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Pflichtteil Enkel: Wann steht Enkeln der Pflichtteil zu?

 

Pflichtteil Enkel: Wann steht Enkeln der Pflichtteil zu?

 

 

Trotz einer Enterbung bekommen Verwandte eines Erblassers einen gewissen Anteil am Erbe – den sogenannten Pflichtteil. Zwar sind Enkel grundsätzlich immer pflichtteilsberechtigt, allerdings haben sie nicht immer einen durchsetzbaren Anspruch. Wann Enkel den Pflichtteil einfordern können und wie hoch ihr Pflichtteil ausfallen würde, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Pflichtteil Enkel: Wann steht Enkeln der Pflichtteil zu?

 

Lesezeit: ca. 7 Min.

 

In diesem Beitrag erfahren Sie, wann Enkel den Pflichtteil bekommen. Zudem können Sie berechnen, wie hoch dieser ausfallen würde, wie er geltend gemacht wird und wann er verjährt.

 

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Inhaltsverzeichnis

1. Was ist der Pflichtteil?
2. Wann erhalten Enkel den Pflichtteil?
3. Wie hoch ist der Pflichtteil des Enkels?
4. Wie können Enkel ihren Pflichtteil geltend machen?
5. Wann verjährt der Pflichtteil für Enkel?
6. Wie kann man den Pflichtteil für Enkel umgehen?
7. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung von einem Anwalt

 

1. Was ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil ist ein gesetzlicher Mindestanspruch am Erbe, der im Bürgerlichen Gesetzbuch ab § 2303 verankert ist. Durch ihn werden nahe Angehörige davor geschützt, vollständig enterbt zu werden. Somit gibt es auch einen Pflichtteil für Enkel. Pflichtteile werden stets in Geld ausgezahlt und fallen den Berechtigten nicht automatisch zu, sondern müssen geltend gemacht werden.

 

2. Wann erhalten Enkel den Pflichtteil?

Um den Pflichtteil zu bekommen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Pflichtteilsberechtigung: Das bedeutet, dass lediglich nahe Angehörige eines Erblassers überhaupt den Pflichtteil verlangen können. Das sind nach § 2303 BGB

  • alle Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel und sogar Urenkel) – ehelich, unehelich, mit Legitimierung und adoptiert,
  • der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner des Erblassers,
  • die Eltern des Erblassers.

2. Ein gültiger Anspruch auf den Pflichtteil: Trotz Berechtigung kann es nämlich sein, dass Enkel keinen durchsetzbaren Pflichtteilsanspruch haben Dies hat den Hintergrund, dass im Pflichtteilsrecht ein Art Rangfolge herrscht. Hat der Erblasser Kinder, haben nur diese ein Recht auf den Pflichtteil – seine Enkel und auch seine Eltern gehen dabei leer aus.

Enkel sind also immer pflichtteilsberechtigt, haben in der Regel aber keinen gültigen Anspruch. Nur wenn die Eltern des Enkels – folglich ein Kind des Erblassers – verstorben sind, geht ihr Anspruch auf das Enkelkind über. Der Pflichtteil für Enkel ist somit eher ein Ausnahmefall.

 

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3. Wie hoch ist der Pflichtteil des Enkels?

Der Pflichtteil für Enkel beträgt die Hälfte der gesetzlichen Erbquote. Zur Erklärung: Hätte der Erblasser keinen letzten Willen hinterlassen, würde die gesetzliche Erbfolge eintreten. Was der enterbten Person demnach zustehen würde, wird halbiert und ergibt somit den Pflichtteil. Damit ist die exakte Höhe des Pflichtteils des Enkels in jedem Einzelfall individuell zu berechnen.

Wie hoch Ihr Pflichtteil ausfallen wird, können Sie mit diesem Pflichtteilsrechner ausrechnen:

Pflichtteilsrechner – Berechnung des Pflichtteils

Ausführlichere Informationen zum Thema finden Sie zudem in unserem Beitrag „Pflichtteil berechnen“.

 

4. Wie können Enkel ihren Pflichtteil geltend machen?

Wie eingangs erwähnt, fällt einem der Pflichtteil nicht automatisch zu. Er muss ausdrücklich bei den Erben des Erblassers eingefordert werden. Dies geschieht in der Regel zunächst durch Gespräche im Familienkreis – ohne Anwalt. Ist eine freundschaftliche Einigung allerdings nicht möglich, sollten Sie aus Beweisgründen nur noch schriftlich mit den Erben kommunizieren.

