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Gebäudeversicherung zahlt nicht: Was tun?

Gebäudeversicherung zahlt nicht: Was tun?

Ihre Wohngebäudeversicherung zahlt nicht? Vereinbaren Sie ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch mit unserem Anwalt für Versicherungsrecht.

Im Rahmen des Erstgesprächs prüft er die rechtliche Lage und beurteilt, ob ein juristisches Vorgehen gegen Ihre Gebäudeversicherung empfehlenswert ist. Anschließend erhalten Sie ein unverbindliches Festpreisangebot. Bis dahin besteht für Sie kein Kostenrisiko. Schildern Sie bitte hier Ihren Fall.

 

Zusammenfassung

Blitzeinschläge, Stürme und Wasserrohrbrüche können extreme Schäden verursachen. Da die Kosten für Reparatur und Sanierung der betroffenen Gebäude hoch sind, ist die Gebäudeversicherung für jeden Immobilienbesitzer essenziell. Insbesondere bei hohen Schadenssummen kommt es vor, dass die Versicherung nicht zahlt. Betroffene sollten die Begründung der Versicherung genau prüfen – und in Absprache mit einem Anwalt gerichtlich gegen die Leistungsverweigerung vorgehen.

 

Auf einen Blick

  • Eine Gebäude- bzw. Wohngebäudeversicherung kommt für Schäden durch Feuer, Sturm und Leitungswasser auf – sie ist daher ein Muss für jeden Immobilienbesitzer.
  • Schäden an betroffenen Gebäuden verursachen hohe Kosten, die Leistungsübernahme durch Versicherer verläuft nicht immer reibungslos.
  • Wenn Gebäudeversicherungen Gründe vorschieben, um nicht zahlen zu müssen, können Betroffene dagegen vorgehen.
  • Ein Anwalt für Versicherungsrecht schätzt vorab die Erfolgschancen einer Klage ein.

 

1. Was zahlt die Gebäudeversicherung?

Die Gebäudeversicherung – auch Wohngebäudeversicherung genannt – zahlt für Schäden am Haus oder der Eigentumswohnung sowie für Schäden am festen Inventar.

Folgendes ist durch eine Gebäudeversicherung abgesichert:

  • Nebengebäude wie Garagen und Carports
  • Festes Inventar wie Heizungen, Briefkästen, Mülltonnenhäuschen und Badewannen
  • Fest verbaute Stoffe wie Fußböden
  • Einbaumöbel, die eigens für das Gebäude gefertigt wurden (z. B. Einbauküchen)

Damit die Wohngebäudeversicherung für die durch Schäden verursachten Kosten aufkommt, sollte die Versicherungspolice unbedingt die folgenden drei Schäden beinhalten – sonst heißt es: Die Versicherung zahlt nicht.

 

Schäden durch Leitungswasser

Platzen z. B. durch Minustemperaturen oder Frost Wasserrohre im Haus, übernimmt die Gebäudeversicherung die Kosten für den Schaden. Bedingung für eine Leistungsübernahme ist, dass die Wasserrohre Leitungswasser transportieren.

Typische Orte, an denen Leitungswasser Schaden verursacht:

  • Wasserrohre zur Wasserversorgung und -entsorgung
  • Heizungsrohre
  • Klima- und Wärmepumpen
  • Heizungsanlagen und Boiler
  • Anschlüsse von Wasch- und Spülmaschinen
  • Armaturen in Bad und Küche

Die Wohngebäudeversicherung zahlt nicht nur die Schäden, die das Leitungswasser verursacht, sondern auch die an den Rohren selbst – beispielsweise nach einem Rohrbruch. Für Folgeschäden wie Schimmel nach einem Rohrbruch muss die Versicherung ebenfalls aufkommen.

 

Schäden durch Stürme

Verursachen Stürme oder Gewitter mit Hagel Schäden am Haus, kommt die Gebäudeversicherung dafür auf. Sie trägt allerdings nur die Schäden, die ein Sturm mit mindestens Windstärke 8 nach sich zieht.

