Handschriftliches Testament erstellen: Regelungen, Gültigkeit & Hinterlegung – mit Muster-Vorlage

Handschriftliches Testament erstellen: Regelungen, Gültigkeit & Hinterlegung – mit Muster-Vorlage

Johanna Metzger

Juristische Redaktion

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9 Minuten Lesezeit

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In diesem Beitrag erfahren Sie u. a., was Sie bei der Erstellung eines handschriftlichen Testaments beachten müssen, wann es gültig oder ungültig ist, was bei Sonderfällen wie Scheidung oder Demenz passiert und wie es am sichersten verwahrt werden kann.

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1. Was ist ein handschriftliches Testament?

Ein handschriftliches Testament ist ein mit Stift und Papier verfasster letzter Wille. In diesem kann ein Erblasser frei entscheiden, wer welchen Anteil am Nachlass erhalten soll. Zudem kann er z. B. Klauseln zur Enterbung von Angehörigen oder zur Vor- und Nacherbschaft festlegen. Liegt ein handschriftliches Testament vor, setzt dieses die gesetzliche Erbfolge außer Kraft.

Bei einem handschriftlichen Testament kann sich zwischen einem alleinigen und einem gemeinschaftlichen Testament entschieden werden.

 

1.1 Alleiniges Testament

Ein alleiniges handschriftliches Testament – auch privatschriftliches oder

eigenhändiges Testament genannt – wird von einer Einzelperson verfasst. Dabei legt diese nach freiem Willen fest, wer erbt und wem etwas aus dem Nachlass vermacht werden soll. Um Irrtümer auszuschließen, sollten Erben und Vermächtnisnehmer immer mit vollem Namen genannt werden. Zudem ist das Verfassen per Hand sowie die Unterschrift am Ende des Testaments wichtig – so entstehen auch bezüglich des Erblassers keine Verwechslungen. Ort und Datum der Aufsetzung sind ebenfalls zu vermerken, damit – falls ältere Testamente bestehen – nur das aktuelle gültig ist.

Ein Beispiel für ein alleiniges handgeschriebenes Testament finden Sie im Unterkapitel „Muster-Vorlage & Formulierungshilfen“ dieses Beitrages.

 

1.2 Gemeinschaftliches Testament

Ein gemeinschaftliches handschriftliches Testament – auch Ehegattentestament genannt – kann von Ehepartnern oder eingetragenen Lebenspartnern verfasst werden. Es dient dabei als Ersatz für zwei Einzeltestamente. In diesem Testament können beide Partner zusammen entscheiden, was oder welche Anteile an wen vererbt werden. Bei einem solchen Dokument reicht es übrigens aus, wenn ein Partner dieses handschriftlich verfasst und der andere nur unterschreibt.

Eine Sonderform des gemeinschaftlichen Testaments bildet das Berliner Testament. Dessen Ziel ist die gegenseitige Absicherung der Ehe- oder Lebenspartner. Stirbt einer der beiden Partner, erbt der zweite das gesamte Vermögen – er ist dann der sogenannte Vorerbe. Gemeinsame Kinder sind vorerst von der Erbfolge ausgeschlossen. Erst beim Ableben des zweiten Ehepartners erben auch die Kinder oder Verwandten – sie sind dann die Schluss- bzw. Nacherben.

Weitere Informationen zum Berliner Testament erhalten Sie in unserem Beitrag „Berliner Testament“.

Welche Formvorschriften und Vorgehensweisen Sie bei der Erstellung eines alleinigen und gemeinschaftlichen handschriftlichen Testaments beachten sollten, erfahren Sie im folgenden Kapitel.

Weitere Beispiele für gemeinschaftlich verfasste handschriftliche Testamente finden Sie zudem im Unterkapitel „Muster-Vorlage & Formulierungshilfen“ in diesem Beitrag.

 

2. Wann ist ein handschriftliches Testament …

2.1 … gültig?

