Anwaltskosten: Anwaltskostenrechner nutzen & Tipps für die Erstberatung

Anwaltskosten: Anwaltskostenrechner nutzen & Tipps für die Erstberatung

 von Patricia Bauer (jur. Redaktion)
Anwaltskosten: Anwaltskostenrechner nutzen & Tipps für die Erstberatung

 

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Inhaltsverzeichnis [ausblenden]

  1. Anwaltskostenrechner
  2. Vor- & Nachteile von Anwaltskostenrechnern
  3. Kosten & Inhalt einer Erstberatung
  4. Wann & wie muss der Anwalt über die Kosten aufklären?
  5. Nach diesen 3 Modellen kann der Anwalt Kosten abrechnen
  6. Wann & wofür Anwaltskosten anfallen
  7. In diesen Fällen tragen Sie Anwaltskosten nicht selbst
  8. Wie erhalte ich Kostensicherheit?

Zusammenfassung

Da Anwälte zwischen verschiedenen Vergütungsmodellen wählen dürfen und jeder Fall unterschiedlich kompliziert ist, können die Anwaltskosten stark variieren.

Oft wird der Gang zum Anwalt von starker Unsicherheit über anfallende Anwaltskosten begleitet. Anwaltskostenrechner können einen ersten Hinweis auf die Höhe möglicher Kosten geben. Spätestens im Rahmen der Erstberatung sollte der Anwalt über Kosten aufklären oder der Mandant nachfragen.

 

Auf einen Blick

  • Anwaltskostenrechner liefern einen ersten Überblick über mögliche Anwaltskosten, aber keine endgültige Höhe.
  • Für Verbraucher darf eine Erstberatung inkl. Mehrwertsteuer höchstens 226,10 € kosten.
  • Grundsätzlich muss der Anwalt nicht über die Anwaltskosten sprechen, ohne dass der Mandant ihn fragt.
  • Seriöse Anwälte klären bereits in der Erstberatung über Kosten auf.
  • Wenn Ihr Anwalt die Kosten nicht anspricht, sollten Sie konkret nachfragen.
  • Für die Berechnung der Anwaltskosten stehen drei Abrechnungsmodelle zur Verfügung: Die Kostentabellen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG), die Vergütungsvereinbarung und die Gebührenvereinbarung.
  • Neben den eigentlichen Anwaltskosten übernimmt der Mandant auch die Auslagen des Anwalts – z. B. Porto- oder Reisekosten.
  • Nicht immer muss der Auftraggeber alle Kosten tragen – in manchen Fällen springt die Gegenseite oder Rechtsschutzversicherung ein.

 

Da bei Anwaltskosten regelmäßig 19 % Mehrwertsteuer anfallen und diese vom Mandanten zu entrichten ist, sind alle im Folgenden genannten Werte Bruttowerte.

Beispiel: Die Anwaltskosten betragen vor Steuer 393,90 €. Die Mehrwertsteuer schlägt mit 74,84 € zu Buche. Somit ergibt sich ein Bruttowert von 468,74 €.

 

1. Anwaltskosten­rechner

Nutzen Sie unseren praktischen Anwaltskostenrechner für einen schnellen Überblick:

 

2. Vor- & Nachteile von Anwaltskostenrechnern

Bevor man mit einem Rechtsproblem zum Anwalt geht, besteht oft große Unsicherheit über die entstehenden Anwaltskosten. Anwaltskostenrechner können vorab einen ersten Überblick über mögliche Kosten geben.

 

Vorteile eines Anwaltskostenrechners:

    Sie können schnell und unkompliziert prüfen, in welcher Höhe sich die möglichen Anwaltskosten bewegen.
    Je nach Art Ihres Anliegens können Sie bei der Berechnung zwischen gerichtlicher und außergerichtlicher Fallbearbeitung unterscheiden und so verschiedene Szenarien durchspielen.
    Sie können eine erste Kosten-Nutzen-Abwägung vornehmen und sich dabei an den Ergebnissen orientieren.

Anwaltskostenrechner liefern keine endgültige Höhe der Anwaltskosten, da diese je nach Komplexität und Dauer des Falles variieren können.

