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Großer Pflichtteil & kleiner Pflichtteil: die Unterschiede

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In diesem Beitrag wird der Unterschied zwischen dem großen und kleinen Pflichtteil erklärt, wie sie berechnet werden und welche Gestaltungsmöglichkeiten ein Erblasser hat.

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsanliegen oder Ihre Fragen zum Pflichtteil mit einem Anwalt  besprechen.

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1. Die Höhe des Erbes beeinflussen durch die Zugewinngemeinschaft

Der Erbanspruch wird durch das Gesetz oder durch den letzten Willen des Erblassers in Form eines Testaments oder Erbvertrags geregelt. Die Erben haben nicht viel Spielraum, um die Höhe der Beteiligung am Nachlass selbst zu beeinflussen – mit Ausnahme von Ehepartnern, die im Güterstand einer Zugewinngemeinschaft leben. Ihnen stehen neben dem eigentlichen Erbe weitere Pflichtteilsansprüche zu. Abhängig von der Größe der Familie, dem Wert der Zuwendung durch den Erblasser und der Höhe des Zugewinnausgleichs haben Ehepartner die Wahl zwischen dem großen & kleinen Pflichtteil.

 

2. Der große Pflichtteil

Der längerlebende Ehepartner hat ein Anrecht auf den großen Pflichtteil, sofern er mit dem Erblasser in einer Zugewinngemeinschaft gelebt hat und diese nicht vorab beendet wurde. 

Außerdem muss ihm ein Vermächtnis oder ein Teil des Erbes zugedacht worden sein, der aber geringer als der Pflichtteil bei einer Enterbung ist. Dann steht dem Ehepartner ein Zusatzpflichtteil bzw. Pflichtteilsrestanspruch gemäß §§ 2305, 2307 Abs. 1 S. 2 BGB zu. Dieser wird als großer Pflichtteil bezeichnet. Er beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, der um den pauschalisierten Zugewinnausgleich von ¼ gemäß § 1371 BGB erhöht wurde.

Voraussetzungen für den großen Pflichtteil:

  • Nicht durch Scheidung beendete Zugewinngemeinschaft mit dem Erblasser,
  • Ehegatte erhält Vermächtnis oder Erbteil -> Berechnung des Pflichtteils auf Grundlage des um ¼ erhöhten gesetzlichen Erbteils (§ 1371 Abs. 1 BGB).

Beispiel 1:

Das Erbe von A beträgt 100.000 €, seiner Ehefrau vermacht er 15.000 € (weniger als ihr gesetzlicher Erbteil).
(Zusatzinfo: Sie lebten in einer Zugewinngemeinschaft ohne Kinder, es gibt aber Erben zweiter Ordnung):

  • Der gesetzliche Erbteil beträgt gemäß § 1931 Absatz 1 BGB 50.000 € (1/2).
  • Zusätzlich ¼ als pauschaler Zugewinnausgleich gemäß § 1371 Absatz 1 BGB: 25.000 €.
  • Der gesetzliche Erbteil wird um dieses Viertel erhöht -> 75.000 €.
  • Um den Pflichtteil zu erhalten, wird dieser Wert halbiert.

Der Ehefrau stehen somit insgesamt 37.500 € zu. Der Wert ihres Vermächtnisses bzw. Erbteils muss hiervon allerdings noch abgezogen werden.

 

Beispiel 2:

Das Erbe von A beträgt 100.000 €, seiner Ehefrau vermacht er 15.000 € (weniger als ihr gesetzlicher Erbteil).
(Zusatzinfo: Sie lebten in einer Zugewinngemeinschaft mit zwei Kindern):

  • Der gesetzliche Erbteil beträgt gemäß § 1931 Absatz 1 BGB 25.000 € (1/4).
  • Zusätzlich ¼ als pauschaler Zugewinnausgleich gemäß § 1371 Absatz 1 BGB: 25.000 €.
  • Der gesetzliche Erbteil wird um dieses Viertel erhöht -> 50.000 €.
  • Um den Pflichtteil zu erhalten, wird dieser Wert halbiert.

Der Ehefrau stehen somit insgesamt 25.000 € zu. Der Wert ihres Vermächtnisses bzw. Erbteils muss hiervon ebenfalls noch abgezogen werden.

Hierbei handelt es sich um die sogenannte erbrechtliche Lösung, die z. B. bei kurzer Ehedauer und einem hohen Anfangsvermögen sinnvoll sein kann, da der Hinterbliebene dadurch möglicherweise bessergestellt werden kann.

 

3. Der kleine Pflichtteil

Im Gegensatz zum großen Pflichtteil ist für den kleinen Pflichtteil das Ausschlagen des Erbes bzw. die Enterbung eines Ehepartners ausschlaggebend. In diesen beiden Fällen erhält er bei dieser güterrechtlichen Lösung den konkreten, nach den Vorschriften der §§ 1373–1383 und 1390 BGB errechneten Zugewinnausgleich und seinen Pflichtteil. Um den kleinen Pflichtteil zu berechnen, wird der gesetzliche Erbteil gemäß § 1931 BGB halbiert. Neben Erben erster Ordnung (Kinder) beträgt der gesetzliche Erbteil des Ehegatten ¼ und bei Erben zweiter Ordnung oder Großeltern ½.

Voraussetzungen für den kleinen Pflichtteil:

  • Nicht durch Scheidung beendete Zugewinngemeinschaft mit dem Erblasser,
  • kein Vermächtnis oder Erbteil erhalten -> Pflichtteil wird nach gewöhnlichem gesetzlichem Erbteil berechnet (§ 1371 Abs. 2 Hs. 2 BGB).
  • Zugewinnausgleich wird konkret und individuell berechnet (nach Vorschriften der §§ 1372–1383, 1390 BGB).