Diese Sturmschäden übernimmt die Wohngebäudeversicherung:

  • Abgedeckte Dächer
  • Umgekippte Schornsteine
  • Schäden durch umfallende Bäume
  • Hagelschäden an Dach oder Jalousien
  • Folgeschäden wie Wasserschäden durch zerbrochene Fenster

Hagelschäden zahlt die Wohngebäudeversicherung unabhängig von der Windstärke.

Schäden außerhalb des Gebäudes müssen explizit im Versicherungsvertrag stehen, damit die Versicherung im Schadensfall auch diese abgedeckt. Ansonsten zahlt die Versicherung nicht bei einem Sturmschaden.

 

Schäden durch Feuer

Feuerschäden übernimmt die Gebäudeversicherung bei folgenden Ursachen:

  • Blitzeinschlag
  • Brand (mit Ausnahmen, siehe Kapitel 2)
  • Explosion (z. B. durch eine lädierte Gasleitung)
  • Implosion (z. B. durch einen defekten Fernseher)

 

Für welche Kosten kommt die Gebäudeversicherung auf?

Haben Feuer, Sturm oder Leitungswasser Schäden an Haus oder Eigentumswohnung verursacht, kommt die Gebäudeversicherung für die Kosten auf, die im Zusammenhang stehen mit:

  • Instandsetzung
  • Sanierung
  • Wiederaufbau
  • Neubau
  • Abriss
  • Folgeschäden
  • Sofortmaßnahmen zur Schadensbegrenzung
  • Mietausfall

Wenn nötig, muss die Gebäudeversicherung die Kosten für einen Wiederaufbau des kompletten Gebäudes zahlen – vom Keller bis zum Dach. Um den Schaden zu begrenzen, übernimmt die Versicherung vorläufige Schutzmaßnahmen.

Hat ein Sturm z. B. Teile des Dachs abgedeckt, trägt sie die Kosten für Planen, die weitere Schäden durch eindringendes Regenwasser verhindern.

Außerdem springt die Wohngebäudeversicherung bei Mietausfall des Vermieters ein – etwa wenn die Mieter wegen eines Brandschadens nicht mehr in der Wohnung wohnen können. Neben der Miete ersetzt die Versicherung dem Vermieter fortlaufende Nebenkosten wie z. B. Müllabfuhrgebühren.

 

Die Gebäudeversicherung kommt nicht für den Neuwert des Gebäudes, sondern nur dessen Zeitwert auf. Ist die Immobilie oder festes Inventar wie Fußböden älter, fällt die Leistungsübernahme daher geringer aus.

Grundsätzlich lassen sich die vollständigen Kosten für eine Wiederherstellung bzw. Neubau versichern – damit steigen aber auch die Versicherungsbeiträge.

 

Infografik: Gebäudeversicherung zahlt nicht: Wodurch entstanden 2018 die meisten Versicherungsfälle?

 

2. Was zahlt die Gebäudeversicherung nicht?

Werden Möbel oder elektronische Geräte durch einen Brand oder einen Wasserschaden beschädigt, übernimmt die Wohngebäudeversicherung die Kosten für Ersatz oder Reparatur nicht. Für diese Schäden muss die Hausratversicherung aufkommen.

Elementarschäden durch Naturereignisse sind ebenfalls von der Leistungsübernahme der Wohngebäudeversicherung ausgenommen. Sie trägt die Elementarschadenversicherung. Diese lässt sich gegen eine Selbstbeteiligung als Zusatzversicherung abschließen.

Elementarschäden werden verursacht durch:

  • Hochwasser und Überschwemmungen
  • Wasserrückstau nach Starkregen
  • Lawinen und Schneedruck
  • Erdbeben, Erdrutsche und Erdsenkungen

Die Kosten, die durch solche Elementarschäden entstehen, sind meist nicht nur extrem hoch, sondern kommen gerade in Gefahrengebieten sehr häufig vor.

