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Pflichtteil trotz Testament – wann bekommt man ihn?

 

Pflichtteil trotz Testament – wann bekommt man ihn?

 

 

Wer erbt, hat selten Anlass, seinen Pflichtteil am Erbe einzufordern. Dennoch gibt es verschiedene Szenarien, in welchen bei Erbschaft der Pflichtteil trotz Testament eingefordert werden sollte. Was der Pflichtteil ist, wem dieser zusteht und wann es sinnvoll sein könnte, diesen trotz Testaments einzufordern, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

Pflichtteil trotz Testament – wann bekommt man ihn?

 

Lesezeit: ca. 4 Min.

 

In diesem Beitrag erfahren Sie, wann und wie Sie den Pflichtteil trotz Testament bei Enterbung, Erbausschlagung oder zu geringem Erbteil geltend machen können.

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsproblem oder Ihre Fragen rund um den Pflichtteil kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht besprechen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Wem steht der Pflichtteil zu?
2. Wie hoch ist der Pflichtteil?
3. Trotz Testament Pflichtteil einfordern
  3.1 Pflichtteil trotz Testament einfordern bei Enterbung
  3.2 Pflichtteil trotz Testament einfordern bei Erbausschlagung
  3.3 Pflichtteil trotz Testament einfordern bei zu geringem Erbteil
4. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

 

1. Wem steht der Pflichtteil zu?

Wurden enge Verwandte eines Erblassers durch Erbvertrag oder Testament enterbt, so könnten diese unter Umständen einen Anspruch auf einen Teil des Erbes haben. Unter diesem Pflichtteil versteht man dabei eine finanzielle Mindestbeteiligung am Vermögen des Erblassers. Wer genau einen Anspruch auf einen Pflichtteil hat, erfahren Sie in unserem Beitrag „Wer ist pflichtteilsberechtigt?“.

Doch nicht nur enterbte nahe Angehörige können einen Pflichtteilsanspruch geltend machen. Wird eine Erbschaft ausgeschlagen, kann der Pflichtteil geltend gemacht werden. Dieser steht zudem enterbten Personen zu, die ohne Testament und Erbvertrag Erben gemäß der gesetzlichen Erbfolge wären. Jedoch ist nicht jeder gesetzliche Erbe auch pflichtteilsberechtigt, was die wichtigste Voraussetzung für einen Anspruch darstellt.

§ 2303 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) definiert den Personenkreis der Pflichtteilsberechtigten. Hierzu gehören:

  • alle Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel und Urenkel) – ehelich, außerehelich, mit Legitimierung und adoptiert,
  • der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner des Erblassers,
  • die Eltern des Erblassers.

Dabei gilt: je näher der Verwandtschaftsgrad, desto wahrscheinlicher der Anspruch. So haben beispielsweise die Eltern eines Verstorbenen lediglich einen Pflichtteilsanspruch, wenn keine direkten Abkömmlinge wie Kinder, Enkelkinder oder Urenkel existieren. Auch Enkelkinder werden nur mit einem Pflichtteil bedacht, sofern deren Eltern ebenfalls bereits verstorben sind.

Sollten Sie einen Pflichtteilsanspruch haben, so können Sie diesen gegenüber den Erben geltend machen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag „Pflichtteil einfordern“.

 

2. Wie hoch ist der Pflichtteil?

Prinzipiell beträgt der Pflichtteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Würde also ein Ehemann seine Frau und zwei Kinder hinterlassen, so würde das Erbe unter ihnen aufgeteilt – wobei der Frau die eine Hälfte des Erbes und den beiden Kinder die andere Hälfte zustehen würde. Demzufolge würde an jedes Kind ¼ des Erbes gehen. Würden im Gegensatz dazu die Kinder beispielsweise durch ein Berliner Testament enterbt werden, so hätten sie einen Pflichtteilsanspruch. Da dieser die Hälfte des gesetzlichen Erbteils beträgt, könnten die Kinder trotz Berliner Testament jeweils einen Pflichtteil von 1/8 verlangen.

Wenn Sie pflichtteilsberechtigt sind und ganz genau wissen wollen, wie hoch Ihr persönlicher Pflichtteilsanspruch ausfällt, können Sie ganz einfach und kostenlos unseren Pflichtteilsrechner nutzen.