Damit ein handschriftliches Testament gültig ist, müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:

  • Der Erblasser muss testierfähig
  • Das Testament muss mit der Hand verfasst sein.
  • Der Erblasser muss eigenhändig unterschreiben.
  • Die Unterschrift muss unter dem Testament stehen – bei mehreren Blättern genügt eine Unterschrift auf dem letzten Blatt, ratsam ist jedoch die Unterzeichnung aller Blätter.
  • Der volle Vor- und Zuname sollte angeben werden – außer es ist nachzuweisen, dass es sich beim Verfasser um den Erblasser handelt.
  • Ort und Datum müssen vermerkt sein.

Wann ein handschriftliches Testament hingegen ungültig wird, erfahren Sie im folgenden Kapitel.

 

2.2 … ungültig?

Ein handschriftliches Testament ist ungültig, wenn

  • der Erblasser bei der Testamentserstellung testierunfähig war,
  • es per Computer oder Schreibmaschine verfasst wurde – sind einzelne Absätze handschriftlich geschrieben, behalten diese ihre Wirksamkeit, solange sie einen zusammenhängenden Sinn ergeben –,
  • ein mangelnder Testierwille nachzuweisen ist – also lediglich ein Testamentsentwurf oder eine Testamentsankündigung vorliegt –,
  • der Erblasser gezwungen wurde, ein solches zu verfassen,
  • der Erblasser es nicht persönlich verfasst hat,
  • ein bereits bindendes gemeinschaftliches Testament vorliegt,
  • das Testament sittenwidrig ist oder gegen Gesetze verstößt.

Liegt einer der genannten Punkte vor, wird ein handschriftliches Testament als ungültig erklärt und die gesetzliche Erbfolge ohne Testament tritt in Kraft.

Ist ein Erblasser geschieden, unverheiratet oder an Demenz erkrankt, stellt sich die Frage nach der Gültigkeit eines Testaments einmal mehr. Was in solchen Fällen bei der Errichtung und Änderung eines handschriftlichen Testaments zu beachten ist, erfahren Sie im nächsten Kapitel.

 

3. Handschriftliches Testament bei …

3.1 … Scheidung

Bei einer Scheidung wird ein gemeinsam errichteter Wille laut § 2268 Abs. 1 BGB ungültig. Ein Gericht kann ein handschriftliches Testament jedoch auch weiterhin für gültig erklären. Dafür muss die Annahme plausibel erscheinen, beide Ehepartner hätten das Fortbestehen des Testaments befürwortet. Dies kann weitreichende Folgen haben:

  • Bei einem Testament mit einem neuen Partner würde dieses ungültig werden.
  • Vermögen und Nachlass können in ganz andere Hände gehen, als wirklich gewollt.
  • Verstirbt ein alter Ehepartner, setzt die Bindungswirkung des Testaments ein – der geschiedene überlebende Partner wäre so für immer an das Testament gebunden.

Ist das Fortbestehen eines Testaments nach einer Scheidung nicht gewollt, empfiehlt es sich, Vorkehrungen zu treffen:

  • Vermerk im Ehegattentestament, dass dieses im Falle einer Scheidung unwirksam werden soll,
  • Vernichtung von handschriftlichen Testamenten nach der Scheidung,
  • Rücknahme von notariellen Testamenten aus der amtlichen Verwahrung des Nachlassgerichtes.

Es ist wichtig, nach einer Scheidung genau zu prüfen, ob ein gemeinsam aufgesetztes Testament noch gültig ist oder nicht. Lebt man nämlich mit einem (neuen) Partner unverheiratet zusammen, möchte dieser im Erbfall ebenfalls abgesichert werden.

 

3.2 … Unverheirateten

War ein Verstorbener mit seinem Partner weder verheiratet noch in einer Lebenspartnerschaft eingetragen, hat der länger lebende Partner keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Erbe. Es empfiehlt sich daher, bereits zu Lebzeiten ein Testament aufzusetzen, welches den Partner absichert. Durch die Testierfreiheit ist es möglich, den Partner in einem Testament zum Erben zu machen. Dies kann nur in einem eigenständig verfassten Testament geschehen. Sonderformen wie das Berliner Testament sind hier allerdings nicht zulässig.

