Geliebtentestament: Erklärung, Sittenwidrigkeit & Auswirkungen auf den Pflichtteil

Geliebtentestament: Erklärung, Sittenwidrigkeit & Auswirkungen auf den Pflichtteil

Torben Rath

Juristische Redaktion

Stand:

1279 Leser finden diesen
Beitrag hilfreich

6 Minuten Lesezeit

Torben Rath (jur. Redaktion)  |   Stand:

Geliebtentestament: Erklärung, Sittenwidrigkeit & Auswirkungen auf den Pflichtteil

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Was ist ein Geliebtentestament?
  2. Testierfreiheit ermöglicht Geliebtentestament
  3. Pflichtteil beim Geliebtentestament
  4. Sittenwidrigkeit des Geliebtentestaments
  5. Anfechtung eines Geliebtentestaments
  6. Keine Muster verwenden für das Geliebtentestament
  7. Tipp: kostenfreie Ersteinschätzung im Erbrecht
Focus Money - Höchste Weiterempfehlung - Online-Rechtsberatung

Sie suchen
einen Anwalt?

So funktioniert advocado

Keine aufwendige Anwaltssuche oder langes Warten auf Kanzleitermine. Sie schildern Ihr Anliegen einfach online und der passende advocado Anwalt meldet sich innerhalb von zwei Stunden bei Ihnen (Mo.-Fr. 9-18 Uhr).

Im kostenfreien Erstgespräch bespricht der Anwalt Ihr Anliegen mit Ihnen und erläutert Handlungsoptionen und Erfolgsaussichten.

Sie können jederzeit und überall auf Ihren Online-Mandantenbereich zugreifen. Hier verwalten Sie mit wenigen Mausklicks alle Dokumente, kommunizieren per Nachricht oder Videochat mit Ihrem Anwalt und sehen den Status Ihres Falls.

  1. Kostenfreies Erstgespräch mit einem Anwalt
  2. Unverbindliches Festpreis-Angebot
  3. Online-Rechtsberatung über advocado
Anliegen schildern

In diesem Beitrag erfahren Sie u. a., was ein Geliebtentestament ist, wie Sie es zugunsten eines Geliebten gestalten können und was Sie dabei beachten müssen.

► Darüber hinaus können Sie Ihre Fragen zum Geliebtentestament mit unserem Anwalt für Erbrecht besprechen.

Einfach den Fall kurz schildern, absenden und noch am selben Tag eine kostenfreie telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

 

1. Was ist ein Geliebtentestament?

Das Geliebtentestament – auch Mätressentestament genannt – ist eine besondere Testamentsform, bei der ein verheirateter Erblasser eine Geliebte/einen Geliebten als Alleinerben einsetzt und gleichzeitig seinen Ehepartner enterbt. Betroffen von dieser Enterbung sind neben dem Ehepartner auch die Abkömmlinge des Erblassers. Infolgedessen erben die Angehörigen grundsätzlich nur den Pflichtteil, während die geliebte Person den Großteil des Nachlasses erhält.

Nachfolgend erfahren Sie, inwiefern die Testierfreiheit dem Erblasser ein Geliebtentestament ermöglicht und wo deren Grenzen liegen.

 

2. Testierfreiheit ermöglicht Geliebtentestament

Aufgrund der dem deutschen Erbrecht zugrunde gelegten Testierfreiheit darf der Erblasser frei darüber entscheiden, wie er seinen Nachlass regelt. Infolgedessen kann der Erblasser im Rahmen eines Geliebtentestaments seine gesamte Familie – einschließlich seiner Kinder und seines Ehepartners – zugunsten einer/eines Geliebten enterben.

Demnach wird die freie Entscheidungsgewalt des Erblassers über sein Vermögen weder durch etwaige moralische Pflichten gegenüber der Familie noch durch eine Benachteiligung der Angehörigen beschränkt.

Gleichwohl hat die in Art. 14 des Grundgesetzes geregelte Testierfreiheit keine uneingeschränkte Gültigkeit. Sie endet immer dann, wenn sie gegen geltendes Recht verstößt. Im Zusammenhang mit dem Geliebtentestament wird vor allem die Sittenwidrigkeit dieser Testamentsform diskutiert. Wann diese vorliegt und welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen, lesen Sie in Kapitel 4 – Sittenwidrigkeit des Geliebtentestaments.

Im folgenden Abschnitt erfahren Sie, wer bei Vorliegen eines Geliebtentestaments Pflichtteilsansprüche hat, wie hoch diese sind und wie sie sich berechnen lassen.

