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Erbe einklagen & Erbe vorzeitig einklagen: diese Möglichkeiten gibt es

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In diesem Beitrag erfahren Sie, wann Sie ein Erbe einklagen können, welche verschiedenen Möglichkeiten es dafür gibt und welche Kosten anfallen können.

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsproblem oder Ihre Fragen zum Thema "Erbe einklagen" mit einem Anwalt für Erbrecht besprechen.

advocado findet für Sie den passenden Anwalt aus einem Netzwerk mit über 500 Partner-Anwälten. Dieser kontaktiert Sie innerhalb von 2 Stunden für eine kostenlose Ersteinschätzung zu Ihren Handlungsoptionen und Erfolgsaussichten. Jetzt Ersteinschätzung erhalten.

 

1. Was bedeutet „Erbe einklagen“?

Ein Erblasser kann im Testament oder Erbvertrag festlegen, wer im Erbfall einen Teil vom Vermögen bekommen soll und somit erbberechtigt ist. Hat der Erblasser keine Erben ernannt, regelt die gesetzliche Erbfolge die Vermögensnachfolge. Tritt nun der Erbfall ein, geht das Vermögen auf die Erben über – wird dabei einer erbberechtigten Person ihr Erbteil vorenthalten, kann sie das Erbe einklagen.

 

2. Unterschied zwischen Erbe einklagen & Pflichtteil einklagen

Häufig wird der Erbteil mit dem Pflichtteil verwechselt. Der Erbteil bezeichnet den Anteil am Nachlass, der einem Erben vom Erblasser oder per Gesetzt zugeteilt wird. Dahingegen bietet der Pflichtteil eine Mindestbeteiligung am Nachlass und schützt einige der engsten Verwandten vor einem zu geringen Erbteil oder gar einer Enterbung. Wurde ein Familienmitglied also enterbt, kann es nicht das Erbe einklagen – in einigen Fällen kann es jedoch einen Anspruch auf den Pflichtteil haben und diesen gerichtlich durchsetzen.

Damit der Pflichtteil eingeklagt werden kann, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Welche das sind, welche Kosten damit verbunden sind und welche Besonderheiten es zu beachten gibt, erfahren Sie in unserem Beitrag „Pflichtteil einklagen“.

 

3. Wann darf man ein Erbe einklagen?

Damit eine Person das Erbe einklagen kann, müssen verschiedene Bedingungen gegeben sein:

  • Der Erblasser muss verstorben sein,
  • die Person muss erbberechtigt sein,
  • die Person befindet sich in einer Situation, in der sie das Erbe einklagen sollte,
  • die Frist für das Einklagen des Erbes darf noch nicht abgelaufen sein.

Erbberechtigt ist dabei diejenige Person, die vom Erblasser oder per Gesetz als Erbe bestimmt wurde.

In welchen Situationen es sinnvoll sein kann, ein Erbe einzuklagen, ob sich Verwandte bereits zu Lebzeiten des Erblassers ein Teil des Vermögens sichern können und wann der Anspruch auf das Erbe verjährt, erfahren Sie im Folgenden.

 

Erbe einklagen nach Tod des Erblassers

Im Erbfall geht das Vermögen des Erblassers auf seine Erben über – diese werden seine Rechtsnachfolger und haben dieselben Rechte und Pflichten in Bezug auf den Nachlass, wie der Erblasser sie hatte. Dabei können unterschiedliche Situationen dazu führen, dass es zum Streit kommt: Bekommt ein Erbe nicht, was ihm zusteht – beispielsweise wenn ein Gegenstand nicht ausgehändigt oder ein Betrag nicht ausgezahlt wird –, kann er das Erbe einklagen.

Ein häufiger Streitherd kann dabei die Erbengemeinschaft sein – setzt z. B. ein Erblasser mehrere Erben ein, werden diese anteilig Eigentümer am Vermögen. Kommt es anschließend zur Erbauseinandersetzung oder wird diese von einigen Miterben bewusst hinausgezögert, können sich Erben häufig benachteiligt oder übergangen fühlen und ihren Erbteil einklagen wollen.

Auch wenn der Erblasser einen Alleinerben eingesetzt hat, können weitere Verwandte unter Umständen einen Anspruch auf die Erbschaft erheben und ihren Erbteil einfordern. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn es mehrere Versionen des Testaments gibt, Verwandtschaftsverhältnisse unklar sind oder die Testierfähigkeit des Erblassers angezweifelt wird. Stellt sich heraus, dass der letzte Wille des Erblassers ungültig ist, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft – bis dato nicht bedachte Erben können somit erbberechtigt sein und das Erbe einklagen.

