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Krankenhaus verklagen: So gibt's Schmerzensgeld & Schadensersatz

 

Krankenhaus verklagen: So gibt's Schmerzensgeld & Schadensersatz

 

 

Die Gesundheit ist eines der höchsten Güter in unserer Gesellschaft. Begeben wir uns bei Krankheit oder Schmerz in die Hände eines Mediziners, so vertrauen wir daraus, dass er alle ihm zur Verfügung stehenden Optionen ausnutzen wird, um eine Besserung herbeizuführen. Doch Ärzten und medizinischem Personal können Fehler unterlaufen. Um die Folgen abzumildern, kann man Arzt und Krankenhaus verklagen. Welche rechtlichen Möglichkeiten Sie hier haben und was dabei zu beachten ist, erläutert dieser Beitrag.

Krankenhaus verklagen: So gibt's Schmerzensgeld & Schadensersatz

 

Lesezeit: ca. 4 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie unter anderem, wann Sie ein Krankenhaus wegen eines Kunstfehlers verklagen können, wie Sie sich außergerichtlich oder gerichtlich wehren und wann Ihr Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz verjährt.

 

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Inhaltsverzeichnis

1. Wann liegt ein Kunstfehler vor?
2. Krankenhaus verklagen - Beispiele aus der Praxis
3. Krankenhaus verklagen - Schmerzensgeld und Schadensersatz
4. Krankenhaus verklagen - außergerichtliches Vorgehen
5. Krankenhaus verklagen - gerichtliches Vorgehen
6. Krankenhaus verklagen - der Sachverständige als Züglein an der Waage
7. Verjährung von Ansprüchen
8. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Arzthaftungsrecht

 

1. Wann liegt ein Kunstfehler vor?

Prinzipiell können Krankenhäuser und Ärzte wegen Kunstfehlern in Regress genommen werden. Allerdings muss die klagende Partei dem Krankenhaus oder Arzt nachweisen, dass die Behandlung nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt und dem Kläger als kausale Folge daraus ein Schaden entstanden ist. Die Beweislast liegt demzufolge beim Geschädigten. Erst wenn dieser der Klinik oder dem behandelnden Arzt einen Behandlungsfehler mithilfe eines medizinischen Gutachtens nachweisen kann, ist der Arzt zum Ersatz des Schadens verpflichtet.

Hierbei handelt es sich regelmäßig um eine monetäre Vergütung, die unter anderem auch zusätzliche Pflegekosten und sogar eine Rentenzahlung beinhalten kann. Neben dem Schadensersatz können geschädigte Patienten auch Schmerzensgeld vom Mediziner bzw. Krankenhaus verlangen. Jedoch ist zuvor stets der Diagnosefehler zu beweisen. Ein Fehlverhalten kann beispielsweise bei unterlassener Befunderhebung oder der Fehlinterpretation eines Befundes vorliegen.

 

2. Krankenhaus verklagen – Beispiele aus der Praxis

Beispiele, die eine Klage erstrebenswert machen, lassen sich in der Praxis leider vielfach finden. Anna R. wurde beispielsweise mit frühzeitig einsetzenden Wehen ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie neben einem Wehenhemmer strengste Bettruhe verordnet bekam. Anna klagte bereits nach zwei Tagen über starke Schmerzen in der Leistengegend, welche nach und nach ins Bein strahlten. Die Ärzte ignorierten ihre Ausführungen und schrieben sie den Wehen zu. Binnen kürzester Zeit schwoll ihr Bein an und verfärbte sich bläulich. Erst jetzt reagierten die Ärzte und diagnostizierten eine Venenthrombose. Leider verkannte das Klinikpersonal den Ernst der Lage, sodass sich Anna auf eigenen Wunsch in ein anderes Krankenhaus verlegen ließ, wo sie sofort einer Not-Operation unterzogen wurde. Dieses fahrlässige Verhalten hätte beinahe verehrende Folgen für die zukünftige Mutter und ihr ungeborenes Kind gehabt.

Auch Illona G. wurde nach ihrer Schwangerschaft nicht angemessen versorgt, weshalb sie beinahe verblutet wäre. Aufgrund wiederkehrender Blutungen suchte sie nach ihrer Entlassung das Krankenhaus zwei weitere Male auf, jedoch wurde sie immer wieder ohne Diagnose nach Hause geschickt. Erst im Zuge ihres dritten Klinikbesuchs kam es zur lebensrettenden Not-OP. Die langfristigen Folgen – abgesehen von den körperlichen Schmerzen – waren vor allem psychischer Natur. Die Mutter-Kind-Bindung wurde immens beeinträchtigt, da Illona aufgrund der Not-OP und den Medikamenten ihr Kind nicht stillen konnte. Auch ein fälschlicherweise als Stauchung diagnostizierter Bruch gehört zudem zu den Szenarien, die häufig einen Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen.

 

3. Krankenhaus verklagen – Schmerzensgeld & Schadensersatz

Die Summe, die als Schmerzensgeld gefordert werden kann, lässt sich nicht einfach pauschalisieren. Stattdessen richtet sie sich nach der Größe, Heftigkeit und Dauer des erlittenen Schmerzes bzw. Schadens, welcher durch eine rechtzeitige und entsprechende Behandlung hätte vermieden werden können. Darüber hinaus fließen in die Bemessungsgrundlage die Gewichtung des Behandlungsfehlers sowie die dadurch entstandenen psychischen Unannehmlichkeiten ein.

