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Vermächtnis - der Unterschied zwischen vermachen und vererben

 

Vermächtnis - der Unterschied zwischen vermachen und vererben

 

 

Mit einem Vermächtnis wird einer Person im Testament oder Erbvertrag ein bestimmter Gegenstand oder eine Geldsumme zugeteilt. Dabei müssen genaue Formulierungen beachtet werden. Dieser Vermächtnisnehmer wird jedoch nicht gleichzeitig zum Erben – er hat weder die gleichen Ansprüche noch dieselben Pflichten wie ein Erbe. Auch ist der Vermächtnisnehmer nicht verpflichtet, das Vermächtnis anzunehmen. Doch was muss bei der Ausschlagung berücksichtigt werden? Und welche Sonderformen von Vermächtnissen gibt es? Alle Informationen über ein Vermächtnis gibt es in diesem Text.

Vermächtnis - der Unterschied zwischen vermachen und vererben
Das Vermächtnis - der Unterschied zwischen "vermachen" und "vererben"

 

Lesezeit: ca. 4 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie unter anderem, was ein Vermächtnis ist, welche Sonderfälle man unterscheidet und was bei der Anordnung eines Vermächtnisses beachtet werden sollte.

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Inhaltsverzeichnis

1. Was ist ein Vermächtnis?
2. Der Unterschied zwischen "vermachen" und "vererben"
3. Was kann vermacht werden?
4. Welche Auswirkungen hat ein Vermächtnis auf den Pflichtteil?
5. Was muss bei der Anordnung eines Vermächtnisses im Testament beachtet werden?
6. Die Sonderfälle
 6.1 Das Vorausvermächtnis
 6.2 Das Nachvermächtnis
 6.3 Das Ersatzvermächtnis
 6.4 Das Verschaffungsvermächtnis
 6.5 Das Universalvermächtnis
7.  Ein Vermächtnis ausschlagen - was gilt es zu berücksichtigen?
8.  Welche Steuern fallen beim Vermächtnis an?
9. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung durch einen Rechtsanwalt

 

1. Was ist ein Vermächtnis?

Jeder Erblasser kann in einem Testament oder einem Erbvertrag ein Vermächtnis vereinbaren, das als eine Form der einzelnen Zuwendung zu verstehen ist. So wird ein bestimmter und klar benannter Teil aus dem Nachlass entnommen und in gesonderter Weise verwaltet. In den meisten Fällen entspricht ein Vermächtnis – auch Legat genannt – einem ausgewählten Gegenstand wie beispielsweise Schmuck oder ein Auto. So individuell der Inhalt eines Vermächtnisses sein kann, so sind auch die Gründe für ein Vermächtnis ganz verschieden. Oftmals will der Erblasser einem besonderen Menschen eine materielle Zuwendung hinterlassen oder ein Erinnerungsstück an eine bestimmte Person weitergeben. Doch auch die Minderung der Erbmasse kann Grund für ein Vermächtnis sein. Ein Vermächtnis ist zudem ausschließlich durch die Verfügung in einem Testament oder Erbvertrag möglich.

 

2. Der Unterschied zwischen „vermachen“ und „vererben“

Jemandem etwas zu vermachen, ist ein in der Alltagssprache bekannter Begriff. Das kann schnell zur Verwirrung führen, denn „vermachen“ wird oftmals gleichgesetzt mit „vererben“. Auf rechtlicher Ebene wird jedoch deutlich zwischen diesen in der Alltagssprache als Synonyme verwendeten Begriffen unterschieden: Während das Erbe allgemein das ganze Vermögen oder einen Vermögensteil betrifft, erhält der jeweilige Vermächtnisnehmer lediglich einen bestimmten Nachlassgegenstand. Ein Vermächtnisnehmer hat demnach weder die gleiche Stellung wie ein Erbe noch dieselben Rechte. Im gleichen Zug muss ein Vermächtnisnehmer jedoch auch nicht für etwaige Schulden eines Verstorbenen haften.

Dennoch schließen sich „vermachen“ und „vererben“ nicht aus: Ein Erbe kann auch ein Vermächtnisnehmer sein, wenn er vom Erblasser zu Letzterem ernannt wurde.

 

3. Was kann vermacht werden?

Grundsätzlich werden Vermächtnisse in zwei Bereiche unterteilt: Bar- und Stückvermächtnis. Das Barvermächtnis umfasst einen fest definierten Betrag an Bargeld aus dem Nachlass. Generell wird diesbezüglich auch das betreffende Konto genannt, von dem die betreffende Geldsumme stammt.


Das Stückvermächtnis – unter anderem auch als Sachvermächtnis bezeichnet – beschreibt dagegen einzelne Gegenstände, die einem Bedachten aus dem Nachlass zugewendet werden. Beim Vermächtnis von Gegenständen sind der Fantasie grundsätzlich keine Grenzen gesetzt.

 

Vermächtnis - was kann vermacht werden?

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4. Welche Auswirkungen hat ein Vermächtnis auf den Pflichtteil?