 

Nachteile:

X    Je nachdem, welche Aufgaben der Anwalt erledigen muss, kann der Rechnungsbetrag höher oder niedriger ausfallen.
X    Kosten, Nutzen und Budget können nicht zuverlässig geplant werden.
X    Unvorhergesehene Kostenpositionen können finanzielle Einbußen zur Folge haben.
X    Es wird nur ein Vergütungsmodell berücksichtigt – Auskunft über mögliche Pauschal- oder Zeithonorare und damit verbundene Kostenersparnisse erhalten Sie nicht.

 

Um Nachteile zu vermeiden, sollten Sie den Anwaltskostenrechner nur zur ersten Orientierung nutzen. Vollständige Klarheit erhalten Sie, wenn Sie sich zusätzlich an einen Anwalt wenden. Während einer Erstberatung kann er Ihren Fall beurteilen und auf Wunsch einen Kostenvoranschlag für die spätere Beauftragung erstellen.

 

In vielen Fällen kostet bereits die Erstberatung Geld – Sie müssen zahlen, noch bevor Sie mögliche Folgekosten kennen. Jedoch gibt es Anbieter, die ein kostenfreies Erstgespräch anbieten.

Indem Sie Ihren Fall z. B. bei advocado schildern, können Sie sich kostenfrei mit einem Anwalt austauschen. Ergibt das Gespräch, dass eine Beauftragung sinnvoll ist, erhalten Sie ein unverbindliches Festpreis-Angebot, in dem alle anfallenden Kosten aufgelistet sind. So wissen Sie von Anfang an, welche Kosten auf Sie zukommen und müssen erst zahlen, wenn Sie sich für das Angebot entschieden haben.

 

3. Kosten & Inhalt einer Erstberatung

Im Rahmen einer Erstberatung erklärt der Rechtsanwalt die allgemeine Rechtslage oder beschäftigt sich mit Ihrem konkreten Fall. So verschafft er Ihnen einen ersten Überblick über mögliche Handlungsoptionen und deren Erfolgsaussichten.

Nach der Erstberatung können Sie entscheiden, ob Sie den Auftrag erteilen möchten oder nicht.

 

Gemäß § 34 Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) darf die anwaltliche Erstberatung für Verbraucher höchstens 226,10 € kosten. Beauftragen Sie den Anwalt mit Ihrem Fall, kann er diese Kosten – je nach Absprache – auf die Folgekosten anrechnen.  

Beispiel: Nach der Erstberatung, die 50 € gekostet hat, beauftragen Sie den Anwalt. Er soll eine nicht geleistete Kaufpreiszahlung in Höhe von 5.000 € für Sie einfordern. Nach RVG und inkl. Mehrwertsteuer werden dafür 468,74 € an Anwaltskosten fällig. Davon werden die 50 € der Erstberatung abgezogen – es sind nur noch 418,74 € zu zahlen.

 

Sie können den Anwalt bereits vor dem Beratungstermin auf die Anwaltskosten für die Erstberatung ansprechen. So haben Sie frühzeitige Planungssicherheit und können den Preis bei Bedarf noch weiter verhandeln.

Vor allem in Regionen mit hoher Anwaltsdichte sind viele Anwälte gerne bereit, die Kosten für die Erstberatung nach unten anzupassen.

 

Es war lange umstritten, ob ein Anwalt die Erstberatung ohne Kosten durchführen darf. Hier hat der BGH in seinem Urteil vom 20.07.2017 (Az. AnwZ (Brfg) 42/16) für Klarheit gesorgt: Kostenfreie Erstberatungen sind möglich, weil im RVG hierfür keine Mindestgebühren festgelegt sind, die unterschritten werden könnten.

 

Sie benötigen einen Anwalt und sind unsicher, welche Kosten auf Sie zukommen? Über advocado erhalten Sie innerhalb von 2 Stunden eine kostenfreie Ersteinschätzung vom passenden Anwalt.

Er beantwortet Ihnen alle wichtigen Fragen zu den Anwaltskosten in Ihrem konkreten Fall und klärt Sie über mögliche Handlungsoptionen auf. Schildern Sie dafür hier Ihr Anliegen.

 

4. Wann & wie muss der Anwalt über die Kosten aufklären?

Grundsätzlich gilt: Der Anwalt hat keine Aufklärungspflicht und muss die entstehenden Anwaltskosten nicht selbst ansprechen. Es gibt allerdings Ausnahmen.