Hochwasser und Sturmfluten sind daher immer häufiger bei Elementarschadenversicherungen von der Schadensregulierung ausgenommen.

 

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sind 90 bis 95 % aller Häuser mit einer Wohngebäudeversicherung versichert – doch nur 38 % der Immobilienbesitzer haben zusätzlich eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen. Für Eigentümer kann dies unangenehme Folgen haben. Im schlimmsten Fall bedeutet dies nach einem Hochwasser: Die Wasserschaden-Versicherung zahlt nicht.

 

Neben Elementarschäden und Hausrat zahlt die Gebäudeversicherung nicht in folgenden Fällen:

  • Unfertige Gebäude: Um Gebäude während des Baus zu versichern, müssen Sie eine zusätzliche Versicherung abschließen – beispielsweise eine Feuerrohbauversicherung. Die Gebäudeversicherung kommt nicht für Schäden an unfertigen oder leerstehenden Gebäuden auf.
  • Krieg: Die Gebäudeversicherung übernimmt keine Schäden, die durch Krieg oder Unruhen entstehen. Schäden durch Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg, die häufig gesprengt werden müssen, trägt sie in der Regel.
  • Brand: Da Brände die teuersten Schäden verursachen, versichern sie Gebäudeversicherungen häufig nicht. Zünden Sie beispielsweise Ihren Kamin an und das Feuer springt über, zahlt die Versicherung nicht.
  • Offene Fenster: Verursacht ein Sturm mit Starkregen Schäden, trägt die Gebäudeversicherung diese nicht, wenn sie durch offene oder undichte Fenster entstanden sind.
  • Wasser: Die Gebäudeversicherung kommt nur für Schäden durch Leitungswasser auf – Grundwasserschäden, Überschwemmung und Hochwasser trägt sie nicht. Wer ein Wasserbett oder ein Aquarium besitzt, sollte darauf achten, dass diese Schäden explizit mitversichert sind.
  • Sturm: Schäden, die ein Sturm unter Windstärke 8 verursacht, muss die Versicherung nicht übernehmen. Können Sie aber anhand der Wetteraufzeichnungen, Videoaufnahmen und Fotos nachweisen, dass trotz Windstärke 6 erhebliche Schäden an Häusern der Nachbarschaft entstanden sind, trägt die Gebäudeversicherung die Kosten in der Regel.

 

3. Aus diesen Gründen zahlt die Wohngebäudeversicherung nicht

Was in der Theorie unkompliziert klingt, führt in der Praxis regelmäßig zu Problemen: Da Schäden an Gebäuden oftmals hohe Summen nach sich ziehen, verläuft die Leistungsübernahme der Versicherungen nicht immer reibungslos.

Um nicht zahlen zu müssen, schieben Versicherungen verschiedene Gründe vor. Nicht immer sind diese gerechtfertigt.

Aus diesen typischen Gründen zahlt die Gebäudeversicherung nicht:

 

Schaden ist nicht versichert

Ist der Schaden nicht durch die Versicherungspolice abgedeckt, zahlt die Versicherung nicht. Da Gebäudeversicherungen aus einzelnen Versicherungsverträgen bestehen (z. B. Brand-, Sturm- und Leitungswasserversicherung), kommt es vor, dass bestimmte Risiken nicht versichert sind.

Diese beispielhaften Fälle sind trotz einer gültigen Gebäudeversicherung vom Versicherungsschutz ausgeschlossen:

  • Zigarettenasche brennt Löcher ins Parkett.
  • Ein umgekippter Putzeimer verursacht einen Wasserschaden.
  • Wasserrohre platzen bei Frost, weil nicht geheizt wurde.
  • Durch steigendes Grundwasser schimmeln die Kellerwände.

