Geteiltes Sorgerecht

 

 

Geteiltes Sorgerecht sollte immer zum Wohl des Kindes ausgeübt werden. Doch wenn beide Elternteile ihre Interessen durchsetzen wollen, kommt es häufig zu Konflikten zulasten des Kindes. Wie ist das mit dem Kindesunterhalt und dem Aufenthalt des Kindes und was passiert im Urlaub? Wie steht das Gesetz zu all diesen Fragen?

Geteiltes Sorgerecht
Geteiltes Sorgerecht: Wie erhält man es?

Lesezeit: ca. 3 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie, wann Eltern ein geteiltes Sorgerecht haben, wann die Mutter das alleinige Sorgerecht besitzt, was dabei die Konsequenzen für den Unterhalt sind und was beim Aufenthaltsbestimmungsrecht des Kindes zu beachten ist. Am Ende haben Sie die Möglichkeit, Rechtsanwälten Ihre Frage zu stellen.

 

 

Wann haben Eltern ein geteiltes Sorgerecht?

Geteiltes Sorgerecht steht Eltern, deren Kinder in der Ehe geboren werden, automatisch zu. Wird ein Kind von unverheirateten Eltern geboren, bekommt zuerst einmal die Mutter das alleinige Sorgerecht und der Vater muss es sich anerkennen lassen.

Das alleinige Sorgerecht kann einem Elternteil auch nach einer Trennung bzw. Scheidung gerichtlich anerkannt werden. Der Prozess zur Erwirkung des alleinigen Sorgerechts findet vor dem Familiengericht statt. Planen Sie die Beantragung, ist es sinnvoll, eine Beratung von einem qualifizierten Anwalt in Anspruch zu nehmen.

Haben die Elternteile geteiltes Sorgerecht und unterschiedliche Interessen in der Kindererziehung, können Konflikte entstehen. Bei den meisten wichtigen Entscheidungen müssen sich beide Elternteile einig sein bzw. häufig sogar beide unterschreiben. Bei eben solchen Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung gilt auch immer ein Widerspruchsrecht des jeweils anderen Sorgeberechtigten!

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Alleiniges Sorgerecht der Mutter

Das geteilte Sorgerecht kann auf verschiedenen Wegen erlangt werden. Verheiratete Paare haben es nach deutschem Recht von der Geburt des Kindes an. Sind die Eltern jedoch nicht verheiratet, hat die Mutter das alleinige Sorgerecht. Sind sich beide Elternteile einig, dass der Vater ebenfalls das Sorgerecht erhalten soll, genügt ein Gang zum Jugendamt.

Dort wird eine Sorgerechtserklärung abgegeben. Dazu bedarf es allerdings dem Einverständnis der Mutter. Sollte das nicht der Fall sein, so kann der Vater sein Sorgerecht einklagen. Sollte eine Zuteilung des Sorgerechts dem Kindeswohl nicht widersprechen, dann steht dem meist nichts entgegen.

 

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Aufenthaltsbestimmungsrecht

Liegt ein geteiltes Sorgerecht vor, können die Eltern nur gemeinsam darüber entscheiden, wo sich ihr Kind aufhalten bzw. wohnen darf. Es muss jedoch nicht vor jeder Änderung des Ortes eine Genehmigung des jeweils anderen Sorgeberechtigten eingeholt werden, solange nicht anzunehmen ist, dass das Kindeswohl dadurch gefährdet wird.

Bei längerfristigen Aufenthalten sieht es jedoch anders aus. Denn diese können Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben. So beispielsweise, wenn der Wohnort des Kindes gewechselt werden soll – von einem Elternteil zum anderen. Dann müssen beide Elternteile zustimmen oder eine gerichtliche Entscheidung eingeholt werden. Der andere Elternteil will ohne Ihre Zustimmung mit dem Kind umziehen? Eine Beratung durch einen Rechtsanwalt für Familienrecht ist hier sinnvoll.

Ob das gemeinsame Kind nun zu einer Sport- oder Musikveranstaltung darf, kann ein Elternteil alleine entscheiden.

 

Geteiltes Sorgerecht und Umgangsrecht

Nicht nur Regelungen über geteiltes Sorgerecht, sondern auch über das Umgangsrecht sollten von den Eltern gemeinsam getroffen werden. Das Umgangsrecht beinhaltet den Anspruch des Kindes auf Kontakt zu beiden Elternteilen.