 

3. Pflichtteil beim Geliebtentestament

Wird die/der Geliebte des Erblassers zuungunsten der Angehörigen als Alleinerbe eingesetzt, haben diese nach § 2303 BGB zumindest einen Pflichtteilsanspruch.

Durch diese gesetzliche Regelung wird auch im Rahmen eines Geliebtentestaments sichergestellt, dass die Angehörigen trotz gegensätzlichem Willens des Erblassers eine gesetzliche Mindestbeteiligung am Erbe erhalten.

 

Wer hat einen Pflichtteilsanspruch?

Einen rechtlichen Anspruch auf den Pflichtteil am Erbe haben lediglich die engsten Verwandten des Erblassers – wenn sie pflichtteilsberechtigt sind.

Ausführlichere Informationen finden Sie in unserem Beitrag „Wer ist pflichtteilsberechtigt?“.

 

Wann kann der Pflichtteil geltend gemacht werden?

Die Pflichtteilsberechtigten müssen gemäß § 195 und § 199 BGB für die Durchsetzung ihrer Ansprüche eine dreijährige Verjährungspflicht einhalten. Diese beginnt nicht mit Eintritt des Erbfalls, sondern immer erst mit dessen Kenntnisnahme. Nach Ablauf der drei Jahre erlischt der Pflichtteilsanspruch vollständig. 

Ausführlichere Informationen & wichtige Sonderregelungen finden Sie in unserem Beitrag „Pflichtteil-Verjährung“.

 

Wie hoch ist der Pflichtteil?

Die Höhe des jeweiligen Pflichtteils ist immer abhängig von der individuellen Erbmasse und der gesetzlichen Erbquote. Hierbei müssen sich die Betroffenen zunächst einen Überblick über den Wert des Nachlasses verschaffen.

Weiterführende Information und einen Pflichtteilrechner finden Sie in unserem Beitrag „Wie hoch ist der Pflichtteil?“.

Im nächsten Abschnitt erläutern wir Ihnen, wann ein Geliebtentestament als sittenwidrig gilt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen und was die Rechtsprechung dazu sagt.  

 

4. Sittenwidrigkeit des Geliebtentestaments

Auch wenn letztwillentliche Verfügungen wie das Geliebtentestament bisweilen als moralisch zweifelhaft empfunden werden und bei den betroffenen Familienangehörigen auf großes Unverständnis stoßen, sind sie nur in Ausnahmefällen sittenwidrig.

Durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 1970 ist in der Rechtsprechung geklärt, dass ein solches Testament nicht deshalb schon sittenwidrig ist, weil zwischen dem Erblasser und der Geliebten ein außereheliches Liebesverhältnis bestand.

Dass ein Geliebtentestament nur in schwerwiegenden Ausnahmefällen sittenwidrig ist, verdeutlicht das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 22.08.2008:

Die Richter mussten dabei über die Testamentsanfechtung einer Witwe entscheiden, deren verstorbener Mann 16 Jahre zuvor eine Prostituierte kennengelernt hatte, mit der er seither ein außereheliches Verhältnis pflegte. Die letzten vier Jahre vor seinem Tod bewohnte er mit dieser eine gemeinsame Wohnung. Seine Ehefrau und er waren gleichzeitig aber noch Miteigentümer eines Wohnhauses, welches von der Frau nach der Trennung allein bewohnt wurde.

Nachdem ihr Mann verstorben war, beantragte die Ehefrau einen Alleinerbschein, da sie das Testament als sittenwidrig ansah. Die Ehefrau führte vor allem die Befürchtung an, dass sie sich mit der neuen Eigentümerin nicht einigen könne und sie ihr „angestammtes Wohnhaus“ aufgrund einer Teilversteigerung möglicherweise verlieren würde. Das Gericht lehnte den Antrag der Witwe ab. Aufgrund des langjährigen Zusammenlebens des Erblassers und seiner Geliebten wertete das OLG Düsseldorf die Erbeinsetzung weder als alleinige Belohnung für sexuelle Hingabe noch als unverhältnismäßige Zurücksetzung der Ehefrau.

Das angeführte Gerichtsurteil verdeutlicht, dass die Gerichte einem Geliebtentestament in der Regel Gültigkeit bescheiden. Eine Sittenwidrigkeit nach § 138 Abs. 1 BGB und dementsprechende Ungültigkeit liegt demnach nur vor, wenn:

  • Der Erblasser seine/ihren Geliebte(n) ausschließlich für die sexuelle Hingabe entlohnen wollte,
  • ein besonders schwerwiegender Fall einer Zurücksetzung der Angehörigen vorliegt oder
  • keine achtenswerten Gründe für die Erbeinsetzung erkennbar sind. Ein solcher Grund liegt z. B. vor, wenn der/die Geliebte den Erblasser während einer Krankheit betreut oder dessen Pflege im Alter übernommen hat.

