Kunstfehler: So können Patienten eine Entschädigung erhalten
Kunstfehler: So können Patienten eine Entschädigung erhalten
Jasmin Leßmöllmann
Beitrag von Jasmin Leßmöllmann
Redakteurin für Rechtsthemen
Aktualisiert am

... Behandlungsfehler Kunstfehler

Verursacht eine unsachgemäße medizinische Behandlung Gesundheitsschäden, liegt ein Kunstfehler vor. Für entstandene Schmerzen und die finanziellen Belastungen durch einen erhöhten Pflegebedarf stehen Betroffenen Entschädigungszahlungen zu – häufig sechsstellige Beträge.

Ein Anwalt kann die komplizierte Beweisführung übernehmen und den Entschädigungsanspruch durchsetzen. Im Erfolgsfall muss die Gegenseite sämtliche Gerichts- und Anwaltskosten übernehmen.

Inhalt
  1. Schnell-Check: Was jetzt wichtig ist
  2. 1. Was ist ein ärztlicher Kunstfehler?
  3. 2. Welche Arten von Kunstfehlern gibt es?
  4. 3. Patientenrechte nach einem Kunstf­ehler
  5. 4. Beweislast: Wer muss den Kunstfehler nachweisen?
  6. 5. Wann ist eine individuelle Prüfung des Falles sinnvoll?
  7. 6. Was tun bei Verdacht auf einen Kunstfehler?
  8. 7. Kosten und Risiken realistisch einschätzen
  9. 8. Häufige Irrtümer aufgeklärt
Ersteinschätzung erhalten

Kunstfehler: So können Patienten eine Entschädigung erhalten

Kunstfehler: So können Patienten eine Entschädigung erhalten

Verursacht eine unsachgemäße medizinische Behandlung Gesundheitsschäden, liegt ein Kunstfehler vor. Für entstandene Schmerzen und die finanziellen Belastungen durch einen erhöhten Pflegebedarf stehen Betroffenen Entschädigungszahlungen zu – häufig sechsstellige Beträge.

Ein Anwalt kann die komplizierte Beweisführung übernehmen und den Entschädigungsanspruch durchsetzen. Im Erfolgsfall muss die Gegenseite sämtliche Gerichts- und Anwaltskosten übernehmen.

Schnell-Check: Was jetzt wichtig ist

So ordnen Sie Ihren Fall schnell ein

Ein Kunstfehler liegt vor, wenn eine medizinische Behandlung, Aufklärung, Organisation oder Dokumentation vom gebotenen fachlichen Standard abweicht und Patientinnen oder Patienten dadurch geschädigt werden.

Gilt, wenn …

  • nach einer Behandlung neue, stärkere oder dauerhafte Beschwerden auftreten,
  • der Verdacht besteht, dass Diagnose, Therapie, Operation, Pflege, Hygiene, Nachsorge oder Aufklärung fehlerhaft waren,
  • ein körperlicher, seelischer oder finanzieller Schaden entstanden ist, der mit der Behandlung zusammenhängen kann.

Sonderfall: Eine Komplikation allein reicht nicht aus. Auch bei fachgerechter Behandlung können Risiken eintreten. Wenn akute Gesundheitsgefahr besteht, hat die medizinische Abklärung Vorrang vor der rechtlichen Prüfung.

Wichtigste Frist:
Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadensersatz verjähren regelmäßig nach 3 Jahren. Die Frist beginnt grundsätzlich mit dem Ende des Jahres, in dem Betroffene vom Schaden und den anspruchsbegründenden Umständen erfahren haben oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätten erfahren müssen.

