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Erbengemeinschaft – Rechte, Pflichten, Auflösung & Fortsetzung

 

Erbengemeinschaft – Rechte, Pflichten, Auflösung & Fortsetzung

 

 

Wenn ein Erblasser verstirbt, so hinterlässt er oftmals mehrere Verwandte, die sich als Begünstigte den Nachlass teilen. Diese treten dann – ob sie wollen oder nicht – in eine Erbengemeinschaft ein. Was sich genau dahinter verbirgt, welche Rechte und Pflichten Miterben haben und wie eine Erbengemeinschaft aufgelöst werden kann, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

Erbengemeinschaft – Rechte, Pflichten, Auflösung & Fortsetzung

 

Lesezeit: ca. 7 Min.

 

Dieser Beitrag informiert Sie umfassend zur Erbengemeinschaft: Sie erfahren u. a. wer welche Rechte und Pflichten hat, wie man eine Erbengemeinschaft beendet, welche Alternativen es gibt und wie man eine Erbengemeinschaft fortsetzen kann.

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Inhaltsverzeichnis

1. Was ist eine Erbengemeinschaft?
2. Die Rechte und Pflichten der Erbengemeinschaft
3. Gemeinsame Nachlassverwaltung durch die Erbengemeinschaft
4. Was tun bei Steitigkeiten in der Erbengemeinschaft?
5. Die Auflösung der Erbengemeinschaft
  5.1 Auflösung mittels einvernehmlicher Einigung
  5.2 Auflösung durch Auszahlung eines Miterben
  5.3 Auflösung durch Verkauf an Dritte
  5.4 Auflösung mittels Auseinandersetzungsklage
6. Alternative zur Auflösung: die Abschichtung von der Erbengemeinschaft
7. Fortsetzung der Erbengemeinschaft
8. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

 

1. Was ist eine Erbengemeinschaft?

Eine Erbengemeinschaft ist eine Rechtsform eigener Art, die in den §§ 2032 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt wird. Sie entsteht, wenn sich der Erblasser gegen einen Alleinerben und für mehrere Erben entscheidet.

Am häufigsten kommt dieser Fall bei Familienkonstellationen vor, in denen der Erblasser mehrere Kinder hatte. Ob die Erben per Testament oder durch die gesetzliche Erbfolge bestimmt wurden, ist bei der Entstehung der Erbengemeinschaft unerheblich.

Der Nachlass des Erblassers wird bei einer Erbengemeinschaft zum gemeinschaftlichen Vermögen der Miterben. Dabei wird jeder Miterbe anteilig Eigentümer an den Nachlassgegenständen, ohne dass diese dabei unter den jeweiligen Erben aufgeteilt werden. Stattdessen steht den Miterben alles gemeinschaftlich zu, weswegen sie auch nur gemeinschaftlich Gegenstände aus dem Nachlass veräußern oder das Erbe gemeinschaftlich verwenden dürfen. Man spricht hier auch von einer Gesamthandgemeinschaft.

 

2. Die Rechte und Pflichten der Erbengemeinschaft

Miterben einer Erbengemeinschaft haben Rechte und Pflichten, die es zu beachten gilt. So dürfen die Miterben beispielsweise nicht frei über die gesamte Erbmasse verfügen, obwohl der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen wird. Die Verfügungsgewalt wird gemäß § 2033 BGB auf den Erbteil beschränkt, der einem Miterben zusteht – weshalb ein Miterbe seinen Erbteil durchaus an Dritte verkaufen kann.

Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Vorkaufsrecht bei der Erbengemeinschaft liegt – allerdings auch nur für eine Frist von zwei Monaten. Diese beginnt, wenn der veräußerungswillige Miterbe von einer dritten Partei ein Kaufangebot erhalten hat. Macht in dieser Zeitspanne ein Miterbe sein Vorrecht geltend, so ist das Angebot als nichtig zu erachten und die dritte Partei hat das Nachsehen.

 

3. Gemeinsame Nachlassverwaltung durch die Erbengemeinschaft

Solange die Erbengemeinschaft noch nicht aufgelöst ist, erfolgt die Nachlassverwaltung gemeinschaftlich durch alle Miterben. Die Mitglieder der Erbengemeinschaft sind den anderen gegenüber dazu verpflichtet, an der ordnungsgemäßen Verwaltung mitzuwirken. Kommt ein Miterbe dieser Pflicht nicht nach, kann er sich unter Umständen schadensersatzpflichtig machen.

Gemäß der Gesetzeslage werden drei Varianten unterschieden, wie der Nachlass verwaltet werden kann:

  • außerordentliche Verwaltung,
  • ordnungsgemäße Verwaltung und
  • notwendige Verwaltung.

