Pflichtteil Kinder: Sind Kinder immer pflichtteilsberechtigt?

Pflichtteil Kinder: Sind Kinder immer pflichtteilsberechtigt?
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In diesem Beitrag erfahren Sie unter anderem, ob Kinder immer pflichtteilsberechtigt sind und wie man seinen Kindern den Pflichtteil entziehen kann.

 Darüber hinaus können Sie Ihr Rechtsproblem oder Ihre Fragen zur Pflichtteilsberechtigung kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht besprechen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Was ist der Pflichtteil?
2. Die Höhe des Pflichtteils
3. Den Pflichtteil einfordern
4. Sind Kinder immer pflichtteilsberechtigt?
5. Kann man Kindern den Pflichtteil entziehen?
  5.1 Den Pflichtteil entziehen durch Pflichtteilsverzicht
  5.2 Den Pflichtteil entziehen durch Pflichtteilsstrafklausel
6. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

 

1. Was ist der Pflichtteil?

Beim Pflichtteil handelt es sich um eine sogenannte Mindestbeteiligung am Nachlass eines verstorbenen Verwandten. Damit schränkt der gesetzlich vorgesehene Pflichtteil die Testierfreiheit des künftigen Erblassers ein, da dieser so nicht nach Belieben direkte Abkömmlinge enterben kann.

Gemäß § 2303 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) haben folgende Verwandte einen Pflichtteilsanspruch:

  • alle Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel und Urenkel) – ehelich, außerehelich, mit Legitimierung und adoptiert,
  • der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner des Erblassers,
  • die Eltern des Erblassers.

Letztere werden jedoch lediglich berücksichtigt, sofern der Erblasser keine Kinder und auch keinen Ehegatten bzw. Lebenspartner hatte. Weitere Informationen zur Pflichtteilsberechtigung erhalten Sie in unserem ausführlichen Beitrag "Wer ist pflichtteilsberechtigt?".

 

2. Die Höhe des Pflichtteils

Um zu ermitteln, wie hoch der Pflichtteil von Kindern ausfällt, wird in einem ersten Schritt der Wert des Nachlasses bestimmt. Im zweiten Schritt kann dann berechnet werden, wie hoch der Erbteil nach der gesetzlichen Erbfolge ausgefallen wäre. Dieser wird halbiert und ergibt somit den Pflichtteilsanspruch.

Pflichtteilsrechner – Berechnung des Pflichtteils

 

3. Den Pflichtteil einfordern

Pflichtteilsberechtigte Kinder können ihren Anspruch nur geltend machen, indem sie selbst aktiv werden. Dazu müssen diese sich an den im Testament eingesetzten Erben wenden und die Herausgabe der Mindestbeteiligung am Erbe verlangen. Kommt der Erbe diesem Verlangen nicht nach, so ist es sinnvoll einen Anwalt einzuschalten. Hier finden Sie ausführlichere Informationen darüber, wie Sie den Pflichtteil einfordern können.

 

4. Sind Kinder immer pflichtteilberechtigt?

Die Kinder des Erblassers – egal, ob ehelich, außerehelich oder adoptiert – sind prinzipiell immer pflichtteilsberechtigt. Das BGB gesteht ihnen also grundsätzlich eine Mindestbeteiligung am Nachlass des Erblassers zu. Zu den Besonderheiten des Pflichtteils für uneheliche Kinder, lesen Sie auch den Beitrag "Pflichtteil uneheliche Kinder".  Nichtsdestotrotz gibt es Möglichkeiten, den Pflichtteil für seine Kinder zu umgehen. Wann Kinder keinen gültigen Anspruch auf ihren Pflichtteil haben, erfahren Sie im nächsten Kapitel.

