Geteiltes Sorgerecht – Rechte & Pflichten der Eltern

Geteiltes Sorgerecht – Rechte & Pflichten der Eltern
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In diesem Artikel erfahren Sie, was geteiltes Sorgerecht ist, welcher Elternteil welche Rechte und Pflichten hat und wer was entscheiden darf.

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1. Was bedeutet geteiltes Sorgerecht?

„Geteiltes Sorgerecht“ ist eine andere Bezeichnung für „gemeinsames Sorgerecht“. Es handelt sich also um den gesetzlichen Regelfall, dass die Eltern verheiratet sind und sich zusammen um ihr Kind kümmern (§ 1627 BGB). Sind die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt ihres Kindes nicht miteinander verheiratet, fällt zunächst der Mutter das alleinige Sorgerecht zu. Der Vater hat lediglich ein Umgangsrecht. Er kann aber beim Jugendamt geteiltes Sorgerecht beantragen. Dazu gibt er einfach eine Sorgerechtserklärung ab, die von der Mutter des Kindes unterschrieben ist.

Lesen Sie zu diesem Thema auch unsere ausführlichen Beiträge „Sorgerecht beantragen: So gibt's das Sorgerecht für Ihr Kind“ und „Sorgerecht erhalten: fünf Kriterien für die Beantragung“.

 

2. Geteiltes Sorgerecht bei Trennung – welche Rechte hat der Vater?

Im Falle einer Trennung oder Scheidung der Eltern bleibt das gemeinsame Sorgerecht für gewöhnlich bestehen. Bei Meinungsverschiedenheiten müssen Mutter und Vater schlichtweg versuchen, sich zu einigen. Sind allerdings immer wiederkehrende Uneinigkeiten zu erwarten, könnte dies das Leben des Kindes nicht nur emotional, sondern auch auf andere Weise negativ beeinflussen – beispielsweise ist zur Eröffnung eines Sparkontos für das Kind beim geteilten Sorgerecht die Zustimmung beider Elternteile nötig. Daher ist das alleinige Sorgerecht oftmals die bessere Lösung für das Kind. Im Beitrag zum alleinigen Sorgerecht erfahren Sie mehr.

 

3. Geteiltes Sorgerecht „einklagen“

Wie oben beschrieben, hat die Mutter eines unehelich geborenen Kindes immer das alleinige Sorgerecht. Auf Antrag beim Jugendamt kann der Vater aber die Vaterschaft anerkennen lassen und gemeinsames bzw. geteiltes Sorgerecht beantragen. Allerdings ist hierfür die Zustimmung der Mutter nötig. Wird diese verweigert, ist der Vater aber dennoch nicht chancenlos. Sorgewillige Väter können das gemeinsame Sorgerecht einklagen. Dazu wird beim Familiengericht ein Antrag auf geteiltes Sorgerecht gestellt. Daraufhin sollte die Mutter innerhalb von sechs Wochen Stellung zum Antrag nehmen und ggf. darlegen, warum das geteilte Sorgerecht dem Wohl des Kindes entgegenstehen würde. Tut sie dies nicht, wird der Antrag des Vaters ohne Weiteres bewilligt. Es handelt sich insofern also nicht um eine richtige Klage. Die Kosten für das Verfahren muss der Vater zunächst vorstrecken. Ist er aber erfolgreich und wird ihm das gemeinsame Sorgerecht am Ende zugesprochen, hat die Mutter des Kindes die Hälfe aller Kosten zu tragen.

 

4. Wer entscheidet, wo sich das Kind aufhält?

Haben die Eltern ein geteiltes Sorgerecht für ihr Kind, können sie auch nur gemeinsam entscheiden, wo es sich aufhalten bzw. wohnen darf. Das gilt sowohl für zusammenlebende als auch für getrennte Elternteile gleichermaßen. Allerdings muss nicht bei jedem kurzfristigen Ortswechsel das Einverständnis des zweiten Elternteils eingeholt werden. Sofern keine Gefährdung des Kindeswohls von diesem Ort zu vermuten ist, wird die Genehmigung des Elternteils vorausgesetzt. Die Entscheidung, ob das Kind zu einer Sport-, Freizeit- oder Musikveranstaltung darf, kann ein Elternteil alleine treffen – sofern eine Kindeswohlgefährdung ausgeschlossen ist.

Anders sieht es bei längerfristigen Aufenthaltswechseln aus, weil diese Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben könnten. So kann das Kind zum Beispiel nicht frei entscheiden, seinen Wohnort von der Mutter zum Vater zu verlegen. Wegen des geteilten Sorgerechts ist die Zustimmung beider Elternteile nötig. In Streitfällen muss das Familiengericht über den Aufenthaltsort des Kindes entscheiden.

 

5. Wer hat ein Umgangsrecht beim geteilten Sorgerecht?

„Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil“ (§ 1684 BGB). Das Umgangsrecht ist vor allem für denjenigen wichtig, bei dem das Kind nicht lebt. So wird sichergestellt, dass der Kontakt nicht abreißt und sich eine Beziehung entwickeln kann. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, muss für Zeit und Raum sorgen, damit der andere sein Umgangsrecht ausüben kann (§ 1684 Abs. 2 BGB). Tut er das nicht oder verhindert auf andere Weise, dass das Kind seinen Vater oder seine Mutter trifft, kann das Umgangsrecht gerichtlich durchgesetzt werden. Ein Verstoß gegen den Gerichtsbeschluss wird mit einer Strafe von bis zu 25.000 Euro geahndet.

Das Umgangsrecht, das gleichzeitig auch eine Umgangspflicht (Sorgepflicht) ist, stellt somit die Bindung zu wichtigen Bezugspersonen sicher. Dazu zählen auch die Geschwister, Großeltern oder andere Verwandte – auch sie haben ein Umgangsrecht.

