Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung – Berechnung und Umgehung

Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung – Berechnung und Umgehung

 von Patricia Bauer (jur. Redaktion)
Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung – Berechnung und Umgehung
  • Lesezeit: ca. 6 Min.
  • PDF herunterladen

Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Was ist die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung?
  2. Berechnung der Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung
  3. Auswirkungen anderer Steuern auf die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung
  4. Achtung! Grunderwerbsteuerbescheid der Behörde meist falsch
  5. Umgehung der Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung
  6. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

In diesem Beitrag erfahren Sie alles zur Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung. Erläutert wird u. a., wie sie berechnet wird, wie sie sich zu anderen Steuern verhält und wie die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung umgangen werden kann.

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsproblem oder Ihre Fragen zur Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung kostenfrei mit unserem Anwalt für Zwangsvollstreckungsrecht besprechen.

► Einfach den Fall kurz schildern, absenden und noch am selben Tag eine kostenfreie telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

 

1. Was ist die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung?

Bei der Teilungsversteigerung handelt es sich um eine besondere Form der Zwangsversteigerung, mit deren Hilfe Miteigentum auseinandergesetzt werden kann. In der Regel wird dabei eine Immobilie oder ein Grundstück versteigert. Diese wird an denjenigen verkauft, der den Zuschlag erhält – man spricht von Grunderwerb. Es wird eine Grunderwerbsteuer fällig, die auf Grundlage des Grunderwerbsteuergesetzes erhoben und individuell berechnet wird.

Relevant werden kann eine Teilungsversteigerung z. B. im Falle einer Erbengemeinschaft, nach einer Scheidung oder bei der Auflösung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Weitere Informationen dazu finden Sie in unseren Beiträgen „Teilungsversteigerung“ und „Teilungsversteigerung Erbengemeinschaft“.

Nicht mit der Grunderwerbsteuer verwechselt werden darf die Grundsteuer. Während die Grunderwerbsteuer einmalig beim Kauf einer Immobilie anfällt, ist die Grundsteuer jährlich fällig – sie fußt auf dem anhaltenden Besitz der Immobilie.

Wie die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung berechnet wird, erfahren Sie im Folgenden.

 

2. Berechnung der Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung

Bei der Grunderwerbsteuer handelt es sich um eine Ländersteuer, welche von den Kommunen erhoben werden kann. Deswegen kann sich ihr prozentualer Anteil am Grundstückswert von Bundesland zu Bundesland unterscheiden:

 

Bundesland

 

Steuersatz

Baden-Württemberg

5,0 %

Bayern

3,5 %

Berlin

6,0 %

Brandenburg

6,5 %

Bremen

5,0 %

Hamburg

4,5 %

Hessen

6,0 %

Mecklenburg-Vorpommern

5,0 %

Niedersachsen

5,0 %

Nordrhein-Westfalen

6,5 %

Rheinland-Pfalz

5,0 %

Saarland

6,5 %

Sachsen

3,5 %

Sachsen-Anhalt

5,0 %

Schleswig-Holstein

6,5 %

Thüringen

6,5 %

In Ländern wie Bayern oder Sachsen ist die Grunderwerbsteuer mit 3,5 % deutlich geringer als in Ländern wie Schleswig-Holstein oder Thüringen mit 6,5 %. Kaufinteressenten, die sich im Rahmen einer Teilungsversteigerung nach neuem Grundeigentum umsehen und Geld sparen wollen, sollten sich daher überlegen, in welchem Bundesland sie investieren möchten.

Die genaue Höhe der Grunderwerbsteuer ist dabei immer abhängig vom Einzelfall – Bemessungsgrundlage ist der Wert der erworbenen Immobilie. Je höher der Wert, desto höher ist der zu entrichtende Betrag. Zur Veranschaulichung stellen wir Ihnen im Folgenden zwei Rechenbeispiele zur Verfügung:

 

Beispiel 1

Die Immobilie ist 100.000 € wert und befindet sich in Berlin – der Steuersatz beträgt 6,0 %.

100.000 € * 6,0 % = 6.000 €

Es fällt eine Grunderwerbsteuer in Höhe von 6.000 € an.

 

Beispiel 2

Die Immobilie ist 275.000 € wert und befindet sich in Sachsen – der Steuersatz beträgt 3,5 %.

275.000 € * 3,5 % = 9.625 €

Es fällt eine Grunderwerbsteuer in Höhe von 9.625 € an.