 

5. Kann man Kindern den Pflichtteil entziehen?

Da Kinder in der Regel immer pflichtteilsberechtigt sind und meist auch einen durchsetzbaren Pflichtteilsanspruch haben, ist ein Pflichtteilsentzug von direkten Abkömmlingen schwer durchzusetzen. Nur, wenn triftige Gründe vorliegen, kann der Pflichtteil der Kinder entzogen werden. § 2333 BGB enthält diesbezüglich eine Auflistung von sogenannten Pflichtteilsentziehungsgründen. Kann der künftige Erblasser diese plausibel und detailliert begründen und hält dies schriftlich in seinem Testament fest, so kann dem Pflichtteilsberechtigten sein Anspruch auf die Mindestbeteiligung am Erbe entzogen werden. Gemäß § 2333 Absatz 1 BGB kann der Erblasser dem pflichtteilsberechtigten Kind seinen Pflichtteilsanspruch absprechen, wenn:

  • der Pflichtteilsberechtigte dem Erblasser, dem Partner des Erblassers oder nahen Verwandten und Bekannten des Erblassers nach dem Leben trachtet,
  • der Pflichtteilsberechtigte ein Verbrechen oder vorsätzliches Vergehen begangen hat, welches sich gegen die zuvor aufgelisteten Personen gerichtet hat,
  • der Pflichtteilsberechtigte seine gesetzliche Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser absichtlich und böswillig verletzt hat oder
  • wenn das pflichtteilsberechtigte Kind wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt wurde und die Teilhabe am Nachlass für den Erblasser unzumutbar ist.

Ist eine dieser Bedingungen erfüllt, kann man den Pflichtteil umgehen. Wie sich mithilfe von Pflichtteilsverzicht und dem Berliner Testament der Pflichtteil entziehen lässt, erklären wir Ihnen in den folgenden Unterkapiteln. Informationen, wie Sie Personen rechtssicher enterben können, erhalten Sie im Beitrag "Rechtssicher enterben".

 

5.1 Den Pflichtteil entziehen durch Pflichtteilsverzicht

Zukünftige Erblasser können zu Lebzeiten mit ihren Kindern einen sogenannten Pflichtteilsverzicht vereinbaren. Dieser muss zwingend von einem Notar beurkundet werden, um Gültigkeit zu erlangen. Hierbei vereinbart der künftige Erblasser mit dem pflichtteilsberechtigten Kind verbindlich, dass dieses seinen Pflichtteilsanspruch beim Ableben des Erblassers nicht geltend macht. Meist erhält der Pflichtteilsberechtigte für seinen Pflichtteilsverzicht eine Abfindung. Bei dieser Variante ist jedoch zu beachten, dass unbedingt beide Parteien – sowohl Erblasser als auch Pflichtteilsberechtigter – freiwillig dem Pflichtteilsverzicht zustimmen. Was dabei zu beachten ist, können Sie im Beitrag "Pflichtteilsverzichtsvertrag" nachlesen.

 

5.2 Den Pflichtteil entziehen durch Pflichtteilsstrafklausel

Der Pflichtteil kann auch durch eine Strafklausel im Berliner Testament (oder Ehegattentestament) entzogen werden. Bei diesem setzen sich die Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein. Die Kinder erben dann erst nach dem Tod des zweiten Ehepartners. Mit einer Pflichtteilsstrafklausel verfügen die Ehegatten, dass Kinder, die bereits im ersten Erbfall ihren Pflichtteil einfordern, beim Tod des zweiten Elternteils enterbt werden und damit letztendlich weniger erhalten. Diese Klausel kann unter Umständen dazu führen, dass der Pflichtteil von Kindern nicht bereits nach dem Tod des ersten Ehepartners geltend gemacht wird.

 

6. Tipp: kostenlose Ersteinschätzung im Erbrecht

Kinder eines Erblassers haben grundsätzlich einen Anspruch auf einen Pflichtteil, auch wenn sie enterbt wurden. Doch dieser lässt sich mitunter nicht so einfach durchsetzen – vor allem, wenn sich der testamentarische Erbe vehement dagegen wehrt, Ihnen Auskunft über die Höhe des Nachlasses zu geben. Ist dies der Fall, sollten Sie sich an einen unserer Rechtsexperten wenden. Unser Anwalt für Erbrecht beantwortet Ihnen in einer kostenfreien Ersteinschätzung zum Erbrecht alle wichtigen Fragen zum Pflichtteil von Kindern.

 

► Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen zum Thema Pflichtteil kostenlos mit unserem Anwalt für Erbrecht zu besprechen.

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