Schwierig kann es werden, wenn Vermächtnis und Pflichtteil aufeinandertreffen. Das Recht auf einen Pflichtteil wird mit einem Vermächtnis nicht außer Kraft gesetzt. Das bedeutet im selben Zuge jedoch nicht, dass Vermächtnis und Pflichtteil immer gleichsam fällig sind. Generell wird unterschieden zwischen

 

  • dem pflichtteilsberechtigten Vermächtnisnehmer, der das Vermächtnis ausschlägt und dadurch den Pflichtteil verlangen kann und
  • dem pflichtteilsberechtigten Vermächtnisnehmer, der das Vermächtnis annimmt. Hier verringert sich der Pflichtteilsanspruch um den Wert des Nachlassgegenstandes, der vom Vermächtnisnehmer entgegengenommen wurde.

Wird jedoch der Wert des eigentlichen Anspruchs überschritten, so kann der Erbe einen Pflichtteilsanspruch gegenüber dem Vermächtnisnehmer erheben. Der auszugleichende Schuldanspruch kann verringert werden, indem der überschüssige Betrag vom Wert des Vermachten abgezogen wird.

 

5. Was muss bei der Anordnung eines Vermächtnisses im Testament beachtet werden?

Bevor in einem Testament ein Vermächtnis aufgenommen wird, müssen einige wesentliche Punkte bedacht werden. Grundsätzlich ist dabei immer zu berücksichtigen, dass der Vermächtnisnehmer nicht zum Erben wird.

 

Wann?

Mit dem „Wann“ werden die Fälligkeit des Vermächtnisses und der Zeitpunkt, an dem der bestimmte Vermächtnisnehmer sein ihm zugeteiltes Vermächtnis vom Erben fordern kann, festgelegt. Dem Erben kann eine sogenannte Schonfrist zugesprochen werden wie etwa einige Wochen oder Monate. Wird kein bestimmter Zeitpunkt angegeben, so tritt die Fälligkeit des Vermächtnisses automatisch und sofort mit dem Erbfall ein.

 

Wer?

Wer zum Vermächtnisnehmer wird, muss explizit im Testament genannt werden. Doch das „Wer“ umfasst noch einen weiteren Aspekt: Auch muss mit dem Vermächtnis im Testament oder Erbvertrag geklärt werden, wer sich um die Erfüllung des Vermächtnisses kümmert. Dafür kann der Erblasser eine dritte Person bevollmächtigen, die Sorge für diese Erfüllung trägt. Auch ein Testamentsvollstrecker kann diese Aufgabe übernehmen.

 

Was?

Das „Was“ muss ebenfalls auf zweierlei Weise geklärt werden. Zum einen muss der Nachlassgegenstand deutlich nachvollziehbar aufgeführt werden. Doch was, wenn dieser vermachte Gegenstand im Erbfall nicht mehr im Nachlass vorhanden ist? Für diesen Fall kann der Erblasser einen Erbe verpflichten, der sich um einen Ersatz oder Ausgleich – beispielsweise in Form einer Barzahlung – kümmern muss.

 

Wie?

Auf die Formulierungen kommt es an: Wer sich dafür entscheidet, ein Vermächtnis im Testament aufzunehmen, der muss auf die richtige Wortwahl achten. Sonst kann es im Erbfall schnell zu Unstimmigkeiten kommen. Die Wörter „Vermächtnis“ oder „vermachen“ müssen jedoch nicht zwangsläufig auftauchen, vorgeschriebene Formulierungen gibt es hier nicht. Laut § 2087 BGB muss die Zuwendung einzelner Wertgegenstände so beschrieben werden, dass es keinen Zweifel über die Absicht eines Vermächtnisses gibt.

So kann eine Erblasserin beispielsweise in ihrem Testament festhalten, dass ihre Nichte den Schmuck erhalten soll, während dem Sohn der Erblasserin der restliche Besitz vererbt wird. So wird unverkennbar, dass die Nichte zur Vermächtnisnehmerin wird. Mit Begriffen wie „erhalten“ oder „vermachen“ wird zweifelsfrei ein Vermächtnis kenntlich gemacht.

 

6. Die Sonderfälle

Beim klassischen Vermächtnis gibt es viele Sonderfälle zu berücksichtigen:

 

6.1 Das Vorausvermächtnis

Mit dem Vorausvermächtnis wird ein Erbe als Vermächtnisnehmer bestimmt. Dadurch erhält der Erbe nicht nur den ihm zustehenden Erbteil, sondern auch noch einen bestimmten Vermögensgegenstand, der im Vermächtnis festgehalten ist. Hier wird dieser Vermögensgegenstand jedoch nicht auf den Erbteil angerechnet.

 

6.2 Das Nachvermächtnis

Das Nachvermächtnis liegt dann vor, wenn der verstorbene Erblasser noch vor seinem Tod einen Vor- und Nachvermächtnisnehmer bestimmt hat. Der Nachvermächtnisnehmer kann im Falle des Ablebens des Erblassers den ihm vermachten Gegenstand vom Vorvermächtnisnehmer einfordern.

