Nacherbe – so sichern Sie zwei Erbengenerationen ab

Nacherbe – so sichern Sie zwei Erbengenerationen ab

 von Torben Rath (jur. Redaktion)
Nacherbe – so sichern Sie zwei Erbengenerationen ab
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  1. Was ist ein Nacherbe?
  2. Wie funktioniert eine Vor- & Nacherbschaft?
  3. Wann sollte ich einen Nacherben bestimmen?
  4. Rechte des Nacherben gegenüber befreiten und unbefreiten Erben
  5. Bestimmung von Vor- & Nacherbe im Testament
  6. Legitimierung des Vorerben durch Erbschein
  7. Nacherbenvermerk im Grundbuch von Immobilien
  8. Nacherbe stirbt vorzeitig – was nun?
  9. Erbschaftssteuer beim Nacherbe
  10. Erbausschlagung als Nacherbe
  11. Zeitliche Beschränkung der Nacherbfolge
  12. Alternativen zur Bestimmung von Nacherben
  13. Zusammenfassung: Vor- & Nachteile der Einsetzung eines Nacherben
  14. Tipp: kostenfreie Ersteinschätzung im Erbrecht

In diesem Beitrag erfahren Sie u. a., was ein Nacherbe ist, welche Vor- und Nachteile mit seiner Einsetzung verbunden sind und welche Alternativen ein Erblasser hat.

 

► Darüber hinaus können Sie Ihre Fragen zum Nacherben mit unserem Anwalt für Erbrecht besprechen.

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1. Was ist ein Nacherbe?

Nacherbe ist, wer nach einer anderen Person – dem sogenannten Vorerben – erbt. Dabei ist der Nacherbe Erbe des ursprünglichen Erblassers und nicht des Vorerben. Sobald der Nacherbfall eintritt, geht das gesamte Erbe an den Nacherben über. Bis dahin hat dieser lediglich ein Anwartschaftsrecht auf die spätere Erbschaft – d. h. der Zuwachs an Vermögen und Rechten steht in Aussicht.

Durch Einsetzung eines Nacherben kann das zu vererbende Vermögen über einen längeren Zeitraum in der Familie gehalten werden. Daher werden regelmäßig Familienmitglieder als Erben eingesetzt. Angefangen bei etwaigen innerfamiliären Konflikten, über die erbschaftsteuerlichen Besonderheiten und Regelungen im Grundbuch bis hin zur Bestimmung von Ersatzerben muss der Erblasser einiges bei der Bestimmung von Nacherben beachten.

Im nächsten Abschnitt erklären wir Ihnen zunächst, wie die Vor- und Nacherbschaft funktioniert.

 

2. Wie funktioniert eine Vor- & Nacherbschaft?

Der Erblasser kann sein Erbe grundsätzlich über mehrere Erbengenerationen weitergeben. Ihm ist es erlaubt, einen Erben so einzusetzen, dass dieser Erbe wird (Nacherbe), nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist (Vorerbe). Der Vorerbe ist hierbei lediglich Erbe auf Zeit – auf ihn geht das Erbe also nur für einen bestimmten Zeitraum über.

Während dieses Zeitraums hat der Nacherbe gegenüber dem Vorerben zahlreiche Auskunfts- und Kontrollrechte und der Vorerbe unterliegt einigen Beschränkungen gegenüber dem Nacherben. Ohne die Zustimmung des Nacherben kann der Vorerbe beispielsweise nicht frei über die Erbschaft verfügen. Ihm stehen somit lediglich die Erträge aus dem Erbe zu. Hierzu zählen u. a. die Einnahmen aus Mieten oder Anlagezinsen. Den Nachlasswert des Erbes muss er hingegen für den Nacherben erhalten. Sobald der Vorerbe stirbt, erhält der Nacherbe das komplette Erbe des Erblassers.

Beispiel: Ein älteres Ehepaar bestimmt für den Fall des Todes zunächst den jeweils anderen als Vorerben und ihre gemeinsamen Kinder als Nacherben. Stirbt auch der zweite Ehepartner (Vorerbe) geht das Vermögen an die gemeinsamen Kinder (Nacherbe) über.

Die Nacherbschaft kann neben dem Tod des Vorerben aber auch an besondere Bedingungen geknüpft (z. B. Eintritt des 18. Lebensjahres) oder durch einen konkreten Zeitraum festlegt (z. B. soll diese genau 7 Jahre andauern) sein.

Beispiel: Der Erblasser bestimmt seine Ehefrau zum Vorerben und den gemeinsamen Sohn zum Nacherben. Parallel ordnet er an, dass das Erbe mit dem 18. Geburtstag von der Ehefrau (Vorerbin) auf den Sohn (Nacherbe) übergehen soll.