 

Dann muss der Anwalt die Kosten ansprechen

Der Anwalt muss die Kosten ansprechen, wenn er nach den Kostentabellen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes abrechnen will. Darauf muss er kurz hinweisen.

Es genügt ein Satz wie: „Ich werde nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz abrechnen und dafür den Gegenstandswert Ihres Rechtsproblems nutzen“.

Ist der Anwalt dieser Hinweispflicht nicht nachgekommen, macht er sich schadensersatzpflichtig, sofern der Mandant bei einem entsprechenden Hinweis von der Beauftragung abgesehen oder einen geringeren Preis verhandelt hätte.

Will der Anwalt eine Vergütungsvereinbarung abschließen, kommt es meist automatisch zur Kommunikation über die Höhe der Anwaltskosten, da in der Regel ein Fest- oder Stundenpreis abgesprochen und schriftlich festgehalten wird.

 

So erhalten Sie Auskunft

Wenn Ihr Anwalt die Kosten nicht anspricht, sollten Sie konkret nachfragen. Dann ist der Anwalt verpflichtet, die Anwaltskosten zumindest mündlich offenzulegen und möglichst genau zu benennen.

Wenn Sie ganz sicher gehen und spätere Unklarheiten oder Streitigkeiten vermeiden wollen, können Sie eine schriftliche Kostenauflistung verlangen. Auf diese können Sie bei abweichenden Rechnungsbeträgen verweisen.

In Fällen, in denen der Anwalt die genauen Kosten noch nicht abschließend benennen kann, können Sie auch einen Kostenvoranschlag verlangen.

 

Ein seriöser Anwalt klärt bereits vor seiner Beauftragung über anfallende Kosten und mögliche Kostenrisiken auf. Kann er die Kosten noch nicht genau abschätzen, sollte er zur groben Orientierung zumindest eine Größenordnung anhand von ähnlich gelagerten Fällen nennen können.

 

Anwaltskosten: Anwaltskostenrechner nutzen & Tipps für Erstberatung

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5. Nach diesen 3 Modellen kann der Anwalt Kosten abrechnen

 

Infografik: So werden Anwaltskosten abgerechnet.

 

Der Anwalt kann zwischen drei Vergütungsmodellen wählen:

  • Kostentabellen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes
  • Individuelle Vergütungsvereinbarung
  • Gebührenvereinbarung

Grundsätzlich gilt für die Berechnung der Anwaltskosten das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz.

Will der Anwalt mehr oder weniger berechnen, als gesetzlich vorgeschrieben, muss eine Vergütungsvereinbarung geschlossen werden. Weniger berechnen darf er allerdings nur bei außergerichtlichen Tätigkeiten. Wenn der Fall vor Gericht geht, sind nur teurere Vergütungsvereinbarungen möglich.

Schreibt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz keine konkrete Gebühr vor – z. B. bei reinen Beratungen – ist eine Gebührenvereinbarung angebracht.

 

 

Im Idealfall äußert sich der Anwalt noch vor seiner Beauftragung zur gewählten Abrechnungsart. Falls nicht, sollten Sie unbedingt nachfragen – nur so erhalten Sie Kosten- und Planungssicherheit.

 

Variante 1: Berechnung nach Rechtsanwalts­vergütungs­gesetz

Werden die Anwaltskosten anhand des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes berechnet, wird dem Fall ein bestimmter Geldwert zugeordnet. Dieser wird bei außergerichtlichen Tätigkeiten als Gegenstandswert bezeichnet und vor Gericht als Streitwert.

Der Streitwert ist automatisch Grundlage für die weitere Berechnung der Anwaltskosten. Im Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes ist jedem Streitwert eine Grundgebühr zugeordnet.

Diese wird mit einem gesetzlich festgelegten Faktor multipliziert. Wie hoch der Faktor ist, richtet sich nach Art (z. B. außergerichtliches oder gerichtliches Vorgehen) und Schwierigkeit der abzurechnenden Anwaltstätigkeit.

Bei Bestimmung der Schwierigkeit werden ähnlich gelagerte Fälle herangezogen und vom Anwalt miteinander verglichen.