 

3. Auswirkungen anderer Steuern auf die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung

Beim Erwerb einer Immobilie können neben der Grunderwerbsteuer weitere Steuern anfallen – z. B. die Umsatz-, die Erbschafts- und die Schenkungssteuer. Ob und wie sich diese auf die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung auswirken, lesen Sie hier.

 

3.1 Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer – auch bekannt als Mehrwertsteuer – belastet so gut wie alle Konsumausgaben und beträgt 19 % des Kaufpreises. Obwohl es sich auch beim Kauf einer Immobilie um eine solche Ausgabe handelt, wird gemäß § 4 Nr. 9a des Umsatzsteuergesetzes von einer doppelten Besteuerung mit Umsatz- und Grunderwerbsteuer abgesehen – die Umsatzsteuer entfällt daher beim Immobilienkauf.

 

3.2 Erbschafts- und Schenkungssteuer

Eine doppelte Steuerbelastung soll auch dann vermieden werden, wenn Erbschafts- oder Schenkungssteuer fällig werden – die Grunderwerbsteuer entfällt. Erbschafts- oder Schenkungssteuer fallen an, wenn entweder ein Erbfall oder eine Schenkung eintritt. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beiträgen „Immobilien vererben – Immobilien verschenken“ und „Erbschaftssteuer berechnen“.

Da eine Teilungsversteigerung weder auf Erbschaft oder Schenkung, sondern auf einen Verkauf abzielt, sind diese Steuern in diesem Fall irrelevant.

 

4. Achtung! Grunderwerbsteuerbescheid der Behörde meist falsch

Ist es zu einem Grunderwerb gekommen, wird die zuständige Finanzbehörde darüber in Kenntnis gesetzt. Nach kurzer Zeit stellt diese einen Grunderwerbsteuerbescheid zu, in welchem der Käufer über die Fälligkeit und Höhe der Grunderwerbsteuer informiert wird.

Bevor die Grunderwerbsteuer beglichen wird, sollte der Bescheid einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Bei Unstimmigkeiten kann innerhalb von vier Wochen nach Zugang Widerspruch eingelegt werden.

Speziell im Falle der Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung kommt es oft zu Fehlern. So muss das Gericht, welches die Teilungsversteigerung durchgeführt hat, der Finanzbehörde sämtliche Besteuerungsgrundlagen mitteilen. Funktioniert die Kommunikation zwischen beiden nicht, fehlen der Finanzbehörde unter Umständen wichtige Informationen über den Grunderwerb und setzt die Grunderwerbsteuer zu hoch an.

 

5. Umgehung der Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung

Die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung kann nur in Ausnahmefällen vollständig umgangen werden. Welche das sind und welche Möglichkeiten es darüber hinaus gibt, erfahren Sie im Folgenden.

 

5.1 Aufhebung der Steuerfestsetzung

Mit dem Kauf einer Immobilie wird die Grunderwerbsteuer automatisch gegen den Käufer festgesetzt. Aufgehoben werden kann dieser Vorgang nur unter besonderen Umständen.

Die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung entfällt gemäß § 3 des Grunderwerbsteuergesetzes immer dann, wenn die Immobilie von einem Verwandten 1. Grades erworben wird. Von dieser Regelung umfasst sind

  • Ehepartner,
  • Lebenspartner oder
  • Kinder

des oder der Versteigernden. Ersteigert und kauft also z. B. die Tochter eines Miterben die Immobilie, muss sie keine Grunderwerbsteuer zahlen.

Nicht erhoben wird die Grunderwerbsteuer gemäß § 3 Nr. 1 des Grunderwerbsteuergesetzes auch dann nicht, wenn der Kaufpreis der Immobilie weniger als 2.500 € beträgt.

Wurde die Immobilie nicht gekauft, sondern geerbt oder verschenkt, wird ebenfalls keine Grunderwerbsteuer erhoben. Für die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung ist diese Regelung jedoch nicht relevant – Ziel einer Versteigerung ist immer ein Verkauf.

Grunderwerbsteuer muss auch dann nicht gezahlt werden, wenn die Immobilie aufgrund von Todesfall oder Schenkung erworben wird. Jedoch sind die Betreiber einer Teilungsversteigerung am Leben und zielen nicht auf eine Schenkung, sondern einen Verkauf ab – für die Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung ist diese Sonderregelung daher nicht relevant.

 

5.2 Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung reduzieren

Ist eine Aufhebung der Steuerfestsetzung nicht möglich, kann die Grunderwerbsteuer zumindest reduziert werden.

