Geburtsschäden: So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz

Geburtsschäden: So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz

 von Isabel Kockro (jur. Redaktion)
Geburtsschäden: So erhalten Sie Schmerzensgeld & Schadensersatz
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  1. Wann liegen Geburtsschäden vor?
  2. Voraussetzungen für eine Entschädigung bei Geburtsschäden
  3. Wie hoch fällt die Entschädigung bei Geburtsschäden aus?
  4. So erhalten Sie eine Entschädigung für Geburtsschäden
  5. Mögliche Kosten & Kostenübernahme
  6. Tipp: juristische Unterstützung zur Durchsetzung einer Entschädigung für Geburtsschäden

In diesem Beitrag erfahren Sie u. a., was Geburtsschäden sind, wann Sie einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz haben und wie Sie diesen durchsetzen können.

 

RECHTSBERATUNG-TIPP:

► Wenn Sie nach Geburtsschäden Schmerzensgeld oder Schadensersatz durchsetzen wollen, kontaktieren Sie uns gerne für ein unverbindliches und kostenfreies Erstgespräch mit unserem Anwalt für Medizinrecht.

► Im Rahmen dieses Erstgesprächs prüfen wir, ob in Ihrem individuellen Fall ein Anspruch auf eine Entschädigung besteht, wie hoch diese ausfallen kann und welche juristischen Schritte sich zur erfolgreichen Durchsetzung anbieten. Zudem stellen wir Ihnen damit verbundene Chancen, Risiken und Kosten transparent dar. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche bei Geburtsschäden beauftragen.

Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

1. Wann liegen Geburtsschäden vor?

Geburtsschäden können vor oder während der Geburt durch grobe Behandlungsfehler auftreten – beispielsweise durch einen verzögert eingeleiteten Kaiserschnitt. Die Folgen von Geburtsschäden können bei Kindern dann u. a. Verletzungen der Nerven, Lähmungen oder Hirnschädigungen durch Sauerstoffmangel sein. Sind solche oder ähnliche Schädigungen zweifelsfrei auf Fehler des medizinischen Personals zurückzuführen, liegt ein Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz vor.

 

Wichtiger Hinweis:

Setzen Sie einen rechtmäßigen Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz bei Geburtsschäden erfolgreich durch, übernimmt die Gegenseite sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten.

 

Geburtsschäden können dabei die Folge von Fehlern des Arztes als auch anderen medizinischen Personals oder der Hebamme sein und u. a. folgende Ursachen haben:

  • das Übersehen eines eigentlich eindeutigen Krankheitsbildes während einer Voruntersuchung,
  • eine medikamentöse Fehlbehandlung der Mutter und dadurch eine Schädigung des Kindes im Mutterleib,
  • eine unsterile Arbeitsumgebung während der Geburt oder
  • unprofessionelles Verhalten ungeschulten Personals.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu den verschiedenen Fehlern, die während der Behandlung von Patienten passieren können, wie diese nachzuweisen sind und welche juristischen Optionen betroffene Patienten haben, finden Sie in unserem Beitrag zum Behandlungsfehler.

 

2. Voraussetzungen für eine Entschädigung bei Geburtsschäden

Um bei einem erlittenen Geburtsschaden eine finanzielle Entschädigung in Form von Schmerzensgeld oder Schadensersatz zu erhalten, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Auch spezielle Beweis- und Verjährungsfristen sollten bei Geburtsschäden beachtet werden. Welche das sind, erläutern wir Ihnen jetzt.

 

2.1 Allgemeine Voraussetzungen

Lässt sich ein Fehler des Arztes oder medizinischen Personals zweifelsfrei nachweisen, haben Kind und ggf. Mutter einen physischen oder psychischen Schaden davongetragen und lässt sich belegen, dass der Behandlungsfehler die Ursache dieser Geburtsschäden war, besteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz. Dieser kann dann außergerichtlich oder gerichtlich durchgesetzt werden, sofern er noch nicht verjährt ist.

