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Auskunftspflicht Erbe: Wer kann Informationen zum Nachlass verlangen?

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Erbe absichern

Zusammenfassung

Am Erbfall Beteiligte benötigen umfassende Angaben zum Nachlassbestand. Nur so können enterbte Personen ihren gesetzlichen Pflichtteil berechnen, Nachlassgläubiger ihren Anteil fordern oder Miterben sicherstellen, dass sie ihren gesamten Erbteil erhalten. Die Informationsbeschaffung kann problematisch sein, wenn kein Kontakt zur Familie des Erblassers besteht und der Erbe Auskünfte über relevante Vermögenswerte verweigert. Deshalb unterliegt der Erbe einer weitreichenden Auskunftspflicht.

 

Auf einen Blick

  • Wer an einem Erbe beteiligt ist, benötigt umfangreiche Auskünfte über das Vermögen des Erblassers.
  • Ein Erbe muss anderen Erben, Pflichtteilsberechtigten, Vermächtnisnehmern und Nachlassgläubigern Auskunft über den Nachlass erteilen.
  • Dafür muss der Erbe in der Regel ein vollständiges Nachlassverzeichnis vorlegen.
  • Werden wichtige Auskünfte verweigert, können diese beim zuständigen Nachlassgericht eingeklagt werden.
  • Auskunftsansprüche verjähren erst nach 30 Jahren.
  • Ein erfahrener Anwalt kann bei der Erstellung des Nachlassverzeichnisses behilflich sein sowie bei der Erfüllung der Auskunftspflicht beratend zur Seite stehen.

 

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1. Hat ein Erbe Auskunftspflichten gegenüber Dritten?

Der Erbe hat gegenüber folgenden Personen eine Auskunftspflicht:

  • Nach- oder Miterben
  • Pflichtteilsberechtigte
  • Vermächtnisnehmer
  • Nachlassgläubiger
  • Testamentsvollstrecker

 

Auskunftsansprüche können bis zu 30 Jahre nach Eintritt des Erbfalls geltend gemacht werden. Erfährt jemand erst Jahre später vom Tod eines Angehörigen, kann er auch dann noch prüfen, ob und wie viel ihm vom Nachlass zusteht.

 

LINK-TIPP: Um seiner Auskunftspflicht nachzukommen, ist der Erbe unter Umständen selbst auf Informationen von Dritten angewiesen – etwa wenn er Einsicht in die Bankunterlagen des Erblassers benötigt. Dann kann er eigene Auskunftsansprüche geltend machen. Welche das sind, erläutern wir Ihnen in unserem Beitrag zum Thema Auskunftsanspruch Erbe.

 

2. Auskunftspflicht mit Nachlassverzeichnis erfüllen

Wollen Erben Ihrer Auskunftspflicht nachkommen, müssen sie oftmals ein Nachlassverzeichnis vorlegen. Darin werden alle Aktiva (Immobilien, Bankguthaben, Schmuck) und Passiva (Schulden des Erblassers, Beerdigungskosten) erfasst.

Außerdem müssen lebzeitige Schenkungen und Zuwendungen des Erblassers dokumentiert werden – sie bilden den fiktiven Nachlass.

Fallen bei der Erstellung Kosten (z. B. Gutachterkosten) an, werden diese gemäß § 2314 Absatz 2 BGB aus dem Nachlass beglichen. So werden indirekt alle Erben beteiligt.

 

Rechtliche Absicherung von Auskunftspflichten und Auskunftsrechten:

Bestehen Unsicherheiten darüber, welche Vermögenspositionen in einem Nachlassverzeichnis verzeichnet werden müssen, kann ein Anwalt Sie bei der Erstellung des Nachlassverzeichnisses unterstützen und Fragen klären.

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LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zum Nachlassverzeichnis, der Ermittlung relevanter Vermögenswerte und eine Mustervorlage finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Nachlasswert ermitteln & berechnen.

