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Diagnosefehler: So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz

Diagnosefehler: So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz

 von Leonie Peters (jur. Redaktion)
Diagnosefehler: So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz
  • Lesezeit: ca. 9 Min.
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  1. Was ist ein Diagnosefehler?
  2. Wann kann ich bei einem Diagnosefehler Entschädigung erhalten?
  3. Wie hoch fällt die Entschädigung für einen Diagnosefehler aus?
  4. So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz für einen Diagnosefehler
  5. Mögliche Kosten & Kostenübernahme
  6. Tipp: juristische Unterstützung bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche nach Diagnosefehler

In diesem Beitrag erfahren Sie u. a., was ein Diagnosefehler ist, wann Sie einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz haben und wie Sie diese durchsetzen können.

 

RECHTSBERATUNG-TIPP:

► Wollen Sie nach einem Diagnosefehler Schmerzensgeld oder Schadensersatz mit anwaltlicher Unterstützung einfordern, kontaktieren Sie uns gerne für ein unverbindliches und kostenfreies Erstgespräch mit unserem Anwalt für Medizinrecht.

► Im Rahmen dieses Erstgesprächs prüfen wir, ob ein Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz besteht, wie hoch dieser ausfallen kann und welche juristischen Schritte sich zur Durchsetzung anbieten. Außerdem stellen wir Ihnen damit verbundene Chancen und Risiken sowie anfallende Kosten transparent dar. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihres Anspruchs beauftragen.

Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

1. Was ist ein Diagnosefehler?

Interpretiert ein Arzt erhobene Befunde falsch und ergreift nicht die medizinisch notwendigen Behandlungsmaßnahmen, liegt ein Diagnosefehler vor. Nicht jeder Diagnosefehler ist dann auch ein Behandlungsfehler, der Anspruch auf Entschädigung begründet. Verletzt der Arzt zudem medizinische Standards oder ärztliche Sorgfaltspflichten und kommt es dadurch zu einer nachweisbaren gesundheitlichen Verschlechterung oder Beeinträchtigung, haben Patienten einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz.

 

WICHTIGER HINWEIS:

Haben Sie einen rechtmäßigen Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz nach einem Diagnosefehler und setzen diesen erfolgreich gerichtlich durch, übernimmt die Gegenseite sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten.

 

Eine falsche Diagnose stellt also nur dann einen Behandlungsfehler dar, wenn der Arzt die erhobenen Befunde vorwerfbar fehlinterpretiert hat. Stellt der Arzt zwar eine unvollständige oder unzutreffende Diagnose, handelt aber nach den medizinischen Standards oder ärztlichen Sorgfaltspflichten, liegt in der Regel kein Diagnosefehler vor. Vom Diagnosefehler zu unterscheiden ist der sogenannte Befunderhebungsmangel. Dieser liegt vor, sollte die Erhebung medizinisch gebotener Befunde unterlassen worden sein.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu den verschiedenen Arten von Behandlungsfehlern, wann hier Anspruch auf Entschädigung in Form von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz besteht und wie hoch dieser ausfallen kann, finden Sie in unserem Beitrag zum Behandlungsfehler.

 

2. Wann kann ich bei einem Diagnosefehler Entschädigung erhalten?

Um für einen Diagnosefehler Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz zu erhalten, sind verschiedene Voraussetzungen, Beweispflichten und Verjährungsfristen zu beachten. Welche das sind, erläutern wir Ihnen jetzt.

 

2.1 Allgemeine Voraussetzungen

Ein Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz wegen eines Diagnosefehlers entsteht, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Ein Diagnosefehler des Arztes oder des Krankenhauses muss festgestellt worden sein,
  • der Patient muss einen objektiven Schaden erlitten haben,
  • der Diagnosefehler muss die direkte Ursache des Schadens und
  • die Verjährungsfrist darf noch nicht überschritten sein.