 

3. Wann sollte ich einen Nacherben bestimmen?

Die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft ist immer dann sinnvoll, wenn der Nachlass über mehr als eine Erbengeneration hinweg kontrolliert oder der Zugriff Dritter (Ex-Ehepartner, Schwiegerkinder, Sozialleistungsträger) verhindert werden soll. Die jeweiligen Fallkonstellationen weichen voneinander ab und werden im Folgenden näher erläutert. Mögliche Szenarien sind u. a.:

 

Patchwork-Familien

Bringen beide Ehepartner jeweils ein Kind mit in die Ehe, wird regelmäßig gewünscht, dass zunächst der länger lebende Ehepartner abgesichert wird. Erst nach seinem Tod soll dann das Vermögen – weitgehend ungeschmälert – auf das eigene leibliche Kind übergehen. Dieser Wunsch kann durch eine Vor- und Nacherbschaft realisiert werden – auch ein Pflichtteilsanspruch der Kinder des Vorerben wird so vermieden.

 

Geschiedenen-Testamente

Damit der Ex-Partner nicht am Nachlass teilhaben kann, ist auch in diesem Fall eine Vor- und Nacherbschaft sinnvoll. Dafür muss der geschiedene Ehepartner das gemeinsame Kind zum Vorerben ernennen. Als Nacherben kommen dann beispielsweise die Geschwister oder sonstige Personen infrage. Der geschiedene Partner hat mit einer solchen Regelung keinerlei Ansprüche auf das Vermögen.

 

Bedürftige oder behinderte Erben

Auch bei Bedürftigkeit oder Behinderung des Erben ist die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft ratsam. Hierbei wird das bedürftige Kind im Rahmen eines Behinderten- oder Bedürftigentestaments als Vorerbe eingesetzt und dessen Geschwisterkind oder eine andere Person als Nacherbe bestimmt. Dadurch kann das Erbe vor dem Zugriff des Sozialhilfeträgers geschützt werden.

Weiterführende Informationen und Hinweise zur genauen Ausgestaltung finden Sie in unserem Beitrag „Behindertentestament“.

 

Erhalt des Familienvermögens

Oftmals wollen Erblasser sicherstellen, dass das Vermögen über ihren Tod hinaus in der Familie verbleibt. Damit beispielsweise ungeliebte Schwiegerkinder vom Vermögen ferngehalten werden, kann auch hier eine Vor- und Nacherbschaft abgeordnet werden. Das leibliche Kind wird dann als Vorerbe und die Enkelkinder als Nacherben eingesetzt. Allerdings ist fraglich, ob diese Regelung auch wirklich zugunsten der eigenen Kinder ausfällt, da der Vorerbe weitreichenden Beschränkungen unterliegt. Wie diese genau ausgestaltet sind und welchen Umfang sie haben, lesen Sie in Kapitel 4.

 

Kinderlose Abkömmlinge

Bleiben die eigenen Abkömmlinge selbst kinderlos, fürchten Ehepaare bisweilen eine ungewisse Zukunft für ihr Vermögen. Die angeordnete Vor- und Nacherbschaft bietet jedoch auch dafür eine Lösung. Der kinderlose Abkömmling wird als Vorerbe eingesetzt, Nacherben werden dessen Geschwister. Allerdings muss das Erbschaftsvermögen als vom Vorerben stammend versteuert werden – dabei wird die Steuerklasse II mit einem Freibetrag von 20.000 Euro zugrunde gelegt.

Nach § 6 Abs. 2 Satz 2 ErbStG kann ein Antrag gestellt werden, der bei der Versteuerung das Verhältnis des Nacherben zum Erblasser berücksichtigt. In diesem Fall erben die Geschwister das Vermögen der Eltern im Rahmen der Nacherbfolge von einem Geschwisterkind in der günstigen Steuerklasse I mit einem Freibetrag von 400.000 Euro.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie in Kapitel 9 „Erbschaftssteuer beim Nacherbe“.

Im nächsten Kapitel erfahren Sie, wie sich Vor- und Nacherbe voneinander abgrenzen lassen und welchen Beschränkungen der Vorerbe unterliegt.

 

4. Rechte des Nacherben gegenüber befreiten & nicht befreiten Vorerben

Allgemeines zur Abgrenzung

Vor- und Nacherben unterscheiden sich ...

  • im Zeitpunkt ihrer Einsetzung – der Vorerbe ist lediglich Erbe auf Zeit. Sobald seine Verfügungsgewalt über das Erbe endet, geht dieses an den Nacherben über;
  • in ihren Rechten und Pflichten – der Vorerbe hat zwar vielfältige Rechte und Pflichten am Nachlassvermögen, allerdings verfügt der Nacherbe über weitreichende Sicherungs- und Kontrollrechte;  
  • in ihren Verfügungsrechten – der Vorerbe kann aufgrund testamentarischer und gesetzlicher Einschränkungen nicht frei über das Erbe verfügen, der Nacherbe hingegen schon.

Die Verfügungsrechte des Vorerben können vom Erblasser beschränkt werden. Grundsätzlich wird hierbei zwischen

  • befreiten und
  • nicht befreiten Vorerben

unterschieden. Die jeweilige Anordnung beeinflusst auch die Rechte des Nacherben – insbesondere dessen Sicherungs- und Kontrollrechte.