Diese Informationen und Unterlagen helfen:

  • Patientenakte, Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Bildgebung
  • OP-Berichte, Pflegeberichte, Medikationspläne, Entlassungsberichte
  • Aufklärungsbogen, Einwilligungserklärung, unterschriebene Unterlagen
  • Gedächtnisprotokoll mit Daten, Namen, Beschwerden und Gesprächsinhalten
  • Fotos, Rechnungen, Quittungen, Fahrtkosten, Verdienstausfall-Nachweise
  • Zweitmeinung, Krankenkassen-Schreiben oder Gutachten des Medizinischen Dienstes

Häufigster Fehler: Betroffene warten zu lange und sichern Patientenakte, Gedächtnisprotokoll und Nachweise erst, wenn wichtige Details nicht mehr nachvollziehbar sind.

Fakt vs. Einzelfall: Was ist sicher – und wo kommt es wirklich darauf an?

Sicher ist:

  • Patientinnen und Patienten haben Anspruch auf Behandlung nach dem fachlichen Standard, der zum Zeitpunkt der Behandlung galt.
  • Vor Eingriffen muss verständlich, persönlich und rechtzeitig aufgeklärt werden. Ein Formular allein ersetzt das Gespräch nicht.
  • Patienten dürfen grundsätzlich Einsicht in ihre vollständige Patientenakte verlangen.
  • Bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler können gesetzlich Versicherte ihre Krankenkasse einschalten; diese kann den Medizinischen Dienst mit einer Begutachtung beauftragen.

Kommt darauf an:

  • ob ein medizinischer Standard tatsächlich verletzt wurde,
  • ob der Schaden auch bei richtiger Behandlung eingetreten wäre,
  • ob die Aufklärung rechtzeitig und verständlich war,
  • ob Dokumentationsmängel Beweiserleichterungen auslösen,
  • ob ein grober Behandlungsfehler vorliegt,
  • ob Verjährung droht oder bereits gehemmt wurde.

1. Was ist ein ärztlicher Kunstfehler?

Ärzte, Psychotherapeuten, Hebammen, Krankenschwestern, Heilpraktiker und andere im Gesundheitswesen Tätige müssen ihre Patienten fachgerecht behandeln. Das bedeutet, sie müssen in allen Phasen nach aktuellen medizinischen Standards verfahren:

  • Anamnese: Erforschung der Krankengeschichte
  • Befunderhebung: Untersuchung des Patienten
  • Diagnostik: Bestimmung der Krankheit
  • Therapie: Behandlung der Krankheit
  • Nachsorge: Nachbehandlung des Patienten

Kommt es beispielsweise wegen einer fehlenden Befunderhebung zur Fehldiagnose, stellt dies eine Verletzung der ärztlichen Behandlungspflicht dar. Verschlechtert sich dadurch der Gesundheitszustand des Patienten, handelt es sich um einen Behandlungsfehler. Er wird auch als Kunstfehler bezeichnet, da die Behandlung nicht den „Regeln der ärztlichen Kunst“ entsprach.

2. Welche Arten von Kunstfehlern gibt es?

Ein ärztlicher Kunstfehler kann rein medizinischen Charakters sein, aber auch bei der Verwaltung von Patientenakten oder der Bedienung technischer Geräte unterlaufen.

Daher lassen sich verschiedene Arten von Kunstfehlern unterscheiden:

