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Sind Kinder pflichtteilsberechtigt? Wie viel steht Ihnen zu?

 

Sind Kinder pflichtteilsberechtigt? Wie viel steht Ihnen zu?

 

 

Gelegentlich können familiäre Probleme und Streitigkeiten dazu führen, dass Eltern ihre Kinder testamentarisch vom Erbe ausschließen. Doch dies ist nur bedingt möglich, da die Kinder als Erben erster Ordnung stets einen Anspruch auf einen Pflichtteil am Erbe haben. Ob Kinder wirklich immer pflichtteilsberechtigt sind, wie hoch dieser ausfällt und wie sich der Pflichtteil den Kindern ggf. doch entziehen lässt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Sind Kinder pflichtteilsberechtigt? Wie viel steht Ihnen zu?

 

Lesezeit: ca. 4 Min.

 

In diesem Beitrag erfahren Sie unter anderem, ob Kinder immer pflichtteilsberechtigt sind und wie man seinen Kindern den Pflichtteil entziehen kann.

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsproblem oder Ihre Fragen zur Pflichtteilsberechtigung kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht besprechen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Was ist der Pflichtteil?
2. Die Höhe des Pflichtteils
3. Den Pflichtteil einfordern
4. Sind Kinder immer pflichtteilsberechtigt?
5. Kann man Kindern den Pflichtteil entziehen?
6. Den Pflichtteil entziehen durch Pflichtteilsverzicht
7. Den Pflichtteil entziehen durch Pflichtteilsstrafklausel
8. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

 

1. Was ist der Pflichtteil?

Beim Pflichtteil handelt es sich um eine sogenannte Mindestbeteiligung am Nachlass eines verstorbenen Verwandten. Damit schränkt der gesetzlich vorgesehene Pflichtteil die Testierfähigkeit des künftigen Erblassers ein, da dieser so nicht nach Belieben direkte Abkömmlinge enterben kann.

Gemäß § 2303 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) haben folgende Verwandte einen Pflichtteilsanspruch:

  • alle Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel und Urenkel) – ehelich, außerehelich, mit Legitimierung und adoptiert,
  • der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner des Erblassers,
  • die Eltern des Erblassers.

Letztere werden jedoch lediglich berücksichtigt, sofern der Erblasser keine Kinder und auch keinen Ehegatten bzw. Lebenspartner hatte. Weitere Informationen darüber, wer pflichtteilsberechtigt ist, finden Sie hier.

 

2. Die Höhe des Pflichtteils

Um zu ermitteln, wie hoch der Pflichtteil von Kindern ausfällt, wird in einem ersten Schritt der Wert des Nachlasses bestimmt. Im zweiten Schritt kann dann berechnet werden, wie hoch das gesetzliche Erbe ausgefallen wäre. Prinzipiell beträgt der Pflichtteil die Hälfte des Anteils, welcher den Erben erster Ordnung zusteht.

Pflichtteilsrechner – Berechnung des Pflichtteils

 

3. Den Pflichtteil einfordern

Pflichtteilsberechtigte Kinder können ihren Anspruch geltend machen, indem sie selbst aktiv werden. Dazu müssen diese sich an den im Testament eingesetzten Erben wenden und die Herausgabe der Mindestbeteiligung am Erbe verlangen. Kommt der Erbe diesem Verlangen nicht nach, so ist es sinnvoll einen Anwalt einzuschalten. Hier finden Sie ausführlichere Informationen darüber, wie Sie den Pflichtteil einfordern können.

 

4. Sind Kinder immer pflichtteilberechtigt?

Die Kinder des Erblassers – ehelich, außerehelich oder adoptiert – sind prinzipiell immer pflichtteilsberechtigt. Das BGB gesteht ihnen eine Mindestbeteiligung am Nachlass des Erblassers zu. Von Gesetzeswegen her ist es daher sehr schwer, direkten Abkömmlingen den Pflichtteilsanspruch zu entziehen. Dennoch gibt es auch hier Möglichkeiten.