 

HINWEIS:

Die Beeinträchtigung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes muss durch den Diagnosefehler des Arztes oder medizinischen Personals entstanden sein. Hat der Geschädigte selbst maßgeblich zum Schaden beigetragen – z. B. indem er gegen ärztlichen Rat gehandelt hat – kann der Arzt nicht für die Verschlechterung der Gesundheit verantwortlich gemacht werden. Dementsprechend besteht auch kein Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zum Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz bei einem Diagnosefehler, zu allen relevanten rechtlichen Grundlagen und Optionen zu dessen Durchsetzung finden Sie in unseren umfassenden Beiträgen zu Schmerzensgeld und Schadensersatz.

 

2.2 Beweislast

Um nach einem Diagnosefehler Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz gegenüber dem Arzt oder Krankenhaus geltend machen zu können, muss nachgewiesen werden können, dass:

  • ein Diagnosefehler durch einen Arzt oder anderes medizinischen Personal begangen wurde und
  • dieser Diagnosefehler zur Beeinträchtigung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten geführt hat.

Da die ärztlichen Haupt- und Nebenpflichten sowie medizinischen Standards sehr komplex sind, ist die Prüfung eines Diagnosefehlers durch einen medizinischen Sachverständigen unerlässlich. Bei der Erstellung eines Gutachtens berücksichtigt dieser neben dem allgemeinen medizinischen Wissens- und Ausbildungsstand auch die üblichen Behandlungsmethoden. Auf dieser Grundlage erfolgt dann ein Abgleich mit den Behandlungsunterlagen und dem tatsächlichen Gesundheitszustand des Patienten – und der zweifelsfreie Nachweis eines Diagnosefehlers.

Erschwert eine mangelhafte oder nicht vorhandene Dokumentation der Behandlung die Beweisführung für den Patienten, kann es in Ausnahmefällen zu einer Beweislastumkehr kommen. Dies hätte zur Folge, dass der Arzt oder das Krankenhaus nachweisen müssten, dass die Verschlechterung bzw. Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes ebenso bei richtig gestellter Diagnose eingetreten wäre. Weiterhin kann es bei einem groben Diagnosefehler zu einer Beweislastumkehr kommen. Dieser liegt vor, wenn die gestellte Diagnose einen eindeutigen Verstoß gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse darstellt. Dies ist z. B. der Fall, wenn

  • wegen vermeidbarer Fehlorganisation eine unqualifizierte Person die Behandlung vornahm,
  • der behandelnde Arzt nicht auf eindeutige Symptome reagierte oder
  • bekannte Standardmethoden nicht angewendet wurden.

 

Zweifelsfreie Beweisführung & Dokumentation:

Die Durchsetzung von Schmerzensgeld und Schadensersatz nach einem Diagnosefehler ist mit erheblichen Dokumentations- und Beweispflichten verbunden. Ein erfahrener und spezialisierter Anwalt kann in diesem Zusammenhang sicherstellen, dass der Diagnosefehler, dessen Folgen und die Schuldfrage zweifelsfrei nachgewiesen werden können. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur Beweislast bei Ärztepfusch und Kunstfehlern, welche Voraussetzungen für einen Anspruch auf Entschädigung hier noch zu beachten sind und wie sich Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz in diesen Fällen durchsetzen lässt, erfahren Sie in unseren Beiträgen zu Ärztepfusch und Kunstfehler.

 

2.3 Wichtig: Verjährung beachten

Bei der Geltendmachung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach einem Diagnosefehler gilt gemäß § 195 BGB eine Verjährungsfrist von 3 Jahren – innerhalb dieser muss der Anspruch durchgesetzt werden oder er verfällt. Die Verjährungsfrist beginnt dabei mit dem Ende des Jahres, in dem der Schaden entstanden ist und der Geschädigte Kenntnis vom Schaden erlangt hat.

Beispiel: Aufgrund starker Schmerzen in Rücken und Leiste wurde ein MRT im Januar 2016 gemacht. Das zu diesem Zeitpunkt schon sichtbare Neurinom wurde dabei nicht erkannt. Erst nach einem weiteren MRT im August 2018 wurde dieses festgestellt. Da das Neurinom bereits in zwei Wirbelkörper hineingewachsen war, war eine vollständige Entfernung nicht mehr möglich. Hier beginnt die Verjährungsfrist nicht am 31.12.2016, sondern erst am 31.12.2018 und endet am 31.12.2021.