 

Rechte des Nacherbens gegenüber einem nicht befreiten Vorerben

Dem Nacherben stehen gegenüber dem Vorerben einige Kontroll- und Sicherungsrechte zugunsten seines künftigen Erbes zu. Ohne die Zustimmung des Nacherbens kann der Vorerbe u. a. keine Wertgegenstände und Grundstücke veräußern oder mit Krediten belasten. Darüber hinaus darf er diese Nachlassgegenstände auch nicht verschenken. Zusätzlich hat der Nacherbe weitere Rechte gegenüber dem nicht befreiten Vorerben. Der Nacherbe kann vom Vorerben verlangen, dass dieser

  • Schadenersatz leistet, wenn er die Erbschaft beschädigt,
  • ihm Auskunft über den Nachlass erteilt,
  • ein Verzeichnis über sämtliche Nachlassgegenstände erstellt,
  • den Zustand der Erbschaft begutachten lässt,
  • Wertepapiere zur Sicherung seiner Erbschaft hinterlegt (sofern vorhanden) und
  • den Nachlass ordnungsgemäß verwaltet.

 

Rechte des Nacherbens gegenüber einem befreiten Vorerben

Der Erblasser kann den Vorerben aber auch in seiner Position stärken, indem er ihn zum befreiten Vorerben ernennt. In diesem Fall wird der Vorerbe größtenteils von den Beschränkungen befreit, wodurch er u. a. Grundstücke veräußern und Erbschaftgegenstände eigennützig für sich verwenden darf.

Gleichzeitig aber erkennt der Gesetzgeber hier die besondere Schutzwürdigkeit des Nacherben an und stärkt ihn u. a. durch die Mittelsurrogation. Diese regelt, dass alles zur Erbschaft zählt, was mit Mitteln des Nachlasses erworben wurde. Verkauft der Vorerbe z. B. ein Haus, gehört der Erlös zum Nachlass und muss später an den Nacherben weitergegeben werden. Daneben bleiben weitere Beschränkungen des Vorerbens nach dem Gesetz bestehen:

  • Der Vorerbe darf keine Gegenstände aus der Vorerbschaft verschenken (Schenkungsverbot, § 2113 Abs. 2 BGB),
  • muss auf Verlangen ein Nachlassverzeichnis erstellen (Inventarisierungspflicht § 2121 BGB),
  • muss auf Wunsch des Nacherben den Zustand des Nachlasses feststellen lassen (§ 2122 BGB),
  • muss die gewöhnlichen Erhaltungskosten und die Lasten des Nachlasses tragen und
  • muss Schadensersatz leisten, wenn er den Nachlass mutwillig beschädigt wird (Schadensersatzpflicht, § 2138 Abs. 2 BGB).

 

5. Bestimmung von Vor- & Nacherbe im Testament

Wie ein Vor- und Nacherbe bestimmt wird und ob eine notarielle Beurkundung nötig ist, lesen Sie hier.

 

5.1 Benennung von Vor- & Nacherben

Sollen Vor- und Nacherbe bestimmt werden, müssen diese im Testament ausdrücklich als solche benannt werden. Um späteren Verwechslungen aus dem Weg zu gehen, sollten vage Formulierungen – z. B. „mein Freund Günther“ – vermieden werden. Stattdessen geben Sie immer sowohl Vor- als auch Familiennamen vollständig an.

Im Folgenden stellen wir Ihnen eine entsprechende Musterformulierung zur Verfügung.

 

5.2 Benennung von Ersatzerben für den Nacherben

Der Erblasser kann darüber hinaus Ersatzerben für den Fall bestimmen, dass der eigentlich vorgesehene Nacherbe – beispielswiese durch vorzeitiges Versterben oder eine Erbausschlagung – wegfällt. In der Folge tritt dieser an die Stelle des Nacherben und ersetzt ihn. Der vorgesehene Ersatzerbe muss dabei eindeutig im Testament benannt werden.

Wird hingegen kein Ersatzerbe bestimmt, droht dem Erblasser eine Erbfolge, die von seinem ursprünglichen Willen abweicht. Das Ziel, bestimmte Personen langfristig vom Erbe fernzuhalten, kann dadurch mitunter verfehlt werden. Vor Eintritt des Ersatzerbfalls verfügt der Ersatzerbe über keinerlei Rechte am Nachlass. Dieser besitzt auch nicht die Sicherungs- und Kontrollrechte eins Nacherbens.

 

5.3 Muster-Formulierung

Die untenstehende Musterformulierung enthält standardisierte Formulierungen. Bitte beachten Sie, dass die Ausgestaltung immer vom jeweiligen Einzelfall abhängt. Deswegen sollten sie diese Formulierungshilfe lediglich als Grundlage betrachten und sie hinsichtlich Ihrer individuellen Situation anpassen.

Wünschen Sie anwaltliche Unterstützung dabei, kontaktieren Sie unseren Anwalt für Erbrecht.

Beispiel: Der Erblasser Max Mustermann lebt mit seiner Ehefrau, Klara Mustermann, und dem gemeinsamen Sohn, Frank Mustermann, in einer Eigentumswohnung. Diese soll im Falle seines Todes vererbt werden. Der Erblasser ernennt seine Ehefrau im Falle seines Todes zur Vorerbin und den gemeinsamen Sohn zum Nacherben. Der Nacherbfall soll wiederum mit dem Tod der Ehefrau eintreten. Der Erblasser ist ein weitsichtiger Mann und möchte alle Eventualitäten berücksichtigen. Deswegen ernennt er zusätzlich noch einen Ersatzerben, der im Falle eines vorzeitigen Todes des gemeinsamen Sohnes an dessen Stelle tritt.

