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Vermächtnisnehmer – Rechte, Pflichten & Unterschiede im Überblick

 

Vermächtnisnehmer – Rechte, Pflichten & Unterschiede im Überblick

 

 

Neben den Erben hat auch ein Vermächtnisnehmer Anspruch auf den Nachlass eines Verstorbenen. Dieser wird zu Lebzeiten vom Erblasser in einem Vermächtnis bestimmt. Was genau der Unterschied zwischen einem Erben und einem Vermächtnisnehmer ist, welche Fristen ein Vermächtnisnehmer berücksichtigen sollte und wie man ein Vermächtnis hinterlassen kann, erläutert Ihnen der nachfolgende Beitrag.

Vermächtnisnehmer – Rechte, Pflichten & Unterschiede im Überblick
Das Vermächtnis und das Erbe sind zwei völlig verschiedene Sachen

 

Lesezeit: ca. 5 Min.

 

In diesem Beitrag erfahren Sie unter anderem, was der Unterschied zwischen einem Erben und einem Vermächtnisnehmer ist, welche Formen eines Vermächtnisses es gibt und welche Fristen ein Vermächtnisnehmer berücksichtigen muss.

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsproblem oder Ihre Fragen zum Vermächtnis kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht besprechen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Was ist ein Vermächtnis?
2. Der Unterschied zwischen Vermächtnis und Erbe
3. Was ist ein Vermächtnisnehmer?
4. Der Unterschied zwischen einem Vermächtnisnehmer und einem Erben
5. Welche Vermächtnisse gibt es?
6. Wenn der Pflichtteilsberechtigte zum Vermächtnisnehmer wird
7. Fristen, die der Vermächtnisnehmer zu beachten hat
8. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

 

1. Was ist ein Vermächtnis?

Vermächtnis und Erbe werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig als Synonym verwendet. Der Gesetzgeber sieht hier jedoch eine strikte Trennung beider Begrifflichkeiten vor. Im Sinne des Erbrechts ist unter einem Vermächtnis eine Zuwendung zu verstehen, die aufgrund eines Testaments oder Erbvertrags erfolgt.

 

2. Der Unterschied zwischen Vermächtnis und Erbe

Im Gegensatz zum Erbe handelt es sich bei einem Vermächtnis lediglich um eine einzelne Zuwendung. Diese wird aus dem Gesamterbe herausgelöst und sollte im Testament oder Erbvertrag gesondert ausgewiesen werden. Hierbei sollte der Erblasser auf klare Formulierungen zurückgreifen. Mit Formulierungen „Hiermit vermache ich“ lässt sich beispielsweise auf eine gesonderte Ausweisung und damit ein Vermächtnis hinweisen. Bei einem Vermächtnis sollten Sie daher Floskeln wie „Ich vererbe“ oder „Erbe wird“ vermeiden, da diese zu viel Interpretationsspielraum und Konfliktpotential bieten.

 

3. Was ist ein Vermächtnisnehmer?

Eine Person, die mit einem Vermächtnis bedacht wurde, wird Vermächtnisnehmer genannt. Diese kann dabei sowohl eine natürliche als auch eine juristische Person sein. Mit dem Tode des Vermächtnisgebers erlangt der Vermächtnisnehmer einen Anspruch auf den vermachten Gegenstand. Diesen kann er gegenüber dem Beschwerten oder Schuldner geltend machen. Beschwerter ist in den meisten Fällen der Erbe. Unter gewissen Voraussetzungen kann es sich hier aber auch um einen anderen Vermächtnisnehmer handeln.

 

4. Der Unterschied zwischen einem Vermächtnisnehmer und einem Erben

Ein Vermächtnisnehmer gehört nicht zu einer Erbengemeinschaft. Daher muss er – anders als Miterben – auch keine Pflichten übernehmen. Er muss sich weder um die Nachlassverwaltung noch um die Aufteilung des Erbes kümmern. Auch für eventuelle Schulden, die der Erblasser zu Lebzeiten angehäuft hat, muss der Vermächtnisnehmer nicht aufkommen – ein Erbe bzw. Mitglied der Erbengemeinschaft hingegen schon. Ein Vermächtnisnehmer tritt daher stets als Begünstigter auf, der durch das Vermächtnis einen schuldrechtlichen Anspruch gegenüber den Erben des Nachlasses hat.

 

5. Welche Vermächtnisse gibt es?

Prinzipiell kann alles als Vermächtnis gelten, was im Zusammenhang mit dem Erbfall steht. Dennoch lassen sich unterschiedliche Vermächtnis-Formen unterscheiden.

 

Eine Ausgestaltungsmöglichkeit ist das Stückvermächtnis. Einzelne Objekte werden hierbei an den Vermächtnisnehmer übertragen. Bei Anspruchsentstehung muss der vermachte Gegenstand zwingend Teil des Nachlasses sein. Sollte das Objekt zur Zeit des Erbfalls nicht zur Erbmasse gehören, so ist die Übertragung des Vermächtnisses gemäß § 2169 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) unwirksam, da fremdes Eigentum nicht vermacht werden kann.

 

Eine weitere Ausgestaltungsvariante ist das Barvermächtnis. Der Erblasser vermacht einem Vermächtnisnehmer hierbei einen festen Geldbetrag.