  • Anamnesefehler: Der Behandelnde befragt den Patienten nicht oder nur ungenau zu Beschwerden, bisherigen Behandlungen und Medikamenten.
  • Befunderhebungsfehler: Ein Arzt klärt eindeutige Befunde – starke Schmerzen im Brustbereich und Atemnot – nicht ab. Infolge seines Befunderhebungsfehlers übersieht er einen Herzinfarkt.
  • Diagnosefehler: Ein Orthopäde stellt eine falsche Diagnose. So führt z. B. der Diagnosefehler „Hexenschuss“ zur Fehlbehandlung einer akuten Hüftgelenksentzündung.
  • Aufklärungsfehler: Klärt ein Chirurg seinen Patienten vor einer Operation nicht über Notwendigkeit, Ablauf, Risiken und Alternativen des Eingriffs auf, liegt ein Aufklärungsfehler vor.
  • Operationsfehler: Amputiert ein Orthopäde beispielsweise das falsche Bein, vergisst Teile des Operationsbestecks im Patienten oder setzt defekte Implantate ein, handelt es sich um einen Operationsfehler.
  • Therapiefehler: Der Verantwortliche verabreicht das falsche Medikament, dosiert es zu niedrig oder wählt eine unangebrachte Therapie aus.
  • Pflegefehler: Ein Pflegebedürftiger wird falsch gebettet. Daher liegt er sich wund oder fällt aus seinem Krankenbett.
  • Hygienefehler: Ein Behandelnder missachtet Hygienevorschriften und verwendet verunreinigtes OP-Besteck oder benutzt kein Desinfektionsmittel.
  • Organisationsfehler: Ein Arzt übersieht bspw. eine schwangere Patientin im Wartesaal. Anschließend findet die Schwester den Schlüssel zum Kreißsaal nicht. Der Organisationsfehler führt zu Geburtsschäden.
  • Dokumentationsfehler: Die ärztliche Behandlung ist nicht ausführlich in der Patientenakte dokumentiert.
  • Bedienungsfehler: Der Warnton des Beatmungsgeräts ist ausgeschaltet. Durch den Bedienungsfehler findet keine fachgerechte Beatmung statt.
  • Überweisungsfehler: Ein Allgemeinmediziner überweist seinen Patienten nicht oder verspätet an einen Spezialisten, sodass Folgeschäden bleiben.
  • Nachsorgefehler: Ein Arzt weist z. B. nicht auf eine notwendige Umstellung der Ernährung oder medikamentenbedingte Fahruntauglichkeit hin.

3. Patientenrechte nach einem Kunstf­ehler

2013 verabschiedete der Bundestag das Patientenrechtegesetz und verankerte es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Neben einer Behandlung nach medizinischem Standard, dürfen Patienten Art und Umfang einer medizinischen Maßnahme selbst bestimmen oder einen Eingriff ganz ablehnen.

Zusätzlich stärkt es die Rechte von Patienten:

Informationsrecht

Die ärztliche Informations- und Aufklärungspflicht stellt sicher, dass Patienten alle Informationen zu Risiken, Chancen und Alternativen einer Behandlung erhalten. Das Aufklärungsgespräch muss verständlich sein und mindestens 24 Stunden vor einem Eingriff erfolgen, damit eine angemessene Zeit zur freien Willensbildung bleibt.

Der behandelnde Arzt ist im Falle eines Arztfehlers außerdem verpflichtet, sein Verschulden zuzugeben und auch auf die Fehler anderer Mediziner hinzuweisen.

Reiseschutzimpfungen, Akupunktur und Osteopathie zählen zu den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die die meisten Krankenkassen nicht übernehmen. Ein Patient ist daher vorab über die voraussichtlichen Behandlungskosten zu informieren. Ansonsten darf der Behandelnde die Kosten später nicht einfordern.

Recht auf Akteneinsicht

Die ärztliche Dokumentationspflicht gewährleistet, dass sämtliche Schritte der Behandlung (Befunde, Aufklärung, Eingriffe, Wirkungen, Einwilligung) ausführlich in der Patientenakte notiert sind. Der Patient darf seine Krankenunterlagen jederzeit einsehen und Kopien davon anfertigen.

  • Lehnt ein Arzt die Einsichtnahme ab, muss er seine Entscheidung begründen.
  • Fehlt in der Akte die Dokumentation einer medizinischen Maßnahme, ist zugunsten des Patienten zu vermuten, dass eine entsprechende medizinische Behandlung nicht erfolgte.

Recht auf Beratung

Deutschlandweit stehen Anlaufstellen zur Verfügung, die Patienten bei Verdacht auf einen Kunstfehler, z. B. durch ein Schlichtungsverfahren, unterstützen.

