

 

Beispiel Verjährungsfrist:
► Im Dezember 2018 stellt ein Arzt eine falsche Diagnose, woraufhin er eine ungeeignete Medikation für die Erkrankung des Patienten wählt.

► Erst während der Nachbehandlungen im April 2019 stellt sich heraus, dass die medikamentöse Therapie die Organe des Patienten schwer schädigte, was eine Operation zur Behebung des Schadens nach sich zieht.

► Die Verjährungsfrist beginnt am 31.12.2019 und endet am 31.12.2022.

 

Ausnahmeregelungen

  • Während des Arzthaftungsprozesses kommt es nicht zur Verjährung von Schadensersatz- oder Schmerzensgeldansprüchen. Die sog. Hemmung der Verjährung wirkt nach Verhandlungsabschluss noch bis zu 3 Monate fort.
  • Sind die Schäden des Diagnosefehlers noch nicht vollständig absehbar, empfiehlt es sich, einen Feststellungsantrag beim Gericht zu stellen. Er verhindert, dass der Anspruch auf Schadensersatz für künftige Schäden verjährt. Die Verjährungsfrist verlängert sich auf 30 Jahre.

 

3. Wie hoch fällt die Entschädigung aus?

Die Höhe der Entschädigung für einen Diagnosefehler ist abhängig von den konkreten Schäden und den durch sie hervorgerufenen Auswirkungen. Wegen der massiven finanziellen Belastungen, die durch eine falsche Diagnose entstehen können, liegen die Entschädigungszahlungen oft im hohen 6-stelligen Bereich.

Einfluss auf die Entschädigungshöhe haben u. a. die folgenden Faktoren:

  • Ausmaß psychischer und körperlicher Schäden
  • Dauer der Behandlung
  • Krankenhausaufenthalte & Anzahl der Reha-Maßnahmen
  • Auswirkungen auf Berufs- & Alltagsleben
  • Langwierige & chronische Schmerzen
  • Folgeschäden & körperliche Entstellungen

 

Schmerzensgeld

Bei der Berechnung eines angemessenen Schmerzensgeldes hilft die sogenannte Schmerzensgeldtabelle. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Gerichtsurteilen zu Diagnosefehlern und den zugesprochenen Entschädigungszahlungen. Da sich Schmerzensgeld stets anhand der individuellen Umstände bemisst, dient die folgende Übersicht lediglich als erste Orientierung.

 

Sachverhalt

Schmerzensgeld

Urteil

Schockschaden mit Angstzuständen und monatelanger Todesangst nach falscher Diagnose Hodenkrebs

2.500 €

OLG Bamberg 2003

Starke Bauchfellent­zündung nach verspätet diagnostizierter Blinddarment­zündung

7.500 €

OLG Oldenburg 2017

Patient hat zu 30 % verminderte Erwerbsfähigkeit, nachdem Facharzt eine Verrenkung übersieht

10.000 €
+ 4.000 € Schadensersatz

OLG Karlsruhe 2007

Erfordernis einer Chemotherapie und mehrerer operativer Eingriffe nach zu später Brustkrebsdiagnose

20.000 €

OLG Hamm 2013

Erblindung nach falscher Diagnose & zu später Überweisung an einen Augenarzt

90.000 €

OLG Karlsruhe 2007

Diverse Operationen, Chemotherapien und Tod nach 2-jährigem Leidensweg, weil der Arzt eine Darmkrebserkrankung übersieht

100.000 €

OLG Braunschweig 2010

Patient wird zum schweren Pflegefall nach Diagnosefehler Spannungs­kopfschmerzen

200.000 €
+ 45.000 € Schadensersatz

OLG Hamm 2012

Schwere, dauerhafte Hirnschädigung nach falscher Diagnose und zu spät eingeleiteter Therapie

700.000 €

LG Aachen 2011

 

Schadensersatz

Entstehen finanzielle Belastungen, steht den betroffenen Patienten gegebenenfalls neben Schmerzensgeld auch Schadensersatz für die falsche Diagnose zu:

  • Gesundheitsschäden: Kostenerstattung für Medikamente & Behandlung
  • Erwerbsminderung: Ausgleich des Einkommensverlusts bei verminderter Arbeitsleistung
  • Mehrbedarf: Kostenübernahme für Pflegepersonal, Haushaltshilfe oder den behindertengerechten Umbau von Haus bzw. Wohnung
  • Haushaltsführungsschäden: Finanzielle Unterstützung für die unentgeltliche Hilfe von Angehörigen oder Bekannten bei der Haushaltsführung

 

Regressanspruch der GKV (= gesetzliche Krankenversicherung):

► Auch die Krankenkassen dürfen für falsche Diagnosen Schadensersatz geltend machen, wenn sie die durch den Diagnosefehler notwendigen zusätzlichen Behandlungskosten zu tragen haben.