Welche Leistungen Ihre Gebäudeversicherung übernimmt, ist in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen aufgeführt. Achten Sie daher unbedingt auf das Kleingedruckte in Ihrem Versicherungsvertrag.

 

Unterversicherung

Die Gebäudeversicherung kann die Leistungsübernahme verweigern, wenn der Schaden größer ist als die Versicherungssumme. Hat Ihre Immobilie bei Vertragsabschluss einen höheren Wert, als Sie angeben, liegt eine sogenannte Unterversicherung vor.

Kommt es zum Schadensfall, muss die Versicherung nur die versicherte Summe leisten – für den Restbetrag müssen Betroffene selbst aufkommen.

So können Sie eine Unterversicherung vermeiden:

  • Achten Sie bei Vertragsabschluss auf die richtige Versicherungssumme.
  • Da z. B. der Anbau eines Balkons den Wert der Immobilie steigert, sollten Sie bauliche Veränderungen der Versicherung melden.
  • Damit es im Schadensfall nicht dazu kommt, dass die Wohngebäudeversicherung nicht zahlt, ist es sinnvoll, die Versicherungssumme anpassen.
  • Handeln Sie einen Unterversicherungsverzicht aus: Die Gebäudeversicherung übernimmt den Schaden, auch wenn er die Versicherungssumme übersteigt.

 

Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied in einem Urteil, dass Gebäudeversicherungen verpflichtet sind, die Versicherungsnehmer über eine angemessene Versicherungssumme zu beraten. Kommt sie einer solchen Beratung nicht nach, darf sich die Versicherung im Schadensfall nicht auf eine Unterversicherung berufen (OLG Düsseldorf, Az. I-4 U 205/04).

 

Verletzung der Versicherungspflichten

Machen Sie falsche Angaben bei Vertragsabschluss oder verletzen Sie vereinbarte Regeln im Versicherungsvertrag, darf die Gebäudeversicherung nach einem Schadensfall die Zahlung kürzen und sogar den Vertrag mit Ihnen kündigen.

In diesen Fällen verletzt der Versicherte z. B. seine Pflichten:

  • Vermieten Sie Teile Ihres Wohnhauses zusätzlich als Ferienzimmer, teilen es aber der Versicherung nicht mit, kann das als Pflichtverletzung gelten.
  • Versichern Sie Ihr Wohnhaus als Bürogebäude oder die Firmenhalle als Scheune, wird die Schadensregulierung womöglich abgelehnt.
  • Betreiben Sie zum Schadenzeitpunkt einen Betrieb im Haus, melden dies aber nicht, liegt gegebenenfalls eine Pflichtverletzung vor.

Vermieten Sie Ihre Immobilie, sollten Sie regelmäßig die tatsächliche Tätigkeit Ihrer Mieter überprüfen. Betreibt Ihr Mieter z. B. plötzlich eine Autowerkstatt statt einer Schneiderei, müssen Sie dies Ihrer Versicherung mitteilen. In diesem Fall ist der Mieter in der Haftung, weil er gegen den im Mietvertrag genannten Nutzungszweck verstößt.

Kommt es zu einem Schaden, sind Sie verpflichtet, bei der Aufklärung zu helfen. Sie müssen den Schadensfall zeitnah der Gebäudeversicherung melden und Bilder, Unterlagen und gegebenenfalls Gutachten einreichen.

 

Leichte und grobe Fahrlässigkeit

Gebäudeversicherungen müssen bei leichter Fahrlässigkeit für einen Schaden aufkommen. Bei grober Fahrlässigkeit dürfen sie die Leistungsübernahme kürzen. Wie die Ursache eines Schadensfalls einzustufen ist, bleibt Auslegungssache und führt oftmals zu Streitigkeiten, die vor Gericht austragen werden.