 

HINWEIS:

Geburtsschäden eines Kindes müssen stets eindeutig durch den ärztlichen Behandlungsfehler oder einen Fehler des medizinischen Personals entstanden sein. Hat die Mutter allerdings maßgeblich zur Schädigung des Kindes beigetragen – beispielsweise durch Missachtung eines ärztlichen Rates –, kann der Arzt oder das ärztliche Personal nicht für den Geburtsschaden des Kindes verantwortlich gemacht werden. Dadurch entfällt der Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zum Anspruch auf eine Schmerzensgeld- oder Schadensersatzzahlung, allen relevanten gesetzlichen Regelungen und Hinweise zu möglichen rechtlichen Fallstricken finden Sie in unseren Beiträgen zu Schmerzensgeld und Schadensersatz.

 

2.2 Beweislast

Soll eine Schmerzensgeld- oder Schadensersatzzahlung bei Geburtsschäden geltend gemacht werden, stehen der Geschädigte bzw. dessen Eltern in der Beweispflicht. Das bedeutet, dass diese nachweisen müssen, dass

  • ein schwerer Diagnosefehler oder Behandlungsfehler durch den behandelnden Arzt, das ärztliche Personal oder die Hebamme erfolgte und
  • die Geburtsschäden durch diesen Fehler zustande gekommen sind.

Damit diese Beweisführung bezüglich der Geburtsschäden auch rechtssicher gelingt, ist die Erstellung eines medizinischen Gutachtens zu empfehlen. Sofern eine mangelhafte oder fehlende Behandlungsdokumentation diese Beweisführung erschwert oder gar unmöglich macht, kann sich die Beweislast zugunsten des Geschädigten auch umkehren. Das bedeutet, dass nun der behandelnde Arzt oder das Krankenhaus in der Beweispflicht sind und nachweisen müssen, dass z. B. Fehler während der Behandlung nicht ursächlich für die Geburtsschäden waren.

Diese Beweislastumkehr bei Geburtsschäden kann übrigens auch eintreten, wenn

  • eindeutige Verstöße gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse vorliegen,
  • vermeidbare Fehlorganisationen innerhalb des Krankenhauses dazu führten, das eine unqualifizierte Person beispielsweise die gebärende Frau betreute und das Kind unsachgemäß auf die Welt holte oder
  • eine Missachtung von eindeutigen Symptomen durch den Arzt, das ärztliche Personal oder die Hebamme erfolgte.

 

Zweifelsfreie Beweisführung & Dokumentation:

Die Durchsetzung von Schmerzensgeld- oder Schadensersatzansprüchen bei Geburtsschäden ist mit komplexen und zeitaufwändigen Dokumentations- und Beweispflichten verbunden. Ein erfahrener und spezialisierter Anwalt kann alle erforderlichen Dokumente zusammentragen und zudem sicherstellen, dass der Geburtsschaden und die daraus resultierenden Folgen zweifelsfrei nachgewiesen werden können. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur Beweislast bei Fehlern des medizinischen Personals, zu allen relevanten gesetzlichen Reglungen und wie hoch eine Entschädigung ausfallen kann, finden Sie in unseren Beiträgen zu Arztfehler, Ärztepfusch, Diagnosefehler und Kunstfehler.

 

2.3 Achtung: Verjährungsfrist beachten

Gemäß § 195 BGB verjährt der medizinrechtliche Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz bei Geburtsschäden nach 3 Jahren. Diese Frist beginnt stets mit dem Ende des Jahres, in dem

  • der Schaden entstanden ist und
  • der Geschädigte vom Schaden und dem Verursacher Kenntnis erlangte.

Beispiel: Im Juli 2017 wird eine Frau mit starken Wehen in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Geburt soll auf natürlichem Weg stattfinden. Allerdings verschlechtern sich die aufgezeichneten Werte des Kindes während der Wartezeit, weswegen ein Notkaiserschnitt vorgenommen werden muss. Im März 2018 wird bei einer Untersuchung des Kindes dann eine Hirnschädigung aufgrund Sauerstoffmangels festgestellt. Die Verjährungsfrist des Geburtsschaden beginnt somit erst am 31.12.2018 und endet am 31.12.2021.

