Ratgeber
Familienrecht
Unterhalt
Unterhalt volljährige Kinder: Das müssen Eltern zahlen

 

Unterhalt volljährige Kinder: Das müssen Eltern zahlen

 

 

Vollendet das Kind das achtzehnte Lebensjahr, gilt es als volljährig und das Sorgerecht der Eltern erlischt. Im Gegensatz dazu ist der Kindesunterhalt nicht mit dem Alter des Kindes verbunden. Unterhalt ist vielmehr auch während der Berufsausbildung zu leisten. Was ist zu beachten? Wie errechnet sich der Kindesunterhalt?

Unterhalt volljährige Kinder: Das müssen Eltern zahlen
Unterhalt volljähriger Kinder - das ist zu beachten, so berechnet er sich

Lesezeit: ca. 2 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie, warum beim Unterhalt für volljährige Kinder zwischen privilegierten und nicht-privilegierten Kindern unterschieden wird, wie sich der Unterhalt für Schüler, Azubis und Studenten bestimmt und wie sich der Unterhalt konkret berechnen lässt. 

Dazu haben Sie die Möglichkeit, Ihren Unterhaltsfall einem unserer Anwälte zu schildern.
Mit der advocado-Zufriedenheitsgarantie gehen Sie kein Risiko ein.

Einfach das Rechtsproblem schildern, absenden und wenig später Angebote von qualifizierten Rechtsanwälten erhalten. advocado übernimmt die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist der Unterschied zwischen privilegierten und nicht-privilegierten Kindern?
2. Wie bestimmt sich der Unterhalt für volljährige Schüler?
3. Wie bestimmt sich der Unterhalt für volljährige Azubis?
4. Wie bestimmt sich der Unterhalt für volljährige Studenten?
5. Wie berechnet sich der Unterhalt?
6. Wie ist die Rangfolge bei mehreren Kindern?
7. Wie wird der Unterhalt im konkreten Fall berechnet?
8. Wie kann ein Anwalt helfen?

 

Mit Eintritt der Volljährigkeit ist das Kind grundsätzlich für sich selbst verantwortlich. Der Gesetzgeber geht aber davon aus, dass es auch zu den Pflichten der Eltern gehört, die Ausbildung des Kindes zu ermöglichen und es dementsprechend finanziell zu unterstützen. Ab der Volljährigkeit muss das Kind seinen Unterhaltsanspruch selbst geltend machen.

 

1. Privilegierte und nicht-privilegierte Kinder

Wichtig beim Unterhalt für volljährige Kinder ist die Unterscheidung zwischen privilegierten und nicht-privilegierten Kindern. Privilegierte Kinder sind nämlich gesetzlich den minderjährigen Kindern in Bezug auf den Kindesunterhalt gleichgestellt. Privilegiert sind Kinder, die

  • das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und
  • im Haushalt der Eltern leben und
  • sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden und
  • unverheiratet sind.

Die Lebenssituation der privilegierten volljährigen Kinder ähnelt also sehr der von minderjährigen. Der Unterhalt für volljährige Kinder, die privilegiert sind, richtet sich deshalb nach den allgemeinen Unterhaltsbestimmungen.

Nicht-privilegiert sind hingegen Volljährige, die diesen Voraussetzungen nicht entsprechen. Dies wirkt sich insbesondere auf die Rangfolge und Berechnung aus.

 

2. Unterhalt volljähriger Schüler

Der Unterhalt für volljährige Schüler bestimmt sich grundsätzlich wie der normale Kindesunterhalt, da sich in aller Regel eine Privilegierung im unterhaltsrechtlichen Sinne ergibt. Als Besonderheit gilt für den Unterhalt Volljähriger aber, dass sich dieser nicht mehr als Naturalunterhalt darstellt, sondern beide Elternteile Barunterhalt entrichten müssen.

Allerdings kann der Elternteil, bei dem das Kind lebt, die Kosten für Wohnung und Versorgung mit dem weiteren Unterhalt verrechnen. Welche Posten mit dem Unterhalt verrechnet werden, kann von einem Anwalt in einer Rechtsberatung geklärt werden.  