 

Erbe vorzeitig einklagen zu Lebzeiten des Erblassers

Hängt der Familiensegen schief, kann es sein, dass sich Verwandte oftmals schon vor dem Ableben des Erblassers einen Anteil am Vermögen sichern wollen. Grundsätzlich greift das Erbrecht nach § 1922 Absatz 1 BGB jedoch erst mit dem Ableben des Erblassers – einen Anspruch auf das Erbe kann also nicht bereits zu dessen Lebzeiten erhoben werden. Würde ein Familienmitglied zu diesem Zeitpunkt das Erbe einklagen, wäre dieses Vorhaben erfolgslos.

Allerdings können potentielle Erben bereits vor dem Erbfall ein Teil des Vermögens erhalten – dabei sind sie allerdings auf Kooperation des Erblassers angewiesen. Wann das für beide Seiten sinnvoll sein kann und welche Möglichkeiten es für einen vorzeitigen Erbausgleich gibt, erfahren Sie unter „6. Alternativen & Vorsorge zu Lebzeiten“.

 

Fristen & Verjährung

Möchte ein Erbberechtigter seinen Anspruch auf den Nachlass gerichtlich durchsetzen und das Erbe einklagen, so hat er dafür nicht unbegrenzt Zeit. Nach § 2026, 197 Absatz 2 BGB setzt das Erbrecht eine Frist von 30 Jahren für das Einklagen des Erbteils. Die Verjährung beginnt dabei zum Zeitpunkt des Erbfalls bzw. der Kenntnisnahme über diesen.

Nach Ablauf der Frist verfällt der Anspruch und das Einklagen des Erbes wäre erfolgslos.

 

4. Erbe einklagen durch …

Wird einem Erbe sein Erbteil vehement vorenthalten, so kann er das Erbe einklagen. Dafür muss er den Weg der zivilrechtlichen Klage gehen. Stellt das Gericht infolgedessen fest, dass ein Erbanspruch besteht, muss ihm sein Erbteil ausgehändigt werden. Dabei gibt es verschiedene Klagen für unterschiedliche Situationen. Welche das sind und wann das Einklagen des Erbteils erfolgsversprechend sein kann, erfahren Sie im Folgenden.

Wenn Sie darüber nachdenken, ein Erbe einzuklagen, erfahren Sie alles über die Klageschrift, den Ablauf der Klageerhebung und eventuelle Kosten in unserem Beitrag „Klage einreichen“.

 

4.1 … die Feststellungsklage

Durch die Feststellungsklage kann sich ein Erbe sein Erbrecht verbindlich vom Gericht bestätigen lassen. Üblicherweise gilt der Erbschein als Beweis, dass eine Person rechtmäßiger Erbe ist und sich beispielsweise vor Banken und Behörden als dieser ausweisen kann. Allerdings ist der Erbschein nicht endgültig bindend und die Erbberechtigung kann auch im Nachhinein noch angezweifelt werden – das verhindert die Feststellungsklage.

Möchte sich ein Erbe also unwiderruflich bestätigen lassen, dass er erbberechtigt ist und somit das Erbe einklagen kann, geschieht dies durch die Feststellungsklage.

 

4.2 … die Erbschaftsklage

Steht einem Erben ein Teil aus dem Nachlass zu, der allerdings im unrechtmäßigen Besitz einer anderen Person ist, so kann er nach § 2018 BGB dieses Erbe einklagen. Weigert sich die Person den Erbteil herzugeben, obwohl ihr das aus der Erbschaft Erlangte gar nicht zusteht, so kann die Aushändigung durch die Erbschaftsklage gerichtlich durchgesetzt werden. Die Erbschaftsklage prüft dabei die Erbenqualität des Klägers, des Beklagten und die Zugehörigkeit der strittigen Gegenstände zum Erbe.

Befinden sich mehrere Erben in einer Erbengemeinschaft, lässt sich das Erbe nicht durch die Erbschaftsklage einklagen – schließlich sind alle Miterben anteilig Eigentümer an den Nachlassgegenständen. Möchte ein Erbe einer Erbengemeinschaft die Herausgabe seines Erbteils einklagen, geschieht dies durch die Erbteilungsklage.

 

4.3 … die Erbteilungsklage

Die Erbteilungsklage – auch Teilungsklage oder Erbauseinandersetzungsklage genannt – setzt die Erbauseinandersetzung gerichtlich durch. Dies kann dann sinnvoll sein, wenn sich die Mitglieder einer Erbengemeinschaft nicht einigen können, wer welchen Erbteil bekommen soll oder wenn die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft hinausgezögert wird. Dabei kann jeder Miterbe Klage beim zuständigen Gericht einreichen und somit sein Erbe einklagen.

Ausführliche Informationen rund um die Erbteilungsklage, wofür ein Teilungsplan benötigt wird, welche Vor- und Nachteile diese Klage mit sich bringt und welcher Ablauf üblich ist, finden Sie in unserem Beitrag zur Teilungsklage.