Hatte der verstorbene Partner Kinder, haben diese trotz des Testaments häufig einen Anspruch auf einen Pflichtteil am Erbe. Wurde ein Partner z. B. als Alleinerbe eingesetzt, bedeutet dies also nicht, dass er den gesamten Nachlass erbt. Sind die Kinder pflichtteilsberechtigt, können diese – auch gerichtlich – den Anteil am Nachlass einfordern. Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag „Pflichtteil für uneheliche Kinder“.

Ein Beispiel für ein handschriftlich verfasstes Testament zugunsten eines Lebensgefährten finden Sie im Unterkapitel „Muster-Vorlage & Formulierungshilfen“ dieses Beitrages.

 

3.3 … Demenz

Bei Demenz oder Alzheimer liegt schnell die Vermutung nahe, dass bei der betroffenen Person eine Testierunfähigkeit vorliegen könnte. Wird dennoch ein handschriftliches Testament aufgesetzt, kann dies unwirksam sein und angefochten werden. Um sich in diesem Fall abzusichern, sollte man bei einer zweifelhaften Testierfähigkeit folgendes bei der Testamentserrichtung beachten:

  • zeitnahe Errichtung des Testaments nach Diagnose von Demenz oder Alzheimer,
  • Beurkundung durch einen Notar – dieser kann sich dabei von der Testierfähigkeit des Verfassers überzeugen und einen Vermerk in der Testamentsurkunde hinterlegen –,
  • Einholung eines ärztlichen Gutachtens über die Testierfähigkeit des Betroffenen (nach Möglichkeit bei einem Facharzt auf diesem Gebiet).

Demenz bedeutet also nicht zwangsläufig, dass man testierunfähig ist. Je nach Stadium der Krankheit kann hier noch Vorsorge bezüglich des Testaments getroffen werden. Es sollte jedoch davon abgesehen werden, ein reines handschriftliches Testament zu verfassen und dieses zuhause ohne weitere Gutachten oder Beurkundungen zu verwahren. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit einer Anfechtung sehr hoch.

Für eine höhere Rechtssicherheit Ihres handschriftlichen Testaments bei Demenz sollten Sie sich anwaltlich beraten lassen. Einer unserer Anwälte für Erbrecht berät Sie dazu gerne. Hier können Sie Ihre Anfrage stellen.

 

4. Erstellung eines handschriftlichen Testaments

Bei der Erstellung eines handschriftlichen Testaments sind verschiedene Anforderungen zu beachten – gerade dann, wenn ein solches Testament zuhause aufbewahrt und nicht durch einen Notar beglaubigt wird. Denn ein handschriftliches Testament kann schnell unwirksam werden – z. B. wenn es per Computer verfasst wurde oder Ort, Datum und/oder Unterschrift fehlen. Dadurch würde die gesetzliche Erbfolge in Kraft treten und die Wünsche des Erblassers blieben unberücksichtigt.

 

4.1 Allgemeiner Aufbau

Um ein Testament als solches zu kennzeichnen, sollte dieses mit einer Überschrift – z. B. „Mein letzter Wille“, „Testament“, „Mein Testament“ – versehen werden. Sind mehrere Testamente vorhanden, bietet es sich grundsätzlich an, diese mit einem Vermerk – z. B.: „Hiermit erkläre ich alle meine bisher geschriebenen Testamente für ungültig“ – zu kennzeichnen. Um die Aktualität des Testaments zu beweisen, dürfen Ort und Datum nicht fehlen.

Der Inhalt sollte leserlich, klar und strukturiert aufgebaut sein. Dabei gilt: Je detaillierter die Angaben sind, desto weniger Unklarheiten entstehen. Abschließend wird die Unterschrift unter das Testament gesetzt. Diese ist unabdinglich. Von einer Unterschrift wie „eure Mutter“ oder „euer Vater“ sollte abgesehen werden.

Zur Verdeutlichung finden Sie im folgenden Kapitel einige Formulierungshilfen für handschriftlich verfasste Testamente.