Die Höhe der Grunderwerbsteuer richtet sich immer nach dem Wert der Immobilie. Dazu wird in der Regel der dem Kaufvertrag zugrundeliegende Kaufpreis herangezogen. Dieser kann in Absprache mit dem Verkäufer reduziert werden. Erklären sich beide Parteien zu einer solchen Einigung bereit, sollten sie im Kaufvertrag nur jene Positionen berücksichtigen, die untrennbar mit der Immobilie verbunden sind.

Besondere Ausstattungen, die mit dem Haus verkauft werden sollen – z. B. Küche, Sauna, Gartenhäuser, Haushaltsgeräte –, können im Kaufvertrag als bewegliche Extras gesondert aufgeführt werden. Weitere Informationen zum Kaufvertrag finden Sie in unserem Beitrag „Kaufvertrag einer Immobilie“.

 

Beispiel

Die Immobilie ist 275.000 € wert und befindet sich in Sachsen – der Steuersatz beträgt 3,5 %.

275.000 € / 100 * 3,5 = 9.625 €

Es fällt eine Grunderwerbsteuer in Höhe von 9.625 € an.

Werden die mit dem Haus verkaufte Küche, der Pool und die Sauna im Gesamtwert von 15.000 € als bewegliche Extras gesondert berücksichtigt, reduziert sich der zu berücksichtigende Kaufpreis auf 260.000 €.

260.000 € / 100 * 3,5 = 9.100 €

Die fällige Grunderwerbsteuer beträgt nun 9.100 €. Es kommt zu einer Ersparnis von 525 €. 

 

5.3 Stundung

Sieht sich der Käufer trotz Reduzierung der Grunderwerbsteuer nicht in der Lage, sie unmittelbar nach der Teilungsversteigerung zu zahlen, kann er auf eine Stundung hoffen. Eine solche hätte zur Folge, dass die Fälligkeit der Forderung hinausgeschoben wird. Auf diesem Wege können kurzzeitige Liquiditätsprobleme des Schuldners überbrückt werden.

Da es sich bei der Grunderwerbsteuer um eine sogenannte Verkehrssteuer handelt, ist ihre Stundung in der Praxis grundsätzlich nicht möglich. Jedoch ist die Einräumung einer längeren Zahlungsfrist abhängig vom Einzelfall und liegt gemäß § 15 Satz 2 des Grunderwerbsteuergesetzes im freien Ermessen der zuständigen Finanzbehörde.

Liegen im Einzelfall besonders schwerwiegende Umstände vor, die eine Stundung rechtfertigen würden, müssen diese der Finanzbehörde dargelegt werden.

 

6. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Ziehen Sie die Ersteigerung einer Immobilie in Betracht, sollten Sie sich bewusst sein, dass eine Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung anfällt. Darüber hinaus sollten Sie Möglichkeiten zur Reduzierung der Grunderwerbsteuer im Auge behalten. Haben Sie Fragen oder konkrete Probleme zur Grunderwerbsteuer bei Teilungsversteigerung, können diese in unserer kostenloses Ersteinschätzung unverbindlich geklärt werden.

 

► Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Frage oder Ihr Rechtsproblem mit unserem Anwalt für Zwangsvollstreckungsrecht zu besprechen.

Einfach das Rechtsproblem kurz schildern, absenden und noch am selben Tag eine kostenlose telefonische Ersteinschätzung von unserem Rechtsanwalt erhalten. advocado übernimmt dabei die Garantie für ausgezeichnete Beratung.

 

Das könnte Sie auch interessieren ...

Patricia Bauer
Ein Artikel von Patricia Bauer aus der juristischen Redaktion bei advocado

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Patricia Bauer stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen. Dabei legt Patricia großen Wert auf eine verständliche Sprache, damit auch Nicht-Juristen im deutschen Paragraphendschungel den Durchblick behalten und ihre rechtlichen Angelegenheiten schnell, einfach und sorgenfrei erledigen können.

Aktuelle Beiträge im advocado-Ratgeber

Internationale Markenrecherche – Markenanmeldung absichern & Abmahnungen vermeiden
Marke eintragen lassen: So schützen Sie Ihre Idee gegen Diebstahl & Nachahmung
Berufung einlegen: So wehren Sie sich gegen ein fehlerhaftes Urteil

Sie haben noch offene Fragen?

Noch offene Fragen?

Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung

Wir helfen Ihnen gerne

icon-advocate
Beratung & Ersteinschätzung vom Anwalt Hier können Sie Ihr Anliegen schildern.
icon-handy
0800 400 18 80 (Mo.-Fr. 8-22 Uhr)
Für neue Anfragen nutzen Sie bitte unseren einfachen & schnellen Online-Prozess.