So hat auch der Bundesgerichtshof die Bedeutung des Umgangsrechts oftmals hervorgehoben (z. B.: Beschluss des XII. Zivilsenats vom 1.2.2012 - XII ZB 188/11):

„Die Verpflichtungen der Eltern im Zusammenhang mit der Ausübung des Umgangsrechts hat der Gesetzgeber ausdrücklich in § 1684 Abs. 2 BGB niedergelegt. Danach haben die Eltern alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert.“

Mit dem Umgangsrecht wird also sichergestellt, dass das Kind beide Eltern als Bezugsperson behält und keine einseitige Entziehung des Kontaktes stattfindet. Unabhängig davon, ob Sie geteiltes Sorgerecht oder alleinige Sorge haben, und unabhängig davon, ob die Eltern zusammenleben, besteht also das Umgangsrecht.

Zur sinnvollen Reglung des Umgangs sollte eine Umgangsvereinbarung mit bestimmten Zeiten und Modalitäten von einem Rechtsanwalt festgelegt werden.

 

Geteiltes Sorgerecht – geteilter Unterhalt?

Liegt geteiltes Sorgerecht vor, ist der Regelfall, dass die Eltern auch in einem Haushalt leben. Dann geht der Gesetzgeber davon aus, dass jeder Elternteil seinen Beitrag zum Unterhalt des Kindes beiträgt.

Kommt es zur Trennung oder Scheidung, ist die Rechtslage etwas komplizierter. Wenn Sie eine Regelung über den Kindesunterhalt treffen wollen, ist es deshalb sinnvoll, eine Rechtsberatung von einem Anwalt in Anspruch zu nehmen.

Insbesondere wird es kompliziert beim sogenannten „Wechselmodell“. Die Eltern teilen sich dabei nicht nur die Sorge, sondern auch den Aufenthalt des Kindes. Das Kind lebt also die Hälfte der Zeit beim einen Elternteil und die andere Hälfte beim anderen Elternteil. Der Unterhalt richtet sich dann nach dem Einkommen und Vermögen der Eltern.

 

Geteiltes Sorgerecht – Entscheidungen über die Ausbildung

Einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes haben Entscheidungen über die Ausbildung. Entscheidungen im Bereich Bildung können, wenn und soweit geteiltes Sorgerecht vereinbart ist, nur von beiden Elternteilen gemeinsam getroffen werden.

Die Eltern müssen sich dabei nicht nur darüber einigen, auf welche Art von Schule ihr Kind gehen soll. Konsens muss auch über die konkret gewählte Schule oder Fächerwahl bestehen. Ist das Kind bei Schulabschluss minderjährig, haben die Eltern ein gemeinsames Mitspracherecht bezüglich der Wahl des Ausbildungs- oder Studienplatzes.

Wird keine Einigung über solch eine erhebliche Entscheidung erzielt, entscheidet das Familiengericht. Wie Sie bei Streit mit dem anderen Elternteil einen Prozess vermeiden, sollten Sie in einer Rechtsberatung vom qualifizierten Anwalt klären lassen.

 

Allgemeine Bestimmungen über die Lebensführung

Unpraktisch wäre es, wenn sich die Eltern über jede noch so kleine Entscheidung einigen müssten. Deshalb kann der Elternteil, der das Kind tatsächlich betreut, so manche Entscheidungen ohne Einigung mit dem anderen Elternteil treffen, auch wenn geteiltes Sorgerecht vereinbart wurde.

Selbständig Entscheidungen treffen kann der betreuende Elternteil bezüglich:

  • der Ernährung des Kindes, soweit nicht das Kindeswohl gefährdend,
  • medizinischen Routineeingriffen (z. B. Zahnarztbesuch) und
  • des alltäglichen Umgangs mit Freunden.

Als Grundregel ist also festzuhalten, dass ein Elternteil entscheiden darf, soweit alltägliche Dinge ohne maßgeblichen Entwicklungseinfluss betroffen sind. Die Abgrenzung erweist sich im Einzelfall (z. B. bereits beim Thema Ernährung) als schwierig. Zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten sollte deshalb das Gespräch mit dem anderen Elternteil gesucht oder eine Rechtsberatung vom Anwalt in Anspruch genommen werden.

 

Sonderfall: Urlaub

Geteiltes Sorgerecht steht besonders oft im Konflikt mit der einseitigen Urlaubsplanung eines Elternteils mit dem Kind. Konfliktpotential entspringt dabei unter anderem aus Zeit, Dauer und Zielort der Reise. Gesetzlich entscheident ist hier, ob es sich beim Urlaub um eine erhebliche Entscheidung bezogen auf das Kindeswohl handelt. Näheres im konkreten Einzelfall können Sie unsere Rechtsanwälte fragen.

Sie haben geteiltes Sorgerecht und wollen den Besuch der Verwandtschaft in einer unsicheren Region vermeiden? Ihre Chancen stehen gut. Nach vorheriger Beratung durch einen Rechtsanwalt kann oftmals vor dem Familiengericht erwirkt werden, dass der Urlaub nicht stattfindet.

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