Bei Brandschäden haben Gerichte wie folgt entschieden:

  • Leicht fahrlässig: Wer Kerzen anzündet und kurz darauf einschläft, handelt bei einem anschließenden Brand leicht fahrlässig – die Gebäudeversicherung muss zahlen (OLG München, Az. 20 U 5148/98).
  • Grob fahrlässig: Wer eine Pfanne mit Öl auf dem eingeschalteten Herd vergisst und den Raum für eine längere Zeit verlässt, verursacht einen Brand grob fahrlässig – die Gebäudeversicherung darf die Leistung kürzen (LG Dortmund, Az. 2 O 101/11).
  • Vorsätzlich: Wer einen Brand absichtlich zum Zwecke des Versicherungsbetrugs herbeiführt, handelt vorsätzlich – die Gebäudeversicherung muss nicht zahlen (BGH 4 StR 700/98).

Das Alles-oder-nichts-Prinzip, nachdem Versicherung bei einem grob fahrlässig verursachten Schaden die Zahlung komplett verweigern konnten, ist abgeschafft. Nur bei vorsätzlichen Taten zahlt die Gebäudeversicherung nicht – auch keinen Teilbetrag.

 

Gebäudeversicherung zahlt nicht vollen Betrag

Meist entstehen Probleme mit der Leistungsübernahme der Gebäudeversicherung nicht durch eine ersatzlose Streichung der Leistung. Häufiger schiebt die Wohngebäudeversicherung Gründe vor, weshalb sie den Schaden nur zu Teilen übernimmt.

Wenn die Gebäudeversicherung den Schaden nicht komplett zahlt, sehen die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) ein privates außergerichtliches Sachverständigengutachten vor. Dieses soll die Schadenshöhe feststellen und ein Gerichtsverfahren vermeiden.

Ablauf des Gutachtens:

  • Versicherungsnehmer und Versicherung beauftragen jeweils einen Sachgutachter, der den Schaden einschätzt.
  • Die Sachverständigen benennen einen dritten Gutachter als Obmann – d. h. als Schlichter.
  • Kommen beide Sachgutachter zu unterschiedlichen Schadenshöhen, trifft der Obmann eine Entscheidung.
  • Die Entscheidung des Obmanns ist für beide Parteien verbindlich.

Die Kosten für den eigenen Sachverständigen müssen beide Parteien selbst übernehmen. Der Obmann wird jeweils zur Hälfte von beiden Parteien bezahlt.

 

Zahlungsverweigerungen sind häufig ungerechtfertigt und fehlerhaft begründet. Wenn die Gebäudeversicherung den Schaden nicht übernimmt oder nicht den vollen Betrag zahlt, ist es sinnvoll, einen Anwalt für Versicherungsrecht zu konsultieren.

Über advocado erhalten Sie innerhalb von 2 Stunden ein kostenfreies Erstgespräch mit einem spezialisierten Anwalt.,Dieser erläutert Ihnen das mögliche weitere Vorgehen, um die Versicherung zur Zahlung zu verpflichten. Hier Anliegen schildern & Erstgespräch vereinbaren.

 

4. Wie reagiere ich im Schadensfall?

Beachten Sie die folgenden Punkte, damit es nach einem Brand oder einem Wasserrohrbruch nicht zu Problemen mit der Leistungsübernahme der Gebäudeversicherung kommt:

  • Räumen Sie nicht auf: Auch wenn Sie den Schaden schnellstmöglich beseitigen möchten – lassen Sie die Schadenstelle unverändert, damit die Versicherung die Schadensursache nachvollziehen kann.
  • Dokumentieren Sie den Schadensfall: Machen Sie unverzüglich Fotos oder Videos von entstandenen Schäden.
  • Ergreifen Sie Schutzmaßnahmen: Verhindern Sie, dass sich der Schaden ausweitet. Decken Sie z. B. bei Dachschäden nach einem Sturm das undichte Dach mit Planen ab.
  • Melden Sie den Schadensfall unverzüglich: Spätestens innerhalb einer Woche sollten Sie den Schaden Ihrer Gebäudeversicherung melden. Sprechen Sie sich mit der Versicherung ab, sofern Sie den Schaden vor dem Gutachten beheben müssen.
  • Dokumentieren Sie Reparaturen: Machen Sie Fotos der Reparaturen und heben Sie alle Kostenbelege als Nachweis für die Versicherung auf. Gleiches gilt, wenn Sie beschädigte Teile beseitigen möchten.