Laufen bereits Verhandlungen über eine Entschädigung zwischen beispielsweise betroffenem Patienten und Krankenhaus, wird die Verjährung gehemmt – ein Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz kann während solcher Verhandlungen also nicht verjähren. Nach Verhandlungsende wirkt diese Hemmung dann noch bis zu drei Monate fort. Ist hingegen der Umfang des Schadens noch nicht vollständig einschätzbar, verjähren Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche gemäß § 199 BGB erst nach 30 Jahren. Nach Ablauf dieser Frist können dann keinerlei Ansprüche nach einem Diagnosefehler mehr geltend gemacht werden.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur abweichenden Verjährung eines Schadensersatzanspruches finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Verjährung Schadensersatz.

 

3. Wie hoch fällt die Entschädigung für einen Diagnosefehler aus?

Liegt ein Diagnosefehler vor, dessen Ursache und gesundheitliche Folgen nachgewiesen werden können, steht dem geschädigtem Patienten gemäß § 823 BGB Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz zu. Wir erklären Ihnen in diesem Kapitel, welche Faktoren Einfluss auf die Höhe der Entschädigung haben und wie Schmerzensgeld und Schadensersatz berechnet werden.

 

3.1 Schmerzensgeld

Sind durch einen Diagnosefehler erhebliche immaterielle Schäden wie z. B. Verletzungen, Langzeitschäden oder psychische Belastungen entstanden, können Patienten Schmerzensgeld einfordern. Einen Anspruch begründen jedoch nur wesentliche Verletzungen, die erheblich und langfristig sind. Die Schmerzensgeldsumme ist dabei abhängig von den konkreten Schäden und den durch sie hervorgerufenen Folgen.

Folgende Faktoren werden bei der Bestimmung eines angemessenen Schmerzensgeldes u. a. berücksichtigt:

  • Ausmaß der physischen & psychischen Folgen,
  • Dauer der Behandlung & Krankenhausaufenthalte,
  • Auswirkungen auf Alltag & berufliche Situation,
  • chronische Schmerzen,
  • Folgeschäden & dauerhafte Entstellungen von Körperteilen.

 

ACHTUNG: Eine zu hohe Schmerzensgeldforderung gefährdet Ihren Anspruch!

Sollten Sie nach einem Diagnosefehler ein zu hohes Schmerzensgeld fordern, kann Ihnen das u. a. vor Gericht als versuchte Bereicherung vorgeworfen werden. Im schlimmsten Fall hätten Sie dann keinen Anspruch auf Schmerzensgeld mehr.

 

Bei der Berechnung eines angemessenen Schmerzensgeldes kann auf sogenannte Schmerzensgeldtabellen zurückgegriffen werden. In diesen werden verschiedene Gerichtsurteile zum Schmerzensgeld gesammelt. Da Schmerzensgeld immer anhand des zugrunde liegenden Einzelfalls bestimmt wird, dienen diese Tabellen lediglich als Orientierung.

Nachfolgend finden Sie exemplarische Beispiele für Schmerzensgelder nach einem Diagnosefehler:

Sachverhalt

Schmerzens­geld

Urteil

Schockschaden mit Angstzuständen und ca. einem Monat Todesangst nach Diagnosefehler Hodenkrebs

2.500 Euro

OLG Bam­berg, 2003

Starke Bauchfellent­zündung nach verspätet diagnostizierter Blinddarment­zündung

7.500 Euro

OLG Olden­burg, 2017

Patient kann seinen Beruf nicht mehr ausüben, 30 % verminderte Erwerbsfähigkeit, nachdem Facharzt für Unfallchirurgie deutlich sichtbare Luxation auf Röntgenbildern übersieht