 

4.2 Formulierungshilfen 

Für ein alleiniges handgeschriebenes Testament:

Mein letzter Wille/Mein Testament/Testament

Hiermit setze ich, Max Mustermann, geb. am ..., meine Ehefrau Lisa Mustermann, geb. Musterfrau, als Alleinerbin ein. Unsere Kinder Anna und Tom erhalten jeweils den Pflichtteil. 

Musterstadt, den ...

Unterschrift Max Mustermann

 

Für ein gemeinschaftlich handgeschriebenes Testament:

Unser letzter Wille/Unser gemeinsames Testament/Testament

Wir, die Eheleute Max und Lisa Mustermann, setzen uns hiermit gegenseitig zu alleinigen Erben unseres gesamten Nachlasses ein. Unser Sohn Tom Mustermann soll Erbe des Letztverstorbenen sein. 

 

Musterstadt, den ...

Unterschrift beider Eheleute

 

Für ein Berliner Testament:

Unser gemeinsamer Wille/Unser gemeinsames Testament 

Wir, Max Mustermann, geb. am ..., in ..., und Lisa Mustermann, geb. Musterfrau, geb. am ..., in ..., setzen uns gegenseitig als Alleinerben ein. 

Der Längerlebende von uns soll allein und ohne Rücksicht auf Pflichtteilsberechtigte erben. Unsere Kinder Anna und Tom werden als Schlusserben eingesetzt und sollen zu gleichen Teilen erben. Sollte eines unserer Kinder zum Zeitpunkt des Erbfalles verstorben sein, so sind dessen Abkömmlinge stattdessen erbberechtigt.

Der überlebende Ehepartner ist jedoch berechtigt, die hier genannte Erbeinsetzung unter unseren Kindern und deren Abkömmlingen nach Belieben abzuändern. 

 

Ort, Datum Unterschrift

 

Erklärung, dass dies auch der Wille des 2. Partners ist

 

Ort, Datum Unterschrift

 

Für ein handschriftlich verfasstes Testament zugunsten des Lebensgefährten:

Mein letzter Wille/Mein Testament/Testament

Hiermit setze ich, Max Mustermann, meine langjährige Lebensgefährtin (Vor- und Nachnahme) als Alleinerbin ein. 

 

Musterstadt, den …

Unterschrift Max Mustermann

 

Bitte beachten Sie, dass es sich bei den Formulierungshilfen um Beispiele handelt. Sie sind nicht universell einsetzbar, sondern müssen immer auf die verschiedenen Lebensumstände und Familienkonstellationen angepasst werden. Des Weiteren kann durch eine frühzeitige und durchdachte Nachlassplanung eine etwaige Erbschaftssteuer oder Pflichtteilsansprüche optimiert werden.

Sollten Sie Fragen zur Erstellung eines handschriftlichen Testaments haben, beraten wir Sie gern. Hier können Sie Ihr Anliegen schildern.

 

4.3 Beglaubigung durch Notar notwendig?

Eine Beglaubigung durch einen Notar ist bei einem handschriftlichen Testament nicht notwendig. Der Vorteil einer Beglaubigung ist jedoch, dass das Testament auf Richtigkeit geprüft und beim Amtsgericht hinterlegt wird. Ein Testament wird so an einem sicheren Ort verwahrt. Dadurch wird verhindert, dass dieses im Erbfall vernichtet oder unterschlagen werden könnte.

Wird das Testament bei einem Notar hinterlegt, gestalten sich spätere Änderungen jedoch schwierig. Ausführlichere Informationen dazu finden Sie im nachfolgenden Kapitel.

 

5. Änderungen & Widerruf eines handschriftlichen Testaments

Alleiniges handschriftliches Testament

Bei einem privat aufbewahrten handschriftlichen Testament sind Änderungen nicht schwierig. Der Erblasser kann das Dokument mit einem handschriftlichen „ungültig“ versehen oder es vernichten. Zusätze werden einfach zum Dokument hinzugefügt und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen.