Eine weitere Änderung bezüglich des Kindesunterhalts bei Volljährigen: Das Kindergeld muss direkt an das Kind weitergeleitet werden und kann somit auf die Unterhaltsforderung zu 100 % angerechnet werden.

 

3. Unterhalt volljähriger Auszubildender

Auch für die erste Berufsausbildung müssen Eltern grundsätzlich aufkommen. Zu beachten ist dabei aber, dass die Ausbildungsvergütung – abzüglich von Fahrtkosten und einer Pauschale von 90 Euro im Monat – auf den Anspruch angerechnet wird.

Besonderes Konfliktpotential ergibt sich bei der abgebrochenen Berufsausbildung: Müssen die Eltern auch weiterhin zahlen, wenn das Kind die Ausbildung abbricht? Ja, grundsätzlich besteht der Anspruch auf Zahlung des Unterhaltes auch bei Abbruch der Ausbildung fort. So verpflichtet das sogenannte Gegenseitigkeitsprinzip das Kind zwar zielstrebig und mit Fleiß am Berufsabschluss zu arbeiten, eine gewisse Orientierungsphase muss den jungen Menschen aber zugebilligt werden (vgl. OLG Celle, Urteil v. 10.10.2013, 610 F 5057/12).

Ein Ausschluss vom Unterhalt für volljährige Kinder beim Abbruch der Ausbildung kann sich aber dann ergeben, wenn das Kind durch ständiges Abbrechen von verschiedenen Ausbildungen ein Weiterlaufen des Unterhaltsanspruchs provoziert oder das Kind längere Zeit arbeitslos bleibt und sich keinen neuen Ausbildungsplatz sucht.

Im Grundsatz gilt der Unterhaltsanspruch nur für die erste Ausbildung. Der Unterhalt für volljährige Kinder kann sich aber über den ersten Berufsabschluss hinausziehen, wenn an die Ausbildung unverzüglich ein Studium angeschlossen wird, was im sachlichen Zusammenhang mit der Ausbildung steht. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Anschlussausbildung und Zweitausbildung. Handelt es sich um eine unabhängige Zweitausbildung, trifft die Eltern keine Finanzierungspflicht.

 

Anwalt Unterhalt volljährige Kinder Anwalt Rechtsberatung Rechtsanwalt

 

4. Unterhalt volljähriger Studenten

Auch das Studium ist im Rahmen der ersten Ausbildung vom Unterhalt für Volljährige erfasst. Maßgeblich ist dabei, dass das Kind die durchschnittliche Studiendauer nicht überschreitet, da auch zwischen Studierenden und Eltern das Gegenseitigkeitsprinzip greift.

Auch hier gilt: Ein Abbruch des Studiums nach einigen Semestern führt nicht automatisch zum Erlöschen der Unterhaltspflicht. Auch hier gibt es nämlich eine Orientierungsphase, allerdings darf diese nicht überstrapaziert werden. Es sollte also nach zwei bis drei Semestern eine Entscheidung getroffen werden.

Das BAföG gilt als unterhaltsrechtliches Einkommen und ist dementsprechend auf den Unterhalt für volljährige Kinder anzurechnen.

 

5. Berechnung des Unterhalts

Wie wird der Kindesunterhalt für Volljährige berechnet? Zunächst ist festzustellen, dass beide Elternteile dem Kind unterhaltspflichtig sind und ihr bereinigtes Nettoeinkommen maßgeblich ist. Fällt der Volljährige unter die Privilegierung, richtet sich der Unterhalt für Volljährige nach der Düsseldorfer Tabelle. Der Selbstbehalt der Eltern beträgt dabei 1.080 Euro bei Erwerbstätigkeit und 880 Euro bei Erwerbslosigkeit.