10.000 Euro + 4.000 Euro Schadensersatz

OLG Karls­ruhe, 2007

Erfordernis einer Chemotherapie und mehrerer operativer Eingriffe nach zu später Brustkrebsdiagnose

20.000 Euro

OLG Hamm, 2013

Notfalloperation und 5 weitere OPs nach Entzündung des Fettgewebes und der Muskulatur im Bereich des Afters

22.000 Euro

OLG Hamm, 2014

Um durch eine zu hohe Schmerzensgeldforderung Ihren Anspruch nicht zu gefährden, sollte ein erfahrener und spezialisierter Anwalt Ihren individuellen Einzelfall prüfen, um ein angemessenes Schmerzensgeld zu bestimmen und durchzusetzen. Haben Sie übrigens einen rechtmäßigen Anspruch auf Schmerzensgeld nach einem Diagnosefehler und setzen diesen erfolgreich durch, übernimmt die Gegenseite sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten. Hier Fall schildern & Anspruch prüfen lassen.

Verstärkung der Nervenschädigung, Verlängerung des Komas bei zu spät erkannter Malaria-Erkrankung

45.000 Euro

OLG Frank­furt am Main, 2017

Erblindung nach zu später Überweisung an einen Augenarzt

90.000 Euro

OLG Karls­ruhe, 2007

Mehrere Operationen, verschiedene Chemotherapien und Tod nach zweijährigem Leidensweg, weil Arzt Darmkrebserkrankung übersehen hatte

100.000 Euro

OLG Braun­schweig, 2010

Patient wird zum schweren Pflegefall nach Diagnosefehler Spannungs­kopfschmerzen

200.000 Euro Schmerzensgeld,

45.000 Euro Schadensersatz

OLG Hamm, 2012

Schwere, dauerhafte Gehirnschädigung nach zu spät eingeleiteter Therapie

700.000 Euro

LG Aachen, 2011

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu den verschiedenen immateriellen Schäden und den in diesem Zusammenhang zugesprochenen Schmerzensgeldern finden Sie in unserem umfassenden Beitrag zur Schmerzensgeldtabelle. Wie hoch Schmerzensgeld in diesen und ähnlichen Fällen ausfallen kann und welche Voraussetzungen in diesem Zusammenhang zu beachten sind, erläutern wir Ihnen in unserem ausführlichen Beitrag zum Schmerzensgeldanspruch. Welche juristischen Optionen Sie bei Fehlern des medizinischen Personals haben, erklären wir Ihnen in unseren Beiträgen zu den Schwerpunkten Arzt verklagen, Zahnarzt verklagen, Krankenhaus verklagen.

 

3.2 Schadensersatz

Nach einem Diagnosefehler besteht oftmals auch ein Anspruch auf Schadensersatz. Während Schmerzensgeld immaterielle Schäden ausgleicht, soll Schadensersatz alle materiellen Schäden ausgleichen. Berechnet wird er anhand der durch den Diagnosefehler tatsächlich entstandenen finanziellen Aufwendungen und Kosten. Für folgende Schäden kann dabei u. a. Schadensersatz gefordert werden:

  • Gesundheitsschäden: Behandlungskosten und Kosten für Medikamente werden erstattet.
  • Mehrbedarfsschäden: Behindertengerechter Umbau des Hauses, Pflege und Haushaltshilfe werden finanziert.
  • Erwerbsschäden: Bei geringerer Arbeitsfähigkeit wird Einkommensverlust ausgeglichen.
  • Haushaltsführungsschäden: Kann der Geschädigte seinen Haushalt nicht mehr allein führen, kann für die unentgeltliche Hilfe von Angehörigen Schadensersatz verlangt werden.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zum Schadensersatz, seinen Voraussetzungen und den juristischen Optionen zu seiner Durchsetzung erhalten Sie in unserem umfassenden Beitrag zum Schadensersatzanspruch.