Ist der entstandene Schaden hoch, weil ein Sturm z. B. große Teile Ihres Daches abgedeckt hat, bestellt die Gebäudeversicherung einen Gutachter zu Ihnen, der den Schaden einschätzt. Andernfalls prüft sie anhand Ihrer Schilderungen und Fotos den Schaden.

 

Wie lange die Gebäudeversicherung für die Schadensregulierung braucht, hängt vom Einzelfall ab. Ist der Schaden kompliziert (da z. B. mehrere Schäden zu unterschiedlichen Zeitpunkt entstanden sind) oder gestaltet sich die Beweissicherung schwierig, können bis zur Leistungsübernahme mehrere Wochen vergehen.

Seien Sie daher geduldig, aber erkundigen Sie sich regelmäßig nach dem Stand des Verfahrens. Liegen alle Informationen vor, aber die Gebäudeversicherung zahlt nicht, können Sie eine Zahlungsaufforderung mit der Frist von 4 Wochen aufsetzen.

 

Gebäudeversicherung zahlt nicht: Was tun?

Ihre Wohngebäudeversicherung zahlt nicht? Kontaktieren Sie uns für ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch mit einem unserer spezialisierten Anwälte. Schildern Sie dafür bitte hier Ihren Fall.

 

5. Was tun, wenn die Gebäudeversicherung nicht zahlt?

Insbesondere bei hohen Schadenssummen nach einem Leitungswasser-, Sturm- oder Brandschaden müssen Versicherte zum Teil sehr lange auf eine Kostenübernahme warten. Zwar hat die Gebäudeversicherung das Recht, den Schadensfall gewissenhaft zu prüfen – eine Verschleppung der Bearbeitungszeit müssen Sie jedoch nicht akzeptieren.

Wenn die Gebäudeversicherung trotz angemessener Wartezeit von mindestens 5 Wochen nicht zahlt, haben Sie folgende Möglichkeiten, um zu Ihrem Recht zu kommen:

 

Begründung der Versicherung prüfen

Lehnt die Gebäudeversicherung die Leistungsübernahme ab, prüfen Sie zuerst die Begründung.

Hierbei kann es hilfreich sein, folgende Fragen zu beantworten:

 

Was genau haben Sie versichert?

Haben Sie ein Wohngebäude als Bürogebäude versichert, kann die Versicherung die Zahlung verweigern. Ein erfahrener Anwalt kann hier den Versicherungsschutz retten.

 

Wurde eine bestimmte Gefahr nicht versichert?

Prüfen Sie, ob eine fehlerhafte Beratung dazu geführt hat oder ob Sie ein Risiko angegeben haben, das nicht im Versicherungsvertrag aufgeführt ist. Können Sie dies nachweisen, muss die Versicherung laut aktuellen Gerichtsurteilen zahlen.

 

Will Ihre Versicherung den Schaden nicht komplett zahlen?

Wenn die Wohngebäudeversicherung nach einem Kostenvoranschlag nicht zahlt, sollten Sie prüfen, welche Firma diesen veranschlagt hat. In einigen Fällen beauftragen Versicherungen Firmen, die den Schaden zu gering ansetzen. Im Zweifel klärt ein außergerichtliches Gutachten die Schadenshöhe.

 

Behauptet die Versicherung, Sie hätten Vertragspflichten verletzt?