„Hiermit verfüge ich, Max Mustermann, dass mit meinem Tod meine Ehefrau, Klara Mustermann, als nicht befreite Vorerbin eingesetzt wird. Als Nacherbe wird mein Sohn, Frank Mustermann, eingesetzt. Der Nacherbfall soll mit dem Tod meiner Ehefrau Klara Mustermann eintreten. Für den Fall, dass mein Sohn (Nacherbe) vor meiner Ehefrau (Vorerbe) stirbt, bestimme ich meinen Bruder, Micheal Mustermann, als Ersatznacherben für meinen Sohn.“

 

5.3 Notarielle Beurkundung notwendig?

Der Erblasser kann grundsätzlich frei darüber entscheiden, ob er sein Testament eigenhändig verfasst oder es von einem Notar beurkunden lässt. Wenn es beglaubigt werden soll, muss ein Notar aufgesucht werden. Dieser kann vor Formfehlern schützen, die Verständlichkeit des Testaments erhöhen und für eine größere rechtliche Sicherheit verleihen.

Bei der Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft sollten Sie allerdings einen spezialisierten Anwalt einbeziehen. Dieser kann die Rechtsverbindlichkeit der Verfügung gewährleisten und garantiert ein fehlerfreies Testament – kontaktieren Sie dazu gerne unseren Anwalt für Erbrecht.

 

6. Legitimierung des Vorerben durch Erbschein

Aus dem Erbschein, der einem Vorerben zu Legitimationszwecken erteilt wird, muss hervorgehen, dass eine Nacherbschaft angeordnet wurde. Des Weiteren muss er Angaben darüber enthalten, wer unter welchen Bedingungen Nacherbe wird und welchen Beschränkungen der Vorerbe unterliegt.

Sobald der Nacherbfall eintritt, wird der an den Vorerben erteilte Erbschein ungültig. Der Nacherbe kann nicht nur die Herausgabe des Erbscheins vom Vorerben verlangen, sondern auch einen auf seinen Namen laufenden unbeschränkten Erbschein.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in unserem Beitrag „Erbschein“.

 

Nacherbenvermerk im Grundbuch von Immobilien

► Sie haben Fragen um Thema Nacherbe? Hier bieten wir Ihnen die Möglichkeit einer kostenlosen Ersteinschätzung durch unseren Anwalt für Erbrecht.

 

7. Nacherbenvermerk im Grundbuch von Immobilien

Werden Immobilien vererbt, muss immer ein Nacherbenvermerk im Grundbuch eingetragen werden. Durch diesen Schutzmechanismus zugunsten des Nacherben soll eine Verfügung des Vorerben über das Nachlassgrundstück vermieden werden.

Zusätzlich werden dadurch potenzielle Kaufinteressenten von Anfang an abgeschreckt und ein gutgläubiger Kauf durch Dritte verhindert. Der Nacherbe kann dadurch sicher sein, dass niemand das Grundstück vom dazu nicht berechtigten Vorerben erwirbt.

Der Nacherbe muss sich nicht selbst um die Eintragung kümmern. Diese wird von Amts wegen vorgenommen, sobald der Vorerbe als neuer Eigentümer der Immobilie eingetragen wird. Nach Eintritt des Nacherballs wird das Grundbuch unrichtig und der Nacherbe kann dann die Korrektur des Grundbuches und die Löschung des eingetragenen Nacherbenvermerks verlangen.

 

8. Nacherbe verstirbt vorzeitig – was nun?

Durch eine Bestimmung der Vor- und Nacherbschaft kann der Erblasser bestimmen, wem das Erbe langfristig zugutekommt. Allerdings muss der Erblasser bei einer solchen Anordnung immer auch bedenken, dass der eingesetzte Nacherbe vorzeitig versterben kann. Trifft der Erblasser für diesen Fall keine entsprechenden Regelungen, profitieren mitunter Personen vom Erbe, die dafür nicht vorgesehen waren.

Nachfolgend erfahren Sie, wie der Erblasser seinen Nachlass weiterhin steuern kann und welche Rolle dabei Ersatzerben und das Anwartschaftsrecht spielen. Anhand dreier denkbarer Konstellation wird anschließend noch konkret aufgezeigt, wie der Erblasser dadurch ungewollte Erben vermeiden kann.

 

Anwartschaftsrecht ausschließen

Das Anwartschaftsrecht bezeichnet eine gesicherte Aussicht auf ein Erbe. Dementsprechend erhält der Nacherbe (und dessen Erben) mit Eintritt des Vorerbfalls ein Anwartschaftsrecht auf die spätere Nacherbschaft. Nach § 2108 Abs. 2 BGB kann dieses Recht grundsätzlich sowohl veräußert als auch vererbt werden. Allerdings kann dessen Vererblichkeit durch Auslegung oder eine eindeutige Bestimmung des letzten Willens ausgeschlossen werden.