 

5. Anfechtung eines Geliebtentestaments

Sind die enterbten Kinder oder der Ehepartner des Erblassers nicht mit dem Geliebtentestament einverstanden und zweifeln seine Rechtmäßigkeit an, können sie dieses unter bestimmten Voraussetzungen anfechten.

 

Anfechtungsgründe

Derjenige, der ein Geliebtentestament anfechten möchte, trägt die Beweislast und muss einen zwingenden Anfechtungsgrund anführen. In vorliegenden Fall ist vor allem eine Sittenwidrigkeit des Testaments denkbar. Als weitere Anfechtungsgründe kommen aber auch Formfehler, Fälschungen oder die Testierunfähigkeit des Erblassers infrage.

Weitere Anfechtungsgründe sowie zusätzliche Informationen zum Thema Testamentsanfechtung finden Sie in unserem Beitrag „Testament anfechten".

 

Wer darf ein Geliebtentestament anfechten?

Nur Personen, die einen unmittelbaren Vorteil aus der Aufhebung des Testaments erhalten würden, können dieses auch anfechten. Dazu zählen für gewöhnlich alle Erb- und Pflichtteilsberechtigten. Im Falle des Geliebtentestaments kommen dabei vor allem die Kinder und der Ehepartner des Erblassers infrage.

 

Form & Frist

Eine Anfechtung des Testaments ist immer erst nach dem Tod Erblassers möglich. Sobald der Erbfall eintritt, kann das Testament aus den oben genannten Gründen angefochten werden. Die hierfür notwendige Anfechtungserklärung muss innerhalb eines Jahres beim zuständigen Nachlassgericht eingereicht werden. Diese kann sowohl schriftlich als auch mündlich abgegeben werden und ist keiner speziellen Form unterworfen.

Die entsprechende Frist beginnt erst, wenn der Anfechtungsberechtigte vom Anfechtungsgrund Kenntnis erlangt. Liegt der Erbfall bereits 30 Jahre zurück, ist eine Anfechtung indes nicht möglich, da die erbrechtlichen Ansprüche bereits verjährt sind.

 

6. Keine Muster verwenden für das Geliebtentestament

Wie oben ausgeführt, wird das Geliebtentestament oftmals von enttäuschen Angehörigen angefochten, weil sie eine Sittenwidrigkeit vermuten. Aber auch Formfehler und andere Gründe können zu einer erfolgreichen Anfechtung führen.

Maßgeblich ist folglich die richtige Formulierung eines solchen Testaments und eine nachvollziehbare Begründung für die Erbeinsetzung der/des Geliebten. Infrage kommen z. B. eine umfassende Betreuung im Krankheitsfall oder die Pflege im Alter.

Vor diesem Hintergrund raten wir davon ab, auf Mustervorlagen aus dem Internet zurückzugreifen. Stattdessen sollten Sie ihr Geliebtentestament unter Zuhilfenahme eines Anwaltes formulieren. Dieser verfügt über das nötige Fachwissen und garantiert ein fehlerfreies Testament. Kontaktieren Sie hierfür einfach unseren Anwalt für Erbrecht.

 

7. Tipp: kostenfreie Ersteinschätzung im Erbrecht

Aufgrund der Testierfreiheit können Sie im Rahmen eines Geliebtentestaments eine Geliebte bzw. einen Geliebten als Alleinerben einsetzen. Wichtig ist dabei allerdings die Begründung der Erbeinsetzung.

Damit sichergestellt ist, dass Ihr Testament zugunsten dieser geliebten Person auch einer möglichen gerichtlichen Überprüfung standhält, hilft Ihnen einer unserer Anwälte für Erbrecht bei Fragen und der Erstellung eines solchen Testaments.

 

► Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Fragen zum Geliebtentestament mit unserem Anwalt für Erbrecht zu besprechen

Einfach Ihr Anliegen kurz schildern, absenden und noch am selben Tag eine kostenfreie telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
1279 Leser finden den Beitrag hilfreich.

Vielen Dank für das Feedback!

Jetzt Newsletter abonnieren

Warum gefällt Ihnen der Beitrag nicht?

Bitte geben Sie uns Feedback.

 

Beitrag von
Torben Rath

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Torben Rath stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen.

Aktuelle Beiträge im advocado-Ratgeber