Mit der außerordentlichen Verwaltung sind alle Maßnahmen verbunden, die für die Erbengemeinschaft eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung haben. Das könnten z. B. Maßnahmen sein, die eine wesentliche Umgestaltung des Nachlasses vorsehen – dabei bezieht sich diese aber auf den gesamten Nachlass und nicht nur auf einen spezifischen Nachlassgegenstand. Eine solche gravierende Entscheidung wäre unter anderem die Umgestaltung der Erbengemeinschaft in eine werbende Gesellschaft. Aufgrund der weitreichenden Bedeutung solcher Entscheidungen wird hier zwingend die Einstimmigkeit aller Miterben benötigt.

Die ordnungsgemäße Verwaltung sieht Maßnahmen vor, die die Beschaffenheit des betreffenden Nachlassgegenstandes betreffen. Im Gegensatz zur außerordentlichen Verwaltung ist hierbei nur ein Mehrheitsbeschluss der Stimmberechtigten notwendig. Ein Beispiel hierfür ist die Begleichung der Nachlassschulden oder der Abschluss eines Grundstücksmietvertrags.

Die notwendige Verwaltung betrifft – wie der Name schon verrät – alle notwendigen Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um Schaden vom Nachlass abzuwehren. Hierunter fallen alle Handlungen, die erforderlich sind, um den Nachlass instand zu halten – beispielsweise zwingend notwendige Reparaturmaßnahmen. Aufgrund der Dringlichkeit darf in diesem Fall auch ein Miterbe allein entscheiden.

 

4. Was tun bei Streitigkeiten in der Erbengemeinschaft?

Nicht selten kommt es innerhalb einer Erbengemeinschaft zu gravierenden Unstimmigkeiten, in deren Verlauf sich die Erben miteinander zerstreiten. In diesem Fall sind Kompromisse nur noch schwer möglich. Im schlimmsten Fall wird für wichtige Entscheidungen hinsichtlich etwaiger Verkäufe, Kontoauflösungen usw. keine Mehrheit, also keine Einigung mehr gefunden. Und selbst wenn eine mehrheitliche Entscheidung getroffen wird, so führen Streitigkeiten in der Erbengemeinschaft oftmals dazu, dass getroffene Übereinkünfte gerichtlich angefochten werden.

Bei Streitigkeiten innerhalb einer Erbengemeinschaft gibt es nur eine Lösung: die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Wie dies vonstattengeht und welche Möglichkeiten sich hier anbieten, erfahren Sie in den folgenden Kapiteln.

 

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5. Die Auflösung der Erbengemeinschaft

Um eine Erbengemeinschaft aufzulösen, kommt es häufig zur sogenannten Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Dabei ist jeder einzelne Miterbe dazu berechtigt, die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft zu verlangen. Der Idealfall sieht eine einvernehmliche Einigung der Miterben vor. So würde jeder Beteiligte den auf ihn entfallenden Anteil vom Nachlass erhalten. Daneben sind aber noch weitere Varianten denkbar, die zur Auflösung einer Erbengemeinschaft führen können.

Ist eine einvernehmliche Regelung nicht denkbar, kann auch ein Notar oder das Nachlassgericht eingeschaltet werden. Beide fungieren dann als Vermittler. Sollte jedoch auch nur ein Miterbe mit dem Vermittlungsversuch des Notars nicht einverstanden sein, so ist die Einigung als gescheitert zu betrachten.

Weitere Optionen, um eine Erbengemeinschaft auseinanderzusetzen, sind die Auszahlung eines Miterben oder der Verkauf an Dritte, wobei beide Varianten die Einigkeit der Miterben voraussetzen.

Kommt es weder zu einer gemeinschaftlichen Lösung noch zu einer Einigung mit notarieller Unterstützung, bleibt nur noch der Gang zum Rechtsanwalt. Die Erbengemeinschaft lässt sich dann lediglich durch eine Auseinandersetzungsklage auflösen.

 

Durch folgende Varianten lässt sich eine Erbengemeinschaft auflösen:

  • einvernehmliche Einigung unter allen Miterben,
  • Einigung über einen Notar,
  • durch den Verkauf an Dritte,
  • durch die Auszahlung eines Miterben oder
  • durch Einreichung einer Auseinandersetzungsklage.

 

5.1 Auflösung mittels einvernehmlicher Einigung

Können sich Erben bezüglich der Aufteilung des Erbes einigen, so kommt es zur Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Der Nachlass kann dabei nach Belieben aufgeteilt werden. Wichtig ist lediglich, dass sich alle Miterben einig sind.