 

Beispiel: Sie wollen eine nicht geleistete Kaufpreiszahlung in Höhe von 5.000 € einfordern. Die 5.000 € sind automatisch der Gegenstandswert, nach dem sich die Anwaltskosten berechnen.

Für diesen Gegenstandswert legt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz eine Grundgebühr von 303 € fest.

Weil der Anwalt mit der Gegenseite in Kontakt tritt und die Geldsumme schriftlich einfordert, muss die Grundgebühr laut Gesetz mit einem Faktor von 1,3 multipliziert werden.

Man rechnet 303 € * 1,3. Vor Steuer ergeben sich Anwaltskosten in Höhe von 393,90 €. Zuzüglich Mehrwertsteuer sind 468,74 € zu zahlen.

 

Es wird grundsätzlich immer nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz abgerechnet.

Wenn Ihnen der angesetzte Betrag als zu hoch erscheint, sollten Sie den Anwalt aktiv auf ein alternatives Vergütungsmodell ansprechen – zumindest im außergerichtlichen Bereich können die Anwaltskosten nach unten verhandelt werden.

Da eine Änderung des Vergütungsmodelles nur vor der Ausführung der Anwaltstätigkeit möglich ist, sollten vor der endgültigen Auftragserteilung die Höhe der Kosten klar sein und mögliche Fragen zur Vergütung gestellt werden.

 

Variante 2: Vergütungs­vereinbarung

Mit der Vergütungsvereinbarung können die außergerichtlichen Anwaltskosten flexibler gestaltet werden und höher oder niedriger ausfallen, als im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz vorgesehen. Vor Gericht ist nur eine Anpassung nach oben zulässig.

Der Anwalt verlangt im Rahmen der Vergütungsvereinbarung ein sogenanntes Pauschal- oder Zeithonorar.

 

Eine Vergütungsvereinbarung ist vor allem in folgenden Fällen sinnvoll:

  • Die Vergütung nach RVG wäre zu gering für Umfang und Schwierigkeitsgrad der Anwaltstätigkeit.

Beispiel: Durch den geringen Gegenstandswert kann der Anwalt laut RVG eine Vergütung von 112,50 € erwarten. Er muss aber sechs Stunden in die Angelegenheit investieren.

Es ergibt sich ein Stundensatz von 18,75 €. Dieser reicht nicht aus, um die laufenden Büro- und Personalkosten zu decken. Eine höhere Vergütungsvereinbarung wird dem Aufwand eher gerecht.

  • Die Vergütung nach RVG wäre zu hoch für den Umfang der Anwaltstätigkeit.

Beispiel: Der Anwalt kümmert sich um eine Angelegenheit mit einem Gegenstandswert von 400.000 € und braucht 3 Stunden für die Erstellung eines einfachen Vertrags.

Nach RVG kann er dafür 4.437,39 € verlangen. Daraus ergibt sich ein Stundensatz von 1.479,13 € – eine nicht marktgerechte Summe. Eine niedrigere Vergütungsvereinbarung wäre angemessener.

  • Die genaue Höhe der Vergütung ist bei Mandatsübernahme noch völlig unklar.

Beispiel: Der Anwalt soll für seinen Mandanten einen Pflichtteil einklagen. Da der Auftraggeber seit vielen Jahren keinen Kontakt zur Familie des Erblassers hatte, kennt er die Höhe des Nachlassvermögens nicht.

Deshalb kann weder der Pflichtteil, noch der Streitwert vorab berechnet werden. Hier können sich Anwalt und Auftraggeber noch vor der Einforderung auf eine vorab festgelegte Vergütung einigen.

 

Der Unterschied von Pauschal- und Zeithonorar

Die Vergütungsvereinbarung muss immer vorab mit dem Mandanten besprochen und schriftlich festgehalten werden.

Wird eine Pauschalvergütung vereinbart, muss vorab eine genaue Summe abgesprochen und festgelegt werden. Durch diese ist dann die gesamte Tätigkeit des Anwalts abgedeckt – unabhängig vom konkreten Aufwand.

Einigt man sich auf eine Zeitvergütung, wird vor Beauftragung ein bestimmter Stundensatz festgelegt – der Rechtsanwalt kann seine Kosten dann pro Stunde berechnen.