Wurde ein handschriftliches Testament bei einem Amtsgericht oder einem Notar hinterlegt, gestalten sich Änderungen aufwendiger. Es muss in beiden Fällen aus der öffentlichen Hinterlegung zurückverlangt werden. Dies entspricht automatisch einem Widerruf des Testaments – es muss also neu verfasst und erneut beim Amtsgericht hinterlegt werden.

 

Gemeinschaftliches handschriftliches Testament

Sind sich beide Beteiligte über Änderungen am gemeinschaftlichen Testament einig, sind diese ebenfalls problemlos durchzuführen. Sie müssen lediglich auf dem Originaldokument hinterlegt und von beiden Partnern unterschrieben werden. Die Errichtung eines neuen gemeinschaftlichen Testaments bietet sich bei grundlegenden Änderungen aber auch hier an.

Herrscht Uneinigkeit, wird es schwierig – besonders bei einem Berliner Testament. Sollen hier Anpassungen vorgenommen werden, bedürfen diese immer einer beidseitigen Zustimmung. Verstirbt ein Ehepartner, sind Änderungen nicht mehr möglich – es sei denn, es wurden entsprechende Änderungsklauseln im Testament festgelegt. Lesen Sie hierzu beispielsweise unseren Beitrag zur Wiederverheiratungsklausel.

 

6. Hinterlegung & Aufbewahrung eines handschriftlichen Testaments

Ein handschriftliches Testament kann zuhause aufbewahrt oder öffentlich hinterlegt werden. Welche Vor- und Nachteile die jeweilige Hinterlegungsart hat erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

 

6.1 Private Hinterlegung

Eine Hinterlegung zuhause ist dann sinnvoll, wenn man z. B. anfallende Gebühren für die Hinterlegung umgehen möchte. Dies ist aber auch die unsicherste Hinterlegungsart. Zum einen muss sichergestellt werden, dass Erben ein Testament im Erbfall auch finden – einer Vertrauensperson sollte der Ort der Hinterlegung also mitgeteilt werden.

Zum anderen können Erben ein handschriftliches Testament unbemerkt vernichten. Dann tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft und alle – auch enterbte – Angehörige würden wieder berücksichtigt werden.

 

6.2 Hinterlegung beim Notar

Eine Hinterlegung beim Notar bietet da mehr Sicherheit. Das handschriftliche Testament wird vom Notar an das zuständige Amtsgericht übergeben, wo dieses verwahrt wird. Der Notar behält lediglich einen Vermerk, dass er das Testament dort hinterlegt hat. Er sorgt weiterhin für eine Eintragung im zentralen Testamentsregister.

Anfallende Kosten ergeben sich dabei aus den Notarkosten und den Gebühren für die amtliche Hinterlegung. Erstere richten sich nach dem Nettovermögen des Verfassers. An das Amtsgericht geht eine Pauschalgebühr von 75,00 € sowie 15,00 € für den Registereintrag.

Wird ein Testament für Änderungen aus der amtlichen Verwahrung zurückverlangt, wendet man sich ebenfalls an den Notar. Angehörige und Erben sollten über diese Art der Hinterlegung informiert werden.

 

6.3 Selbstständige Hinterlegung beim Amtsgericht

Außerdem kann man sein handschriftliches Testament auch direkt beim Amtsgericht hinterlegen. Dazu muss das Testament lediglich an das zuständige Amtsgericht – mit der Bitte um Hinterlegung – gesendet werden. Als Nachweis über den Verbleib bekommt der Verfasser einen Hinterlegungsschein. Mit diesem kann ein Testament auch aus der öffentlichen Verwahrung zurückverlangt werden. Handelt es sich um ein gemeinschaftliches Testament, kann dies nur im beidseitigen Einverständnis geschehen.

Die Gebühr beträgt auch hier 75,00 € für die Hinterlegung. Wird ein Testament zusätzlich beim Zentralen Testamentsregister registriert, fallen noch einmal 18,00 € Gebühr an.