► Dazu beauftragt die Krankenkasse beim medizinischen Dienst (MDK) ein unabhängiges Gutachten. Bestätigt die Einschätzung des MDK den Diagnosefehler, geht die Krankenkasse in einem Regressverfahren eigenständig gegen den Arzt vor.

 

4. Verdacht auf einen Diagnosefehler? 6 Sofortmaßnahmen

Wenn Sie vermuten, Opfer eines ärztlichen Diagnosefehlers zu sein, sollten Sie relevante Beweise sichern und sich möglichst früh an einen spezialisierten Anwalt wenden.

Mit diesen 6 Sofortmaßnahmen gewinnen Sie rechtliche Klarheit und verhindern, dass Ansprüche verfallen:

 

Gedächtnisprotokoll anfertigen

In einem Gedächtnisprotokoll beschreiben Patienten den Ablauf ihrer Behandlung so detailliert wie möglich. Im späteren Arzthaftungsprozess dient es als wichtiges Beweisstück, denn es gibt Aufschluss über:

  • Behandlungstermine & Arztgespräche,
  • Daten von Ärzten, Zimmernachbarn & weiteren Zeugen,
  • Beschwerden, Diagnosen, Befunde, Therapien, Medikation usw.,
  • Art & Ausmaß der gesundheitlichen Beschwerden,
  • Auswirkungen auf Alltag & Beruf,
  • Folgekosten für Medikamente, Hilfs- & Heilmittel.

 

Patientenakte sichern

Das Zusammentragen von medizinischen Informationen ist entscheidend, um den Diagnosefehler als Ursache Ihres Gesundheitsschadens nachzuweisen und wichtige Beweise für eine gerichtliche Auseinandersetzung zu sichern.

Ärzte sind verpflichtet, den Diagnose- und Behandlungsablauf, Nebenwirkungen, Eingriffe und sonstige Informationen in Ihren Krankenunterlagen festzuhalten (= Dokumentationspflicht).

Auf der anderen Seite hat jeder Patient nach § 630g BGB zu jeder Zeit das Recht auf Akteneinsicht und darf auf eigene Kosten Kopien seiner Unterlagen anfertigen. Verstirbt ein Patient, dürfen die Angehörigen Akteneinsicht beantragen.

 

Fehlt in der Akte die Dokumentation einer oder mehrerer medizinischer Behandlungsmaßnahmen, ist zugunsten des Patienten zu vermuten, dass eine entsprechende Behandlung nicht erfolgte.

 

Zweitmeinung einholen

Jeder Patient hat das Recht, den Arzt, das Krankenhaus oder sonstige medizinische Einrichtungen frei zu wählen und zu wechseln. Wenn Sie vermuten, dass dem behandelnden Arzt ein Diagnosefehler unterlaufen ist, können Sie Ihren Verdacht von einem anderen Mediziner bestätigen lassen.

Ein klärendes Gespräch mit einem weiteren Arzt verschafft Klarheit und gibt Ihnen die nötige Sicherheit, um einen spezialisierten Anwalt aufzusuchen und weitere rechtliche Schritte einzuleiten.

 

Rechtsberatung einholen

Da die Haftpflichtversicherung des Arztes oder Krankenhauses die Entschädigung zahlt, versuchen die Versicherer häufig die Entschädigungshöhe zu senken oder eine Auszahlung zu umgehen.

Daher ist es besonders im Medizin- und Arzthaftungsrecht ratsam, sich juristische Hilfe zu holen und auf die Expertise und Erfahrung eines Anwalts zu setzen.

Ein Anwalt für Arzthaftungsrecht schätzt rechtssicher ein, ob ein Diagnosefehler vorliegt und in welcher Höhe ein Entschädigungsanspruch besteht. Darüber hinaus übernimmt er die komplizierte Beweisführung, um Ihre Entschädigung anschließend erfolgreich gegenüber der gegnerischen Haftpflichtversicherung geltend zu machen. Hier Anliegen schildern & Erstgespräch vereinbaren.