Pflichtteilsrechner – Berechnung des Pflichtteils

 

3. Trotz Testament Pflichtteil einfordern

Wurden nahe Angehörige in einem Testament bedacht, werden diese wohl eher weniger den Pflichtteil trotz Testament einfordern. Doch Testament und Pflichtteil schließen sich keineswegs aus. In folgenden Fällen kann es sinnvoll sein, den Pflichtteil trotz Testament geltend zu machen:

  • Enterbung,
  • Erbausschlagung,
  • Beschränkung oder Beschwerung des Erbes oder Vermächtnisses oder
  • Geringerer Erbteil als die Pflichtteilsquote.

 

Pflichtteil trotz Testament bei Enterbung, Erbausschlagung

► Sie möchten einen Pflichtteil trotz Testament geltend machen? Hier bieten wir Ihnen die Möglichkeit einer kostenlosen Ersteinschätzung durch unseren Anwalt für Erbrecht.

 

3.1 Pflichtteil trotz Testament einfordern bei Enterbung

Im Falle einer Enterbung sind die betreffenden Erben gemäß § 2303 BGB pflichtteilsberechtigt – damit können diese ihren Pflichtteil trotz Testament einfordern. Wie Sie dies tun und worauf Sie dabei achten müssen, erfahren Sie in unserem Beitrag „Enterbt - welche Rechte und Handlungsoptionen habe ich?“.

 

3.2 Pflichtteil trotz Testament einfordern bei Erbausschlagung

Auch bei der Ausschlagung eines Erbes kann trotz Testament der Pflichtteil gefordert werden. Eine Erbausschlagung kann beispielsweise in Betracht gezogen werden, wenn das Vermächtnis überschuldet ist, der Erbe zugunsten einer dritten Person mit einem Vermächtnis belastet wurde oder er lediglich als Vor- oder Nacherbe bedacht wurde. In diesen Fällen ermöglicht eine Erbausschlagung, den überschuldeten Teil eines Erbes oder das mit einer Auflage beschwerte Vermächtnis abzulehnen und stattdessen den unbelasteten Pflichtteil einzufordern.

Achtung: Für die Erbausschlagung gilt eine sogenannte Ausschlagungsfrist. Wie lange diese Frist dauert und was innerhalb dieser Frist zu tun ist, erfahren Sie in unserem Beitrag „Erbe ausschlagen“.

 

3.3 Pflichtteil trotz Testament einfordern bei zu geringem Erbteil

Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, den Pflichtteil trotz Testament einzufordern, wenn der Erblasser einen Erbteil zuweist, der unter der Pflichtteilsquote liegt, die Sie von Gesetzeswegen her verlangen können. Gemäß § 2305 BGB kann der Pflichtteilsberechtigte in diesem Fall dann einen Zusatzpflichtteil von den Miterben verlangen. Damit hat der Gesetzgeber verhindert, dass durch die Zusicherung eines zu geringen Erbes der Anspruch eines Pflichtteilsberechtigten umgangen wird.

Damit der Pflichtteilsberechtigte einen Zusatzpflichtteil verlangen kann, muss der hinterlassene Erbteil um die Hälfte geringer ausfallen als der ihm gesetzlich eigentlich zustehende Erbteil. Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass der Erblasser zwei Kinder hinterlässt: Ein Kind wurde mit 1.000 € im Testament bedacht und das andere mit 99.000 €. Der Erbteil des ersten Kindes liegt somit weit unter dem gesetzlichen Erbteil – diese beträgt nämlich ½ (50.000 €). Daher lässt sich gegenüber dem anderen Kind die Differenz zwischen der Hälfte des gesetzlichen Erbteils (25.000 €) und des tatsächlich vermachten Erbes (1.000 €) geltend machen. In diesem Rechenbeispiel könnten 24.000 € als Zusatzpflichtteil verlangt werden. Die vermachten 1.000 € darf das erste Kind selbstverständlich behalten. Daher stünde Ihm ein Gesamtbetrag von 25.000 € zu.

 

4. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Bei Enterbung oder Ausschlagung eines Erbes kann der Pflichtteil trotz Testament eingefordert werden. Ob dies in Ihrem Fall sinnvoll ist und was genau zu tun ist, erläutert Ihnen einer unserer erfahrenen Anwälte im Erbrecht gern in einer kostenfreien Ersteinschätzung.

 

► Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen zum Thema Pflichtteil trotz Testament kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht zu besprechen.

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