Bezüglich der tatsächlich geleisteten Stunden hat der Anwalt bei der Zeitvergütung Dokumentations- und Beweispflichten. Nicht nachgewiesen wird jedoch, ob die dokumentierten Stunden tatsächlich nötig waren, oder ob das Rechtsproblem schneller und effizienter hätte gelöst werden können.

Damit sich die Anwaltskosten nicht durch eine Zeitvergütung unnötig erhöhen, erhalten Sie über advocado ein unverbindliches Festpreis-Angebot. Dieses gilt unabhängig von der Arbeitszeit.

 

Möchte der Anwalt ein Erfolgshonorar abschließen, erhalten Sie nicht immer Kostensicherheit. Dieses Vorgehen ist grundsätzlich unzulässig und nur in Ausnahmefällen erlaubt, da der Mandant vor unverhältnismäßig hohen Gewinnbeteiligungen geschützt werden soll.

Ein Ausnahmefall liegt vor, wenn der Mandant seine Ansprüche ohne eine solche Vereinbarung nicht verfolgen könnte – z. B. aufgrund von Bedürftigkeit oder einem zu hohen Kostenrisiko. Ob eine solche erfolgsabhängige Vergütung infrage kommt, ist immer einzelfallabhängig und muss individuell geprüft werden.

 

Variante 3: Gebühren­vereinbarung

Im Gegensatz zur Vergütungsvereinbarung gelten bei der Gebührenvereinbarung gesetzliche Höchstbeträge. So wird verhindert, dass der Mandant schon bei Prüfung seiner rechtlichen Handhabe horrende Anwaltsrechnungen erhält.

Die Gebührenvereinbarung soll laut § 34 Rechtsanwaltsvergütungsgesetz in folgenden Fällen genutzt werden:

  • Der Anwalt führt eine allgemeine Erstberatung durch und erteilt mündlichen oder schriftlichen Rat.
  • Er arbeitet ein schriftliches Gutachten zur individuellen Rechtslage aus.
  • Er handelt als Mediator und versucht, zwischen den Streitparteien zu schlichten.

 

Die Höhe der Gebührenvereinbarung kann der Anwalt grundsätzlich selbst bestimmen. Allerdings gibt es gesetzliche Höchstbeträge, wenn der Mandant Verbraucher ist.

Das heißt: Von der Höchstgrenze profitieren Sie, wenn die Rechtsangelegenheit nur Sie als Privatperson betrifft. Bei Selbstständigen und Unternehmern kann der Anwalt auch höhere Kosten für ein Beratungsgespräch ansetzen.

Die Höchstgrenzen für Verbraucher sind:

  • Inklusive Mehrwertsteuer nicht mehr als 226,10 € für eine erste anwaltliche Beratung
  • Inklusive Mehrwertsteuer nicht mehr als 297,50 € für Rechtsgutachten & weitere Beratungsgespräche

Die Gebührenvereinbarung ist im Gegensatz zur Vergütungsvereinbarung nicht formgebunden und muss nicht schriftlich festgehalten werden. Es genügt, wenn der Anwalt auf Nachfrage mündlich über die Beratungskosten informiert.

 

6. Wann & wofür Anwaltskosten anfallen

Durch das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und die Bundesrechtsanwaltsordnung kann ein Anwalt seine Kosten nicht einfach aus der Luft greifen, sondern muss – je nach Fall – gesetzliche Mindest- und Höchstgrenzen einhalten. Pro Fall darf er nur eine Schlussrechnung stellen – bei Bedarf kann diese in Vorschüsse und Teilrechnungen aufgeteilt werden.

Wird der Anwalt nach der Erstberatung beauftragt, kann er folgende Kosten veranschlagen:

  • Außergerichtliche Anwaltskosten
  • Gerichtliche Anwaltskosten
  • Erstattung von Auslagen & Unkosten

 

Außergerichtliche Anwaltskosten

Der Anwalt kann außergerichtlich tätig werden. Dabei werden folgende Aufgaben unterschieden:

  • Mandantenkontakt: Finden nach der Erstberatung weitere Gespräche (mündlich oder schriftlich) mit dem Anwalt statt, entsteht bei Abrechnung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz eine sogenannte Beratungsgebühr.

Die Beratungsgebühr darf nur erhoben werden, wenn es in den Gesprächen um neue Aspekte und Fragestellungen geht, die während der Erstberatung noch nicht besprochen wurden.