 

Neben Ärzten und Anwälten stehen deutschlandweit Anlaufstellen zur Verfügung, die Patienten bei Verdacht auf einen Diagnosefehler unterstützen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Unabhängige Patientenberatung Deutschland
  • Deutscher Patientenbund
  • Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) & MDK
  • Gesetzliche Pflegeversicherung
  • Gutachterkommissionen der Ärztekammern
  • Verbraucherzentralen
  • Schlichtungsstellen der Krankenhäuser
  • Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung

 

Arztgespräch führen

Nach der Bestätigung Ihres Verdachts – sowohl durch die Zweitmeinung eines weiteren Arztes als auch durch Ihren Anwalt –, ist es ratsam, das Gespräch mit dem behandelnden Mediziner zu suchen.

Der Arzt ist zur wahrheitsgemäßen Auskunft verpflichtet und muss Fehler zugeben (= ärztliche Auskunftspflicht). Zur rechtlichen Absicherung bietet es sich an, dass ein Bekannter oder Ihr Anwalt das Gespräch mit dem Arzt bezeugt.

 

Abfindungsangebote ablehnen

Hat sich der Verdacht auf einen Diagnosefehler erhärtet, bietet Ihnen der Versicherer häufig eine Abfindung an, um einen Arzthaftungsprozess zu umgehen.

Folgendes sollten Sie beachten, bevor Sie das Angebot annehmen:

  • Die Abfindung ist oft niedriger als das, was Ihnen tatsächlich zusteht.
  • Ihr Anwalt kann ein unabhängiges Sachverständigen-Gutachten beauftragen, um Fehler und Ausmaß des Schadens exakt festzustellen.
  • Sobald Sie das Angebot annehmen, verlieren Sie alle weiteren Ansprüche.

Sie können das Angebot stattdessen zunächst von Ihrem Anwalt prüfen lassen. Nach der anwaltlichen Beratung und einer angemessenen Bedenkzeit entscheiden Sie, ob Sie die Abfindung der Gegenseite akzeptieren oder nicht.

 

Diagnosefehler & Diagnoseirrtum: Wann haftet der Arzt für eine falsche Diagnose?

Sie möchten mit anwaltlicher Unterstützung für einen Diagnosefehler Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz einfordern? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch mit einem unserer spezialisierten Anwälte. Schildern Sie hier Ihr Anliegen.

 

5. So setzen Sie eine Entschädigung durch

Wenn Sie einen gültigen Entschädigungsanspruch gegenüber dem behandelnden Arzt haben, versucht Ihr Anwalt, diesen außergerichtlich geltend zu machen. Verweigert die Haftpflichtversicherung des Behandelnden, für den Schaden aufzukommen, setzt er Ihre Entschädigung vor einem Zivilgericht durch.

 

Außergerichtliche Einigung

Der Anwalt strebt zunächst eine außergerichtliche Einigung mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung an. Dafür trägt er relevante Beweise zusammen, erstellt eine ausführliche Dokumentation und entwickelt eine individuelle Beweisführung.

Anschließend stellt er dem Versicherer eine angemessene Zahlungsaufforderung zu und bestimmt eine Frist für die Auszahlung Ihrer Entschädigung.

 

In den außergerichtlichen Verhandlungen unterstützen Sie u. a. Schlichtungsstellen, Patientenberatung & Krankenkassen. Doch beide Parteien müssen der Schlichtung zustimmen, die bis zu 2 Jahre dauert. Gleichzeitig ist das Ergebnis des Schlichtungsverfahrens nicht bindend und der Patient darf weiterhin Schadensersatz oder Schmerzensgeld einklagen.

 

Der Arzthaftungsprozess

Ist keine Einigung mit der Gegenseite möglich, können Patienten Schmerzensgeld- oder Schadensersatzklage erheben, um den Entschädigungsanspruch vor Gericht durchzusetzen.

Von der Klageerhebung bis zur Auszahlung der Entschädigung sind 5 Schritte notwendig:

  1. Klageschrift einreichen: Der Anwalt unterstützt Sie bei der Formulierung der Klageschrift und reicht diese anschließend beim Gericht fristgerecht ein.
  2. Gerichtskostenvorschuss: Der Gerichtskostenvorschuss ist abhängig von Ihrer Entschädigungsforderung und fällig mit Zustellung der Klageschrift an die Gegenseite.
  3. Arzthaftungsprozess: Nach der Zustellung Ihrer Klageschrift an die Gegenseite beginnt der Prozess. Während der Verhandlung vernimmt der Richter Zeugen sowie Sachverständige und sichtet alle Beweise.
  4. Urteilsverkündung: Der zuständige Richter entscheidet, ob ein Diagnosefehler vorliegt und bestimmt die Höhe der Entschädigung.
  5. Auszahlung: Abschließend setzt das Gericht eine Frist, innerhalb der für den Diagnosefehler Schmerzensgeld und Schadensersatz zu zahlen sind.