 

Diagnosefehler

Sie wollen mit anwaltlicher Unterstützung für einen Diagnosefehler Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz einfordern? Kontaktieren Sie uns für ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch mit einem unserer erfahrenen und spezialisierten Anwälte. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

4. So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz für einen Diagnosefehler

Soll Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach einem Diagnosefehler eingefordert werden, ist zunächst der Versuch einer außergerichtlichen Einigung mit der Gegenseite (Arzt, Krankenhaus oder deren Haftpflichtversicherung) zu empfehlen. Ist eine solche nicht möglich, kann die Entschädigung auch vor Gericht durchgesetzt werden. Was dabei zu beachten ist und auf welche Hilfestellungen zurückgegriffen werden kann, erläutern wir Ihnen jetzt.

 

4.1 Außergerichtliche Einigung

Um eine außergerichtliche Einigung über die Zahlung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach einem Diagnosefehler zu erreichen, ist zunächst eine schriftliche Forderung an die Gegenseite zu richten. Das formlose Anschreiben sollte u. a. folgende Inhalte haben:

    Adresse des Geschädigten,
    Adresse der gegnerischen Versicherung,
    Daten des Schädigers,
    Anliegen (Antrag auf Schmerzensgeld und Schadensersatz an den Geschädigten),
    die konkrete Höhe der Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderung sowie
    eine angemessene Fristsetzung für deren Auszahlung.

Um den Diagnosefehler und dadurch bedingte gesundheitliche Folgen zweifelsfrei nachweisen zu können, sollten diesem Schreiben alle relevanten Dokumente zum Vorfall beigefügt werden. Dafür kommen beispielsweise folgende infrage:

    ausführliche Beschreibung der ärztlichen Behandlung,
    ärztliche Dokumentation der Verletzungen,
    Nachweise über Arztbesuche und mögliche Krankenhausaufenthalte,
    Nachweise über die Ursachen der Schäden (Sachverständigen-Gutachten),
    umfassende Begründung der Forderung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz und
    psychologische Gutachten.

Gestaltet sich die außergerichtliche Durchsetzung schwierig und langwierig oder verweigert die Gegenseite die Zahlung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nah einem Diagnosefehler, kann man sich auch direkt an das betreffende Krankenhaus wenden. Unter Umständen besitzt dieses eine Schlichtungsstelle, die dann den Diagnosefehler und die entstandenen Schäden prüft und versucht, eine einvernehmliche Lösung zwischen den Parteien zu erzielen. Besitzt das Krankenhaus keine Schlichtungsstelle, stehen betroffenen Patienten deutschlandweit medizinische Beratungs- und Schlichtungsstellen zur Verfügung. Über z. B.

  • die Unabhängige Patientenberatung Deutschland,
  • der Deutsche Patientenbund,
  • jede gesetzliche Krankenversicherung und
  • die Ärztekammern

kann eine Schlichtung angestrebt werden. Solche Schlichtungsverfahren sind aber mit Bearbeitungszeiten von bis zu 2 Jahren verbunden. Um diesen langwierigen Prozess zu vermeiden, können Ansprüche auf Entschädigung auch gerichtlich durchgesetzt werden.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur außergerichtlichen Durchsetzung von Schmerzensgeld und Schadensersatz, damit verbundene Fristen und Kosten finden Sie in unseren Beiträgen zu den Schwerpunkten Schmerzensgeld beantragen und Schadensersatz geltend machen.

 

4.2 Verhandlung vor Gericht

Häufig können sich Geschädigte nicht mit der Gegenseite über eine angemessene Entschädigung einigen. In diesen Fällen stellt eine Klage vor Gericht meist die letzte Option zur Durchsetzung von Schmerzensgeld und Schadensersatz für einen Diagnosefehler dar. Dabei sind folgende Schritte zu beachten:

  • Einreichung der Klageschrift: Zunächst wird die Klageschrift beim zuständigen Zivilgericht eingereicht. Liegt der Streitwert unter 5.000 €, ist das Amtsgericht vor Ort, ansonsten das betreffende Landgericht zuständig. Hier besteht dann auch Anwaltszwang.

