Anzeige wegen Diebstahl

Anzeige wegen Diebstahl
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Anzeige wegen Diebstahl – was genau ist Diebstahl?

Laut § 242 StGB begeht jemand einen Diebstahl, „wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen […]“. Einfache Diebstähle werden in der Regel mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet. Selbst der Versuch ist strafbar.

 

Anzeige wegen Diebstahl – welche Art von Diebstahl wird Ihnen vorgeworfen?

Entscheidend für das zu erwartende Strafmaß ist die Art des Vergehens. Zu Beginn einer Rechtsberatung durch einen Anwalt sollten Sie daher klären, ob die Anzeige wegen Diebstahl gerechtfertigt ist. Haben Sie sich überhaupt eines Diebstahls schuldig gemacht und wenn ja, welcher Art?

Überlegen Sie sich in Zukunft genau, ob Sie zum Verkauf angebotene Lebens- oder Genussmittel essen oder trinken. Denn entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich beim sogenannten Mundraub ebenfalls um einen Diebstahl, der strafrechtlich verfolgt wird.

Ebenso verhält es sich, wenn Sie eine Sache einstecken, aber das Geschäft noch nicht verlassen haben. Sobald Sie etwas an Ihrem Körper anbringen und der Eigentümer nicht mehr ohne weiteres auf die Sache einwirken kann, begehen Sie einen Diebstahl. In diesen beiden Fällen drohen Geldstrafen oder Gefängnis bis zu fünf Jahre. Weiteraus umfangreicher gestalten sich die Sanktionen in folgenden Fällen.

 

Anwalt Anzeige wegen Diebstahl Rechtsberatung

 

Besonders schwerer Fall:

§ 243 StGB legt fest, unter welchen Umständen man vom „besonders schweren Fall“ von Diebstahl spricht. Diese Art wird nicht mehr mit einer Geldstrafe, sondern mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren geahndet.

Sie haben einen schwerwiegenden Diebstahl begangen, wenn Sie

  • zur Ausführung der Tat in ein Gebäude oder einen anderen geschlossenen Raum eingebrochen, mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen Werkzeug eingedrungen sind oder sich in dem Raum verborgen gehalten haben.
  • eine Sache gestohlen haben, die durch eine Schutzvorrichtung gegen Wegnahme gesichert war.
  • gewerbsmäßig stehlen.
  • aus einer Kirche oder einem anderen der Religionsausübung dienenden Gebäude eine Sache gestohlen haben, die dem Gottesdienst gewidmet ist oder der religiösen Verehrung dient.
  • eine Sache von Bedeutung für Wissenschaft, Kunst oder Geschichte oder für die technische Entwicklung gestohlen haben, die sich in einer allgemein zugänglichen Sammlung befindet oder öffentlich ausgestellt ist.
  • stahlen, indem Sie die Hilflosigkeit einer anderen Person, einen Unglücksfall oder eine gemeine Gefahr ausnutzten.
  • eine Pistole, Gewehr, Kriegswaffe oder Sprengstoff gestohlen haben.

 

Diebstahl mit Waffen:

Wer einen Diebstahl ausübt und dabei eine Waffe bei sich trägt, muss mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren rechnen. Dies gilt sowohl, wenn Sie die Waffe bei sich trugen als auch wenn nur ein anderer Beteiligter bewaffnet war. Als Waffe gelten Schusswaffen oder andere gefährliche Werkzeuge oder Mittel, die dazu dienen sollen den Widerstand einer Person durch Gewalt oder Androhung von Gewalt zu verhindern oder zu überwinden.

 

Wohnungseinbruch:

Ebenfalls sechs Monate bis zehn Jahre Gefängnis und keine Möglichkeit der Geldstrafe drohen Dieben, die zur Ausführung der Tat in eine Wohnung einbrechen, mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen nicht zur ordnungsmäßigen Öffnung bestimmten Werkzeug eindringen oder sich in der Wohnung verborgen halten.