 

6.3 Das Ersatzvermächtnis

Der Erblasser kann mittels Ersatzvermächtnisses zwei Personen berufen, wobei der Zweitberufene nur dann das Vermächtnis erhält, wenn der Erstberufene als Vermächtnisnehmer entfällt – beispielsweise im Todesfall des Erstberufenen. Damit beschreibt das Ersatzvermächtnis eine unter einer Bedingung stehenden Zuwendung.

 

6.4 Das Verschaffungsvermächtnis

Komplikationen können mit dem Verschaffungsvermächtnis einhergehen. Diese Form eines Vermächtnisses umfasst einen Gegenstand, der nicht zum Nachlass und demnach auch nicht zum Besitz des Erblassers gehört. Folglich müssen die Erben diesen Gegenstand erst einmal beschaffen und dem Vermächtnisnehmer Zugang zu diesem Gegenstand gewährleisten. Generell werden dafür finanzielle Mittel aus dem Nachlass bereitgestellt.

 

6.5 Das Universalvermächtnis

Der Erblasser kann sich ebenso dazu entscheiden, in seinem Testament eine dritte Person zu bestimmen, die die gesamte oder die überwiegende Erbmasse erhält. Dies bedeutet dennoch nicht, dass diese Person gleichzeitig auch Erbe wird. Diese Form des Vermächtnisses wird als Universalvermächtnis bezeichnet und findet häufig in der Unternehmensnachfolge Verwendung.

 

Das Vermächtnis

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7. Ein Vermächtnis ausschlagen – was gilt es zu berücksichtigen?

Wie es auch beim Erbe möglich ist, so kann auch ein Vermächtnis angenommen oder ausgeschlagen werden. Entscheidet sich der Vermächtnisnehmer dafür, das Vermächtnis anzunehmen, so wendet er sich diesbezüglich an den Erben und verlangt die Aushändigung des Nachlassgegenstandes oder der Nachlasssumme.

 

Die Ausschlagung eines Vermächtnisses erfolgt – anders als bei einer Erbausschlagung – nicht über das Nachlassgericht, sondern muss dem mit dem Vermächtnis Beschwerten mitgeteilt werden.

 

Während die Vermächtnisannahme an eine sechswöchige Frist gebunden ist, hat die Ausschlagung eines Vermächtnisses eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Innerhalb dieses Zeitraums muss der potentielle Vermächtnisnehmer seinen Anspruch auf das Vermächtnis mit einer Annahmeerklärung geltend machen. Kommt er diesem nicht nach, so bleibt das Vermächtnis in der Erbmasse der Erben.

 

8. Welche Steuern fallen beim Vermächtnis an?

Für alles, was „von Todes wegen“ erworben wird, muss Erbschaftssteuer gezahlt werden. Damit gelten für Vermächtnisse die gleichen Vorschriften wie für jede andere Erbschaft. Die Höhe der Erbschaftssteuer bestimmt sich immer nach der Steuerklasse und dem vom Verwandtschaftsverhältnis abhängigem Freibetrag. Welche Tricks Sie bezüglich der Erbschaftssteuer kennen sollten, erfahren Sie im Beitrag „So können Sie die Erbschaftssteuer umgehen“.

 

Grundsätzlich ist der Vermächtnisnehmer der Schuldner der Steuer. Allerdings haften die Erben gemäß § 20 Abs. 3 ErbStG bis zur endgültigen Aufteilung des gesamten Erbes für die Steuer und können daher bis zu diesem Zeitpunkt zur Zahlung aufgefordert werden. In diesem Fall sollten die Erben aber die gezahlte Erbschaftssteuer für das Vermächtnis vom Vermächtnisnehmer zurückverlangen. Der Erblasser kann in seinem letzten Willen allerdings auch verfügen, dass er den Nettobetrag vermachen möchte und seine Erben die anfallende Erbschaftssteuer zahlen sollen.

 

Das Vermächtnis kann aber auch dabei helfen, die Erbschaftssteuer zu minimieren. Gemäß § 10 Abs. 5 ErbStG wird das Vermächtnis vom Nachlasswert abgezogen, wodurch sich die Steuerlast reduziert. Besonders beim Berliner Testament kann der überlebende Ehepartner durch ein Vermächtnis finanziell geschützt werden. Bei dieser Erbfolge geht der gesamte Nachlass des Erstverstorbenen auf seinen zurückbleibenden Partner über. Dieser muss daraufhin Erbschaftssteuer auf den Betrag zahlen, der seinen Freibetrag – in der Regel bei Ehegatten 500.000 Euro – überschreitet. Wird der Überschuss, für den Erbschaftssteuer fällig wäre, in Form von Vermächtnissen an beispielsweise Kinder des Paares vermacht, können diese ihre Freibeträge ebenfalls ausnutzen und die Steuerlast ihres Elternteils minimieren.

 

9. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung durch einen Rechtsanwalt

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