Hierdurch kann der Erblasser Personen weiterhin vom Nachlass fernhalten, die von vorneherein nicht an diesem teilhaben sollten. Das Anwartschaftsrecht des Nacherben erlischt, sobald dieser die Erbschaft ausschlägt oder dieses auf den Vorerben übertragt.

 

Ersatzerben bestimmen

Ersatzerben werden vom Erblasser für den Fall eingesetzt, dass der eigentlich vorgesehene Nacherbe wegfällt – beispielsweise durch vorzeitiges Versterben oder eine Erbausschlagung. Hat der Erblasser für Fälle wie diese keine Ersatzerben bestimmt, droht eine von seinem eigentlichen Willen abweichende Erbfolge. Das ursprüngliche Ziel, bestimmte Personen langfristig vom Erbe fernzuhalten, wird dann mitunter verfehlt.

Dem Ersatzerben stehen vor Eintritt des Ersatzerbfalls keinerlei Rechte am Nachlass zu. Er verfügt weder über die Kontroll- noch über die Sicherungsrechte eines Nacherben.

Will der Erblasser einen Ersatzerben bestimmen, muss er diesen ausdrücklich in seinem Testament benennen.

 

Nacherbe stirbt vor dem Erblasser

Stirbt der Nacherbe vor dem Erblasser, wird die Nacherbfolge hinfällig, wodurch der Vorerbe uneingeschränkter Vollerbe wird.

In der Folge können auch die Erben des verstorbenen Nacherben keine eigenen Ansprüche auf dessen Nachfolge erheben. Hier ist eine Ersatzerbfolge hilfreich, denn in diesem Fall tritt ein Ersatzerbe an die Stelle des ursprünglichen Nacherben. Welche der beiden Möglichkeiten letztlich eintritt, hängt vom Willen des Erblassers ab und muss im Zweifelfall durch die Auslegung des letzten Willens ermittelt werden.

 

Nacherbe stirbt nach dem Erblasser, aber vor dem Vorerben

Stirbt der eingesetzte Nacherbe, nachdem der Erblasser gestorben ist – aber noch bevor der Nacherbfall (in der Regel der Tod des Vorerben) eingetreten ist – geht das Nacherbenanwartschaftsrecht nach § 2108 BGB auf seine eigenen Erben über (Kinder und Enkelkinder des Nacherben).

Allerdings kann der Erblasser die Vererblichkeit des Nacherbenanwartschaftsrechts testamentarisch ausschließen und Ersatzerben bestimmen. Auf diese Weise kann der Erblasser verhindern, dass die Abkömmlinge des Nacherben diesen ersetzen. Stattdessen geht das Nacherberecht dann auf den gewünschten Ersatzerben über.

 

Besonderheit: Vorerbe hat keine eigenen Kinder

Ein Sonderfall liegt vor, wenn der Vorerbe keine Kinder hat und deswegen eingesetzt wird. Bekommt er dann doch ein Kind, gilt die angeordnete Vor- und Nacherbschaft grundsätzlich nicht mehr.

 

9. Erbschaftssteuer beim Nacherbe

Zu den Nachteilen einer Vor- und Nacherbschaft zählt die Doppelbelastung durch die Erbschaftssteuer. Nach dem Erbschaftsteuergesetz liegen hier nämlich zwei Erbfälle vor. Aufgrund dessen fällt sowohl bei Eintritt des Vorerbfalls als auch im Nacherbfall Erbschaftsteuer an. Tritt der Nacherbfall durch den Tod des Vorerben ein, so muss der Nacherbe nach § 6 Abs. 2 Satz 2 ErbStG sein Erbe als vom Vorerben stammend versteuern.

Allerdings kann beim zuständigen Finanzamt ein Antrag gestellt werden, der bei der Besteuerung das Verhältnis des Nacherben zum Erblasser zugrunde legt (§ 6 Abs. 2 S. 2 ErbStG). Vorteilhaft daran sind die günstigere Steuerklasse und damit verbundene höhere Freibeträge. Die jeweilige Steuerklasse beeinflusst nämlich die Erbschaftsteuersätze, die Freibeträge wiederrum sind abhängig vom jeweiligen Verwandtschaftsverhältnis und variieren entsprechend.

Inwiefern das vorteilhaft für die Berechnung der Erbschaftssteuer ist, soll anhand des nachstehenden Beispiels verdeutlicht werden.

Beispiel: Der Vater V bestimmt seinen erwachsenen Sohn S als Nacherben, Vorerbin wird dessen zweite Ehefrau F. Das Nacherbschaftsvermögen beträgt 500.000 Euro und soll mit dem Ableben des Vaters V an den Sohn S übergehen. Werden in diesem Fall die Regelungen aus § 6 Abs. 2. Satz 2 ErbStG zugrunde gelegt, muss der Sohn die Erbschaft als von F stammend versteuern. Da zwischen ihm und der zweiten Ehefrau seines Vaters kein verwandtschaftliches Verhältnis besteht, gilt die Erbschaftssteuerklasse III mit einem Freibetrag von lediglich 20.000 Euro.

Wird hingegen ein Antrag auf Versteuerung auf Grundlage des Verhältnisses zwischen Erblasser und

Nacherben gemäß § 6 Abs. 2 S. 2 ErbStG gestellt, gilt die Erbschaftssteuerklasse I mit einem Freibetrag von 400.000 Euro.