 

3. Auskunftspflichten

Als Erbe müssen Sie sowohl anderen Erben als auch Pflichtteilsberechtigten, Vermächtnisnehmern und Nachlassgläubigern Auskünfte über den Nachlass erteilen.

 

Infografik: Diese Auskunftspflichten hat ein Erbe

 

Diese Auskunftspflichten hat ein Erbe vor:

Miterben

Gemäß § 2057 BGB müssen Miterben untereinander alle Zuwendungen offenlegen, die sie vom Erblasser erhalten haben. Dazu zählen z. B. die Aussteuer oder Zuschüsse zu einer Firmengründung.

Sind die Miterben durch die gesetzliche Erbfolge Mitglieder der Erbengemeinschaft geworden, sind solche Zuwendungen – je nach Art und Höhe – gemäß § 2050 Absatz 1 BGB ausgleichungspflichtig. Das heißt, dass sie auf den Erbteil des beschenkten Miterben angerechnet werden. Davon ausgenommen ist z. B. die Finanzierung der Berufsausbildung.

 

Nacherben

Soll eine andere Person erst nach Ihnen erben, ist sie Nacherbe. Damit dieser das zukünftige Erbe bereits im Vorfeld kontrollieren kann, müssen Sie als Vorerbe einer Auskunftspflicht nach § 2121 BGB nachkommen.

Im Nachlassverzeichnis müssen dann sämtliche Aktiva aufgelistet sein. Hat der Nacherbe Zweifel an Ihrer Ehrlichkeit, kann er verlangen, dass das Nachlassverzeichnis vom Nachlassgericht oder Notar angefertigt und öffentlich beglaubigt wird.

 

Grundsätzlich kann der Nacherbe seinen Auskunftsanspruch nur einmal geltend machen. Hat er allerdings berechtigten Grund zur Annahme, dass Sie seine Rechte verletzen und z. B. Vermögen verschleudern, kann sich der Nacherbe auf das Sonderauskunftsrecht des § 2127 BGB berufen – dann müssen Sie erneut Rechenschaft über den Nachlassbestand ablegen. Da mit jedem neuen Nachlassverzeichnis weitere Kosten entstehen, sollten Sie dem Nacherben gegenüber ehrlich auftreten und sorgsam mit seinem künftigen Erbe umgehen – dann hat er in der Regel keinen Anspruch auf wiederholte Auskunft.

 

Pflichtteilsberechtigten

Wer einen Pflichtteilsanspruch geltend machen will, benötigt detaillierte Informationen über vorhandene Vermögenswerte, Nachlassverbindlichkeiten, den fiktiven Nachlass und den ehelichen Güterstand des Erblassers.

Damit weder Auskünfte verweigert noch einzelne Vermögensgegenstände verschwiegen werden können, hat der Pflichtteilsberechtigte gemäß § 2314 BGB einen umfassenden Auskunfts- und Wertermittlungsanspruch. Mit der Wertermittlung kann er das zuständige Nachlassgericht oder einen Notar betrauen.

LINK-TIPP: Ausführlichere Informationen zum Pflichtteilsanspruch sowie eine praktische Muster-Vorlage zum Auskunftsbegehren finden Sie in unserem Beitrag Pflichtteil einfordern.

 

Vermächtnisnehmern

Gegenüber einem Vermächtnisnehmer besteht nur dann eine Auskunftspflicht, wenn der Erblasser ihm einen entsprechenden Anspruch vermacht hat, er gleichzeitig auch Pflichtteilsberechtigter ist und der genaue Nachlasswert für die Höhe des Vermächtnisses relevant ist – z. B. im Falle eines Quotenvermächtnisses, bei dem ein gewisser Prozentsatz am Erbe zugesprochen wurde.

 

Nachlassgläubigern

Hinterlässt der Erblasser offene Forderungen, muss sein Gläubiger wissen, ob der Nachlass für die Begleichung der Schulden ausreicht.