Bei nichtprivilegierten Kindern beträgt der Selbstbehalt der Elternteile 1.300 Euro im Monat. Lebt das Kind noch bei den Eltern, richtet sich der Bedarf nach der Düsseldorfer Tabelle. Lebt das Kind allein, beträgt der Regelsatz aktuell 735 Euro. Bei sehr hohen Einkommen kann der Regelsatz ausnahmsweise angehoben werden.

Es gibt bestimmte Einkünfte, die auf den Unterhalt für Volljährige angerechnet werden, z. B. Stipendien oder auch Einkünfte aus Nebenjobs. Welche Einkünfte im Einzelfall angerechnet werden, kann in einer Beratung von einem Anwalt geklärt werden.

 

6. Die Rangfolge bei mehreren Kindern

Komplizierter wird die Rechnung, wenn Unterhalt an mehrere Kinder zu leisten ist. Dort bestimmt maßgeblich die Rangfolge, welches Kind Vorrang bezüglich der Unterhaltszahlungen hat. Dabei stehen die privilegierten volljährigen Kinder minderjährigen Kindern gleich. Sie stehen auf dem ersten Rang.

Volljährige nicht-privilegierte Kinder treten dahinter zurück und können den Unterhalt nur nach Zahlung des vollen Unterhalts an die Kinder erster Stufe aus dem übrig gebliebenen unterhaltsrechtlich relevanten Einkommen verlangen.

 

7. Berechnungsbeispiel

Folgende Situation liegt vor: Das Kind studiert mit eigener Wohnung ohne anrechnungsfähiges Einkommen und ohne BAföG-Anspruch.

Bereinigtes Nettoeinkommen Mutter: 3.900 Euro. Bereinigtes Einkommen Vater: 2.400 Euro

Der Bedarf des Kindes beträgt nach dem Regelsatz 735 Euro, von dem 190 Euro Kindergeld abgezogen werden. Somit sind von den Eltern noch 545 Euro zu zahlen.

Nun wird der Selbstbehalt abgezogen. Folglich beträgt das unterhaltsrelevante Einkommen der Mutter 2.600 Euro (3.900 Euro - 2.400 Euro) und das Einkommen des Vaters 1.100 Euro (2.400 Euro - 1.300 Euro).

Aus dem Einkommen der Eltern werden dann die Anteile errechnet:

Anteil der Mutter: 545 * 2.600 / 3.700 = 382,97 €

Anteil des Vaters: 545 * 1.100 / 3.700  = 162,03 €

Bei mehreren Kindern oder anrechnungsfähigen Einkünften gestaltet sich die Berechnung schwieriger, da nun mehrere Kriterien Einfluss in die Rechnung haben. Sollten Sie Schwierigkeiten bei der Berechnung Ihres Anspruchs haben, kann eine Rechtsberatung vom Anwalt lohnenswert sein.

 

8. Wie kann ein Anwalt helfen?

Sie haben ein Problem aus dem Unterhaltsrecht?  Unsere Anwälte bieten Ihnen ihre Hilfe an. Einfach das Rechtsproblem schildern, absenden und wenig später Angebote von qualifizierten Rechtsanwälten erhalten. advocado übernimmt die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

Wir haben die Lösung für Ihr Rechtsproblem Über 325 Anwälte helfen bei Problemen
  • Beratungsangebote von Anwälten aus der Nähe erhalten
  • Unverbindliche Anfrage: Sie gehen keinen Vertrag ein

 



Das könnte Sie auch interessieren ...





Weitere Beiträge zum Thema Unterhalt
Pflichtteil einfordern Musterbrief, Muster & Vorlagen
Pflichtteilsanspruch abwehren – Strategien und Vorgehensweisen
Pflichtteil Ehegatte: Höhe des Pflichtteilsanspruchs für Ehegatten

mehr...

Zurück


 

Sie haben noch offene Fragen?

Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung

0800 400 18 80
Rund um die Uhr erreichbar
Wenn Sie weiterhin auf dieser Seite bleiben, erklären Sie sich mit der Nutzung von Cookies einverstanden.
Weiterlesen …