Dazu gehören:

  • Anwälte für Behandlungsfehler
  • Unabhängige Patientenberatung Deutschland
  • Deutscher Patientenbund
  • Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) & MDK
  • Gesetzliche Pflegeversicherung
  • Gutachterkommissionen der Ärztekammern
  • Verbraucherzentralen
  • Schlichtungsstellen der Krankenhäuser
  • Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung
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4. Beweislast: Wer muss den Kunstfehler nachweisen?

Grundsätzlich müssen Patientinnen und Patienten beweisen, dass ein Fehler passiert ist, ein Schaden entstanden ist und der Fehler den Schaden verursacht hat. Genau dieser Zusammenhang ist in Arzthaftungsfällen oft die größte Hürde.

Das bedeutet aber nicht, dass Betroffene immer alles allein und lückenlos beweisen müssen. Das Gesetz kennt Beweiserleichterungen.

Beweiserleichterungen können eine Rolle spielen, wenn …

  • eine ordnungsgemäße Aufklärung nicht nachgewiesen werden kann,
  • wesentliche Maßnahmen nicht dokumentiert wurden,
  • ein grober Behandlungsfehler vorliegt,
  • ein voll beherrschbares Risiko betroffen ist,
  • eine medizinisch gebotene Befunderhebung unterlassen wurde,
  • eine ungeeignete Person eine Maßnahme durchgeführt hat.

Ob das im konkreten Fall hilft, ist eine rechtliche und medizinische Einzelfallfrage. Maßgeblich ist § 630h BGB.

5. Wann ist eine individuelle Prüfung des Falles sinnvoll?

Hier reicht ein allgemeiner Überblick oft nicht aus. Eine individuelle Prüfung ist besonders sinnvoll, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Nur Komplikation, kein klarer Fehler: Ein bekanntes Behandlungsrisiko hat sich verwirklicht, ohne dass ein Standardverstoß erkennbar ist.
  • Kausalität unklar: Es ist offen, ob der Schaden wirklich durch den Fehler entstanden ist.
  • Mehrere Behandelnde beteiligt: Praxis, Klinik, Pflege, Vor- und Nachbehandlung greifen ineinander.
  • Unterlagen fehlen: Die Akte ist unvollständig oder schwer verständlich.
  • Aufklärung streitig: Ein Bogen wurde unterschrieben, aber das Gespräch war kurz, unverständlich oder sehr spät.
  • Behandlung liegt lange zurück: Verjährung oder Höchstfristen müssen geprüft werden.
  • Schlichtungsverfahren läuft bereits: Fristen und strategische Folgen müssen sauber eingeordnet werden.
  • Mitwirkung des Patienten ist relevant: Zum Beispiel, wenn ärztliche Hinweise nicht beachtet wurden oder Nachsorgetermine ausblieben.

Wichtig: Auch wenn solche Punkte den Fall schwieriger machen, schließen sie Ansprüche nicht automatisch aus. Sie verändern aber die Prüfung.

6. Was tun bei Verdacht auf einen Kunstfehler?

Schritt 1: Gesundheitlich absichern

Bei akuten Beschwerden sollte zuerst medizinische Hilfe gesucht werden. Das gilt besonders bei starken Schmerzen, Infektionszeichen, neurologischen Ausfällen, Atemnot oder plötzlicher Verschlechterung.

Die rechtliche Prüfung ist wichtig – sie ersetzt aber keine medizinische Versorgung.

Schritt 2: Gedächtnisprotokoll schreiben

Notieren Sie den Ablauf möglichst zeitnah. Hilfreich sind konkrete Daten, Namen und Beobachtungen.

Das Protokoll sollte enthalten:

  • Behandlungstermine,
  • Beschwerden vor und nach der Behandlung,
  • Namen von Behandelnden und Zeugen,
  • Gesprächsinhalte,
  • Aufklärung und Nachfragen,
  • Medikamente und Maßnahmen,
  • Verlauf nach der Behandlung,
  • Auswirkungen auf Alltag und Beruf,
  • entstandene Kosten.