 

Weiterhin lässt sich das Universalvermächtnis unterscheiden. Bei diesem kann der Erblasser festlegen, dass der Vermächtnisnehmer den gesamten Nachlass oder zumindest den überwiegenden Teil erhalten soll. Der Vermächtnisnehmer wird in diesem Fall nicht automatisch Erbe. Der Vorteil ist, dass er für keine Verpflichtungen aufkommen muss, die der Erblasser zu Lebzeiten eingegangen ist.

 

Entscheidet sich der Erblasser dazu, dem Vermächtnisnehmer Anteile von der Erbmasse zu hinterlassen, so handelt es sich um ein Quotenvermächtnis. Da der Vermächtnisnehmer auch hier nicht automatisch Erbe wird, hat er seinen Anspruch gegenüber den Beschwerten – in der Regel die Erben - geltend zu machen.

 

Eine weitere Variante stellt das Wahlvermächtnis dar. Hierbei kann der Erblasser dem Vermächtnisnehmer sowohl unterschiedliche Gegenstände als auch einen Anteil an der Erbschaft vermachen. Letzterer muss sich jedoch für eine der beiden Optionen entscheiden.

 

Eine Besonderheit stellt das Vorausvermächtnis dar. Ist eine Person Vermächtnisnehmer und gleichzeitig Erbe bzw. Mitglied einer Erbengemeinschaft, so ist er automatisch auch gleichzeitig Bedachter und Beschwerter. Um ein Vorausvermächtnis würde es sich handeln, wenn beispielsweise folgende Formulierung in einem Testament zu finden ist:

„Ich verfüge, dass mein Erbe zu gleichen Teilen an meinen Sohn Felix und an meinem guten Freund Eberhardt geht. Darüber hinaus vermache ich Eberhardt mein wertvolles Schachspiel aus Gold.“

In diesem Fall ist Eberhardt sowohl Vermächtnisnehmer als auch Erbe und kann neben seinem Erbteilsanspruch auch einen Anspruch auf das vermachte Schachspiel geltend machen.

Der Vorteil vom Vorausvermächtnis ist, dass das Vermächtnis in diesem Fall nicht auf den Pflichtteil angerechnet wird. Letzteres wird bei einem Vorausvermächtnis also nicht geschmälert.

 

6. Wenn der Pflichtteilsberechtigte zum Vermächtnisnehmer wird

Erblasser könnten unter Umständen auf die Idee kommen, den Pflichtteil von Pflichtteilsberechtigten zu schmälern, indem sie Pflichtteilsberechtigte als Vermächtnisnehmer einsetzen. Auch wenn ein Vermächtnis die Pflichtteilsberechtigung nicht notwendigerweise aufhebt, müssen nicht unbedingt Pflichtteil und Vermächtnis fällig werden. Schlägt ein Vermächtnisnehmer beispielsweise das Vermächtnis aus, so hat er lediglich einen Anspruch auf den Pflichtteil. Nimmt der Pflichtteilsberechtigte das Vermächtnis jedoch an, so wird Letzteres auf den Pflichtteil angerechnet. Damit verringert sich der Pflichtteilsanspruch um den Wert des Vermächtnisses. Sollte das Vermächtnis einen höheren Wert haben als der Pflichtteil, so hat der Erbe das Recht gegenüber dem Vermächtnisnehmer, einen Pflichtteilsergänzungsanspruch geltend zu machen.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie in unserem Beitrag zum Pflichtteil.

 

7. Fristen, die der Vermächtnisnehmer zu beachten hat

Wie Erben oder Pflichtteilsberechtigte sollten auch Vermächtnisnehmer einige Fristen berücksichtigen. Sofern vom Erblasser testamentarisch nichts anderes bestimmt wurde, hat der Vermächtnisnehmer mit dem Eintritt des Erbfalls einen Anspruch auf das Vermächtnis. Ab diesem Zeitpunkt kann der Vermächtnisnehmer seinen Anspruch dann gegenüber dem entsprechend Beschwerten – in der Regel der Erbe – geltend machen.

Bestimmt der Erblasser keinen Zeitpunkt für die Herausgabe des Vermächtnisses, so entscheidet der Beschwerte, wann der Vermächtnisnehmer sein Vermächtnis erhält. Die Übergabe erfolgt dabei spätestens mit dem Tod des Beschwerten. Hat der Erblasser also keinen Zeitpunkt für die Übergabe bestimmt, so muss der Vermächtnisnehmer unter Umständen ewig darauf warten und verstirbt im schlechtesten Fall, bevor er sein Vermächtnis erhalten hat.

Der Vermächtnisnehmer hat übrigens drei Jahre zeit, um seinen Anspruch vom Beschwerten einzufordern. Die Frist beginnt mit Ende des Jahres, in welchem der Vermächtnisnehmer von seinem Anspruch erfahren hat.

 

8. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Sie denken über ein Vermächtnis nach oder wurden in einem Testament als Vermächtnisnehmer bestimmt? Unser Anwalt für Erbrecht beantwortet Ihnen in einer kostenfreien Ersteinschätzung zum Erbrecht alle wichtigen Fragen rund um das Thema „Vermächtnis“.

 

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