Werden in einem früheren Gespräch geplante Maßnahmen besprochen, darf der Anwalt keine weiteren Anwaltskosten berechnen, da ihm die nachfolgenden Tätigkeiten vergütet werden.

Beispiel: Anwalt und Mandant besprechen, welche Punkte unbedingt in dem Vertrag vorkommen sollen, den der Anwalt später aufsetzt. Dieses Gespräch darf der Anwalt nicht extra abrechnen.

  • „Betreiben des außergerichtlichen Geschäfts“: Wird der Anwalt nach den Gesprächen für seinen Mandanten aktiv, fällt eine sogenannte Geschäftsgebühr an.

Typische Tätigkeiten sind z. B. die Anfertigung von Schriftstücken, Gespräche und Schriftverkehr mit dem Gegner oder die Entwicklung und Prüfung von Vergleichsvorschlägen.

Die Geschäftsgebühr ist variabel und kann je nach Schwierigkeitsgrad der Angelegenheit unterschiedlich hoch ausfallen.

  • Mitwirkung an außergerichtlicher Einigung: In den meisten Streitfällen ist es für die Parteien am sinnvollsten, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Zieht man stattdessen vor Gericht, kann viel Zeit und Geld verloren gehen. Außerdem können zwischenmenschliche Beziehungen nachhaltig gestört werden.

Schafft der Anwalt es, zwischen seinem Mandanten und dem Gegner zu vermitteln, kann er – neben der Geschäftsgebühr – eine sogenannte Einigungsgebühr geltend machen.

 

Der folgenden Tabelle können Sie einige Beispiele aus dem Anwaltskostenrechner entnehmen. Alle Werte sind inklusive Mehrwertsteuer:

Gegenstands­wert bis … €

Beratungs­gebühr in €

Durchschnittliche Geschäftsgebühr in €

Außergerichtliche Einigungsgebühr in €

500

29,45

69,62

80,33

1.000

52,36

123,76

142,80

5.000

198,31

468,74

540,86

10.000

365,21

863,23

996,03

50.000

761,18

1.799,16

2.075,96

100.000

983,71

2.324,07

2.682,86

500.000

2.102,91

4.970,51

5.735,21

 

Ist der Mandant eine Privatperson gilt bei der Beratungsgebühr immer eine Höchstgrenze von 297,50 €.

 

Gerichtliche Anwaltskosten

Konnte die Angelegenheit nicht außergerichtlich geklärt werden, kann sich ein Gerichtsverfahren anschließen. Dabei können folgende Anwaltskosten anfallen:

  • Vertretung vor Gericht: Lassen Sie den Anwalt Klage einreichen, vertritt er Sie vor Gericht. Ebenso, wenn er Sie gegen eine Klage verteidigt und schriftlich oder mündlich mit dem Gericht kommuniziert. Dabei fällt eine Verfahrensgebühr an.

Erscheint der Anwalt darüber hinaus bei gerichtlich angesetzten Terminen, einem Sachverständigentermin oder einer sonstigen Besprechung, wird zusätzlich eine Terminsgebühr fällig.

  • Mitwirkung an Einigung im Gerichtsverfahren: Ist das Gerichtsverfahren bereits im Gange und kann der Anwalt noch vor dem Urteilsspruch eine Einigung zwischen den Streitparteien erreichen, fällt laut Anwaltskostenrechner zusätzlich eine Einigungsgebühr an.  

Beispiele:

Streitwert bis … €

Verfahrens­gebühr in €

Termins­gebühr in €

Gerichtliche Einigungsgebühr in €

500

69,62

64,26

53,55

1.000

123,76

114,24

95,20

5.000

468,74

432,68

360,57

10.000

863,23

796,82

664,02

50.000

1.799,16

1.660,76

1.383,97

100.000

2.325,14

2.146,28

1.788,57

500.000

4.970,51

4.588,16

3.823,47

 

Wird nicht nach dem RVG, sondern mit einer Vergütungsvereinbarung abgerechnet, dürfen die Kosten nicht geringer sein als die nach dem RVG – nur höher.

Eine Abrechnung von gerichtlichen Anwaltskosten nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz fällt für Sie also immer genauso teuer oder kostengünstiger aus als eine Vergütungsvereinbarung.