 

INHALT DER KLAGESCHRIFT:

    Datum,
    persönliche Daten des Klägers (Name, Anschrift & Telefonnummer),
    Angabe des zuständigen Gerichts & dessen Anschrift,
    persönliche Daten des Angeklagten,
    Sachverhalt des Klagegrundes,
    konkrete Forderung an die Gegenseite,
    Begründung & Nachweis der Forderung und
    Unterschrift des Klägers.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu den Inhalten der Klageschrift, bei welchem Gericht diese einzureichen ist und den Kosten einer Klage finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Klage einreichen.

  • Gerichtskostenvorschuss fällig: Der Kostenvorschuss ist mit Einreichung der Klageschrift zu zahlen. Er richtet sich nach der Höhe der zu verhandelnden Entschädigung.
  • Beginn des Gerichtsprozesses: Wurde die Schmerzensgeldklage an die gegnerische Seite zugestellt, beginnt der Gerichtsprozess.
  • Verhandlung der Klage: Im Rahmen der Verhandlungen werden alle Aussagen und Beweise zu Diagnose und Behandlung zusammengetragen. Mithilfe eines medizinischen Sachverständigen wird überprüft, ob der behandelnde Arzt medizinische Standards und ärztliche Sorgfaltspflichten verletzt hat. Zudem wird der exakte Schadensumfang bestimmt, anhand dessen die konkrete Schmerzensgeld- bzw. Schadensersatzsumme berechnet wird.
  • Urteilsverkündung: Hat der zuständige Richter beide Parteien angehört und alle relevanten Beweise gesichtet, fällt er ein Urteil darüber, ob ein Anspruch auf Entschädigung nach einem Diagnosefehler besteht und wie hoch das Schmerzensgeld und/oder der Schadensersatz ausfällt.
  • Auszahlung der Entschädigung: Das Gericht legt abschließend eine Frist fest, innerhalb der Schmerzensgeld und Schadensersatz für einen Diagnosefehler zu zahlen sind.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur Schmerzensgeldklage, welche Voraussetzungen unbedingt zu beachten sind und welche Kosten entstehen können, finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Schmerzensgeld einklagen. Wie hingegen eine Klage auf Schadensersatz abläuft und was dabei zu beachten ist, erläutern wir Ihnen in unserem Beitrag zur Schadensersatzklage.

 

4.3 Sollte ich einen Anwalt hinzuziehen?

Ob im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung oder einer Klage vor Gericht – in nicht gerade wenigen Fällen verweigert sich die gegnerische Seite einer Entschädigungsforderung. Oftmals wird dann die Schmerzensgeld- bzw. Schadensersatzforderung als zu hoch zurückgewiesen, die Dokumentation von Schäden und deren Ursache angezweifelt oder der Diagnosefehler an sich infrage gestellt. Ein erfahrener und spezialisierter Anwalt kann hier Abhilfe schaffen und den Diagnosefehler, dessen Folgen und deren Ursachen zweifelsfrei und rechtsicher dokumentieren und nachweisen. Um einen etwaigen Anspruch nicht zu gefährden, stellt er zudem die korrekte Berechnung eines angemessenen Schmerzensgeldes bzw. Schadensersatzes sicher und kann mit einer passenden juristischen Strategie gewährleisten, dass angemessen auf die taktischen Manöver der Gegenseite reagiert und eine Entschädigung schnell und unkompliziert durchgesetzt werden kann.

Nach der Beauftragung eines Anwalts übernimmt dieser u. a. folgende Aufgaben für Sie:

  • Prüfung des Schadensersatz- und Schmerzensgeldanspruchs nach einem Diagnosefehler,
  • Beweissicherung und umfassende Dokumentation der entstandenen Schäden und deren Ursache sowie rechtssichere Prüfung aller Dokumente,
  • Berechnung einer angemessenen Schadensersatz- und Schmerzensgeldhöhe,
  • Vermittlung der Ernsthaftigkeit der Forderung durch anwaltlich verfassten Schmerzensgeld- bzw. Schadensersatzantrag,
  • korrekte Einreichung der Klage unter Berücksichtigung formeller und inhaltlicher Anforderungen sowie zeitlicher Fristen,
  • Ausarbeitung einer individuellen juristischen Strategie, mit welcher die Ansprüche erfolgreich durchgesetzt und auf die taktischen Manöver der Gegenseite angemessen reagiert werden kann.