 

5. Was kostet es, wenn man ein Erbe einklagen will?

Will ein rechtmäßiger Erbe sein Erbe einklagen, fallen dabei unterschiedliche Kosten an. Welche das sind, wovon die Höhe von diesen abhängig ist und wer für die Kosten aufkommen muss, erfahren Sie im Folgenden.

 

Welche Kosten fallen an?

Möchte eine Person das Erbe einklagen, können Kosten entstehen. Dies sind beispielsweise Kosten für

  • einen Anwalt,
  • den Gerichtsprozess,
  • Zeugenauslagen oder
  • Sachverständiger.

Schaltet der Erbberechtigte einen Anwalt ein, sind zunächst Kosten bei der anwaltlichen Beratung fällig. Möchte er im Anschluss daran vor Gericht gehen, fallen zusätzlich Prozesskosten an. Dazu zählen die Gerichtsgebühren sowie eventuelle Kosten für Sachverständiger oder Zeugen.

Sowohl die Gebührenansprüche des Rechtsanwalts als auch die Gerichtsgebühren werden anhand der Höhe des zu erwartenden Erbteils berechnet.

 

Wer trägt die Kosten?

Bietet sich einem Erbberechtigten keine andere Möglichkeit, als das Erbe einzuklagen, stellt sich die Frage, wer für die entstehenden Kosten aufkommen muss. Dies ist vom Ausgang des Klageprozesses abhängig – wer im Unrecht ist, trägt die Kosten. Das bedeutet für den Berechtigten:

  • Verliert er den Prozess, bekommt er nichts vom Erbe und muss die entstandenen Kosten begleichen.
  • Gewinnt er hingegen, bekommt er seinen Erbteil und der Beklagte muss die Kosten tragen.

 

6. Alternativen & Vorsorge zu Lebzeiten

In manchen Fällen möchte ein Erbberechtigter die anfallenden Gerichtskosten vermeiden, einen Familienstreit umgehen oder sich das Risiko des Klageprozesses ersparen. Dies ist auf zwei unterschiedliche Wege möglich:

  • durch den Erbverzicht und die damit einhergehende Auszahlung einer Abfindung,
  • durch Schenkungen zu Lebzeiten.

In beiden Fällen ist der Betroffene allerdings auf die Kooperation des Erblassers angewiesen – ist der Erblasser bereits verstorben, so kann der Erbe nur noch das Erbe einklagen.

 

Erbverzicht gegen Abfindungszahlung

Der Erbverzicht bietet eine mögliche Alternative zur Einklagung des Erbes. Dabei überträgt der Erblasser ein Teil seines Vermögens bereits zu Lebzeiten an den zukünftigen Erben. Im Gegenzug wird ein Erbverzicht vereinbart – ein Vertrag, bei dem der Erbe im Erbfall auf sein Erbrecht verzichtet.

So kann der potentielle Erbe bereits vorzeitig ein Teil des Erbes bekommen. Da er allerdings keinen gesetzlichen Anspruch auf dieses hat, ist er auf die Kooperation des Erblassers angewiesen.

 

Schenkung zu Lebzeiten

Eine weitere Alternative stellt die Schenkung zu Lebzeiten dar. Auch hier überträgt der Erblasser bereits vor seinem Ableben Teile seines Vermögens an zukünftige Erben. Im Gegensatz zum Erbverzicht werden die Erben hierbei jedoch nicht endgültig von der Erbfolge ausgeschlossen – allerdings werden Schenkungen innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Erbfall auf den Erbteil angerechnet.

Ebenso wie beim Erbverzicht ist hier die Kompromissbereitschaft des Erblassers notwendig. Solch eine vorweggenommene Erbfolge kann zudem auch für Erblasser sinnvoll sein, da sie somit die Erbschaftssteuer umgehen und den uneingeschränkten Fortbestand ihres Vermögens sicherstellen können.

 

7. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Wenn Sie überprüfen wollen, ob Sie einen Anspruch auf ein Erbe haben oder wenn Sie Ihr Erbe einklagen wollen, kann es empfehlenswert sein, einen Anwalt zu kontaktieren. So können Sie optimal Ihre Chancen und Risiken abwägen.

 

advocado findet für Sie den passenden Anwalt für Erbrecht aus einem Netzwerk mit über 500 Partner-Anwälten. Dieser kontaktiert Sie innerhalb von 2 Stunden für eine kostenlose Ersteinschätzung zu Ihren Handlungsoptionen und Erfolgsaussichten.

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Beitrag von
Chantal Gärtner
Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Chantal Gärtner stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen.
Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Ratgeberartikel, den unsere juristische Redaktion mit größtmöglicher Sorgfalt verfasst hat. Der Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und unsere Redakteure sind keine Rechtsanwälte. Selbstverständlich ersetzen die Informationen aus diesem Artikel keine Rechtsberatung im Einzelfall. Jeder individuelle Fall muss vorher durch einen Rechtsanwalt geprüft werden, um eine fundierte Handlungsempfehlung erteilen zu können.

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