Anders als zwischen der zweiten Ehefrau und dem Sohn besteht zwischen ihm und seinem Vater eine enge Verwandtschaftsbeziehung, wodurch hier eine günstigere Steuerklasse angesetzt wird, die mit einem deutlich höheren Freibetrag einhergeht.

 

Berechnung der Erbschaftssteuer

Die jeweilige Höhe der Erbschaftsteuersätze hängt neben der Steuerklasse auch von der Höhe des Erbes ab. Im ersten Schritt zur Bestimmung der konkreten Erbschaftssteuer wird das gesamte Vermögen des Erblassers zusammengefasst, anschließend werden die jeweiligen Freibeträge berücksichtigt.

Im ersten Fall ergibt sich daraus folgende Berechnung: Vom Nacherbschaftvermögen i. H. v. 500.000 Euro wird der Freibetrag von 20.000 Euro abgezogen, woraus sich ein steuerpflichtiger Erwerb von 480.000 Euro ergibt. Dieser wird mit einem Steuersatz von 30 % belegt – dies entspricht hier 144.000 Euro.  Letztendlich verbleibt dem Sohn ein geerbtes Nettovermögen von 356.000 Euro.

Im zweiten Fall fällt die Berechnung wesentlich positiver für den Nacherben aus, da er hier über einen Freibetrag von 400.000 Euro verfügt. Daraus folgt auch ein deutlich niedrigerer steuerpflichtiger Erwerb von 100.000 Euro. Darüber hinaus wird lediglich ein Steuersatz von 11 % fällig (11.000 Euro). Ihm bleibt folglich ein geerbtes Nettovermögen von 489.000 Euro.

Die Berechnung der Erbschaftssteuer sollte also immer durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass der entsprechende Antrag sinnvoll ist. Daneben existieren noch weitere Möglichkeiten, mit denen die Erbschaftsteuer umgangen werden kann. Diese reichen von der Nutzung bzw. Vervielfachung der Freibeträge über Änderungen der Familienverhältnisse bis zu Schenkungen zu Lebzeiten.

Weitere Alternativen und ausführliche Information zum Thema haben wir für Sie in unserem Beitrag „Erbschaftssteuer umgehen“ zusammengefasst.

Im nächsten Kapitel erfahren Sie, wie und unter welchen Vorrausetzungen ein Nacherbe das Erbe ausschlagen kann.

 

10. Erbausschlagung als Nacherbe

Eine Erbausschlagung kommt vor allem dann in Betracht, wenn die als Nacherbe eingesetzte Person gleichzeitig einen Pflichtteilsanspruch hat. Gründe dafür können dann sein:

  • lange Zeitspanne zwischen dem ursprünglichen Erbfall und dem Antritt der Nacherbschaft und
  • Unsicherheiten über die pflichtgemäße Behandlung des Nachlasses durch den Vorerben.

Wie eine Nacherbschaft ausgeschlagen werden kann und wie es sich dabei mit dem Pflichtteil am Erbe verhält, erfahren Sie im Folgenden.

 

10.1 Wie kann der Nacherbe das Erbe ausschlagen?

Möchte der Nacherbe das Erbe ausschlagen, muss er nach §1946 BGB eigentlich bis zum Eintreten des Nacherbfalls warten. Allerdings ermöglicht § 2142 BGB dem Nacherben ausdrücklich, das Erbe bereits beim Tod des ursprünglichen Erblassers und nicht erst bei Eintritt des Nacherbfalls auszuschlagen.

Dafür muss der Nacherbe seine Erbausschlagung gegenüber dem zuständigen Nachlassgericht innerhalb von sechs Wochen erklären. Diese Frist beginnt erst, sobald er Kenntnis vom Nacherbfall hat. Hierdurch hat der Nacherbe nach dem ersten Erbfall ausreichend Zeit, um sein weiteres Vorgehen zu planen.

Weiterhin muss der Nacherbe die dreijährige Verjährungsfrist seines Pflichtteilanspruches bedenken. Diese beginnt grundsätzlich mit dem Eintritt des ersten Erbfalls. Aus diesem Grund sollte der Nacherbe mit der Ausschlagung nicht warten, bis der Nacherbfall eintritt. Denn grundsätzlich verjährt der Pflichtteil innerhalb der gesetzlichen Verjährungsfrist von drei Jahren.

Worauf Sie bei der Ausschlagung besonders achten müssen, erfahren Sie in unserem Beitrag „Erbschaft ausschlagen“.

 

10.2 Nacherbe ausschlagen & Pflichtteil einfordern

Normalerweise ist es nicht möglich, den Pflichtteil nach einer Erbausschlagung einzufordern, denn diese gesetzliche Mindestbeteiligung am Erbe steht nur pflichtteilsberechtigten Personen zu, die enterbt oder mit einem zu geringen Erbteil bedacht wurden.

Eine Vor- und Nacherbschaft aber gilt als Beschwerung im Sinne des § 2305 BGB. Liegt eine Beschwerung vor, hat der vorgesehene Erbe die Wahl zwischen dem mit ihr belasteten Erbteil und dem Pflichtteil.