 

Einfacher Bandendiebstahl:

Mit einer Anzeige wegen Diebstahl müssen Sie außerdem rechnen, wenn Sie als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl zusammengeschlossen hat, gestohlen haben. Dann würde Ihnen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft drohen.


Schwerer Bandendiebstahl:

Ein schwerer Bandendiebstahl hingegen wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft. Dazu müssen allerdings die in § 243 genannten Voraussetzungen für einen „besonders schweren Fall“ vorliegen.

 

Anzeige wegen Diebstahl – Verfahrenseinstellung

Oft werden die Verfahren bei Ersttätern oder geringwertigen Sachen mit einem Wert von unter 50 Euro eingestellt. Dies gilt allerdings nicht bei Wiederholungstätern.

Um die Einstellung Ihres Verfahrens wegen Diebstahls erreichen zu können, benötigen Sie einen kompetenten Rechtsanwalt, der Ihre Verteidigung übernimmt. Erwachsene Ersttäter werden, falls es überhaupt zu einer Verurteilung kommt, meist mit einer Geldstrafe ab 15 Tagessätzen belangt. Jugendlichen wird häufig im Zuge einer Einstellung des Verfahrens eine Ableistung von Sozialstunden auferlegt.

 

Nach der Anzeige wegen Diebstahls – Das Verfahren

1. Ermittlung: Sie dürfen sich äußern, Zeugen werden gehört. Allerdings ist es meist sinnvoll zunächst zu schweigen, bis Sie mit Ihrem Anwalt Einsicht in die Akten und der darin enthaltenen Beweismittel genommen haben (Punkt 3), um sich nicht eventuell selbst zu belasten.

2. Je nach Schwere der Tat werden Hausdurchsuchungen, Telefonüberwachungen und die Anordnung der Untersuchungshaft durch das Amtsgericht angeordnet.

3. Besprechung der Akte mit Ihrem Rechtsanwalt. Antrag des Anwalts auf eine bestimmte Schuld bzw. Einstellung des Verfahrens.

Mögliche Folgen:

a) Wenn der Verstoß gering ist bzw. ein Erstverstoß vorliegt, kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren ggf. gegen eine Auflage gemäß § 153 I StPO einstellen.

b) Die Sache kann außerdem durch einen Strafbefehl, also einem Urteil ohne Hauptverhandlung, beendet werden.

c) Ohne hinreichenden Tatverdacht und wenn ein Freispruch wahrscheinlicher als eine Verurteilung ist, stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren nach § 170 II StPO ein.

d) Es kann aber auch Anklage erhoben werden. Das ist der Fall, wenn ein hinreichender Tatverdacht besteht.

Das Gericht darf darüber hinaus zusätzlich eine Führungsaufsicht anordnen, wenn die Gefahr besteht, dass weitere Straftaten begangen werden könnten. So beispielsweise geurteilt vom OLG Hamm am 10. Januar 2013 mit dem Aktenzeichen III-5 Ws 358 u. 359/12.

Wurde eine Anklage oder ein Strafbefehl erlassen - das Verfahren also nicht im Ermittlungsverfahren eingestellt - sind Sie Angeschuldigter in einem Strafprozess. Nun hat Ihr Rechtsanwalt die Möglichkeit Einwände gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens einzulegen.

 

Anzeige wegen Diebstahl: Vorgehensweise

Wenn Sie eine Anzeige wegen Diebstahl bekommen haben, sollten Sie sich zügig einen Rechtsbeistand einholen. Während einer Beratung mit einem Rechtsanwalt müssen Sie unmittelbar nach Erhalt des Schreibens Punkte klären, die dazu führen können, dass erst gar keine Anklage erhoben wird. Ein Anwalt kann zudem Akteneinsicht beantragen, er kennt die aktuelle Rechtsprechung und weiß erfahrungsgemäß wie Sie sich in einer solchen Situation verhalten sollten. Falls es dennoch zu einer Verurteilung kommen sollte, wird der Anwalt mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen und ausarbeiten, ob es sinnvoll wäre Revision oder Berufung einzulegen.

 

 

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