Wurde allerdings bereits Klage gegen den Arzt oder das Krankenhaus erhoben, in dem das Kind die Geburtsschäden erlitt, so wird die Verjährung gehemmt. Während einer etwaigen Verhandlung über Schmerzensgeld oder Schadensersatz mit der Gegenseite kann der Anspruch also nicht verjähren. Ist die Verhandlung beendet, wirkt diese Hemmung noch ganze drei Monate fort. Sollte das konkrete Ausmaß der Geburtsschäden noch nicht absehbar sein, so verjähren Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche erst nach 30 Jahren (§ 199 BGB). Nach dieser Zeit sind dann sämtliche Ansprüche verjährt.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur Verjährung bei Schadensersatzansprüchen und allen relevanten Sonderregelungen finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Verjährung Schadensersatz.

 

3. Wie hoch fällt die Entschädigung bei Geburtsschäden aus?

Bei Geburtsschäden, die zweifelsfrei auf eine Fehldiagnose oder einen Behandlungsfehler zurückzuführen sind, steht dem Geschädigten gemäß § 823 BGB neben Schmerzensgeld auch ggf. Schadensersatz zu. Wie hoch diese ausfallen können, erklären wir Ihnen jetzt.

 

3.1 Schmerzensgeld

Sind durch z. B. einen ärztlichen Behandlungsfehler während der Geburt erhebliche immaterielle Schäden wie beispielsweise Verletzungen oder starke geistige Defizite entstanden, so kann der Betroffene oder ggf. dessen Eltern Schmerzensgeld einfordern. Dessen konkrete Höhe ist dann von den genauen Schädigungen und deren Folgen abhängig.

Um eine angemessene Schmerzensgeldhöhe für die bestimmten Geburtsschäden bestimmen zu können, werden verschiedene Faktoren berücksichtigt. Diese können u. a. sein:

  • Umfang der körperlichen & geistigen Folgen der Geburtsschäden,
  • Behandlungsdauer & etwaige Aufenthalte in Krankenhäusern oder Reha-Einrichtungen,
  • Beeinträchtigungen in Alltag & Beruf,
  • dauerhafte oder langanhaltende Schmerzen,
  • Folgeschäden & körperliche Entstellungen.

 

ACHTUNG: Eine zu hohe Schmerzensgeldforderung gefährdet Ihren Anspruch!

Sofern nach Geburtsschäden ein zu hohes Schmerzensgeld gefordert wird, könnten deutsche Gerichte dies als versuchte Bereicherung auslegen. Im schlimmsten Fall wäre der Anspruch auf Schmerzensgeld dadurch verwirkt.

 

Um ein angemessenes Schmerzensgeld für Geburtsschäden bestimmen zu können, werden sogenannte Schmerzensgeldtabellen herangezogen – diese stellen eine Sammlung verschiedener Gerichtsurteile zum Schmerzensgeld dar. Die dort aufgeführten Schmerzensgeldsummen sind allerdings nicht als verbindliche Vorgaben zu verstehen, sondern vielmehr als grober Orientierungsrahmen. Die konkrete Summe wird stets anhand des konkreten Einzelfalls und dessen individueller Umstände bestimmt.

In der folgenden Tabelle haben wir Ihnen relevante Gerichtsurteile zum Schmerzensgeld nach Geburtsschäden zusammengestellt:

Sachverhalt

Schmerzens­geld

Urteil

Zusätzliche Strapazen einer Mutter während der Geburt durch einen zu spät eingeleiteten Notkaiserschnitt

500 Euro

OLG Koblenz, 2009

Lähmung des rechten Armes, lebenslange Behinderung am rechten Arm aufgrund Behandlungs­fehlers bei Geburt

50.000 Euro

LG Rott­weil, 2003

Erhebliche körperliche und geistige Behinderung eines Kindes aufgrund ärztlichen Behandlungs­fehlers bei der Geburt

250.000 Euro

LG Frei­burg, 2007

Gravierende körperliche und geistige Behinderung eines Kindes aufgrund Sauerstoff­mangels durch zu spät eingeleiteten Notkaiserschnitt