 

5. Kann man Kindern den Pflichtteil entziehen?

Soll der Pflichtteil Kindern des Erblassers entzogen werden, so müssen hierfür triftige Gründe vorliegen. § 2333 BGB enthält diesbezüglich eine Auflistung von sogenannten Pflichtteilsentziehungsgründen. Kann der künftige Erblasser diese plausibel und detailliert begründen und hält dies schriftlich in seinem Testament fest, so kann dem Pflichtteilsberechtigten sein Anspruch auf die Mindestbeteiligung am Erbe entzogen werden. Gemäß § 2333 Absatz 1 BGB kann der Erblasser dem pflichtteilsberechtigten Kind seinen Pflichtteilsanspruch absprechen, wenn:

  • der Pflichtteilsberechtigte dem Erblasser, dem Partner des Erblassers oder nahen Verwandten und Bekannten des Erblassers nach dem Leben trachtet,
  • der Pflichtteilsberechtigte ein Verbrechen oder vorsätzliches Vergehen begangen hat, welches sich gegen die zuvor aufgelisteten Personen gerichtet hat,
  • der Pflichtteilsberechtigte seine gesetzliche Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser absichtlich und böswillig verletzt hat oder
  • wenn das pflichtteilsberechtigte Kind wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt wurde und die Teilhabe am Nachlass für den Erblasser unzumutbar ist.

Ist eine dieser Bedingungen erfüllt, kann man den Pflichtteil umgehen. Wie sich mithilfe von Pflichtteilsverzicht und dem Berliner Testament der Pflichtteil entziehen lässt, erklären wir Ihnen folgend. Informationen, wie Sie Personen rechtssicher enterben können, im Beitrag "Rechtssicher enterben".

 

6. Den Pflichtteil entziehen durch Pflichtteilsverzicht

Zukünftige Erblasser können zu Lebzeiten mit ihren Kindern einen sogenannten Pflichtteilsverzicht vereinbaren. Dieser muss zwingend von einem Notar beurkundet werden, um Gültigkeit zu erlangen. Hierbei vereinbart der künftige Erblasser mit dem pflichtteilsberechtigten Kind verbindlich, dass dieses seinen Pflichtteilsanspruch beim Ableben des Erblassers nicht geltend macht. Meist erhält der Pflichtteilsberechtigte für seinen Pflichtteilsverzicht eine Abfindung. Bei dieser Variante ist jedoch zu beachten, dass unbedingt beide Parteien – sowohl Erblasser als auch Pflichtteilsberechtigter – freiwillig dem Pflichtteilsverzicht zustimmen.

 

7. Den Pflichtteil entziehen durch Pflichtteilsstrafklausel

Beim Berliner Testament setzen sich die Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein. Die Kinder erben dann erst nach dem Tod des zweiten Ehepartners. Mit einer Pflichtteilsstrafklausel verfügen Ehegatten, dass Kinder, die bereits im ersten Erbfall ihren Pflichtteil einfordern, beim Tod des zweiten Elternteils enterbt werden und damit letztendlich weniger erhalten. Diese Klausel kann unter Umständen dazu führen, dass der Pflichtteil von Kindern nicht bereits nach dem Tod des ersten Ehepartners geltend gemacht wird.

 

8. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Kinder eines Erblassers haben grundsätzlich einen Anspruch auf einen Pflichtteil, auch wenn sie enterbt wurden. Doch dieser lässt sich mitunter nicht so einfach durchsetzen – vor allem, wenn sich der testamentarische Erbe vehement dagegen wehrt, Ihnen Auskunft über die Höhe des Nachlasses zu geben. Ist dies der Fall, sollten Sie sich an einen unserer Rechtsexperten wenden. Unser Anwalt für Erbrecht beantwortet Ihnen in einer kostenfreien Ersteinschätzung zum Erbrecht alle wichtigen Fragen zum Pflichtteil von Kindern.

 

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