 

RECHTSBERATUNG-TIPP:

Schon vor der Beauftragung eines spezialisierten Anwalts kann im Rahmen eines unverbindlichen und kostenfreien Erstgesprächs geprüft werden, ob ein Diagnosefehler vorliegt, wie hoch Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz ausfallen können und welche juristischen Möglichkeiten sich zur Durchsetzung anbieten. Außerdem werden Ihnen mögliche Chancen, Risiken und zu erwartende Kosten transparent dargestellt. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche beauftragen. Schildern Sie dafür hier Ihr Anliegen.

 

5. Mögliche Kosten & Kostenübernahme

Bei der Durchsetzung von Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen nach einem Diagnosefehler können verschiedene Kosten entstehen. Bei diesen handelt es sich allerdings um anerkannte Schadenspositionen, die grundsätzlich von der Gegenseite zu tragen sind, sollte die Durchsetzung erfolgreich verlaufen. Die konkrete Höhe etwaiger außergerichtlicher und gerichtlicher Kosten ist dabei immer abhängig vom Streitwert – also der konkreten Forderung.

 

Außergerichtliche Kosten

Im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung mit der Gegenseite können neben z. B. Sachverständigenkosten oder Fahrtkosten für Zeugen auch Anwaltskosten entstehen, sofern in diesem Zusammenhang juristische Unterstützung in Anspruch genommen wird.

Diese Anwaltskosten werden durch das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt. Auch sie richten sich nach dem Streitwert. Ein Anwalt kann bei der außergerichtlichen Durchsetzung einer Entschädigung für einen Diagnosefehler demnach u. a. eine

  • 1,3-fache Geschäftsgebühr für die anwaltliche Vertretung und eine
  • 1,5-fache Einigungsgebühr für den Abschluss eines Vergleichs

in Rechnung stellen, sollte eine außergerichtliche Einigung erzielt werden.

In der folgenden Übersicht haben wir Ihnen die Anwaltskosten bei unterschiedlichen Streitwerten exemplarisch zusammengestellt:

 

Streitwert bis …

Anwaltskosten

500 €

126,00 €

2.000 €

420,00 €

4.000 €

705,60 €

Hinweis: Anwaltskosten richten sich immer nach dem konkreten Einzelfall und werden individuell berechnet. Die Angaben in der Tabelle sind daher nur als grobe Orientierung zu verstehen.

Neben der Abrechnung der anwaltlichen Leistungen auf Grundlage des RVG ist aber auch eine individuelle Vergütungsvereinbarung zum Festpreis möglich – z. B. durch eine Abrechnung auf Stundenbasis.

 

Gerichtskosten

Sollte ein außergerichtliches Vorgehen nicht den gewünschten Erfolg haben, können Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz für einen Diagnosefehler vor Gericht eingeklagt werden.

Durch eine Klage entstehen insbesondere Gerichtskosten. Diese setzten sich u. a. aus Gebühren und Auslagen zusammen. Erstere umfassen alle Gebühren für die Tätigkeit des Gerichts, während Letztere Kosten für Zeugenbefragungen, Sachverständige, Dolmetscher sowie für Telekommunikation bzw. Post u. a. beinhalten können. Auch hier ist der Streitwert ausschlaggebend.

Werden die Ansprüche mithilfe eines Anwalts vor Gericht durchgesetzt, kann dieser laut RVG folgende Gebühren in Rechnung stellen:

  • 1,3-fache Verfahrensgebühr für die Erhebung der Klage,
  • 1,2-fache Termingebühr für die Wahrnehmung der Güteverhandlung und des Kammertermins,
  • 1,0-fache Einigungsgebühr für den Abschluss eines Vergleichs.