Achtung: Da es sich bei diesem Zugewinnausgleich um eine Nachlassverbindlichkeit handelt, ist er vor der Berechnung des Pflichtteilsanspruchs vom ursprünglichen Nachlasswert abzuziehen.

 

Beispiel 1:

Das Erbe von A beträgt 100.000 € (der Zugewinnausgleich ist bereits abgezogen), seine Ehefrau wurde von ihm enterbt oder hat ihren zu geringen Erbteil ausgeschlagen.
(Zusatzinfo: Sie lebten in einer Zugewinngemeinschaft ohne Kinder, es gibt aber Erben zweiter Ordnung):

  • Der gesetzliche Erbteil beträgt gemäß § 1931 Absatz 1 BGB 50.000 € (1/2).
  • Um den Pflichtteil zu erhalten, wird dieser Wert halbiert.
  • Zusätzlich wird der Zugewinnausgleich individuell berechnet.

Das Erbe der Ehefrau beträgt 25.000 € (kleiner Pflichtteil) plus den konkret berechneten Zugewinnausgleich.

 

Beispiel 2:

Das Erbe von A beträgt 100.000 €, seine Ehefrau wurde von ihm enterbt oder hat ihren zu geringen Erbteil ausgeschlagen.
(Zusatzinfo: Sie lebten in einer Zugewinngemeinschaft mit zwei Kindern):

  • Der gesetzliche Erbteil beträgt gemäß § 1931 Absatz 1 BGB 25.000 € (1/4).
  • Um den Pflichtteil zu erhalten, wird dieser Wert halbiert.
  • Zusätzlich wird der Zugewinnausgleich individuell berechnet.

Das Erbe der Ehefrau beträgt 12.500 € (kleiner Pflichtteil) plus den konkret berechneten Zugewinnausgleich.

Je nachdem, wie hoch der Zugewinnausgleich ausfällt, kann es daher sinnvoll sein, ein zu geringes Erbe (durch das man den großen Pflichtteil erhalten würde) auszuschlagen und stattdessen den kleinen Pflichtteil plus konkreten Zugewinnausgleich zu verlangen.

Die Begriffe großer & kleiner Pflichtteil können irreführend sein, da man mit dem kleinen Pflichtteil je nach Einzelfall auch mehr Geld erhalten könnte als mit dem großen Pflichtteil.

 

4. Großer & kleiner Pflichtteil – die Gestaltungsmöglichkeiten

Warum die im Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebenden Ehepartnern einen Spielraum beim großen und kleinen Pflichtteils haben, erklärt sich mithilfe der erbrechtlichen und güterrechtlichen Vorschriften. Beide stehen nämlich in einem engen Verhältnis zueinander. § 1931 BGB bestimmt dabei, das dem Ehepartner – neben nahen Verwandten – ein gesetzliches Erbrecht zusteht. Ergänzt wird der § 1931 BGB um den des § 1371 BGB, der den Zugewinnausgleich regelt, welcher einem Ehepartner im Todesfall des anderen zusteht. Aufgrund des Zusammenspiels beider gesetzlicher Normen lässt sich das eigentliche Erbe um den großen oder kleinen Pflichtteil erhöhen.

Folgende Gestaltungsoptionen hat der verbliebene Partner, um eine Beteiligung am Nachlass zu korrigieren:

  1. Der Hinterbliebene kann das Erbe bzw. Vermächtnis annehmen und zusätzlich den großen Pflichtteil geltend machen. Fällt das Erbe dabei geringer aus als die Quote des großen Pflichtteils, so kann der Ehepartner die Aufstockung bis zu diesem verlangen. Gesetzesgrundlage für diesen sogenannten Pflichtteilsrestanspruch ist der § 2305 BGB.
  1. Schlägt der Ehepartner den Erbteil oder das Vermächtnis z. B. wegen Überschuldung aus, so kann er dennoch – neben dem kleinen Pflichtteil – den Zugewinnausgleich fordern. Dabei ändert auch die gesetzliche Erbfolge nichts an dem Ausschlagungsrecht.
  1. Schlägt der Ehepartner das Erbe aus, nimmt das Vermächtnis jedoch an, kann er – sofern der Wert des Vermächtnisses den des Pflichtteils nicht übersteigt – zusätzlich zum Vermächtnis einen Pflichtteilsrestanspruch gemäß § 2307 Absatz 1 BGB geltend machen. In diesem Fall wird für die Berechnung des Pflichtteilsrestanspruchs der große Pflichtteil anstelle des kleinen herangezogen.

 

5. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Als Ehepartner und Erbe mit Anspruch auf einen gesetzlichen Erbteil könnten Sie auch einen Anspruch auf einen großen bzw. kleinen Pflichtteil haben. Die Berechnung beider kann jedoch kompliziert sein. Ein Anwalt kann Sie dabei unterstützen und einschätzen, welcher Pflichtteil für Sie sinnvoll wäre. Zusätzlich kann er Sie über für Sie passende Alternativen informieren.

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Beitrag von
Anja Ciechowski
Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Anja Ciechowski stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen.
Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Ratgeberartikel, den unsere juristische Redaktion mit größtmöglicher Sorgfalt verfasst hat. Der Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und unsere Redakteure sind keine Rechtsanwälte. Selbstverständlich ersetzen die Informationen aus diesem Artikel keine Rechtsberatung im Einzelfall. Jeder individuelle Fall muss vorher durch einen Rechtsanwalt geprüft werden, um eine fundierte Handlungsempfehlung erteilen zu können.

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