 

6. Warum ist anwaltlicher Beistand wichtig?

Ob außergerichtlich oder im Arzthaftungsprozess: Nicht selten verweigert die Gegenseite nach einem Diagnosefehler die von Ihnen geforderte Entschädigung.

Oft werden Forderungshöhe, Dokumentation, Schadensursache und deren Nachweis infrage gestellt – zum Teil mit Erfolg, denn der Diagnosefehler hat eine Sonderstellung unter den möglichen Arztfehlern:

  • Hat die falsche Diagnose keine negativen Auswirkungen auf den Patienten, bleibt das Vorgehen gegen den Schädiger erfolglos. Das ist auch der Fall, wenn der Patient trotz Fehldiagnose fachgerecht behandelt wird.
  • Nur, wenn Diagnosefehler nachweislich Gesundheitsschäden verursachen, besteht ein Entschädigungsanspruch gegenüber dem Arzt, seinem Personal, dem Krankenhaus bzw. deren Haftpflichtversicherung.

Ein spezialisierter Anwalt kann einen ärztlichen Kunstfehler rechtssicher nachweisen und feststellen, ob Sie gegenüber dem Schädiger einen Entschädigungsanspruch haben.

Um den Anspruch nicht zu gefährden, definiert er eine angemessene Schmerzensgeldforderung und setzt diese mithilfe seiner Verhandlungstaktik schnell und unkompliziert durch.

 

Der Jurist unterstützt Sie bei folgenden Aufgaben:

  • Er bewertet relevante Dokumente und beurteilt, ob in Ihrem individuellen Fall Ärztepfusch vorliegt oder nicht. Dabei prüft er den Schadensumfang sowie mögliche Folgeschäden und stellt ggf. einen Feststellungsantrag.
  • Handelt es sich um einen Diagnosefehler, klärt er Sie über Risiken, Erfolgschancen, Kosten, Möglichkeiten und Alternativen auf.
  • Er gewährleistet, dass Termine, Fristen und Formalia eingehalten werden.
  • Er entwickelt eine Verteidigungsstrategie, um Sie vor den taktischen Manövern der Gegenseite zu schützen und Ihre Entschädigung schon in den außergerichtlichen Verhandlungen durchzusetzen.
  • Kommt es zum Prozess, bereitet er die Klageschrift vor und reicht sie fristgerecht beim zuständigen Gericht ein.
  • Wenn es sich in Ihrem Fall anbietet, leitet er ein sog. Adhäsionsverfahren ein, in dem er neben Ihrem zivilrechtlichen Entschädigungsanspruch auch für die strafrechtliche Verfolgung des Schädigers einsetzt.
  • Vor Gericht übernimmt er Ihre Verteidigung, behauptet sich gegen die Haftpflichtversicherung und setzt Ihre Interessen zeitnah durch.

 

Sie möchten sich nach einem Diagnosefehler anwaltlich beraten lassen? Wenn Sie über advocado eine Rechtsberatung anfragen, meldet sich innerhalb von 2 Stunden ein spezialisierter Anwalt bei Ihnen.

Im kostenfreien Erstgespräch nimmt er sich Ihrem Anliegen an und erläutert, welche rechtlichen Optionen in Ihrem individuellen Fall bestehen.

Hier Anliegen schildern & gegen falsche Diagnose vorgehen.

 

7. Welche Kosten können entstehen?

Bei der Durchsetzung einer Entschädigung für eine falsche Diagnose in Form von Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz entstehen Kosten für:

  • Gericht & Anwälte,
  • Zeugen & Gutachter,
  • Post & Telekommunikation.

Die Höhe der Kosten ist abhängig vom Streitwert, also der Höhe der geforderten Entschädigung und außerdem davon, ob die Durchsetzung außergerichtlich oder im Arzthaftungsprozess erfolgt.

 

Außergerichtliche Verhandlungen

Um die Erfolgsaussichten zu erhöhen, ziehen Patienten bereits während der außergerichtlichen Verhandlungen einen spezialisierten Anwalt hinzu. Erzielt dieser eine Einigung durch einen Vergleich, fallen lediglich Anwaltskosten an.

Sie werden anhand der Gebührentabelle des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG) erhoben und bemessen sich ebenfalls anhand des Streitwertes bzw. Ihrer Forderung.

Im Rahmen der außergerichtlichen Verhandlungen darf ein Anwalt u. a. die folgenden Gebühren berechnen:

  • 1,3-fache Geschäftsgebühr für die anwaltliche Vertretung,
  • 1,5-fache Einigungsgebühr bei Abschluss eines Vergleichs.

