Corona Flugausfall: Diese Regelungen gelten jetzt für Reisende

Dustin Pawlitzek

Juristische Redaktion

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Update vom 24. April 2020:

Verbraucher behalten bei stornierten Flug- und Pauschalreisen weiterhin das Recht, zwischen Gutschein und Rückzahlung zu wählen.

Die EU-Kommission hat die geplante Gesetzesänderung der Bundesregierung zurückgewiesen. Die Neuregelung sah vor, dass Verbraucher für stornierte Flüge und Pauschalreisen nur noch Gutscheine statt einer Erstattung erhalten sollen.

EU-Justizkommissar Didier Reynders betonte, dass nationale Entscheidungen im Einklang mit dem EU-Recht stehen müssten.

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Zusammenfassung

Kommt es wegen Corona zum Flugausfall, haben Verbraucher Anspruch auf Erstattung des Ticketpreises. Pauschalreisende können eine Buchung mit Bezug auf die aktuellen Umstände auch selbst kostenfrei stornieren. Bei Individualreisen ist dies schwieriger – der Einzelfall entscheidet.

 

Auf einen Blick

  • Auch während der Corona-Pandemie gelten die Regeln der europäischen Fluggastrechteverordnung – für nationale und internationale Flüge.
  • Bei Flugausfall oder Verspätung um mehr als 5 Stunden haben Passagiere Anspruch auf Erstattung.
  • Eine Umbuchung oder Reisegutscheine können Verbraucher akzeptieren – müssen sie aber nicht.
  • Unmittelbar bevorstehende Pauschalreisen können Verbraucher auch selbst kostenfrei stornieren.
  • Es ist häufig nicht möglich, individuell gebuchte Flüge und Unterkünfte kostenfrei selbst zu stornieren – Reisende sind auf die Kulanz des Anbieters angewiesen.
  • Reiserücktrittsversicherungen übernehmen keine Kosten, wenn Verbraucher eine Reise aus Angst vor dem Coronavirus selbst stornieren.

 

1. Muss die Airline den Ticketpreis erstatten, wenn es wegen Corona zum Flugausfall kommt?

Ja. Auch unter den außergewöhnlichen Umständen der Corona-Pandemie gelten die Regelungen der europäischen Fluggastrechteverordnung – für nationale und internationale Flüge.

Kommt es wegen Corona zum Flugausfall oder verspätet sich die Maschine um mehr als 5 Stunden, können Passagiere die Reise abbrechen.

Reisende haben dann die Wahl zwischen 2 Optionen:

  • Erstattung des Ticketpreises:
    Die Airline muss den vollen Flugpreis binnen 7 Tagen erstatten.
  • Kostenfreie Umbuchung auf einen Alternativflug:
    Bei Abflug am Folgetag trägt die Fluggesellschaft die Kosten für Hotelübernachtung und Transfer.

 

Wenn die Airline einen Alternativflug bereitstellt, der sein Ziel pünktlich oder mit geringer Verspätung erreicht, müssen Fluggäste dies grundsätzlich hinnehmen.

 

Was gilt bei Flugreisen mit Zwischenstopp?

Fällt wegen des Coronavirus ein Anschlussflug aus, wird ebenfalls eine Erstattung fällig. Außerdem muss die Fluggesellschaft betroffene Fluggäste auf eigene Kosten zum Ausgangsflughafen zurückbringen.

Die Airline darf die Kosten für den Rücktransport nicht von der Rückzahlung der Ticketkosten abziehen.

 

2. Muss ich einen Reisegutschein statt einer Erstattung akzeptieren?

Nein. Auch wenn die Corona-Krise den Flugausfall verursacht, müssen Passagiere keine Gutscheine akzeptieren. Sie haben Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises.

Aus 2 Gründen sollten Verbraucher eine Rückzahlung vorziehen und besser keine Reisegutscheine annehmen:

  • Flexibilität: Der Gutschein bindet den Passagier an die Airline: Er kann ihn nur beim ausstellenden Anbieter einlösen. Womöglich bietet die Konkurrenz zum Zeitpunkt der Ersatzbuchung aber einen günstigeren Tarif oder eine bessere Verbindung an.
  • Insolvenzrisiko: Sollte die Fluggesellschaft den Betrieb nicht aufrecht erhalten können und Insolvenz anmelden müssen, ist der Gutschein wertlos.

 

Mandanten berichten, dass einige Fluggesellschaften derzeit bei gestrichenen Flügen auf eine Erstattung in Form von Reisegutscheinen bestehen. Dies entbehrt jeder gesetzlichen Grundlage.

Lassen Sie sich in einem kostenfreien und unverbindlichen Erstgespräch mit einem Anwalt für Reiserecht zu Ihren Rechten und Handlungsmöglichkeiten beraten. Stellen Sie dazu bitte hier Ihre Anfrage.

 

3. Bekomme ich auch eine Erstattung, wenn ich meinen Flug selbst storniere?

Passagiere, die einen Flug selbst stornieren, haben keinen gesetzlichen Anspruch auf die Rückzahlung des Flugpreises – selbst wenn das Zielland einen Einreisestopp verhängt hat.