300.000 Euro

OLG Hamm, 2015

Hirnschädigung mit Folge eines Entwicklungs­rückstandes und schwerer geistiger und körperlicher Behinderung eines Kindes aufgrund zu spät eingeleiteten Kaiserschnitts

350.000 Euro

OLG Koblenz, 2009

Um durch eine zu hohe Schmerzensgeldforderung Ihren Anspruch nicht zu gefährden, sollte ein erfahrener und spezialisierter Anwalt Ihren individuellen Einzelfall prüfen, um ein angemessenes Schmerzensgeld zu bestimmen und durchzusetzen. Haben Sie übrigens einen rechtmäßigen Anspruch auf Schmerzensgeld bei Geburtsschäden und setzen diesen erfolgreich durch, übernimmt die Gegenseite sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten. Hier Fall schildern & Anspruch prüfen lassen.

Schwere Hirnschädi­gung eines Kindes durch verzögerte Geburt und eines fehlerhaften Umgangs des Gynäkologen mit einem pathologischen CTG

400.000 Euro

OLG Hamm, 2018

Schwere Gehirn­schädigung, Blindheit und Taubheit eines fünfjährigen Kindes aufgrund des zu früh und bedenklich angewandten Kristeller-Handgriffs durch die Ärztin bei der Geburt

500.000 Euro

OLG Hamm, 2003

Schwerstbehin­dertes Baby nach zu spät eingeleitetem Kaiserschnitt

600.000 Euro

OLG Jena, 2009

Geistige und körperliche Behinderung (100 %) eines Neugebore­nen nach zu spät eingeleiteter Geburt

700.000 Euro

OLG Frank­furt, 2014

 

Schmerzensgeld für Geburtsschäden kann übrigens mit einer Einmalzahlung – bei der alle Forderungen abgegolten werden – oder in einer monatlichen Rente an den Geschädigten ausgezahlt werden. Da Kinder mit Geburtsschäden häufig ein Leben lang an den Folgen zu leiden haben, steht Ihnen auch eine Kostenerstattung etwaiger Folgeschäden zu. Eine spätere Erwerbsunfähigkeit oder Pflegeschäden können neben einer etwaigen Schmerzensgeldrente auch in Form von Unterhaltszahlungen entschädigt werden.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zu immateriellen Schäden und wie hoch eine Schmerzensgeldzahlung für diese ausfallen kann, finden Sie in unserem umfassenden Beitrag zur Schmerzensgeldtabelle. Unter welchen Voraussetzungen ein Anspruch auf Schmerzensgeld entstehen kann, erläutern wir Ihnen in unserem ausführlichen Beitrag zum Schmerzensgeldanspruch. Welche juristischen Optionen Sie bei Fehlern des medizinischen Personals haben, erklären wir Ihnen in unseren Beiträgen zu den Schwerpunkten Arzt verklagen, Zahnarzt verklagen und Krankenhaus verklagen.

 

3.2 Schadensersatz

Neben einem Anspruch auf Entschädigung aller immaterieller Schäden durch Schmerzensgeld kann nach Geburtsschäden auch ein Anspruch auf Entschädigung für etwaige materielle Schäden in Form von Schadensersatz bestehen. Dessen Höhe ist dabei von den tatsächlich entstandenen finanziellen Aufwendungen abhängig. Schadensersatz wird in der Regel bei u. a. folgenden Schäden zugesprochen:

  • Gesundheitsschäden: Durch Behandlung und Medikation entstandene Kosten werden übernommen oder erstattet.
  • Mehrbedarfsschäden: Umbaukosten für ein behindertengerechtes Haus, Ausgaben für die Pflege des Geschädigten und Hilfe zur Unterstützung im Haushalt können durch eine Schadensersatzzahlung finanziert werden.
  • Erwerbsschäden: Ist durch den Geburtsschaden eine geminderte Erwerbsfähigkeit eingetreten, so kann das fehlende Einkommen durch Schadensersatz ausgeglichen werden.
  • Haushaltsführungsschäden: Kann der Geschädigte durch den erlittenen Geburtsschaden seinen eigenen Haushalt nicht mehr führen, kann für die unentgeltliche Unterstützung durch seine Angehörigen eine finanzielle Unterstützung in Form von Schadensersatz gefordert werden.