Wie umfangreich das Umgangsrecht der Angehörigen ist, ist vom Alter und den Bedürfnissen des Kindes abhängig. So wird davon ausgegangen, dass für ein Baby einige Stunden ausreichen, aber ein Jugendlicher auch mal ein ganzes Wochenende bei seinem Vater oder den Großeltern verbringen kann.

 

6. Geteiltes Sorgerecht – geteilter Unterhalt?

Liegt geteiltes Sorgerecht vor, ist der Regelfall, dass die Eltern auch in einem Haushalt leben. Dann geht der Gesetzgeber davon aus, dass jeder Elternteil seinen Beitrag zum Unterhalt des Kindes leistet.

Leben die Eltern aber getrennt, muss einer der beiden Kindesunterhalt zahlen. In unseren Beiträgen „Kindesunterhalt berechnen“ und „Unterhalt volljährige Kinder“ erfahren Sie alles, was Sie zum Unterhalt wissen müssen.

Kompliziert wird es allerdings beim sogenannten „Wechselmodell“. Hierbei teilen sich die Eltern nicht nur die Sorge, sondern auch den Aufenthalt des Kindes. Das Kind lebt also die Hälfte der Zeit beim Vater und die andere Hälfte bei der Mutter. Der Unterhalt richtet sich dann nach dem Einkommen und Vermögen der Eltern.

Über die Höhe des Taschengeldes entscheiden Eltern beim geteilten Sorgerecht ebenfalls gemeinsam. Das Taschengeld hat zudem keine Auswirkungen auf die Höhe des Unterhalts. Ob das Kind kleinere (Geld-)Geschenke annimmt oder nicht, ist aber wieder jedem Elternteil allein überlassen. Eine Abstimmung ist nur bei Geschenken notwendig, die sich eventuell zum Nachteil des Kindes entwickeln könnten. Dazu zählen zum Beispiel Haustiere oder ein Motorroller.

 

7. Wer entscheidet über Schule und Ausbildung bei geteiltem Sorgerecht?

Die Wahl von Schulfächern und des Ausbildungs- bzw. Studienplatzes hat einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. Daher haben Eltern von Minderjährigen ein Mitspracherecht. Sofern geteiltes Sorgerecht vereinbart wurde, können sie also nur gemeinsam über den Werdegang des Kindes entscheiden. Ist kein Konsens möglich, kann das Familiengericht eingeschaltet werden.

 

8. Allgemeine Bestimmungen über die Lebensführung

Nicht jede Kleinigkeit muss von beiden Eltern entschieden werden. Allgemeine Bestimmungen über die Lebensführung des Kindes können daher von dem Elternteil, bei dem das Kind lebt, allein getroffen werden – obwohl geteiltes Sorgerecht gilt.

Der betreuende Elternteil kann Folgendes ohne Zustimmung des zweiten Sorgeberechtigten entscheiden:

  • Ernährung des Kindes, soweit sie nicht das Kindeswohl gefährdet,
  • medizinische Routineeingriffe (z. B. Zahnarztbesuch)* und
  • alltäglicher Umgang mit Freunden.

* Bei akuten medizinischen Eingriffen zum Beispiel nach einem Unfall ist hingegen immer das Einverständnis beider Sorgeberechtigter nötig.

Grundsätzlich kann der Elternteil, bei dem sich das Kind aufhält, also allein über Alltägliches bestimmen, auch wenn geteiltes Sorgerecht angeordnet ist.

Gleiches gilt, wenn sich ein Elternteil mit seinem Kind im Urlaub befindet. Hier obliegen ihm für diese Zeitspanne ebenfalls die Entscheidungen über die Lebensführung. Was für eine Urlaubsreise bei geteiltem Sorgerecht außerdem wichtig ist, erfahren Sie im nächsten Absatz.

 

9. Urlaub bei geteiltem Sorgerecht

Eine Urlaubsreise ist kein Bereich des alltäglichen Lebens. Daher ist – wenn die Eltern geteiltes Sorgerecht vereinbart haben – die Zustimmung beider Parteien einzuholen (so zum Beispiel bei Urlauben im Ausland oder mehrwöchigen bzw. -monatigen Austauschen). Die Teilnahme an einer einwöchigen Klassenfahrt oder an Tagesausflügen kann dagegen grundsätzlich von einem Elternteil allein genehmigt oder verweigert werden.

Stellt sich beispielsweise die Mutter dem Urlaub von Vater und Kind entgegen, muss sie dies begründen. Nur wenn die Sorge um eine Gefährdung des Kindeswohls berechtigt ist, ist die Verweigerung gerechtfertigt. Im Zweifelsfall hat das Familiengericht darüber zu entscheiden. Der Vater sollte nur nicht den Fehler begehen und ohne Einwilligung der Mutter mit dem Kind verreisen. Das könnte strafrechtliche Konsequenzen wegen Verdacht auf Entführung des Kindes nach sich ziehen.

Befindet sich ein Elternteil selbst im Urlaub und kann daher sein Umgangsrecht bzw. seine Umgangspflicht nicht wahrnehmen, übernimmt der andere Elternteil für diese Zeit das alleinige Sorgerecht (§ 1678 BGB).

 

10. Tipp: kostenfreie Ersteinschätzung von einem Anwalt

Das geteilte bzw. gemeinsame Sorgerecht ist in der Regel das Beste für das Wohl und die Entwicklung des Kindes. Allerdings müssen in diesem Fall dennoch nicht alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Widersetzt sich die Mutter oder der Vater den oben genannten Regelungen? Oder möchten Sie geteiltes Sorgerecht beantragen? Ein Anwalt beantwortet Ihnen rechtsverbindlich alle Fragen zum Thema Sorgerecht.

 

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