Denn Verbraucher können einen gebuchten Flug – anders als Fluggesellschaften – nach europäischem Recht nicht wegen außergewöhnlicher Umstände stornieren.

Das bedeutet: Auch während der Corona-Pandemie gelten die gewöhnlichen Stornierungsbedingungen der Fluggesellschaft. Verbraucher müssen Stornogebühren zahlen und bekommen nur einen Teil der Ticketkosten erstattet.

 

Alternativen zur Stornierung

Vor der Stornierung sollten Fluggäste deshalb 2 Alternativen in Erwägung ziehen:

  • Kulanzregelung mit der Fluggesellschaft anstreben
    Viele Fluggesellschaften bieten ihren Kunden derzeit freiwillig an, einen Flug zu stornieren oder zumindest ohne zusätzliche Gebühren umzubuchen. Findet sich auf der Website des Anbieters kein Hinweis dazu, lohnt es sich, direkten Kontakt mit der Airline aufzunehmen, um die Möglichkeit einer kulanten Lösung individuell zu besprechen.
  • Auf eine Stornierung durch die Airline spekulieren
    Eine weitere Option ist es, darauf zu spekulieren, dass die Airline den Flug selbst streichen wird. Es ist zu erwarten, dass viele Airlines auch auf absehbare Zeit wegen Einreisestopps und Grenzschließungen einen Großteil ihrer Flüge werden stornieren müssen. Führt Corona zum Flugausfall, erhalten Reisende die vollen Ticketkosten erstattet oder können alternativ kostenfrei umbuchen (siehe Kapitel 1). Das Abwarten birgt allerdings das Risiko des Totalverlustes: Findet der Flug wie geplant statt, zahlen auch Passagiere, die nicht an Bord gehen, trotzdem den vollständigen Flugpreis.

 

4. Gibt es bei Flugausfall wegen Corona eine zusätzliche Entschädigung?

Das kommt darauf an: Wurde der Flug wegen des Coronavirus storniert oder steckt eine wirtschaftliche Entscheidung der Fluggesellschaft dahinter?

 

Flugausfall wegen des Coronavirus

Das Auswärtige Amt rät dringend von nicht notwendigen touristischen Reisen in das Ausland ab. Die meisten Flüge werden derzeit wegen der weltweiten Reisewarnung und Grenzschließungen annulliert.

Stornierte Flüge in Hochrisikogebiete sind nicht entschädigungsberechtigt. Aktuelle Leitlinien der EU-Kommission werten Corona-bedingte Flugausfälle als „außergewöhnlichen Umstand“.

Fluggesellschaften trifft kein Verschulden. Sie haben keinerlei Einfluss auf die aktuelle Situation und müssen daher keine Entschädigungszahlungen leisten, wenn es durch die Folgen von Corona zum Flugausfall kommt.

 

Anders als Fluggesellschaften müssen Bahnunternehmen ihren Passagieren auch dann Entschädigung zahlen, wenn es wegen außergewöhnlicher Umstände zu einem Zugausfall oder Verspätungen von mehr als 60 Minuten kommt.

 

Flugausfall aus wirtschaftlichen Gründen

Wegen des Virus gehen die Passagierzahlen stark zurück. Viele Flugverbindung sind derzeit nicht mehr ausgelastet. Die Folge: Airlines legen Flüge zusammen oder streichen sie komplett.

Sind wirtschaftliche Gründe und nicht Corona für den Flugausfall verantwortlich und hat die Airline weniger als 14 Tage vor Abflug über die Flugannullierung informiert, haben betroffene Passagiere einen Anspruch auf Entschädigung bei Flugausfall.

In den folgenden Fällen haben Passagiere einen Anspruch auf eine zusätzliche Entschädigung:

  • Für die Flugstrecke liegen keine Einschränkungen durch Grenzschließungen vor.
  • Es besteht keine offizielle Reisewarnung für das Zielgebiet.
  • Die Stornierung erfolgte weniger als 14 Tage vor Abflug.

Die europäische Fluggastrechteverordnung sieht abhängig von der Flugdistanz (Luftlinie) unterschiedliche Entschädigungspauschalen vor:

  • Für eine Kurzstrecke bis zu 1.500 Kilometer: 250 €
  • Für eine Mittelstrecke bis zu 3.500 Kilometer: 400 €
  • Für eine Langstrecke über 3.500 Kilometer: 600 €

Die europäische Fluggastrechteverordnung gilt für Flüge, die von einem europäischen Flughafen starten bzw. auf einem europäischen Flughafen landen und von einer europäischen Fluggesellschaft durchgeführt werden.

In allen anderen Fällen gilt das Montrealer Abkommen. Es legt keine pauschalen Ausgleichszahlungen fest – Reisende müssen individuell mit der Airline verhandeln.

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5. Was gilt bei der Stornierung von Pauschalreisen?

Storniert der Reiseveranstalter eine Pauschalreise, gelten die gleichen Regelungen wie bei einem durch Corona bedingten Flugausfall.