Liefern Sie ihm keine entsprechenden Informationen, kann der Nachlassgläubiger sich an das zuständige Nachlassgericht wenden. Dieses gibt Ihnen dann auf, ein vollständiges Nachlassverzeichnis zu erstellen und dieses innerhalb einer angemessenen Frist zur Verfügung zu stellen.

 

Verweigern Sie die Auskünfte auch nach gerichtlicher Aufforderung und lassen Sie die Frist verstreichen, können Sie für sämtliche Nachlassverbindlichkeiten unbeschränkt haftbar gemacht werden – falls der Nachlass nicht ausreicht, auch mit Ihrem Privatvermögen. Hohe finanzielle Einbußen können die Folge sein!

 

Testamentsvollstreckern

Wollte der Erblasser die korrekte Ausführung seines letzten Willens absichern und hat deshalb einen Testamentsvollstrecker eingesetzt, muss dieser unmittelbar nach Amtsantritt ein Nachlassverzeichnis anfertigen. Dafür kann er von Ihnen Auskünfte über lebzeitige Zuwendungen und Geschenke sowie über in Ihrem Besitz befindliche Nachlassgegenstände verlangen.

 

Auskunftspflicht Erbe

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4. Auskunftspflicht wird nicht erfüllt – Klage droht

Liefern Sie unvollständige Informationen über den Nachlass oder verweigern Sie entsprechende Auskünfte völlig, droht Ihnen eine zivilrechtliche Klage. Die entsprechenden Gerichtskosten müssten – bei Erfolg der Klage – von Ihnen getragen werden und würden finanzielle Einbußen bedeuten.

In der Praxis geht ein gerichtliches Vorgehen vor allem von folgenden Personengruppen aus:

  • Pflichtteilsberechtigte
  • Miterben
  • Nacherben
  • Nachlassgläubiger

Sie können die Klage verhindern, indem Sie auf Vollständigkeit der von Ihnen zusammengestellten Informationen achten und dem Auskunftsberechtigten entgegenkommen.

 

5. Was Sie jetzt tun können: Auskunftspflichten erfüllen mit einem Anwalt

Damit andere Erben, Pflichtteilsberechtigte oder Nachlassgläubiger ihren rechtmäßigen Anteil am Nachlass erhalten, unterliegen Sie als Erbe einer gesetzlichen Auskunftspflicht. Um festzustellen, wie weit diese in Ihrem Fall reicht, können Sie wie folgt vorgehen:

  1. Sammeln Sie alle relevanten Schriftstücke – z. B. Testament des Erblassers, Familienbuch zur Feststellung der gesetzlichen Erben oder Rechnungen & Kontoauszüge des Erblassers.
  2. Weisen Sie sich mithilfe des Testaments oder eines Erbscheins als rechtmäßiger Erben aus.
  3. Dokumentieren Sie eventuellen Schriftverkehr mit anderen am Nachlass beteiligten Personen.
  4. Sie können sich von einem Anwalt beraten lassen und klären, was zu tun ist, um Ihre Auskunftspflicht zu erfüllen. Außerdem kann er Sie bei der Erstellung eines vollständigen Nachlassverzeichnisses unterstützen.

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Patricia Bauer
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Patricia Bauer

Patricia Bauer findet als Mitglied der juristischen Redaktion von advocado praktische Lösungen für Ihre Rechtsprobleme. Durch ein Jurastudium kann sie auf umfangreiches Fachwissen aus Erb-, Vertrags- und Markenrecht zurückgreifen und komplexe juristische Sachverhalte leicht verständlich und lösungsorientiert aufbereiten.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Ratgeberartikel, den unsere juristische Redaktion mit größtmöglicher Sorgfalt verfasst hat. Der Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und unsere Redakteure sind keine Rechtsanwälte. Selbstverständlich ersetzen die Informationen aus diesem Artikel keine Rechtsberatung im Einzelfall. Jeder individuelle Fall muss vorher durch einen Rechtsanwalt geprüft werden, um eine fundierte Handlungsempfehlung erteilen zu können.

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