Alleiniges Sorgerecht

 

 

Um ein alleiniges Sorgerecht zu erhalten, muss ein Verfahren beim Familiengericht eingeleitet werden. Wonach wird dort entschieden? Wie läuft die Antragsstellung ab? Kann man das Sorgerecht zurückerhalten? Wann macht eine Rechtsberatung Sinn?

Alleiniges Sorgerecht

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In diesem Artikel erfahren Sie unter anderem, was für das Familiengericht bei der Erteilung des Sorgerechts im Vordergrund steht, nach welchen Kriterien entschieden wird und was klare Gründe sind, das Sorgerecht zu entziehen.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Warum das Kindeswohl im Zentrum steht
2. Was beim Sorgerechtsantrag zu beachten ist
3. Kriterien des Familiengerichts für die Erteilung des alleinigen Sorgerechts?
4. Was sind klare Gründe für einen Sorgerechtsentzug?

 

Grundsätzlich ist in Deutschland das alleinige Sorgerecht eher selten. In den meisten Fällen haben die Elternteile geteiltes Sorgerecht. Damit wird sichergestellt, dass das Kind zwei Bezugspersonen hat. Verheiratete Paare haben von der Geburt des Kindes an automatisch geteiltes Sorgerecht. Bei unverheirateten Paaren hat vorerst die Mutter alleiniges Sorgerecht, es kann dem Vater aber recht komplikationsfrei zugesprochen werden.

Das alleinige Sorgerecht entsteht in der Praxis aus zwei Fällen heraus – entweder durch den Tod eines Elternteiles oder durch ein Urteil eines Familiengerichts. 

 

1. Alleiniges Sorgerecht beantragen: Kindeswohl im Zentrum 

Das Familiengericht greift dann in die aktuelle Sorgerechtskonstellation ein, wenn das Wohl des Kindes auf dem Spiel steht. Das kann sich sowohl auf das körperliche als auch auf das geistige und seelische Wohl beziehen. Aber auch eine Gefährdung des Vermögens des Kindes kann ein Grund sein. Eine Scheidung der Eltern ist kein Grund, zumal nach der Scheidung das geteilte Sorgerecht erhalten bleibt.

 

2. Alleiniges Sorgerecht beantragen: das ist zu beachten

Soll das Sorgerecht im Einvernehmen auf ein Elternteil übertragen werden, genügt ein formloser knapper Antrag an das zuständige Familiengericht. Wesentlich komplizierter wird es, wenn sich der andere Partner weigert. Dann sollte eine Rechtsberatung in Betracht gezogen werden.

In einem uneinigen Fall müssen Beweise vorgelegt und ausführlich begründet werden, warum das alleinige Sorgerecht besser für das Wohl des Kindes sei. Häufig bietet das Jugendamt eine Beratung zum Verfassen dieser Schreiben an und bestätigt den Inhalt, wenn notwendig auch vor Gericht. Häufig wird auch der Antrag an sich vom Jugendamt gestellt, wenn Gefährdung vorliegt.

Das Familiengericht bezieht unter anderem das Umfeld, die Unterbringung und die finanzielle Situation in die Entscheidung zugunsten eines Elternteiles mit ein. Der komplette Entzug des Sorgerechts ist jedoch die letzte Möglichkeit und wird von den Gerichten so lange wie möglich verhindert. Häufig wird eine mildere Variante, wie zum Beispiel die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts auf eines der beiden Elternteile, gewählt.

Das Jugendamt tritt in einer Verhandlung als Stimme für das Kind ein und achtet darauf, dass im Interesse des Kindes gehandelt und dieses Ziel nicht aus den Augen verloren wird. Eltern sollten mit den Mitarbeitern des Jugendamts stets kooperieren.

 

3. Kriterien des Familiengerichts für das alleinige Sorgerecht

Die Richter des Familiengerichts entscheiden nach den Kriterien Kontinuität, Förderung und sozialer Bindung.

Die Kontinuität beschreibt eine einheitliche, stabile Erziehung. Das bedeutet eine feste Bezugsperson und Verlässlichkeit für das Kind. Dementsprechend wird zum Beispiel in die Entscheidung des Gerichtes einbezogen, zu welchem Elternteil das Kind die stärkere Bindung hat.

Die Förderung bezieht sich auf die Möglichkeiten, die ein Elternteil dem Kind bieten kann. Bildungsgrad und finanzieller Status werden als Kriterien geprüft.

Um das Kind nicht unnötig zu belasten, wird das soziale Umfeld geprüft. Dazu zählen z. B. der Freundeskreis, die Schule bzw. Kita des Kindes, die Nähe zu Verwandten usw.

Ab dem 14. Lebensjahr muss das Kind selbst auch nach seinen Wünschen befragt werden. Auch bei jüngeren Kindern kann das unter Umständen schon geschehen, ist aber in der Regel abhängig vom Reifegrad des Kindes und ist somit eine Einzelfallentscheidung.

Trotzdem darf ein Kind mit 14 Jahren, entgegen der allgemeinen Annahme, noch nicht selbst entscheiden, wo es leben möchte bzw. wer das Sorgerecht erhält.

 

Alleiniges Sorgerecht

 

4. Klare Gründe für einen Sorgerechtsentzug

Obwohl das Gericht bei Sorgerechtsstreitigkeiten den Fall immer individuell betrachtet, gibt es doch einige Gründe, die sich sehr klar gegen den Erhalt des Sorgerechts auswirken:

  • Misshandlung,
  • Kindesvermögensgefährdung,
  • Erziehungsfehler,
  • Missbrauch des Sorgerechts,
  • Gesundheitsgefährdung,
  • Vernachlässigung,
  • Nichteinhalten der Schulpflicht,
  • Gefährliches Umfeld durch Dritte.

Bei vielen Aspekten spielt es keine Rolle, ob die Situation bewusst oder unbewusst durch das Elternteil verursacht wurde. Erziehungsfehler beispielsweise können auch einfach auf Überforderung beruhen. Für das Familiengericht ist das allerdings kein Grund, auf den Entzug des Sorgerechts zu verzichten.

Unter Umständen kann man das Sorgerecht zurückerhalten. Das hängt aber stark vom Einzelfall ab. Dazu sollte unbedingt ein Anwalt beauftragt werden oder zumindest eine Rechtsberatung in Anspruch genommen werden, um erste Fragen und Möglichkeiten zu klären.

 

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