Zu einer solchen Ausschlagung sind ausschließlich pflichtteilberechtigte Personen berechtigt – also insbesondere Abkömmlinge und der Ehegatte des Erblassers. Ob diese Option wirklich sinnvoll ist, hängt indes vom Einzelfall ab. Vorteilhaft ist daran jedenfalls die sofortige Verfügbarkeit von Barmitteln.

Darüber hinaus muss der Erbe nicht mit der Ungewissheit leben, ob der Vorerbe das Erbe sorgsam verwaltet. Gleichzeitig aber kann dieser Schritt für ihn wirtschaftlich nachteilig ausfallen. Es ist nämlich dadurch denkbar, dass das Vermögen in der Zeit der Vorerbschaft anwächst – davon würde der Nacherbe allerdings nicht profitieren, wenn er das Erbe ausgeschlagen hat.

Wie erwähnt, können Nacherben das Erbe ausschlagen und aufgrund § 2305 BGB den Pflichtteil einfordern. Die Höhe des Pflichtteils beträgt grundsätzlich die Hälfte des gesetzlichen Anspruches eines Erben. Dieser wird allerdings nicht automatisch ausgezahlt, sondern muss explizit angefordert werden.

Beispiel: Der Erblasser bestimmt seinen eigenen Sohn zum alleinigen Nacherben. Als Vorerbe wird die Mutter des Sohnes bestimmt, die auch Ehefrau des Erblassers ist. Weitere Verwandte sind nicht mehr am Leben. Der Sohn hat die Möglichkeit zu wählen, ob er der alleinige Nacherbe wird oder das Nacherbe ausschlägt und stattdessen seinen Pflichtteil in Höhe von einem Viertel des Erbes fordert.

Weiterführende Informationen zum Thema Pflichtteil und wie sie diesen berechnen können, lesen Sie in unserem Beitrag „Pflichtteil berechnen“.

 

10.3 Folgen der Ausschlagung eines Nacherbes

Wenn der Nacherbe das Erbe ausschlägt, geht der Nachlass endgültig an den Vorerben über. In der Folge kann er frei über Nachlass verfügen und ihn für sich nutzen. Allerdings regelt § 2142 Abs. 2 BGB, dass der Vorerbe nur dann Vollerbe wird, wenn der Erblasser nicht anderes angeordnet bzw. keinen Ersatzerben bestimmt hat.

 

11. Zeitliche Beschränkung der Nacherbfolge

Sind 30 Jahre seit Anordnung der Nacherbfolge verstrichen, verliert die Einsetzung des Nacherben ihre rechtliche Wirkung. In der Folge wird der Vorerbe Vollerbe und seine Beschränkungen entfallen. Ist der Nacherbfall also für den Tod des Vorerben angeordnet und überlebt der Vorerbe den Erblasser um mehr als dreißig Jahre, dann geht das Vermögen auf den Vorerben über.

In einigen Fällen bleibt die Nacherbschaft aber auch nach 30 Jahren noch bestehen. Die Ausnahmen hierzu sind in § 2109 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 und 2 BGB geregelt:

  • Die Nacherbschaft bleibt bestehen, wenn der Eintritt der Nacherbfolge an ein Ergebnis „in der Person des Vorerben geknüpft ist“ (z. B. Hochschulabschluss) oder
  • wenn der Erblasser seine beiden Kinder zu Vor- und Nacherben bestimmt hat und innerhalb der 30-jährigen Frist ein drittes Kind geboren wird – dann wird auf den mutmaßlichen Willen des Erblassers abgestellt, nach welchem auch das dritte Kind Teil der Regelung werden soll. In diesem Fall würde die Frist mit Geburt des dritten Kindes neu beginnen.

Im nächsten Kapitel erfahren Sie, über welche Alternativen zur Nacherbschaft Erblasser verfügen und wann deren Anordnung vorteilhaft ist.

 

12. Alternativen zur Bestimmung von Nacherben

Um die Nachteile einer angeordneten Vor- und Nacherbschaft zu vermeiden – beispielsweise einen Streit zwischen Vor- und Nacherben – sind als Alternativen die Anordnung eines Nießbrauchs oder eines sogenannten Herausgabevermächtnisses vorstellbar. Auch über diese Regelungen kann der Erblasser seinen Nachlass steuern. Wann deren Anordnung infrage kommt und welche Folgen diese Regelung für die Erben hat, lesen Sie im Folgenden.

 

Nießbrauch

Eine mögliche Alternative zur Einsetzung eines Nacherben liegt im sogenannten Nießbrauch. Nießbrauch bezeichnet das Nutzungsrecht von Personen für fremde Sachen, Rechte oder Vermögen. Dem Nießbraucher wird hierbei das Nießbrauchrecht übertragen, ohne dass dieser Eigentümer wird – ihm wird lediglich eingeräumt, eine Sache zu nutzen und wirtschaftliche Vorteile daraus zu ziehen. Das Verfügungsrecht bleibt hingegen beim Eigentümer.