Möchte man also sichergehen, dass ein Testament gut aufgehoben und vor möglichen Veruntreuungen geschützt ist, sollte man in jedem Fall eine öffentliche Verwahrung durch das Amtsgericht der privaten Verwahrung zuhause vorziehen. Gleichzeitig gestaltet sich dann auch die Eröffnung des Testaments recht einfach, denn diese wird automatisch nach Kenntnisnahme des Erbfalls durch das Amtsgericht beauftragt.

 

7. Eröffnung eines handschriftlichen Testaments

Eine Testamentseröffnung ist die Verkündung eines Testamentsinhalts gegenüber den erbberechtigten Personen. Zuständig ist das Nachlassgericht, wo das jeweilige Testament hinterlegt wurde. Nachdem das Nachlassgericht über den Tod des Erblassers Kenntnis erlangt hat, ist es dazu verpflichtet, das verwahrte Testament zu eröffnen. Wann dies geschieht, ist unterschiedlich.

Bei einer amtlichen Verwahrung wird eine Testamentseröffnung in der Regel umgehend beantragt. Wurde das Testament privat hinterlegt, kann sie erst stattfinden, wenn dieses dem Nachlassgericht vorgelegt wurde. Da es keine festgelegten Fristen gibt, kann eine einheitliche Aussage über den Zeitraum der Eröffnung nicht getroffen werden.

Nach der Eröffnung bekommen die Erben ein Eröffnungsprotokoll. In diesem werden die – für den jeweiligen Erben wichtigen – Sachverhalte aufgelistet. Enterbte Personen erhalten kein Eröffnungsprotokoll. Sie müssen beim Gericht eine Abschrift anfordern, um Einblicke in das Testament zu bekommen und eventuelle Forderungen stellen zu können.

Ausführlichere Informationen finden Sie in unserem Beitrag zur Testamentseröffnung.

 

8. Erbschein – notwendig oder nicht?

Ein Erbschein ist ein Dokument, welches Erben als solche ausweist. Er beinhaltet alle Namen der Erben und die genaue Erbverteilung. Er ist dann wichtig, wenn es weder Testament noch Erbvertrag gibt. In diesem Fall lässt sich nur durch den Erbschein beweisen, dass man rechtmäßiger Erbe ist. Benötigt wird er vor allem für Ämter, Banken und Behörden. Müssen z. B. Konten aufgelöst, Grundstücke veräußert oder Versicherungen gekündigt werden, sind Erben mithilfe des Erbscheins dazu berechtigt.

Ein Erbschein wird nur auf Antrag erstellt. Dies geschieht beim Nachlassgericht – in Baden-Württemberg bei einem staatlichen Notar.

Bei Vorlage eines notariellen Testaments oder eines Erbvertrags mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts ist ein Erbschein nicht notwendig. Die vorgelegten Dokumente reichen als vollwertige Nachweise für Banken und Ämter aus.

Auch bei einem handschriftlichen Testament ist ein Erbschein entgegen aller Annahmen nicht immer notwendig. Wenn

  • sich die Erbfolge eindeutig aus dem Testament ergibt,
  • eine beglaubigte Abschrift des handschriftlichen Testaments vorgelegt werden kann und
  • das Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts vorliegt,

ist die Beantragung eines Erbscheins unnötig.

Dies bestätigt auch ein Urteil des BGH aus dem Jahr 2016 (05.04.2016, 11ZR 440/15, BeckRS 2016, 08188). Hier hatten Erben die Kostenerstattung für einen Erbschein bei einer Bank eingeklagt, nachdem diese einen solchen verlangt hatte. Der BGH entschied, dass auch bei einem handschriftlichen Testament eine beglaubigte Abschrift sowie ein Eröffnungsprotokoll ausreichen, um z. B. Konten aufzulösen. Eine Vorlage kann somit auch von Banken und Behörden ohne Angabe triftiger Gründe nicht mehr verlangt werden.

In unseren Beiträgen zum Thema „Erbschein“ und „Erbschein beantragen“ erfahren Sie mehr darüber, wann und wie Sie einen Erbschein beantragen können und welche Kosten mit einer Beantragung verbunden sind.