Schritt 3: Patientenakte sichern

Fordern Sie die vollständige Akte schriftlich an. Bitten Sie nicht nur um „Arztbriefe“, sondern ausdrücklich um die vollständige Behandlungsdokumentation.

Praktisch sinnvoll ist eine kurze Frist. Bleibt die Akte unvollständig, kann rechtliche Unterstützung helfen.

Schritt 4: Zweitmeinung oder Krankenkasse einschalten

Eine ärztliche Zweitmeinung kann den medizinischen Verdacht einordnen. Gesetzlich Versicherte können zusätzlich die Krankenkasse kontaktieren. Diese kann den Medizinischen Dienst beauftragen.

Das ist oft ein sinnvoller Zwischenschritt, bevor hohe Kosten für private Gutachten oder Gerichtsverfahren entstehen.

Schritt 5: Rechtliche Prüfung einholen

Eine anwaltliche Prüfung ist besonders wichtig, wenn hohe Schäden im Raum stehen, Fristen laufen oder die Gegenseite Ansprüche ablehnt.

Ein Anwalt für Arzthaftungsrecht kann insbesondere prüfen:

  • ob ein Anspruch realistisch ist,
  • welche Beweise fehlen,
  • ob ein Gutachten nötig ist,
  • ob Verjährung droht,
  • welche Schadenspositionen geltend gemacht werden können,
  • ob außergerichtliche Verhandlungen sinnvoll sind,
  • ob Klage erhoben werden sollte.

Wenn Sie Ihren Fall rechtlich einordnen lassen möchten, können Sie über advocado eine kostenlose Ersteinschätzung von einem passenden Partner-Anwalt für Arzthaftungsrecht erhalten.

Anführungszeichen

Es gilt, berechtigte Ansprüche in angemessener Höhe durchzusetzen und auch die Zukunft des Mandanten abzusichern. Denn meist leiden Patienten lebenslang an den Folgen eines Fehlers. Treten weitere Schäden ein, muss der Schädiger diese genauso erstatten wie die bereits sichtbaren Schäden.

Matthias Klein
Anwalt für Arzthaftungsrecht
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Beispiel-Fälle zur Orientierung

Fall 1: Beschwerden nach einer Operation

Ausgangslage: Nach einer Operation treten starke dauerhafte Beschwerden auf. Die Patientin vermutet, dass während des Eingriffs ein Fehler passiert ist.

Vorgehen: Sie fordert OP-Bericht, Narkoseprotokoll, Pflegeberichte und Bildgebung an. Zusätzlich erstellt sie ein Gedächtnisprotokoll und holt eine fachärztliche Zweitmeinung ein.

Ergebnis: Offen bis zur medizinischen Bewertung. Entscheidend ist, ob der Eingriff vom damaligen Standard abwich und ob genau diese Abweichung den Schaden verursacht hat.

Learning: Bei OP-Fällen sind Dokumentation und Gutachten oft entscheidend.

Fall 2: Aufklärung kurz vor dem Eingriff

Ausgangslage: Ein Patient unterschreibt am Behandlungstag einen Aufklärungsbogen. Ein ausführliches Gespräch erinnert er nicht. Nach dem Eingriff tritt eine bekannte Komplikation ein.

Vorgehen: Geprüft werden Aufklärungsbogen, Einwilligung, Gesprächsdokumentation, Zeitpunkt der Aufklärung und die Frage, ob der Patient bei richtiger Aufklärung anders entschieden hätte.

Ergebnis: Ein Anspruch ist möglich, aber nicht automatisch. Auch bei Aufklärungsfehlern müssen Schaden und rechtlicher Zusammenhang geprüft werden.

Learning: Eine Unterschrift beendet die Prüfung nicht. Entscheidend ist, ob verständlich, persönlich und rechtzeitig aufgeklärt wurde.