 

RECHTSTIPP:

Um zu verhindern, dass nicht absehbare Folgen von Geburtsschäden verjähren, sollte ein sogenannter Feststellungsantrag bei Gericht gestellt werden. Durch diesen verjährt der Anspruch auf Schadensersatz dann erst nach 30 Jahren.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zum Schadensersatz, unter welchen Voraussetzungen dieser gefordert werden kann und den juristischen Möglichkeiten zu seiner Durchsetzung finden Sie in unserem umfassenden Beitrag zum Schadensersatzanspruch.

 

Geburtsschäden

► Sie wollen mit anwaltlicher Unterstützung Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz bei Geburtsschäden einfordern? Kontaktieren Sie uns für ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch mit einem unserer erfahrenen und spezialisierten Anwälte. Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

4. So erhalten Sie eine Entschädigung für Geburtsschäden

Liegen Geburtsschäden vor und besteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz, sollte zunächst eine außergerichtliche Einigung mit der Gegenseite angestrebt werden. Eine Klage vor Gericht ist in Betracht zu ziehen, wenn eine solche Einigung nicht möglich ist. Was Sie dabei beachten sollten und wie konkret vorzugehen ist, erläutern wir Ihnen in diesem Kapitel.

 

4.1 Außergerichtliche Einigung

Möchte man sich bei Geburtsschäden außergerichtlich mit der Gegenseite über eine Entschädigung einigen, ist dieser zunächst eine schriftliche Entschädigungsforderung zukommen zu lassen. Dieser sollte unbedingt folgende Inhalte haben:

    Anschrift des Geschädigten und die der schädigenden Partei bzw. seiner Haftpflichtversicherung,
    Festlegung und Begründung einer angemessenen Schmerzensgeld-/ Schadensersatzzahlung für die Geburtsschäden,
    Fristsetzung zu deren Auszahlung.

Um die für die Entschädigung nach Geburtsschäden notwendigen Beweispflichten zu erfüllen, sind dem Antrag zudem folgende Dokumente beizufügen:

    Behandlungsakten & ärztliche Dokumentation der Geburtsschäden,
    Unterlagen möglicher Arztbesuche, stationärer Krankenhausaufenthalte & Therapiebehandlungen,
    Sachverständigen- und psychologische Gutachten.

 

Hilfsangebote bei Geburtsschäden:

Sollte eine außergerichtliche Einigung mit der Gegenseite nicht möglich sein, kann man sich an die Schlichtungsstelle des betreffenden Krankenhauses oder verschiedene deutschlandweit tätige medizinische Beratungs- und Schlichtungsstellen wie den Deutschen Patientenschutzbund, die Unabhängige Patientenberatung Deutschland, die Ärztekammern und jede gesetzliche Krankenversicherung wenden. Diese prüfen die Gesundheitsschäden und bemühen sich um eine einvernehmliche Lösung.

 

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur außergerichtlichen Durchsetzung von Schmerzensgeld und Schadensersatz, damit verbundene Kosten und einzuhaltende Fristen finden Sie in unseren Beiträgen zu den Schwerpunkten Schmerzensgeld beantragen und Schadensersatz geltend machen.

 

4.2 Gerichtliche Durchsetzung

Ist eine außergerichtliche Einigung über eine Entschädigung für Geburtsschäden mit der Gegenseite nicht möglich und können auch die genannten Schlichtungsstellen nicht weiterhelfen, ist der Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz gerichtlich durchzusetzen. Folgende Schritte sind dafür notwendig:

  • Klageeinreichung: Im ersten Schritt wird eine Klageschrift beim zuständigen Gericht eingereicht. Bei einem Streitwert unter 5.000 € ist das Amtsgericht vor Ort zuständig, bei Streitwerten darüber das jeweilige Landesgericht.