Zur Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen ist es zunächst sinnvoll, eine außergerichtliche Einigung anzustreben. Ist dies nicht möglich, sollte der Klageweg beschritten werden. Hier ist unbedingt darauf zu achten, dass die Klage an den richtigen Beklagten – also dem Träger oder Eigentümer des Krankenhauses – zu richten ist, damit der Schadensersatzanspruch Erfolg haben kann.

 

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4. Krankenhaus verklagen – außergerichtliches Vorgehen

Soll eine außergerichtliche Einigung angestrebt werden, so stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Wahl. Diese können Sie sowohl mit als auch ohne anwaltliche Unterstützung verfolgen. Zu diesen Optionen gehören:

  • Betroffene können sich an Schlichtungs- und Gutachterkommissionen der Ärztekammern wenden,
  • Gesetzlich Versicherte können sich an ihre Krankenkasse mit der Bitte um Hilfe wenden oder
  • Sie beauftragen einen Arzt mit der Begutachtung der Behandlung.

Unabhängig von Ihrer Wahl wird bei jeder Variante ein Gutachten erstellt, welches die Behandlung dokumentiert, begutachtet und schriftlich bewertet. Dieses wird von Krankenkassen und den Kommissionen der Ärztekammern kostenlos erstellt. Lediglich bei der Beauftragung einer privaten Gutachtenerstellung muss dafür gezahlt werden. Damit verbunden ist jedoch der Nachteil, dass damit keine Schadensregulierung vorgenommen wird. Weder die Höhe des Schmerzensgeldes noch die Bezifferung einer Schadensersatzsumme findet in diesem Rahmen statt. Daher sollten Sie spätestens an diesem Punkt auf einen versierten Rechtsanwalt zurückgreifen.

 

5. Krankenhaus verklagen – gerichtliches Vorgehen

Ist an eine außergerichtliche Einigung nach einem Kunstfehler nicht zu denken, so bleibt nur noch der Gang vor das Gericht. In Abhängigkeit vom Streitwert ist das Amts- (bis € 5.000,00) oder Landesgericht (ab € 5.000,01) zuständig, wobei Sie sich vor dem Landesgericht von einem Anwalt vertreten lassen müssen. Um ein gewisses Maß an Waffengleichheit sicherzustellen, hat das Gericht besondere Pflichten gegenüber der klagenden Partei, dem medizinischen Laien:

  • So hat das Gericht die Originalbehandlungsunterlagen anzufordern,
  • es hat mangels eigener Sachkunde einen externen Experten zur Begutachtung des vorgeworfenen Behandlungsfehlers zu Rate zu ziehen und
  • das Gericht hat dafür Sorge zu tragen, dass sich der medizinische Sachverständige mit den Einwänden der Beteiligten gegen das Gutachten explizit auseinanderzusetzen hat und keine Widersprüche im Gutachten zu finden sind.

 

6. Krankenhaus verklagen - der Sachverständiger als Zünglein an der Waage

In vielen Fällen entscheidet der gerichtliche Sachverständige – welcher mit der Gutachtenerstellung beauftragt wurde – den Ausgang eines Gerichtsprozesses. Dabei stellt der im Beweisabschluss des Gerichts enthaltene Fragenkatalog die Arbeitsgrundlage des medizinischen Experten dar. Anhand verschiedener Fragen prüft er, ob Behandlungs- und Kunstfehler gegeben sind oder nicht. Daher sollten folgende Aspekte unbedingt Berücksichtigung finden:

  • Der Sachverständige sollte aus dem gleichen medizinischen Fachgebiet stammen wie der behandelnde Arzt,
  • er sollte diesbezüglich entsprechende Erfahrung und Sachkunde aufweisen,
  • er hat den objektiven Facharztstandard als Maßstab für die Prüfung der Behandlung zu verwenden und
  • er hat seine schriftlich im Gutachten festgehaltenen Äußerungen mündlich in einer Verhandlung zu erläutern.

 

7. Verjährung von Ansprüchen

Sowohl Schadensersatz- als auch Schmerzensgeldansprüche, die sich aus Behandlungsfehlern ergeben, können verjähren. Ist die Angelegenheit erst einmal verjährt, so können Sie unabhängig von bestehenden Schmerzen keine finanzielle Ausgleichszahlung mehr geltend machen. Prinzipiell gilt, dass die Regelverjährungsfrist drei Jahre beträgt. Unabhängig von der Kenntnisnahme tritt sie jedoch endgültig nach 30 Jahren ab dem Zeitpunkt der schädigenden Handlung ein. Die Verjährungsfrist beginnt, wenn der Geschädigte als medizinischer Laie erkennt oder hätte erkennen müssen, dass der Arzt bei der Behandlung vom medizinischen Standard abgewichen ist. Darüber hinaus muss der Kläger Kenntnis vom vorliegenden Schaden haben und er muss den Schädiger – also den fahrlässig handelnden Arzt – eindeutig identifizieren können. Erst wenn dem Kläger diese Aspekte bekannt sind, beginnt die Frist. Weitere Informationen zur Verjährung eines Schadensersatzanspruchs finden Sie in unserem Beitrag Verjährung von Schadensersatz.

 

8. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Arzthaftungsrecht

Da sich das Prozessieren gegen ein Krankenhaus über Jahre erstrecken kann, sollten Sie sich vorab von einem unserer Experten über Ihre individuellen Erfolgsaussichten in einer kostenlosen Ersteinschätzung telefonisch unverbindlich beraten lassen.

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