Mittels eines sogenannten Erbauseinandersetzungsvertrags kann formlos, aber am besten schriftlich festgehalten werden, wie der Nachlass auf die einzelnen Erben zu verteilen ist. Gelingt eine solche Vereinbarung nicht, so richtet sich die Auseinandersetzung nach den allgemeinen gesetzlichen Regelungen für die Testamentsvollstreckung entsprechend der gesetzlichen Erbquote. Vollzogen wird diese durch einen Testamentsvollstrecker.

 

5.2 Auflösung durch Auszahlung eines Miterben

Auch die Auszahlung eines Miterben kann dazu führen, dass die Erbengemeinschaft aufgelöst wird. Besteht der Nachlass beispielsweise aus Immobilien, die sich nicht sinnvoll aufteilen lassen, kann ein Miterbe den anderen Mitgliedern der Erbengemeinschaft die Auszahlung anbieten. Zu berücksichtigen ist hier jedoch stets der Verkehrswert der Objekte.

Lassen sich die anderen Miterben auf eine Auszahlung ein, so wird der zahlungswillige Erbe nach Begleichung der Ausgleichsansprüche alleiniger Eigentümer der Immobilie.

 

5.3 Auflösung durch Verkauf an Dritte

Wollen Miterben das Erbe nicht übernehmen, so können sie es an Dritte veräußern. Der durch den Verkauf entstandene Erlös fließt in das Gesamthandeigentum der Erbengemeinschaft und wird im Anschluss zwischen den Erben entsprechend ihrer Ansprüche aufgeteilt. Mit der Aufteilung wird dann die Auflösung der Erbengemeinschaft vollzogen.

 

5.4 Auflösung mittels Auseinandersetzungsklage

Strebt ein Miterbe eine Auseinandersetzungsklage an, so erhofft er sich davon, dass sich die anderen Beteiligten der Erbengemeinschaft dem in der Klage beigefügten Teilungsplan beugen müssen. Ergeht das Urteil, so sind die Voraussetzungen für die Versteigerung des Erbes gegeben. Die zum Nachlass zugehörigen Grundstücke, Immobilien und Vermögensgegenstände werden versteigert und die so erzielten Einnahmen an die Erben gemäß der entsprechenden Erbquote verteilt. Die so erzielte Auflösung der Erbengemeinschaft ist daher mit einer Zwangsversteigerung vergleichbar. Im Übrigen kann bei der Versteigerung vom Nachlassvermögens jeder als Bieter auftreten – auch die Miterben.

Achtung: Bei dieser Variante fallen stets Anwaltskosten und Versteigerungsgebühren an, daher wird sie als finanziell weniger ergiebig betrachtet.

 

6. Alternative zur Auflösung: die Abschichtung von der Erbengemeinschaft

Im Rahmen einer Vereinbarung über die Abschichtung von der Erbengemeinschaft kann ein Miterbe auch aus dem Erbverbund austreten. Damit verzichtet er auf seinen Erbanspruch. Daher wird ein Miterbe für die Abschichtung in aller Regel eine Abfindung von den übrigen Mitgliedern der Erbengemeinschaft verlangen. Die Anteilsansprüche des Ausgetretenen fließen dann an die anderen Miterben über.

Wenn Sie sich für einen Abschichtungsvertrag entscheiden, sollten Sie diesen stets von einem Notar beglaubigen lassen.

 

7. Fortsetzung der Erbengemeinschaft

Miterben können sich aber auch gegen die Auflösung der Erbengemeinschaft aussprechen. Sofern es der Wunsch der Erben ist, bleibt dann die Gesamthandsgemeinschaft bestehen. Das Erbe gehört dann weiterhin allen Beteiligten und die Verwaltung des Nachlasses wird weiterhin gemeinschaftlich bestritten. Sollte einer der Miterben versterben, so wird sein Miterbenanteil an seinen Erben weitervererbt. Dieser nimmt dann für den Verstorbenen die Rolle des Miterben in der Erbengemeinschaft ein.

 

8. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Eine Erbengemeinschaft beinhaltet viel Streitpotential. Vor allem die Auflösung erfolgt in den seltensten Fällen einvernehmlich. Sollten auch Sie eine Erbengemeinschaft auflösen wollen, dann können Sie sich an unseren Rechtsexperten wenden. Unser Anwalt für Erbrecht beantwortet Ihnen in einer kostenfreien Ersteinschätzung zum Erbrecht alle wichtigen Fragen rund um das Thema „Erbengemeinschaft“.

 

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