So soll Gleichheit vor dem Gericht gewährleistet werden.

 

Unkosten

Neben seiner Arbeitsleistung kann der Anwalt alle Kosten abrechnen, die bei der Durchsetzung Ihrer Rechte entstanden sind. Das betrifft z. B. Kopien, Portokosten, amtliche Auskunftsgebühren oder Fahrtkosten für Gerichtstermine.

 

7. In diesen Fällen tragen Sie Anwalts­kosten nicht selbst

Wenn Sie sich von einem Anwalt beraten lassen, müssen Sie die Anwaltskosten grundsätzlich selbst tragen. Der Anwalt stellt Ihnen eine Rechnung aus, in der alle Kostenpositionen sowie eine Zahlungsfrist vermerkt sind.

In einigen Fällen sind Übernahmen der Anwaltskosten möglich:

 

Unterlegene Gegenseite

Im Zivilprozess gilt: Wer vor Gericht verliert, muss alle Kosten des Rechtsstreits tragen. Zwar muss zunächst der Mandant selbst die Anwaltsrechnung begleichen. Jedoch kann er anschließend vom Gegner eine Erstattung der Kosten verlangen. Diese Regelung kommt z. B. in folgenden Fällen zum Tragen:

  • Sie haben Schmerzensgeld nach einem Autounfall eingefordert und sich dabei von einem Anwalt vertreten lassen. Der Unfallverursacher zahlt bei Prozessgewinn nicht nur das Schmerzensgeld, sondern auch Ihre Anwaltskosten.
  • Sie mussten klagen, um Ihren Pflichtteil am Erbe ausgezahlt zu bekommen. Sie erhalten vom Gegner nicht nur Ihren Pflichtteil, sondern auch eine Erstattung Ihrer vorgestreckten Anwaltskosten.

Wenn der Gegner die Anwaltskosten trotz Zahlungspflicht verweigert, können Sie ihn auf Zahlung verklagen.

Im Strafprozess müssen die Anwaltskosten nur bei einer Verurteilung getragen werden. Kommt es zum Freispruch, übernimmt die Staatskasse sämtliche Verfahrens- und damit auch Anwaltskosten.

Das gilt allerdings nur bei einer Berechnung nach RVG – wurde eine darüber hinausgehende Vergütungsvereinbarung geschlossen, werden nur die RVG-Gebühren erstattet.

Beispiele:

  • Sie wurden wegen Betruges angeklagt, konnten die Vorwürfe aber mithilfe eines Anwalts entkräften. Es kam zum Freispruch. Da der Anwalt nach RVG abgerechnet hat, werden Ihnen die Anwaltskosten vollständig erstattet.
  • Im gleichen Fall haben Sie mit Ihrem Anwalt eine Vergütungsvereinbarung geschlossen, die deutlich über den RVG-Gebühren liegt. Nach dem Freispruch wird nur ein Teil der Anwaltskosten erstattet – die Differenz zwischen RVG und Vergütungsvereinbarung tragen Sie selbst.

Wurde der Anwalt ausschließlich außergerichtlich tätig, ist eine mögliche Erstattung schwieriger.

 

Rechtsschutzversicherung

Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben, übernimmt diese in den meisten Fällen die Anwaltskosten. Dafür muss Ihre Versicherungspolice das Rechtsgebiet Ihres Falles abdecken.

Wenn Sie fälschlicherweise von einer Deckung ausgehen und den Anwalt ohne vorherige Nachfrage beim Rechtsschutzversicherer beauftragen, bleiben Sie möglicherweise auf den Anwaltskosten sitzen. Die Deckungsanfrage sollte daher so früh wie möglich erfolgen.

Verzögert sich die Zahlung des Rechtsschutzversicherers, müssen Sie die Anwaltskosten vorerst auslegen.

 

Sind Sie sich unsicher, ob Ihre Rechtsschutzversicherung die Rechtsanwaltskosten übernimmt? Wir stellen eine kostenfreie Deckungsanfrage bei Ihrem Rechtsschutzversicherer. Eventuelle Rückfragen des Versicherers können wir schnell und zuverlässig beantworten – so verlieren Sie keine Zeit. Jetzt kostenfrei prüfen lassen.