Kunden haben dann Anspruch auf Rückzahlung des vollen Reisepreises und müssen weder eine Umbuchung noch eine Erstattung in Gutscheinform akzeptieren (siehe Kapitel 1).

 

Kann ich eine Pauschalreise auch kostenfrei selbst stornieren?

Ja, eine unmittelbar bevorstehende Pauschalreise können Urlauber wegen der Pandemie und ihren Auswirkungen auch selbst kostenfrei stornieren. Dies ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt.

Es müssen dafür zum Reisezeitpunkt am Reiseziel „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände“ herrschen, die die Reise „erheblich beeinträchtigen“.

Die Voraussetzungen sind durch die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes und Einreisebeschränkungen zahlreicher klassischer Reiseländer für deutsche Touristen erfüllt.

Findet die Reise erst in ein paar Wochen oder Monaten statt, kommt es darauf an, wie sich die Situation bis dahin entwickelt. Eine kostenfreie Stornierung wird solange möglich sein, wie zum Reisezeitpunkt unvermeidliche und außergewöhnliche Umstände vorherrschen.

 

Was gilt, wenn eine Pauschalreise abgebrochen oder die Route geändert wird?

Wird eine Pauschalreise vom Veranstalter abgebrochen oder anders durchgeführt als vertraglich vereinbart – zum Beispiel, weil Stationen einer Rundreise ausgelassen wurden –, liegt ein Reisemangel vor.

Bei Mängeln haben Urlauber Anspruch auf Minderung – auch wenn den Veranstalter kein Verschulden trifft. In welcher Höhe eine Reisepreisminderung angemessen ist, hängt vom konkreten Einzelfall ab.

Eine Orientierung bietet die sogenannte Frankfurter Tabelle: Sie fasst rechtskräftige Gerichtsurteile über die Höhe von Entschädigungszahlungen im Reiserecht zusammen.

Ihren Minderungsanspruch müssen Reisende schriftlich beim Veranstalter einfordern und eine Frist zur Rückzahlung des zu viel bezahlten Betrages setzen.

Wird eine Pauschalreise abgebrochen, muss der Reiseveranstalter zusätzlich für den Rücktransport seiner Gäste sorgen und für die Mehrkosten aufkommen.

 

6. Welche Rechte haben Individual­reisende jetzt?

Für einen individuell gebuchten Flug gelten die Regeln aus Kapitel 1 dieses Beitrags: Kommt es wegen Corona zum Flugausfall, muss die Fluggesellschaft den Ticketpreis vollständig erstatten.

Findet der Flug wie geplant statt, gelten die normalen Stornierungsbedingungen der Airline. Viele Fluggesellschaften zeigen sich aber derzeit kulant und ermöglichen Stornierungen oder Umbuchungen – weitere Informationen dazu in Kapitel 3.

 

Was gilt für die Unterkunft?

Ob eine individuell gebuchte Unterkunft kostenfrei stornierbar ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Das hängt vom lokalen Recht des Reiselandes ab.

Gemäß deutschem Recht müssen Reisende nicht für eine Unterkunft bezahlen, die sie nicht nutzen können.

Es spricht vieles dafür, dass dies auch unter juristischen Gesichtspunkten in der aktuellen Situation zutrifft: In Deutschland dürfen Hotelbetriebe mit Beschluss vom 16. März 2020 keine touristischen Gäste mehr beherbergen.

International kann die Rechtslage anders aussehen. Reisenden empfiehlt sich, Kontakt mit der Unterkunft aufzunehmen und eine kulante Lösung anzustreben.

Ist keine Einigung möglich und besteht der Hotelier auf Stornogebühren, erhalten Reisende im kostenfreien und unverbindlichen Erstgespräch mit einem Anwalt für Reiserecht eine fachliche Einschätzung zu ihrem Einzelfall. Stellen Sie hier Ihre Anfrage und ein spezialisierter Anwalt ruft Sie binnen 2 Stunden zurück.

 

7. Springt meine Reiserücktrittsversicherung ein?

Nein, die Reiserücktrittsversicherung springt nicht ein, wenn Versicherte eine Reise aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus stornieren.

Auch eine (Teil-)Reisewarnung des Auswärtigen Amtes und Einreiseverbote sind keine versicherten Ereignisse.

Eine Reiserücktrittsversicherung springt nur ein, wenn Versicherte eine Reise aus einem versicherten Grund nicht antreten können, z. B. weil sie schwer erkrankt sind.

 

Viele Reiserücktrittsversicherungen schließen Krankheiten, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Pandemie eingestuft werden, vom Versicherungsschutz aus. Eine Infektion mit dem Coronavirus ist demnach häufig kein versicherter Rücktrittsgrund.

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Dustin Pawlitzek

Nach einem Journalismus-Studium und fünf Jahren in der Unternehmenskommunikation eines Technologiekonzerns schreibt Dustin Pawlitzek bei advocado zu den Gebieten Arbeits- und Zivilrecht. Ziel ist, komplexe juristische Themen verständlich aufzubereiten, damit Leser passende Lösungen erhalten.

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