 

INHALT DER KLAGESCHRIFT:

 

    Datum der Klageeinreichung,
    Name, Anschrift & Telefonnummer des Klägers,
    Angabe & Anschrift des zuständigen Gerichts,
    Name, Anschrift & Telefonnummer des Beklagten,
    exakte Forderung mit Begründung & Schilderung des Sachverhalts,
    Nachweis der Geburtsschäden und
    Unterschrift des Klägers.

 

LINK-TIPP: Ausführliche Informationen zur Klageeinreichung, welche Inhalte hier obligatorisch sind und den Kosten, mit denen zu rechnen ist, finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Klage einreichen.

  • Zahlung des Gerichtskostenvorschusses: Wird die Klage auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz bei Geburtsschäden eingereicht, so wird auch ein Gerichtskostenvorschuss fällig, dessen Höhe sich anhand des Streitwerts bemisst.
  • Beginn des Prozesses: Die Klageschrift wird der Gegenseite zugestellt.
  • Klageverhandlung vor Gericht: Während der Gerichtsverhandlung werden alle Beweise zu den Geburtsschäden gesammelt, untersucht und ausgewertet. Dabei wird der exakte Umfang der Schädigung ermittelt, um auf dieser Grundlage anschließend eine konkrete Entschädigungssumme ableiten zu können.
  • Urteilsverkündung: Wurden beide Seiten angehört und hat der Richter alle notwendigen Beweise gesichert, fällt er ein Urteil über den Entschädigungsanspruch bei Geburtsschäden und legt fest, wie hoch dieser ggf. ausfällt.
  • Auszahlung der Entschädigungssumme: Abschließend wird eine Frist festgelegt, in der die Schmerzensgeld- bzw. Schadensersatzsumme für Geburtsschäden an den Geschädigten und ggf. dessen Familie ausgezahlt werden muss.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zur Klage auf Entschädigung für Geburtsschäden, allen relevanten Voraussetzungen und etwaigen Kosten finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Schmerzensgeld einklagen. Wie hingegen eine Schadensersatzklage abläuft und was bei dieser zu beachten ist, erläutern wir Ihnen in unserem Beitrag zur Schadensersatzklage.

 

4.3 Sollte ich einen Anwalt hinzuziehen?

Häufig ist die Durchsetzung von Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüchen bei Geburtsschäden mit großen Hürden verbunden. Die Gegenseite weist solche Entschädigungsforderungen häufig aufgrund einer unangemessenen Summe oder vermeintlich vernachlässigbarer Schäden zurück. Auch die Dokumentation von Geburtsschäden und deren Ursache wird oftmals als zu ungenau angesehen und daher infrage gestellt. Ein erfahrener und spezialisierter Anwalt kann hier Abhilfe schaffen, die Geburtsschäden und deren Ursache sowie mögliche Folgen zweifelsfrei dokumentieren und nachweisen. Um Ihren Anspruch dabei nicht zu gefährden, stellt er außerdem die Berechnung einer angemessenen Schmerzensgeld- bzw. Schadensersatzsumme sicher. Mithilfe einer auf Ihren individuellen Fall zugeschnittenen juristischen Strategie kann ein Anwalt darüber hinaus eine schnelle und unkomplizierte Durchsetzung Ihres Entschädigungsanspruchs gewährleisten.

Nachdem Sie den Anwalt mit Ihrem Fall beauftragt haben, übernimmt dieser u. a. folgende Aufgaben für Sie:

  • Prüfung des Schadensersatz- und Schmerzensgeldanspruchs bei Geburtsschäden,
  • Beweissicherung und umfassende Dokumentation der entstandenen Geburtsschäden und deren Ursache sowie rechtssichere Prüfung aller Dokumente,
  • Berechnung einer angemessenen Schadensersatz- und Schmerzensgeldhöhe,
  • Vermittlung der Ernsthaftigkeit der Entschädigungsforderung durch anwaltlich verfassten Schmerzensgeld- bzw. Schadensersatzantrag,
  • Einreichung einer etwaigen Klage unter Berücksichtigung formeller und inhaltlicher Anforderungen sowie zeitlicher Fristen,
  • Ausarbeitung einer individuellen juristischen Strategie, mit welcher eine erfolgreiche Durchsetzung der Ansprüche erzielt werden kann.