Der Nießbrauch kann sowohl für Sachen als auch für Rechte oder Vermögen gewährt werden. Diese umfassen im Einzelnen: Nießbrauch an Sachen (Immobilien, Grundstücke, bewegliche und verbrauchbare Sachen), Nießbrauch an Rechten (Mietrecht, Forderungen, Abtretungen) und Nießbrauch an Vermögen (Erbschaften, Unternehmen).

Abhängig vom Gegenstand wird der Nießbrauch auf verschiedene Weise erteilt. Im Falle von unbeweglichen Sachen wie Immobilien muss eine schriftliche und notariell beglaubigte Einigung zwischen Eigentümer und Nießbraucher erfolgen. Bei beweglichen Sachen hingegen genügt gemäß § 1032 BGB eine formlose Einigung und anschließende Übergabe.

Informationen darüber, wie ein Nießbrauch bei übertragbaren Rechten und Vermögen bestellt wird, finden Sie in unserem Beitrag „Nießbrauch“.

Beispiel: Der Erblasser gewährt seiner Lebensgefährtin einen lebenslangen Nießbrauch an der gemeinsam bewohnten Eigentumswohnung. Als Erben benennt er allerdings seinen Sohn, der auch Eigentümer der Wohnung ist. Die Lebensgefährtin kann das Haus lebenslang nutzen (vermieten oder bewohnen). Erst nach ihrem Tod kann der Sohn schließlich sein Eigentum unbeschränkt nutzen.

 

Herausgabevermächtnis

Auch durch das sogenannte Herausgabevermächtnis kann der Erblasser seinen Nachlass über seinen Tod hinaus steuern. Dieses räumt dem Vermächtnisnehmer einen Anspruch auf einen Gegenstand aus dem Nachlassvermögen ein, ohne dabei Rechtsnachfolger des Erblassers zu werden. Besonders das aufschiebend befristete Herausgabevermächtnis kommt als Alternative zur Nacherbschaft in Frage. Dabei verfügt der Erblasser (Vermächtnisgeber), dass der Vermächtnisnehmer erst nach dem Tod des Beschwerten (1. Erbe) Ansprüche geltend machen kann.

Im Unterschied zur Vor- und Nacherbschaft geht diese Regelung mit keinerlei Einschränkungen für den zeitlich früheren Erben einher. Die gesetzlichen Vorgaben der Vor- und Nacherbschaft werden nicht berücksichtigt. Dadurch kann dieser frei über das Erbe verfügen. Ein solches Vermächtnis hat somit auch keine Konsequenz zu Lebzeiten des beschwerten Erbens. Denn erst, wenn er verstirbt, kann der Vermächtnisnehmer das Nachlassvermögen verlangen. Allerdings hat dieser nur Anspruch auf das noch vorhandene Vermögen.

Ein Herausgabevermächtnis kann im Rahmen eines Testaments oder eines Erbvertrags angeordnet werden. Der Vermächtnisnehmer muss dabei ebenso eindeutig benannt werden wie der getroffene Nachlassgegenstand. Zudem muss geregelt werden, wie die Erfüllung des Vermächtnisses gesichert wird. Hierfür kann der Erblasser einen Testamentsvollstrecker ernennen, der diese Aufgabe übernimmt.

Beispiel: Die Ehefrau des Erblassers wird als Alleinerbin für die gemeinsam bewohnte Eigentumswohnung eingesetzt. Der Ehemann verfügt über das Herausgabevermächtnis, dass sie bei einer erneuten Heirat die Eigentumswohnung an den gemeinsamen Sohn herausgeben muss.

 

13. Zusammenfassung: Vor- & Nachteile der Einsetzung eines Nacherben

Möchten Sie ihr Vermögen auch über Ihren Tod hinaus langfristig in der Familie halten, kann die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft sinnvoll sein. Welche Vor- und Nachteile eine solche Regelung bietet, haben wir für Sie zusammengefasst:

Vorteile:

✓    unerwünschte gesetzliche Erben oder Pflichteilberechtigte werden vom Nachlass ferngehalten,

✓    das Vermögen kann über zwei Generation vererbt werden,

✓    noch nicht gezeugte Personen können als Nacherben eingesetzt werden und

✓    der Erblasser kann das Verhalten des Vor- und Nacherben beeinflussen.

 

Nachteile:

X    Die Regelung führt oftmals zu familiären Belastungen,

X    der Vorerbe ist eine Verfügungsmacht stark eingeschränkt,

X    der Nacherbe muss bisweilen sehr lange auf sein Erbe warten,

X    komplizierte testamentarische Anordnung und

X    steuerlich nachteilig.

 

14. Tipp: kostenfreie Ersteinschätzung im Erbrecht

Wenn Sie Ihr Erbe über zwei Generationen hinweg vererben und gleichzeitig unerwünschte gesetzliche Erben ausschließen wollen, sollten Sie die Einsetzung von Vor- und Nacherben erwägen. Ihre Fragen zu Nacherbschaft und Nacherbe beantwortet Ihnen gern einer unserer erfahrenen Anwälte für Erbrecht im Rahmen unserer kostenfreien Ersteinschätzung.

 

► Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen zum Nacherbe kostenfrei mit unserem Anwalt für Erbrecht zu besprechen.

Einfach Ihr Anliegen kurz schildern, absenden und noch am selben Tag eine kostenfreie telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

 

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