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Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

 

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

 

 

Im Jahr 2015 gab es insgesamt ca. 2,5 Millionen Unfälle im Straßenverkehr. Eine Sekunde nicht aufgepasst und schon ist es passiert. Egal, ob Auffahren auf den Vordermann, Touchieren beim Einparken oder ein Unfall mit Personenschaden – das Schlechteste, was man in diesen Situationen machen kann, ist unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Allerdings sitzt der Schock im ersten Moment so tief, dass man meist nicht klar denken kann und schon fährt man weiter. Was Sie zum Thema unerlaubtes Entfernen vom Unfallort wissen müssen, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort - Häufige Irrtümer

Lesezeit: ca. 3 Min.

 

In diesem Artikel erfahren Sie, was genau unter dem unerlaubten Entfernen vom Unfallort zu verstehen ist, was die Konsequenzen sind und Sie erhalten eine Empfehlung zur Vorgehensweise bei Beschuldigung. Am Ende haben Sie die Möglichkeit, Ihren Fall ohne Gebühr einem Rechtsanwalt und Experten für Strafrecht zu schildern. Dieser kann Ihnen in einer individuellen Beratung mitteilen, wie Sie jetzt am besten vorgehen und welche Möglichkeiten Sie in Ihrem persönlichen Fall haben.

 

 

Was ist unerlaubtes Entfernen vom Unfallort?

Der § 142 des Strafgesetzbuches (StGB) beschäftigt sich mit dem unerlaubten Entfernen vom Unfallort. Laut Gesetz handelt es sich um unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, wenn ein Unfallbeteiligter, meist der Verursacher, den Unfallort verlässt, bevor zugunsten der anderen Unfallbeteiligten bzw. Geschädigten Personalien und die Art der Beteiligung aufgenommen werden konnten. Fahrer- oder auch Unfallflucht begeht ebenfalls derjenige, der keine den Umständen angemessene Zeit abwartet, bis jemand seine Daten aufnehmen kann.

 

Strafmaß bei unerlaubtem Entfernen vom Unfallort

Wer eine angemessene Zeit gewartet hat, ohne dass er die Angaben zu seiner Person und seinem Fahrzeug bei einer berechtigten Person machen konnte, ist natürlich nicht aus dem Schneider. Unfallbeteiligte, die zwar eine gewisse Zeit gewartet haben oder berechtigt bzw. entschuldigt den Ort verlassen, aber nicht unverzüglich eine nachträgliche Feststellung der Daten ermöglichen, werden ebenso bestraft wie die oben genannten Flüchtigen.

Eventuelle Vorstrafen und Eintragungen in das Verkehrsregister verschärfen Ihre Situation. Im schlimmsten Fall drohen damit bis zu drei Jahren Gefängnis. Das Gericht kann aber auch eine Geldstrafe und gegebenenfalls Fahrverbot zusätzlich zu sieben Punkten in Flensburg aussprechen. Ein Fahrverbot wird laut OLG Hamm erst ab einem erheblichen Schaden von mindestens 1.300 € ausgesprochen (Beschluss von 2010 – Az.: 3 RVs 72/10, NZV 2011, 356–358). Die Tagessätze der Geldstrafe, die sich zwischen 5 und 360 bewegen, berechnen sich aus Ihrem monatlichen Einkommen geteilt durch 30. Um einer zu hohen Bestrafung zu entgehen, sollten Sie einen Rechtsanwalt hinzuziehen.

Thema: Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

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Weitere Folgen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort

Neben der Bestrafung zieht unerlaubtes Entfernen vom Unfallort weitere Folgen nach sich. Da es sich um eine vorsätzliche Verletzung der Aufklärungspflicht handelt, kann die Haftpflichtversicherung von ihrem Recht der Leistungsfreiheit Gebrauch machen. Eine Eintragung in das polizeiliche Führungszeugnis droht ab einer Verurteilung von drei Monaten oder einer Geldstrafe von mindestens 90 Tagessätzen. Spätestens hier sollten Sie einen kompetenten Anwalt an Ihrer Seite haben, um nicht auch noch durch diese Eintragung benachteiligt zu werden.

 

Ab wann ist es unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und für wen gilt das?

In § 142 StGB steht, dass man eine angemessene Zeit am Unfallort warten muss. Aber wie lange ist eine „angemessene“ Wartezeit genau? Das hängt immer von den Umständen ab, beispielsweise der Schwere des Unfalls, der Tageszeit, Witterung, Verkehrsdichte etc. Man sollte ungefähr zwischen 30 und 90 Minuten warten. Die Vorschrift, bis zur Klärung des Sachverhalts am Unfallort verbleiben zu müssen, gilt für alle Unfallbeteiligte – Unfallbeteiligter ist übrigens jeder, dessen Verhalten zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann.