 

RECHTSBERATUNG-TIPP:

Schon vor der Beauftragung eines erfahrenen und spezialisierten Anwalts können Sie im Rahmen eines unverbindlichen und kostenfreien Erstgesprächs prüfen lassen, ob Sie einen Anspruch auf eine Entschädigungszahlung für Geburtsschäden haben, wie hoch dabei Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz ausfallen können und welche juristischen Möglichkeiten sich zur Durchsetzung anbieten. Außerdem werden Ihnen mögliche Chancen, Risiken und zu erwartende Kosten transparent dargestellt. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche bei Geburtsschäden beauftragen. Schildern Sie dafür hier Ihr Anliegen.

 

5. Mögliche Kosten & Kostenübernahme

Unabhängig davon, ob Betroffene Ihren Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz für Geburtsschäden außergerichtlich oder vor Gericht durchsetzen, können Anwalts- und Gerichtskosten entstehen. Die genaue Höhe dieser ist dabei abhängig vom Streitwert – also der tatsächlich geforderten Entschädigung. Da es sich hierbei allerdings um eine anerkannte Schadensposition handelt, übernimmt diese Kosten grundsätzlich die unterlegene Partei.

 

Außergerichtliche Kosten

Bei einer außergerichtlichen Einigung können u. a. Sachverständigen, Zeugen- und Fahrtkosten entstehen. Sofern juristische Unterstützung in Anspruch genommen wird, fallen auch Anwaltskosten an. Diese werden durch das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt und richten sich nach der Höhe des Streitwerts. Im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung kann ein Anwalt folgende Kosten in Rechnung stellen:

  • 1,3-fache Geschäftsgebühr für die anwaltliche Vertretung und eine
  • 1,5-fache Einigungsgebühr für den Abschluss eines Vergleichs

In der folgenden Tabelle haben wir unterschiedliche Streitwerte und daraus resultierende Anwaltskosten exemplarisch für Sie zusammengestellt:

Streitwert bis ...

Anwaltskosten

500 €

126,00 €

2.000 €

420,00 €

4.000 €

705,60 €

Hinweis: Anwaltskosten richten sich immer nach dem konkreten Einzelfall und werden individuell berechnet. Die Angaben in der Tabelle sind daher nur als grobe Orientierung zu verstehen.

Daneben kann allerdings auch eine individuelle Vergütungsvereinbarung zum Festpreis mit dem Anwalt geschlossen werden. So könnte dieser seine Arbeit auf Basis der tatsächlich geleisteten Stunden abrechnen.

 

Gerichtskosten

Führt das außergerichtliche Vorgehen nicht zum erhofften Erfolg, so kann das Schmerzensgeld und/oder der Schadensersatz für Geburtsschäden vor Gericht gefordert werden. Dabei entstehen Gerichtskosten, die sich aus Gebühren für die Gerichtstätigkeit und verschiedenen Auslagen wie Kosten für Zeugen, Sachverständige sowie Telekommunikation zusammensetzen. Auch diese Kosten sind abhängig vom Streitwert.

Wird ein Anwalt auch bei einer Klage vor Gericht hinzugezogen, so kann er folgende Gebühren in Rechnung stellen:

  • 1,3-fache Verfahrensgebühr für die Erhebung der Schmerzensgeld-/ Schadensersatzklage bei Geburtsschäden,
  • 1,2-fache Termingebühr für die Wahrnehmung der Güteverhandlung und des Kammertermins,
  • 1,0-fache Einigungsgebühr für den Abschluss eines Vergleichs.

Zur Veranschaulichung haben wir nachfolgend Anwalts- und Gerichtskosten für verschiedene Streitwerte zusammengestellt:

Streitwert bis ...

Anwalts- und Gerichtskosten

500 €

192,50 €

2.000 €

614,00 €

4.000 €

1.009,00 €

Hinweis: Anwalts- und Gerichtskosten richten sich immer nach dem konkreten Einzelfall und werden individuell berechnet. Die Angaben in der Tabelle sind daher nur als grobe Orientierung zu verstehen.