Fordern Sie die Erben des Verstorbenen auf, Ihnen Auskunft über das Erbe mithilfe eines Nachlassverzeichnisses zu erteilen (§ 2314 BGB). Auf Grundlage dessen berechnen Sie Ihren Pflichtteil und verlangen die Auszahlung des Betrages. Zum Auskunftsbegehren und der Einforderung lesen Sie den ausführlichen Beitrag „Pflichtteil einfordern“ – hier finden Sie auch ein Musterschreiben.

Sollten die Erben eine friedliche Mitarbeit verweigern, kann der pflichtteilsberechtigte Enkel den Pflichtteil einklagen. Zwar fallen dabei Anwalts- und Gerichtsgebühren an, diese werden aber nach Beendigung des Verfahrens von der verlierenden Partei übernommen. Ausführlichere Informationen zu den Kosten für den Pflichtteilsprozess erhalten Sie in unserem Beitrag „Pflichtteil einklagen – wer trägt die Kosten?

 

5. Wann verjährt der Pflichtteil für Enkel?

Der Anspruch des Enkels auf den Pflichtteil verjährt nach der gesetzlichen Verjährungsfrist von drei Jahren. Diese Frist beginnt allerdings nicht ab dem Todeszeitpunkt des Erblassers, sondern ab Kenntnis des Enterbten über seine Enterbung. Zudem läuft die Verjährung immer erst zum Ende eines Jahres ab. Erfährt eine Person also am 15.3.2017 von seiner Enterbung, ist sein Anspruch erst am 31.12.2020 verjährt. Sind seit dem Todesfall aber mehr als 30 Jahre vergangen, sind alle erbrechtlichen Ansprüche ausnahmslos verjährt.

Mit unserem Verjährungsrechner können Sie schnell und einfach berechnen, ob Ihr Anspruch auf den Pflichtteil bereits verjährt ist.

Pflichtteilrechner - Verjährung
Weiter

 

Warum ist diese Angabe wichtig?

Neben der regulären Verjährungsfrist ist auch eine maximale Frist von 30 Jahren ab Todeszeitpunkt des Erblassers zu berücksichtigen.

Weiterführende Informationen zur Verjährung erhalten Sie zudem in unserem Beitrag zur Pflichtteil-Verjährung.

 

6. Wie kann man den Pflichtteil für Enkel umgehen?

Wer den Pflichtteil für Enkel verhindern will, hat fünf Möglichkeiten. Dazu zählen zum Beispiel die Schenkung – dabei wird das Vermögen bereits zu Lebzeiten vererbt. Aber Vorsicht: Eine Schenkung zieht oftmals einen Pflichtteilsergänzungsanspruch mit sich.

Außerdem können zukünftige Erblasser einen Pflichtteilsverzicht mit dem Enkel aushandeln. Dabei bestätigt der Enkel vor einem Notar, seinen Pflichtteil im Erbfall nicht geltend zu machen. Im Gegenzug erhält er sofort eine Abfindungszahlung. Des Weiteren sind eine Verlagerung des Vermögens ins Ausland, ein Verkauf gegen Leibrente oder ein Pflichtteilsentzug denkbar, um dem Enkel den Pflichtteil nicht auszahlen zu müssen.

Wie genau man dem Enkel den Pflichtteil entziehen kann, können Sie ausführlich im Beitrag „Pflichtteil umgehen“ nachlesen.

 

7. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung von einem Anwalt

Enkelkinder haben meistens keinen Anspruch auf den Pflichtteil. Nur wenn die Mutter oder der Vater bereits verstorben sind, können die Kindeskinder eines Erblassers ihren Pflichtteil einfordern. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Pflichtteilsanspruch innerhalb von drei Jahren verjährt. Daher muss er unverzüglich nach Kenntnis der Enterbung geltend gemacht werden. Bei unkooperativen Erben sollte ein Anwalt kontaktiert werden, der Ihren Anspruch notfalls gerichtlich durchsetzt. Üblicher ist allerdings eine außergerichtliche Einigung. In einer kostenlosen Ersteinschätzung können Sie mit einem Experten besprechen, ob Sie einen durchsetzbaren Pflichtteilsanspruch haben oder der Erblasser Ihren Pflichtteil erfolgreich umgehen konnte.

 

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