Wirft Ihnen die Versicherung vor, Sie hätten bei Vertragsabschluss falsche Angaben gemacht oder den Schaden nicht zeitnah gemeldet? Falls Sie sicher sind, dass die Versicherung dies zu Unrecht behauptet, können Sie einen Anwalt beauftragen.

Vergleichen Sie die Begründung der Gebäudeversicherung genau mit Ihrer Schadensmeldung. Womöglich stellt sich schnell heraus, dass die Versicherung diese falsch interpretiert hat. Gelingt es Ihnen nicht, dies richtig zu stellen, können Sie gegen die Zahlungsverweigerung Widerspruch einlegen.

 

Beschwerde an Ombudsmann

Der Ombudsmann ist die Schlichtungsstelle der Versicherungsgesellschaft, bei der Sie Beschwerde einreichen können. Die Schlichtungsstelle agiert unabhängig von den Versicherungen und prüft Ihren Fall nach objektiven Kriterien.

Abhängig von der Schadenshöhe gilt Folgendes:

  • Streitwert bis 10.000 Euro: Schlichterspruch des Ombudsmanns ist für die Versicherung bindend.
  • Streitwert bis 100.000 Euro: Sie erhalten eine neutrale Zweitmeinung zu Ihrem Fall und können abschätzen, ob eine Klage vor Gericht Erfolg hat.

Häufig lässt sich durch eine Beschwerde beim Ombudsmann ein Prozess vermeiden.

 

Anwalt für Versicherungsrecht einschalten

Verweigert die Gebäudeversicherung weiterhin die Leistungsübernahme, ist es ratsam, einen Anwalt für Versicherungsrecht kontaktieren. Dieser deckt eine fehlerhafte Argumentation Ihrer Versicherung auf und verpflichtet sie zur Zahlung.

Versicherungen reagieren oftmals kooperativer, wenn sich der Versicherungsnehmer anwaltlich vertreten lässt.

Bei anhaltender Leistungsverweigerung der Gebäudeversicherung berät Sie der Anwalt, ob weitere außergerichtliche Verhandlungen erfolgversprechend sind, oder ob Sie gerichtlich gegen den Versicherer vorgehen sollten.

 

Sie sind sich unsicher, ob es sinnvoll ist, gegen die Entscheidung der Gebäudeversicherung vorzugehen? Nutzen Sie die Möglichkeit eines unverbindlichen Erstgesprächs mit einem Anwalt für Versicherungsrecht.

Dieser erläutert im Erstgespräch das mögliche weitere Vorgehen und klärt Sie über die Erfolgsaussichten einer Klage auf. Hier Anliegen schildern & Erstgespräch vereinbaren.

 

Selbstständiges Beweisverfahren beantragen

Zahlt die Gebäudeversicherung einen Brand- oder Wasserschaden nicht, können Sie beim Amtsgericht ein selbstständiges Beweisverfahren beantragen. Dieses geht einer Klage voraus. Das Gericht beauftragt einen unabhängigen Sachverständigen, der ein Gutachten über den Schaden erstellt.

Vorteil eines selbstständigen Beweisverfahrens:

  • Im Gegensatz zu einem privat beauftragten Gutachten ist das selbstständige Beweisverfahren vor Gericht zugelassen.
  • Häufig lenken Gebäudeversicherungen beim Vorliegen eines solchen Gutachtens ein, sodass sich gerichtliche Schritte vermeiden lassen.

Beläuft sich die Schadenssumme auf mehr als 5.000 Euro, müssen Sie sich anwaltlich vertreten lassen, um den Antrag zu stellen. Hierbei steht Ihnen ein Anwalt für Versicherungsrecht als kompetenter Ansprechpartner zur Seite.

 

Klage einreichen

Haben die vorangegangenen Schritte nicht zum Erfolg geführt und die Gebäudeversicherung zahlt nicht, können Sie Klage einreichen.