 

Beratungs- und Prozesskostenbeihilfe

Damit auch einkommensschwache Bürger Rechtsberatung und gerichtlichen Beistand nutzen können, stellt der Staat Beratungsbeihilfe und Prozesskostenbeihilfe zur Verfügung.

Wenn Sie Beratungshilfe nutzen wollen, müssen Sie sich an das für Ihren Wohnort zuständige Amtsgericht wenden. Dieses prüft Ihre Berechtigung, indem es Ihre persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse begutachtet.

Ob Sie einen Anspruch auf Beratungsbeihilfe haben, ist stark einzelfallgebunden. In einem Vorgespräch mit dem Anwalt kann dieser Ihren Fall grob einschätzen und im Zweifel den Antrag für Sie stellen.

Hat der Antrag Erfolg, erhalten Sie einen Berechtigungsschein. Damit kann der Anwalt seine Kosten aus der Staatskasse abrechnen. Der Eigenanteil beträgt dann lediglich 15,00 €.

Für Prozesskostenbeihilfe müssen Sie sich direkt an das Gericht wenden, das Ihren Fall verhandelt. Auch hier sind die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse darzulegen.

 

8. Wie erhalte ich Kostensicherheit?

Da meist der Einzelfall betrachtet werden muss, um Kosten zu beziffern, ist es schwer, vorab die genaue Höhe der Anwaltskosten zu berechnen, ohne Geld für eine Erstberatung auszugeben.

Hier kann advocado helfen. Nach einem kostenfreien Erstgespräch erhalten Sie ein unverbindliches Festpreis-Angebot für die gesamte Fallbearbeitung – damit haben Sie von Anfang an alle Kosten im Blick und können zuverlässig planen.

 

Wenn Sie ein Festpreis-Angebot für Ihren Fall erhalten möchten, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Notieren Sie sich die wichtigsten Eckdaten und Fakten Ihres Falles – wer ist beteiligt, worum geht es und welches Ergebnis wünschen Sie sich?
  2. Sammeln Sie alle relevanten Unterlagen und Schriftstücke – so haben Sie diese bei eventuellen Rückfragen schnell zur Hand.
  3. Schildern Sie hier Ihr Anliegen.

Nachdem Sie Ihre Anfrage gestellt haben, meldet sich innerhalb von 2 Stunden ein auf Ihr Rechtsproblem spezialisierter Anwalt. Dieser führt ein kostenfreies Erstgespräch mit Ihnen durch. Darin klärt er Sie über die Rechtslage, Kosten und mögliche Handlungsoptionen auf.

Hat sich im Erstgespräch ergeben, dass anwaltliche Begleitung in Ihrem Fall Sinn macht, erstellt der Anwalt das Festpreis-Angebot mit detaillierter Leistungsbeschreibung und Kostenaufschlüsselung.

Ihre Vorteile:

✓    Klärung aller wesentlichen Kostenfragen bereits vor Beauftragung des Anwalts.
✓    Die Beauftragung eines Anwalts wird erst dann vorgeschlagen, wenn die Erfolgsaussichten gut stehen – niemand wird in einen unnötigen und teuren Rechtsstreit geschickt.
✓    Umfassende Übersicht über alle anfallenden Anwaltskosten im Rahmen des Festpreis-Angebotes.
✓    Flexible Zahlungsmöglichkeiten – advocado ermöglicht z. B. bequeme Online-Zahlung, Ratenzahlung oder Prozesskostenfinanzierung.

 

Sie möchten sich über die Anwaltskosten
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Unser Anwalt erläutert Ihnen im kostenfreien Erstgespräch das mögliche Vorgehen.

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Patricia Bauer
Ein Artikel von Patricia Bauer aus der juristischen Redaktion bei advocado

Als Teil der juristischen Redaktion bei advocado steht Patricia Bauer stetig im Austausch mit Anwälten und anderen Juristen, um Ihnen bei schwierigen Rechtsfragen oder -problemen die besten Lösungsansätze aufzuzeigen. Dabei legt Patricia großen Wert auf eine verständliche Sprache, damit auch Nicht-Juristen im deutschen Paragraphendschungel den Durchblick behalten und ihre rechtlichen Angelegenheiten schnell, einfach und sorgenfrei erledigen können.

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