Die folgende Übersicht bietet Ihnen einen groben Überblick zu möglichen Anwaltskosten bei außergerichtlicher Einigung (inklusive Mehrwertsteuer) für unterschiedlich hohe Streitwerte bzw. Entschädigungsforderungen:

 

Streitwert

Anwaltskosten

Streitwert

Anwaltskosten

500,00 €

126,00 €

50.000,00 €

3.898,92 €

2.000,00 €

420,00 €

100.000,00 €

5.031,80 €

5.000,00 €

1.033,40 €

200.000,00 €

6.731,12 €

10.000,00 €

1.883,06 €

500.000,00 €

10.729,52 €

 

Durchsetzung im Arzthaftungsprozess

Lässt sich mit der Gegenseite keine Einigung erzielen, verhandelt der Anwalt Schadensersatz und Schmerzensgeld für einen Diagnosefehler im Arzthaftungsprozess. Bei gerichtlicher Durchsetzung entstehen weitere Kosten, die ebenfalls vom Streitwert abhängig sind.

Die folgende Tabelle zeigt exemplarische Kosten für Gericht und Anwaltshonorar inkl. Mehrwertsteuer anhand unterschiedlicher Streitwerte für folgendes Szenario: Die außergerichtlichen Verhandlungen scheitern, aber mit Ihrem Anwalt gewinnen Sie den Prozess in erster Instanz durch einen Urteilsspruch:

 

Streitwert

Gerichtskosten

Anwaltshonorar

5.000,00 €

146,00 €

1.282,55 €

10.000,00 €

241,00 €

2.321,87 €

50.000,00 €

546,00 €

4.787,69 €

200.000,00 €

1.746,00 €

8.252,08 €

500.000,00 €

3.536,00 €

12.142,98 €

 

Möglichkeiten zur Kostenübernahme

Wenn Sie einen rechtmäßigen Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld im Arzthaftungsprozess erfolgreich durchsetzen, muss die Gegenseite alle entstandenen Kosten tragen.

Doch auch bei guten Erfolgsaussichten tragen Sie die Anwalts- und Gerichtskosten zunächst selbst. Es gibt allerdings 3 Optionen, um die anfallenden Kosten zu finanzieren bzw. zu reduzieren:

 

I. Prozesskostenhilfe

Bei nachgewiesener Bedürftigkeit ist die Finanzierung durch Prozesskostenhilfe möglich. Dafür sind die wirtschaftlichen Verhältnisse offenzulegen und ein formloser Antrag zu stellen.

Gibt das Gericht Ihrem Antrag statt, übernimmt die Gerichtskasse sämtliche Kosten – entweder als Vollzuschuss oder als Darlehen, das in Raten zurückzuzahlen ist.

 

Wer Sozialhilfe erhält und weniger als 3.000 € an Ersparnissen besitzt, muss die Prozesskostenhilfe nicht zurückzahlen. Außerdem nicht angerechnet werden selbstgenutzte Immobilien.

 

II. Rechtsschutzversicherung

Die Mehrheit der Rechtsschutzversicherungen übernimmt die Kosten für die Durchsetzung von Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen nach einem Diagnosefehler.

Dazu zählen Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten sowie im Falle einer verlorenen Klage auch die erstattungsfähigen Kosten der Gegenseite.

In welchem Umfang Ihre Police die anfallenden Kosten erstattet, wissen Sie erst, wenn Ihnen der Versicherer eine Deckungszusage erteilt hat. Dazu stellen Sie eine Deckungsanfrage beim Anbieter. Die Versicherung prüft anschließend, ob gute Erfolgsaussichten für das Vorgehen gegen die falsche Diagnose bestehen.

 

Sie sind sich unsicher, ob Ihre Rechtsschutzversicherung sämtliche Kosten übernimmt? Wir stellen eine kostenfreie Deckungsanfrage bei Ihrem Versicherungsträger, sodass Sie Sicherheit haben.

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III. Prozessfinanzierung

Bestehen gute Aussichten, den Arzthaftungsprozess erfolgreich zu bestreiten und wird dabei ein gewisser Mindeststreitwert überschritten, besteht die Möglichkeit der Prozessfinanzierung.

Bei positiver Einschätzung übernimmt ein Dienstleister sämtliche Kosten, die Ihnen entstehen. Im Gegenzug erhält er ebenfalls einen Teil der erzielten Entschädigung, wenn Sie das Verfahren gewinnen.

Sie möchten für einen Diagnose-
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Unser Anwalt erläutert Ihnen im kostenfreien Erstgespräch das mögliche Vorgehen.

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