Vor Gericht ist eine anwaltliche Vertretung ratsam. Der Anwalt agiert mit der Versicherung auf Augenhöhe und übt durch eine juristisch fundierte Argumentation Druck aus, um die Versicherung zur Zahlung zu bewegen.

Kosten für Anwalt und Gericht sind abhängig vom Streitwert: Liegt dieser über 5.000 Euro, müssen Sie sich anwaltlich vertreten lassen.

 

Rechtsschutz­versicherungen übernehmen im Regelfall die Kosten für einen Anwalt, wenn die Gebäudeversicherung nicht zahlt. Sind Sie unsicher, ob Ihre Rechtsschutzversicherung die Kosten abdeckt, stellen wir gern eine kostenfreie Deckungsanfrage für Sie. Jetzt kostenfrei prüfen lassen.

 

6. Aktuelle Urteile: Wann sich ein Anwalt lohnt

Wenn die Gebäudeversicherung nicht für den Wasserschaden aufkommt, nur Teile der Kosten erstattet oder den Mietausfall nicht zahlt, ist es sinnvoll, einen spezialisierten Anwalt hinzuziehen.

Die folgenden Fälle verdeutlichen, dass eine juristische Unterstützung besonders vor Gericht die Erfolgschancen erhöht, um die Gebäudeversicherung zur Zahlung zu bewegen.

 

Keine grobe Fahrlässigkeit beim Abbrennen von Wunderkerzen am Weihnachtsbaum

OLG Frankfurt am Main: Az. 3 U 104/05

  • Fängt der Weihnachtsbaum durch das Abbrennen von Wunderkerzen Feuer, liegt keine grobe Fahrlässigkeit vor.
  • In dem Fall entzündete ein 5-Jähriger in der Nähe des Weihnachtsbaums Wunderkerzen, wodurch dieser Feuer fing, das auf die gesamte Wohnung übersprang.
  • Die Gebäudeversicherung erstattete die Kosten von 220.000 Euro an den Vermieter, verlangte sie jedoch von den Mietern zurück.
  • Das Gericht sah die Begründung wegen grober Fahrlässigkeit nicht als gegeben an und wies die Klage ab.

 

Gebäudeversicherung muss auch bei Folgeschäden leisten

OLG Hamm: Az. 6 U 191/15

  • Kommt es nach einem Sturm zu Folgeschäden, muss die Versicherung diese übernehmen.
  • In dem Fall stürzte sechs Tage nach einem Sturm ein Baum auf das Haus der Versicherungsnehmer.
  • Die Gebäudeversicherung zahlte den Sturmschaden nicht, da der Schaden erst nach dem Sturm entstanden sei.
  • Das Gericht entschied jedoch, dass der Sturm die alleinige Ursache für das Umstürzen des Baumes war – die Versicherung musste zahlen.

 

Riss im Bodenablauf einer Dusche ist versicherter Wasserschaden

AG München: Az. 155 C 30538/08

  • Zerbricht der Bodenablauf einer Dusche und kommt es dadurch zu einem Leitungswasserschaden, muss die Gebäudeversicherung diesen zahlen.
  • In dem Fall verursachte ein Riss im Bodenablauf der Dusche feuchte Wände.
  • Der Vermieter musste die Wände erneuern und neue Fliesen verlegen. Die Versicherung verweigerte die Kostenübernahme, da der Bodenablauf nicht zum Rohr der Wasserversorgung gehöre.
  • Das Gericht folgte der Begründung nicht und verpflichte die Gebäudeversicherung zur Zahlung.

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Sophie Suske
Sophie Suske
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Sophie Suske

Als Teil der juristischen Redaktion von advocado strebt Sophie Suske jeden Tag danach, komplexe Rechtsprobleme des Marken- und Versicherungsrechts für jeden Leser verständlich aufzubereiten. Grundlage ihrer lösungsorientierten Arbeit ist ihr Masterstudium der Sprach- und Kommunikationswissenschaft.

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