 

Möglichkeiten der Kostenübernahme

Die mit der Durchsetzung einer Entschädigung für Geburtsschäden verbundenen Anwalts- und Gerichtskosten lassen sich durch verschiedene Möglichkeiten finanzieren:

  • Gegenseite übernimmt die Kosten: Bei erfolgreicher Durchsetzung eines Schmerzensgelds- und Schadensersatzanspruch bei Geburtsschäden übernimmt grundsätzlich die Gegenseite sämtliche angefallenen Anwalts- und Gerichtskosten sowie die Kosten für Sachverständigengutachten und Fahrkosten.
  • Prozesskostenhilfe: Fehlen dem Geschädigten die nötigen finanziellen Mittel für einen Rechtsstreit, kann er Prozesskostenhilfe beantragen. Dafür ist ein formloser Antrag nebst Einkommensnachweis beim zuständigen Gericht einzureichen.
  • Kostenübernahme durch die Rechtsschutzversicherung: Häufig übernehmen Rechtsschutzversicherungen die Kosten der Durchsetzung von Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen bei Geburtsschäden. Neben den Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten werden im Falle einer verlorenen Klage auch die Kosten der Gegenseite getragen. In welchen Umfang die Rechtsschutzversicherung diese Kosten reguliert, hängt von der jeweiligen Versicherungspolice ab.

 

KOSTENFREIE DECKUNGSANFRAGE:

Wenn Sie sich unsicher bezüglich der Kostenübernahme durch Ihre Rechtsschutzversicherung sind, stellen wir gerne eine kostenfreie Deckungsanfrage für Sie. Schildern Sie dazu hier Ihr Anliegen und geben die relevanten Daten ein.

 

6. Tipp: juristische Unterstützung zur Durchsetzung einer Entschädigung für Geburtsschäden

Kommt es aufgrund eines Fehlers des medizinischen Personals zu Geburtsschäden, steht Ihnen möglicherweise Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz zu. Allerdings ist die Verhandlung mit der Gegenseite dabei häufig belastend und sehr langwierig. Ein erfahrener und spezialisierter Anwalt kann Sie bei der schnellen und konsequenten Durchsetzung Ihrer Ansprüche unterstützen. Dabei kann er eine angemessene Entschädigungssumme unter Berücksichtigung aller individuellen Umstände und Faktoren sowie eine umfassende und zweifelsfreie Dokumentation der entstandenen Schäden gewährleisten. Zudem kann er eine passende juristische Strategie entwickeln, um Ihre Entschädigung in Verhandlungen mit der Gegenseite oder vor Gericht durchzusetzen und dabei Ihre Interessen konsequent zu vertreten.

► Bereits vor der Beauftragung eines Anwalts prüfen wir ihm Rahmen eines unverbindlichen und kostenfreien Erstgesprächs, ob Sie einen Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz nach Geburtsschäden haben, wie hoch dieser ausfallen könnte und welche Strategie für eine erfolgreiche Durchsetzung infrage kommen könnte. Außerdem erläutern wir Ihnen alle damit verbundenen Chancen sowie Risiken und stellen mögliche Kosten transparent dar. Sie entscheiden anschließend, ob Sie uns mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche bei Geburtsschäden beauftragen wollen.

► Für ein unverbindliches und kostenfreies Vorgespräch machen Sie bitte kurz Angaben zu den Geburtsschäden, für die Sie Entschädigung fordern möchten. Haben Sie bereits ärztliche Befunde oder andere relevante Dokumente, können Sie diese direkt in unserem verschlüsselten System hochladen.

Schildern Sie dafür bitte hier Ihr Anliegen.

 

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Isabel Kockro
Ein Artikel von Isabel Kockro aus der juristischen Redaktion bei advocado

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Isabel Kockro stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen. Dabei legt Isabel großen Wert auf eine verständliche Sprache, damit auch Nicht-Juristen im deutschen Paragraphendschungel den Durchblick behalten und ihre rechtlichen Angelegenheiten schnell, einfach und sorgenfrei erledigen können.

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