In der folgenden Übersicht haben wir Ihnen mögliche Anwalts- und Gerichtskosten exemplarisch zusammengestellt:

 

Streitwert bis …

Anwalts- und Gerichtskosten

500 €

192,50 €

2.000 €

614,00 €

4.000 €

1009,00 €

Hinweis: Anwaltskosten richten sich immer nach dem konkreten Einzelfall und werden individuell berechnet. Die Angaben in der Tabelle sind daher nur als grobe Orientierung zu verstehen.

 

Kostenübernahme

Die Kosten für die Durchsetzung von Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach einem Diagnosefehler lassen sich mithilfe verschiedener Möglichkeiten finanzieren bzw. reduzieren:

  • Gegenseite trägt Kosten: Wird nach einem Diagnosefehler Schmerzensgeld und Schadensersatz erfolgreich durchgesetzt, übernimmt die Gegenseite sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten – darin enthalten sind auch die Kosten für etwaige Sachverständigengutachten.
  • Prozesskostenhilfe: Bei einer Klage auf Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz für einen Diagnosefehler ist eine Übernahme der anfallenden Kosten bei nachgewiesener Bedürftigkeit über eine Prozesskostenhilfe möglich. Bei ihrer Beantragung ist ein formloser Antrag sowie eine Erklärung über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragsstellers beim zuständigen Amtsgericht einzureichen.
  • Kostenübernahme durch Rechtsschutzversicherung: Oft übernehmen Rechtsschutzversicherungen die Kosten für die Durchsetzung von Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen nach einem Diagnosefehler. Dazu zählen Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten sowie im Falle einer verlorenen Klage auch die erstattungsfähigen Kosten der Gegenseite. In welchem Umfang die Rechtsschutzversicherung die Kosten übernimmt, hängt jedoch von der jeweiligen Police ab.

 

KOSTENFREIE DECKUNGSANFRAGE:

Sollte Sie sich unsicher sein, ob Ihre Rechtsschutzversicherung Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt, stellen wir gerne eine kostenfreie Deckungsanfrage für Sie. Schildern Sie dafür hier Ihr Anliegen und geben alle relevanten Daten ein.

 

6. Tipp: juristische Unterstützung bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche nach Diagnosefehler

Haben Sie durch einen Diagnosefehler immaterielle oder materielle Schäden entstanden, steht Ihnen unter Umständen Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz zu. Da die Verhandlungen mit der Gegenseite häufig langwierig und belastend sind, kann Sie ein erfahrener und spezialisierter Anwalt bei der schnellen und konsequenten Durchsetzung Ihrer Ansprüche unterstützen. In diesem Zusammenhang stellt er u. a. eine angemessene Berechnung der Schmerzensgeldsumme, die umfassende und zweifelsfreie Dokumentation der entstandenen Schäden und deren Ursachen sowie eine zielführende juristische Strategie für die Verhandlungen mit der Gegenseite oder vor Gericht sicher.

► Bereits vor der Beauftragung eines Anwalts prüfen wir ihm Rahmen eines unverbindlichen und kostenfreien Erstgesprächs, ob Sie einen Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach einem Diagnosefehler haben, wie hoch dieser ausfallen und wie er durchgesetzt werden könnte. Außerdem bewerten wir alle damit verbundenen Chancen sowie Risiken und stellen mögliche Kosten transparent dar. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche beauftragen wollen.

► Für ein unverbindliches und kostenfreies Vorgespräch machen Sie bitte kurz Angaben zum Diagnosefehler, für den Sie Entschädigung fordern wollen. Falls Sie bereits ärztliche Befunde oder andere relevante Dokumente haben, können Sie diese direkt in unserem verschlüsselten System hochladen.

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Leonie Peters
Ein Artikel von Leonie Peters aus der juristischen Redaktion bei advocado

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Leonie Peters stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen. Dabei legt Leonie großen Wert auf eine verständliche Sprache, damit auch Nicht-Juristen im deutschen Paragraphendschungel den Durchblick behalten und ihre rechtlichen Angelegenheiten schnell, einfach und sorgenfrei erledigen können.

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