 

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Möglichkeiten der Strafreduzierung nach unerlaubtem Entfernen vom Unfallort

Fahrerflucht ist ein Vorsatzdelikt. Dies bedeutet, dass man mit Vorsatz den Unfallort verlässt. Argumentieren ließe sich nun, dass man überhaupt Kenntnis vom Unfall haben muss, um sich strafbar zu machen. Bei leichteren Schäden ist es sicher einfacher, Gerichte davon zu überzeugen, den Unfall nicht bemerkt zu haben – in der Regel neigen Richter aber dazu, dies als Schutzbehauptung abzutun. Ein Anwalt kann Ihnen in diesem Zusammenhang sicher helfen.

Wenn Sie beschuldigt werden, unerlaubt einen Unfallort verlassen zu haben, sollten Sie zunächst Akteneinsicht nehmen, um sicherzugehen, dass über Ihren Unfall keine Altschäden repariert werden sollen. Ist der von Ihnen verursachte Schaden gar nicht so hoch, fällt auch Ihre Strafe geringer aus.

 

Häufige Irrtümer zum Thema „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“

1.) Einfach die Visitenkarte oder einen Zettel mit Ihrem Namen auf die Windschutzscheibe des beschädigten Fahrzeugs legen, reicht aus:

Nur sehr, sehr selten. Zwar wurde eine Frau im Jahr 2012 der Fahrerflucht für nicht schuldig gesprochen, weil sie einen Zettel hinterlassen hatte und auch ansonsten zahlreiche Maßnahmen für die Aufklärung des Unfallhergangs eingeleitet hat, aber dies ist nicht die Regel. Besonders für größere Beschädigungen – bei denen beispielsweise festgestellt werden muss, ob der Fahrer unter Alkoholeinfluss stand – reicht eine simple Notiz hinter den Scheibenwischern nicht aus.

2.) Wenn ich meinen Unfall innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei melde, ist es keine Fahrerflucht:

Doch. Grundsätzlich muss man sich, wenn man nicht am Unfallort bleiben kann, unverzüglich zur Polizei begeben. Diese Nachfrist von 24 Stunden ist nur dann erlaubt, wenn der Unfall nicht im fließenden Verkehr stattfand, nur einen nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hatte und der Verursacher freiwillig innerhalb eines Tages die Feststellungen seiner Daten bei der Polizei ermöglicht. In diesen Fällen ist entweder eine Milderung des Strafmaßes oder sogar ein Verzicht auf eine Bestrafung möglich. Kontaktieren Sie am besten einen Rechtsanwalt, wenn Sie Gewissheit möchten, ob Sie sich des unerlaubten Entfernens vom Unfallort strafbar gemacht haben.

3.) Wenn der Geschädigte seine Anzeige wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zurückzieht, können Sie sich außergerichtlich einigen:

Leider nein. Sobald die Staatsanwaltschaft von der Fahrerflucht Wind bekommt, werden die Ermittlungen eröffnet. Schließlich handelt es sich um eine Straftat – auch wenn der Schaden vielleicht nur wenige Hundert Euro beträgt. Bewahren Sie dennoch Ruhe. Ein Rechtsanwalt kann das Schlimmste von Ihnen abwenden.

 

Empfehlung zum Vorgehen bei Beschuldigung des unerlaubten Entfernens vom Unfallort

Zunächst sollten Sie bei der Polizei keine Angaben zum Unfallhergang machen, sondern durch einen Anwalt Akteneinsicht beantragen. Während der Rechtsberatung können Sie gemeinsam erläutern, was Ihnen explizit vorgeworfen wird und in Bezugnahme darauf Ihre Aussage formulieren. Zudem kann der Rechtsanwalt aufgrund der in den Akten angegebenen Schadenshöhe Ihr voraussichtliches Strafmaß eingrenzen. In einigen Fällen kann das Verfahren mithilfe eines Rechtsbeistandes sogar eingestellt werden. Wahrscheinlicher ist aber ein Abschluss ohne Abhaltung eines öffentlichen Hauptverfahrens durch einen schriftlichen Strafbefehl. Falls Sie mit diesem nicht einverstanden sind, kann Ihr Anwalt außerdem Einspruch gemäß § 410 Abs. 1 StGB eingelegen. Hierbei sollten Sie aber Vorsicht walten lassen, denn bei einem Einspruch gegen einen Strafbefehl besteht kein Verschlechterungsverbot. Am Ende könnten Sie sogar eine höhere Strafe erhalten. Aus all diesen Gründen ist bei einer Anzeige wegen unerlaubtem Entfernen vom Unfallort eine Rechtsberatung sinnvoll.

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