Fall 3: Übersehener Befund

Ausgangslage: Eine Patientin klagt mehrfach über starke Beschwerden. Erst später wird eine schwerwiegende Erkrankung festgestellt. Sie vermutet, dass notwendige Untersuchungen unterlassen wurden.

Vorgehen: Die Behandlungsakte wird mit dem späteren Befund abgeglichen. Eine Zweitmeinung oder ein Gutachten prüft, ob frühere Untersuchungen medizinisch geboten waren.

Ergebnis: Der Anspruch hängt davon ab, ob eine Befunderhebung nach damaligem Standard erforderlich war und ob eine frühere Diagnose den Schaden verhindert oder verringert hätte.

Learning: Bei Diagnose- und Befunderhebungsfehlern ist die Kausalität besonders wichtig.

7. Kosten und Risiken realistisch einschätzen

Die Kosten hängen stark davon ab, wie der Fall geklärt wird. Eine pauschale Aussage ist unseriös, weil Beweislage, Schadenhöhe, Gutachtenbedarf und Verfahrensweg entscheidend sind.

Mögliche Kostenpositionen:

  • Kopien aus der Patientenakte,
  • anwaltliche Beratung und Vertretung,
  • private medizinische Gutachten,
  • Gerichtskosten,
  • gerichtlich eingeholte Sachverständigengutachten,
  • Zeugenkosten und Auslagen.

Kostenarme Vorstufen können sein:

  • Akteneinsicht,
  • Gedächtnisprotokoll,
  • Zweitmeinung,
  • Unterstützung durch die gesetzliche Krankenkasse,
  • Begutachtung durch den Medizinischen Dienst,
  • Schlichtungsstelle oder Gutachterkommission.

Mögliche Finanzierungswege:

  • Rechtsschutzversicherung,
  • Prozesskostenhilfe,
  • Prozessfinanzierung,
  • außergerichtliche Einigung,
  • Kostenübernahme durch die Gegenseite im Umfang des Obsiegens.

Wichtig: Bei teilweisem Unterliegen können Kosten anteilig verteilt werden. Auch ein Vergleich kann Kostenfolgen haben. Deshalb sollten Kostenrisiken vor jedem gerichtlichen Schritt geklärt werden.

Kosten
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8. Häufige Irrtümer aufgeklärt

Richtig ist: Auch fachgerechte Behandlungen können Risiken haben. Ein Anspruch setzt einen Fehler und einen dadurch verursachten Schaden voraus.

Was ist zu prüfen: Behandlungsstandard, Aufklärung, Dokumentation, Schaden und Kausalität.

Richtig ist: Die Aufklärung muss verständlich, persönlich und rechtzeitig erfolgen. Schriftliche Unterlagen können das Gespräch ergänzen, aber nicht immer ersetzen.

Was ist zu prüfen: Zeitpunkt, Gesprächsinhalt, Risiken, Alternativen, Verständlichkeit und Bedenkzeit.

Richtig ist: Grundsätzlich tragen Patienten die Beweislast. In bestimmten Fällen können Beweiserleichterungen helfen.

Was ist zu prüfen: Dokumentationsmängel, grober Fehler, Aufklärungsnachweis, voll beherrschbares Risiko und unterlassene Befunderhebung.

Richtig ist: Die regelmäßige Frist beginnt grundsätzlich erst am Ende des Jahres, in dem Betroffene von Schaden und relevanten Umständen erfahren haben oder hätten erfahren müssen.

Was ist zu prüfen: Kenntniszeitpunkt, Behandlungsdatum, Hemmung, Schlichtung, Verhandlungen und mögliche Höchstfristen.

 

Richtig ist: Viele Fälle werden zunächst außergerichtlich geprüft und verhandelt. Eine Klage kommt in Betracht, wenn Fristen gesichert werden müssen oder keine Einigung möglich ist.

Was ist zu prüfen: Beweislage, Gutachten, Haftpflichtversicherung, Kostenrisiko und Vergleichsmöglichkeiten.

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