 

9. Anfechtung eines handschriftlichen Testaments

Testamente können generell von Personen angefochten werden, die dadurch einen unmittelbaren Vorteil hätten. Das sind meist erb- oder pflichtteilsberechtigte Personen, die sich übergangen fühlen. Ein Testament kann nur bei zwingenden Gründen angefochten werden – z. B. Erklärungs-, Inhalts- oder Motivirrtum, Sittenwidrigkeit oder die Nichtbeachtung eines Pflichtteilsberechtigten.

Sobald Kenntnis vom Anfechtungsgrund erlangt wird, kann – nach Eintritt des Erbfalls – eine anfechtungsberechtigte Person das Testament innerhalb eines Jahres anfechten. Dazu muss eine Erklärung an das zuständige Nachlassgericht abgegeben werden. In dieser muss die Anfechtung mitgeteilt, aber nicht begründet werden – dies geschieht erst vor Gericht. Das Gericht prüft dann die vorgelegten Gründe bzw. Beweise und erklärt das Testament für wirksam oder unwirksam. Die Möglichkeit, ein Testament anzufechten, verjährt jedoch 30 Jahre nach dem Erbfall.

Eine detaillierte Auflistung von 15 Anfechtungsgründen eines Testaments finden Sie in unserem Beitrag „Testament anfechten“.

 

10. Zusammenfassung: Vor- & Nachteile eines handschriftlichen Testaments

Ein handschriftliches Testament ist eine einfache und schnelle Möglichkeit, seinen letzten Willen zu verfassen. Allerdings sind damit auch Risiken verbunden. Deshalb sollte man immer abwägen, ob und wann man ein handschriftliches Testament verfasst. Die folgende Auflistung bietet daher noch einmal einen konkreten Überblick über die Vor- und Nachteile dieser Testamentsart.

Vorteile:

✓    Ein handschriftliches Testament kann jederzeit angefertigt werden.

✓    Beglaubigung durch einen Notar ist nicht notwendig – die Erstellung ist also kostenfrei.

✓    Es kann zuhause verwahrt werden.

✓    Es kann vom Erblasser jederzeit geändert oder vernichtet werden.

✓    Es bedarf keiner Zeugen bei der Verfassung – Familien- oder Vermögensverhältnisse bleiben so geheim.

✓    Die gesetzliche Erbfolge tritt außer Kraft – ein Erblasser kann nach seinem freien Willen vererben und vermachen.

 

Nachteile:

X    Gefahr der Fälschung oder Vernichtung durch Erben.

X    Die Unauffindbarkeit des Testaments – eine Hinterlegung beim Nachlassgericht sollte veranlasst oder eine Vertrauensperson über den Verwahrungsort informiert werden.

X    Unbeabsichtigte Formfehler machen ein Testament schnell ungültig.

X    Missverständliche Formulierungen können zu Streitigkeiten zwischen Erben führen.

X    Ist die Erbfolge nicht eindeutig, müssen Erben einen Erbschein beantragen – dies ist mit Kosten verbunden.

 

Die hier aufgezeigten Vor- und Nachteile machen deutlich, wie wichtig eine klare und eindeutige Formulierung eines handschriftlichen Testaments ist. Sobald Unsicherheiten bei der Erstellung auftreten, sollte man diese mit einem fachkundigen Anwalt besprechen. Eine notarielle bzw. öffentliche Hinterlegung des Testaments sollte zusätzlich in Betracht gezogen werden.

 

11. Tipp: kostenfreie Ersteinschätzung zum handschriftlichen Testament

Das Verfassen eines handschriftlichen Testaments kann schnell zu unbeabsichtigten Problemen führen. Ist es nicht fehlerfrei und präzise formuliert, können Erben ein Testament anfechten. Auch die Verwahrung des Testaments kann zu Schwierigkeiten führen, wodurch die Umsetzung des Testamentsinhaltes gefährdet ist. Haben Sie Fragen oder konkrete Probleme zum handschriftlichen Testament, können diese in unserer kostenfreien Ersteinschätzung geklärt werden.

 

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Beitrag von
Johanna Metzger

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Johanna Metzger stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen.

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